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Full text of "Archivalische Zeitschrift"

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ARCHIVALISCHE 



ZEITSCHRIFT 



HERAUSGEGEBEN 



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D"^ FRANZ VON LÖHER 

K. RAYKR. OKHKIMKN RATH, REICH.SAIICHIV.DIRKCTOR. UXlVKRSITiTB'PROFESSOR. ORD. ■ITaUBO OCR 

AKADKMIRN DKR WIS'tRXSCUArTBX I.V «ONCRKN, BKOSSKL «tc. 



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NEUNTER BAND. ^<:.''V'7c ITiC- »^i^ 



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MÜNCHEN. 
THEODOR ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOFBCCHHAKDLER. 

1S84. 



ARCHIVALI8CHE 



ZEITSCHRIFT 



HERAUSGEGEBEN /C' O^' - / c>>^ 



VON 




D«- FRANZ VON LÖHEK 

K. BAYER. GEBKIHBIf RATH. REICHSARCHIV-DIRBCTOR, UVIVIRSITÄTS'PROFESSOR, ORD. MITGLIED DLK 

AKADEMIEN DER WISSEXSCHAnSN IN mONCHRN, RROSSKL etc. 



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NEUNTER BAND. 



MÜNCHEN. 



THEODOR ACKERMANN 

KÖKIGLICHBR HOFBOCHHÄNDLER. 

1884. 



Kgl. Hof-Buchdruckerei von E. Mühlthaler in München. 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

I. Die Arten der päpstlichen Uricunden bis zum 13. Jahriiundert. Von 

Dr. Julius von Pflugk-IIarttung 1' 

II. NQrnbergische Geheimschrift im 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts. 

Von Dr. F. Wagner 14 ' 

III. Der hohenlohlsche Archivar Hanselmann und das forstlich hehenlehische ge- 

meinschaftliche Hausarchiv in Gehringen. Von G.Bossert 63 *^ 

IV. Schicksale des Plassenburger Archivs. Von Spiess und Märcker 77 ^ 

V. Bayerische Archivinstruktionen aus dem 16. und 17. Jahrhundert 

I. Vom 16. MUrz 158^, 90 «^ 

II. Vom 14. August KVIO 94 . 

VI. Zur Geschichte des Archivs der weiland freien Stadt und freien Reichs- 

stadt Worms. Von Dr. H. Boos. 

Einleitung 99 • 

I, Urkunden 107 

II. Aktenarchiv lOll^ 

VII. Das rothe Buch im städtischen Archive zu Straubing. Von Eduard 

AVimmer. 

I. Entstehung 120 ' 

II. Inhalt 122 

VIII. Ordnung des Archivs des ehemaligen kleinrussischen Kollegiums in 

Charkow. Von N. P. Ragosiu 129 ' 

IX. Ueber Ordnung und inventarisirung der Gemeinde - Archive. Von 

Dr. Pfannenschmid (Fortsetzung und Schluss) . . 136 

III. Die Schemata 140 

IV. Die Durchführung 163 

X. Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. Von Dr. Theodor 

Lindner 168 ^ 

XI. Summarische Uebersicht der Kodizes in den bayerischen Landesarchiven 193 

Xli. Bemerkungen zur Classification der Siegel nach meinem sphragistischen 

System. Von Dr. F.-K. Fürst zu Hohenlohe- 
AValdenburg 213 

XIH. Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. Von It. v. K 216 



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4- 



Seite 

XIV. Aus den amtlichen Jahresberichten des k. bayerischen Reichsarchiv- 

Oirektors fOr 1882 und 1883. 

I. Personalstand 244 ^^ 

II. lokale und Gerilthschaften 249 

III. Archivbestünde 251 

IV. Geschäftsbetrieb 267 

V. Laufender Dienst 276 

VI. Regestirung und Repertorisirung 28o 

VII. Sonstige bedeutendere Arbeiten 296 

XV. Einrichtung von Archiven. Vom Herausgeber. 

XI, Folgeordnung der Archivalien 30ö *^ 

XII. Verzeichnung der Urkunden 307 

XVI. Literaturbericht. 

I. Siegel von Urkunden aus dem grhz. Badischen General- 

I^ndesarchiv zu Karlsruhe von Dr. Fried r. v. Weech 313 
II. Ueber Archive in Kärnten von Leopold von Beckh- 

Widmaußtetter 316 

III. Zur Lehre von der kirchlichen Baupfhcht von AVilhelm 

Burkhard 317 

IV. Die Urkunde von Dr. Friedrich Leist 317 

XVII. Kleinere Mittheilungen. 

1. Broglie über Archivstudien 318 

2. Gutentag ist Montag 318 

3. Kcrenhusen und nicht Kenliusen 319 

4. Zerstreute Xrchivalien in Baden 319 

f). Päi>stliche Archiv- und Geschichtsschule 320 

6. Zur Wappen- und Siegelkunde 321 

7. Ungarische Archivordnung 321 

8. An die Mitarbeiter der Archivalischen Zeitschrift . . . 321 



I. Die Arten der päpstlichen Urkunden bis zum 

13. Jahrhunderte, 

nach Originalen untersucht 



von 



Dr. Julius von Pflugk-Harttung, 

Professor in Tübingen. 



Die Endpunkte und zu gleicher Zeit die Träger des päpstlichen 
Urkunden Wesens werden durch die grossen Massen der Prunkbullen 
und der kleinen oder Oemeinbreven gebildet. Dazwischen giebt es 
eine Reihe verschiedener Schriftstücke, in wesentlich geringerer An- 
zahl ausgestellt und erhalten. Bei Einreihung dieser Zwischenglieder 
ging ich in meinen „Urkunden der päpstlichen Kanzlei'' von dem 
Gesammteindrucke aus, den sie machen, eine Methode, die Vortheile 
bietet, sobald man die Originale selber vor Augen hat, sich aber 
sonst als ungenügend erweist, weil es vielfach unmöglich wird, 
scharfe Grenzlinien zu ziehen, sichere Merkmale der Gruppe anzu- 
geben. Und gerade dies ist bei Gruppirung das entscheidende. 
Hievon überzeugt, habe ich mich zu einer Aenderung des Systems 
entschlossen, die, auf eine Materialkenntniss gestützt, wie sie augen- 
blicklich niemand sonst von dem Gegenstande besitzt, für die Zukunft 
vielleicht die Grenzen ziehen dürfte. ^ 

Mittelbuilen. 

Es sind solche Urkunden, die nicht Rota und Monogramm 
wohl aber die päpstliche (bisweilen erweiterte) Unterschrift und eine 
eigene Datirungszeile aufweisen. Vor dem Aufkommen der Unter- 
schrift sind sie willkürlich gestaltet, ihrer allmählichen Entwickelung 
gemäss. Ich fand diese Gruppe in 38 Originalen von Alexander II 
bis auf Anastasius IV. 

ArchlvallBche Zeltschrift IX. 1 



2 Pflugk-Harttung : 

Von Alexander II sind es zwei Originale, eines 0,235 breit 
und 0,25 lang, das andere bei gleicher Breite mehr als von doppelter 
Länge, nämlich 0,51, wodurch es noch sehr an die alte ßoUenform 
des Papyrus erinnert. Das kleinere hat Bota und Monogramm 
en miniature, das grössere nur die Rota, die Datirung ist die der 
Prunkbullen, die Plumbirung geht einmal durch zwei, einmal durch 
drei Löcher, ist also völlig die der Prunkbullen. Die zwei Stücke 
Urbans n, die ich einsah, messen je 0,22 zu 0,33 und 0,47 zu 0,605, 
sie zeigen die Ausführung der Prunkbullen, nur, dass Bota und 
Monogramm fehlen, die Adresse durch die Grussformel abgeschlossen 
wird, einmal ein Amen den Hauptkörper schlicsst und einmal nicht. 
Die Plumbirung geht einmal durch drei, einmal durch acht Löcher, 
die in Rautenform gestellt sind. Die Urbanstücke bilden den üeber- 
gang zu den sechs mir von Paschalis 11 vorliegenden, zugleich 
nimmt die Urkunde jetzt ihre Grundform an, weil mit Paschalis die 
Unterschriften aufkommen. Das Schriftstück im Ganzen ist in der 
Art der Prunkbullen eingetragen, die Adresse schliesst gewöhnlich 
mit dem Grusse, kann jedoch auch die Verewigung aufweisen, 
Amen am Ende des Hauptkörpers können stehen und fehlen. Nur 
einmal ist das Instrument weniger feierlich, es hat da nur den ein- 
leitenden Namen in Gitterschrift und den des Empfangers hervor- 
gehoben, während das Uebrige gewöhnliche Bullenminuskel aufweist. 
Die Datirung wie früher. Die Unterschrift wird durch kein Kreuz 
eingeleitet und hat die übliche Form, in der Begel ohne Zusatz. 
Eine der Urkunden ist mit bedeutender Zeugenliste versehen; es ist 
eine Judikatsbulle, bei der auch die Unterschrift durch : „in presentia 
nostra hoc factum iuditium confirmavi et ss." erweitert worden. 

Unter Gelasius II, von dem mir fünf Nummern vorliegen, 
gelangt die Form auf ilu-e Höhe, vollständig die Prunkbullen ver- 
drängend. Sie weist deshalb auch sämmtliche Eigenthümlichkeiten 
^von dieser auf, nur dass die Unterfertigungszeichen fehlen. Die 
Unterschrift wird durch kein Kreuz eingeleitet und ist nach hinten 
durch die Sentenz : „Signum manus mee : deus in loco sancto suo" 
erweitert. Unter Calixt H anfangs noch in den Vordergrund 
tretend, wird sie zunehmend mehr wieder von der Prunkbulle über- 
holt. Von den neun Originalen, die mir vorlagen, gehören drei dem 
Jahre 1119 an. Die Eintragung ist wie unter Gelasius, nur, dass 
die Pergamentstücke bisweilen kleiner sind. Den Schluss der Adresse 
bildet gewöhnlich der Gruss, selten die Verewigung, Amen und 



Die Arten der päpstlichen Urkunden bis zum 13. Jahrhunderte. 3 

Zeugenfirmen können stehen und wegbleiben. Datirung und Plum- 
birung sind die der Prunkbullen, letztere geht durch drei Löcher. 
Die päpstliche Unterschrift wird anfangs durch kein, seit 1120 durch 
ein Chi-Bho- Zeichen eingeführt und kann hinten durch einzelne 
Worte, wie „confirmans, landaus'^ und dergl. erweitert sein. 

Die rückläufige Bewegung, die sich zumal in dem kleineren 
Pergamente Calixts beobachten lässt, geht in der Zukunft weiter. 
Mit HonoriusII, von dem ich drei Stücke habe, tritt die Neuerung 
ein, dass die Datirung die kleine der Breven wird, vertheilt über 
die Zeilenweite. Die Unterschrift ist ohne Erweiterungen und wird 
durch ein Kreuz eingeleitet. Der Hauptkörper kann in der Art der 
Prunkbullen ausgeführt sein, daneben aber auch in einer solchen, 
in der nur einzelne Theile des Vorrahmens durch Gitterschrift 
oder Majuskeln hervorgehoben sind und das Uebrige in etwas ver- 
grösserter Brevenschrift eingetragen wurde. Alle weisen die Ver- 
ewigung und drei Amen auf, zwei durch drei, eine durch zwei 
Löcher, also in Brevenform, plumbirt. Unter Innocenz II ist die 
Form (zehn Stücke) in der Auflösung begriffen. Neben solchen, 
die, mit Ausnahme der Unterfertigungszeichen, den Prunkbullen 
entsprechen, befinden sich solche, die den Breven nahe stehen, 
womit die unter Honorius weiter gebildete Herabminderung zum 
Durchbruche gediehen ist. Der Vorrahmen kann ganz, blos in der 
ersten Zeile, im „Innocentius episcopus" und schliesslich allein im 
„Innocentius^' mit Gitterbuchstaben eingetragen sein, in welch' letz, 
terem Falle auch der Name des Empfangers hervorgehoben zu sein 
pflegt Die Verewigung ist häufiger als der Gruss angewandt, die 
Amen fehlen durchweg, Zeugen sind selten, die Datirung kann die 
der Bullen und die kleine sein, erstere ist dort gewöhnlich, wo die 
erste Zeile Gitterschrift aufweist, kommt aber auch bei den anderen 
vor, die Plumbirung geht meistens durch zwei, seltener durch drei 
Löcher. Die Unterschrift wird durch ein Kreuz eingeleitet und ganz 
vereinzelt nach hinten durch die Sentenz erweitert. Innocenzens 
Gegenpapst Anaclet II von dem mir zwar keine Originale, wohl 
aber Abschriften und Drucke vorliegen, hat die Urkundenform in 
gleicher Weise, nur unverhältnissmässig häufiger angewandt, wo- 
gegen seine Nachfolger sie so ganz aufgegeben haben, dass sie uns 
nur noch als einzelne Ausnahme unter Anast asius IV vorgekommen 
ist; hier der Entwickelung gemäss nach der unfeierlichen Seite 

gebildet. 

1» 



4 Pflugk-Harttung : 

Prunk-Mittelbullen. 

Aus den in Unfeierlichkeit hinabsinkenden Mittelbullen zweigt 
sich in entgegengesetzter Richtung eine Gruppe ab, die wir als 
Prunk-Mittelbullen bezeichnen können. Sie steht den Prunkbullen 
zunächst, fuhrt wie diese : Rota, Monogramm, Unterschrift und Zeugen, 
unterscheidet sich aber dadurch von ihnen, dass sie nicht die zur 
Regel gewordene Verewigung, sondern die Grussformel aufweist und 
dass die drei Amen am Schlüsse fehlen, wozu sich im Laufe der 
Zeit noch weitere Merkmale gesellen. 

Die beschriebene Art haben wir in zwei Exemplaren, eines 
Innocenz II, eines Eugen III angehörig, unter Hadrian IV 
dagegen schon die Weiter- bezw. die Umbildung, welche sich als- 
dann bis auf Co lest in III darthun lässt. Der Vorrahmen weist 
Minuskeln auf, wie das Conscript, ausser der einleitende Papstname, 
der in Gitterschrift mit prunkhafter Bulleninitiale geschrieben ist, 
während der Name des Adressaten etwas hervorgehoben und die 
Oberlängen der ersten Zeile etwas gestreckt wurden. Unter Hadrian 
und Alexander III sind die Buchstaben gewöhnlich vergrösserte 
Brevenschrift, bisweilen mit einiger Bullenbeimischung, während wir 
unter Clemens III und Cölestin III Bullenschrift beobachten, 
doch, wie schon vorher, ohne oder nur mit schwach betonten Satz- 
initialen versehen, unter denen die das Conscript einleitende gern 
am meisten hervortritt. 

Da ich erst später auf diese Urkundenform aufmerksam wurde, 
habe ich leider nicht gleich angefangen, sie aufzuzeichnen. Was mir 
jetzt vorliegt, ist : I Hadrian, 4 Alexander, 1 Clemens und 1 Cölestin, 
doch entsinne ich mich deutlich, noch einige andere, namentlich 
Alexander angehörige, in Händen gehabt zu haben. Im Ganzen 
kommt die Form selten vor. 

Halbbullen. 

Die Halbbullen pflegen etwas kleiner als die Mittelbullen zu 
sein, von denen sie sich dadurch unterscheiden, dass sie keine 
päpstliche Unterschrift führen, während sie sich von den Gross- 
breven dadurch abheben, dass die Datirung stets eine Zeile füi* 
sich bildet, über Zeilenweite von dem Hauptkörper abgerückt. Von 
dieser Urkundengruppe lernte ich 15 Originale kennen, seit Urban H 
bis auf Eugen III. 



Die Arten der päpstlichen Urkunden bis zum 13. Jahrhunderte. 5 

Unter llrban II ist die Form noch nicht ausgebildet, ich 
fand sie nur in einem Exemplare, das 0,347 in der Breite und 0,53 
in der Länge misst. Die erste Zeile zeigt Gitterschrift und schliesst 
mit dem Grusse, das Conscript Bullenschrift, hinter dem letzten 
Worte ist Bullendatirung gesetzt, bei deren Endworte in der näch- 
sten Zeile fortgefahren ist: „Relecta vero et confirmata in concilio, 
quod idem papa Placentie celebravit". Es folgen eine Menge von 
Zeugenfirmen und unten noch einige sonstige Bemerkungen. Plum- 
birung durch drei Löcher- 

Mit Urbans Nachfolger Paschalis 11 wird die Form mehr 
ausgebildet, doch so, dass zwei Gruppen innerhalb derselben bleiben : 
eine, die der PiunkbuUe, eine, die dem Breve näher steht. Die vier 
Stücke Paschais zeigen ein wesentlich kleineres Format als das oben 
besprochene, drei von ihnen gehören zur ersten, eine zur zweiten 
Gruppe. Bei jenen ist die Adresse mit dem Grusse geschlossen, 
zwei haben die ganze erste Zeile in Gitterschiift, eine nur deren 
erste Hälfte, während die zweite etwas gestreckte Buchstaben, ein 
Gemisch von Majuskel- und Minuskelbildungen, aufweist. Conscript : 
Bullenschrift, Datirung der Prunkbullen, eine mit einer Zeugenfirma 
versehen. Die zum Breve hinüberneigende Urkunde zeigt nur 
„Paschalis" etwas hervorgehoben, das Uebrige in gewöhnlicher 
BuUenminuskel, eine Bullendatirung, aber ohne Nennung des Datars. 
Bei allen vier fehlen die Amen, Plumbirung bald durch drei, bald 
durch zwei Löcher. — Von Calixt 11 besitze ich drei Originale, 
wovon zwei zur feierlichen Gruppe gehören. Von diesen ist der 
Hauptkörper ganz in der Art der Prunkbullen gehalten, eines hat 
den Gruss, eines die Verewigung, jenes hat drei, dieses kein Amen, 
jenes volle Bullendatirung, dieses eine solche ohne Nennung des 
Datars. Das zur Brevengruppe gehörige Stück zeigt nur „Calixtus'* 
in Gitterschrift, den Namen des Adressaten in halblanger, alles 
Andere Bullenminuskel mit einigen betonten Satzinitialen, Breven- 
datirung über die Zeile vertheilt. Geht dort die Plumbirung durch 
drei Löcher, so hier nur durch zwei. Von Honorius H habe ich 
drei Originale untersucht. Zwei derselben sind in der Art der 
Prunkbullen ausgeführt, eines mit Verewigung, eines mit Gruss, 
während das dritte nur die Nominatio in Gitterbuchstaben hat, den 
Namen des Adressaten etwas hervorgehoben und die übrigen Ober- 
längen der ersten Zeile gestreckt. Alle drei weisen Bullenschrifk auf, 
keine Amen, und Brevendatirung über die Zeile ausgedehnt, zwei 



Q Pflugk-Harttung : 

mit dem Zusätze der Indiction. Plumbirung durch drei Löcher. 
Unter den drei Nummern Innocenz' IT ist eine mit Oitterschrift 
der Adresse, Verewigung, einem Amen und kleiner Datirung ver- 
sehen ; zwei dagegen mit hervorgehobenem Papst-, Empfängernamen, 
PPM, einem Amen, Bullendatirung ohne Nennung des Datars; 
Plumbirung durch zwei und drei Löcher. Von Innocenzens Nach- 
folgern wandte Lucius sich dem Grossbreve zu, nur noch Eugen III 
und wohl auch Hadrian IV Hessen einmal in Halbbullenform 
Urkunden, Eugen die Adresse in Gitterschrift, mit dem Orusso 
schliessend, Conscript in Bullenschrift, Amen fehlen, Datirung der 
Bullen, doch dem Hauptkörper nahe gerückt, Plumbirung durch 
drei Löcher. Hadrian hat nur noch den einleitenden Papstnaraen 
in Gitterschrift, das XJebrige mit dem Grusse in Bullenminuskcl, 
die kleine Datirung, Plumbirung durch zwei Löcher, das Eingetragene 
ist bis ziemlich dicht an die Kanten geführt ; — wir sehen, wie die 
Form fast ganz auf das Niveau der Grossbreven herabgesunken ist. 

Konstitutionsbullen. 

Diese Urkundenform wird von mir so genannt, weil die Päpste 
selber sie gern als „constitutio" bezeichnen. Ich sah sie nur unter 
Leo IX und Alexander II, von jenem ein, von diesem fünf Originale, 
die, mit einer Ausnahme, der Diöcese Lucca angehören. Möglich, 
dass locale Gewohnheiten sie veranlasst haben, möglich, dass die 
frühere bischöfliche Waltung der Päpste oder beides zugleich darauf 
von Einfluss gewesen. Sie sind auf grossen Pergamentstücken ge- 
schrieben und führen weder ünterfertigungszeichen noch Datirung. 

Das Exemplar Leos IX wird durch ein Chi -Rho- Zeichen 
eingeleitet. Leo episcopus und das letzte Wort des Hauptkörpers 
sind in Gitterschrift, das üebrige in grossen Minuskeln geschrieben. 
XJnterfertigungen fehlen ganz ; das Pergament ist unten umgeschlagen 
und durch zwei Löcher plumbirt. Nur im Transsumpte erhalten, 
doch ziemlich sicher hieher gehörig, ist eine Urkunde Leos für den 
Vatican. Sie wird eingeleitet durch: „Beate Petre apostole. Ego 
Leo" etc. Die Unterschrift lautet : „Ego Leo episcopus, servus tuus, 
beate Petre apostole, domum, quod tibi de tuo feci, manu propria 
roboravi", davor steht ein grosses Schnittkreuz mit Winkelpunkten, 
dahinter ein Komma Nr. 3. Unter Alexander H entspricht 
die Ausführung des Hauptkörpers der der Prunkbullen. Die erste 



Die Arten der päpstlichea Urkunden bis zum 13. Jahrhunderte. 7 

Zeile ist durch Gitterschrift oder durch betonte Majuskeln ausge- 
zeichnet, oder nur Alexander zeigt Gitter-, das Uebrige die Schrift 
des Conscripts; diese ist stets fränkisch. Unter dem Hauptkörper 
steht die Unterschrift des Papstes, beginnend: „Ego Alexander (in 
gestreckten Buchstaben) solius dei misericordia", alsdann verschieden- 
artig weitergeführt; sie wird eingeleitet durch ein Kreuz oder ver- 
schnörkeltes Chi-Rho -Zeichen. Ein Stück ist ausserdem noch mit 
Zeugenfirmen bereichert. Die Plumbirung geschah auf verschiedene 
Weise, doch ist die durch ein Loch geführte am meisten beliebt. 

Kontraktbulle. 

Mir ist nur ein Original Alexanders II vorgekommen, das 
iiusserlich den Konstitutionsbullen nahe steht. Es hat die gleiche 
Unterschrift und Plumbirung durch ein Ijoch. Die erste Zeile ist 
anfangs ganz, dann in einem Gemische von gestreckten und Klein- 
buchstaben ausgeführt. Sie setzt jedoch nicht wie durchweg die Kon- 
stitutionen mit dem Namen des Papstes, sondern mit der Invokation 
ein; das Conscript zeigt nicht fränkische, sondern alte Curialschrift 
und in ihm ist die Datirung angebracht. Vergl. meine Urk. der 
päpstl. Kanzlei S. 75. 

Episkopalbullen. 

Es sind solche Urkunden, die vom Papste als Bischof einer 
anderen als der römischen Kirche ausgestellt wurden; sie sind sehr 
selten und mir nur in zwei Originalen Alexanders 11 vorge- 
kommen, von ihm als Bischof von Lucca erlassen, und deshalb 
auch keine eigentlich päpstlichen, sondern bischöflich Lucchesische 
Schriftstücke. Sie zeigen oben schmales, sich nach unten er- 
breiterndes Pergament ohne Plumbirung, Lucchesische Schrift und 
das in Lucca vulgäre Dialektlatein. Der Papst wird eingeführt ein- 
mal als : „Ego Alexander servus servorum dei, sancte Romane ecclesie 
presul, Lucensis episcopus", das anderemal als : „Ego Alexander, sancte 
Bomane apostolice ecclesie presul et Lucensis episcopus^^ 

Vielleicht darf man auch eine Urkunde Cadalus' von Parma 
hieherziehen; auch in sie ist nichts von der päpstlichen Kanzlei 
übergegangen, sondern sie nimmt sich äusserlich ganz als Privat- 
urkunde aus , doch ist sie geschrieben von Wide, „notarius S. Palacii", 
und unterfertigt: „Ego Cadulus dei gratia episcopus atque electus 
apostolicus ss.^* 



g Fflugk-HarttUDg: 

Judikate. 

Hieher gehörige Urkunden liegen mir nur in einigen Stücken 
von Silvester II bis auf Urban II vor. Als dem augenblick- 
lichen Falle angehörig, von den sonst üblichen Instrumenten dieser 
Art beeinflusst oder gar bestimmt, nehmen sie sich verschieden aus 
und müssten deshalb je einzeln besprochen werden. Alle sind sie 
in fränkischer, nicht in Curialschrift ausgeführt; die erste Zeile 
pflegt hervorgehoben zu sein, braucht es aber nicht, gewöhnlich 
sind Zeugenfirmen, bisweilen auch die päpstliche Unterschrift ge- 
setzt, dies zumal in solchen, die unten umgeschlagen und plumbirt 
sind. Ein Judikat Silvesters 11 und eines Benedicts IX zeigen keine 
Spur von Besiegelung; erinnern darin mithin an die Episkopalbullen. 

Grossbreven. 

Von anderem abgesehen, unterscheiden sich Breven überhaupt 
dadurch von Bullen, dass sie die Datirung nicht auf einer eigenen 
Zeile zeigen, sondern angehängt an das letzte Wort des Hauptkörpers. 
Damit ist zugleich der besondere Unterschied von Halbbullen und 
Grossbreven gegeben, während sich diese von den Gemeinbreven in 
der Weise abheben, dass sie durch irgend etwas, gewöhnlich im Vor- 
rahmen Angebrachtes, ausgezeichnet sind. — Sie liegen mir in Original- 
Ausfertigungen von Gregor VII bis auf Innocenz HI vor. 

Doch vielleicht ist schon ein Stück Benedicts Vni hieher- 
gehörig, zwar nicht im Originale, sondern in einer das Original 
nachbildenden Copialurkunde erhalten. Sie wird eingeleitet diurch ein 
Chi-Rho-Zeichen, die erste Zeile zeigt verlängerte, eigenartig gesuchte 
und etwas betonte Buchstaben, beides Dinge, die ganz den Bullen 
entsprechen, was darauf hinweisen dürfte, dass in dieser Zeit die 
Ausführung von Bullen und Breven noch nicht so auseinanderging 
als später. Sehr möglich auch, dass das Schriftstück ursprünglich 
auf Papyrus, wie er in der älteren Kanzlei üblich gewesen, ge- 
schrieben war. Weder dieser Beschreibstoflf noch ein einleitendes 
Zeichen kommen seitdem in der Gruppe vor. 

Das erste Original, welches ich sah, gehört Gregor VH an, 
es ist ziemlich gross in Brevenschrift ausgeführt, doch mit betontem 
Initial-G, wie es die Bullen aufweisen, 0,302 breit, 0,308 lang, 
ca. 0,04 umgeschlagen, durch vier Löcher in Rautenform geht die 
braunrothe Seidenschnur, woran das Siegel hängt. Von Urban II 



Die Arten der päpstlichen Urkunden bis zum 13. Jahrhunderte. 9 

habe ich ebenfalls nur ein Stück, im Wesentlichen dem vorigen 
entsprechend. UR zeigt stark betonte Majuskeln und ähnlich solche 
die Initiale des Abtnamens; die Oberlängen der ersten Zeile sind 
gesti*eckt, das Pergament ist 0,055 umgeschlagen und dort geht 
durch vier Löcher in Dreieckform die dunkelrosa Seidenschnur. 
Dieser Urkunde entspricht eine Paschais ü, wo die Plumbirung 
durch drei Löcher geht, während eine andere Gitterschrift in der 
ersten Zeile aufweist und die Schrift des Conscripts mehr die der 
Bullen ist; Plumbirung ebenfalls durch drei Löcher. Zur Gruppe 
der feierlicheren Art gehört auch ein Breve Calixts II, ebenfalls 
mit Gitterschrift in der ersten Zeile, Plumbirung aber durch zwei 
Löcher, was von jetzt an zur Regel wird. Honorius 11 scheint 
keine Orossbreven erlassen zu haben, seine Art der Mittelbullen 
stand ihnen zu nahe. Dagegen hat Innocenz 11 sie von neuem 
angewandt; ich sah sechs Originale von ihm, die aber wieder in drei 
verschiedene Gruppen zu je zwei Stücken zerfallen. Die eine steht 
den bisher besprochenen Urkunden nahe. Das einleitende „Innocentius" 
und der Name des Empfangers in der ersten Zeile sind ausge- 
schrieben und zeigen gestreckte Buchstaben. Die Schrift ist ent- 
weder vergrösserte Breven , verkleinerte Bullenschrift oder ein 
Gemisch von beiden. Die zweite Gruppe erweist sich im Haupt- 
körper als ein gewöhnliches kleines Breve, nicht der ganze Name 
des Papstes, sondern nur INN ist gestreckt, doch kann statt des 
Gnisses die Verewigung stehen. Das Charakteristische ist hierin 
aber nicht, sondern in der Unterfertigung zu suchen, welche, ganz 
in der Art der Mittelbullen gehalten, päpstliche Unterschrift, Da- 
tirung in einer Zeile für sich und bisweilen Zeugen hat. Dass diese 
Schriftstücke trotz solcher Aeusserlichkeiten zu den Breven ge- 
rehnet werden müssen, zeigt Grösse und Gestalt des Pergamentes 
und die ganze Haltung. Die dritte Art, wie es scheint, dem Jahre 
1143 angehörig, ist auf ziemlich grossen, in Breite und Länge 
ungefähr gleichen Pergamentstücken ausgeführt (einmal 0,42 zu 0,435), 
„Innocentius" wurde in „Innoc." verkürzt, dessen Initiale ein mit 
starker Unterlänge versehener Buchstabe ist, NN halblang. Die Schrift 
ergiebt sich als vergrösserte Brevensehrift mit Bullenbeimischung. 
An den Gruss reiht sich die Conscript-Initiale, betont oder unbetont. 
Hinter dem letzten Conscriptsworte steht ein in Gitterbuchstaben 
ausgeführtes Amen, an das unmittelbar sich die Datirung schliesst. 
Die Plumbirung geht einmal durch drei Löcher. Unter CölestinH 



10 Pflugk-Hsrttung: 

treten die Grossbreven zurück; ich vermag nur einen Fall anzu- 
geben, der aber dem kleinen Breve nahe steht. In den Bogen des 
C ist G nach Bullenart eingesetzt. Anders Lucius II, der in drei 
Fällen, wohl mit Anlehnung an die letzte Gruppe von Innocenz, 
wieder auf die alte feierliche Form zurückgriff. Die erste Zeile ist 
entweder ganz in Gittersclirift geschrieben, oder doch das einleitende 
„Lucius", dem alsdann ein hervorgehobener Name des Empfangers 
entspricht. Die. Adresse schliesst mit dem Grusse, das Conscript ist 
entweder in verkleinerter Bullen- oder vergrösserter Brevenschrift 
eingetragen, oder besteht aus einem Gemische von beiden. Ein Amen 
kann am Schlüsse des Conscriptes stehen und fehlen, die Datirung 
schliesst die letzte Zeile ab. Lucius' Nachfolger Eugen III hat die 
Grossbreven beibehalten, doch in der Weise, dass sie den Gemein- 
breven wieder nahe kommen ; ich zählte sechs Nummern, die hieher 
gehören. „Eugenius" ist meistens, doch nicht immer, in Gitterschrift 
mit hervorgehobener Initiale eingetragen. Das Uebrige zeigt meistens 
vergrösserte Brevenschrift mit Bullenbeimischung. Ganz vereinzelt 
ist die Verewigung statt des Grusses, öfters, dass die Datirung nicht 
die des Breve, sondern eine erweiterte ist bis zu der vollen der 
Bulle, mit nachgetragenem Datarnamen, doch reiht sie sich immer 
an das letzte Wort des Hauptkörpers, etwa dessen und die nächste 
Zeile schmucklos füllend. 

Diese Art der Grossbreven geht mit Eugens nächsten Nach- 
folgern fast ganz in der der Gemeinbreven unter, bis sie sich mit 
Alexander III in einzelnen Fällen wieder auf die Eugens erhebt, 
nur dass die Datirung stets klein bleibt. Die Ausführung der Initiale 
entspricht, mit Ausnahme der Grösse, ganz der der Bullen. Alexander 
zur Seite finden sich dessen Gegenpäpste. Ihre Kanzleien waren 
nicht mit Arbeiten überladen, im Gegentheile, sie sehnten sich oft 
danach, etw^as zu thun zu haben, woraus sich erklärt, dass sie die 
Grossbreven verhältnissmässig häufig anwandten und zwar in der- 
selben Form, wie ihr Nebenbuhler, nur mit verstärkter Bullen- 
beimischung, die in einigen Stücken Victors lY bis fast zur Bullen- 
schrift mit verzierter Initiale gedieh. Unter Calixt III haben wir 
neben dieser jetzt üblichen Art eine andere, die an die älteren Gross- 
breven erinnert; die erste Zeile wird in hoher Gitterschrift, zu Anfang 
und am Schlüsse stark verziert, ausgeführt, neben einer Prunkbulle 
Calixts lU wohl das gi-össte Schriftkunstwerk, welches das päpst- 
liche, vielleicht überhaupt das mittelalterliche Urkundenwosen hervor- 



Die Arten der pttpstlichen Urkunden bis zum 13. Jahrhunderte. H 

gebracht hat. Doch damit erreichte die Form dann auch zugleich 
ihr Ende; die späteren Päpste haben das Grossbreve, welches uns 
bisher beschäftigte, so gut wie aufgegeben; Lucius III ist als der 
letzte zu bezeichnen, unter dem es in Ausläufern vorkommt. 

Mit Alexander ni tritt in der Brevirung eine Neuerung auf, 
deren Anfange sich schon bei dessen Vorgängern bemerkbar machen, 
sie besteht darin, den Wortlaut eines ganzen Instrumentes in das 
Breve einzuverleiben, welches als dessen Bestätigung dienen soll. 
Die Masse des zu Schreibenden war somit stark gewachsen, eine 
Thatsaclie, die die Urkunde schon räumlich aus dem Kahmen des 
gewöhnlichen Breves heraushob. Zunächst blieb dies ohne Wirkung 
auf die Ausführung, höchstens dass das Eingetragene etwas freier 
gestellt, mit etwas breiteren Rändern versehen wurde und, dass man 
einzelne Satzinitialen betonte. Doch bald Hess man es dabei nicht 
bewenden, sondern verstärkte die Freistellung, womit sich eine Her- 
vorhebung der ersten Zeile verband, darin bestehend, dass der ein- 
leitende Name in Gitterschrift mit Bulleninitiale eingetragen und 
dass die Oberlängen der ersten Zeile gestreckt, die f und f gewöhnlich 
mit Spitzschnörkeln versehen wurden. Im Conscripte wandte man 
alsdann vergrösserte Breven-, verkleinerte Bullenschrift oder ein 
Gemisch von beiden an. Namentlich unter Clemens III und 
Cölestin HI findet sich diese Art des Grossbreves; sie bildet 
mithin gleichsam die Fortsetzung der vorigen. 

Sekrete. 

Die Geheimbreven sind stets Gemeinbreven gewesen, die so 
zusammengefaltet wurden, dass sie nur durch Zerschneidung des 
Pergamentes oder der Siegelschnur geöffnet werden konnten, mithin 
für jeden verschlossen waren, dem nicht die Zerschneidung zukam 
Da nun aber solch' ein Verschluss zugleich verhinderte, den Adres- 
saten kennen zu lernen, so wurden sie mit einer Aufschrift versehen 
(DorsaUnschrift), die kurz den Empfänger nannte ; also z. B. „Salz- 
burgensi archiepiscopo". 

Sekrete der älteren Zeit sind selten , bis auf Eugen III zählte 
ich ihrer nur ungefähr ein Dutzend; erst unter den späteren 
Päpsten werden sie etwas gewöhnlicher. Offenbar beruht dies nicht 
allein auf geringer ausgestellter Anzahl, sondern auch auf ihrer 
Erhaltung. Schon an und für sich sind weniger Breven als Bullen 
auf uns gekommen, zumal bis auf Alexander III, vondem an allmählich 



12 Fflugk-HarttuDg : 

das Verhältniss sich umzukehren beginnt; von den erhaltenen 
Breven sind diejenigen am häufigsten, welche dem Aufbewahrenden 
Nutzen gewährten , und zu solchen gehören die Sekrete xlurchweg 
nicht. Sie pflegen eine persönliche Sache zu enthalten, einen Auf^ 
trag, Befehl, Tadel und dergl., der, wenn er ausgeführt oder gut- 
gemacht war, nur noch historisches, aber kein praktisches Interesse 
mehr gewährte. Und aus diesem ihrem Inhalte ergibt sich auch 
zugleich, dass sie zu der unfeierlichsten Art des Gemeinbreves 
gehörten, derjenigen, wo der Papstname in Minuskeln geschrieben 
und die Plumbirung durch Hanfschur geschah. Aeusserlich 
harakteristisch für sie ist, dass sie niemals unten umgeschlagen 
wurden. 

Als älteste Sekrete, die mir in ihrer Originalausfertigung vor- 
kamen, dürfen wohl zwei des Papstes Calixt II gelten, doch sind 
sie gewiss weit früher in Uebung gewesen, wenigstens schon zur 
Zeit Nikolaus II (Baxmann, Politik der Päpste 11 S. 290). Von denen, 
die ich sah, ist das eine Calixts der Länge nach viermal eingeschlagen, 
der so entstandene Streif in der Mitte, und alsdann ein Stich an 
jeder Ecke gemacht, durch den die Schnur oder ein dünner Faden 
gelaufen sein wird. Vielleicht auch, dass der untere Theil des Per- 
gamentes nachträglich abgeschnitten wurde. Bei dem anderen Sekrete 
hängt das Bleisiegel an einer Hanfschnur, die an der rechten Kante 
imten durch zwei Löcher geht, von der aber fraglich, ob sie 
ursprünglich ist; wenn ich nicht irre, geschah die Schliessung auch 
hier vermittelst eines durchgenähten Fadens, i) 

Von Honorius II haben mir keine Geheimbreven vorgelegen, 
dagegen mehrere von InnocenzII. Die Faltung geschah jezt zwei- 
mal der Breite nach, der Streif in der Mitte, und unten, wo die 
Kanten aufeinanderlagen , wurden durch alle Lagen zwei Löcher 
nebeneinander gestochen, durch welche die Verschlingung der Schnur 
in gewöhnlicherweise geschah. Auf die der Plumbirung entgegen- 
gesetzte Seite, also auf die Schmalseite, unterhalb des Mittelbruches 
wurde die Aufschrift gesetzt und zwar in der Regel so, dass sie 
für den richtig lief, der die Plumbirung nach unten hielt. Die Weise 
Innocenz II ist von seinen Nachfolgern beibehalten worden, die 
deshalb auch keiner weiteren Erörterung bedürfen. 



') Diese Xotizen wurden zu einer Zeit gemacht, als ich das Wesen der 
Sekrete noch nicht kannte. 



Die Arten der päpstlichen Urkunden bis zum 13. Jahrhunderte. 13 

Dies sind die Arten päpstlicher Urkunden, streng nach Original- 
vorlagen und äusseren Gründen eingetheilt, denen die inneren nur 
in den Hauptarten, in der Prunkbulle und im Gemeinbreve , ent- 
sprechen, sonst entweder wenig oder gamicht. Dieselben StolBfe 
werden zu verschiedenen Zeiten bisweilen einer verschiedenen 
äusseren Ausfertigung überwiesen, so dass Vorurkunde und Be- 
stätigung sich in dieser Hinsicht nicht immer entsprechen. 

Die Judikatsbullen mit ihrer Actumzeile, welche aus inneren 
Gründen eine wichtige Abtheilung bilden, gehören, rein äusserlich 
betrachtet, zu den Prunkbullen oder zu einem der Zwischenglieder 
und zwar in der Regel zu den Mittelbullen. So z. B. ein Cassineser 
Original Paschais TL (I. 4702). Dasselbe ist eine volle Mittelbulle 
mit Zeugenfirmen, nur dass zwischen den untersten Zeugen und 
der Datirung die Actumzeile steht, ausgeführt von der Hand der 
Datumzeile. Aeusserlich wird das Schriftstück nicht eigentlich da- 
durch beeinflusst, so dass man es als XJnterabtheilung einreihen 
kann, jedoch nicht weitergehen darf, ohne Verwirrung anzurichten. 
Die Unterabtheilung unterschiede sich hier von der Hauptmasse 
dadurch, dass die päpstliche Unterschrift einen Zusatz haben kann, 
und dass Zeugen und die Actumzeile zu stehen pflegen, Dinge, die 
bei jener gewöhnlich fehlen, jedoch, bis auf die Actumzeile, nicht 
gerade fehlen müssen. 

Auch noch auf eine andere Gruppe ist aufmerksam zu machen, 
welche als Unterabtheilung der Prunkbullen zu gelten hat ; sie kommt 
vor unter Victor II und Nikolaus II, ist äusserst selten und 
von mir nur dreimal beobachtet worden. Ihr Unterschied von den 
gewöhnlichen Prunkbullen besteht wesentlich darin, dass sie nicht 
durch die Nomination, nicht durch den Namen des Papstes, sondern 
durch eine Invocation eingeleitet werden, vor der regelmässig ein 
Chi-Kho-Zeichen steht, in einem Falle ist auch nicht die ganze erste 
Zeüe, sondern nur einiges darin hervorgehoben, i) 

Es wird eine der vornehmsten Aufgaben der Urkunden- 
wissenschaft sein, auch die anderen Kanzleien des Mittelalters in 
ähnlicher VlTeise auf die verschiedenen Arten der von ihnen aus- 
gegebenen Schriftstücke zu untersuchen, wie es hier mit der päpst- 
lichen geschehen ist. 



') Näheres über diese Urkunden Acta Pontificinn II Xr. 12G. 



II. Nürnbergische Geheimschrift im 15. und zu 

Anfang des 16. Jahrhunderts. 

Von 

Dr. F. Wagner, 
Gymnasiallehrer in Berlin. 



I. 

Gegenüber den Besitzungen der fränkischen HohenzoUem 
befand sich die freie Keichsstadt Nürnberg bei Ausgang des 15. Jahr- 
hunderts in einer eigenartigen geographischen Lage. ^) Sie war 
ringsum fast vollständig eingeschlossen von dem fürstlichen Gebiete, 
und die meisten ihrer Verbindungsstrassen mit der Aussenwelt waren 
für den Fall, dass Feindseligkeiten ausbrachen, abgeschnitten. Bei- 
nahe günstiger noch war es für die Bürger, wenn offen und ehrlich 
Krieg geführt wurde, als wenn ein Zustand ungewissen Friedens 
und heimlicher Begünstigung erklärter Feinde Nürnbergs eintrat. 
Denn im ersteren Falle reichten die Machtmittel der Stadt aus, um 
gewaltsam den nicht ganz geschlossenen Ring zu durchbrechen und 
Fühlung mit näheren oder entfernteren Freunden zu gewinnen; 
andernfalls aber konnte man sich nur schwer gegen Schaden sichern, 
und nicht blos der Handel litt dabei gewaltig, sondern auch der 
Verkehr mit den andern Reichsstädten, mit den benachbarten 
freundlich gesinnten Fürsten, mit dem Reiche war gefährdet und 
zeitweilig unterbrochen. Und nachdem Albrecht Achill in dem 
grossen Städtekriege vergeblich versucht hatte, mit seiner Helden- 
kraft die freiheitsliebende Bürgergemeinde niederzuringen, begann 



') Sie war, wie ein Bericht Nürnberger Gesandten vom 23. April 1500 
es ausdrückt, mit den Hohenzollern „geraengt". Vgl. dazu die Karte im 
11. Bande der deutschen Städtechroniken. 



Wagner: Nürnbergifiche Geheimschrift. 15 

in eigeiithümlicher, viele Jahrzehnte hindurch dauernder, stillerh 
emeist diplomatisch geführter Kampf zwischen dem Hofe zu Ansbac, 
und der Keichsstadt. Bald nach dem Tode des brandenburgischen 
Kurfürsten (1486) nahmen die ihm in den fränkischen Ländern 
nachfolgenden Söhne, die Markgrafen Friedrich und Sigismund, die 
früheren Streitigkeiten wieder auf. Zuerst suchten sie sich den 
Bücken zu decken. Sie gewannen (1488) — durch reichliche Unter- 
stützung in den Niederlanden — die Gunst Kaiser Friedrichs III. und. 
seines Sohnes Maximilian und damit den Befehl zur Wiederaufrichtung 
des Landgerichtes. Ganz besonders vortheilhaft für sie war aber die 
Gründung des schwäbischen Bundes und ihre Aufnahme in den- 
selben. (Vgl. darüber meine Abhandlung: Die Aufnahme der fränki- 
schen HohenzoUern in den schwäb. Bund. Progr. d. K. Friedr. Wilh 
Gymn. zu Berlin 1880 und die Fortsetzung in d. Forsch, z. deutsch. 
Gesch. XXII. S. 261—327.) Anfänglich nahmen die Misshelligkeiten 
zwischen den Bundesmitgliedern und den Herzögen Albrecht IV. 
von Bayern-München und Herzog Georg dem Reichen von Bayern- 
Landshut die ganze Aufmerksamkeit und Thätigkeit, wie der andern 
Nachbarfürsten, so auch der beiden HohenzoUern in Anspruch. 
Erst nach der Demüthigung der bayerischen Partei, auf deren Seite 
übrigens auch Nürnberg gestanden hatte, so dass es mittelbar 
wenigstens von dieser Niederlage mitbetroffen wurde (1492), tritt 
seitens der Markgrafen deutlich das Bestreben hervor, den schwäbi- 
schen Bund gegen Nürnberg zu verwerthen. Gründe zu Klagen gab 
es auf beiden Seiten beständig, wenn sie auch häufig nur ganz 
geringfügige Sachen betrafen. Bald wurden Beschwerden Branden- 
burgs über Nürnberg ein stetig wiederkehrender Pimkt der Bundes- 
verhandlungen. Daneben wurden dann noch anderweitig« Versuche, 
eine gütliche Einigung herbeizuführen , freilich meist erfolglos , ge- 
macht. Unermüdlich war anfangs der Erzbischof Berthold von Mainz, 
die Hadernden zu versöhnen. Dann nahm sich Herzog Albrecht 
der Beherzte von Sachsen der Streitigkeiten an, und wirklich glückte 
es, nach einem im J. 1493 unternommenen vergeblichen Versuche 
und nachdem es anfangs 1494 beinahe zu offenen Feindseligkeiten 
gekommen war, 1496 dem sächsischen Rathe Dietrich von Harras, 
mehr einen Waffenstillstand als einen Frieden herbeizuführen. Bald 
begannen die Reibungen von neuem. Schon am 1. Oktober 1498 
finden sich wieder Nürnbergische Gesandte am Hoflager des Mark- 
grafen in Ansbach ein, um neuerdings ausgebrochene Misshellig- 



16 Wagner: 

keiten beizulegen. Beiderseits bemüht man sich offenbar, einen 
recht gemässigten Ton zu wahren; die Gesandten der Stadt werden 
zur markgräflichen Tafel gezogen. Aber sachlich erwies sich eine 
üebereinkunft doch nicht möglich. Unverrichteter Dinge kehren die 
Gesandten heim, und von Tage zu Tage wird nun das Verhältniss 
wieder gereizter. Im März 1499 erbietet sich der Rath zu Nürnberg 
noch einmal, ein Schiedsgericht annehmen zu wollen; aber bereits 
war die Kugel im Rollen und nicht mehr aufzuhalten. Markgraf 
Friedrich suchte den Krieg gegen die Schweizer in ähnlicher Weise 
für sich auszubeuten, wie vor 11 Jahren den niederländischen Feldzug. 
Er wusste, dass er dem König Maximilian, wie dem schwäbischen 
Bunde im Felde unentbehrlich sei. Nichtsdestoweniger gab er sich 
den Anschein, in die Heimath aufbrechen zu müssen, weil er von 
neuen Feindseligkeiten der Nürnberger, Erbauung von Thürmen 
ausserhalb der Stadtmauer, gehört habe. Vorläufig erreichte er seinen 
Zweck. Um ihn zum Bleiben zu bewegen, wurde ihm Bundeshilfe 
gegen Nürnberg in Aussicht gestellt. Als er freilich nach Beendigung 
des Schweizerkrieges den Bund an das gegebene Versprechen mahnte, 
fanden sich Ausflüchte. Maximilian, der Nürnbergs Geldhilfe ebenso 
nöthig brauchte wie die Truppen des Markgrafen, zog die Sache an 
sich, und auf dem Reichstage zu Augsburg (1500) begannen weit- 
läufige Verhandlungen. Im Nürnberger Archiv befinden sich nun 
die Berichte der städtischen Gesandten darüber; sie liefern ein an- 
schauliches und lehrreiches Bild von den damaligen Zuständen. 
Aber sie bieten dem Leser dadurch viele Schwierigkeiten, dass 
dunkle Stellen darin vorkommen, die sich wunderlich genug aus- 
nehmen. So heisst es z. B. in der Relation vom 25. April 1500: 
als ich, Anthoni Tetzel, e. w. bevelh nach die am sei heut fru hab 
vernagelt, hat sie solchs gar zu grossem dank angenomen mit 
fast hohem erpieten solchs zuverdienen; die am sei hat auch mir, 
Anthoni Tetzel, daneben und alspald angezaigt, das sich pfab 
gestern frei tag zum frumal zu ir, der am sei, hette geladen u. s. w. 
In demselben Schriftstück ist von einem zeislin, sperber, auer- 
hahn die Rede. Oder in dem Bericht vom 2. Mai 1500 findet 
sich die Stelle: in dieser handlung hat die am sei so süss ge- 
sungen; ob es ain nachtigal het getan, so wer es doch genug und 
ist möglich, sie hab ir kelen mit den amaisaiern also erfrist; wie- 
wol wir dannocht on das kain mistrost in sie setzen, dann aus 
rechter musica ze singen. So schwingt das zeislin sein gefider 



Kürnbergische Geheimschrift. 17 

auch in aller höhe, hat auch bei uns sein schnebelein aus bevelh 
des Sperbers darinnen wol und getreulich gewetzt. — In einem 
Schreiben vom 22. Mai wird gesagt: item von wegen des paums 
haben wir sovil fleis gepraucht, das uns desselben sind abschrift 
zu nemen gestattet, desgleichen der handlung und recess zu Ess- 
lingen der merertail etc. In ähnlicher Weise laufen durch die ganze 
Kon-espondenz Bezeichnungen , die nicht im eigentlichen Wortsinne 
verstanden werden sollten. Neben Sperber, Amsel, Zeisig, 
Auerhahn und Pfau (= Pfab) treten Falke, Blaufuss, Wald- 
vogel, Haselhuhn, Kohlmeise, Eichhorn, Sittich, Sala- 
mander und Stieglitz auf; mehrfach ist vondem Mannne oder 
den Verwandten mit goldnen Sporen die Bede. Der Baum 
und seine Aeste werden oft erwähnt; einmal ist auch die Be- 
zeichnung die vom schwarzen erdroich gebraucht. Die Aus- 
drücke nägel, vernageln müssen ^dem Zusammenhange nach 
auch eine uneigentliche Bedeutung haben. Es ist klar, dass.die 
Gesandten, nicht um ihren Witz zu beweisen, sondern infolge einer 
bestimmten Verabredung mit ihren Auftraggebern sich dieser Geheim- 
sprache bedient haben, und auch der Grund für diese Einrichtung 
tritt deutlich genug in dem Briefwechsel hervor : man fürchtet beider- 
seits, im Rathe zu Nürnberg sowohl wie im Schoosse der Nürn- 
bergischen Gesandtschaft zu Augsburg, dass die überaus wichtigen 
und viele diplomatische Geheimnisse enthaltenden Briefschaften vom 
Feinde zufgefangen und zu seinen Zwecken verwerthet werden 
könnten, i) Es sollte nun durch Anwendung dieser Geheimsprache 
das Verständniss erschwert und für alle Fälle diesen Mittheilungen die 
unwiderlegliche Beweiskraft bei etwaigen Anklagen genommen werden. 

Es fragt sich nun, ob diese geheimen Zeichen zu enträthseln 
sind oder nicht. Bei einigen ist es für den in die Geschichte 
dieser Zeit einigermassen Eingeweihten leicht hinter das Geheimniss 



^) In dem Bericht vom 4. Juni 1500 heisst es in dieser Beziehung: wir 
haben e. w. hievor geschriben, das ir mögt ausnemen, wen ir wollt; doch mit 
unterscliid, das der federn nit zu bevelhen sei. Der federn halben ist darumb 

geschehen, ob der briefe wer nidei^gelegen Gleich nach ihrer Ankunft 

in Augsburg schrieben die Gesandten am 4. April : als vor unserm abschid von 
ainer postrey etwas reden sind bescheen, bedunkt uns gut und notturftig 
sein, dieselben zwuschen hie und Nurmberg an gelegen end uflFzerichten .... 
Und am 19. März 1500 heisst es: wir haben e. w. die Schriften zwifach zuge- 
schickt; ob aine underwegen niderleg, hoffen wir, die ander e. w. zukomen werde. 
Archivalische Zeitschrift IX. ^ 



18 Wagner: 

zu kommen. Dass mit dem Sperber König Maximilian, mit dem 
Pfau (pfab) der Markgraf Friedrich von Brandenburg, mit dem 
Baume und seinen Aesten der schwäbische Bund und seine 
Mitglieder gemeint seien, ergiebt sich aus dem Zusammenhange 
ohne grosse Schwierigkeit. Bei andern Bezeichnungen aber zeigt 
erst die Vergleichung verschiedener Stellen, welche Person unter 
dem Thiernamen zu verstehen ist. Man sträubt sich fast, unter der 
Amsel den Erzbischof Berthold von Mainz zuerrathen; denn 
zu dem Bilde, das Ranke von ihm entworfen hat, wollen die Mit- 
theilungen in diesen Berichten gar nicht recht passen. Die Amsel 
ist „vernagelt" worden, heisst nämlich nichts anderes, als Berthold 
hat Geldgeschenke von den Nürnberger Gesandten erhalten, und 
zwar ist er nicht einmal, sondern mindestens zweimal bestochen 
worden. *) Und doch kann kein Zweifel darüber obwalten, dass mit 
der Amsel der Krzbischof gemeint ist. Es ergiebt sich dies nicht 
nur aus dem Zusammenhange, sondern auch aus einer Randbemerkung, 
die sich in einem der Berichte fii)det. Diese Relationen wurden 
jedenfalls im Rathe vorgelesen. Zu diesem Behufe wurden sie aber 
erst zubereitet Es gab Stellen, die sich gar nicht zur Mittheilung 
eigneten. Bei diesen steht am Rande tace. Wahrscheinlich sollte 
nun aber die Bedeutung der Geheimzeichen auch nicht allgemein 
bekannt werden und deshalb mochten der Rathsversammlung nur 
die richtigen Namen vorgelesen werden. 2) Um dem Vorleser dies 
zu erleichtern, findet sich in einigen Berichten für diese oder jene 
Bezeichnung in margine die Bedeutung vermerkt. 3) Daraus ergiebt 



•) Um die Bedeutung der nägel und des vernageln sicher zu stellen, 
führe ich ausser der obigen noch einige Stellen an. Bericht vom 22. Juni 1500: 
so haben wir auch noch auf ain weg gedacht, ob bei dem Sperber were anzu- 
halten, das er die sach bei dem ersten gegeben recess bleiben und der streng 
und ernstlich mandat ausgeen Hess an dem Pfaben, demselben zu gleben und 
mit der gewaltsam still zu steen und das e. w. desselben durch verschreibung 
versichert, damit es des andern tags nit widerumb geendert wurde und das man 
dem Sperber darum ein ermel mit 3 oder 400 n e g e l i n anheftet . . . Bericht 
vom 13. Mai: Salamander habe ich noch nicht vernagelt, weil sein junger 
nit hie ist, der bei der sache gut were und aus furcht, es sei nach gelegenlieit 
seins vorforderen zu wenig .... Bericht vom 12. April : so sein wir n e g e l 
notturftig; der wolle uns e. w. 2000 furderlich her gen Augspurg bestellen; 
dann wir hie nit negel durch Wechsel mögen aufpringen .... 

*) Christoph Scheurl schreibt 1516: Reliqui (Mitglieder des kleinen Rathes) 
in'comparatione horum (der 7 Eiteren Herren) parum sciunt etc. 

■) Von besonderer Wichtigkeit für die oben dargestellten Verhältnisse 



Nürnbergische Geheimschrift. 19 

sich mit Sicherheit, dass unter der Amsel der Erzbischof von Mainz 
zu verstehen ist. Leider lassen sich nicht alle Zweifel so leicht 
lösen wie dieser. Besonders für die weniger oft auftretenden oder 
minder bedeutenden Persönlichkeiten fehlt dieser Schlüssel i), und 
gerade bei ihnen giebt auch der Zusammenhang nicht immer genü- 
genden Anhalt, ihre Identität festzustellen. Auf Seiten der Nürn- 
berger stehlt der Falke. Dass damit Herzog Albrecht IV. von 
München gemeint sei, zeigt die Stelle im Bericht vom 26. Mai: 
Wolf von Ahaim, des falken hofmeister (vgl. Müller, Reichstagsth. 
unter Maximilian IL 684); Marginalbemerkungen bestätigen es. 
Ebenso gehört zu den Freunden der Nürnberger der bei Beginn 
des Reichtags öfters erwähnte Sittich. In dem Bericht vom 
22. Mai wird ein Verhör der Parteien vor dem Könige erwähnt; 
dasitzen zur Rechten: am sei, eichhorn, Salamander, hasel- 
huhn; zur Linken: Waldvogel, falk, sittich und Meklenburg. 
Daraus geht Avenigstens soviel hervor, dass der Sittich imter den 
weltlichen Fürsten sitzt, und der Umstand, dass er neben dem 
Falken seinen Platz hat, deutet auf einen Witteisbacher hin. In 
dem Bericht vom 8. Mai wird erwähnt, dass der Rentmeister zur 
Weiden „von wegen Clement von Wisentau" an den Rath von Nürn- 
berg geschrieben habe 2) und deshalb den Gesandten befohlen worden 
sei, mit dem Sittich zu verhandeln. Aus dieser Notiz folgt doch wohl, 
dass Herzog Georg von Bayern -Landshut unter dem Sittich 



sind die Berichte vom 2. und f). Mai 1500. In diesen wechseln die Anmer- 
kungen tace und lege mit einander ab. So z. B. steht tace neben tler oben 
angeführten Stelle: in dieser handlung etc. Bei Amsel ist in dem Bericht vom 
r>. Mai immer Erzbischof von Mainz darüber geschrieben. Im Bericht vom 
4. Juni ist für amsel am Rande bemerkt: ein gewaltiger. 

*) Dass ein wirklicher Schlüssel sich sowohl in Nürnberg wie im Besitz 
der Gesandten befand, ergiebt sich wohl mit Sicherheit aus den weiter unten 
folgenden Mittheilungen sowie auch aus der im Bericht vom 15. April ausge- 
sprochenen Bitte : Item nachdem unser gn. h. von Mentz so getreulich in uuseni 
Sachen handelt, wolle uns e. w. versteen lassen, ob und wie s. f. g. zu vereren 
sei, wollet uns auch eine copei von dem vocabulari f urderlich schicken. — 
Dadurch wird auch erklärlich, dass erst einige Zeit nach diesem Ersuchen (also 
nach dem Eintreffen des Vokabulariums) die Geheimzeichen zahlreicher und 
fast regelmässig in den Berichten auftreten. « 

*) In einem andern Aktenfaszikel findet sich (vom 20. April 1500) dieser 
Brief des Rentmeisters zur Weiden Hans von Floss an den Rath zu Nürnberg, 
dass dessen Diener Clemens von Wiesenthau ihm anstatt seines Herrn, 
des Herzogs Georg von Bayern, noch keine Rechnung gelegt habe. 

2* 



20 Wagner : 

zu verstehen ist. Dafür spricht auch die folgende Stelle im Bericht 
vom 13. Mai: under denen haben wir dem sittich die sach gar 
wol geteutscht und angezaigt, \va es zum ernst oder tat langen, das 
sein darinnen nicht verschont, sunder er auch in die hilf gezogen 
wurde. Der hat uns auch geraten, bei der ko. mt. statlich anzu- 
halten und in dem beschid nit zu grubein, und sich furwar so 
gnedig bewisen, das wir ain trost und freud darab haben empfangen 

und sich erpoten, dise ding mit ko. mt. selbs zu handeln 

e. w. vorfarn und ir hettens auch umb seinen vater i) und ine wol 
verdint .... Denn offenbar bezieht sich diese Ankündigung auf 
das Bündniss, in dem Herzog Georg mit Nürnberg stand. 2) Noch 
sicherer freilich würde die Identität festzustellen sein, wenn sich 
nachweisen Hesse, dass er mit Nürnberg wegen Leynburg im 
Streit gelegen habe. Doch vermag ich darüber nichts beizubringen. 

Als sehr einflussreich wird unter den Gönnern Nürnbergs der 
Waldvogel (oder auch die Waldvögel) erwähnt. Er sitzt über 
den bayerischen Fürsten, wenn Verhör gehalten wird. Schon daraus 
könnte man wohl darauf schliessen, dass es ein Kurfüst sein möchte. 
Am 15. Juni berichten die Gesandten: zuerst sei der Pf ab (d. h. der 
Markgraf von Brandenburg) gehört worden; dann seien sie vorge- 
fordert worden und hätten gebeten, ihnen das Vorbringen des Gegners 
zu eröfTnen. Darauf habe sich der König mit der Amsel und dem 
Waldvogel, zwischen denen er gesessen liabe, besprochen. 
Noch wichtiger für die Feststellung dieser Persönlichkeit ist folgende 
Stelle im Bericht vom 4. Juli: So hat Waldvogel heut dis tags 



>) Jedenfalls geht diese Aeusserung auf das Bündniss Nürnbergs mit 
(jeorgs Vater Ludwig im Kriege ge^en Albret^ht Achill im J. 1461. 

*) Dieses Bündniss machte den Nürnberger Gesandten Bedenken, als es 
sich um den Eintritt ihrer Vaterstadt in den schwäbischen Bund handelte. Sie 
schreiben am 4 Juni : Nun ist des p a u m s Ordnung auf den ko. landfridcn 
und zu handliabung desselben ergrundet und gestellt. Das haben alle fursten, 
dem paum verwandt, die on zweifei mit andern auch in pundnus sind, be- 
dacht und ganz kein ausnemen gethan. Der falk hat auch eu nit ausge- 
nommen. Darumb haben wir in vorigem schreiben gesetzt die meinung; wa 
aber e. w. niemand wolt ausnemen, das möcht auch geschehen und dannoch 
unverletzt aller 4)illichait etc. Dann e. w. nemen aus oder nit , so gilt es dos 
bau ms halben obverlauter Ursachen halben gleich. Wolt aber e. w. je 
gelieben eur pundtgenossen auszunemen, so bedunkt uns zu thnn sein, das 
ir die Bayrischen het ausgenomen die Zeit ans, dieweil eur 
ainung wer et 



Nümbergische GeheimBchrilt. 21 

auch nach mir geschickt und vertreulich mit mir allein in einem 
gemach bei 2 stunden lang gehandelt und ich im die handlung 
entdeckt, des er dannocht des pfaben halben verwundern und 
vorhin nit wissen gehabt. Bei dem find ich gnad und gunst und 
das er e. w. sach nit verunglimpft, dann allein die that zu Ried, 
die will er nit loben und zeigt sich sorgfeltig an als ein hoch ver- 
stendiger fürst; wa die sach lang in dem wesen bleib steen, das 
es nit für euch were, und obgleich pfab seinen schwänz für sich 
selbs gegen ou nit auspreitet, so möchte er eu dannocht zuschub 
thun, die eu und dem handel und dem wesen zu Nurmberg un- 
treglich weren. Wa ir eu dann an ihn woUtend richten, so tröstet 
er sich grosser hilf. So wiste er, derwaldfogel, das ime der 

Hess het zusagen getan mit leib und gut wider eu zu hilfen 

Ein hochverständiger Fürst, der von dem Versprechen der hessischen 
Hilfeleistung Kenntniss hat? Das sollte doch wohl der Kurfürst 
Friedrich der Weise von Sachsen sein, der mit Brandenburg 
und Hessen in Erbeinung und Erbverbrüderung stand, i) Auch dass er 
sich nach dem oben erwähnten Bericht als Vermittler in den Streitig- 
keiten zwischen Nürnberg und dem Markgrafen anbietet, rechtfertigt 
die Vermuthung, ebenso wie die Notiz in dem Bericht vom 26. Mai, 
dass der pfab sein gesicht gar scharpf hat gespitzt, als am heraus- 
geen eichhorn, waldfogel und falk bei uns gestanden und 
gar gnedig zugesprochen haben. 2) Als die Nürnberger aufgefordert 
werden, Schiedsrichter vorzuschlagen, rathen die Gesandten, Mainz, 
Kursachsen und Albrecht von Bayern dazu zu ernennen. Die 
Bezeichnung waldfogel kommt zum ersten Mal in dem Bericht 
vom 8. Mai vor und am 3. Mai ist der Kurfürst von Sachsen in 
Augsburg eingeritten. Am 25. April berichten die Gesandten, es 
gehe das Gerücht, Kurfürst Friedrich von Sachsen werde in den 
schwäbischen Bund eintreten, und am 1. Juli schreiben sie, die 



*) Dasg Nürnberg mit Friedrich dem Weisen gut stand, ergiebt sich 
aus den bei Müller Reichstagstheater unter Maximilian I. S. 727 angeführten 
Schriftstücken. 

') Das Verhältniss zwischen Friedrich dem Weisen und Markgraf Friedrich 
von Brandenburg war damals schon ein ziemlich gespanntes. So z. B. bat Letz- 
terer am 25. Februar 1500 die Stadt Augsburg, ihm in den Streitigkeiten mit 
Sachsen Dr. Conrad Peu tinger zu leihen und zuzuschicken. (Germ. Mus.). Am 
6. April bittet der Markgraf Dr. Conrad öterzel, ihm in den Streitigkeiten mit 
Sachsen zu rathen. (Berl H. Arch.) 



22 Wagner: 

Amsel halte gänzlich dafür, dass die Waldvögel — dann man in 
handlang stund und des verzeichnus vor äugen were — auch ir 
verstentnus mit den puntschen gewinnen. Gleich bei der ersten 
Erwähniüig des Waldvogels wird bemerkt, dass sich Pfeffmger, des 
Waldvogels verwandter, gar gatwillig erzeigt habe. Die Gesandten 
fragen deshalb an, ob sie im nun die eisen mit etlichen negeln 
verheften sollen .... dann er bei dem Waldvogel für ander ist 
geübt und gehört.^) ... 

Neben diesen weltlichen Fürsten stehen aber auf Seiten Nürn- 
bergs ausser der Amsel noch andere geistliche Herren, die oben 
bereits als zur Rechten des Königs sitzend erwähnt wurden. Da 
ist zuerst das Eichhorn. Auch diese Bezeichnung findet sich vor 
dem 3. Mai in keinem Bericht, und schon dadurch wird die Ver- 
muthung unterstützt, dass darunter der Erzbischof von Magde- 
burg, welcher zugleich mit dem sächsischen Kurfürsten auf dem 
Reichstage eintraf und sich ebenso günstig wie jener für Nürnberg 
aussprach, zu verstehen sein wird. Dass mit der Bezeichnung 
Eichhorn ein höherer Kirchenfürst gemeint ist, ergiebt sich aus dem 
Platze, den er einnimmt. Er kommt gleich hinter der Amsel. Und 
dass der Erzbischof von Magdeburg — damals ein sächsischer Prinz 
Ernst — nicht blos mit dem Waldvogel zusammen, wie oben be- 
merkt, den Nürnbergischen Gesandten gelegentlich beim Heraus- 
gehen gnädig zugesprochen hat, sondern auch mit der That be- 
hilflich gewesen ist, ergiebt sich aus einem Schreiben der Gesandtschaft 
an Bürgermeister und Rath zu Nürnberg vom 2. Juni, worin sie den 
Magdeburgischen Rath Dr. Preusser, der ihnen mannigfache Dienste 
geleistet habe, bei seiner Durchreise warm empfehlen. Magdeburg 
gehörte auch zu dem Ausschuss, der mit der gütlichen Beilegung 
der Zwistigkeiten betraut war. Andere Anhaltspunkte finden sich 
allerdings zur Beantwortung dieser Frage nicht. — Neben dem 
Eichhorn sitzt der Salamander. Bei diesem ist dadurch ein kleiner 
Fingerzeig gegeben, dass in dem Bericht vom 13. Mai erwähnt wird, 



*) Ein Bericht Nümbergischer Gesandten vom 7. Mai 1502 liefert noch 
eine neue Bestätigung. Da heisst es : wir hören gern, dass der tag zwischen den 
vögeln nit furgang gewinnt, und halten es dafür, das der abschlag aus der 
ursach sei bescheen, das des aurhans jung, waltfogel und des pfaben bruder 
und der pfab am erchtag in den pfingstfeirtagen zu Erfurt zesamen komen. 
Diese Notiz bezieht sich unzweifelhaft auf die Zusammenkunft der branden- 
burgischen und sächsischen Fürsten, die in Erfurt li>02 stattfaud. 



NOmbergifiche Geheimschrift. 23 

die Gesandten hätten mit dem Salamander wegen Hans Rieters 
Armenleuten verhandelt und ihm einen Brief gezeigt. Dieser Brief, 
dessen Abschrift beiliegt, ist an den Bischof von Würzburg 
gerichtet und auf diesen scheinen alle Beziehungen, in denen der 
Salamander auftritt, zu passen. Am 5. Mai wird berichtet, Sala- 
mander sei bei zwei Tagen in seinem Nest gewesen und fühle 
sich schwach; er werde vielleicht nicht nach Augsburg kommen. 
Am 13. Mai aber erklären die Gesandten, sie seien u. a. auch beim 
Salamander gewesen; sie haben jene oben erwähnte Verhandlung 
gepflogen; sie hätten ihn noch nicht vernagelt, weil sein Junger 
nicht anwesend sei, der bei der Sache gut wäre, und aus Furcht, 
es sei nach Gelegenheit seiner früheren Forderung zu wenig. Nun 
war der damalige Bischof von Würzburg Lorenz (1495—1519) 
aus dem Hause Bibra; unter seinem Jungen i) wird Hans von 
Bibra, den die Gesandten schon früher in ihrem Bericht vom 
9. April erwähnt hatten, zu verstehen sein. Am 26. Mai wird 
Salamander unter denjenigen genannt, welche dem Könige zur 
Rechten sitzen; es sind dies lauter Bischöfe (vgl. Müller Reichs- 
tagsth. unter Fr. HI. 6. Vorst. S. 7), und es könnte demnach höchstens 
der Zweifel entstehen, ob unter dem Salamander nicht ein anderer, 
in diese Verhandlungen eingreifender Bischof, etwa der von Worms 
oder der von Eichstätt, zu verstehen sei. Dagegen spricht nun aber 
entschieden eine Stelle in dem Bericht vom 8. Mai 1502, wo es 
heisst : Item, die amsel bat auch verlauten lassen : sie wiss, dass des 
pfaben bruder^) dem Salamander werde fehd zuschieben, das er 
beschedigt werd; das habe des pfaben bruder ir, der amsel, selbs 
gesagt; desgleich werde der pfab stiglitz und haselhon auch thun. 
Dadurch werden die beiden Bischöfe von Worms 3) und Eichstädt 
ausgeschlossen, da ihre Gebiete doch zu entfernt lagen. Eher würde 
diese letztere Notiz auf den Bamberger Bischof passen; doch gegen 



*) Der Junge bedeutet allgemein: Anhänger, Rath oder Gesandter, nicht 
etwa naher Blutsverwandter. 

■) Des pfaben bruder kann , da Markgraf Friedrichs leibliche* Brüder, 
Kurfürst Johann Cicero und Margraf Sigismund, schon seit 1499 bez. seit 1495 
todt waren, nur Kurfürst Joachim I von Brandenbuig sein. Er hatte schon 1500 
entschieden auf Seite seines Oheims gegen Nürnberg gestanden. Dass Joachim 
als Bruder Friedrichs bezeichnet wird, ist nichts Seltenes. 

•) An diesen könnte auch schon deswegen nicht gedacht werden, weil 
sich aus dem Bericht vom 8. Mai 1502 ergiebt, dass Salamander in der Nähe 
Nürnbergs begütert und mit der Eeichsstadt im Bunde gewesen sein muss. 



24 Wagner : 

diesen spricht wieder der Umstand, dass Salamander den Nürn- 
bergern persönlich sein "Wohlwollen auf dem Reichstage bewiesen 
hat, während die Anwesenheit des Bischofs von Bamberg in keinem 
dieser Berichte erwähnt wird, i) Freilich müssen stiglitz und haselhon 
auch benachbarte Bischöfe sein. Das Haselhuhn sitzt am 26. Mai 
neben dem Salamander auf der Seite der Bischöfe. Ebenso wird er 
mit Salamander zugleich am 13. Mai als ein Freund Nürnbergs er- 
wähnt. Schon am 8. Mai wird er von den Gesandten um Hilfe 
angegangen. Es bleibt kaum eine andere Möglichkeit, da 1502 das 
Haselhuhn neben dem Stieglitz vom Markgrafen bedroht wird, als 
den Bischof von Eichstädt, Gabriel von Eyb, darunter zu ver- 
stehen. 2) Dann würde als Stieglitz der Bischof von Bamberg 
übrig bleiben. In den Berichten aus dem Jahre 1500 wird er, so 
weit ich es verfolgen kann, nur zweimal erwähnt. Daraus lässt sich 
keine weitere Bestimmung gewinnen. Dagegen würde die Erwähnung 
des Stieglitz in dem Berichte vom 7. Mai 1502 (das hätte sie, die 
amsel, allein darum gesungen, dem dannocht nachzugedenken; man 
mochte dannocht je versteen, was uf die letz aus disem allem mocht 
erfolgen, damit ein grossem schaden zufurkomen und damit den 
stiglitz mit seiner richtigung auch angezogen etc.) auf 
den Bamberger Bischof wohl passen. 

Sehr häufig wird auf Nürnbergs Seite das Zeislin erwähnt. 
Aber eine Andeutung darüber, wer darunter zu verstehen sei, findet 
sich erst in der Relation vom 4. Juni. Da heisst es am Schlüsse: der 
Kammermeister Maximilians habe sich nachten erboten, heut gute 
Botschaft zu bringen. In einem beigelegten Zettel wird erwähnt: 
das Zeislein sei wirklich gekommen, zuerst offiziell mit Dr. Neydecker 
als königlicher Bote, um einen Ausgleichsvorschlag zu überbringen ; 
dann aber sei er noch einmal allein erschienen u. s. w. Man wird 
diese beiden Notizen wohl mit einander in Verbindung bringen 
und demnach unter dem Zeislein den Kammermeister Maximilians 



^) Auch in der Ordnung des Reichsr^ments (bei Müller Reichstagsstaat 
unter Maximilian S. 28 ff.) werden die Bischöfe von Würzbiu^, Eichstädt, Augs- 
burg u 8. w., aber nicht der Bischof von Bamberg als anwesend unter den 
Zeugen angeführt. 

•) Dass dieser vielfach in dieser Streitsache thätig gewesen ist, z. B. als 
königlicher Kommissarius wegen der That zu Ried, ergiebt sich aus früheren 
Berichten der Nürnberger Gesandten (März 1500). — Im November 1500 be^ 
suchte er Nürnberg. P. Stchron. XI. 594. 



Nürubergische Geheimschrift. 25 

W. Wolff verstehen dürfen. Dass dieser eine bedeutende Rolle bei 
den Verhandlungen gespielt hat, ergiebt sich aus einer Reihe von 
Notizen. So schreiben z. B. am 12. April die Nürnbergischen Ge- 
sandten : Auch geen wir des chamermaisters hie irr ; hoffen, wa wir 
den gehabt hetten, unser Sachen selten numer anders steen. Darumb 
ist unser gutbedunken, das e. w. wolle furdern, damit er mit dem 
ersten her gen Augspurg kome, soverr das mit fugen kann gescheen. 
Diese Bitte muss erfüllt worden sein; denn schon am 23. April 
wird berichtet, dass der König beim Verhör der Parteien ausser den 
andern Räthen auch den Hofkammermeister zugezogen habe. Am 
25. April wird das Zeislein zum ersten Mal erwähnt; natürlich auch 
erst, nachdem der Bitte um das vocabulari gewillfahrt worden war. 
In diesem Bericht wird über eine Unterredung mit dem Erzbischof 
von Mainz berichtet; da heisst es: und wa es sie, die amsel, het 
gut bedunkt, so möcht ich, Anthoni Tetzel, wol leiden, das etlicher 
person, die am nechsten zu der handlung weren gezogen worden, 

verschont und das zeisle an die stat gezogen wurde Heut 

ist das zeislin zu uns geflogen und hat uns gesungen, das es der 
Sperber zu uns het gesandt, uns zu eröffnen, das es, das zeislin^ 
und der ain des pfaben verwandten in gelben sporen, dem zeislin 
wolbekannt, von den geprechen lang, auch vil und mancherlai hetten 
geredt und sich mitainander entschlossen, in den schaden gutlich 
ze handeln, soverr sie das bei den tailen und zuvoran bei dem 
sperben mechten erlangen. Darauf habe Sperber und Pfau zuge- 
stimmt und so seien amsel, auerhahn, zeislin und dessen Bekannter 
mit der Verhandlung betraut worden. Am 6. Mai schicken die Ge- 
sandten auf Empfehlung des Kammermeisters (dem camermeister 
zu gefallen) den Georg Dickhaut zur Aufnahme in den Stadtsold 
an Bürgermeister und Rath von Nürnberg. In einem Separatbriefe 
schreibt Anthoni Tucher am 13. Mai an die Eiteren, Maximilian 
habe vertraulich mit ihm geredet und erklärt, der üeberfall mark- 
gräflicher Reisigen, geschehen zu Ried, sei eine schlimme That 
gewesen; doch sei er, der König, nichtsdestoweniger der Stadt 
Nürnberg in Gnaden geneigt und sehe es gern, wenn sie mit 
frumen, treuen leuten versehen sei; ebenso habe er die Ver- 
pflichtung, seine Diener, die from und erber weren, unterzubringen; 
kurz, er habe verlangt, sie sollten seinen Kammermeister W.i) Wolff 



*) Der Kammermeister war ein Nürnberger Kind und hiess mit seinem 



26 Wagner: 

zum Schultheissen von Nürnberg machen. Er werde ihn in die 
Aemter Werd und Weissenburg einsetzen; das sei für Nürnberg 
auch nützlich. Tetzel möge dieses Ersuchen ganz insgeheim dem 
Rathe der Stadt vortragen ; ausser dem Herzog Friedrich von Sachsen 
wisse noch niemand von der Sache. — Am 26. Mai werden die 
Hofräthe Maximilians, die an den Reichtagsverhandlungen Theil 
nehmen, aufgezählt: Eitelfritz von Zollern, Graf Wolfgang von 
Fürstenberg, Michel von Wolkenstein, Paul von Lichtenstein, Zeislin, 
Serentiner und Mathias Lang. — Am 28. Mai berichten die Ge- 
sandten, sie hätten ihre Vertheidigungsschrift dem Sperber durch 
das Zeislin übergeben. — Am 7. Juni wird gemeldet, Maximilian 
habe Berthold von Mainz, den Kurfürsten von Sachsen, den Erz- 
bischof von Magdeburg, Herzog Albrecht von Bayern und die 
Bischöfe von Würzburg, Eichstädt und Augsburg zu sich gefordert 
und mit ihnen über die Streitigkeiten zwischen Brandenburg und 
Nürnberg verhandelt. Ihnen, den Gesandten, habe das Zeislein den 
Beschluss dieses Ausschusses mitgetheilt. Maximilian habe erklärt, 
die errichteten Thürme bis zum Austrage der Sache in seine Ver- 



Yomamcn Balthasar. Die Verwechslung der Buchstaben B und W ist damals 
nichts Seltenes. — Uebrigens erklärt sich seine den Nümbergeni so wohlwollende 
Haltung zum Theil wohl auch daraus, dass Margraf Friedrich im September 1499 
trotz der Fürbitte des Königs Maximilian dem obersten Schatzmeister desselben 
Baltasar Wolf das Gesuch, in Farnbach ein neues Gebäude errichten zu dürfen, 
abgeschlagen hatte. Im Bamb. A. findet sich ein darauf bezügliches Gutachten 
der markgrilflichen Räthe, in dem es heisst: je mer wir die sach bewegen, 
je mer wir sorgfeltigkait und beschwerd im handel finden ; dieses geben wurd 
furgenomen in der besten e. g. wiltfur um Cadolzburg, do der recht und best 
lust des gejaids ist. Es ligt auch Cadolzburg e. g. haubtsloss vast nahend und 
Nürnberg, mit den ir vil anstoss und irrung habt und euch gein ine teglich 
aufrur versehen must, nit fem und in der mass, das von dem kirchthurm zu 
Fambach mag gesehen werden für die thor zu Cadolzburg und Nürnberg, was 
da aus und ein kome Darum können wir nit raten, das e. f. g. be- 
willig oder zulass an dem ort einich neu gebeu anders dann ain zimblich lust- 
haus on brucklich bevestigung zu machen. Was wolt die ro. ko. mt. e. g. zeihen 
euch damit zu beschwern, eurer eitern sei. ged. und e, g. selbst getreue dienste 
(mer dann eur und der euren vermugen ist) unangesehen, die billich gnad und 
belonung auf ine tragen und das s. ko. mt. euch hoher ansehe, dann s. g. 
Schatzmeister, den AVolf, den s. ko. gn. wol in ander weg zu b^^iaden und zu 

erhohen hat Später allerdings gestaltete sich das Verhältniss zwischen 

Markgraf Friedrich und dem kais. Rath imd Kanunermeister Balthasar Wolf 
von Wolfstall freundlicher, wie ein Brief Maximilians an den Markgrafen vom 
15. Juli 1508 (Nümb. A.) beweist. 



Nürnbergische Geheimschrift. 27 

Wahrung nehmen zu wollen. Zwar hätten ihm die Fürsten abge- 
rathen, dies zu thun; aber der König habe erklärt, er wolle es ohne 
Schaden und Präjudiz thun. Zeislein habe sich angemasst, dies 
abzuwenden. — Nicht ohne Wichtigkeit für die Entscheidung dieser 
Frage ist noch eine Stelle in der Relation vom 18. Juni. Da er- 
zählen die Gesandten (Dr. Johann Letsclier, Anthoni Totzel, Heinrich 
Wolff, Conrad Imhof), dass ihnen Maximilian den versprochenen 
Abschied nicht gewährt habe; sie seien in Zeisleins Gemach be- 
schieden worden und von dort sei blos Heinrich Wolff zum König 
geführt worden. Dieser Heinrich Wolff war nämlich der Vater dos 
Kammermeisters Balthasar Wolff. i) 

Weit weniger oft als das Zeislein wird die Kohlmeise von 
den Gesandten genannt. Aber auch diese Persönlichkeit kann 
schwerlich zu den Fürsten oder Reichsständen gehört haben, sondern 
muss wohl unter dem Personal der königlichen Kanzlei gesucht 
werden. Zu dieser Vermuthung führt folgende Stelle des Berichts 
vom 1. Juli: die amsel ist auch ab dem unsteten wesen ganz un- 
geduldig, kann uns doch von der Instruction, darauf die potschaft 
solle gefertigt werden, kein eigentlich wissen sagen, wiewol sie mit- 
sampt der ko Im eisen dieselben Instruction mer denn einmal ver- 
zeichent het Auch sonst steht die Kohlmeise mit dem Erz- 
bischof Berthold in Verbindung. Am 25. Juni wird berichtet: die 
Kohlmeise habe den Gesandten auf Befehl der Amsel eröffnet dass 
der pfab vor der versamlung, der Behem halben, die in mit macht 
sollen überziehen, so statlich anregen hat gethan, das ihm anheims 

zu reiten ist erlaubt Auch in. dem Bericht vom 18. Juni 

erwähnen die Gesandten, dass sie in einer Audienz der Amsel mit- 
getheilt hätten, die neue practica, die uf der pan sei, wüssten sie 
durch die Kohlmeise. Aus dieser Verbindung mit der königlichen 
Kanzlei und dem Erzbischof von Mainz möchte ich folgern, dass 
unter der Kohlmeise der Sekretaiius Maximilians, Sixtus Ölhafen, 
zu verstehen sei. Ehe das vocabulari eingetroffen war, erwähnen 
die Gesandten in dem Schreiben vom 7. April : sie seien in grosser 
Verlegenheit, da Dr. Joh. Letscher und der Rathschreiber Mulbeck 
aufgefordert worden seien, sich zur Haft wieder in Nördlingen zu 
stellen. Sixt Ölhafen meine freilich, sie könnten ebenso gut in 



*) 8. Deutsche Städtechr. XI. S. 615 A. 1. — Dass Balth. WolfE auch sonst 
im Interesse Nürnbergs thätig war, ei:giebt sich aus XI. 610. Aum. 7. 



28 Wagner: 

Augsburg- bleiben und habe versprochen, beim Erzbischof von Mainz 
darauf hinzuarbeiten. — Am 9. April wird geschrieben : der Erz- 
bischüf Berthold habe sich sehr gnädig bewiesen, ist villeicht gomaint, 
das e. w. nit pessern rucken mochten gehaben dann den pund, wic- 
wol s. g. das mit kainem wort hat gemelt; desgleichen ist uns von 
. . . herzog Albrechten in Pairn auch vil anzaigens getan und das 
e. w. mit ainer weis und mass darein komen möchte und solchs 
villeicht an eu gesinnen wurde etc. So hat Sixt Ölhafen von der- 
selben und {Indern Sachen allerlai vertreulicher handlung getan und 
holt sich fast getreu und wol. ... In dem Bericht vom 15. April 
heisst es : Item des b a u m s halb ich, Anthoni Tetzel, mit Sixton 
geredt, der furter mit Mentz auch hat davon handlung gethan; des 
gnad sich hat verfangen in den feyertagen mit mir davon zu reden 
.... In dem Bericht vom 25. April ist noch einmal von Sixt die 
Rede: die Amsel versehe sich, dass Nürnberg in den Baum, d. h. 
den schwäbischen Bund, zu kommen versuchen werde, wie nun die 
Ordnung und mass und sunderhait verlaut, ist dem Sixten bevolhen 
dieselben ding zu weg zu suchen. . . . Dagegen wird zum ersten 
Mal in dem Bericht vom 5, Mai der Kohlmeise Erwähnung gethan. 
Amsel und Kohlmeise hätten den Bescheid, wie er in Maximilians 
Kanzlei begi-ifFen worden sei, verbessert i) und ihnen, den Gesandten, 
gerathen, sich bittweise an den König zu vvenden, damit die Ge- 
fangenen zunächst aus der Haft entlassen würden. — Beim ßeichs- 
regiment unterzeichnete (z. B. 12. Dezember 1500) Berthold: per 
regem B. archiepiscopus Mogunt. sst. Und andrerseis: In consilio 
imperii Sixt Ölhafen Secret. 

Damit ist die Reihe derjenigen Personen, die auf Seiten Nürn- 



*) Sehr gut pasat dazu die Bemerkung in den Deutschen Städtechron. 
XI. G30.Aniu. 2: „Sixt Oelhafen stand schon unter Friedrich 11 f. in kaiseriichen 

Diensten Er war auch jetzt noch (1501) königlicher Sekretair, zugleich 

aber „in der römisclien cantzlei bei unserm Herrn von Majntz als römischem 
des reicbs ertzcantzler" (aus dem Nünib, Rechnungsbuch no. 24 Bl. 14.')) thiitig." 
Er war frülier Karthäusermönch. Vgl. über ilm auch D. Stchron. XI. ()07. — 
Er war auch 1502 im Interesse Xümbergs Üiiltig, wie einige Briefe im Xümb. A. 
beweisen. Als die Gesandten der Stadt Mandate Maximilians gegen die grafen, 
herren und die von der rittcrscbaft im lande zu Francken, die verainigung mit 
einander zu haben anzielien, sowie gegen die Gebrüder von Lucliau zu Gunsten 
Xürnbcrgs ausgebracht hatten, wurden diese nicht genügend befunden luid mit 
Verbesserung von Sixt an den königliclien Hof zurückgeschickt, und wirklich 
erlangten die Gesandten darauf das Gewünschte. 



Nümbergische Geheimschrift. 29 

bergs stehen, erschöpft. Denn der Auerhahn, der nur in einer 
einzigen Relation (aus dem J. 1500 wenigstens) erwähnt wird, scheint 
zur Gegenpartei zu gehören. In dem Bericht vom 25. April hoisst 
es: die amsel hat mir angezaigt, heut weren des pfaben canzler 
und noch zwen des pfaben verwandten in gelben sporcn bei ir, der 
amsel, mer dann ainest gewesen und angehalten uf mainuüg sich in die 
handlung ze schlagen. Darauf amsel abschlegig antwurt het gegeben, 
der mainung, sie wisten, das dergleichen an sie, die amsel, vormals 
von wegen des pfaben auch gelangt und das sie sich mit sampt der 
aurhannen und andern vor etlichen tagen gutlicher handlung het 
verfangen. . . . Nun ergiebt sich aus den vorhergehenden Akten- 
stücken über derartige Verhandlungen nur Folgendes: Am 14. April 
berichten die Nürnbergischen Gesandten darüber, dass Sigmund Pflug, 
der Kanzler des Herzogs Albrecht des Beherzten von Sachsen, sich 
ihnen gegenüber zur Vermittlung erboten habe; i) er habe ihnen 
erklärt, er sei von den markgräflichen Käthen zu gütlicher Handlung 
ermächtigt. — Ferner erzählen sie, dass sie vom Erzbischof Berthold 
erfahren hätten, Pflug habe sich auch an diesen wegen Vermittlung 
gewendet; derselbe habe jedoch darauf hingewiesen, dass man nicht 
wohl in Maximilians Vermittlung sich einmischen dürfe. Darauf 
wird am 15. April berichtet, dass vom Könige zu gütlicher Ver- 
handlung neben dem Erzbischof von Mainz Herzog Albrecht von 
Sachsen und neben Eitelfriedrich von Zollern, dem Bischof von 
Triest und Dr. Neidecker der sächsische Kanzler Sigmund Pflug 
berufen worden sei. — Jedenfalls ist also unter dem Auerhahn 
der Herzog Albrecht von Sachsen zu verstehen. Auch bei 
einer späteren gütlichen Verhandlung betheiligt sich auf Befehl des 
Königs laut des schon erwähnten Berichtes vom 25. April neben 
der Amsel von Fürsten nur der Auerhahn. — Diese Vcrmuthung 
wird unterstützt durch den umstand, dass aus den Relationen der 
Herzog Albrecht von Sachsen, der übrigens noch in demselben 
Jahre 1500 starb, und der Auerhahn gleichzeitig verschwinden. Vom 
25. April an geschieht ihrer keine Erwähnung mehr. Erst im J. 1502 
finde ich im Bericht vom 7. Mai wieder die schon oben erwähnte 
Notiz, dass des aurhans jung waldfogel und des pfaben bruder und 



*) Diese Bereitwilligkeit erinnert, an Dietrich von Harras, der ja anch im 
Auftrage Albrechts von Sachsen 14*.?G zwischen Brandenburg und Nürnberg 
verhandelte. 



30 Wagner: 

der pfab am erchtag in den pfingstfeirtagen [17. Mai] zu Erfurt 
zesamen komen. Ein sächsischer Fürst ist also unzweifelhaft unter 
der Bezeichnung Auerhahn zu suchen ; *) wenn die oben gegebene 
Deutung des Waldvogels richtig ist, bleibt nur Albrecht und als 
„sein jung*' sein Sohn Georg übrig. 

Ausser dem Auerhahn gehört zur Partei des Markgrafen Friedrich 
von Brandenburg — denn Herzog Albrecht von Sachsen tritt aller- 
dings nach den vorliegenden Berichten am 22. April entschieden 
für Brandenburg ein — der auch nur selten erwähnte Blaufuss 
(plofuss), welcher erst seit dem 20. Juni (wenigstens durch seinen 
Gesandten) in die Verhandlungen eintritt, obwohl er schon früher 
einmal gelegentlich erwähnt worden ist. Im Bericht vou^ diesem 
Tage heisst es ausdrücklich, der Blaufuss äussere sich auch feind- 
selig gegen Nürnberg. In der folgenden Relation vom 22. Juni 
rathen die Gesandten den städtischen Behörden nachgiebig aufzu- 
treten. Denn einmal sei zu bedenken, dass sie sonst in den 
schwäbischen Bund nicht aufgenommen werden möchten, sodann 
aber, dass die Bündnisse mit den bayerischen Fürsten bald abliefen. 
Nach dieser Zeit hätten sie gegen Brandenburg nur Bamberg noch 
als Bundesgenossen, gegen den Blaufuss aber niemanden. Am 
1. Juli heisst es: die Amsel rathe getreulich, das e. w. gedecht aus 
der sach zu komen, ob das gleich mit eim leidenlichen schaden 
geschehe, und den ruck darnach an ein ander ort zu lainen, wie 
dann des paums halben, als wir westen, auf der pan were; ver- 
meinet auch, das e. w. alsdann bei ru und gutem frid wurde pleiben, 
obgleich plaufuss und pfab die köpf wurden zusammenstossen, als 
zu besorgen ist; dann des plaufuss geschickter hat sich hie bei 
dem ausschuss öffentlich hören lassen, plaufuss werde seine cloen 
(Klauen) in die thürnlin, die uf dem seinen steen sollen, auch 
schlahen, hab nur ein aufsehen, wie es dem pfaben wolle ausgeen etc. 
Schon aus diesem Passus geht hervor, dass unter dem Blaufuss ein 
dem schwäbischen Bunde angehöriger, eng mit dem brandenburgi- 
schen Markgrafen verbündeter Fürst zu verstehen sein wird. Jeden 



') Sollte der Einwand erhoben werden, dass in Erfurt auch die hessischen 
Fürsten als Bundesverwandte vertreten waren, so würde darauf aufmerksam zu 
machen sein, dass der Auerhahn genannte Fürst auf dem Augsburger Reichs- 
tage anwesend gewesen sein muss. Von einem hessischen Fürsten vermöchte 
ich dies nicht nachzuweisen. Am 7. Juni wird ausdrücklich erwähnt, dass von 
Hessen nur Räthe anwesend seien. 



Nümbergische Geheimschrift. 31 

Zweifel zu heben ist aber folgende Stelle geeignet. Im Bericht vom 
22. Mai besprechen die Gesandten die ihnen (freilich nur im höchsten 
Vertrauen) mitgetheilten Statuten des schwäbischen Bundes. Da heisst 
es nun u. a. : Zum vierden haben wir auch etwas beschwerden ge- 
habt aus Ursachen, die e. w. wissen zu bedenken, aus dem artikel, 
der sich anhebt: „Item so sein herzog Ulrich von Wirtemberg" im 

abschid zu Eslingen ^) bei dem zaichen D; und die amsel auch 

darinnen ersucht und finden, das es neur ain schain sei; wa es 
aber zu schulden langet, das dieselben zwen wider den plofuss 
genaigter wurden sein zu thun dann jemand andern. . . . Daraus 
ergiebt sich, dass unter dem Blaufuss der Herzog Ulrich von 
Württemberg zu verstehen ist. 

Es sind nun aber doch noch einige Schwierigkeiten zu be- 
seitigen, die freilich nur eine untergeordnete Bedeutung für das 
Verständniss dieser Berichte haben. Am 25. April heisst es: des- 
selben freitags und auch heut weren des pfaben canzler und noch 
zwen des pfaben verwandten in gelben sporen bei ir, der amsel, 
mer dann ain est gewesen etc. In derselben Relation wird noch ein- 
mal ain des pfaben verwandter in gelben sporen erwähnt. 
Am 8. Mai schreiben die Gesandten, der pfab habe den Mann in 
goldnen sporen, der dem Zeislein bekannt sei, auf der Jagd bei 
dem Sperber gehabt. Einen Anhalt für die Feststellung dieser Per- 
sönlichkeiten, die natürlich zu dem Gefolge des Markgrafen gehören, 
bietet der Bericht vom 15. April, in welchem als Bäthe, welche die 
brandenburgische Sache führen, angegeben werden: der Marschall 
Hans von Seckendorf, der Amtmann zu Schwabach Veit von Lenters- 
heim, der württembergische Kanzler Dr. Lamparter und Dr. Valentin 
von Türkheim. Vielleicht, dass also der Ausdruck Verwandte in 
gelben Sporen sich auf die beiden ritterlichen Räthe und im Ein- 
zelnen der Mann in goldnen Sporen sich auf Veit von Lentersheim, 
welcher am königlichen Hofe eine angesehene Stellung einnahm 
bezieht. Möglicher Weise geht auf ihn auch folgende Stelle in dem 
Bericht vom 7. Mai 1502: als wir diesen brief haben beschlossen, 
ist von der amsel ain schall irs lieblichen gesangs an mich, Anthoni 
Tetzel, gelangt, wie des pfaben jungen,?) die verstendig und fruni 



') Dieaer Artikel ist zu finden bei Datt de pace imperii publica p. 371 § 28. 
■) Wie oben schon erwähnt, bedeuten die »Jungen" die Räthe oder 
Gesandten eines Fürsten. 



32 Wagner: 

seien, hetten sich in der handlung einer geschickten weis gehalten, 
aber etlich ander sein junge als dein Veitlein, der man mit 
den gelben sporen, der ein guten landsknecht gebe, und ander 
dergleiche mer, die weren gar einer ungeschickten weis und nit zu 
gutem geneigt. — 

Schliesslich wäre noch eine Erklärung zu versuchen für den 
Ausdruck „die vom schwarzen erdreich". Er kommt in dem Be- 
richt vom 22. Mai vor, wo es heisst: Darumb mögen e. w. 

die Sachen auch bewegen und uns eur gemut und mainung be- 
richten; sein wir e. w. bevelh mit allem fleis nachzefolgen willens 
und unverdrossen, und wa dann e. w. hierinnen was gemaint sein 
will, das mögt ihr bei zeit furnemen. Dann der paum oder die 
fordersten este werden uf Johannis sunwenden schierstkunftig ze- 
sammen kommen; an demselben ort mocht man beschlieslich von 
der Sachen handeln. So mögen e. w. der vom schwarzen erd- 
reich halben, ob und wie die auch hineinzupringen weren, nach- 
gedenken haben Es handelte sich also augenscheinlich um 

Verbündete Nürnbergs, denen gleichzeitig mit der freien Reichs- 
stadt der Eintritt in den schwäbischen Bund ermöglicht werden sollte. 
Da nun ein Gesandter schon am 25. April berichtet : die amsel hat 
mir auch angezaigt, das die von Strasburg auch darein körnen 
wurden und itzo darumb hie seien und auch mit ainer mass, darzu 
wir dann mer raten und die von Windsheim als ander eur ge- 
wandten mit euch hinoinzepringen aus Ursachen, wa es zu schulden 
kome, das in nit besundor hilf wurde aufgelegt; dem waist e. w. 
wohl nachzugedenken und mit den von Windsheini davon ze handeln — 
so liegt die Vermuthung sehr nahe, dass die Bürger von Windsheim 
als „die vom schwarzen erdreich" bezeichnet werden. 



n. 

Bei anderen (aber aus derselben Zeit stammenden) Archivalien 
des Nürnberger Archivs fand ich später ein Verzeichniss , das auf 
den ersten Anblick als ein Schlüssel zu einer Geheimschrift erkannt 
werden konnte. Zuerst regte sich natürlich die Vermuthung, dass 
es ein für die oben erwähnten Relationen brauchbares Hilfsmittel 
sein werde. Und in der That fanden sich einige Bezeichnungen, die 
zu den oben gefundenen Lösungen passten. So steht neben Keyser 
. . Sperber. Und wenn es in dem Bericht vom 7. Mai 1502 heisst: 



Nümbergische Geheimschrift. 33 

wiewol von dem pfaben zuerst 100 karpfen sein gefordert und 
etlich mer karpfen, die die amsel nit wollte melden, das were 
vom bäum und etlichen esten gar für schimpflich geacht und doch 
von den 100 bis auf 50, von 50 bis auf 25 komen, und wiewol die 
amsel und ander vogel den geschickten pfabischen sovil anzeigens 
gethan, das sie so vil karpfen selten fordern, were nit pillich, 
die samnung wurde das nit thun .... so ergiebt sich aus der 
Vergleichung mit den Verhandlungen des schwäbischen Bundes 
(bei Klupfel Urkunden u. s. w. I. S. 467), dass 100 Karpfen 
100 000 Oulden bedeuten; ferner beweist der Inhalt, dass unter 
der samnung die Stadt Nürnberg zu verstehen sei. Für beides 
findet sich in dem vorliegenden Schlüssel eine Bestätigung; denn 
hinter Hundert Reinisch guldin steht . . Carpf — freilich bedeutet 
1502 Karpfen 1000 Gulden — und auf Nürmberg die statt folgt 
. . Sampnung. — Bei näherem Zusehen erwies sich jene Hoffnung, 
die anderen Geheimausdrücke der oben besprochenen Berichte hier 
aufgelöst zu finden, doch als trügerisch. Denn Amsel wird in diesem 
Schlüssel gebraucht für den Grafen Ulrich von Oettingen, Hasel- 
huhn für den Bischof von Köln, Blaufuss für den Herzog Ludwig 
von Bayern, Falk für den Pfalzgrafen, Sittich für die Stadt Winds- 
heim, Zeislein für den Ausdruck „etlich stett an Ulm hangende", 
Kohlmeise für Ulm, Stieglitz für das Kloster zu Renn, Eichhorn 
für den Ausdruck „ein scheinbrief solcher schrift man sich halten 
soll," Ast für „einnemen und ausgeben" und an andrer Stelle für 
jar, Auerhahn für Quittantzen, Nagel für Wald das Schloss. Es be- 
darf keines Beweises, dass diese Lösungen auf die Relationen der 
Jahre 1500—1502 nicht passen — weder zu dem Inhalte, noch zu 
den Marginalbemerkungen. Folglich musste der Schlüssel in einem 
anderen Zeitabschnitte — wohl in einem früheren, da von Herzog 
Ludwig von Bayern, der 1479 gestorben war, von Herzog Albrecht 
von Oesterreich, der 1463 mit Tode abging, von Herzog Friedrich 
von Sachsen, der 1464 das Zeitliche segnete, Albrecht Achilles von 
Brandenburg u. a. die Rede ist — gebraucht worden sein. Er be- 
steht auch nicht blos aus geheimen Ausdrücken für einzelne Per- 
sönlichkeiten, wie sie in den oben besprochenen Relationen vor- 
kommen, sondern er bietet das Arsenal zur Abfassung ganzer 
Berichte in Geheimschrift, giebt ganze Redensarten, für die als 
Geheimzeichen meist ein einziges Wort gewählt ist, und handelt 
von den verschiedenartigsten Gegenständen. Unter diesen Umständen 

Arahlvalische Zcltsohrlft IX. 3 



34 Wagner: 

wäre an eine Entzifferung der mit diesen Mitteln geschriebenen 
Dokumente wohl nicht zu denken, und insofern gewinnt dieser 
Schlüssel als die einzige Möglichkeit, Aktenstücke von gewiss her- 
vorragender historischer Bedeutung verstehen zu lernen, eine erhöhte 
Bedeutung. Da er nun seinem jetzigen Lagerorte nach für Ent- 
zifferung derjenigen Stücke, auf die er passt, verloren wäre, so 
" dürfte es angemessen sein , ihn für alle Fälle hier in extenso mit- 
zutheilen und den Versuch zu machen, wenigstens ungefähr die 
Zeit seines Gebrauches zu bestimmen. 

Vorher seien noch einige Bemerkungen äusserlieher Art ge- 
stattet. Der Schlüssel besteht aus einem Schmalfolidheft von 20 
Blättern, von denen aber nur 14 beschrieben, die letzten dagegen 
leer sind. In dem folgenden Abdruck sind die Seiten jeden Blattes 
mit a und b bezeichnet. Der bei weitem grösste Theil ist von einer 
geübten, gut leserlichen Kanzleihand, deren feste Schriftzüge den 
ältesten Lettern der Incunabeln sehr ähnlich sind, geschrieben. Sie 
kann der Mitte oder dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts ange- 
hören. Manche Umstände deuten darauf hin, dass der Schreiber nur 
eine Abschrift anzufertigen gehabt hat. Denn er hat mehrfach Zeilen, 
die er an unrichtiger Stelle hingeschrieben hatte, ausgestrichen und 
am richtigen Orte eingesetzt. Nicht immer hat er mit Aufmerksam- 
keit abgeschrieben und es haben sich deswegen Korrekturen von 
anderer Hand als nothwendig herausgestellt. Ein charakteristisches 
Beispiel findet sich auf fol. 4 a, wo er Eychelleut geschrieben hatte, 
so dass eine andere Hand erst Eygenleut zu verbessern hatte. — 
Dieser Schreiber nun (wir nennen im Folgenden seine Schrift die 
erste Hand) hatte die Folioseiten so eingetheilt, dass auf die etwas 
grössere linke Hälfte diejenigen Ausdrücke, für welche Geheimwörter 
gebraucht werden sollten, eingetragen wurden; dahinter machte er 
stets zwei Punkte (und das gehört zu den charakteristischen Eigen- 
schaften seiner Hand) und dann folgte erst das Geheimwort. So z.B. 
gleich im Anfang: Abbt zu Sant Egidien . . Abguck. Wenn er den 
eigentlichen Ausdruck nicht auf eine Zeile brachte, so deutete er 
durch einen nach rechts bin konvexen Winkel die Zusammengehörig- 
keit der Zeilen an. — Für jeden Buchstaben des Alphabets bestimmte 
er mindestens eine Seite, so dass auf fol. 10 b nur ein einziges Wort 
3teht. Die einzige Ausnahme macht der Buchstabe W, der mitten 
auf fol. 13 b beginnt. Die Schriftzüge dieser ersten Hand zeigen, 
weder was den Duktus noch die Tinte anbetrifft, merkliche Unter- 



Nümbergische Geheimschrift. 35 

schiede, so dass dieser Grundstock (hier in der Abschrift wenigstens) 
in einem Zuge niedergeschrieben worden zu sein scheint. — Ob der 
Schreiber nun absichtlich oder blos zufällig Raum zu Ergänzungen 
und Nachträgen gelassen hatte, jedenfalls finden sich fast auf jeder 
Seite Zusätze von anderer Hand. Gleich auf fol. 1 a stehen am 
unteren Rande der Seite zwei Zeilen von einer offenbar jüngeren — 
sie wird im Folgenden als 4. Hand bezeichnet — flüchtigen, schwer 
leserlichen Hand, die nicht Punkte zur Trennung der eigentlichen 
Ausdrücke von den Geheimwörtern, sondern ein dem kleinen lateini- 
schen V ähnliches Zeichen verwendet. Von ihr rühren übrigens nur 
wenige Einträge her. Diese finden sich nur auf den ersten Seiten 
und stehen , mit Ausnahme der zwei Zeilen auf fol. 1 a , die eben 
ganz unten am Rande hinzugeschrieben worden sind, hinter allen 
übrigen Zusätzen. — Etwas häufiger tritt eine schwerfällige, wenig 
im Schreiben geübte, aber doch sorgfältige Hand — nach unserer 
Bezeichnung die zweite — auf. Sie verbessert die Irrthümer des 
ersten Schreibers, fügt aber auch die meisten der vorhandenen Er- 
gänzungen hinzu. Sie macht ganz den Eindruck, als gehöre sie 
einem Nürnberger Würdenträger an, für den der erste Schreiber 
die Abschrift dieses Schlüssels besorgt habe. — Schwer zu unter- 
scheiden ist dann noch eine dieser zweiten ganz ähnliche, nur 
etwas aufrechter stehende Schrift, die wir einer dritten Hand zu- 
schreiben, die aber möglicherweise auch von der zweiten herrühren 
könnte. Auch die Trennungszeichen dieser beiden Hände sind ziemlich 
gleichartig, bald einem nach unten spitzen Winkel, bald einem 
kurzen senkrechten Striche ähnlich. — 

Wir lassen nun den Schlüssel selbst folgen. 



(fol. 1 a. — Erste Hand :) 

Abbt zu Sant Egidien . . Abguck 
Abbt auff dem Münchberg . . ASeltar 
Abbt in der Neuenstadt . . Coppaun 

Wasser 
Alt bischove zu Mentz . . Gans 
Anlass . . Glas 
Antreffent hilff oder kriegs- ) 

leufiEt yztund vor äugen ' * ' ^^^ 

Ander eingelegt od. zugeschickt I '^^^^ 
Schrift. I u^' 

Artigkel . . König von Aycheln 
Anzusehen oder verwilligen . . kampff 



Andrea Barbirer . . Miltz 
Artigkel der weysung . . Neujar 
Abbt zu weissenburg am Rein . . 
Ofenlin 
t) Auflag oder anstallung . . parisbiren 
Abrede oder langen . . pomerantzen 
Ablesen . . predigstul 
Andree Scherlein . . prugau 
Allen seinen willen erlangt . . Rott- 
sittich 
t) Ausfüren . . Reytten 
nö Anheben oder angefangen . . Retter 
Anthoni paumgartner. (Er wird 
[deutsche Stchr. X. 288] beim Jahre 

3* 



36 



Wagner: 



1464 erwähnt; doch gehörte er 
schon seit 1462 zu den jüngeren 
Bürgermeistern des Rathes. Viel- 
leicht ist es derselbe, der beim Jahre 
1452 [ebenda S. 197] neben den 
[ebenfalls hier genannten] Ulrich 
Arzt und Gossenbrot erwähnt wird) 
. . Spinnenwebe 

Augspurg . . Troschel 

Aigkwon und verdechtnuss . . Weli- 
Bchen wein 

Auff das allerhertigst gehalten . .wild- 
zeitig 

Aller Sachen und handlung . . weyss 

Anlegung oder aufsatzung . . Ager- 
lasterer 
t) Auff das höchst gepetten und er- 
mant . . den himel zeygen 

(Vierte Hand :) 
Allen und yeden u wisen 

anwalt v Vogler 

(fol. Ib.— Erste Hand :) 
Abgesagt: brieff 

Althern zu Nürmbei^g (Die 7 eitern 
hem. Vgl. D. Stchron. XI. 794) . . Star 
Allen darzu verwandt . . IX hertzen 
Arbait . . X Schellen ^_^ 

Anschlag oder fümemen . . |'"| 
Anderthalb Vorschub . . hofer (Ur- 
sprünglich stand hier das Wort hau- 
ren ; das ist aber ausgestrichen u. von 
andrer Hand hof er hingeschrieben) 

Alle die disenkriegsleuffenl . ,, 
, ,^ JAmerallen 

verdacht weren J 

Rein ald urfechd . . Bodenn. 
Alweck das Sloss (vielleicht das 
im Kriege Albrecht Achills gegen 
Herz. Ludwig d. R. 1462 öfter er- 
wähnte Albeck. Vgl. Hasselholdt — 
8t. 1 249) . . hawe 
Alt hanns waltstromer (erwähnt in 
der Geschichte Peters von Argon 
[D. Stchron. V. 395]. Er wird unter 
dem Buchstaben H noch einmal 
erwähnt) . . kachel 
Alt Spital . . frondinst 

Auff ain glübe . . Schachtel 



(Zweite Hand:) 

t> Aufbot V frisch heu 

nö abslaen V Gremen 

nG abzuwechseln V ansehen 

Antwort geben V pipin 
nö Aufgelubde V Sattel 
Abscheide V furreiten 
Aufzeichen V faden 
Am lande zu Osterreich V &ni 
taubenbeig 

(Dritte Hand:) 
Appelliren | leuten 

(Vierte Hand:) 
Allen vleiss furkeren I all pfärd in 

pflüg setzen 
Anligend und Merklich beswärd | be- 

dächtlichaitt 
Achter und aberachter | gleich und 

ungleich der pilicht 
Anhangk | hagken 
Abentheur | Nachpaurschafift 
Abbt zu Kempten j Scheppler 
Anth(oni) Tucher (S. D. Stchr. XI. 

446 ff. 1 1476) I Schauloch 
Anth(oni) Holtzschuer (Burckhardt : 

d. funfft merckisch buech. 113) | 

Smalholtz 

(fol. 2 a. — Erste Hand :) 

Brieff . . Behmisch 

Bestellung . . Beystadel 

bischof zu freysing . . Gitron 

babst . . Esch 

banir des Reychs . . Erbotz 

berchtold happ . . Eneas 

bei oder ingegenwürttikait . . fürst 

bischof zu Trier . . Gruntel 

bischof zu Wirtzpurg . . Galander 

bot . . hann 

biscliof zu Cöln . . haselhun 

bischof zu Eistett . . henfling 

bei dem höchsten bepst-| , 
... ^ I . . kue 

liehen panne I 

büchsenmaister . . kneller 

ber Gramer . . Maler (Sollte damit der 

Bakkalaureus Michael Kramer [D. 

Stchron. XI. 76V)J gemeint sein 



Nümbergißche Geheimschrift. 



37 



und ist derselbe identisch mit dem 
[X.414 £F.] genannten Kanzleischreiber 
Michel Cromer, dem „Ausgeber" im 
burgundischen Kriege? Anfänglich 
sollte dies Amt der auch liier vorkom- 
mende Jörg Spengler übernehmen) 
bischof zu Agram . . Rotkoppff 
bischof zu Saltzbui^ . . Rotterthauber 
bischof zu Augspurg . . Rottamsel 
bischof zu Metz . . Reinswalb 
beslossen oder verslossen . . Rex 
berümen oder Geuden . . Rabin 
betschett . . Rosenwasser 
bischof zu Bambeiig • • Sprintz (sprinz 
kleine Art Falken Cf. Schmeller- 
Frommann II. 705. Dem Ausdruck 
Blaufuss verwandt) 
burger . . Scheyt 
bemheim . . Stockeul 
bui^gkhausen . . Sara 
bischof zu passau . . thauber 
briefif zu halten. Reichstctt. | Vogel- 
Stattsteur und Zins / ' ' hund 
Berg . . Weyden 
bestettigung . . Wasserrosen 
bischof zu Gurck . . Zagelmayss (der 
Vogel parus caudatus [S. Schmeller- 
Fr. n. 1089J) 
brannger . . Zucht 
billich gelialten . . V hertzn 
beswemus . . Morgenschein 

(fol. 2 b) 
böckler gesellschaft in Beyren . . pock- 
Stirn (Ueber die Abstellung dieses 
„Pöcklerbundes" finden sich einige 
Notizen bei Kreimer Landtagsh. 
[VI. 99]) 
Brief und sigel . . buchstab 
Branegkisch . . Branber (Brauneckisch? 
Albrecht Achill kaufte 1448 Brauneck 
vom Burggrafen Michael von Magde- 
burg, der weiter unten erwähnt wird. 
Vgl. auch Burkhardt d. funfift merkisch 
buech S. 182) 
Besserung . . Obermaim von Aicheln 
Bachenstein u sein helffer . . Wendung 
brandschatzung . . Weydenkpln 



(Zweite Hand.) 

Botschaft V pautz 

Berchtolt Thum V panther 

Bestellen V Creutz Vni 

Blakcren Cancelley V Sterisch Can- 
celley (S. unten unter steyrich can- 
celley) 

(Dritte Hand:) 

Betzalung | . . . . 
Bekentnus | Rennen 



(fol. 3a. — Erste Hand:) 

Clag oder ansprach. . Arbais (arbais 
= Erbse) 

Clagweyse . . Arbaisweyse 

Cron zu Behem . . Bemlinkrantz 

Comiss oder gewalt . . Comat (komat 
= Kummet. S. Schmeller • From- 
mann I. 124B) 

Cobuigkunddieselbj KiefiEarbais 

gegent alle i 

(Kief-arbais, die noch grüne Erbse. 
S. Schmeller-Fr. I. 1229) 

Creutzpredigen . . Karfunckel 

Cardinal zu Augspuig . . Rottamssell 
(jedenfalls der Bischof Peter von 
Schaumburg [1424- 1469J). 

Closter zu Reun . . Stiglitz (wohl 
identisch mit dem Orte Rain, wo 
Herzog Ludwig von Bayern im 
Dezember 1461 Urkunden ausstellte 
Vgl. Hasselholdt II. 580) 

Collacionirt abschlifft . . Swartzpfert 

Commission || Nussplatt 

Commissari . . Nusspaum 

Camer . . Taschen 

(Zweite Hand:) 

Copeyen V umbslege 
j Cristoff frolich V premer 
Creutz ... V bestellen 
Crißten V vesten 

(fol. 3 b. — Erste Hand :) 

Dem allmechtigen Got u. seiner \ 
wirdigen mutter lob und dank Vfi-n 

zu sagen ' 

(ainküm == Einhorn) 



38 



Wagner: 



Die person, so auffsteen und ent- ) a 
rinnen ) * ' 

Der frefelhalb darüber die fünff 1 ^ 
erkennen j ' ' 

(Die Fünf sind eine Nürnberger Ge- 
richtsbehörde , die alle „schmach- 
sachen und injurien" verrechten. D. 
Stchron. XI. 797.) 

Daniel Ulmer . . Darmvol (erwähnt 
D. Stchron. V. 413) 

Do das datum steet . . Geyss 

Dinckelspühel . . Hering 

Das wirdig hailigthumb . . Hertz (heilig- 
tum = Reliquie spec. die Reichs- 
heiligthümer. Vgl D. Städtechron. 
XI. 839) 

Deutschmeister . . Kressen 

Doctor Rott . . Linckauth. (Ein Dr. 
Job. Rot wh^i in Muffels Prozess 
[also ca. 1468] erwähnt. Städte- 
chroniken XI. 767.) 

Das sich kranch wol mug der 
schrifft halten und gentzlich 
daran lassen 

Die Stett Freyburg in Üchtland 
Bern Soliter Lucem 

Doctor Kilian . . Ratgebe (wohl Dr. 
Kilian von Bibra, Domherr zu Würz- 
buig. Vgl. D. Stchron. X. 431 u. a ) 

Doctor Jopp . . Swalb. (Dr. Jopp 1461 
erwähnt bei Hasselholdt-St. I, 187.) 

Doctor Knorr . . Trapp. (Dr. Peter 
Knorr, Pfarrer bei St. Lorenz 1456, 
aber auch Anwalt Albrecht Acliills 
tl478. Vgl. Städtechroniken XI. 47 1 .) 

Den costen oder das gelt . . underman 
von clee 

Diebstal . . vortail 

Die drey obersten hauptleut . . Zellter. 
(Eine nümbei^gische Behörde; vgl. 
D. Stchron. XI. 794. Allerdings 
könnten damit auch Reichshaupt- 
leute gemeint sein, deren es z. B. 
1461 drei [Albrecht Achill, Uhich 
V. Württemberg, Kari v. Baden] gab.) 

Demüttiglich ersucht und ) . . hoppff- 
gepetten J wein 



.Oclis 

..Pin- 
stock 



Doctor Jöiig Heimbuig . . hausen. (Es 
scheint damit der bekannte Dr. Gregor 
Heimburg gemeint zu sein. Vgl. 
Deutsche Städtechroniken X. 263.) 

Doctor Hanns birckheimer . . Josepp. 
(Hans Birckheimer wird als Raths- 
freund erwähnt 1459. S. D. Stclux)n. 
X, 395.) 

Doctor Hayden . . Bollen 

Dann wo zwen hungrig liund sein, | 
do der ain isset und der I Rott- 
andere zusehen muss, tutt zu- f katz 
mal wee i 

Den nechsten weg oder strass . . Scher- 
messer 

(Zweite Hand:) 
Dinst V springen 
Doctor Schutz V Josephus 
Doctor Seiffried V Boech (erwähnt in 
Muffels Prozess XI. 765). 

(Dritte Hand:) 
dyenner | anstenner 

(Andere [zweite?] Hand:) 

Doctor pfeffer | premser (erwähnt D. 
Stchron. XL 516). 

(fol. 4a. — Erste Hand:) 

Ein Scheinbrief solcher schrift| 
man sich halten soll j 

Ein fride auff etlich jare . . Adams 
appffel 

Einung oder puntnus . . Armbaur 

Ein nemlichen rechttag setzen^ . . Ber- 
und bestimmen Jnischglas 

Einnemen und ausgeben . . Ein Ast 

Eylent . . holtzbim 

Ein eylent ganz frisch fumemeni. . Jagd- 
der vermelten sach aller ) hund 

Eingemengt . . Jatzinckten 

Etlich stett an Augspuig und l , _,i 
Ulm hangende r'^'^ 

Ernst oder herttikait . . Mirstattel 

Erung oder schenk . . Walfisch 

Eysenne püclisen . . Zwirle 

Eyde oder pflicht . . Zwanck 

Erfaren gewar wurden , . V schellen 



. . Aichoni 



Nümbergiscbe Greheimschrift. 



39 



Erasem tborer . . Siech (jedenfalls der 
als bayerischer Kammermeister 1461 
bei HasselholdtStockheim II. 599 er- 
wähnte Asm. Torr. — L 247 heisst 
er auch Erasmus Torrer). 

Erlangt oder erraicht . . in hertzen 

Erbvörster . . Umbgener 

Erstorrt und verderbt worden . . lux 

Essling . . henn 

Etlich Sachen etwas zugericht . . 
krenchin 

Erlangt Sachen . . Mistler 

Echter und aberechter . . pflicht 

Etlich Stett an Augspurg hangend . . 
Swan 

Erben . . Slang 

Ersclireckt . . Saffir 

Eygenleut . . Tanzappffen. (Ursprüng- 
lich stand Eychelleut da ; die zweite 
Hand hat das Wort erst verbessert 
in Eygenleut.) 

Erbhuldung . . Undermann von hertzen 

Etlich Stett an Ulm hangende . . 
Zeislein 

Ersprossen oder gefürdert . . h : :| 

(Dritte Hand .) 
Echter und aberechter V gleich und 

ungleich oder pflicht 
Elyas oder V herr weiliartt 

(8. unten bei dem Buchstaben W) 

(fol. 4b. — Erste Hand:) 

Fride . . Andacht 

feuchtwang . . Abbtey 

freyheit . . gnadenjar 

fussvolk . . flemming 

feler . . jarhant 

f ranckfurt . . krebs 

Frantz Waltstromer . . kechelein. (Ein 
Franz Waldstromer wird in der Ge- 
schichte Peters von Argon erwähnt. 
D. Stchron. V. 395.) 

fOrstenthum . . Neste 

freund . . Nachpar 

freyenstatt . . Oberbank 

fochburgk . . Badschefflein 

flucht . . Stockzaun 



fürzuhalten : . VII Aichelen 

frey . . gedult 

fümemen oder handeln . . dinckel 

fürsten . . fOrwitz 

fischgall am kaiserlichen hof . . Rumpf 

(Fiscal) 
freystett . . undermann von Schellen 
freund oder furderer . . n Aichelen 

(Zweite Hand:) 
falscheid geswom V futerswingen 
f . . dling V frevel 

(fol. 5 a. — Erste Hand :) 

Grave Ubrich von öttingen . . Amsel. 
(Von 1429—1477. Vielfach erwähnt 
bei Hassellioldt-Stockheim L 195 ff.) 

Geswom eyd und pflicht . . Antlätz 

Grave Rudolff von Sultz . . Alber. 
(Rudolf IV. kaiserlicher Rath, Hassel- 
holdt- Stockheim I. 335.) 

Grave Hans von Wertheim . . Biber. 
(Johann IH. 1454—1497. Erwähnt 
im J. 1462 bei HasselholdtStock- 
heim H. 609.) 

Gewalt oder hannden . . Baiast 

Grosslüg oder unwarheit . . fuchs 

Gefangen . . friesen 

Gretz . . Gegler 

Geest, getrenckt und gesterckt . . ge- 
helligt 

Geverlich listikait . . Grünlaub 

Geteget . . genettigt 

Gelt . . gertten 

Grave Hang von werdenberg . . Günther 
von werd (er wirkte von 1460 — 1508) 

Gnedigen hem . . Grünhennfiöing 

Geantwort . . geetzet 

Grave Michel von Maidbuigk . . Gras- 
mair. (Wohl Buiggraf Michael von 
Magdeburg, Graf zu Hardeck. Vgl 
Deutsche Städtechr. HI. 8. 397, 399; 
kaiserlicher Hofrichter. Siehe auch 
Stalin Wirt. Gesch. HI. 474 und 
Siebenkees Materialien IV. .699.) 

Gossenprot . . geysspart 

Grave Hans von Eberstein . . Gauffer. 
(Graf Johann von Eberstein starb 



40 



Wagner 



1479. Erwtthnt D. Stchron. II. 449 
im J. 1450) 

Gerawet oder gefeyert . . hantzwehel 

Gebotten . . heu 

Gesellschaft sant Jörgen schilt . . hasel 

Gütlich tage . . igel 

Geschickt oder gesanndt als anwalt . . 
imber 

Gült oder Zinss . . jamahwe 

Gross yerduiplich scheden . . kersen 

Gerechtikait . . kirchwey 

Gabriel Tetzel . . liligenstengcl (Vgl. 
D. StÄdtechr. X. 159 flf ) 

Grave Eberhart von wirttemberg . . 
Neunaug (Graf Eberhard v. Würtem- 
berg 1457—96) 

Grave Ulrich vonWirttembei^ . . Raiger 
(Graf Ulrich v. Württembei^ 1433 
bis 80) 

Gefangen oder Niedergelegen . . Rüden* 
hunt 

Gute richtignng und loblich ende . . 
Wasserbim 

Grave SchafiFrid von leyningen . . Wes- 
pen. (Erwähnt 1463 bei Hasselholdt 
I. 272; 1471 beschenkt von den 
Ntimbergem. [Städtechr. XL 516 
Anm. 3.J Der bei Hasselholdt II. 94 
erwähnte Graf Schaffrid von Hein- 
gen ist in Leiningen zu verbessern. 
Vgl auch IL 103) 

Gnediger herr . . Wilkttr 

Gehaust, gehoft, geetzt, getrenckt . . 
Wolff 

Genomen oder abhendig gemacht . . 
Windenhund 

(foL 5 b:) 

Genanten . . Zamerbere 

Giengen . . Ziella 

Gleit . . Zwirn 

Getraut . . IX Ak^helen 

Gemach und nit girlich . . VII clee 

Geraicht oder gelangen . . | ■ « | 

Geschreckt . . Erper 

Gütlikait . . Vinstem 

guldin pull . . Gtter 



Glauben oder waihait . . Roth 
Gemain reich und arm . . wildper 
Geheym oder verswigen . . Weissrosen 
Gross . . VI von Schellen 

(Zweite Hand:) 

Gremssich V Greittich 
Gefengnis V Summerlaube 
Gesieget V bestympt 
Grezeuge V futer • 
Getreide V zymmerwerk 
Gehorsame underton V regier 
Grave Ott von Hennenberg V habich 

(Graf Otto von Henneberg U65 

bis 1502) 
Geoffenet V Tröt 

(fol.6a. — Erste Hand:) 

Hausfrau . . Amelich 

Herrn von München . . Begsteltz 

Hans Mercklein . . Cleebat (Vgl. D. 
Städtechr. XL 568 Anm. 3) 

Hans Harscher wirtem bergisch . . Dom. 
(Erwähnt als Mitglied der württemh. 
Regentschaft 1468 bei Stalin HL 
553. S. auch Sattler IIL 198). 

Helling . . Ellsesser 

Herrn und der Adel . . Einsidel 

Hertzog Ernst zu Sachsen . . fasan 
(Herzog Ernst von Sachsen 1464 
bis 86. — Zuerst stand Friedrich da, 
wurde aber ausgestrichen und von an- 
derer Hand Ernst darüber geschrie- 
ben. Uebrigens regierte dessenVater 
Friedrich d. Sanftmüthige v. 1428-64). 

Hans Gewolff . . Geltnutz (Gewolf 
erwähnt als Hauptmann der Böckler- 
gesellschaft bei Krenner VL 102). 

Heuptleut oder hauptman . . heu- 
schreck 

Hertzogen Aurach . . Himelstatt 

Helfer . . habem 

Her hans von Fraunberg zu Prunn . . 
hausknecht (Rath der Herzöge Johann 
u. Sigismund von Bayern. S. Hassel- 
holdt-Stockheim IL 599, erwähnt im 
J. 1461) 



Nümbergische Geheimschrift. 



41 



Her Bemhart von Schönberg . . hecht 
(Vgl. D. Stchr. III. 397) 

Hans kesicken . . Widerumb 

Heyratgut . . hopfgart 

Hertzog von Burgundi . . kraue 

HaufFen . . knotten 

Hennd . . krojien 

Heinrich Span . . Murffeltier (erwähnt 
bei Hasselholdt-Stockheim IL 557,562) 

Her Jörg von Gichthumherj ^^^^ 
zu Wirtzpurg I 

(S. D. Städtechr. X. 431; Hassel- 
holdt 1. 101). 

Her Wolfgang vorchtnauer . . Norff 
(S. D. Städtechr. X. 398 ff.; Hassel- 
holdt-St. I. 241). 

Hoheneck . . Niderberg 

Herzog Albrecht von Oesten-eich . . 
pluteisicken. (Jedenfalls ist Herzog 
Albrecht VI [der Verschwender] ge- 
meint 1424—63) 

Herzog Ludwig von Bayern . . plau- 
fuss (Herzog Ludwig von Bayern- 
Landshut 1450—79) 

Herzog Ludwig von Veldenz . . pirick- 
han (Ludwig der Schwarze von Vel- 
denz 1453—89). 

Herzog Ott . . Rottauge (Herzog Otto 
V.Mosbach oder Neumarkt 1461—99). 

Her Heinrich Marschalk . . Regelbimer 
(Vgl. D. Städtechr. X. 268). 

Heintz Seybot. . Schnaugk (Alsbranden- 
burg.Gesandter erwähnt bei Hasselh.- 
St. I. 263). 

Haims Orttolff . . Specht 

Herzog Wilhelm von Sachsen . . Turtel- 
taub (Wilhelm HI. von Sachsen 
1428—82). 

Herzog Sigmund von Oesterreich . . 
Tenlein (1439—96). 

Heimlich sendbrief . . Tier 

Hans Müllner . . Tunckel (S. D. Stchr. 
II. 396. X. 398. XI. 756). 

Haidenheim . . Wasservalle (S. Hassel- 
holdt I. 233). 

HaidingRfelt . . Wiesel 

Handlung . . VIU hertzen 



(Zweite Hand:) 
here oder leger V konig von Schellen 

(fol. 6 b. — Erste Hand :) 

Hoffnung . . IX schellen 
Hörn oder vememen . . V klee 
Her Michel von Saunsheim . . hausvol 

(S. D. Städtechr. 11. 146). 
Her Jörg von Stein . . Tann (S. D. 
Städtechr. X. 278. — Hasselholdt- 
Stockheim IL 374 ff.) 
Hundert Reinisch guldin . . Carpf 
Her Ulrich von Graveneck . . Abraumer 

(D. Stchron. V. 201. Anm. 3). 
Her Jakob Rauscher pfarrerj . . Jakob 
zu AVeyssenburg / samuel 

Hertzog Victorin . . Ispen. (Dieser Sohn 
Georg Podiebrads regierte inTroppau 
von 1462— 1500. Er wird aber als 
Herzog auch schon 1461 bei Hassel 
holdt-Stockheim IL 481 erwähnt). 
Hengst und hamasch verlorn . . Ge- 
brechen 
Here oder leger . . küng von Schellen 
Hans Waltstromer alt . . kachel. (Hans 
Waldstromer erwähnt in der Ge- 
schichte Peters von Argon. D. Städte- 
chron. V. 395). 
Heimlicli gemech . . Nest 
Her Cristof Morsperger . . Spieling 
Hantschrift . . Tumay Ross 
Her Wilhelm Trauner . . AVeisstrapp 

(Zweite Hand:) 

herzog Ernst in Sachsen V phasan 

(1464-86) 
herzog Albrecht sein bruderly »pQ^j-g 

zu Sachsen I 

(1464—1500) 
herzog philips pfalzgrave V hoen- 

schein (1476-1508) 
herzog Albrecht zu München V f rischer- 

mut ( 1 464 — 1 468 regierte er zusam men 

mit seinen Brüdern ; von 1468 — 1508 

allein), 
her Sigmund leiningen V hopfgartner 
heinrich voyt marschalk V Platzmeister 



42 



(fol. 7a. — Eret6 Hand :) 

Interrogatoria . . Anclopfen 

Jar . . Ast. (Oben bedeutete ast Ein- 
nehmen und Ausgeben.) 

Jobst Tetzel . . Cromatfogel. (Vgl. D- 
Städtechr. X. 216 ff.) 

Juden . . Fledermaus 

Jörg Spengler . . Jaspis (Rathsschreiber 
1488—91. Vorher D. Städtechr. X. 
414 vorgeschlagen zum „Ausgeber") 

Johanns Muffel . . Stentz (Probst zu 
St. Stephan in Bamberg, Sohn Niko- 
laus' M. D. Städtechr. X. 258. XI. 775) 

Jörg Spalter . . Spelten 

Innhelt oder ausweyst . . Veyel 

Jöi^ von Wendingen . . Wiltfang. (S. 
D. Städtechr. II. 429. — Hassel- 
holdt-Stockheim I. 145. — Höfler, 
Kais. Buch Albrecht Achills S. 48 ff.) 

Johann Feucht . . widerumb. (Oben 
bedeutete widerumb Hans Kesicken. 
Hans Feucht ist Schreiber der Nürn- 
berger, bei der Rother Richtung 1460. 
S. Hasselholdt I. 100) 

Jobst Haller . . Wacheiter. (Vgl. D. 
Städtechroniken X. 429, Gesandter 
1475 am kais. Hofe) 

Jörg vitztum . . jagvast 

in pan tun . . Ein pleul geben 

Jörg von Rosembei^g . . premen (S. D. 
Städtechr. X. 351. Auch Burckhardt 
d. funfft merckisch buech 22 ff.) 

(Zweite Hand:) 

Jörg Haussner V hallmer 

Johann Weissenbach doctori y \^q\. 
probst zu Czeiz j taub 

Jacob Roelinger V Krausshanns. (Er 
tritt seit 1468 in den gleichzeitigen , 
Rathslisten auf. D. Stchron. X. 327). : 

(fol. 7 b. — Erste Hand :) 
Künig zu Beheim • . Antvogel j 

künig Wentzlaw zu Beheim . . Adler 
kund oder gut freund . . Bynmeiss 
kadoltzbuig . . Baryss i 

künig von franckreich . . Emerling j 



keyserlich gebot und verbotbrief . . 
Greyfen 

kom und ander getraid . . kalb 

kurfursten . . korfannen 

komneuburg . . komacker (Vgl. Hassel- 
holdt I. 255) 

kuniglicher wirdi . . Coriander 

kuntschaft . . Badhüttel 

kaufft . . pfannholtz 

keyser . . Sperber 

kung zu polan . . Sley 

kung Matheis zu Ungern . . Salm 
(1458—90) 

kaiserlich jnsigel . . tisch 

kitzing . . unru 

keyserlich ladung . . Waidman 

keyserlich hof . . Weysspfert 

kinder . . Vogel 

kam oder komen ist . . HII Aicheln 

keyserlich panir . . hochflüchte 

klein . . VII von Schellen 

(Dritte Hand:) 
kriegsleufft V gevaterschafft 

(fol. 8a. — Erste Hand:) 

Land ob der Enns . . Au 

Lehen . . Ampferwasser 

Land auf der Steyrmarck . . Bald 

Lantzhut . . flachsland 

Lang vergeben Red und wort . . für- 
bank 

Lantfride . . gemein 

Ludwig pfintzing . . gesell (S. D. Städte- 
chron. X. 396). 

Langsam oder nit furderlich . . Grauf 

Landkomenthur zu Ellingen . . Garten. 
(Dass ein Landkomenthur zu Ellingen 
ein vertrauter Rath des Kurfürsten 
Albi'echt Achills war, ergibt sich 
aus Burkhardt d. funfft merckisch 
Buech S. 7 ff.). 

I^ig gesagt . . geweyst 

Laugingen . . hohenstat (S. Hassel- 
holdt n. 588 ff.) 

Letzet . . hincket 

Landgrauf zu Hessen . . kugelhaupt 

Land und leute . . laattea 



Nümbergische Geheimschrift. 



43 



Legat von ferrer . . lottervall. (Als 
Legat wird ein Bischof von Ferrara 
erwähnt. D. Städtechron. XI. 757. 
Ebenso V. 317 beim J. 1467.) 

Landschaft zu Österreich . . Coröl 

lehenschaft . . pfaffen 

Ludwig von Eyb . . leythund (der be- 
kannte Staatsmann unter Albrecht 
Achill und seinen Söhnen). 

lauff . . umbkraiss 

Lintz . . Weysshofen 

leib und gut nach allem vermögen 1 . . Zo- 
setzen J bell 

loch . . Kroppel 

(Zweite Hand:) 

lutz Schot V hecktor (als Kriegshaupt- 
mann der Nürnberger erwälmt 1472. 
S. D. StÄdtechr. XI. 469. Früher er- 
wähnt [1462] bei Stalin, W. Gesch. 
in. S. 521 ff.) 

ladung V latem 

laur dem man die finger 1 v/ , , i_x 
, , , ^ } V losshaubt 

abgehauen hat j 

lauffertor V glassberg 

(fol. 8 b.— Erste Hand :) 
Meister Ulrich Rieder . . Coppaun. (Am 
kaiserlichen Hofe. S. D. Stchron. 
IL 230; X. 407. — Hasselholdt- 
Stockheim I. 133; H. 294. Dom- 
probst. Bei Kluckhohn Ludw. d. R. 
S. 185 wird er einflussreicher Rath 
des Kaisers genannt.) 
Matheis Sluder der hertzogen i , .,- 
von München rete j ' 

Mit recht oder einicherlai i , 
^ , , 1 . . krautt 

ander sachen J 

Menigklich von iren wegen . . linsen 

Maister hans von horbe . . lorper 

Maister heinrich Imhof . . Maulwerff 

(D. Stchron. X. 36,37) 

Michel paumgartner . . Maulpandt 

Merhem , . Miltan 

Mathes keyser . . Mucken 

Maister hans Robein . . Marchwein 

Marggrave zu Baden . . Norhan 



Maister Sigmund drechsel . . Nachtigall. 
(Am kais. Hofe. Gewöhnlich Dresch- 
ler geschrieben. S. D. Städtechron. 
404. Vgl. auch Hasselholdt-Stockh. 
IL 699.) 

Maister liarttung . . Olper. (Damit wird 
der bei Müller Reichstagsth. IV. 141 
als kais. Rath genante M. Albrecht 
Harttung gemeint sein.) 

Marggrave Albrecht . . pfau (Albrecht 
Achilles von Brandenburg) 

Maister Mertein Mayr . . polch (viel- 
fach Rathgeber Nürnbergs; in baye- 
rischen Diensten z. B. D. Städtechr. 
X. 338 u. 8. w. Vgl. Hasselholdt- 
Stockheim II. 317 ff.) 

Mulhausen die statt . . peltzer 

Marggrave fridrich . . Rottelwey (Kur- 
fürst Friedrich IL von Brandenburg) 

Marggrave Hans . . Renck. (Wahr- 
scheinlich Johaim der Alchemyst, 
Bruder Friedrichs II. und Albrecht 
Achills [1440— 67J). 

Manicherlai were . . Schimpf 

Maiestat insigel . . Schachzagel 

Maister hans pistoris . . Zigerner 

Metz . . kartenspil 

Marter . . hitze 

Muntz . . Spiegel 

Mit allen sachen . . VI hertzen 

(fol. 9 a:) 

Nachkomen am Reich . . Arabisch gold 
Nachparschaft . . Aubenteur 
Neuenstatt jn Österreich . . Gewitz 
Niclaus Gross . . Grünling (s. D. Stchron. 

X. 308 u. ff.) 
Niderleg . . Gerstenwasser 
Notari . . Gertner 

Niclaus Muffel alt . . Golias. (Wurde 
nach dem bekannten Processe 1469 
hingerichtet S. Deutsche Städtechr. 

XI. 754 ff.) 
Neuspital . . Grerstenacker 

Nach gestalt der sachen für 1 . . hemel- 

gut vemomen ist / 

Nacht . . hardörpfel 



palk 



44 



Wagner 



Nit dein eunder gross vertraun 
auch unvergessen aufeehen \ . . leb 
zu haben 
Name . . Mitfilchsel 
Neuenstatt an der Aysch . Nachtrab 
Niderligen oder vahen . . Padstube 
Nöten oder trucken . . plumen zaigen 
Neu bischof zu Mentz . . Rephun 
Nit verwarlost sunder gut \ Saiffen 

erlangt Sachen j 

Noch . . Schmarack 
Natürlicher herr . . Verweser 
Nördlingen . . Widhopf 
Nachtseid oder benachten . . zwagern 
Nürmberg die statt . . Sampnung 
Nicht oder keinerlei . . Ametist 
Notturft . . X hertzen 

(Zweite Hand:) 

nebelwolken V nynant mage zu jm 
kumen 

(fol.Ob. — Erste Hand:) 
Oberkeit . . fluch 

Offenlich sendbrief . . gehurter hirss 
österreych Beyern Rein I . . Ru- 
Swaben Francken Sacjisen / manye 
öffenung . . Sper 
Offenlich unverporgen . . Schaff 

(Zweite Hand:) 

Osterichs Cancelley V Oberlands can 
celley 

(f Ol. 10a. — Erste Hand:) 

Probst von pressbui*g . . Egel 
pfabsgraf . • falk 
poren oder erzeigen . . fürstin 
pfafif Scheuch . . Gutzgauch. (Sollte da- 
mit der Chorherr zu Ansbach Stephan 
Scheuch gemeint sein ? Vgl. Hassel- 
holdt-Stockheim H. 388 u. a. a. O.) 
pryssenstatt . . Ofenhausen 
pollicey oder regirung . . polwerck 
petter Gampp . . pfirsing grün (in d. 
kais. Kanzlei 1461 beschäftigt. S. 
D. Städtechr. X. 407) 
pösspein . . posspauer 



paulus hegner . . Swertfisch 

penn . . Stro 

pui^gkhut . . Steinewerck 

pirckenvelt . . Tüchlein 

person . . Gadem 

pfarrer zu kempten . . pfirsich kern 

paumkirchner . . Badktibel (Hassel- 

holdt I. 254) 
petter harstorffer . . Rulandt (D. Städte- 

chron. X. 303) 
pfantschaft . . Salbe wasser 
pfarrer Sebaldi . . Wildsaue 

(Zweite Hand:) 

Patriarch von Constantinopel V patron 
pyms V Schuld, (Offenbar eine Um- 
stellung; denn unten steht schuld- 
pyms). 

(fol. 10b. — Erste Hand:) 
Quittantzen . . Aurhan 

(fol. IIa:) 

Regenspurg . . Bücking 

Reinisch gold . . fennd 

Rottemburg an der thauber . . Geyr 

Reysige . . Gutzer 

Reukauf und kümbeniuss . . has 

Renner . . haselbaum 

Rat zu Nuremberg . . krannch 

Reformacion . . Luchs 

Römisch Reich . . Oberman von Schellen 

Rechtlidi henndel . . pretspil 

Recht oder aid . . pretstein 

Reinisch Stett . . Rapp 

Rechtvertigung . . Rechbock 

Römisch Canzlei . . Rotterkem 

Reichen dann si treiben handel \ . . Rott- 

zu dem, das ir scheum steen 1 stiglitz 
Ritterschaft der neuen vereinung I. . vor- 

in francken 1 hen 

(Hasselholdt I. 192, 193) 
Ratsfreunde . . WiUing 
Rotweyl die Statt . . pin 
.Rathaus . . Weintruben 
ReichstettimElsass . . küng von hertzen 
Richtigung . . Dachs 
Reych Stett . . küng von klee 



Nümbergische Geheimschrift. 



45 



..hauet- 
swein 



Rott die Statt . . Reinpolt 

Romreyttigk . . Reiben 

Rechtpot oder ausstrag.. VII [ Aicheln 

(Dritte Hand :) 
Ritter | Überschein 
Ratslag I hus&iugt 

(Zweite Hand:) 
Rapprecht haller V Eberstock. (Sehr 

oft erwähnt z. B. D. Städtechr. X. 

303 u. s. w. ; Hasselholdt I. 94 fif.) 
Rechtssatz V Brücken 

(f Ol. IIb. — Erste Hand:) 

Sebalt pfintzing alt . . Amster (er- 
wähnt 1445. D. Stchr. X. 165. — 
1450 ib. II. 484) 

Secretirt. . Sessel 

Streit . . freuden 

Soigfeltikait des rechten . . Gemss 

Ser gross not tut, alle ver- 
gangen handlung und was 
itzunt fürgenommen, 
auf das höchst ganz ver- 
swigen bleibe 

Ser erschrocken . . jltis 

Ser soiglich stende , ge-K . keinel- 
standen und noch steetj tier 

Secret jnsigel . . Mardistelwasser 

Secklein . . Mistlein 

Stee oder hange . . piper 

Schulde . . pyms 

Stattsteur . . Raub 

Solang dise krieg vorhanden« . . Rech- 
sind 1 garn 

Salpeter . . Ratz 

Swerlich allenthalben verläumet . . 

Rotterstorch 

Straspurg . . Schnepf 

Swabach . . Stör 

Sweytzer. . Stockfisch 

Schaub . . Sun 

Sachen und geschefft . 

Sweinfurt . . Stul 

Soldner oder Diener . 
-t- Slewitzer . . Tritt. (Ein Küchenmeister 
des Kaisers Slewitzer wird 1489 
erwähnt. D. Stchr. XI. 723). 



Salbey 



Scherstatt 



1 



Äff 



. helf- 
fant 



. Obermann 
von hertzen 



Ser bekümert . . Welschnuss 
Stette . . Vergatterung 
Stattschreiber zu Weissem bürg 

Wachtel 
Sorgfeltikait . . zimin 
Stürmen . . zu stellen 
Sloss . . Zymmerberg 
Schreyber . . X Aicheln 
Ser gut benügen . . IX clee 

(fol. 12 b:) 

Sachen . . III clee 
Scheinbrief, daran nichts ligt 
Schedlichen. Eyl. Eysvogel 
Stettlich arbait zu gepietten 

oder durch verwi Hingen 

kranch allenthalben zuze- 

greiffen 
SchaufPhausen die Stat, 

die ain brück über 

Rein hat 

Starck und krefftig . . Obernian von clee 
Spitz das Sloss . . Stumpf. (Spitz und 

Wachau gehörten zu bayerischen 

Besitzungen in Oesterreich (Nümb. A.) 
Steyr . . Speck (Vgl. Hasselholdt 1. 157) 
Schuttensam . . Wurm (erwähnt als 

Feind der Nürnberger 1464-74. D. 

Stchron. X. 341 ff.) 
Stett zu halten . . | ?? 1 

(Zweite Hand:) 

Spital V frondinst 

Steyrisch V Blokeren* cancelley 

(fol. 12b. — Erste Hand:) 

Tuno werde . . All 

Totten . . kaihart 

Tunau das wasser . . Badofen 

Tode . . Schrannen 

Türeken . . Tracken 

Truhen . . verspruch 

Tage oder nacht . . V Aicheln 

Tausent . . Leber 

Teufel . . Mangolt 

Teufelmalen . . Tausentmeul 

(fol. 13 a:) 
Unschuld . . Agrest 



s 



46 



Wagner: 



Vor . . Berel 

Ulm . . Colmeys 

TJrkund für rechtfertigung . . Erlein 

Verlesen, vemomen u. verstanden . . 

Esel 
Veclide und krieg . . freuntechaft 
Virgili der schreyber . . fink 
Verharren oder Verzug . . Grefin 
Vasnacht . . hermlein 
Vertrag . . hessen 
volzogen und vollendet wurt . . kitz 
Ungunst oder Unwillen . . loseysen 
Vollmechtigen anwalt . . petterlein 
Versigelt brief u.urkund . . plaupfert 
Ursach . . penet 
Verschreibung . . patene 
Unversert geantwort . . Ross 
üngütlich geschehen . . Rotterheher 
Vidimus . . Salz 
Urtailer . . Stock 
Vorstmaister ampt . . selige statt 
Ulrich wetzel . . Taube (sicher iden- 
tisch mit d. kais. Kanzler Ulrich 
Weltzli. Vgl. D. Stchron. X. 
398, 407. S. über ihn Stalin 
Wirt. Gesch. IH. 455). 
nö Untreu oder verleytung . . Weichsel 
Ulrich Artzt . . finckenau (s. über ihn 

D. Städtechr. X. 197. A. 2). 
Vom leben zum tod . . Volbad 
Üsmer . . Unmuss 
Unrecht . . Iin hertzen 
nö Untreu . . IUI Schellen 
Unrat . . III Schellen 
Verhindert oder geirret . . II Schellen 
Uberkomen, vertragen oder» ^ | 

vereinigt J " 

Vorcht oder sorg . . VIII clee 
Vermeiden oder abwesen . . VI clee 
Vertigung . . IIII clee 
Verdriess . . II clee 

Ungezweifelt . . |: ■ :| 

Vermerkt, erlernt od. verstanden ! • 1 

(fol. 13 b:) 
Veind . . Ber 

Verporgenlichen . . Cromat 
Verlangen . . Diemant 



Unbillichs oder unfreuntlichs . . holz- 
hauen 
Vencknus . . Vogelhaus 
Unbillichkait . . Saffran 
Verdechtlich . . Virdung 
Ungelt . . Ungeschmach 
Unwiderruflichen . . VIII schellen 

(Zweite Hand:) 

AVagen V gezenge 
VoUung V traben 
Urtel V Kye 

(Erste Hand:) 

Wilhelm von buchen . . Aich 
Wilhelm Stör . . Grasmuck 
Wochen . . holzapfel 
Weide . . hoeneich 
Wo man nit verswigen wer, 

das solchs ser schedhch 

scheden bringen wurde 
Wendelstein . . Mistel 
Weysung . . Nuss 
wolfail oder ein pfenwert . 
W^ienn . . rotttroschel 
weren verprannt, verheret i 



. lint- 
wurm 



pfann 



oder verderbet 



. Rotter 
J Emerling 



Wo es nit anders wolt sein, 
ee wolten sie den Rat zu- 
sampt hertzog ludwigen 
zu veind haben 



Rotag- 
lester 



(fol. 14 a:) 

Wo w^ege mit fugen mochten \ 
funden werden, das will- 1 . . Rott- 
farung geschehe und durch j begsteltz 
die vinger gesehen | 

Windsheim . . Sittich 

Weyssenburg . . Storch 

Wilhelm löffelholtz . . Schraub (oft er- 
wähnt z. B. D. Stchron. X. 416 u. s.w.) 



AVunderlich oder gremsig 
Wagenbuigk . . virrade 
Wort . . Weyssruben 
Wildpann . . Umblaüff 
Widerwertikait . . Wirm 
Weissemburg am Rein . . 
Warnung . . Zuckerwasser 



Schüssel 



Weyrauch 



Nürnbergische Geheimschrift. 



47 



. kalkus 

Nagel 
, . Osterwein 



Weysen oder unierrichtung . . III 

Aichehi 
Wilhelm Derrer . . freymut (mehrfach 

erwähnt in d. Nümb. Chroniken z. B. 

D. Stchron 434 u. ß. w.) 
Wein . . hasengam 
Wege oder Strass . 
Wachen . . laub 
Walld das Sloes . 
Wienig odei lützel 

(Dritte Hand:) 

Weihannt koneck V Elias. (Vgl. oben 
unter Elias. Die folgende Zeile ge- 
hört dazu. Rheinscbwalbe = Bischof 
von Metz.) 

reinswalben Cancellei 

(Zweite Hand:) 
Wucher V naist 
her Wilhelm von Anersbuig V holper 

(fol. 14 b. — Erste Hand :) 

Zehenden dn mitsampt dem i . . Brau- 
guldin opfer pfenning / nellen 
Zweyen Ratten . . kolben. 



Ruckin brot 

. . Rotter 
rab 

Raben 



Zaiger oder antworter . . lepart 
Zway swert . . Malmaseyer 
Zornig ist . . Mader 
Zugericht oder gevertigt . 
Zu sorgen, das des Rats 

armleut, auch der kauff- 

man beschedigt werden 

möcht 
Zu tun nymant gestatten 
Zölle . . Stein 
Zu schonen . . Schar 
Zwifach . . tischtuch 
Zum Gostenhof . . Wisbaden 
Zittedell Jud . . Unglaub 
Zu überziehen . . Zu Eren 
Zu erlangen oder zu er- j . . IV Aiche- 

raichen f len 

Zugeben oder zugesagt . . H hertzen 
Zu rotten . . Beinschruben 
Zu scheubt jn sein hilf wider \ 

redlich ursach I 

Zu diser zeyt oder stund . . Regina 
Zollstett . . Steingrub 
Zu fügen oder zu sdiicken . . Scher 



Griel 



Einige Bemerkungen drängen sich unwillkürlich auf. Sowohl 
die eigentlichen Ausdrücke auf der linken Seite sind im Grossen 
und Ganzen alphabetisch geordnet, wenn auch die Reihenfolge nicht 
gerade peinlich bestimmt ist, wie auch die geheimen Zeichen auf 
der rechten Seite innerhalb eines jeden Buchstabens. Denn das 
geht doch über den Zufall hinaus, wenn beim Buchstaben A die 
Worte Abguck, Affeltar, Coppaun Wasser, Gans, Glas, Jeger u. s. w., 
beim Buchstaben B Behmisch, Beystadel, Citron, Esch, Erbotz, 
Eneas, Fürst u. s. w., beim Buchstaben C die Worte Arbais, Berlin- 
krantz, Comat, Kiefarbais u. s. w., beim Buchstaben D Ainküre, 
A, B, Darmvol, Geyss, Hering, Herz u. s. w. auf einander folgen. 
Die Aufzählung liesse sich mit dem gleichen Ergebniss bis zum 
Buchstaben Z durchführen; aber die angeführten Beispiele erhärten 
die Behauptung wohl schon zur Genüge. Dabei springt aber ebenso 
deutlich in die Augen, dass die Zusätze zweiter, dritter und vierter 
Hand dieser Regel nicht unterworfen sind; da geht es, um irgend 
einen Buchstaben herauszugreifen, bei H bunt durcheinander: phasan, 



48 Nttmbei^sche Geheimschrift. 

Tobias, hoenschein, frischer mut, hopfgartner, platzmeister. Aber 
allerdings auch die erste Hand hat sich genöthigt gesehen, das 
Alphabet nach Erschöpfung des Wortvorraths wieder von neuem 
zu beginnen. Der Buchstabe G wird das klar machen. Er beginnt 
mit Amsel, Antlatz, Alber, Biber und geht fort bis zu Zamerbere, 
Ziella, Zwirn ; darauf folgen wieder von neuem 9 Aicheln, 7 Clee, 
Q 7 Brper, vVnstern (finstern), Otter, Roth, Wildper, Weissrosen. 
Ich wage nicht, die Frage zu untersuchen, ob dieser Umstand 
darauf hindeutet, dass die Notizen der ersten Hand ursprünglich 
auch wieder in zwei Gruppen, in eine ältere und eine jüngere, die 
vielleicht eben aus verschiedenen Jahren herstammen, zu scheiden 
seien. Denn allerdings haben wir es ja bei der Arbeit der ersten 
Hand nicht mit einer Urschrift, sondern, wie oben schon bemerkt, 
mit einer Abschrift zu thun, die natürlich die Kennzeichen der 
verschiedenen Einträge verwischt hat. Es würde das eine ebenso 
schwierige und vielleicht ebenso wenig lohnende Untersuchung sein, 
wie wenn man feststellen wollte, ob die im Jahre 1500 gebrauchten 
Ausdrücke wie Sperber, Falke, Pfau u. s. w. eine bestimmte Be- 
ziehung zu der damit bezeichneten Persönlichkeit *) oder zu ihrer 
amtlichen Stellung (grosse und kleine Vögel? 2) haben, und ob auch 
bei diesem Verzeichniss für den Kardinal von Augsburg absichtlich 
die Bezeichnung Rothamsel, für Herzog Albrecht IV. von München 
Frischer Muth, für Lutz Schott den Hauptmann Hektor, für Doktor 
Kilian (von Bibra) Ratgebe, für Ludwig von Eyb Leithund ge- 
wählt ist. 

Dagegen ist unbedingt nicht zu umgehen eine Untersuchung 
darüber, welcher Zeit dieser Schlüssel angehört. Denn dass er auf 
diejenigen Aktenstücke, bei denen er jetzt liegt, nicht passt, hat 
sich theils oben schon ergeben, theils lehrt es der erste Blick auf 
die Personen, die darin vorkommen. Und eben diese Personen 
müssen auch den ersten Anhalt bieten, um eine Zeitbestimmung 
zu gewinnen. Der terminus a quo würde zunächst annähernd fest- 
zustellen sein aus der Erwähnung des kung Mattheis zu Ungern. 
Da diese Notiz der ersten Hand und zwar unzweifelhaft dem Grund- 
stocke der Bezeichnungen angehört, so ist wohl nicht daran zu 



*) Auerhahn Albrecht der Beherzte? Pfau die stolzen eitlen Markgrafen 
von Brandenbun?? 

•) Sperber, Falke, Kau, Auerhahn etc. bezeichnen die Fürsten, Zeisig, 
Kohlmeise geringere Persönlichkeiten. 



NümbergiBche Geheimschrift. 49 

zweifeln, dass dieser Schlüssel vor dem Jahre 1458, dem Jahre des 
RegieniDgsantritts des Königs Mathias, nicht zusammengestellt sein 
kann. Dass wenige Personen darin vorkommen, die zu dieser Zeit 
längst aus dem Leben geschieden waren, wie z. B. König Wenzel 
von Böhmen, kann uns in dieser Ueberzeugung nicht beirren, da 
ja nach ihrem Tode sehr wohl noch von ihnen die Rede sein 
konnte. Dagegen würde an diesem Zeitpunkt allerdings nicht fest- 
gehalten werden können, wenn Persönlichkeiten in dem Verzeichniss 
aufträten, die entweder später geboren* oder doch mit einem Titel 
bezeichnet würden, den sie erst später erlangten. Dann würde die 
Entstehungszeit noch um einige Jahre später zu datieren sein. Da 
nun ein Herzog Ott erwähnt wird und diese Notiz hinter Herzog 
Ludwig von Bayern und Herzog Ludwig von Veldenz sich kaum 
auf einen andern Fürsten als den Herzog Otto von Neumarkt, der 
seine Regierung erst 1461 antrat, beziehen kann, so wird man den 
terminus a quo bis zu diesem Jahre zu verschieben haben. Ein 
Grund, ihn noch später anzusetzen, scheint nicht vorzuliegen. Denn 
dass z. B. Herzog Viktorin, der Sohn Georgs Podiebrad, der erst 
1462 das Herzogthum Troppau erhielt, vorkommt, würde nichts zu 
bedeuten haben, da dieser junge Fürst in den Urkunden des Jahres 
1461 (vgl. z. B. beim 15. Nov. 1461 Hasselholdt-St. II. 502 u. a. 
V. St.) schon regelmässig Herzog genannt wird. Ebenso würde 
die Erwähnung des Herzogs Ernst von Sachsen, der seine Regierung 
1464 antrat, deswegen nicht dagegen sprechen, weil, wie oben be- 
merkt, von der ersten Hand Herzog Friedrich von Sachsen geschrieben 
war, und die Verbesserung von einer anderen Hand herstammt. 
Etwas schwerer könnte ins Gewicht fallen, dass der Name Schutten- 
sam erwähnt ist, von dem ich eine gewisse Bedeutung für Nürn- 
berg erst seit dem Jahre 1464 nachweisen kann. Aber entscheidend 
wird bei der Möglichkeit, dass die Streitigkeiten schon früher be- 
gonnen haben, dieser Umstand um so weniger sein, als so mancher 
andere Grund noch für das Jahr 1461 als Anfangstermin spricht. *) 
Wenn es eigentlich auch selbstverständlich ist, dass diese 
Geheimschrift nur angewendet worden sein wird, wenn es sich um 
besonders wichtige und geheime Dinge handelte, so verdient es 



*J Die Erwähnung Herzog Albrechts von München, der in die Mitregierung 
1465 (vgl. HasselhoUlt-St. I. 338) eintrat nnd des Grafen Ott von ITenxieberg, 
der in demselben Jahre zu regieren begann, .^reitet nicht dagegen, da beide 
erst von späterer Hand eingetragen sind. 

ArchivallflCbe Zeitachrift. IX. 4 



50 Wagner : 

doch noch besonders hervorgehoben zu werden, dass folgende Aus- 
drücke in dem Schlüssel vorkommen: ser gross not tut, alle ver- 
gangen handlung und was itzunt furgenomen, auf das höchst ganz 
verswigen bleibe, und ferner: wo man nit verswigen wer, das solchs 
ser schedlich scheden bringen werde. Nun hatten die Nürnberger 
aber gerade in den Jahren 1461/62 einen solchen geheimen Handel 
vor, von dem vor allen ihr Nachbar Albrecht Achilles nichts er- 
fahren durfte. Als näinlich der Reichskrieg von Kaiser Friedrich III. 
gegen Herzog Ludwig den Reichen von Bayern erklärt worden war, 
suchte der hohenzollernsche Markgraf, der neben dem Grafen Ulrich 
von Württemberg und Karl von Baden zum Reichsfeldherrn ernannt 
wurde, ganz besonders den Beistand der Reichsstädte zu gewinnen, 
und er brachte vom Kaiser die schärfsten Mandate gegen sie aus. 
Für Nürnberg war die Verlegenheit gross ; um keinen Preis wollte 
man es mit dem bisherigen Bundesgenossen, dem Herzog Ludwig, 
verderben; aber andererseits war es auch gefahrlich, den kaiser- 
lichen Befehlen zu trotzen, hinter denen ja der thatkräftige Mark- 
graf Albrecht stand. So entschloss sich denn der Rath, eine Ge- 
sandtschaft zum Kaiser abzuordnen, um auf irgend eine Weise 
Befreiung von der Verptlichtung, an dem Reichskriege theilzunehmen, 
zu erlangen. Bei Friedrich III. war mit namhaften Summen schon 
etwas auszurichten und wirklich hatte die Gesandtschaft Erfolg; sie 
brachte ein vom 7. Sept. 1461 datiertes Schreiben des Kaisers aus, 
das die Nürnberger von jeder Kriegsverpflichtung entband. Aber 
nicht zufrieden damit erwirkten die Nürnberger durch eine zweite 
Gesandtschaft noch eine goldene Bulle, die sie auf 18 Jahre von 
allen kriegerischen Leistungen für das Reich befreite. Dieses Doku- 
ment ist zwar aus dem Jahre 1452 datiert; aber der verstorbene 
Professor von Kern hat im 10. Bande der deutschen Städtechroniken 
(S. 408 fP.) mit unwiderleglichen Gründen bewiesen, dass der Kaiser 
und seine Kanzlei sich einer Fälschung schuldig gemacht und die 
Urkunde, die im Winter 1461/62 ausgestellt wurde, auf den 23. Juni 
1452 zurückdatiert haben. Gar so auffällig ist dieses Verfahren 
bei Friedrich III. nicht ; er liat auch sonst derartige Manipulationen 
und zwar immer mit der nöthigeu Vorsicht (z. B. musste genau 
der Aufenthaltsort für den falschen Termin, den man wählen .wollte, 
von der Kanzlei festgestellt werden) vorgenommen. ^) Aber aller- 

*) Vgl. das oben erwähnte Programm : Aufnahme der fränkischen Hohen - 
zollern in den schwäbischen Bund. Berlin 1880. S. 19. Anm. 4. 



Nürnbergische Geheimschrift. 51 

(liDgs lag ihm dann immer viel daran, dass die Sache geheim ge- 
halten wurde und über den Kreis der Betheiligten nicht hinaus- 
kam. In diesem Falle wird er ganz besondere Heimlichkeit zur 
ersten Bedingung gemacht haben. Markgraf Albrecht durfte um 
keinen Preis etwas davon erfahren, wie ihn der Kaiser hinterging, 
da es im eigensten Interesse Friedrich III. gelegen war, dass er 
den gegen Ludwig von Bayern beschlossenen Krieg mit aller Kraft 
führe. Daher gab sich der Monarch, selbst als er den Nümbergern 
schon die Exemption von dem Keichskriege zugestanden hatte, noch 
den Anschein, als komme er den dringenden Bitten des Markgi'afen 
nach und leite den Prozess gegen Nürnberg wegen Ungehorsams 
vor dem kaiserlichen Kammergerichte ein. Daraus wird sich für 
die Nümbergischen Gesandten auch die Noth wendigkeit ergeben 
haben, die Berichte, welche sie in dieser Angelegenheit an den 
Rath richteten, in einer Geheimsprache abzufassen, für den Fall, 
dass einer ihrer Briefe in die Hände des Markgrafen, den sie durch 
Betheiligung an den zur BeschUessung der Kriegshilfe ausge- 
schriebenen Städtetagen in Sicherheit zu wiegen suchten, auf irgend 
eine Weise geriethe. — Versuchen wir nun den Beweis anzutreten,- 
dass ein grosser Theil der in dem vorliegenden Schlüssel auf- 
geführten Ausdrücke gerade auf diese Verhältnisse passt, so dass 
er dem an den Kaiser abgeordneten Gesandten Nürnbergs, Jobst 
Tetzel, als „vocabulari" mitgegeben worden sein könnte. Den ersten 
Anhalt werden uns die Personen darbieten. Tetzel, der in dem 
Schlüssel cromatfogel genannt wird (vieUeicht weil er verborgen- 
lichen = cromat mit einer vertigung abgesendet wurde), hat in 
einem erhaltenen Rechnungszettel (Deutsche Städtechron. X. 406) 
die Ausgaben (den costen oder das gelt = underman von clee) 
vermerkt, die er im Jahre 1461 am kaiserlichen Hofe gemacht hat; 
aber sie sind auch im „Register des Ausgebens während des Krieges 
von 1461" aufgeführt. Die darin vorkommenden Ausdrücke liessen 
sich recht wohl in Geheimschrift ausdrücken. Da treten neben dem 
Kaiser (sperber), der 3000 Gulden (30 Karpfen) rheinisch Gold 
(fennd) erhält, Meister Sigmund Tröschler (nachtigall) , Wolfgang 
Vorchtnauer (norff), der Bischof von Gurk (Zagelmaiss) , Ulrich 
Weltzli (taube), Meister Ulrich Biederer (coppaun), Peter Gamp 
(pfirsing grün) am kaiserlichen Hofe (weisspfert) theils in der römi- 
schen (rotterkern), theils in der österreichischen Kanzlei (oberlands 
cancelley) auf und erhalten erung oder schenk (walfisch). Auch 

4* 



52 Wagner: 

die guldin pull (otter) und das vidimus (salz), das Jobst Tetzel zu 
Grätz (Gegler) anfertigen Hess, die collationirte abschrift (swartzpfert) 
dieser versigelt brief und urkund (plaupfert), an die der maiestat 
insiegel (schachzagel) oder das kaiserlich insigl (tisch) gehängt 
wurden, lassen sich belegen. Ebenso wird der Abt von St. Egidien, 
der ebenfalls ein Vidimus der goldnen Bulle ausstellte, als abguck 
erwähnt. Dass der alt bischove zu Mentz (Gans) und später der 
neu bischof zu Mentz (rephun) genannt werden, liesse sich wohl 
zwanglos damit erklären, dass in eben jener Zeit (Anfang Okt. 1461) 
Graf Adolf von Nassau an Stelle Diethers von Isenburg vom Papste 
zur erzbischöflichen Würde erhoben worden war. Der Kardinal von 
Augsburg (rottamssel; ebenso bei bischof zu Augspurg) musste auch 
neben den Bischöfen von Bamberg (sprintz), Würzburg (galander) und 
Salzburg (rotterthauber) erwähnt werden, da sie insgesammt zur 
bayerischen Partei gehören. (S. Hasselholdt-Stockheim I. 155 ff. 237.) 
Der Bischof von Eichstädt (henfling) darf nicht fehlen, da er, der 
frühere Feind Ludwigs des Reichen, später eine vermittelnde Stellung 
einnahm. (S. z. B. die päpstliche Bulle an ihn bei Hasselholdt II. 640.) 
.Der Bischof von Passau (thauber) spielt neben dem Kardinal von 
Augsburg und Ludwig dem Reichen 1461 eine Rolle in den Streitig- 
keiten des Herzogs Sigmund von Oesterreich (tenlein) mit dem Bischof 
von Brixen. (Hasselholdt II. 385.) Dagegen stand der Bischof von 
Metz (reinswalb ; auch sein Kanzler Weihannt Konek = Elias ist von 
späterer Hand hinzugefügt) auf der Gegenpartei; er wurde ja mit 
dem Grafen Ulrich von Württemberg (raiger) und seinem Bruder, 
dem Markgrafen von Baden (norhan) in dem Gefecht von Secken- 
heim (30. Juni 1462) von dem Pfalzgrafen (falk) ^) gefangen genommen. 
Die Erzbischöfe von Köln (haselhun) und Trier (gruntel), der Bischof 
von Freising (citron) wurden im März 1462 vom Kaiser aufgefordert, 
gegen die bayerische Partei zu Felde zu ziehen (Hasselholdt I. 235) 
und bis zu dieser Zeit weilte Jobst Tetzel als Gesandter am kaiser- 
lichen Hofe. Ueber die Beziehungen des Bischofs von Agram (rotkopf) 
zu diesen Verhältnissen giebt die Notiz Aufschluss, dass er 1461 
als Gesandter Albrechts zum Herzog Ludwig ging. (Hasselh. I. 144.) 



*) Merkwürdig genug ist es, dass Albrecht Adiilles in seinem bei Hassel- 
holdt I. 247 abgedruckten Schreiben an den Markgrafen Marx^ von Baden auch 
sagt: das ir euch der ding entslahet, was euch des zu swermütigkeit dinen 
möge und euch trostlich gegen dem falck stelt u. b. w. Da scheint mit dem 
Falken ja auch dvr Pfalzgiiif jfenieint zu sein. 



Nümbergische Geheimschrift. 53 

Dass auch der Papst (esch) aufgeführt wird, ist an sich er- 
klärlich ; wenn aber gerade in dieser Zeit die Gegner des Böhmen- 
königs denselben ersuchen, dass er „bei dem pann gebot, das kain 
man in der Cron zu Beheim, zu Merhern noch in der Slesien wider 
den kaiser noch sein HelfFer sey*' (Hasselholdt I. 151. 181 ff.), seist 
man allerdings versucht, diese Worte nach Anleitung des Schlüssels 
zu übertragen : | babst | esch | bei dem höchsten beptlichen panne | kue 

I gebotten | heu, das kain man in der | cron zu Beheim | bernlinkrantz, 



zu 



Merhern miltau, noch in der Slesien wider den kaiser| sperber. 



noch sein helffer habern sei. — Von weltlichen Herren werden 
manche ohne nähere Bezeichnung erwähnt, wie z. B. Pfalzgraf (falk), 
Markgraf zu Baden (norhan), Landgraf zu Hessen (kugelhaupt), 
König von Böhmen (antvogel), Polen (sley), Frankreich (emerling); 
diese werden also zur Feststellung der Zeit, in welcher der vor- 
liegende Schlüssel entstanden ist, nicht weiter herangezogen werden 
können. Allerdings verdient hervorgehoben zu werden, dass der 
Pfalzgraf, der Markgraf zu Baden, der König von Böhmen in die 
Politik der Jahre 1461/62 tief verflochten sind und dass nicht allzu 
lange vorher von einem Hereinziehen Polens, Frankreichs, Burgunds, 
der Schweiz und Venedigs in d;ese Angelegenheiten auf dem Prager 
Tage 1461 die Rede gewesen war. (Hasselholdt IL 493 ff.) Besonders 
beachtonswerth erscheint, dass in den Notizen erster Hand nur die 
Herren von München (begsteltz) erwähnt werden; das kann sich 
doch nur auf das gemeinsame Regiment der Söhne Albrechts HL 
des Frommen beziehen, also entweder nur auf die Jahre 1460—64 
— da regierten Johann und Sigismund allein — oder höchstens 
1460—68. Das erstere ist wahrscheinlicher, da eine spätere Hand 
erst ausdrücklich Herzog Albrecht IV. (frischermut), der 1464 schon 
seine Zulassung zur Mitregierung erzwang, hinzugefügt hat. Als ihr 
Rath wird Matheis Sluder bezeichnet; mit diesem Vornamen findet 
sich in dem mir zugänglichen Material kein Staatsmann ; wohl aber 
wird ein Peter Schinder in den letzten Regierungsjahren Albrechts IIL 
und in den ersten Albrechts IV. genannt. (Hasselholdt L 24.) Dass 
sie in den Wirren der Jahre 1461/62 sehr häufig auftreten, ist aus 
ihrem Verhältniss zu der Hauptperson jener Streitigkeiten, dem Herzog 
Ludwig dein Reichen (plaufuss), sehr erklärlich. Zur bayerischen 
Partei gehörten ausserdem des Kaisers feindlich gesinnter Bruder 



54 Wagner: 

Herzog Albrecht von Oesterreich (pluteisicken) mit der Landschaft 
zu Oesterreich (coröl) und mit dem Könige Mathias von Ungarn 
(salm), mit Herzog Sigismund von Oesterreich (tenlein), der Gesell- 
schaft St. Georgenschild (hasel); ausserdem stand Herzog Ludwig 
in Verbindung mit den Herzögen Wilhelm (turteltaub) und Friedrieh 
von Sachsen (fasan),i) dem Herzog von Burgund (kraue), mit dem 
Pfalzgrafen (falk). Der Pfalzgraf selbst stand wieder im Bündniss 
mit dem Landgrafen zu Hessen (kugelhaupt). (Hasselholdt I. 155.) 
Später (1462) tritt noch Herzog Otto von Mosbach (rottauge) hinzu 
(Hasselholdt L 235), während Herzog Ludwig von Yeldenz (pirickhan) 
der Gegenpartei angehörte. Diese setzte sich zusammen aus den 
Markgrafen von Brandenburg, Friedrich II. Kurfürsten (rottelwey), 
Albrecht Achill (pfau), Johann dem Alchemysten (renck), dem Mark- 
grafen von Baden (norhan), den Grafen ririch (raiger) und Eber- 
hard (neunaug) von Württemberg, dem Grafen Ulrich von Oettingen 
(amsel), Grafen Hans von Wertheim (biber) u. a. Dass auch Herzog 
Viktorin, der Sohn Georg Podiebrads, der von 1462 — 1500 Herzog 
von Troppau war, (unter dem Namen ispen) auftritt, spricht auch 
für die Zeit 1461/62; denn im November 1461 sollte Viktorin — der 
in den Urkunden, wie oben bemerkt, damals schon Herzog genannt 
wurde — den Krieg gegen Brandenburg eröffnen. (Hasselh. I. 206.) — 
Bei den minder bedeutenden Persönlichkeiten weltlichen Standes ist 
es nicht in allen Fällen möglich, die Beziehungen anzugeben, welche 
ihre Aufnahme in dieses Verzeichniss bewirkt haben mögen ; es muss 
genügen, wenn wii* nachzuweisen vermögen, dass ihr Vorkommen 
nicht geradezu der aufgestellten Vermuthung widerspricht. Von den 
Grafen sind schon einige erwähnt worden; es bleiben noch übrig: 
Graf Kudolf von Sulz = alber (das könnte sehr wohl der kaiserliche 
Rath sein, an den sich 1465 Albrecht IV. von Bayern-München mit der 
Bitte wendete, beim Kaiser einen Befehl zu erwirken, dass seine Ver- 
wandten, Pfalzgraf Friedrich, Herzog Ludwig und die gemeine Land- 
schaft eine Versöhnung zwischen ihm und seinen Brüdern einleiteten) ; — 
Graf Hang von Werdenberg = Günther von Werd (unzweifelhaft jener 
einflufisreiche Staatsmann, der unter Friedrich IE. und Maximilian I. 
eine sehr bedeutende Thätigkeit entwickelt hat; gerade in den An- 
gelegenheiten der Seichsstädte ist er häufig verwendet worden) ; 2) — 

*) Die sächsischen Herzöge traten dann allerdings zur Gegenpartei über. 
*) Vgl. auch mein Programm : Die Aufnahme der fränkischen Hohenzollern 
in den schwäbischen Bund. Berlin 1880. S. 16. 



Nürnbergische Geheimechrift 55 

Graf Michael von Maidburg = grasmair (ich beziehe diese Notiz auf 
den im Gefolge des Kaisers 1444 erwähnten Hofrichter, der eigentlich 
Burggraf von Magdeburg und Graf zu Hardeck war, und der schon 
in dem genannten Jahre neben anderen kaiserlichen Hofbeamten 
von der Stadt Nürnberg ein Geschenk [„ein vergulten verdeckten 
ausgestochen pecher"] empfing); — Graf Hans von Eberstein 
= gauffor (über ihn vermag ich nichts beizubringen) ; i) — Graf 
Schaffrid von Leiningen = wespen (dai'unter wird ein kaiserlicher 
Rath dieses Namens zu verstehen sein, der 1463 sich mit dem 
Pfalzgrafen einigte und den die Stadt Nürnberg laut Rechnungs- 
buches im J. 1471 neben anderen Käthen Friedrichs IH. mit 
20 Gulden beschenkte). — Daneben kommen noch vor von niederem 
Adel: Herr Hanns von Frauenberg zu Brunn = hausknecht (er war 

1461 unter den Räthen, wdche die Brüder Johann und Sigismund 
von Bayern -München nach Laugingen sendeten, um eine Einigung 
mit ihren Verwandten, dem Herzog Otto von Mosbach und Herzog 
Ludwig dem Reichen, wegen der Salzstrasse herbeizuführen, und 

1462 wurde er [Hofmeister war er damals] an den kaiserlichen Hof 
abgeordnet) ; — Herr Bernhard von Schönberg = hecht (über diesen 
vermag ich nichts Sicheres anfzufinden ; neben den fahrenden Mannen 
des oben erwähnten Grafen von Maidburg wurde allerdings 1442 
von der Stadt Nürnberg auch der Lautenschläger eines Herrn von 
Schönberg belohnt ; da aber der Vorname fehlt, bleibt die Beziehung 
unsicher) ; '^) — Herr Georg von Giech , Domherr zu Würzburg 
= maneser (unzweifelhaft derselbe, der 1460 an der Richtung zu 
Roth, allerdings als Abgesandter des Bischofs von Bamberg, be- 
theiligt war); — Herr Heinrich Marschall = regelbirner (man kann 
kaum im Zweifel sein, dass man diese Bezeichnung auf den 1461 
oft erwähnten Heinrich von Pappenheim [vgl. z. B. D. Stchron. X. 397], 
Reichserbmarschall, und nicht auf Heynrich marschalck der jung, 
her Hansen sun, der unter den in der Schlacht bei Gingen 1462 
Gefallenen erwähnt wird, beziehen soll); 3) — Herr Michel von 



*) Ein Lorenz von Eberstein wird unter den Feldhauptleuten Albrecht 
Achills erwähnt. S. Hasselhold t I. 245. 

') Ohne grosses Gewicht darauf legen zu wollen, möchte ich doch nicht 
unerwähnt lassen, dass die Bezeichnung hecht daraus entstanden sein könnte, 
dass unter den damaligen kaiserlichen Protonotarien sicli einer Namens Hecht 
befand. Vgl. D. Stchron. 3, 399. 

*) Ob Heinz Seybot liier oder erst später zu erwälmen sei, vermag 



56 Wagner: 

Saunsheim = hausvol (über dieses Mitglied eines treu zu den 
brandenburgischen Markgrafen stehenden Geschlechtes vermag ich 
keine genaue Auskunft zu geben) ; i) — Herr Georg von Stein 
= tann (offenbar der Kanzler des oben erwähnten Erzherzogs 
Albrecht von Oesterreich, der 1461 mehrfach, z. B. als Gesandter 
an den Hof des Königs Mathias von Ungarn [Hasselholdt I. 202] 
erwähnt wird) ; — Herr Ulrich von Grafeneck = abraumer (er wird 
als kaiserlicher Rath im J. 1462 bei dem Wiener Aufstande erwähnt 
und ist später [1467] kaiserlicher Bevollmächtigter auf dem Reichs- 
tage zu Nürnberg); — Herr Ludwig von Eyb = leithund (dieser 
bekannte brandenburgische Staatsmann, der von 1440—1502 thätig 
gewesen ist, gehört unzweifelhaft hierher, da er die Ritterwürde mit 
dem Prädikat „Herr*' besass); — Jörg von Wendingen = wiltfang 
(er gehörte im Juni 1461 zu den Räthen, welche Markgraf Albrecht 
zu Herzog Ludwig von Bayern sendete, um einen Ausgleich zu 
versuchen) ; — Jörg von Rosenberg = premen (er mag auf branden- 
burgischer Seite gestanden haben; 1478 bestand er einen Zweikampf 
zu Ansbach mit Simon von Stetten) ; — Herr Jakob Rauscher, Pfarrer 
zu Weissenburg = Jacob Samuel (über ihn habe ich ebensowenig 
etwas gefunden wie über) Herr Christoph Morsberger = spieling 
und Herr Wilhelm Trauner = weisstrapp. 

Wenden wir uns zu den Gelehrten und zugleich zu den Staats- 
männern meist bürgerlicher Herkunft, so begegnen uns: Dr. Hans 
Birkheimer = Josepp (er tritt schon 1458 als Nürnbergischer Rath 
am kaiserlichen Hofe auf [Hasselholdt I. 36], wird aber auch 1459 
und in den folgenden Jahren als Rathsfreund erwähnt) ; — Dr. Kilian 
=«= ratgebe (damit ist unzweifelhaft der in die Händel jener Zeit 
vielfach verflochtene Domherr zu Würzburg gemeint, der z. B. 1460 
als Abgesandter des Bischofs von Bamberg zwischen Albrecht Achill 
und Ludwig von Bayern zu vermitteln suchte [Hasselholdt L 91. 
Höfler, kais. Buch S. 83]); — Dr. Knorr = trapp (ebenfalls ein 
vielgenannter Gesandter, der z. B. 1461 im kaiserlichen Aufkrage von 
Albrecht Achill zu Ludwig XI. von Frankreich und dem Herzog 
Philipp von Burgund geschickt wurde, um der Gegenpartei jede Hilfe 

ich nicht festzusteUen , da er (bei Hasselholdt-St. IL 218) ein gehalbirt edling 
genannt wird. 

*) Sollte «Michel, Herre zu Swartzenburg von Senssheim' (bei Hasselholdt 
1. 458) gemeint sein? Die Herren von Saunsheim = Seinsheim und die Schwarzen- 
bei^e waren nahe verwandt. Vgl. auch P. Stchron. IT. 146. 



Nümbei^ßche Geheimschrift. 57 

von dorther abzuschneiden [Hasselholdt I. 202] ) ; — Dr. Jopp = swalb 
(er war 1461 als Gesandter Albrecht Achills neben Dr. Peter Knorr 
in den Streitigkeiten zwischen Erzbischof Diether von Mainz und 
Papst Pius II. sowie bei den Verhandlungen mit den Reichsstädten 
auf einem Tage zu Esslingen thätig) ; — Dr. Jörg Heimburg = hausen 
(jedenfalls der bekannte Gregor von Heimburg; wenigstens bezieht 
Kern einen in der Deichslerschen Chronik erwähnten „doctor Jörgen", 
der 1461 zugleich mit dem Erzherzog Sigismund von Tyrol in den 
Bann gethan wurde, auch auf Gregor Heimburg [Deutsche Stchron. 
X. 263 Anm. 4 ; vgl. auch Höfler, kais. Buch S. 85] ; er trat z. B. 
für Erzbischof Diether als Anwalt auf demselben Tage, den Dr. Knorr 
und Dr. Jopp besuchten, auf) ; — maister Mertein Mayr = polch (der 
vielgenannte, stets mit Beformplänen beschäftigte, auch 1461/62 oft als 
bayerischer Abgesandter hervortretende Staatsmann); — Heinrich Span 
= muffeltier (dieser kaiserliche Abgesandte wird 1461 in des kaysers 
Spruch als von den Leuten Herzog Ludwigs niedergeworfen und 
schwer verwundet erwähnt) ; — maister Härtung = olper (damit ist 
jedenfalls der kaiserliche Kath Magister Albrecht Härtung gemeint, 
den Friedrich IIL 1462 ins Reich um Hilfe sendete, als er von den 
Wienern bedroht wurde). — Von Ulrich Weltzel, Ulrich Rieder, 
Sigmund Drechsel und Wolfgang Forchtenauer ist schon oben die 
Rede gewesen, ebenso wie von Mathes Sluder. Hans Harscher 
wirtembergisch = dorn war 1468 Mitglied der württembergischen 
Regentschaft; — Erasem Thorer = siech ist der bayerische Kammer- 
meister, der 1461 (im Dezember) an dem oben erwähnten Tage zu 
Laugingen Theil nahm ; — pfaflf Scheuch = gutzgauch kommt viel- 
fach als vertrauter Rath des Markgrafen von Brandenburg vor, z. B. 
am 18. Juli 1441 ff.; — Heinz Seybot = schnaugk tritt vielfach als 
Rath nnd Gesandter Albrecht Achills auf, z. B. 1463 bei dem Tage 
von Neustadt. Von einigen kann ich keine ganz bestimmten An- 
gaben machen; einen Dr. Hayden vermag ich erst 1486 als branden- 
burgischen Rath nachzuweisen ; 1) ein Dr. Rott wird 1468 in dem 
Muffeischen Prozesse erwähnt. Ueber Meister Hans Robein, Meister 
Hans Pistoris, Meister Hans von Horbe, Maister Heinrich Imhof 2) 
habe ich nichts auffinden können. 



') Ein Eintrag in den Harsch. Büchern des Nümb. A. lautet: Mertiu 
Heyden doctor hat den rat geswom. Actum Onolzbach montags Galli ao. 8B. 

») Ein Heinrich Imhof wird 1439 als Freischöffe erwähnt. D. Stchron. 
X. 36. 37. 1443 kommt er bei dem Zuge nach lichtenburg vor. 1449 ist sein 



58 Wagner: 

Selbstredend treten viele Nürnberger in dem Verzeichnisse auf. 
Ruprecht Haller = eberstock trat 1460 neben Wilhelm Löflfelholz 
= schraub als Gesandter Nürnbergs behufs Vermittlung zwischen 
Albrecht Achill und Ludwig von Bayern auf. Er war bei der 
ßother Richtung ebenso betheiligt wie Jobst Tetzel = cromatfogel 
und Johann Feucht = yviederumb, der als Schreiber diente. Gabriel 
Tetzel = liligenstengel zog schon 1440 nach dem gelobten Lande; 
sehr häufig wird er freilich erst seit 1474 in den gedruckten Be- 
richten erwähnt Ebenso tritt Wilhelm Derrer = freimut häufiger 
erst seit 1471 hervor; aber er war doch auch schon 1458 consul 
junior. (Vgl. Würfel Nürnb. Stadt Gesch. I. 381.) Nikiaus Gross 
= grünling wird hauptsächlich in dem Prozesse von Nikiaus Muffel 
= golias im J. 1469 erwähnt. Losunger war er 1476 — 91; er wurde 
es an Stelle Anton Tuchers = Schauloch, der dieses Amt 1461 er- 
hielt (D. Stchron. X. 265), nachdem er schon 1459 neben Ludwig 
Pfinzing = gesell im Rathe sich als gegner Albrecht Achills gezeigt 
hatte. (D. Stchron. X. 243.) üebrigens war Nikiaus Gross schon 
1450 neben Nikiaus Muffel und Hans Müllner == tunckel in dem 
Streite Albrecht Achills mit Nürnberg thätig. (D. Stchron. IL 396. 397.) 
Seit 1462 war Rathsmitglied Peter Harsdürfifer = Rulandt, der in 
den nächsten Jahren auch als jüngerer Bürgermeister erscheint. 
Aelter war Meister Heinrich ImhofF = maulwerflF, der 1439 als 
Freischöflfe erwähnt wird und 1449 gestorben zu sein scheint. 
Hans Merklein = cleeblatt ist nur als Kanzleischreiber erst 1491 
nachweisbar, während Johann Muffel = stentz und doctor Rott 
= linckrutte schon in dem MuflFelschen Prozess 1469 erwähnt 
werden. Von Jörg Spalter = spelten vermag ich nichts Näheres 
anzugeben, doch gehörte er einer Nürnberger Familie an. Jörg 
Spengler = jaspis ist jedenfalls der spätere Rathsschreiber, der 
schon beim burgundischen Kriege 1474 zum „Ausgeber" vorgeschlagen 
war. Ueber seine frühere Thätigkeit weiss ich nichts anzugeben. — 
Nicht eigentlich zu den Nürnbergern gehört Ulrich Arzt = finckenau, 
da er 1446 von Nürnberg, wohin sein Vater ausgewandert war, 
wieder nach Augsburg gezogen ist. In seine Sachen verwickelt ist 
auch der Augsburger Bürger Gossenbrot = geissbart neben dem 
Nürnberger Anton Baumgartner = spinnenwebe. Ebenso ist hierbei 



Tod angemerkt. A. a. 0. II. B46. Ob es aber der hier gemeinte sei, bleibt 
zweifelhaft. 



Nttrnbergische Geheimschrift. 59 

nur mittelbar zu erwähnen Schüttensam = wurm; es ist fraglich, 
ob der jüngere Hans Schüttensam gemeint ist, der 1464 den Nürn- 
bergern einen Feindsbrief zugesendet hat. Einige Personen, wie 
Hans Waltstromer = kachel, Franz Waltstromer = kechelein, Daniel 
ülmer = darmvol, kommen in dem Prozesse Peters von Argon vor. — 

üeber die „böcklergesellschaft in Beyren" = pockstirn vermag 
ich keine weitere Auskunft zu geben, als dass sie 1467 aufgelöst 
werden sollte, aller Wahrscheinlichkeit nach also schon 1461/62 be- 
stand. 1) Jedenfalls gehört der Name Hans Gew^olff = geltnutz hier- 
her, da ein Gewolf als Hauptmann des Böcklerbundes erwähnt wird. — 
Die „gesellschaft sant Jörgen schilt" = hasel wird in dem Kampfe 
zwischen Albrecht Achill und Ludwig von Bayern sowohl im J. 1460 
(Hasselholdt I. 155) wie auch 1461 (Ib. 1. 175) erwähnt; die „ritter- 
schaft der neuen vereinung in Francken" = vorhen wird gleich- 
bedeutend sein mit der 1461 mehrfach erwähnten Ritterschaft der 
grossen oder kleinen Vereinigung in Franken. 

Dass viele Reichsstädte (Augsburg = troschel, Dinkelsbühl 
= hering, Frankfurt = krebs, Esslingen = henn, Gingen = ziella, 
Metz = kartenspil, Nördlingen = widhopf, Nürnberg = sampnung, 
Regensburg = bücking, Rothenburg = geyr. Rottweil = pin, 
Strassburg = schnepf, SchafFhausen = Obermann von hertzen, 
Schweinfurt = stul, Donauwörth = all, Ulm = colmeis, Winds- 
heim = Sittich, Weissenburg = storch) genannt werden, würde an 
sich ohne Beweiskraft sein. Freilich sind grade 1461/62 sehr viele 
Städtetage, auf denen die genannten Städte vertreten waren, abge- 
gehalten worden. Wichtiger schon ist es, dass etlich stett an Augs- 
purg hangende = swan und etlich stett an Ulm hangende = zeislein 
und etlich stett an Augspurg und Ulm hangende = lerch noch be- 
sonders erwähnt werden. Denn am 6. Februar 1462 wurden auf 
dem Tage zu Ulm die Städte Augsburg, Dinkelsbühl, Nördlingen, 
Rothenburg, Schweinfurt, Donauwörth (allerdings auch noch das hier 
nicht genannte Hall) dem Markgrafen von Brandenburg zugetheilt, 
während Ulm und die übrigen Städte dem Grafen Ulrich von 
Württemberg überwiesen wurden. Aber auch andere reichstett 
= küng von kleo wurden vom Kaiser dringend zur Hilfsleistung 
aufgefordert ; so die reinisch stett = rapp , auch die reichstett im 



') Hasselholdt St. S. 19 versprach im 2. Bde. seines Werkes über Herzog 
Albrecht lY. darüber zu handeln, ist aber durch den Tod an der Vollendung 
seines Buches verhindert worden. — Vgl. auch SchmellerFr. I. 204. 



60 Waguer: 

Elsass = küDg von hertzen, selbst die Schweizer = Stockfisch 
blieben mit dieser Zimmthung nicht verschont (vgl. Hasselh. I. 228) ; 
deshalb wird Schaffhausen, die stat, die ein brück über Kein hat 
= Obermann von hertzen, werden die stett Preyburg im Uechtland, 
Bern, Soliter, Lucern = pinstock angefahrt sein. Dazu kommt, dass 
manche sonst selten erwähnte Städte gerade in dieser Zeit und in 
diesem Verzeichniss auftreten. So Lauingen (Laugingen) = hohen- 
stat, das im Dezember 1461 den Wittelsbachischen Fürsten, bez. ihren 
Käthen als Sammelpunkt diente und 1462 im Februar neben Heiden- 
heim = wasservalle vom Markgrafen Albrecht Achilles angegriffen 
wurde; Kornneuburg ^) = kornacker, das neben neuensiatt in Oester- 
reich = gewitz sowohl 1461 wie 1462 erwähnt wird. Nicht lange 
vorher war der Kaiser in Gretz = gregler, dem lande auf der Steyr- 
mark = bald, dem Lande ob der Enz a= au, in Linz = Weisshofen 
gewesen; in Wien = rotttroschel wurde er 1462 belagert gehalten. 
Brichsenstadt (Pryssenstadt) = Ofenhausen wurde 1461 vom Bischof 
von Würzburg belagert und 1462 erobert. Burghausen = sara und 
Landsbut = flaschland (Kloster zu Kenn = stiglitz ist jedenfalls Kain, 
wo Herzog Ludwig im Dezember 1461 weilte, Hasselholdt H. 578) 
waren die Kesidenzen Herzog Ludwigs; dagegen Feuchtwangen 2) 
== abbtei, Schwabach 3) = stör, Kadolzburg^) = Baryss, Neustadt 
a. d. Aisch &) = nachtrab, Kitzingen 6) = unru Aufenhaltsorte Mark- 
graf Albrechts in jener Zeit. Unter den Städten, die 1461 Herzog 
Ludwig dem Markgrafen abgewinnt, befinden sich die Stadt Bern- 
heim 7) = stockeul, Roth = Keinpoldt, unter den Schlössern Hoheneck 
= niderberg, ausser der schon oben erwähnten Neustadt. 

Es bliebe nun noch zu erweisen, dass auch die sonstigen 
Ausdrücke und Kedensarten auf die Verhältnisse der Jahre 1461/62 
passen. Auf kriegerische Verhältnisse beziehen sich z. B. die Worte : 



*) 1401 im Oktober sollto ein gütlicher Tag daselbt abgehalten werden. 
Hasselholdt I. 179. 

*) Dort sammelte sich 14GI das Heer Albrecht Achilles. Hasselh. 1. 147. 

^) In Schwabach hielt sich Albrecht Achill z. B. 4 Wochen lang im Sept. 
1461 auf. Hasselhol t I. 147. 

*) Bei Kadolzb Tg sammelte sich im Okt. 1461 das Heer der Bischöfe 
von Würzburg und Ba v berg. Hasselholdt I. 193. 

*) 1461 von Her.rg Ludwig eingenommen. 

•) Dort stand Aibrecht Achill mit seinen Truppen im Okt. 1461. Hassel- 
holdt I. 193. 

») Vgl. Höfler Ludwig v. Eyb S. 127 Anm. 24. 



Nflmbergische Geheimschrift. ßl 

SO lang diese krieg vorhanden sind = rechgarn; alle, disen kriegs- 
leufften verdacht weren = amerallen; antreflfent hilfF oder kriegs- 
leufft itzund vor äugen = jeger und viele andere. Auf die eigen- 
thümlich schwierige Stellung Nürnbergs inmitten der Parteien deuten 
die Ausdrücke: swerlich allenthalben verläumet = rotterstorch ; wo 
wege mochten funden werden, das willfarung geschehe und durch 
die vinger gesehen = rottbegsteltz ; wo es nit anders wolt sein, 
ee wollten sie den rat zusampt herzog Ludwigen zu veind haben 
= rotaglester; zu sorgen, dass des rats armleut, auch der kaufman 
beschedigt werden möcht, und manche andere hin. Dass der fischgall 
am kaiserlichen hof = rümpf erwähnt wird, erklärt sich daraus, dass 
gegen die (sämmtlich in diesem Schlüssel erwähnten) Städte Augs- 
burg, Nürnberg, Ulm, Weissenburg, Windsheim und Dinkelsbühl 
am 11. November 1461 (Hasselholdt I. 221) wegen Nichtbefolgung 
der kaiserlichen Befehle (sie waren vorher auf das höchst gepetten 
und ermant [== den himel zeigen] worden) auf Anrufen des kaiser- 
lichen Kammer-Prokurator-Fiskals in die Pönen verfallen erklärt 
wurden, mit welchen das kaiserliche Ausschreiben (keiserlich gebot 
und Verbotbrief = greifen) die Ungehorsamen bedroht hatte. 

Diese Beziehungen Hessen sich noch viel weiter verfolgen; 
aber ich fürchte, es möchte allzu ermüdend werden, alle Einzeln- 
beiten anzuführen. Nur die eine Bemerkung sei noch gestattet, 
dass manche Wendungen, wie lantfride = gemein, reformarcion 
= luchs auf allgemeinere, das Reich damals bewegende, Fragen 
sich beziehen, während andere wieder, wie z. B. statsteuer = raub, 
neu spital = gerstenacker sich nur auf besondere Nürnbergische 
Angelegenheiten deuten lassen. Daraus möchte zu folgern sein, 
dass dieser Schlüssel nicht blos für einen speciellen Zweck, sondern 
für längere Zeit gebraucht worden ist. Und das würde auf die 
Frage nach dem terminus ad quem führen. 

Der Anhaltspunkte zur Beantwortung dieser Frage sind nur 
wenige. Der Grundstock des Schlüssels muss wohl vor dem J. 1464 
vorhanden gewesen sein, da sonst schwerlich Herzog Friedrich von 
Sachsen ausgestrichen und an seiner Statt Herzog Ernst einge- 
tragen worden, Ja sonst nicht von der zweiten Hand erst Albrecht IV. 
von München, Graf Ott von Hennenberg, Kurfürst Philipp von der 
Pfalz, Herzog Albrecht von Sachsen hinzugefügt worden wären, 
üeber welchen Zeitraum sich nun aber die Nachträge der zweiten 
Hand erstreckt haben, ist schwer zu sagen. Manches deutet darauf, 



62 Wagner: Nümbei-gische Geheimschrift. 

dass der Schlüssel noch in der Zeit de» Muffeischen Prozesses 
benützt worden sei; es ist doch zum mindesten aufTällig, dass 
Dr. Seiffrid = boech, dessen Gutachten in Sachen Conrad Goldasts 
und Hans Müllers dabei erwähnt wird, nachträglich ebenso wie 
Jacob Roelinger, der erst seit 1468 in den Rathslisten geführt wird 
hinzugeschrieben worden ist. Auch der Ausdruck secklein = mistlein 
ist auffallig, da Muffel des seckleins halb ein Geständniss ablegte. 
Ja, die Erwähnung des Nürnbergischen Feldhauptmanns im bur- 
gundischen Kriege Lutz Schott = Hector würde auf einen noch 
späteren Gebrauch schliessen lassen, obwohl allerdings Lutz Schott 
auch 1462 wegen der Vertheidiguug des Schlosses Weinsberg hätte 
erwähnt sein können (s. Stalin a. a. 0.); doch damit würde ein ge- 
fährliches und weites Gebiet der Verrauthung betreten, von dem ich 
mich lieber fernhalten will. 

Den sichersten Beweis für die Zeit der Anwendung des Schlüssels 
zu erbringen, bin ich leider ausser Stande. Auf eine diesbezügliche 
Anfrage beim k. Kreisarchive zu Nürnberg wurde mir der Bescheid, 
dass Relationen Nürnbergischer Gesandten aus jenen Jahren nicht 
vorhanden seien, und da gerade aus dem J. 1461 auch das Briefbuch 
fehlt (vgl. D. Stchron. X. 264 Anm. 1), so ist und bleibt das Material 
zur Beurtheilung der hierher gehörigen Fragen lückenhaft. Aber 
sollte nicht doch einmal ein glücklicher Zufall die doch schwerlich 
vernichteten geheimen Berichte ans Tageslicht fördern ? Dass sie 
nicht registrirt worden sind, würde durchaus erklärlich sein. Viel- 
leicht finden sie sich gelegentlich einmal bei anderen Archivalien, 
gerade so wie ja auch dieser Schlüssel in spätere Aktenstücke 
hineingerathen ist. 



III. Der hohenlohische Archivar Hanselmann und das 
fürstlich hohenlohische gemeinschaftliche Hausarchiv 

in Oehringen. 

Von 

G. Bessert, 

Pfarrer in Bächlingen (AVürttemberg}. 



Die Bliithezeit des hohenlohischeu gemeinschaftlichen Haus- 
archivs in Oehringen und die Thätigkeit des Archivars Christiau 
Ernst Hanselmann dürften in dieser Zeitschrift eine Darstellung 
verdienen. Als Quelle dient für dieselbe vor Allem die Vorrede 
Hanselmann's zu seinem Kepertorium , das er im Mai 1735 in vier 
starken Bänden den Grafen Philipp Ernst von H.-Schillingsfürst als 
Senior des Hauses, Christian Kraft von H.-Ingelfingen , Friedrich 
Eberhard von H.-Kirchberg , Carl Ludwig von K-Weikersheim, 
Johann Friedrich von H.-Oehringen , Ludwig von H.-Langenburg, 
Carl Philipp von H. - Bartenstein , Joseph und Ferdinand von 
H.-Pfedelbach übergab. Zapf in seiner Schrift: „Leben, Schriften 
und Character Chr. E. Hanselmann 's. Augsburg 1776", ist gerade 
nach dieser Seite hin Hanselmann nicht gerecht geworden, da er zu 
oberflächlich über seine Wirksamkeit als Archivar hinweggeht. 

Christian Ernst Hanselmann war als der Sohn eines tüchtigen 
hohenlohischeu Beamten am 8. Juli 1699 zu Weikersheim geboren. 
Frühe verwaist, kam er zu seinem Stiefgrossvater, dem hohen- 
lohischeu Kanzleidirector Dreher nach Oehringen, wo er auf dem 
unter der Leitung des Rectors Lenz kräftig blühenden Gymnasium 
seine erste Bildung empfing. Am Reformationsjubiläum 1717, den 
2. November, hielt Hanselmann eine Rede über den Gewinn, welchen 
die Reformation dem Staatsleben gebracht, während zwei Mitschüler, 



64 BoBsert: 

Hermann über die Nothwendigkeit der Reformation, Jan über den 
Gewinn der Reformation für die Frömmigkeit, das Volksleben und 
die Dteratur sprachen. Schon diese jugendliche Rede liess seine 
Begabung für die Geschichte ahnen. Im Jahre 1719 bezog er die 
Universität Jena, wo die Hohenloher gerne ihre Bildung holten. 
Neben seinem Fachstudium als Jurist trieb er unter Struve's und 
Schmeizels Leitung mit Vorliebe geschichtliche Studien. Nach seiner 
Rückkehr im Herbst 1722 bereitete er sich zu Oehringen, vorerst 
ohne Amt, auf den Eanzleidienst vor, ohne dem Archiv näher zu 
kommen. 

Das gemeinschaftliche hohenlohische Archiv befand sich ur- 
sprünglich im Rathhaus zu Oehringen; letzteres brannte jedoch am 
13. Februar 1504 nieder. Bei der Rettung der Urkunden des 
Archivs gieng Manches zu Grunde. Auch scheint bisher keine 
Klarheit darüber geherrscht zu haben, welche Dokumente in diesem 
gemeinsamen Archiv aufbewahrt werden sollten. Es war dem 
Zufall, dem guten Willen der einzelnen Herren und der Noth der 
„geschwinden Läufe" überlassen, wenn Urkunden in diesem Lokal 
geborgen worden waren. Ordnung wurde erst durch die Erbeinigung 
der beiden Brüder Albrecht und Georg von Hohenlohe von 1511, 
9. September (Dienstag nach Maria Geburt), geschaffen und zugleich 
das noch heute als Hausarchiv dienende Gewölb des Stiftskirchen- 
thurms (Blasethurm) zu Oehringen als Verwährungsort für die 
Urkunden der Grafschaft bestimmt. Der neunte Abschnitt dieser 
Erbeinigung setzt fest: „All unser, unserer Grafschaft und unserer 
Eltern briefliche Urkunden und Handvesten sollen durch uns, unsere 
Erben und Nachkommen zu Oehringen in unser Stift -Kirchen in 
gemeiner Verwahrung ewiglichen bleiben, nicht gesondert noch 
geändert werden und ein jeder regierender Graf von Hohenlohe soll 
zu solcher Verwahrung einen Schlüssel und Schloss anlegen und 
haben. Ob dann einem aus uns Noth würde, derselben Urkunden 
eines oder mehre zu gebrauchen und er die anderen schriftlich 
oder mündlichen zu Haus ersucht, so soll ohne alles Verhindern 
und Widersprechen, also auch ein Jeder seines Abwesens in seiner 
Hauswohnung verfugen solle (sie), dass in acht Tagen nach solcher 
Verkündung uf die Zeit, wie die von dem Erforderer bestimmt wird, 
von allen Theilen die Behältniss ufgethan und demselben gestattet 
werden, solche Brief und Urkund zu Händen zu nehmen. Der soll 
auch bei Eidespflichten dieselben Urkunden wohl verwahren und in 



Archivar Hanselmann und das hohenlohische Hausarchiv. 65 

ziemlicher Zeit nach Gestalt der Handlung, darinnen er verfangen 
wäre, wieder in die benannte gemeine Verwahrung antworten un- 
verletzt und ohne Schaden. Darzu alle Handvesten, Privilegia und 
andere briefliche Urkunden, die ein jeder nachfolgender Graf von 
Hohenlohe etc. von Neuem erlangen und haben werde , sollen (sie) 
allwegen nach eines Jeden Tod, darvor und ehe seine Söhne und 
Erben in das Regiment oder Erbschaft treten, dieselben Briefe und 
Urkunden alle in obangezeigt Behältniss antworten und legen, und 
einen jeden regierenden Grafen von Hohenlohe soll allwegen uf sein 
Begehren aller und jeder brieflichen Urkunde Abschrift gefolgt 
werden." (Hanselmann, Diplomat. Beweis der Landeshoheit des Hauses 
Hohenlohe. Nürnberg 1751, S. 539 f.) War durch diese Erbeinigung 
viel gewonnen für das Hausarchiv, so litten doch die Bestimmungen 
an wesentlichen Mängeln. Denn es blieb unbestimmt, wer die Auf- 
sicht und die Verwaltung führen sollte. Die Urkunden des Hauses 
wurden den Grafen auf Eidespflicht hinausgegeben, aber dass über 
ihren Ausgang und Eingang ein ordentliches Register geführt werden 
sollte, dass die Grafen för ihre Beamten, welche die Urkunden in 
RechtsföUen benützen mussten, verantwortlich sein sollten, daran ist 
nicht gedacht. So werthvoU auch die Bestimmung sein mochte, 
dass die Urkunden jedes regierenden Grafen nach seinem Tod, ehe 
seine Söhne die Regierung antraten, an das gemeinschaftliche Archiv 
ausgeliefert werden sollten, so trug sie doch in sich die Gefahr der 
Nichterfüllung. Manche Urkunden mochten ja gerade beim Regierungs- 
wechsel in Original nothwendig werden. Andere mochten der Art 
sein, dass die betreffende Linie ein Interesse daran hatte, sie den 
andern vorzuenthalten. Auch war es für die überlebenden Grafen 
gar nicht möglich, zu constatiren, welche und wie viele Urkunden 
gerade der verstorbene Graf hinterlassen. Endlich war keine Be- 
stimmung wegen ordnungsmässiger Verzeichnung dieses in Aussicht 
genommenen Zuwachses im Archiv selbst getroffen. Freilich scheint 
das als selbstverständlich vorausgesetzt worden zu sein. Wenigstens 
existirte in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein, wenn auch kurz 
gehaltenes, so doch sorgfältig geführtes Repertorium des Archivs 
in Weikersheim, woraus sich auf Aehnliches für das in Oehringen 
schliessen lässt. 

Bei der Landestheilung zwischen den Söhnen Georg's, Ludwig 
Casimir, dem Stammvater der heutigen Linie Hohenlohe-Neuenstein 
(Oehringen, Langenburg), und Eberhard, dem Stammvater der Linie 

Aiehivalliche Zeitachrift. IX. & 



66 Bossert: 

Hohenlohe - Waidenburg (Waidenburg, Schillingsfürst, Bartenstein, 
Jagstberg), 1553—56 wurde am 20. Juni 1555 durch eine kaiser- 
liche Coniraission unter dem Vorsitz Herzog Christophs von Württem- 
berg festgesetzt: Alle schriftlichen Documente sollen bei den Aemtem 
bleiben, wohin sie gehören; die gemeinschaftlichen Documente aber 
sollen ins Archiv zu Oehringen zum gemeinen Gebrauch geliefert, 
doch jedem Theil auf sein Begehren zuvor Abschriften davon ab- 
gefolget werden. (Historie des Hauses Hohenlohe von Lor. Scholl, 
handschriftlich.) Allein diese Bestimmung wurde in Folge der bald 
eintretenden und auf Jahrhunderte hinaus immer grösser werdenden 
Spannung zwischen den beiden Linien Hohenlohe -Neuenstein und 
Hohenlohe-Waldenburg nicht streng durchgeführt. Dazu errichtete 
jeder der Zweige der beiden vielgespaltenen Hauptlinien sein Partikular- 
Archiv neben den Linienarchiven für H.-Neuenstein in Neuenstein 
(jetzt Oehringen) imd für H.-Waldenburg in Waidenburg. Man ent- 
lehnte Urkunden aus dem gemeinsamen Archiv und gab sie nicht 
wieder zurück, entweder, weil die Processe, für welche man sie 
bedurfte, sich endlos in die Länge zogen, oder weil die Eriegs- 
unruhen, der Wechsel der regierenden Grafen und ihrer Beamten, 
oder auch die gegenseitige Spannung, die ja bekanntlich in den Jahren 
1744—50 bis zum Osterstreit führte (cf. Fischer, Gesch. des Hauses 
Hohenlohe 3, 9fiF.), die Rückgabe „bei Eidespflicht'^ vergessen machten. 
Die hinausgegebenen Urkunden waren mit den kleinen Archiven den 
bittersten Wechselfallen unterworfen. Bei den Einfällen der Fran- 
zosen im letzten Decennium des 17. Jahrhunderts kam es vor, dass 
man in Waidenburg die alten Pergamenturkunden statt des Strohs 
zur Pferdestreu benützte, was Hanselmann auf einer dortigen Ur- 
kunde angemerkt fand. 

Aber noch schlimmere Feinde schadeten der gedeihlichen Ent- 
wicklung und dem gesicherten Bestand des hohenlohischen Haus- 
archives und der Nebenarchive. Trefflich schildert sie Hanselmann, 
der offenbar die Vergangenheit dieser Archive und ihre Zustände 
bis ins Einzelnste genau kannte. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts 
begnügte man sich mit Darstellungen der Hausgeschichte in der 
Weise der damaligen Chronisten. Je reicher an „Fabeln und Träumen", 
an Anekdoten, welche man andern Chroniken entnahm, um so ärmer 
an sicher beglaubigten, auf Urkunden basirten Nachrichten waren 
diese Hauschroniken, unter denen sich die von Lor. Scholl, hohen- 
lobisch - Neuensteinischem Kanzleirath zu Weikersbeim 1592 — 1631. 



Archivar Hansclmann und das hohenlohische Hausarchiv. 67 

vortheilhaft auszeichnet. Mit Recht klagt Hanselmann über den da- 
maligen Mangel an gesundem historischem Sinn, weshalb man sich 
um die alten Urkunden nicht bekümmerte. Darum war es auch 
möglich, dass man die Aufsicht über die Archive Leuten übertrug, 
welche die Sprache der Urkunden nicht verstanden, zu wenig Ver- 
ständniss für die Geschichte und das Staatsrecht besassen und darum 
sich's nicht kümmern liessen, wenn die herrlichsten alten Documente 
im Staub und Moder oder durch Mäusefrass und Motten verdarben. 
Zur unmittelbaren Verwaltung der Archive bestellte man „homines 
illiteratos", untergeordnete Eanzlisten, welche sich begnügten, den 
Zuwachs an deutschen Acten zu verzeichnen. Glaubte man doch, 
die Aufgabe eines Archivars sei keine andere, als „die einlaufenden 
Acten fein ordentlich zu rubriciren und in ein Repertorium einzu- 
tragen." Einen Begriff vom Unterschied eines Archivs und einer 
Amtsregistratur besass man nicht. Diese Schilderung Hanselmanns 
zeugt von ebenso klarem Verständniss für das, was Noth that, wie 
von genauer Bekanntschaft mit der Geschichte der hohenlohischen 
Verwaltung in den letzten 150 Jahren vor seinem Amtsantritt. 

Hanselmanns unmittelbare Vorgänger in der Archivverwaltung 
waren Balthasar Fleiner und Johann Lorenz Hörn. Fleiner war 
gemeinsamer Registrator, Stiftsgegenschreiber und Schultheiss in 
Oehringen, in der Folge Amtmann der Linie Hohenlohe-Waldenburg, 
ein vielbeschäftigter Mann, der auch eine Chronik hinterliess, die 
Hanselmann bei seinem harten Urtheil über die Fabeln und Träume 
der Chroniken im Auge hatte. Fleiner hatte ein Repertorium über 
das gemeinschaftliche Hausarchiv in Oehringen angele^gt, aber sein 
Nachfolger Hörn fand dasselbe unbrauchbar wegen seiner schlechten 
Ordnung. Auf dem ersten Blatt desselben steht von Horii's Hand 
geschrieben: Confusum chaos und mistiger Wust! 

Hörn machte sich nun 1676 selbst daran, ein besseres Archiv- 
Repertorium anzulegen. Hanselmann zollt dem Eifer Horn's für das 
ihm unterstellte Archiv alle Anerkennung, allein durch viele Neben- 
arbeit abgehalten, konnte Dieser so manche löbliche Arbeit für das 
Archiv wohl beginnen, aber nicht vollenden, so dass seine Amts- 
verwaltung schliesslich dem Archiv fast eher zum Schaden gereichen 
musste, als zum Nutzen. Nach Horn's Tod sprach eine Commission 
von drei hohenlohischen Räthen — Koch, Eisenmenger und Poley — 
nach einer genauen Visitation im Juni 1706 das Urtheil: „So sind 
auch die Schubladen nicht ordentlich und ein Theil Fächer gar nicht 



68 Boeseit: 

numeriret und kommet überdies der Numerus mit dem im ßepertorio 
beigesetzten nicht überein. Nicht weniger sind bisweilen Acten in 
einem Fach antrefflich, die nicht darein gehören. Ist also noch ein 
ganz imperfectum opus, so eine ganz neue, ordentliche mit gehörigen 
Numeris und Characteribus signirte Eegistratur und Reformation 
braucht und muss mithin ein ganz neues Repertorium darüber 
gefertigt werden , wann zumal resolvirt werden sollte , die in den 
Particulararchiven befindlichen Hauptbriefschaften auch hieher zu 
extradiren." 

So glich also das hohenlohische Archiv einem Silberschrank, 
dessen Schätze bunt durch einander standen, und dessen Schlüssel 
nicht ins Schloss passte. Aber trotzdem blieb das Archiv nun von 
1706 bis 1730 verwaist. An wem die Schuld für diese Behandlung 
des Archives lag, lässt sich schwer feststellen. Möglicherweise war 
der Einfluss des Seniors des Hauses, Philipp Ernst von Hohenlbhe- 
Schillingsfürst, durch seine langjährigen Zerwürfnisse mit seinem 
Schwager Philipp Karl von H.-Bartenstein (f 1729) gelähmt. 

Im Jahre 1730 wurde nun Hanselmann zum Hofrath und 
Archivar berufen. Hanselmann, der seit 1725 bei der Wittwe Graf 
Joachim Heinrich Adolfs von Rechteren, geb. Gräfin von Limpurg, 
als Erzieher ihres Sohnes Johann Eberhard Adolf eine einflussreiche 
Stellung zu Almelo in der Grafschaft Oberyssel eingenommen hatte, 
stand damals in den kräftigsten Jahren. Mit frischem Muth und eherner 
Thatkraft ging er daran, Ordnung zu schaffen. Seine Aufgabe war 
keine leichte. Mehr als 100 Urkunden waren seit Hom's Amts- 
übernahme und nach seinem Tode verschleudert. Das Archivlokal 
selbst war in einem Zustande, dass es eher „einem schmutzigen 
Kerker glich, als dem Behältniss der theuersten Privilegien und 
anderer vornehmsten Urkunden des Hauses". Viele Acten lagen 
wirr durcheinander; zu ihrer ordnungsmässigen Aufbewahrung fehlte 
es an geeigneten Repositorien. Für die Sicherheit des Archivs war 
nicht genügend Sorge getragen. Hanselmann liess erst das Gewölbe 
von allem „squalore" reinigen und tünchen, um einen hellen, freund- 
lichen Ort zu haben, darein man auch hohe Herrschaften führen könne. 
Eines solchen Besuches sollte das Archiv werth sein, denn Hanselmann 
betrachtete dasselbe als „das vornehmste Kleinod desLandes 
und die anima der Regierung". Die alten unförmlichen 
Repositorien wurden umgearbeitet und neue nach Bedürfniss ange- 
schafft. Zur Rettung der vornehmsten Acten in Feuersgefahr wurden 



Archivar Hanselmann und das hohenlohische HauBarchiv. (59 

acht Einschläge bereit gestellt. Da man aber vom nächstangebauten 
Hause mit der Hand bis an eine Fensteröffnung des Archivs herüber- 
langen konnte, Hess er die Oef&iung bis oben zumauern, so dass 
nur dem Luftzug freie Circulation blieb, und suchte so einen Ein- 
bruch von Aussen unmöglich zu machen. Nun ging er daran, 
die Urkunden nach Materien zu ordnen. Dabei leitete ihn der 
Gesichtspunct , sich das Material für die Hausgeschichte schon im 
Archiv nach Capiteln geordnet zu schaffen. Denn eine solche 
urkundliche Geschichte des Hauses hatte er bei seinem Amtsantritt 
ins Auge gefasst. Der Stoff, den es zu ordnen galt, war seit den letzten 
Jahren von Horn's Verwaltung stark augewachsen. Im Jalir 1703 
hatten alle regierenden Grafen in einem gemeinsamen ßecess nicht 
nur § 9 der Erbeinigung aufs Neue eingeschärft, womach Heiraths-, 
Lehen- und Kaufbriefe, auch Verträge mit den Nachbarn nach dem 
Tode jedes Grafen an's gemeinschaftliche Archiv übergeben, sowie 
die daraus entlehnten Dokumente nach Gebrauch in „gesetzter'' 
Zeit wieder zurückgegeben werden sollen, dem aber bis dahin nicht 
nachgelebt worden, — sondern zur Ergänzung des gemeinsamen 
Archivs sollte auch jeder gräfliche Theil, wie dies von Hohenlohe- 
Oehringen, -lÄngenburg , -Schrotsberg und -Kirchberg bereits ge- 
schehen war, alle alten oder auch gegen Recognition erhobenen und 
nicht wieder extradirten Urkunden möglichst bald einliefern, damit 
sie in das Archivrepertorium öingetragen würden, so dass künftig 
dasselbe wirklich seinem Namen entspreche und nicht das Geringste 
einseitig herausgenonmien werde. Die protestantische Neuensteinor 
Linie hatte den Becess gehalten. Es war eine ganze Anzahl von 
Urkunden aus Neuenstein und Langenburg weiter nach Oehringen 
geliefert worden, aber dieselben waren nicht in das Repertorium 
eingetragen. Um nun aber den Kecess zu vollständigerer Durch- 
führung zu bringen und dem Hausarchiv einerseits die verlorenen 
Urkunden, welche in den Particular-Archiven lagen, wieder zu schaffen, 
andererseits das ihm kraft der Erbeinigung gebührende neue Material 
zu gewinnen, ging Hanselmann selbst, wo es ihm von den regie- 
renden Grafen gestattet wurde, an Ort und Stelle an die Durch- 
suchung der Partikular - Archive. Gelang es ihm nicht überall, die 
Originaldocumente für das Hausarchiv extradirt zu erhalten, so 
suchte er sich beglaubigte Abschriften zu verschaffen. Freilich fand 
er nicht allenthalben Entgegenkommen. Von einigen Seiten konnte 
er nicht einmal die in Aussicht gestellten Copien neuerer Documente 



70 BoBsert: 

erhalten, was er mit den „leidigen Kriegstroublen, welche auf den 
Kanzleien viel zu schafiFen machen", zu entschuldigen suchte. Aber 
in kurzer Zeit war es ihm doch gelungen, sein künftiges Repertorium 
um 1400 Nummern vermehrt zu sehen. Und nicht nur diese 1400 
Nummern las er persönlich durch, um sie richtig in das Repertorium 
eintragen zu können , sondern er konnte fünf Jahre nach seinem 
Amtsantritt versichern, dass er von sämmtlichen Urkunden des 
Archivs selbst Einsicht genommen, da ihm die Rubricirung derselben 
im alten Repertorium nicht genügte und oft dem Inhalt der Ur- 
kunden nicht entsprach. Ueberblickt man den Inhalt der 4 Bände 
des Repertoriums, so muss man dem Riesenfleiss des Mannes um 
so mehr alle Anerkennung zu Theil werden lassen, als er im Jahr 
1733 auf 7 — 8 Monate ganz dem Archiv entzogen war; denn er 
hatte in dieser Zeit die jungen Grafen Heinrich August und Albrecht 
Wolfgang von Hohenlohe-Ingelfingen, welche zu Genf studirten, auf 
einer Reise durch Oberitalien, Tirol, Bayern und Franken in die 
Heimath zu geleiten. Im Ganzen ist zu bemerken, dass Hanselmann 
die Urkunden richtig las, doch laufen namentlich bei den älteren 
Urkunden Fehler mitunter. Ueber die Art und Weise, wie Hansel- 
mann den Inhalt der Originalurkunden wiedergab, mögen einige 
Beispiele Aufschluss geben. Das Stück im Württemberg. Urkunden- 
buch III 272 fasste er im Capitel der Erbverträge so zusammen: 

Richtigung zwischen Herrn Gottfried und Herrn Conradt, 
Gebrüdern von Hohenlohe, wie es mit Röttingen und andern ihren 
Gütern, desgleichen ihres Unterhalts halben in deutschen und 
welschen Landen gehalten werden solle. 1230. 

Die Urkunde im Diplom. Beweis 1, 398 findet sich wiedergegeben 
unter dem Capitel der Verträge mit Fürsten und Herren : Confirmatio 
et ratificatio von dem römischen Kaiser Friedrich H über den zwischen 
Herrn Gottfried von Hohenlohe, Grafen von Romaniola, und Schenk 
Walter von Limpurg gemachten Vertrag, darin dieser Jenem die 
Veste Schenkenberg um 1000 Mark Silber wegen zugefügten Schadens 
versetzet. Dat. Hagenau 1235. 

Entsprechen solche Einträge an diplomatischer Genauigkeit in 
Hinsicht auf Namen und Datirung der Urkunden den Anforderungen 
der jetzigen Wissenschaft nicht, so sind sie doch für ihre Zeit 
werthvoU. Die Anlage der Repertorien und die Neuordnung des 
Archivs betreffend, ist Hanselmann ausgegangen vom Hause Hohen- 
lohe, seiner Abkunft, seinem Wappen, seiner genealogischen Ent- 



ArchiTar Haxwelmann und das hohenlohische Haosarchiv. 71 

Wicklung. Dann stellt er die Grafen nach ihrem Leben, ihren Thaten, 
ihren Würden und Ehren zusammen. Hierauf folgen die kaiserlichen 
Privilegien und Schenkungen, sodann Urkunden, betreffend den 
Lehensbesitz des Hauses Hohenlohe und die Veränderung im Besitz- 
stand oder dessen Wahrung bei Vermählungen, Eintritt in den geist- 
lichen Stand und Todesfallen (Testament, Vermächtniss, Vormund- 
schaft). Dies der Inhalt des ersten Theils. Darauf folgen die Verträge 
der Grafen unter einander, mit Kurfürsten, Fürsten, Herren, der 
Keichsritterschaft und Reichsstädten, Fehden, Bündnisse, Processe, 
dann vermögensrechtliche Urkunden, Kauf und Cession, (die Kauf- 
briefe über den Besitz sind nach den Namen der erworbenen Orte 
geordnet), Losung, Schulden, Bürgschaften. Die letzten Abschnitte 
dieses Theils beziehen sich auf die Regierung, wobei sich freilich 
das Capitel „der Grafschaft sonderbare Sachen und Begebenheiten" 
(Naturereignisse imd Kriegsbegebenheiten in der Grafschaft) wirklich 
sonderbar einschiebt. Für die Geschichte der Grafschaft, ihres 
Rechts und ihrer Verfassung möchte man viel grössere Klarheit 
und Vollständigkeit wünschen. Denn wir finden hier nur Reichs-, 
Kreis- und Grafentagssachen, Reverse der Leibeigenen, Gemeine 
Sachen die Stadt Oehringen betreffend, alte Bestallungsbriefe und 
Urfehden, mit einem Anhang von Miscellanea (unbedeutend). Dies 
der zweite Theil. Im dritten Theil folgen dann die Urkimden der 
geistlichen Corporationen : Stift Oehringen, woran sich Einiges über 
Ejrche und Schule anschliesst (dürftige Reformationsacten), endlich 
die Verhandlung wegen Restitution des Stifts und des Klosters 
Schäftersheim , dann folgen die Urkunden der Klöster Gnadenthal, 
Schäftersheim und Goldbach (letztere sehr unbedeutend), der geist- 
lichen Stellen in Weikersheim und der Pfan-eien der Grafschaft, 
sowie des Spitals in Oehringen. Der vierte Theil des Repertoriums 
umfasst die Urkunden der Herrschaft Weinsbe^g, worüber zu ver- 
gleichen ist Band 7 S. 175 ff. 

Bei aller Anerkennung dessen, w^s Hanselmann bei dieser 
Ordnung des Archivs geleistet, lässt sich doch nicht verkennen, dass 
höhere Gesichtspuncte ihn nicht geleitet haben; der Zusammenhang 
der hohenlohischen Geschichte mit der Geschichte des deutschen Reiches 
ist nicht gewahrt; die Urkunden z. B. betreffend den Bauernkrieg 
und die Reformation sind unter ganz fremdartigen Titeln zu finden. 
Vergeblich sucht man nach Urkunden, welche die Geschichte der 
Kunst, der Literatur und des Rechts beleuchten. Einzelnes ergiebt 



72 Bossert: 

sich hiefür unter den Bestallungsbriefen und unter den Miscellanea. 
Doch ist im Grossen und Ganzen zu berücksichtigen, dass Hansel- 
mann nur bis zur Orundtheilung von 1553 vollständiges Material 
hatte und für die spätere Zeit nur von der Linie Hohenloho- 
Neuenstein ausgiebigeres Urkundenmaterial zur Verfügung bekam. 
Wenigstens nach dem mir vorliegenden Exemplar des Repertoriums 
scheint es, dass man die urkundlichen Quellen für die spätere 
Zeit vorwiegend in den Linienarchiven und Particulararchiven zu 
suchen hat, so z. B. das Material für die Geschichte des dreissig- 
jährigen Kriegs. 

Nachdem Hanselmann das Archiv in Ordnung gebracht, be- 
schäftigte ihn eine doppelte Sorge. Für's Erste lag ihm an, dass 
das Archiv künftig in Ordnung bleibe und mehr an Werth und 
Yollständigkeit gewinne. Er empfahl daher den Grafen von Hohen- 
lohe, das Amt eines Archivars künftig nie mehr als Nebenamt zu 
vergeben, sondern stets einen eigenen Archivar mit dem Bang unter 
den Bäthen und mit genügender Besoldung zu bestellen. Bisher sei 
es als Nebenamt behandelt gewesen und habe deshalb irreparablen 
Schaden erlitten, da die betreffenden Beamten einerseits wegen ihrer 
vielen anderweitigen Geschäfte die Hebung des Archivs sich nicht 
angelegen sein lassen konnten, andererseits wegen der geringen 
Belohnung sich auch keine besondere Mühe gaben, da es ihnen 
auch nicht als negotium principale aufgetragen war, sondern sie es 
als parergon betrachteten. Das Archiv in Oehringen gehöre trotz 
aller Verluste, die es erlitten, zu den bedeutendsten unter den 
reichsgräflichen Archiven. Deswegen solle das Archiv, „der edle 
Schatz^', von einem besondem Beamten nicht als parergon, sondern 
als nothwendiges ergon besorgt werden, der die Vermehrung des- 
selben wie die Behütung in Kriegs- und Feuersgefahr sich angelegen 
sein lasse. Die Aufgabe des Archivars sollte sein: 1) die Extra- 
dirung in rechter Ordnung zu besorgen, aber so, dass ja nichts 
ausserhalb der Grafschaft hingeliehen werde; 2) auf 
rechtzeitige Zurückgabe zu dringen; 3) das Bepertorium richtig 
weiter zu fuhren; 4) über den jährlichen Zuwachs den einzelnen 
Herrschaften Abschriften mitzutheilen ; 5) das Archiv für die Ge- 
schichte zu verwerthen. Bei der richtigen Auffassung der Aufgabe 
eines Archivars sei nicht zu befürchten, dass er seine Zeit mit 
Müssiggang zubringe. Die Ausgabe für die Besoldung eines Archivars 
lohne sich oft in einem einzigen Rechtsfall, wo eine rechtzeitig 



Archivar Hanselmann und das hobenlohische Hausarchiv. 73 

producirte Urkunde allen Streit verhindere oder den Sieg gewinnen 
helfe und damit die Processkosten erspare. In vielen Fällen hätte 
die Anstellung eines Archivars den betreffenden Herrschaften Schaden 
und Niederlage in Bechtsfallen ersparen können. Diese mit warmer 
Begeisterung vorgetragene, auf wirklicher Sachkenntniss ruhende 
Anschauung verdient aller Zeiten Beachtung in kleinen vne in 
grossen Ländern. 

Seine zweite Sorge war die Verwerthung der Schätze des 
Archivs für die Oeschichte. Hanselmann begann nach der Ordnung 
des Archivs eine rege literarische Thätigkeit, in welcher er die 
Oeschichte des Hauses Hohenlohe nach versclüedenen Seiten zu 
beleuchten suchte, indem er dabei das urkundliche Material, das 
seiner Aufsicht unterstand, ausgiebig verwerthete. Unter dem Namen 
Severinus Chariander (Ernst Hanselmann x^Q'^S ^ in) gab er zu- 
erst in Oetter's Sammlungen (14. Stück 1749) die Correspondenz Graf 
Philipps von Hohenlohe während seiner Kriegsführung in den Nieder- 
landen heraus. Als eine Vorarbeit für sein späteres grösseres Werk 
erschien 1743 zu Oehringen der Beweis, dass die reichslehnbaren 
immediaten Grafschaften unzweifelhaft Fahnen- und Thronlehen seien, 
besonders in Ansehung der uralten unmittelbaren Reichsgrafschaft 
Hohenlohe. Im Jahre 1751 Hess er nun folgen: „Diplomatischer 
Beweis, dass dem Hause Hohenlohe die Landeshoheit nicht im 
Interregnum zu Theü geworden, sondern demselben schon lang 
zuvor zugestanden, mit einer Abhandlung von dieses Hauses Ur- 
sprung und Herkunft. Nürnberg, Felsacker," dem 1757 eine „Weiter 
erläuterte und vertheidigte Landeshoheit" folgte. Dem ersten Band 
hatte Hanselmann 271 Urkunden beigefügt, dem zweiten 226. Auch 
in den Text war eine Reihe von Urkunden im Auszug eingewoben. 
Gegen die starken Angriffe Dav. Ge. Struve's, Kanzleidirectors in 
Hannover, vertheidigte Hanselmann seine Anschauung über die 
Landeshoheit noch einmal 1762 mit der Schrift: „Beleuchtung des 
vemichtigten Beweises der völligen Landeshoheit der deutschen 
Reichsstände." 

Hanselmann's Aufstellungen über die älteste Genealogie des 
Hauses Hohenlohe und über die Landeshoheit desselben vor dem 
Interregnum sind unhaltbar; aber das Werk hat in seinen urkund- 
lichen Belegen! einen heute noch nicht ersetzten Werth für die 
Geschichte Frankens. Zugleich lässt es einen Blick thun in die 
umfassende Correspondenz mit den Gelehrten, wie denn Hanselmann 



74 Bossert : 

seinen Briefwechsel mit Muratori in dem Werk selbst veröflfentlichte. 
Auch seine handschriftlich hinterlassenen Werke zeugen von dem 
Fleiss, mit dem er seine Aufgabe als Archivar zu erfüllen suchte. 
Es sind: 1) Diplomatische Beschreibung des Hauses Hohenlohe mit 
Urkunden und Karten; cf. Oetter's bist. Sammlung 1, 403. 2) Hi- 
storisch-gegraphische Anmerkungen über den Oehringer Fundations- 
brief mit einer mittelalterlichen Karte. 3) Beschreibung der Stifts- 
kirche in Oehringen. 4) Erläutertes Ostfranken aus den Geschichten 
des Hauses Hohenlohe in 20 Capiteln mit Beilagen. 5) GoUectio 
quarundam dififerontiarum juris civilis et provincialis Hohenloici. 
6) Chazot gab er für sein genealogisches Werk französische Me- 
moiren über das Haus Hohenlohe. Seine Entwürfe für weitere 
Arbeiten waren weit aussehend. Aus den Urkunden des Weins- 
berger Archivs gedachte er die Geschichte des Reichs von Sigmund 
bis Friedrich HI aufzuhellen, dann den Bauernkrieg 1525 im Hohen- 
lohischen darzustellen, eine Arbeit, die erst 80 Jahre später Oechsle, 
der treffliche Archivar, geleistet. 

In Bezug auf Weiteres sei auf den Vorbericht Wibel's zu 
seiner Kirchen- und Reformationsgeschichte der Grafschaft Hohen- 
lohe S. 69 ffl verwiesen. Doch ist es bedauerlich, dass Hanselmaun 
nicht dazu kam, diese Schriften zu veröffentlichen ; sein Interesse war 
inzwischen durch bedeutende Entdeckungen römischer Alterthümer 
in und um Oehringen gefesselt worden. Schon 1750 hatte er eine 
Schrift: „Francia orientalis vetus Romanorum monumentis memora- 
bilis^' abgefasst. Diese Forschungen, welche fortan seine ganze Zeit 
und Kraft in Anspruch nahmen, hatten ein für die Geschichte 
Frankens in der Römerzeit überaus wichtiges Ergebniss. Die römi- 
schen Stationen in Oehringen und an Kocher und Jagst, wie der 
Limes transrhenans gewannen ein neues licht. Hanselmann gab 
diese Forschungen in dem zweibändigen Werk: „Beweis, wie weit 
der Römer Macht in die nunmehrige Ostfränkische, sonderlich Hohen- 
lohische Lande eingedrungen. 1768 — 73." War es Hanselmann, der 
die letzten Jahre seines Lebens (f 1776) nicht mehr vrie früher dem 
archivalischen Studium widmen konnte, nicht vergönnt, den ursprüng- 
lichen Plan seines Lebens, eine urkundlich beglaubigte Geschichte des 
Hauses Hohenlohe zu schreiben, auszuführen, so war er es doch wesent- 
lich, durch dessen Unterstützung ein Anderer dem Hause Hohenlohe 
einen Ersatz dafür geben konnte. Es ist dies M. Johann Christian Wibel, 
Hofprediger und Superintendent in Langenburg, der wenige Jahre, 



ArchiTar Hanselmann und das hohenlohische HausarpLiv. 75 

nachdem Hanselmann das Archiv in Oeliringen geordnet, eine 
limfassende Thätigkcit in Darstellung einzelner Partien der hohen- 
lohischen Geschichte entwickelte. Es ist hier nicht der Ort, die 
literarischen Producte WibeVs aufzuzählen und eingehender zu 
würdigen. Es sei verwiesen auf seine Kirchen- und Reformations- 
geschichte Hohenlohes. Dagegen zeugt das ebengenannte Werk mit 
seinem werthvoUen Codex diplomaticus im zweiten, dritten und 
vierten Band von der erfolgreichen Thätigkoit Hanselmann's im 
hohenlohischen Hausarchiv, die es Wibel allein möglich machte, den 
reichen Schatz an Urkunden und Urkundenregesten zu veröffent- 
lichen. Auch was die weitläufig angelegte hohenlohische Kirchen- 
und Beformationsgeschichte , welche ein gewisser Ersatz für die 
Geschichte des Hauses Hohenlohe ist, sonst an urkundlichen Nach- 
richten im Contexte gibt, wird Wibel der Unterstützung Hansel- 
manns zu danken haben. 

Es war eine merkwürdige Blüthezeit, welche der hohenlohischen 
Geschichte durch die Dioskuren Hanselmann und Wibel aus dem 
gemeinschaftlichen Archiv in Oehringen erwuchs, und die nicht 
wiederkehren sollte, so sehr auch die verdienstvollen Arbeiten der 
späteren Archivare Oechsle, Albrecht und Fischer Anerkennung ver- 
dienen. Sie alle hatten ja die Archivverwaltung nur nebenher zu 
besorgen. Das „Lustre^^, das Hanselmann 1735 den Grafen als 
Gewinn aus ihrer Fürsorge für das Archiv vorhielt, war der Graf- 
schaft wirklich geworden. Die Augen der gelehrten Welt waren 
auf das immerhin massig grosse Land gerichtet, der literarische 
Verkehr war durch Hanselmann und Wibel ausgedehnt und ge- 
pflegt, wie kaum in einer andern Herrschaft von ähnlichem Um- 
fang, und wie man ihn in dem an literarischen Grössen nicht 
gerade reichen , abgeschlossenen, grösstentheils Landwirthschaft 
treibenden Frankenland bisher nicht gekannt hatte. 

An Anerkennung hat es Hanselmann nicht gefehlt. Von Seiten 
des Hauses Hohenlohe wurden ihm die Aemter eines Lehensrathes 
mit der Aufsicht über das reichhaltige Lehensarchiv und eines 
Consistorialraths übertragen. In der Regierung des Landes kam 
sein Einfluss zur Geltung. Die Academie der Wissenschaften zu 
Berlin machte ihn 1758 zu ihrem Mitglied; ihrem Beispiel folgten 
rasch nacheinander die Aciidemie der historischen Wissenschaften 
in Göttingen, die bayerische Academie in München und die 



76 Bossert: Archivar Hanselmaiin u. das hobenlohische HauBarchiv. 

« 

pfalzische in Mannheim. Seine Schrift über die hohenlohische 
Landeshoheit wirkte manchfach anregend; man vergleiche, wie der 
württembergische Archivar und Geschichtsschreiber Chr. Fr. Sattler 
im vierten Band der Geschichte Württembergs unter ' den Grafen 
(Beilagen S. 74) Hanselmann 's Torbild nachahmt, wenn er das 
Recht der Grafen von Württemberg in Kirchensachen darstellt. 



IV. Schicksale des Plassenburger Archivs, 

Von 
S p i e s s und M ä r c k e r. 

Mit amtlich^ Ergänzungen. 



Nachdem in Folge der Auflösung der Reichsverfassung und 
der Consolidirung der grösseren deutschen Staaten eine Menge bis 
dahin vereinzelter Archive mit einander verschmolzen worden sind, 
hat die Archivkunde sich zu dem Bange einer selbstständigen 
Wissenschaft erhoben und bestimmtere Regeln über Anordnung, 
Erhaltung und Benutzung der zusammengehäuften Massen aufgestellt. 

Wenn aber diese Archiv -Organisationen, in denen Bayern 
anerkanntermassen allen übrigen Staaten voranleuchtet, ihre volle 
segensreiche Wirksamkeit entfalten und nicht — wie bei allen 
Neuerungen nur zu leicht geschieht — vieles Altehrwürdige und 
Brauchbare zerstören sollen, ist es noth wendig, dass ein möglichst 
vollständiges Bild von den früheren Zuständen der Einzelbestand- 
tbeile der neugebildeten Archive bewahrt werde. 

Eine solche Gschichte der Archive gewährt aber einen 
mehrfachen Nutzen und zwar zunächst für die Archivwissenschaft 
selbst, indem sie einestheils die sichersten Data zur Erkenntniss 
der Fortschritte derselben liefert und zeigt, wie erleuchtete Re- 
genten, Staatsmänner und Gelehrte — mehrentheils auf besondere 
Veranlassung, bei Gelegenheit von staatsrechtlichen oder gelehrten 
Streitfragen — ihre Aufmerksamkeit dem Archivwesen zuwandten, 
anderntheils die Anordnung der neuzubildenden Archive bedingt; 
denn ein Archiv, als ein durch und durch historisches Institut, 
muss die allmählige Entwicklung des Landes und seiner Verfassung 
äusserlich repräsentiren, wenn es nicht einem auflösenden philo- 
sophischen Schematismus, der hierbei gefahrlicher ist als irgendwo, 
preisgegeben sein soll. 



78 Bpiess und Märcker: 

Endlich ist auch für die Benutzung der Archive eine Ge- 
schichte derselben von unberechenbarem Tortheil, und namentlich 
vermag der Historiker sich ohne eine solche nie vöUig in dieser 
seiner Rüstkammer zurechtzufinden; denn durch sie erfahrt er — 
was für die Kritik oft von der grössten Wichtigkeit ist — ob und 
von welchem Forscher dieses oder jenes Dokument an seinem 
früheren Aufbewahrungsort benutzt worden, oder warum es bisher 
verborgen geblieben, und erst durch genauere Kenntniss der manch- 
faltigen Schicksale der früheren Einzelarchive lernt er, wie in der 
Keihe der Schriftdenkmale der Vorzeit durch schlechte Aufbewahr- 
ung, Verschleppung, Landesabtretung, Krieg, Brand und andere 
Wechselgeschicke so viele Lücken entstanden und wie dieselben 
etwa noch auszufüllen sein dürften. 

Der Erste und vielleicht der Einzige, welcher bei dem Streben 
nach Centralisation zerstreuter Archivalien die Idee einer Geschichte 
der einzelnen Bestandtheile eines Hauptarchives fasste, ist der 
Vorstand des ehemaligen Plassenburger Archivs, der hochverdiente 
Ph. E. Spiess, aus dessen reichhaltigem handschriftlichen Nach- 
lasse die hier zusammengestellten Nachrichten grösstentheils ent- 
lehnt sind. 

Seitdem in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Burggrafen von 
Nürnberg ihren stetigen Sitz auf der neuerworbenen Plassenburg 
aufschlugen, brachten sie daselbst ihren der Zahl nach noch ge- 
ringen Vorrath von Privilegien-, Lehen- und anderen Briefen in 
Verwahrung, und auch nachdem sie die Mark Brandenburg erworben, 
ja selbst nachdem das markgräfliche Haus sich in mehrere Linien 
gespalten hatte, und während in den verschiedenen Landestheilen 
besondere Registraturen gebildet wurden, blieb jenes Stammarchiv 
in Folge einer Bestimmung des Markgrafen Albrecht Achilles als 
gemeinsames Familieneigenthum unverrückt an seinem Platze. Die 
Aufsicht über dasselbe führte Anfangs der jedesmalige „Landschreiber 
auf dem Gebirg*', unter denen sich besonders, zur Zeit des Mark- 
grafen Friedrich, P ruck er (f 1517) durch einsichtsvolle Behandlung 
desselben auszeichnete ; eine förmliche Organisation erhielt das Archiv 
jedoch erst durch den ersten eigentlichen Archivar Er h ard Frank en- 
berger, welcher, nachdem er in Folge der Reformation im Jahre 
1525 die Propstei auf der Plassenburg hatte resigniren müssen, als 
„Registrator in dem Gewölb zu Plassenburg" angestellt ward und 
als solcher das erste, noch vorhandene Repertorium anfertigte. 



Schicksale des Plassenburger Archivs. 79 

Nicht lange darnach zog sich im markgräflichen Kriege über 
der Plassenburg — welche ein Jahrhundert früher den Alles ver- 
heerenden Hussiten glücklich widerstanden hatte — und somit auch 
über dem raarkgräflichen Familienarchive eine drohende Gefahr zu- 
sammen. Nachdem nämlicii die Festung fast sieben Monate lang 
die Belagerung der Mnkischen Bundstände — Wlirzburg, Bamberg 
imd Nürnberg — standhaft ausgehalten hatte, ergab sie sich am 
22. Juni 1554 dem kaiserlichen Commissarius von Hassenstein, 
jedoch ging es mit der Einnahme keineswegs so tumultuarisch zu, 
als man es gemeiniglich schildert, und namentlich wurde nicht, wie 
selbst noch der Ritter von Lang erzählt, „das Archiv bei Nacht auf 
offenen Leiterwagen aus der unmittelbar nach dem Einzug der 
Bundestruppen in Flammen aufgehenden Burg geflüchtete^, vielmehr 
hatte schon mehrere Wochen zuvor die markgräflich onolzbachische 
Regierung in der Person des Licentiaten Kaspar Ezel einen Com- 
missar ernannt, welcher auch unter den Ersten in die eingenommene 
Burg drang und — wie in der Capitulation ausbedungen war — 
das Archiv verzeichnete, einpackte und versiegelte; indessen konnte 
er nicht hindern, dass die Bundstände ihrerseits die in der Plassen- 
burgischen Kanzleiregistratur des Markgrafen Albrecht Alcibiades 
befindlichen Archivstücke an sich nahmen, woraus in der Folge bei 
mehreren Territorialstreitigkeiten dem markgräflichen Hause ein nam- 
hafter Schaden erwuchs, und ebensowenig vermochte er den Oewalt- 
streich der Reichstadt Nürnberg abzuwehren, welche 14 Tage bevor 
noch der kaiserliche Commissarius die Festung der Zerstörung der 
Bundstände preisgab, die Archivkisten heimlich wegführen liess (den 
16. Juli 1554). Unterwegs aber wurden dieselben zu Forchheim von 
dem Bischof von Bamberg angehalten, welcher sie als Repressalien 
für die durch Markgraf Albrecht — der namentlich das Bamberger 
Ai'chiv geplündert hatte — erlittenen Schäden gebrauchen wollte. 
Die noch in demselben Jahre zu Rothenburg an der Tauber von dem 
markgräflich brandenburgischen Hause mit den Bundständen über 
Rückgabe des Plassenburger Archives gepflogenen Unterhandlungen 
blieben eben so erfolglos, als die im folgenden Jahre auf dem Reichs- 
tage zu Augsburg fortgesetzten Requisitionen, und erst nach dem 
Regensburger Reichstagsabschiede (1556) wurde diese Angelegenheit 
erledigt. Die Archivalien wurden auf neun Wagen nach Bayreuth 
geschafft und daselbst am 14. October gedachten Jahres in dem- 
selben Zustande, in welchem sie von der Plassenburg abgeführt 



80 Spiees und Märcker: 

worden waren, in zwanzig kleinen und grossen Fässern, einem 
Nübicht, sieben grossen und kleinen Truhen und zwei kleinen 
Lädlein verpackt und versiegelt, dem obengenannten markgräflichen 
Commissär Easpar Ezel übergeben. 

Im Jahre 1557 ward auch wieder ein Archivar, Stephan 
Schirm er, angestellt und derselbe — da das noch vorhandene, 
von Ezel nach Einnahme der Plassenburg eilfertig entworfene Ver- 
zeichniss als ungenügend befunden ward — beauftragt, ein neues 
Repertorium anzufertigen, zu welchem Behufe ihm, weil er kein 
Latein verstand, ein Qerichtsschreiber beigegeben werden musste. 
Aus den hierüber vorhandenen Nachrichten ergibt sich zugleich, 
dass damals noch keine Registraturgegenstände, sondern lediglich 
reine Archivalien in das Archiv aufgenommen wurden, und die 
beiden Registraturen (zu Plassenburg und zu Onolzbach) noch streng 
von demselben gesondert blieben; allein schon das anno 1580 von 
dem als Verfasser einer handschriftlichen Genealogie seines Fürsten- 
hauses bekannten Arzte Johann Moninger aus Liebe zur histori- 
schen Wissenschaft — nicht aber, wie man glaubt, als fungirender 
Archivar — aufgenommene Repertorium (in 4 Foliobänden, und 
zwar das erste, welches nicht in herkömmlicher Weise nach den 
Kisten, Schachteln und Truhen, worin die Archivalien, oft sehr 
untermischt, aufbewahrt wurden, sondern einigermassen systematisch 
geordnet ist) zeigt, wie unter der Regierung des Markgrafen Georg 
Friedrich, der beide fränkische Fürstenthümer wieder miteinander 
vereinigte (1557 — 1603), das Plassenburger Archiv anfing, als Landes- 
archiv betrachtet zu werden; zugleich aber geht aus Vergleichung 
des Moninger'schen mit dem Schirmer'schen Repertorio hervor, dass 
in jener Zeit nach und nach eine beträchtliche Anzahl von Archi- 
valien von Plassenburg nach Ansbach, als dem Sitze der Regierung, 
gebracht wurde. 

Als nun nach Absterben der älteren fränkischen Linie (1603) 
die vereinigten Fürstenthümer kraft des Geraischen Vertrages in 
Markgraf Christian und Joachim Ernst von Brandenburg wieder 
ihre besonderen Herrscher erhielten, musste jene Vermengung und 
Verschleppung der Archivalien nothwendig Missstände herbeiführen, 
denen die darüber am 28. Juni 1603 und 8. Februar 1604 errichteten 
besonderen Nebenrezesse nicht durchaus vorzubeugen vermochten. 
Man vereinigte sich desshalb unterm 7. März 1625 dahin, dass 
„beidertheilige Archiva in Ordnung zu bringen, Jemand von Culmbach 



Schicksale des Plassenburger Archivs. 81 

nach Onolzbach und vicissim von drunten aufs Gebirg geschicket 
und nachgesehen werden, was an jenen Ort für Urkunden gehörig, 
auch von beiden Theilen die Registratoren auf nächste Pfingsten in 
Kloster Heilsbronn zusammenkommen und ihre Repertorien mit ein- 
ander vergleichen sollten." Diese Ausgleichung kam aber, theils 
wegen der damaligen Kriegswirren, theils auch wegen des inzwischen 
erfolgten Ablebens des Markgrafen Joachim Ernst nicht völlig zu 
Stande, doch benutzte Markgraf Christian von Bayreuth in der Folge 
den Einfluss, den ihm die Obervormundschafk über seine Bruders- 
kinder zu Onolzbach gewährte, um das beiderseitige Archivwesen zu 
ordnen — wie denn z. B. im Jahre 1629 zwei Registratoren be- 
schäftigt waren, Akten „aufzupüscheln und zu registriren" — und 
namentlich war er es, der 1632 den Rath Agricola an die damalige 
schwedische Regierung zu Würzburg sandte, um die angeblich im 
Jahre 1554 nach Einnahme der Plassenburg dorthin verschleppten 
Archivalien ausfindig zu machen und zu requiriren ; so bereitwillig 
sich aber auch Schweden zeigte, diesem Wunsche zu willfahren, so 
blieb doch die Nachforschung wegen der gleich darauf in Folge des 
plötzlichen Todes des grossen Königs eintretenden Verwickelungen 
ohne Resultat. 

Im Jahre 1684 stellte der grosse Kurfürst Friedrich Wilhelm 
von Brandenburg an seine fürstlichen Vettern in Franken die — 
schon bei Gelegenheit des Geraischen Vertrages (1601) von seinem 
Vorfahrer in der Kur gethane, aber damals erfolglos gebliebene — 
Forderung, ihm eine Anzahl von Familien-Documenten auszuliefern, 
was denn auch wirklich geschah. So unwichtig jenes Factum an 
sich auch scheinen mag, so bildet es doch einen der wichtigsten 
Momente in der Geschichte des Brandenburgischen Familienarchives, 
indem bei jener Gelegenheit die immer noch nicht klar auseinander 
gesetzten Archivverhältnisse zwischen dem ober- und untergebirgischen 
Fürstenthume von Neuem angeregt, zugleich aber auch auf aus- 
drückliches Verlangen des grossen Kurfürsten zum ersten Male die 
Schicksale des Plassenburger Archives im markgräflichen Kriege 
einer genaueren Nachforschung gewürdigt wurden. 

Indem der damals zu Bayreuth regierende Markgraf Christian 
Ernst auf solche Weise seine Aufmerksamkeit dem Plassenburger 
Hausarchive zuwandte, wurde er veranlasst, mit Hülfe des verdienst- 
vollen Plassenburger Archivars von Brunnwasser manche ein- 
geschlichene Missstände in dem Archivwosen seines Fürstenthumes 

ArcliivaliRchc Zeitochrirt IX. 6 



82 Spiess und Märoker: 

zu verbessern. Es war uemlich, als Markgraf Christian seinen Sitz 
zu Bayreuth aufschhig, nur ein kleiner Theil von Akten und Doku- 
menten aus der bisherigen Culmbacher Canzlei-Registratur — welche 
fast die ganze Massa von Archivalien aus der zweiten Hälfte des 
16. und dem Anfang des 17. Jahrhunderts enthielt — nach Bay- 
reuth übergesiedelt worden ; ein grosser Theil davon war unter die 
Krämer zu Culmbach gekommen, „die viele Körbe voll davon trugen 
und zu Scharmützeln verbrauchten, das Uebrige war auf 9 Wagen 
auf die Plassenburg gebracht, superficialiter durchgegangen und, was 
nicht tauglich schien, auf den Teufelsboden sequestriret worden." 

Diese in sehr bedauerlichem Zustande befindlichen Acten wurden 
jetzt von Neuem durchgesehen und der gröste Theil, als der Auf- 
nahme in das Archiv würdige zu registriren befohlen ; auch ward 
zu diesem Ende das vorher aus drei Männern bestehende Archiv- 
personal mit einem ordentlichen und zwei ausserordentlichen Be- 
amten vermehrt. — Am Schlüsse des 17. und zu Anfang des 
18. Jahrhunderts war Schwalbe Dirigent des Archives und ihm 
folgte der als Historiker bekannte Schöpf. — 

Die immer noch zwischen Ansbach und Bayreuth obschwebende 
Archivfrage wurde von Zeit zu Zeit, namentlich aber durch die 
im Jahre 1703 zwischen beiden markgräflichen und der königlichen 
Linie ausgebrochenen Successions - Streitigkeiten , von Neuem ange- 
regt: so findet sich z. B. in Bamberg eine 1709 angefangene und 
1714 vollendete „Designation der nach Angabe des Moninger'schon 
Repertorii in dem Repositorio D sein sollenden, aber daraus ab- 
gängigen Akten und Briefschaften", wie auch von anno 1738 eine 
„Designation derjenigen Documente und Akten, so in vorigen Zeiten, 
sonderlich bei Regierung Georgs und Georg Friedrichs nach Onolz- 
bach gekommen und noch daselbst befindlich, aber juxta teuerem 
pactorum et recessuum in das Archiv auf Plassenburg gehörig sind." 

Wenn allein schon jene äusseren Veranlassungen und 
ebenso auch die — in Folge der im Jahre 1752 zu Stande ge- 
kommenen Erneuerung der Brandenburgischen Hausverträge — von 
Berlin aus in Betreff verschiedener in Franken befindjicher Archi- 
valien erhobehen Reklamationen wesentlich die genauere Kenntniss, 
Würdigung und bessere Einrichtung des Plassenburger Archives 
forderten, so geschah dies in noch höherem Maasse durch die im 
Ijaufe des 18. Jahrhunderts zwischen den Brandenburgischen Fiirsten- 
thümern und einigen Nachbarn — namentlich Bamberg, Nürnberg 



Schicksale des Plassenbui^ger Archivs. g3 

und dem Deutschorden sich erhebenden Territorialstreitigkeiten, 
wobei der praktische Werth der Archivalien recht deutlich ein- 
leuchtete, wie auch durch die mehr und mehr erleichterte Benutzung 
des Archives zu wissenschaftlichen Forschungen. 

Schon unter der Direction von Will, der seit dem Jahre 1747 
eine beträchtliche Partie angemoderter Urkunden und Aiten copiren 
liess und dem wir auch ein umfassendes treflTliches Lokalrepertorium 
wie ebenfalls ein Verzeichniss der markgräflichen Familienarchivalien 
verdanken, begann ein wissenschaftlicher Geist sich in dem Plassen- 
burger Archive zu regen, noch mehr aber unter seinem Nachfolger 
Spie SS (seit 1769). 

Die Verdienste dieses Mannes um Theorie und Praxis der 
Archivwissenschaft — namentlich auch seine Bemühungen, die im 
Lande zerstreuten Archivalien aufzusammeln — sind hinlänglich 
bekannt und gewürdigt ; leider aber konnte er, theils wegen Mangel 
an den nöthigen Geldmitteln, theils wegen seiner 1783 erfolgten 
Versetzung nach Bayreuth — von wo aus er immer noch als 
„vorderster geheimer Archivar auf Plassenburg" fungirte — seine 
trefflich angelegten Pläne bei Weitem nicht durchführen, wesshalb 
ihm auch von seinen Nachfolgern der Vorwurf gemacht worden 
ist, dass er ihnen das Archiv keineswegs in der von ihm anem- 
pfohlenen Ordnung hinterlassen habe. 

Als im Jahre 1792 die fränkischen Fürstenthümer an König 
Friedrich Wilhelm 11. abgetreten worden waren, verordnete sogleich 
(im Februar 1792) der dirigirende Minister von Hardenberg, dass 
alle diejenigen Archivalien, deren jederzeit offenstehende Einsicht 
für die Verwaltung des Landes von keiner geschäftlichen Noth- 
wendigkeit sei, namentlich allgemeine Staats- und Familiensachen, 
verzeichnet und ausgeschieden werden sollten, um dem kgl. preuss. 
Haus- und Staatsarchive einverleibt zu werden. 

Ein Verzeichniss solcher nach Berlin bestimmten Archivalien 
wurde auch wirklich angefertigt, allein die Absendung selbst unter- 
blieb — nur ein kleiner Transport Akten wurde 1797 dahin ab- 
geführt — theils wegen des Missgeschickes des preussischen Heeres 
in der Champagne und theils auch wegen des inzwischen (1794) 
erfolgten Ablebens des geheimen Archivars Spiess. 

Sein Nachfolger, der nachmalige Ritter von Lang, hinter- 

liess bei seinem Uebertritt in kgl. bayerische Staatsdienste (1805) 

das Archiv der Obhut des Secretärs Liebhard, der schon in den 

6* 



g4 8pies8 und Mftrcker: 

vorhergehenden Jahren, während sein Chef zu Ansbach domicilirte, 
die Verwaltung desselben geführt hatte. Beim Anrücken der Fran- 
zosen im Herbste 1806 wurden die Archivschränke und Kisten mit 
Heu und Stroh ausgestopft, um im Nothfalle sogleich transportirt 
werden zu können , und in diesem Zustande verblieb das Plassen- 
burger Archiv, bis es innerhalb der Jahre 1813 bis 1818 durch 
den Archivar Oesterroicher allmählig dem kgl. bayerischen Provinzial- 
Archive zu Bamberg einverleibt ward. 



Zu diesen Nachrichten über die Schicksale des Plassenburger 
Archivs, welche der frühverstorbene Geheime Archivrath Dr. T. Märcker 
aus den Aufzeichnungen von Spiess entnahm und im zweiten Heft 
des dritten Bandes des oberfränkischen Geschichtsvereins veröffent- 
lichte, gehören folgende 

Ergänzungen. 

Bereits vor Pr ucker waren mehrere Landschreiber mit der 
Aufsicht über „das Gewölbe und die Briefschaften zu Plassenburg" 
betraut, nämlich Ulrich Schmidt um 1430, Friedrich Sesselmann 
um 1436, Hans Imhof um 1438, Härtung Rabensteiner um 1452, 
Mathias Thalmann um 1467 und Anton Sattler um 1483. 

Hinsichtlich Prucker's selbst, der im Jahr 1483 als Land- 
schreiber in Pflicht genommen wurde, dürfte vielleicht auch die 
Thatsache von Interesse sein, dass ein von ihm oder unter ihm 
anno 1499 verfertigtes Landbuch über Bayreuth noch jezt im Kreis- 
archiv zu Bamberg als eine der ältesten und schätzenswerthesten 
unter den derartigen Aufzeichnungen vorhanden ist. 

Erhard Franken berger hatte zuerst als Propst die Re- 
gistratur zu Plassenburg unter sich und wurde nach Einziehung 
dieser Propstei auf Walpurgis 1526 als Archivar angestellt. Be- 
merkenswerth ist dabei seine Klage, dass er für's erste Jahr nur 
„die grobe unverdauliche Wächters Speiss und darauf anstatt dieser 
wöchentlich einen halben Gulden" erhalten habe, „biss ihm endlich 
60 fl. zu ein^r jährlichen Besoldung ausgesezet wurden". Es wurde 
Frankenberger in den Jahren 1529 und 1530 zur Ordnung der 
onolzbachischen Registratur abgesendet und erhielt 1534 durch den 
Markgrafen Georg „eine gemessene Instruktion, wie er das Inven- 
tarium über die Plassenburgische Registratur anfertigen sollte", da 



Schicksale des FlaBsenburget Archivs. g5 

ein Repertorium bis dahin noch nicht existirte, sondern die Dokumente 
nur „in rubrizirten Schachteln, gleichsam nach Art einer Apotheke", 
verwahrt beisammen lagen. Frankenberger's Arbeiten — ein umfang- 
reiches fünfbändiges „Inventarium über das ehemalige sogenannte 
Gewölb nunc geheime Archiv zu Plassenburg'', sowie ein kleines 
Repertorium über die in den Archiven zu Plassenburg und Ans- 
bach vorhanden gewesenen, die Reichsstadt Rotlienburg ob der Tauber 
betreffenden Dokumente — sind heute noch im kgl. Kreisarchive zu 
Bamberg vorhanden. Das Inventar ist ein systematisch durch- 
geführtes Werk, dessen erster Band die sog. oberländischen Urkunden 
von 1250 — 1540 anführt, während die vier weiteren Tome die 
niederländischen Stücke von 1259 — 1529 vezeichnen. In dem Re- 
pertorium über die Rothenburger Dokumente dagegen, welches von 
1329 resp. 1316 bis 1550 reicht, lässt sich ein System nicht er- 
kennen. Als Beihilfe zu seinen Arbeiten, oder wie es heisst, als 
„adiunctus zum registriren" war Frankenberger bis zum Jahre 
1536 ein gewisser Peter Zayner mit 14 fl. Besoldung und freier 
Kost beigegeben. 

Die im Jahre 1534 durch den Markgrafen Oeorg anbefohlene 
Ordnung des Archivs auf der Plassenburg konnte begreiflicher Weise 
in den nächsten Jahren nicht schon ilirem Ende zugeführt werden, 
musste vielmehr durch den bald darauf erfolgten Ausbruch der 
kriegerischen Unruhen, insbesondere durch die 1554 geschehene 
Einnahme des Schlosses selbst in gänzliche Stockung und Verwirrung 
gerathen. Als dann 1557 dem Markgrafen Georg Friedrich das 
Fürstenthum oberhalb Gebirgs wieder zufiel und die längere Jahre 
hindurch unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen befohlen wurde, 
schien es den anfanglich dazu Berufenen, wie Spiess bemerkte, viel- 
leicht an Eifer, vielleicht auch an der nöthigen Geschicklichkeit zu 
mangeln, — von dem ym 1578 als Rogistrator auf der Plassenburg 
beschäftigten Fabian Senft wird dies geradezu behauptet — bis sich 
endlich in dem Doktor der Medizin Johann Moninger der geeignete 
Mann zur Ausführung des Werkes fand. Nachdem bereits im Jahre 
1579 und zwar nach vorausgegangener Beeidigung in Bezug auf 
lebenslängliche Verschwiegenheit über Alles, was er in der Registratur 
finden werde, ihm gestattet war, von letzterer Einsicht zu nehmen, 
erhielt er den eigentlichen Auftrag zur Ordnung des Archivs und 
eine ausführliche, aus 7 Paragraphen bestehende Anleitung dazu, 
unter dem 7. April 1851. Unter diesen Paragraphen sind besonders 



86 Spiess und IVIärcker: 

bemerkenswerth der fünfte, welcher binsichtlich der Einträge der 
Data sowohl als des Inhalts der Urkunden in das Inventarium, 
Moninger anbefiehlt, dass er den auswendig befindlichen Aufschriften 
derselben nicht trauen solle, sondern vielmehr „alle vrkundten vnd 
brief durchlesen, vnd mit sonderm vleiss achtung haben, ob der 
darjnn begrieffene jnnhalt vnd die darauf geschriebene registratur 
vbereinstimmen u. s. w." — sowie der sechste Paragraph, welcher 
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der grösste Theil der 
Urkunden nicht nur Einen Ort, Ein Amt oder Eine Handlung, 
sondern oftmals deren mehrere und mancherlei beträfe, von Moninger 
erheischt, dass „er jnn alle laden ein besonder registerlein legen^' 
solle, „welche vf andere brieff, so demselben tittel anhengig, aber 
doch jnn andern laden liegen, remittiren vnd an Weisung geben 
können u. s. w." Für die Ausfiihrung der Arbeit, wie sie durch 
diese und andere Bestimmungen genau vorgeschrieben war und 
welche sich überdies nicht nur auf die in der Eegistratur zu Plassen- 
burg befindlichen, sondern auch auf die in der Kanzlei zu Eulmbach 
hinterliegenden zugehörigen Dokumente zu erstrecken haben sollte, 
war Moninger eine Belohnung von hundert Gulden und 2 Kulm- 
bacher Simmern Gerste ausgesetzt, die er jedoch nicht auf Einmal, 
sondern nur „nach gelegenheit der verbrachten arbeit" zu fordern 
berechtigt war. Doch ist zu erwähnen, dass ihm als Beihilfe „ein 
besonderer Schreiber" gestattet wurde. Nach den Spiess'schen Auf- 
zeichnungen scheint derselbe Wolf Salzmann geheissen zu haben. 
Dass Moninger sich alsbald mit grossem Eifer an die über- 
nommene Arbeit machte, geht schon aus einem fürstlichen Befehle 
vom 23. November des gleichen Jahres 1581 hervor, in welchem 
die Auszahlung der halben Geldbesoldung mit 50 fi. genehmigt 
wurde, da er nach seiner Anzeige die Hälfte der Arbeit bereits 
vollendet habe. Aber auch die Fertigstellung der zweiten, doch 
wohl etwas grösseren Hälfte liess nicht zu lange auf sich warten, 
da Moninger schon am 27. August 1583 berichten konnte, dass er 
seiner Verpflichtung nunmehr — nicht ohne grosse Mühe „die weyl 
es eine sehr vnlustige arbeith gewesen" — nachgekommen sei und 
zugleich mit der Bitte um Besichtigung seines Werkes den Antrag 
stellt, ihn „der mühewaltung über solche registratur" günstig zu 
entheben. Die Moninger'sche Arbeit wurde alsbald auf höheren 
Befehl von einem Copisten Namens Hofmann sauber abgeschrieben 
und unter Beifügung der Jahreszahl 1587, zu welcher Zeit der 



Bcbickaale des Plassenburger Archivs. 87 

Verfertiger übrigens bereits gestorben war, dem Archive einverleibt, 
und noch heute bildet das drei- resp. vierbändige dicke Inventar 
in Folio ein mitunter nicht zu verachtendes Auskunftsmittel, wenn 
sein praktischer Nutzen natürlich auch nur gering ist und ihm bei 
den jetzt vorhandenen neuen Bepertorien in der Hauptsache nur 
mehr ein antiquarischer Werth zuerkannt werden kann. 

Dem Archivar von Brunnwassor oder Bniunenwasser,* 
welcher, wie es scheiat, unter den Nachfolgern Moningers der erste 
war, der sich durch Fleiss und Gecchicklichkeit wiederum aus- 
zeichnete, wurde, nachdem er fünf Jahre lang Vicehofmeistor des 
nachmaligen Markgrafen Christian Ernst war, die Archivarstelle 
auf der Plassenburg am 21. April 1658 mit dem Titel Eath über- 
tragen, und erfolgte 1680 dessen Erhebung in den Adelstand, nach- 
dem er schon früher mit einer Tochter des berühmten kaiserlichen 
Rathes Christoph Agricola sich verheirathet hatte. Von seinen 
Arbeiten wird ein zum Moninger 'sehen Inventar hergestellter alpha- 
betischer Index in 2 starken Foliobänden „index romissions" betitelt, 
noch heute im kgl. Kroisarchiv aufbewahrt. 

Zugleich am Tage der Ernennung Brunnwasser's wurde dem- 
selben in der Person dos Johann Christoph Dobcnecker ein Archiv- 
Adjunkt beigegeben. Sein Nachfolger aber wurde Lorenz oder 
Laurentius, wie er sich stets nannte, Schwalbe, dessen Ernennung 
und zwar unter Verleihung des Prädikates eines Archivarii am 
28. Mai 1680 erfolgte. Er bekleidete die Stelle bis zu seinem Tode 
im Jahre 1702. 

Von weiteren Archivbeamten auf der Plassenburg in der Zeit 
zwischen Schöpf und Will weiss Spiess mehrere namhaft zu machen, 
die der Vollständigkeit wegen hier vielleicht Erwähnung finden 
könnten. Es sind: a) Johann Christoph Tungreau, Archivsadjunkt 
seit dem 2. März 1688. b) Johann Georg Gumpert, an Schwalbe's 
Stelle, vom 10. Oktober 1702 bis zum Jahre 1705. c) Johann Georg 
Hom, als zweiter Archivarius, gleichfalls seit dem 10. Oktober 1702. 
d) Johann Albrecht Will, der nach Gumpert's Abgang am 24. Juni 
1705 zum Eath und „archivarius primaiius" ernannt wurde, e) Johann 
Paul Wildt, zweiter Archivar seit 12. November 1715. f) Christoph 
Heinrich Modrach, anfänglich als Archivsadjunkt seit 18. December 
1720, dann dritter Archivar seit 1727 und zuletzt zweiter Archivar 
seit 8. Oktober 1734. Ferner: g) Martin Philipp Gromann, vom 
26. September 1735 bis zum 2. Juni 1749 mit dem Prädikate eines 



88 SpiesB und MUrcker: 

Archivars. Spuren einstiger Thätigkeit des Einen und Andern lassen 
sich noch heute unter den Beständen des kgl. Kreisarchivs entdecken. 

Johann Jacob Will war, bevor er am 22. Juli 1741 zum 
zweiten Archivar auf der Plassenburg bestellt wurde, Stadtsyndikus 
und Prozessrath zu Kulmbach und wurde 1747 zum Hofrath und 
Primarius ernannt Die von ihm angelegten Repertorien — ein 
solches in alphabetischer Ordnung mit Zugrundelegung des Brunn- 
wasser'schen Index in 4 Bänden und ein ferneres über die Lehen- 
briefe und Reverse des Fürstenthums oberhalb Gebirgs, nach den 
Geschlechtern geordnet, in 5 Bänden — befinden sich ebenfalls 
noch im kgl. Kreisarchive. 

Ausser diesem und seinem unmittelbaren Nachfolger Spiess 
verdienen aber auch noch mehrere Nebenbeamte wegen ihres Fleisses 
und ihrer Tüchtigkeit einer kurzen Erwähnung. Nämlich : a) Georg 
Priedriah Tungreau, als zweiter Archivar seit dem 26. Juni 1747. 

b) Johann Basilius Seidel, ebenfalls zweiter Archivar seit 1754. 

c) Johann August Pensei, dritter Archivar seit Mitte 1755. d) Christoph 
Samuel Pensei, Bruder des vorigen, gleichfalls dritter Archivar seit 
22. April 1762, sowie e) Johann Adam Gottlob SilchmüUer, ein 
Sohn des früheren nicht unbekannten Bayreuther Generalsuper- 
intendenten. Auch von einigen unter Diesen besitzt das Kreisarchiv 
noch Repertorien und Indizes. 

Was nunmehr den vorletzten, bekanntesten und tüchtigsten 
aller Plassenburgischen Archivare, Philipp Ernst Spiess betrifft, 
so war derselbe als Sohn eines Dekans zu Ettenstadt im Ansbachischen 
am 27. Mai 1734 geboren. Zwanzig Jahre später wurde er bei 
seiner Rückkehr von Jena, wo er studirt hatte, wegen seiner ausser- 
gewöhnlichen Körpergrösse zum Soldaten gepresst, kam zuerst als 
Cadet zu der damaligen Leibkompagnie, rückte später aber bis 
zum Oberlieutenant im Ansbachischen Grenadier -Bataillon vor. 
Nachdem Spiess, seiner hervorragenden Kenntnisse in Diplomatik 
und Geschichte halber, schon früher den Access beim geheimen 
Archive zu Ansbach erhalten hatte, wurde er nach Anfall der 
Bayreuther Lande an das genannte Pürstenthum 1769, bei Will's 
Pensionirung, zum Nachfolger dos Letzteren ernannt. Sein eminenter 
Fleiss und seine Thätigkeit nach allen Richtungen hin, sowohl in 
der Bearbeitung und Ordnung als in der Sammlung und Verwahrung 
des ihm unterstellten archivalischen Materials sind in kompetenten 
Kreisen längst bekannt und geschätzt; seine hinterlassenen Arbeiten 



Schicksale des Plassen burger Archivs. 89 

sind schon ihrer Anzahl nach geeignet, gerechtes Staunen zu er- 
regen, und kam ihm darin kein Nachfolger gleich, selbst nicht der 
ebenfalls unermüdlich thätige und dabei langjährige Bamberger 
Archivar Oesterreicher. 

Von Liebbar d ist allenfalls zu erwähnen, dass er, nachdem 
das Fürstenthum Bayreuth an Bayern übergegangen und das Plassen- 
burger Archiv damit dem kgl. allgemeinen Keichsarchive in München 
unterstellt worden, sich die Unzufriedenheit der letztgenannten Stelle 
bald im hohen Grade zuzog und 1813 dem Bamborger Archivar 
Oesterreicher vollständig untergeordnet wurde. Dieser, welcher der 
Plassenburg daraufhin alsbald einen Besuch abstattete, hielt es für 
gerathen, vorsorglich sogleich einen grossen Theil der Klosterurkunden 
einzupacken und mit sich nach Bamberg zu bringen. Hiermit be- 
gann die von dem Jahre 1814 an allmählig betriebene üebersiedlung 
der Bestände des Plassenburger Archivs nach Bamberg, welche 
Oesterreicher am 27. December 1819 als vollständig durchgeführt 
anzeigte, da am 23. desselben Monats die letzte Fuhre mit 1& Eisten 
voll Archivalien in Bamberg eingetroffen. 

Mit dieser Unterbringung der Plasyenburger Bestände im 
Kreisarchive zu Bamberg, war ihren vielfachen Wanderungen und 
Wandelungen vorläufig ein Ziel gesetzt, jedoch kaum auf ein halbes 
Jahrhundert hinaus, da auf Grund des Artikels XII des Friedens- 
vertrags mit der Krone Preussen vom 22. August 1866 von Letzterer 
eine Auslieferung derjenigen Urkunden und Akten verlangt wurde, 
welchen eine besondere und ausschliessliche Beziehung auf die 
ehemaligen Burggrafen von Nürnberg und die Markgrafen von 
Brandenburg der fränkischen Linien zukomme. Von den beider- 
seitigen Commissären, dem Geh. Archivrath Dr. Märcker und dem 
Reichsarchivdirektor v. Löher, wurde in den sechs Wochen vom 
22. Juni bis 1. August 1868 gemeinschaftlich untersucht und ver- 
handelt, um genau zu prüfen, was zu den bezeichneten Familien- 
und Personal -Beziehungen der ehemaligen Burg- und Markgrafen 
gehöre, und begann darauf alsbald, namentlich in den Jahren 1868 
und 1869 die Ueberführung des Ausgeschiedenen an d?.s kgl. 
preussische Hausarchiv in Berlin, welche voraussichtlich in diesem 
Jahre ihren letzten Abschluss finden wird. 



V. Bayerische Archivinstruktionen aus dem 

16. und 17. Jahrhundert. 



I. Vom 16. März 1586. 

Unser, von gottes genaden Wilhelm, pfaltzgraven bey RheiQ, 
hertzogen in Obern und Nidern-Bayrn etc., instruction und sonder- 
barer vergrif, wie wirs hinfüran bey unserni arcbivo oder brief- 
gewelb durch den hochgelerten unsern rath und lieben getreuen 
Johann Gailing, der rechten doctorn, als dem wir solches neben 
seinem ratsdienst zu verwalten übergeben und genedig bevolhen, ge- 
balten haben wellen, was auch hier innen sein Verrichtung sein soll. 

Nachdem wir die zeit her unserer regierung vilmals zu 
gmüet gefürt, darneben oftermals von unsern fürnemen räthen under- 
thenig und treuhertzig vermont worden, das wir unser fürstlich 
archivum als den fumembsten schätz dises lands, daran uns und 
unsern nachkomen, land und leuten nit die minste wolfart gelegen, 
in höchster achtung gueter Ordnung und registratur, furnemblich 
aber in sicherer verwarung halten und darob sein sollen, damit alle 
desselben vilfeltige hochwichtige ansehenliche Schriften und acten, 
wie die namen haben mögen, und bisher yeder zeit alda verwart 
haben, vleissig ersehen und in ein guete Ordnung oder registratur 
und sovil muglich zu nutz gebracht wurden ; nach vleissiger berat- 
schlagung aber dessen, und damit solches alles ins werk gezogen, 
auch obbemelter unser yetziger und hinfüran ein yeglicher zukunf- 
tiger praefectus archivi, was seines ambts und Verrichtung sein soll, 
verstendigt wurde, haben wir uns nachvolgender articl und instruction 
wolbedachtlichen entschlossen, doch dergestalt, das unser geheimer 
rath und oberster cantzler yeder zeit primariam inspectionem archivi 
wie bisanhero haben soll. 



BayeriBche Archivinstraktioneu aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 91 

Anfencklich und fürs erst soll er, unser praefectus archiyi, von 
unserm land- und oberstem hofinaister alsbald nach gelaistem jura- 
ment installiert oder aufgenomen, und ime durch denselben grosz 
und kleine schlissl, so wol als sy unser oberster cantzler hat, zu 
oftberürtem archivo Überantwort und mit höchstem vleis zu verwarn 
eingebunden werden. 

Fürs ander sollen ime ain, und da er sich mit disem 
nit behelfen kundt, noch ainer und also zwen taugliche ge- 
haime Schreiber (welche alles das, was er praefectus inen schaffen 
und bevelhen wirdet, vleissig und treulich schreiben und in 
gueter gehaimb halten sollen) zugeordnet werden, welche in dem 
äussern gewelb vor dem archivo iren aignen platz haben, und one 
zuelassung des praefecti nit über alle Sachen oder Schriften kin- 
den, noch vil minder yemandt ausser seins vorwissen hinein zelassen 
macht haben soUen. 

Fürs dritt soll er praefectus, so oft er seines ratdiensts und 
anderer ime anbevolhener geschäft halben abkünden wirt, solchem 
dienst mit allem getreuen vleis auswarten, das archivum embssig 
besuechen, die obbemelten Schriften mit vleis durchlesen, dieselben 
nach Inhalt des EöUners und doctor Schwapachen seligen registra- 
turen zusammen richten, diso Schriften aber, welche erst nach ob- 
benanten bayden registranten seligen in unser archivum komen, auf 
denselben modum oder do er einen bessern wüste gleichsvals regi- 
striren, ordenliche protocoUa und indices darüber machen , item was 
er in solchen Schriften finden wirdet, daraus uns und unsern nach- 
komen, nit weniger auch unsern landen und leuten yetzt oder 
künftig nutz geschäft werden mag, vleissig und vor andern Sachen 
notiern , ime solcher puncten gewisse memorialia machen . und ob 
wir wol ine unsern praefectum archivi in unserm hofrath, auch zu 
allerlay andern anbevolhnen Sachen nit wenig bedürftig, so wellen 
wir doch, das er principaliter disem ambt und erst do er der muess 
hat oder von unserm land- und obersten hofmaister oder praesidenten 
erfordert wirt, den hofrath besueche, wie dann vorbemelter unser 
land- und oberster hofmaister, oder in seinem abwesen unser prae- 
sident, seiner derohalben, sonderlich aber im anfang so vil muglich 
im rat verschonen soll. 

Fürs viert soll er guete achtung haben, auch keinen müglichen 
vleis sparen, damit von allen orten, an welche ettliche briefliche 
Urkunden oder andere in unser archivum gehörige Sachen getragen 



92 Bayerische Archivinstruktionen 

worden, dieselben widerumb one abgang zu der handt gebracht 
werden, es sey gleich in oder ausser lands. 

Fürs fünft soll er mit vleis nachsehen, ob die Schriften oder 
Sachen, welche gleichwol noch vorhanden, aber durch unfleis zer- 
gentzt worden, widerumben zusamen gebracht und durch sein zue- 
thuen voUcomen und gantz gemacht werden mochten. 

Fürs sechst soll er sich alle monat bey uns, im vall wir aber 
nit darinnen (?), bey unsern geheimen räthen anmelden, und was solche 
zeit sein Verrichtung gewest, sonderlich aber, was er in Schriften 
nutzlichs, das villeicht einer beratschlagung oder nachgedenkens 
würdig gefunden, underthenig schriftlich übergeben, oder do es leng 
halben nit sein kunte, mündlich refferiern, und allemal das nütz- 
lichiste und fümembste dem geringern fürziehen , und dasselbig 
keineswegs einstellen, do ime auch was abgieng oder ainigen 
defectum der Schriften fende, wie derselbe sollte erstatt werden, 
sich genedigs bschaids erholen. 

Zum sibenden soll er alles das, was er aus dem archivo auf 
unser und unserer räth gnedig begern zum täglich furfallenden 
gebrauch herfürsuecht und etwa uns und unsern geheimen räthen 
in die neufest, etwa auch zu zeiten in unsern geistlichen hof und 
cammerrath, oder aber andern Privatpersonen in ir behausung 
schicken wirdet, mit vleis protocolliern , sonder register darüber 
halten, wo auch in seinem abwesen durch den cantzler etwas müeste 
heraus genommen werden, das solle der cantzler ihm prefecto auf 
das nechste anzaigen, damit solches in das bemelte register zur 
anmahnung gleichfalls verzaichnet und zu geburlicher zeit von den- 
selben orten und personen, bey denen es zu finden, widerumb ein- 
gefordert , umb überantwortung vleissig angehalten und also guete 
achtung gegeben, damit nicht verloren oder verhalten werde; item 
do es sach were, das man der orginalien selbst nit so hoch 
bedürftig, allein copias hinausgebe, und dieselben auch nit da- 
hinden lasse. 

Zum achten soll er praefectus die überigen unnutzen unnot- 
wendigen schritten, welche etwa durch anderer hinlessigkeit in unser 
archivum komen, und doch er alspald wissen mag, das dieselben an 
andere ort als in die cantzleyen derselben kästen lafPten, zu den 
ergentzten parteysachen oder auch noch an anderer orten hin- 
gehörig, soliche soll er mit vorwissen unser und unserer gehaimen 
räth an gebürende stell antworten und also das archivum von den- 



aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 93 

selben unnotwendigen überigen Schriften, dardurch ime confusiones 
und zemttung der registraturn einreissen, enthalten und ausräumen. 

Zum neunten , do etliche uralte nutzliche brief oder Schriften 
verbanden, welche alters halben mangl empfangen und nit mer wol 
ze lesen weren , soll er praefectus solche bey zeiten abschreiben, 
durch geschworne notarios vidimiern, und also deren authenticas 
copias stellen lassen. 

Zum zehenden, und dieweil vor vilen jarn auf absterben des 
erwürdigen in gott und hochgebomen fürsten, pfaltzgraven Philipsen, 
bischofen zu Freising, unsers geliebten vettern christseliger ge- 
dechtnus, ein grosse anzal allerley brieflichen Urkunden und Schriften 
gefunden und damals unerlesen aUein in zwen häufen gericht, der 
aine unserm geliebten herrn vatern, der ander aber unserm vettern, 
pfaltzgrave Ott Hainrichen christseliger gedechtnus mit nachvolgenden 
conditionen zuegetailt worden, nemblich das ain yeglicher alles das, 
was proprio dem andern zugehörig, ime nach ersehung vetterlich 
und guetwillig auf sein begern überschicken soll, derhalben unser 
praefectus alles das, was uns abgeet und bey seiner lieb ze finden, 
uns kuntbar machen imd do wirs für notwendig achten, von der- 
selben abvordern und begern solle, und do er was fende, das seiner 
lieb mer als uns zugehörig, auch derselben one unsern nachtail mochte 
iberantwort werden, soll er uns solches unterthenig berichten und 
derohalben gnedigen beschaidts erwarten, und do, was anderorten 
unserm archivo zuegehörig und nützlichs erfragt werden mochte, 
dasselb zu bekomen nit unterlassen. Wan er auch alles in unserm 
archivo in die gepirliche Ordnung gepracht, alsdan soll er auch 
das, so herausen an dem fletz vor dem gewelb, desgleychen was in 
der inern canzleystuben in kästen, trüben, laden, stedlen noch in 
grosser menig vorhanden ist, mit erster gelegenhayt auch ersehen, 
und was daraus aufzuheben, auch in unser archivum an ain ge- 
legenliches ort legen und in die registratur an sein gehörige stell 
einpringen. 

Fürs ailfte soll er unser praefectus im rath und anderen orten 
vleissig aufmerken haben, was wir für summarische oder rechtliche 
process und Sachen, die unser person recht und gerechtigkeit oder 
cammerguet antrefTen, vorhanden haben, darauf vleissig nachsuechen, 
ob nit villeicht in unserm archivo allerley taugliche Schriften, brief- 
liche Urkunden und documenta verbanden weren, dieselben mit 
unserm, oder do wir in an unsere geheime räth wisten, derselben 



94 Bayerische Archivinstruktionen 

guethaissen, unsem räthen oder advocaten in originali oder durch 
abschritt kundtbar machen, und do es von nöten, gar in ihr gewarsam 
auf ein tag etlich zu vergunnen, doch nachmals vleissig wider ein- 
vordern. Und damit nit alle mal von neten sey, lang in den 
registraturen zu suechen, so soll in ein yede laden ein sonder 
register gelegt werden, darauf underschiedlich, was in derselben ze 
finden verzaychnet sey, damit ein yeder alspalt sehen kinde, ob 
dasjenig, darumb er suche, darin vorhanden sey oder nit. 

Letztlich solle er auch alles .das, was unserm archivo zu wol- 
standt und gueter Ordnung, und also dadurch uns und den unserigen 
zu nutz gelangen mag, ob es gleichwol in diser unser Instruction 
nit begrifiFen, mit unserm und unserer gehaimen räth vorwissen und 
guethaissen selbst zu disponiern, handien und anstellen, völlige 
macht und gwalt haben. 

Tedoch wellen wir uns dise unser Instruction in ainem oder 
mehr articlen zu endern, bessern, meren und mindern yeder zeit 
bevor behalten haben. 

Dessen zu warer urkund haben wir dise Instruction mit aigen 
banden underschriben und mit unserm secret verfertiget. Geben 
in unser stat München den sechzehenden monatstag Martii anno etc. 
im sechs und achtzigisten. 



II. Vom 14. August 1640. 

Demnach die churfürstl. durchlaucht, unser gnedigister herr, 
ein zeithero verspürt, dass bei dero alhiesigen registratum und 
sonderlich bei dem eussern archiv oftermaln acta und schrüften, 
ja wol ganze tomi, daran sr. churf. durchl. nit wenig gelegen, hin 
und wider verlegt, vertragen oder wol gar verloren worden, als 
haben sie auf mitl, wie sowol alles wider zu wegen gebracht, und 
der abgang ersetzt, als auch inskonftig bessere Ordnung bei den 
registratum und vorab bei dem eussern archiv ze halten sein mochte, 
gedencken lassen, und sich dariber auf volgende puncten und Ordnung, 
welche sowol die coUegia selbst, als derselben räth und registratores, 
neben dem eussern archivario, sovil einen jeden beträft, alles fleiss 
ze halten schuldig sein sollen, gnedigist resolvirt. 

Erstlich sollen die registratores insgemain, doch ein jeder durcli 
seines coUegii Vorsteher irer pflicht, mit welcher sy zu irem dienst 



aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 95 

verbunden, wol erinnert, denselben auch ernstlich aufgetragen und 
eingebunden werden, dass sy bei iren anvertrauten registratum der 
ihnen vorgeschribnen Ordnung mit schuldigem vleiss nachgehn, 
die acta vleissig einschreiben und ein jedes an sein gehörigs ort 
registriem, auch dasjenig, was von einer registratur oder collegio zu 
dem andern begert und abgefordert oder den räthen ad referendum 
zuegestellt wird, in iren registern, so sy aintweders für sich selbst 
oder ainer gegen dem andern helt, fleissig aufzaichnen, und was 
ihnen wider zuekomen thuet- widerumb austhain. 

Sovil aber fürs ander das eusser archiv, in welchem die reichs- 
krais-deputations- und münztegsacta , item greniz-landschaftssachen 
und vertrag mit den benachbarten fürsten und stenden aufbehalten 
werden, in specie anbelangen tbuet^ weil an allen disen acten und 
schrüften sr. churf. durchl. und dero loblichisten haus sonders vU 
gelegen, sollen alle und jede reth, welche dergleichen acta schrüften 
oder tomos beihanden, sy habens gleich aus dem eussern archiv 
oder von andern orten bekomen, dieselben alle innerhalb den negsten 
drei wochen dem eussern archivario gewiss und unfelbar zuestellen, 
damit derselbig den abgang in seinen registern ersezen und was 
neue Sachen sein, ordenlich einschreiben, auch jedes an sein gehörigs 
01 •; registriem möge. Wan nun solches also, wie gemelt geschechen, 
kan volgents der eusser archivarius, was man an ainem oder anderm 
ort weiter bedarf, wol wider herausgeben, doch mit der Ordnung 
wie hernach zu vernemen ist. 

Zum dritten, was in reichs-deputatioas-krays- und münztegs-, 
item landschafts-greniz- und dergleichen mit den benachbarten 
fürsten und stenden sich erhaltenten Sachen fürohin an berichten, 
schrüften und acten bei ainem oder andern collegio einkomen 
würd, das sol von den registratorn jedes orts nit allein in ire 
register mit vleiss verzaichnet, sonder was in das eusser archiv 
gehört, gleich alsbald dahin geben, was man aber in greniz- und 
dergleichen Sachen nit gleich ontrathen kan, wenigist dem eussern 
archivario angezaigt und quatemberlich ein specification über der- 
gleichen neu einkomende Sachen zuegestelt werden; der sols als- 
dan gleichfals in seinen registern jedes an seinem ort eintragen 
und fiirmerken, damit er wissen möge, wo dieselben neue acta zu 
fänden und auf begern jedesmals über die neue actus possessorios 
oder contradictiones sowol, als was vor den eitern jam fürgangen 
ist, genuegsamon bericht und information geben kinde. Sobald auch 



96 Bayerische Archivinstruktionen 

dergleichen neu einkomente schrüften und berichten von demjenigen 
collegio, dahin solche Sachen gehörn, verbschaidt worden und man 
derselben weiter nit betarf, sollen dieselben dem eussern archivario 
zuegestelt und von demselben volgents an sein gehörigs ort registriert, 
und sovil sich thuen last in tomos eingebunden werden. Da es 
auch Sachen weren, die man bei ain oder anderm collegio öfters 
von neten, als da seind consilia guetachten und dergleichen, welche 
je zuweilen in dergleichen irrungen und stritigkeiten verfast werden, 
kinnen von denselben abschrüften behalten, aber die originalia sollen 
zum eussern archiv geben werden, und hat der eusser archivarius 
alsdan mit dem innem archivario zu correspondirn, was von der- 
gleichen originalien in das inner oder eusser archiv gehörig seie 
und wo ains und das ander aufbehalten werden müesse ; er eusserer 
archivarius aber hat nicht desto weniger in seinen registern für 
zemerken, was er in das inner archiv geben, damit man im fal 
der noth von mehr orten Information nemen künde. 

Nachdem auch viertens den regierungen und rentmaistem 
im land bevolchen worden, dass sy von iren registratorn dergleichen 
quatemberliche verzaichnusen über die neu einkomente greniz- 
sachen begern und hernach hieher überschicken sollen, als hat 
man bei allen collegiis die Verordnung zethuen, damit, wan solche 
berichten bei ainem oder dem andern einkommen, selbige alsdan 
dem eussern archivario signirt und zuegestelt werden. 

Fünftens, damit man auch in konftigen fein bei den collegiis 
und sonderlich bei dem hof- und camerrath von dem, was zuvor 
in graniz- und dergleichen irrungen und stritigkeiten für consilia 
oder guetachten verfast worden , gleich alsbald nachricht und In- 
formation haben möge, soll ein eusserer archivarius über solche 
consilia und guetachten ein absonderlichs register halten und im 
eingang summarisch verzaichnen, was für Sachen und strittige puncten 
ein jeder in sich begreufe. 

Sechstens, wan man hin und wider bei den collegiis etwas 
aus dem eussern archiv betarf, soll ein eusserer archivarius dasselbig 
zwar unverzogenlich hergeben, doch von dem registrator desselben 
coUegii, welches dergleichen acta schrüften oder tomos begern last, 
umb das herausgebne einen schein oder recognition nemen und 
denselben schein eher nit zurückgeben , bis ihm das herausgebne 
wider restituirt worden, dergleichen zetl oder schein sollen auch 
die räth selbst, wan ainer oder der ander solcher schrüften und 



aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 97 

Sachen zu seinen ambtsgescheften vonneten, dem eussern archivario 
um das empfange jedesmals zuestellen und nach restituirung der 
acten ire schein wider zurucknemen. Wo auch ein eusserer archivarius, 
vornemblich in wichtigeren Sachen bedenken hett und anstiende, 
das was ein rat begern würde herauszegeben , kan und soll sich 
ermelter archivarius bei desselben rats obem anfragen und beschaids 
erholen, ob und was er volgen lassen solle. 

Doch soll fürs sibente er archivarius bei den raten, welchen 
etwas aus dem eussern archiv geben worden, wenigist im quartal 
ainmal anmahnen, ob sy der herausgebnen Sachen lenger bedörfen, 
und wans ainer oder der ander weiter nit von nöten hat, gegen 
'zurückgebung des Scheins wider abfordern. Desgleichen sollen auch 
andere registratores, welche aus bevelch des coUegii etwas vom eussern 
archiv empfangen und etwan den räthen zuestellen, thain, das ist 
quatemberlich anmalmen, ob man derselben sachen weuter bedürf 
oder nit, damit sy ains und anders wider an sein ort geben künden. 

Achtens wan sich auch begibt, dass ein rat, der acta aus dem 
eussern archiv empfangen, mit tod abgehet, soll von dem eussern 
archivario oder vom registratore des collegii, welchem der verstorbne 
beigethan gewest, alsbald ein verzaichnus demselbigen coUegio über- 
geben, solches auch volgents demjenigen rath, so ohne das vom 
coUegio zu der Obsignation verordnet wird, mit dem bevelch zue- 
gestellt werden, dass er mit zueziechung des registratoris wol in 
acht neme, ob und was für acta der verstorbne gehabt; er soll 
auch darob und daran sein, dass alle befundene acta, so zu des 
verstorbnen dienstverrichtung gehörig gewest, durch den registrator 
Zurückgenomen, beschriben und was an ein jedes ort geherig, 
dahin gegeben, in den registern wider ausgethan, und da der ver- 
storbne ein schein zum eussern archiv geben, wider restituirt werde. 

Lestlich damit auch dise neue puncten der gebür und Schuldig- 
keit nach gehalten und weitere Unordnung verbiet und fürkomen 
werde, derowegen sollen jerlich alwegen mit eingang des jars von 
einem jeden collegio ein rat verordnet werden, welche mit und 
neben einander bei dem eussern archiv visitirn, den eussern archi- 
vai-iura und alle registratores fir sich erfoirdern und zu red stellen 
sollen, ob und wasgestalt diser Ordnung nachgelebt werde, was dem 
eussern archivario in schrüften abgehe, und wie sich seine und der 
andern registratorn register und verzaichnusen , die sy gegen ein- 
ander halten , vergleichen , was auch selbiges jähr für neue greuiz- 

' ArcblTaliache Zeitschrift. IX. < 7 



98 Bayerische ArchivlnBtruktionen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 

oder andere Sachen einkomen und ob sy eingeschriben worden oder 
nit u. s. w. und was dergleichen mehr ist, welches sy, die verord- 
nete commissarii gleich alsbald zu 'verbschaiden, und wan bei ainem 
oder mehr sonder mengl und unfleiss befunden werden sollen, das- 
selbig gehörigen orten anzemelden, damit man gegen den unfleissigen 
die weutere notturft fürnemen möge. 

Hierauf bevelchen hechsternant sr. curf. durchl. dero gehaimen 
hof-camer- und kriegs-rät ernstlich und zuverlessig, dass dise Ordnung 
in allen coUegiis abgelesen, jezt und inskonftig vleissig observirt 
und volzogen, auch nit allein von dem eussern arcliivario und den 
registratorn insgemain, sondern auch von den rethen und den 
collegiis selbst sovil einen jeden betrüft, durchgehend gehalten werde, 
als sich dan sr. curf. durchl. versechen, und sein ihnen dabei mit 
gnaden. 14. augusti anno 1640. 



VI. Zur Geschichte des Archivs der weiland freien 
Stadt und freien Reichsstadt Worms, 



von 



Dr. H. Boos, 
XJniversitäts-Professor in Basel. 



Es hiesse Eulen nach Athen tragen, wollte ich hier auch nur 
in Kürze die Bedeutung der Geschichte der Stadt Worms ins- 
besondere im Mittelalter auseinandersetzen. Die Geschichte der Stadt 
Worms im Mittelalter bietet keineswegs blos ein lokales Interesse, 
im Gegentheil, in manchen Partien erweitert sich die Stadtgeschichte 
zur allgemeinen Reichsgeschichte. Ihre Bedeutung liegt in dem 
ausserordentlichen Reichthum des Geschehenen. Durch die Klug- 
heit der Leiter der Stadt, die Tapferkeit der Bewohner, durch das 
mannhafte und treue Festhalten an Kaiser und Reich wurde Worms 
zu einer Zeit, als noch die meisten andern Städte in den Fesseln 
des Hofrechtes lagen, die Vorkämpferin für die Stadtfreiheit. Der 
Höhepunkt dieser ersten Periode dokumentirt sich in der Erbauung 
eines eigenen Rathhauses. Allein die Macht der Fürsten war im 
Laufe der Zeit in Folge der Schwächung der Reichsgewalt so er- 
heblich gestiegen, dass Worms nur mit dem äussersten Aufwand 
aller Kräfte gegenüber den immer heftiger andrängenden Angriffen 
seines ehemaligen Herrn, des Bischofs, seine Freiheit und Unab- 
hängigkeit bewahren konnte. Ja die politische Lage änderte sich 
im Laufe des 15. Jahrhunderts so TöUig zu Ungunsten der Städte, 
dass Worms, wollte es anders dem drohenden Untergang entrinnen, 
sich in die Hände des Kurfürsten der Pfalz begeben musste. Damit 
hatte die Stadt ihre politische Selbständigkeit eingebüsst, und das 
Schirm- und Schutzverhältniss zur Pfalz brachte ihr in der Folge 



7* 



100 Boos: 

nichts als Unglück und Unheil, denn dadurch wurde die Stadt zu 
jeder Zeit in die Händel der Pfalzer gezogen. Erfüllen uns die 
Thaten der Wormser Bürger zur Zeit der Blüthe der Stadt mit 
jubelnder Begeisterung, so können wir dagegen der mannhaften 
Standhaftigkeit und Opferwilligkeit der "Wormser Einwohner in den 
Tagen des grössten Elends unsere- aufrichtige Theilnahme nicht ver- 
sagen. Es schwebt ein Hauch antiker Grösse über jene Männer, 
welche nach der grausamen Zerstörung der Stadt durch die fran- 
zösischen Mordbrenner die Wiederaufrichtung ihres geliebten Gemein- 
wesens leiteten. Wie die Römer nach dem gallischen Brand, so 
richteten sich die Wormser nach dem französischen Brande auf der 
alten Stätte wieder ein. Und dass dies nicht aus stumpfsinnigem 
Kleben an der Scholle geschah, ersehen wir aus der Denkschrift 
des wackern Seidenbänder, welcher voll Gottvertrauen einen wohl- 
durchdachten Plan der Wiederaufrichtung des zerrütteten Gemein- 
wesens entwarf, worin er mit weitem Blicke nicht nur des zunächst- 
liegenden Nothwendigen gedachte, sondern auch die Zukunft in's 
Auge fasste, die Einrichtung guter Schulanstalten beantragte, ja so- 
gar eine städtische Bibliothek projektirte, als des Rüstzeuges, aus 
dem die Weisen ihre Waffen holen. Allein der fortdauernde Kampf 
wider die Ansprüche des Bischofs und des Klerus, die schwere 
Schuldenlast, welche sich in Folge der vielen Kriege im 17. und 
18. Jahrhundert in*s Ungeheuere vermehrte und die Stadt dem 
Bankerott entgegenführte, erstickte allmälig jede freie Bewegung. 
Es trat eine völlige Erstarrung des politischen Organismus ein, und 
nur noch die endlosen Processe, welche die Stadt mit dem Klerus 
und mit der Judenschaft, die Bürgerschaft und Zünfte mit den all- 
mächtigen Herren des XIH Rathes zu führen hatten, brachten von 
Zeit zu Zeit einige Aufregung in die abgestumpften Gemüther. Da 
musste denn die Revolution wie eine Erlösung wirken. Die ver- 
rottete Herrlichkeit der freien Reichsstadt des heiligen Römischen 
Reichs versank mit der fadenscheinigen Herrlichkeit des Reichs und 
Worms stand als kleine Landstadt wieder auf, mit einer Verwaltung, 
welche ihrer Unbedeutendheit ebenso sehr entsprach, als der prunk- 
volle, kostspielige, complicirte Mechanismus der Verwaltung in der 
reichsstädtischen Zeit ein Hohn auf die politische und finanzielle 
Machtlosigkeit gewesen war. Mit der Neuzeit schien in den Herzen 
der Bürgerschaft auch jede Erinnerung an die glorreiche Vergangen- 
heit verwischt zu sein. Wie man in barbarischem Grimme gegen 



L 



Zur Geschichte des Archivs der Stadt AVorms. 101 

alles Alte verständnisslos die alten herrlichen Bauwerke als Stein- 
brüche missbrauchte, so gab man die schriftlichen Denkmäler dem 
blinden Schicksal preis. Den beiden Männern, welche zuerst wieder 
der Vergangenheit Worms liebevoll gedachton, Pauly und Lange, sei 
hier ein bescheidenes Kränzchen gewunden. 

Zur Geschichte des Archivs. 

Nicht ein zufällig zusammengelesener Haufen von Pergamenten 
und Acten, bedeckt mit moderndem Staube, ist ein Archiv zu nennen, 
sondern dasselbe ist ein ebenso organisches Gebilde, wie der Staat 
oder die Stadt oder die Corporation etc., dessen Geschichte das 
Archiv documentirt. Ein Archiv eines Staates, einer Stadt etc. ist 
gleichsam der Niederschlag all dessen, was in dem betreffenden 
Staat, Stadt etc. gehandelt oder gelitten worden ist. Ein Archiv 
wird also nicht nur die äusseren Schicksale des betrefTenden Staates, 
Stadt etc. widerspiegeln, sondern auch bis in's kleinste Detail ein 
Abbild des Organismus des betreffenden Staates, Stadt etc. sein 
müssen. Ein städtisches Archiv konnte in Worms erst dann ent- 
stehen, als die Verwaltung der Stadt selbständig geworden war. 
Mit dem Vorkommen eines Stadtsiegels können wir auch die Exi- 
stenz eines Stadtarchivs annehmen, und mit der Erbauung eines 
Stadthauses (1230) ist auch das Lokal für das Archiv gegeben. Das 
jetzt zum Archiv dienende (neu und sauber hergerichtete) Gewölbe 
gehört zum ältesten Theile des Bürgerhofes und hat den grossen 
Brand glücklich überdauert. Ueber den Bestand des Archives vor 
dem Brande wissen wir nur Weniges,. denn die aus dem 17. Jahr- 
hundert herrührenden erhaltenen Bruchstücke von Repertorien geben 
allzuwenig Aufschluss. Aus den zufallig erhaltenen Rosten aus dem 
14. bis 17. Jahrhundert und aus Zorn ersehen wir, wie unendlich 
viel werthvoUes Material zu Grund gegangen sein muss. Wohl 
wurden in den drangvollen Zeiten des dreissigjährigen Krieges 
wiederholt die werthvollsten Schätze des Archivs bald hierhin bald 
dorthin geflüchtet, allein öfter waren die Archivalien nicht wieder 
zurückzubekommen. So ging eine Sendung nach Strassburg ent- 
weder auf dem Transport zu Grunde, oder wurde nach Paris ver- 
schleppt. Wir wissen aus den Excerpten in der Gymnasialchronik, 
dass das Archiv in zwei Räumen aufbewahrt war; die Privilegien 
und anderes wurden im alten Archivgewölbe des Bürgerhofes ver- 



102 BOOS: 

wahrt und tiberstanden den Brand; das eigentliche Verwaltungs- 
Archiv, die städtische Registratur, befand sich in der sogenannten 
neuen Münze, dem eigentlichen Amtshause, und verbrannte mit 
diesem prachtvollen, im 15. und 16. Jahrhundert theils im gothischen, 
theils im Renaissancestil erbauten Hause. Die Grösse des Verlustes 
lässt sich nur dann ermessen, wenn man die grossen Actenmassen 
etwa des unversehrt gebliebenen Stadtarchivs in Strassburg zur 
Vergleichung heranzieht. Von unersetzlichem Werthe müssen die 
Reichstagsacten gewesen sein, war ja Worms in bevorzugtem Maasse 
der Sitz der Reichstage. Ebenso sind die Acten der Städtetage, von 
denen sich in Speier einiges erhalten hat, spurlos verschwunden.- 
Die wichtigen Kreistagsacten scheinen dagegen den Brand über- 
dauert zu haben, denn Bruchstücke aus dem 16. Jahrhundert sind 
noch vorhanden. Völlig verbrannt sind die RathsprotokoUe, Gerichts- 
protokolle etc., das gesammte Finanzwesen vor 1689; während da- 
gegen merkwürdiger Weise die Kurpfälzer und Dalberger Acten 
und die höchst wichtigen Acten, welche den Streit mit dem Bischof 
und Klerus berühren, dem Verderben entronnen sind, denn diese 
reichen zum Theil bis in's 14. Jahrhundert. Die zahlreich vor- 
handenen Lücken in diesen Beständen rühren von späteren Ver- 
schleuderungen her. 

Nach der schändlichen, barbarischen Zerstörung der Stadt 
siedelte der Rath mit seiner Verwaltung und dem Archive nach 
Frankfurt über, von wo aus bis 1697 die Stadt verwaltet wurde 
(s. die Acten : Kriegsereignisse). Kaum war das Archiv wieder nach 
Worms übergeführt worden, musste es 1703 vor den anrückenden 
Franzosen abermals nach Frankfurt geflüchtet werden und konnte 
erst 1706 und 1708 nach Worms zurückgebracht werden. Wiederum 
trat das arme Archiv im Jahre 1734 am 6. April vor den heran- 
nahenden Franzosen die Wanderung an, und zwar diesmal nicht 
nach Frankfurt, wo kein Platz war, sondern nach Hanau, in sieben 
grossen Kisten wohl verpackt. 1736, April wurde es wieder nach 
Worms geholt. Ob während des siebenjährigen Krieges das Archiv 
geflüchtet werden musste, ist unbekannt; aber das wissen wir, dass 
bei diesen vielfachen Wanderungen des Archives alle Ordnung aus 
Rand und Band ging, so dass die Benutzung für die Verwaltung 
dadurch fast unmöglich gemacht wurde. Denn damals enthielt das 
Archiv nicht blos „schätzbares historisches Material", sondern die 
Urkunden und Privilegien hatten noch beweisende Lebenskraft. 



-Zur Geschichte des Archivs der Stadt Worms. 103 

Es mehrten sich daher die Klagen über die Unordnung des Archives. 
Die Aufsicht über das Archiv führte bald der Rathsschreiber, bald 
der Stadtschreiber, je nach Neigung dieser Männer; allein die 
laufenden Geschäfte, namentlich die ausserordentlich grosso Cor- 
respondenz in Kriegszeiten, Hessen wenig Zeit für das Archiv übrig. 
Der fleissigste dieser Stadtschreiber, der allein Erhebliches für dio 
Ordnung des Archives geleistet hatte, ist J. L. Lautz in den 70er 
Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die ordnende Hand dieses wackern 
Mannes ist noch überall sichtbar, grosse Partien des Archives sind 
von ihm durchgearbeitet und sorgfaltig verzeichnet worden. Und 
seinem ausdauernden Fleisse verdanken wir eine Anzahl guter 
Urkundenabschrifton , deren Originale seitdem verschwunden sind. 
Eine rechte Ordnung war doshalb schwer durchzuführen und auf- 
recht zu erhalten, weil sowohl die Rathsglieder als die Consulenten 
freien Eintritt in das Archiv hatten, eine Controlo nicht geführt 
wurde, so dass sehr oft entlehnte Archivalien nicht wieder zurück- 
kamen. Im Jahre 1788 stellten die XIII Herren folgende In- 
struction auf: 

„Ein jeder, dem von f. hochedlen Magistrat die Aufsicht über 
das hiesige städtische Archiv oder auch nur der offene und freie 
Zutritt in dasselbe gestattet ist, soll einen leiblichen Eid zu Gott 
dem Allmächtigen schwören : dass er die im Archiv vorhandene und 
nachkommende Scripturen und Urkunden nicht nur pünktlich und 
sorgfaltig in ihren geeigneten Fächern aufbewahren, sondern auch 
soviel ihm immer möglich ist, genaue Ordnung halten, über den In- 
halt der daselbst vorfindenden Dokumenten und andern Piccen ausser 
auf Erfordern eines hochf. Magistrats durchgängige Yerschwicgonheit 
beobachten; Niemanden in städtischen Diensten Un verpflichteten ohne 
vorhergehende Erlaubniss in das Archiv führen, noch weniger aber 
jemanden anders als den von einem hochf. Magistrat zu Bearbeitung 
öffentlicher städtischer Geschäfte besonders angestellten und ver- 
pflichteten Personen extradiren und die extradirte sorgfältig auf- 
zeichnen, überhaupt aber sich in seinen Archiv- Verrichtungen getreu 
und fleissig, wie es einem rechtschaffenen Mann gebühret, verhalten. 
Alles ohne Gefährde." 

Wenn man sich nur an diese vernünftigen Bestimmungen 
gehalten hätte! 

Seit Ende der 80er Jahre übernahm der Stadtschreiber Johann 
Ludwig Hallungius, ein im Dienste der Stadt ergrauter Beamter, 



104 Boofl: 

die Pflege des Archivs. In einer Bittschrift an die XIII Herren 
macht er darauf aufmerksam, dass die den „Nahmen einer Raths- 
bibliothek gar nicht verdienende Bücher -Sammlung!) dem Archiv 
vielen Raum wegnehme, welcher bei dessen besseren Einrichtung 
ganz unentbehrlich ist, ich auch die bereits angefangene Aussiichung 
der seit Einäscherung hiesiger Stadt confus durcheinander liegender 
meist in elende Säcke zusammen gepressten und in ungeheuren 
Kästen verwahrten Acten sowenig, als deren planmässige Rangirung 
unter verschiedenen Rubriquen besorgen und das Archiv, so wie es 
dessen Wichtigkeit, die Ordnung und der Wohlstand erfordert, in 
den Stand zu setzen vermag, dass alles darin befindliche zum 
nöthigen Gebrauch in einem distinguirten Repertorio zur Einsicht 
und geschwinder TJebersicht vorgeleget, auch darnach die anver- 
langenden Acta alsbalden gefunden und bey entstehender Gefahr 
geschwind verschlossen und bequem fortgeschafft werden können, 
wenn nicht andere kleinere und schicklichere Schränke statt der 
grossen Kästen und unschicklichen Repositorien angeschafft werden." 
Hallungius hat im Archiv fleissig, wenn auch ziemlich fruchtlos 
gearbeitet, üeberall ist seine dicke, schwerfällige Handschrift sicht- 
bar, allein seine Repertorien sind wenig brauchbar. Als man gegen 
Ende des Jahres 1791 den Einfall der Franzosen befürchtete, schickte 
Hallungius auf Rathsbefehl die Archivalien in sechs Verschlagen 
nach Frankfurt. Nach der Vertreibung der Franzosen im Frühjahr 
1793 wurde das Archiv wieder nach Worms geholt, indessen war 
aber Hallungius von seinem Amte suspendirt und „ein Fremdling*', 
Schmidt, wie Hallungius bitter klagt, an seine Stelle gesetzt worden. 
Dieser Schmidt packte die Archivalien aus, legte sie aber nicht in 
die Repositorien, sondern ordnungslos auf den Tisch und den feuchten 
Boden. Mit der Wiederkunft der Franzosen im Jahre 1795 wurde 
Hallungius wieder in sein Amt eingesetzt und mit der Neuordnung 
des Archivs beauftragt. Indess die Unruhe der Zeit Hess ihn mit 
dieser Arbeit nicht zu Ende kommen, und als er 1804 aus dem 
Amte schied, ward das Archiv eine herrenlose Beute eines Jeden, 
der den unwirthlichen Raum (die Rechenstube) betrat. Der berüchtigte 
Bodmann aus Mainz machte sich dieses Umstandes zu Nutzen ; wie in 
Mainz, so plünderte er hier das Archiv. Ein Stück seines Raubes, 



^) Die nicht in das Archiv gehörigen Bücher sind der Bibliothek im 
Paulusmuseum überwiesen worden. 



Zar Geschichte des Archivs der Stadt Worms. 105 

die Originalhandschrift der Zorn'schon Chronik (Hs. A.) ist später 
wieder in das Archiv gekommen, die andern Hss. und Urkunden 
sind in alle Windrichtungen hin verschleppt worden: nach Berlin, 
Wien, Heidelberg, Kai'lsruhe, Luzern etc., der Haupttheil liegt jetzt 
im Schlosse Miltenberg. Ein Augenzeuge des unwürdigen Zustandes, 
in dem sich das Archiv im Anfang unseres Jahrhunderts befand, 
G. Lange, schildert drastisch genug: „AUmälig gerieth nun das 
Archiv in immer grössere Unordnung, hauptsächlich wohl dadurch, 
weil seit Hallungius' Entfernung Niemand mehr die specielle Auf- 
sicht über dasselbe führte, und daher, zumal da kein systematischer 
Plan des Ganzen vorlag. Jeder, der etwa noch Gebrauch davon 
machte, das Gebrauchte eben nur wieder hinlegte, wo er den be- 
quemsten Platz dafür fand. So kam es endlich, dass man das Archiv 
sowohl als die sogenannte Rechenstube fast als alte Rumpelkammer 
zu betrachten anfing, in die man hineinstopfte, was eben hineinging, 
und dass man sie deshalb zuletzt nicht ohne einen gewissen Wider- 
willen betreten konnte." In dieser schmachvollen Zeit erlitt das 
Archiv die grössten Verluste, und so viele werthvollen Urkunden 
und Acten, welche noch im vorigen Jahrhundert vorhanden waren 
(wie z. B. die wichtige Urkunde über die Stiftung des XIII Rathes 
im Jahre 1522), sind seitdem entweder spurlos verschwunden oder 
in fremde Archive und Sammlungen gerathen. Durch die Forsch- 
ungen J. Fr. Böhmer 's aus Frankfurt angeregt, richtete der oftge- 
nannte Gymnasiallehrer Dr. Georg Lange seine Aufmerksamkeit auf 
das Archiv. Sowohl in einem Aufsatze in der Grossh. Hessischen 
Zeitung vom Jahre 1834, als auch in seiner 1836 erschienenen 
kurzen Geschichte und Beschreibung der Stadt Worms machte er 
nachdrücklichst auf die Nothwendigkeit aufmerksam, diese kostbaren 
Reliquien der ehemaligen reichsstädtischen Zeit vor dem gänzlichen 
Untergang zu bewahren. Sein Drängen fand endlich bei dem um 
das Wohl der Stadt verdienten Bürgermeister Fr. Renz Gehör, und 
er erhielt gemäss kreisräthl icher Verfügung vom 16. März 1838 den 
Auftrag, „das alte Archiv zu ordnen und ein möglichst detailirtes 
Register darüber auszufertigen", welchen Auftrag er, wie er sagt, 
„mit vieler Liebe zur Sache" innerhalb eines Jahres vollzog. 

So dankenswerth nun namentlich in Anbetracht der damaligen 
Zeitumstände diese Arbeit war, so wenig konnte die von ihm ge- 
schaffene Ordnung den heutigen Ansprüchen genügen, da Lange 
sowohl die nöthigen technischen und historischen Kenntnisse mangelten, 



106 ß<>08' 

als auch die absolut nothwendige Umsicht. *) Wie es ganz am Platz 
war, benützte er die von seinen Vorgängern geschaffene Registratur, 
jedoch, wie sich nachträglich zeigte, in sehr oberflächlicher Weise. 
Offenbar stiess er auf scheinbar geordnete Theile des Archives, wie 
z. B. die Reichstagsacten , Kreistagsacten , Anlagen zu den Raths- 
protokollen etc., welche er ganz so, wie er sie vorfand, in mächtige 
Packe verpackte ; bei näherem Zusehen war die Unordnung inner- 
halb der betreffenden Abtheilungen so gross, dass jede Benutzung 
ausgeschlossen war. Das von ihm adoptirte Schema der Aufstellung 
und Signirung (Gestell, Rubrik, Gefach, Pack und Nummer, das 
ergibt also z. B. folgende Signatur: IV. W. 37. 1. 3) ist viel zu 
complicirt und unübersichtlich. Dazu war er nicht im Stande, die 
von Lautz und Hallungius nicht signirten und geordneten Partion 
nach obigem Schema einzuordnen ; er erfand ein eigenes geistreiches 
System, die ungeordneten Massen unterzubringen, er steckte nämlich 
alles Ungeordnete unter die Rubrik „Vermischtes''. Diese Rubrik 
„Vermischtes" umfasst bei ihm beinahe die Hälfte des Archives, wo- 
durch selbstverständlich jede Ordnung wieder aufgehoben ist. Die 
Art der Verwahrung, unförmlich dicke, in Packpapier eingeschnürte 
Packe, welche oft das Verschiedenste enthielten, machte jede Ueber- 
sicht des Inhalts unmöglich und erschwerte die Benutzung. Manch- 
mal stimmt der Inhalt des Packes mit dem Verzeichniss Lange's 
nicht überein, sehr oft findet sich der Inhalt überhaupt nicht ver- 
zeichnet oder mit der nichtssagenden vagen Bezeichnung Miscellanea. 
Das Archiv ist aus diesem Grunde so gut als gar nicht benützt 
worden, denn Böhmer und Arnold haben blos die Urkunden- 
sammlung benützt. Der Einzige, welcher tiefer in das geheimniss- 
volle Dunkel, welches über dem Archiv lagerte, eindrang, ist 
Dr. A. Becker, 2) und eben seine mühevollen Forschungen legten 
von neuem die Noth wendigkeit einer übersichtlichen Ordnung an 
den Tag. Dazu kam noch der schlechte bauliche Zustand des 
Archives und die ungeschickte, das Modern fordernde Art der Auf- 
bewahrung, gefährliche Feinde für die Fortdauer dieser Archivalien. 
Es wäre eine grosse Ungerechtigkeit, wollte man der Stadt Worms 



*) Siehe W. Arnold, Verfassungsgesclüchte der deutschen Freistädte. I., 
Vorrede p. XIII. 

•) Beiträge zur Geschichte der Frei- und Reichsstadt Worms etc. Worms 
1880. 40. 288 Seiten. 



Zur Geschichte des Archivs der Stadt Worms. 107 

einen Vorwurf daraus machen, dass so lange nichts für das Archiv 
geschah. Die unzulänglichen finanziellen Kräfte der so schwer heim- 
gesuchten Stadt, sowie andere dringendere Aufgaben drängten diese 
Frage zurück. Verhielt es sich doch in den andern ehemaligen 
Reichsstädten nicht anders. Auch dort trennt eine tiefe Kluft die 
Gegenwart von der Vergangenheit und nur langsam beginnt sich 
diese Kluft zu überbrücken. Den Ruf, welchen Professor Baum- 
gartner in Strassburg vor Jahren in den Preussischen Jahrbüchern 
an die alten Reichsstädte ertönen licss, sie möchten ihrer glorreichen 
Vergangenheit wieder eingedenk werden und vor allem für die sicht- 
barsten Zeugnisse derselben, für die Archive, Sorge tragen, dieser 
Ruf verhallte nicht ungehört. Als der Verfasser dieses im Herbst 
des Jahres 1880 bei einem Freunde zu Besuch in Worms weilte, 
wurde er von dem verstorbenen Bürgermeister Heimburg um ein 
Gutachten über eine etwaige Neuordnung des Archives ersucht. 
Dieses Gutachten erhielt auch die Billigung des Herrn Professors 
W. Arnold in Marburg, und als Herr Geh. Commerzienrath C. W. 
Heyl, welcher sich schon längst mit diesem Gedanken getragen 
hatte, in hochherziger Weise die Mittel zur Neuordnung gewährte, 
glaubte ich mich dem mir zugehenden Rufe nicht entziehen zu 
dürfen, obwohl ich mir der Schwierigkeiten und unter Umständen 
der Undankbarkeit der Arbeit wohl bewusst war. Doch wer wüsste 
nicht, dass die Freude und Süssigkeit, welche das Forscheu und 
Finden gewährt, alle Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten einer 
solchen Arbeit vergessen machen. Es ging mir wie dem Bergmann, 
welcher einen seit Alters zugeschütteten Schacht mit zagem Muthe 
und zweifelhafter Empfindung wieder aufgräbt, und der anstatt der 
gefürchteten Nutzlosigkeit des Unternehmens auf die kostbarsten 
Adern des Gesteins stösst. 



I. Urkunden. 

Wie es gemeiniglich geschieht, habe auch ich das archivalische 
Material in ein Urkundenarchiv und Actenarchiv geschieden. Dies 
geschah weniger aus sachlichen, inneren Gründen, als aus äusseren. 
Die Urkunde fordert vermöge ihres Materials und ihrer Form eine 
besondere Art der Aufbewahrung. Die Urkunde ist nicht, wie man 
gewöhnlich schlechthin annimmt, unmittelbar eine historische Quelle, 
sondern nur mittelbar. Man wähnt, ein historisches Factum für um 



108 Boos: 

SO mehr beglaubigt halten zu dürfen, je mehr es urkundlich be- 
zeugt ist. Allein benützt man die Urkunde kritiklos zur Construction 
eines historischen Ereignisses, so läuft man ebenso leicht Gefahr, 
die Thatsachen zu fälschen, als wenn man Annalen, Chroniken, 
Memoiren, Briefe etc. ohne Kritik verwerthet. Die Urkunde ist ja 
bekanntermassen ein unter bestimmten Formalitäten in bestimmter 
Form abgefasstes Schriftstück rechtlichen Inhalts. Die darin er- 
wähnten Thatsachen können also auch erlogen, erfunden oder ge- 
fälscht sein. Nur der echten Königsurkunde resp. der Papsturkundo 
kommt die Eigenschaft eines öffentlichen Instrumentes zu, weil sie 
aus einer öfibntlichen Kanzlei hervorgegangen ist; die andern Ur- 
kunden, auch die von Fürsten und Geistlichen, sind nicht viel 
anders als Privaturkunden, zumeist von Seiten des Empfängers aus- 
gestellt, und bedürfen der eingehendsten kritischen Prüfung. Der 
in der Urkunde niedergelegte rechtliche Act nun bildet den Schhiss 
einer Reihe von Handlungen, die Urkunde steht also in engstem 
Zusammenhang mit dem Vorhergegangenen, und ein Auseinander- 
reissen ist daher eigentlich unhistorisch zu nennen. In der alten 
Wormser Registratur waren die Urkunden in ihrem natürlichen 
Zusammenhang mit den betreffenden Acten gelassen worden, und 
nur die kaiserlichen und päpstlichen Privilegien und andere T'r- ' 
künden mehr selbständiger Art wurden gesondert aufbewahrt. Erst 
wann das ganze Archiv durcligearbeitet sein wird, lässt sich eine 
Zählung der Urkunden vornehmen; approximativ geschätzt sind es 
über 2000 Stück. 

Die schon früh ausgesonderten Urkunden, die eigentlichen 
Privilegien und Besitztitel, welche immer als der grösstc Schatz der 
Stadt betrachtet wurden, da von ihrer Existenz der Rech'szustand 
und Besitzstand der Stadt abhing, waren in sieben Rubriken gegliedert : 
I) kaiserliche und, königliche Urkunden, nebst den Transsumpten 
und Vidimirungen; 2) päpstliche; 3) bischöfliche; 4) den Klerus 
betreffende Urkunden; 5) kurpfälzische Angelegenheiten; ü) der 
Stadt Worms Schulden wesen ; 7) vermischte Angelegenheiten. 

Die Urkunden waren früher in Säcken verwahrt gewesen; 
1820/21 steckte sie Hofrath Issel in papierno Enveloppen; viele 
blieben ohne Umhüllung. Diese unübersichtliche Ordnung, welche 
überdies kaum ein Drittel der vorhandenen Urkunden umfasste, 
löste ich auf und reihte die Urkunden rein chronologisch ein. 

Die Urkunden werden nun in eigens dazu gefertigten Carton- 



Zur Geschichte des Archivs der Stadt Worms. 109 

Enveloppen verwahrt, welche namentlich die Siegel vor weiterer 
Zerstörung schützen. Je 20 bis 40 solcher Enveloppen füllen eine 
eigens construirte ürkundenlade. Diese Urkundenabtheilung, die 
wichtigste und werthvoUste des Archives, hat verhältnissmässig am 
wenigsten gelitten, obwohl, wie schon oben gesagt wurde, Hunderte 
von Urkunden gestohlen und verschleppt worden sind. Die meisten 
Urkunden waren im Ganzen gut erhalten, abgesehen von den Siegeln, 
welche alle mehr oder weniger gelitten haben. Eine Anzahl von 
Urkunden war durch Moder und Feuchtigkeit sowie durch Mäuse- 
frass halb zerstört, und sie mussten, so gut es ging, wieder hergestellt" 
werden. Es kann hier nicht der Ort sein, auch nur die wichtigsten 
aufzuzählen; die darüber abgefassten ßegesten geben hinlänglichen 
Aufschluss. Gerade in dieser Hinsicht war das Lange'sche ürkunden- 
Kepertorium durchaus ungenügend, weil es nur ein summarisches 
Verzeichniss der Urkunden gibt, das kaum die Hälfte der Urkunden 
umfasst. Denn erst später kamen ca. 100 Stück Urkunden aus dem 
unrechtmässigen Besitz wieder in das Archiv zurück. Wohl ist ein 
Drittel der Urkunden durch den Druck bekannt gemacht, indess die 
meisten Drucke bei Schannat, Moritz etc. sind ungenügend. Dazu 
kamen bei der Neuordnung eine Eeihe vorher unbekannter Doku- 
mente zum Vorschein, und schliesslich enthält ein Copialbuch mit 
Einträgen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert (das sogen. Eidbuch) 
ein sehr wichtiges, reichhaltiges Material. Air diese Urkunden sollen 
Dank dem echten Bürgersinnc, mit dem Herr C. W. Heyl alle das 
Wohl der Stadt berührenden Angelegenheiten unterstützt und fördert, 
in einer dem heutigen Stand der Wissenschaft und der Herrlichkeit 
des alten Worms entsprechenden Weise veröffentlicht werden, wo- 
durch für alle künftigen Studien auf dem Gebiet der Wormser 
Oescliichto eine sichere Grundlage geschaffen ist. 



II. Actenarchiv. 

A. Allgemeines. 

In dieser Kubrik sind die Chroniken und die zur Geschichte 
der Stadt gehörigen Acten untergebracht. Trotzdem Worms schon 
so überaus früh zur Selbständigkeit gelangt war, trotzdem der 
materielle Wohlstand schon im 13. Jahrhundert ein sehr grosser 
war, so hielt damit die geistige Productivität nicht Schritt, und 



110 Boos: 

namentlich in historiographischer Beziehung hat Worms nichts aufzu- 
weisen, was den Arbeiten zu Nürnberg, Strassburg, Augsburg etc. 
gleichkäme. Das ausserordentlich rasch pulsirende politische Leben 
der Stadt während drei Jahrhunderten Hess keine Sammlung für 
geistige Production aufkommen. Die meisten historischen Arbeiten 
in Bezug auf Worms sind Streitschriften , entweder im Interesse 
der Stadt oder in dem des Bischofs verfasst. Die von Böhmer heraus- 
gegebenen Fragmente der Wormser Annalen verrathen überall eine 
ausgesprochene Neigung für die Stadt. Noch nach dem Brande muss 
das Original dieser Annalen vorhanden gewesen sein, denn der 
Verfasser der Apologie (gedruckt 1695) citirt p. 177 ff. diese Annalen 
als Ghronicon Wormatiense MSG. und bemerkt, solches sei anno 1512 
in Camera imperiali producieret worden. ^) Durchaus amtlichen Cha- 
rakter tragen die Acta Wormatiensia ; sie erzählen die Geschichte 
der Stadt Worms von 1487 an mit Einfügung zahlreicher Urkunden, 
Briefe und Actenstücke ; insbesondere handelt es sich um den Kampf 
der Stadt mit dem Bischof. Ursprünglich mögen es gegen 20 Bände 
gewesen sein; erhalten sind nur die drei ersten vollständig und 
nach einer Lücke ein Bruckstück, das wir als 4. Band bezeichnen. 
Alle Bände sind von einer Hand geschrieben, in gross Folio, mit 
grosser Canzleischrift und vieler Sorgfalt. Der 1. Band enthält die 
Jahre 1487—1497 auf 228 Blättern; der 2. Band die Jahre 1497—1500 
auf 872 Blättern; der 3. Band 1500—1501 auf 378 Blättern, und das 
Fragment enthält blos die Monate September — October des Jahres 
1513 auf 404 Seiten. Ein Auszug dieser ausserordentlich werth- 
vollen Geschichtsquelle ist enthalten im „Extract Chronici Worma- 
tiensis seu diarii Reinhard Noltzens Bathsverwandten (er war Stadt- 
schreiber) der statt Worms de 1493 — 1509". Der Autor erzählt hier 
seine Reisen und Gesandtschaften, welche er im Interesse der Stadt 
gemacht hatte. Das im Archiv vorhandene Manuscript in Quart ist 
eine im Jahre 1714 auf Befehl des Raths nach einem Apographum, 
welches in der Bibliothek des Zach. Conrad von Uffenbach in Frank- 
furt lag, gemachte Abschrift auf 491 Seiten, voller Les- und Schreib- 
fehler. Nachforschungen nach diesem Apographum in Frankfurt und 
Giessen blieben resultatlos. Wie so viele andere Städte besass auch 
Worms ein sogenanntes rothes Buch, welches protokollarische Ein- 
träge, Urkundenabschriften und chronikalische Aufzeichnungen ver- 



*) Näheres darüber im zweiten Bericht: Clerus. 



Zur Gesdiichte des Archivs der Stadt Worms. Hl 

mischt durcheinander enthielt. Dieses rothe Buch hat Zorn vielfach 
benützt; wahrscheinlich ist es 1689 verbrannt, ein ganz unersetz- 
licher Verlust. Erhalten ist uns dagegen ein kostbares Copialbuch, 
welches noch Schannat vielfach unter dem Titel „Liber actorum 
civitatis Wormatiensis" benutzt hat, seitdem aber unbeachtet blieb. 
Dieses Buch trägt den Titel: „Eidbuch. Verzeichniss aller Eyde, 
Ordenüng und Hendel inn disem Buch nach dem abc." Vorn ist 
eine Lage Papier, auf dem ein alphabetisches Register von der Hand 
des angehenden 16. Jahrhunderts steht. Dann folgen 124 Blätter 
von Pergament in Folio mit Einträgen aus dem 14. bis 16. Jahr- 
hundert. Man ersieht aus den verschiedenen Pergamenten, dass 
diese Pergamentlagen später in diesen Band zusammengebunden 
worden sind. Das Buch enthält Abschriften einer Reihe bekannter 
und unbekannter Urkunden aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, ferner 
Eide und Rathsordnungen. Aelteres Material hat auch der Kirsch- 
gartner Mönch benutzt, dessen am Anfang des 16. Jahrhunderts 
geschriebene Chronik Zorn vorgelegen hat. Im Kloster Kirschgarten 
bei Worms scheint am Ausgang des 15. Jahrhunderts ein ziemlich 
regsames geistiges Leben geherrscht zu haben, wenigstens lässt der 
oft vorkommende Ausgabeposten für Pergament in einem Ausgabe- 
buch des 15. Jahrhunderts darauf schliessen, dass die Mönche eifrig 
dem Schreiben obgelegen haben. Das Kloster muss eine ziemlich 
bedeutende Bibliothek gehabt haben, welche im Jahre 1525 im 
Bauernkrieg bei dem Sturm der Wormser auf das Kloster theils 
verwüstet, theils verschleppt wurde. (In den erhaltenen Processacten 
des Klosters Kirschgarten gegen die Stadt wird die Bibliothek als 
das gi'össte Kleinod bezeichnet.) Möglicherweise ist bei der Gelegen- 
heit der Verwüstung des Klosters das Original der Kirschgartner 
Clironik in das städtische Archiv gekommen. Der Titel lautet: 
Chronica civitatis Wormatiensis per monachum quendam Kirsch- 
gartensem descripta; in Folio, 124 Seiten. Ein zweites Exemplar 
ist eine Abschrift des Dr. Joh. Jac. Lasser im Jahre 1643, in Quart, 
151 Blätter, und eine dritte Hss. eine im Jahr 1716 verfertigte Abschrift 
einer in Frankfurt befindlichen Copie der Lasser'schen Abschrift. 

Aehnlich wie in Basel und Schaifhausen erschien auch in Worms 
erst im 16. Jahrhundert ein die gesammte Stadtgeschichte umfassendes, 
deutsch geschriebenes Geschichtswerk. Doch kann sich die Zorn'sche 
Chronik mit der Wurstisen'schen Baseler Chronik kaum messen, 
denn während der Baseler Geschichtschreiber ein geistig wohldurch- 



112 Boos: 

arbeitetes, auf Grundlage gründlicher Quellenstudien beruhendes 
Werk bietet, so lässt sich die Arbeit Zorn's kaum anders als eine 
stoffreiche Compilation bezeichnen, deren Werth eben darin besteht, 
dass sie die ältere Ueberlieferung der Wormser Geschichte in sich 
aufgenommen hat. Und während der Baseler Chronist seine Chronik 
durch den Druck vervielfältigen liess, so scheint Zorn kaum an die 
Drucklegung gedacht zu haben, und erst im Jahre 1857 wurde 
seiner Arbeit die Ehre des Druckes zu Theil. So verdienstvoll nun 
die Ausgabe von W. Arnold ist, so genügt sie jetzt keineswegs, wie 
schon Mone bemerkt hat, ^) den berechtigten Ansprüchen unserer 
Tage. Abgesehen davon, dass Arnold nur einen Theil der Chronik 
abgedruckt hat, dass ihm in Bezug auf Ortsnamen mehrfache 
Missverständnisse unterlaufen sind, so genügen vor allen Dingen 
seine Bemerkungen über das Verhältniss der Handschriften zu ein- 
ander und namentlich über das Verhältniss der sogen. Flersheimer 
Chronik zu der Arbeit Zorn's in keiner Weise. Arnold hat bekanntlich 
die (Schlosser'sche) Frankfurter Handschrift, welche den erweiterten 
Text enthält, seiner Ausgabe zu Grunde gelegt, und alles das, was 
in der Original-Hss. Zorn (A) nicht steht, dem B. von Piersheim 
zugeschrieben. Allein so einfach ist die Sache nicht. Es ist das 
Verdienst A. Bccker's,^) Klarheit in die Sache gebracht zu haben. 
Wie gesagt, wurde die Zorn'sche Arbeit, da das Bedürfniss nach 
einem deutsch geschriebenen Geschichtswerk in weiteren Kreisen 
existirte, schon zu seinen Lebzeiten und dann später bis in's 
18. Jahrimndert immer wieder abgeschrieben, erweitert und ergänzt. 
Zorn schloss seine erste Arbeit im Jahr 1570 ab (A.). Er begnügte 
sich aber nicht mit dieser ersten Arbeit, sondern arbeitete und feilte 
an seinem Werke immer weiter. Arnold erklärt die (erweiterte) 
Hss. B. als das Original Flersheim's, ohne einen Beweis dafür bei- 
zubringen. Freilich steht vornen: Cronica Flersheimensis , allein 
dies ist von Hallungius geschrieben und hat desshalb keine Beweis- 
kraft. Der Text der Hss. B. ist offenbar von einem Schreiber ge- 
schrieben, jedoch die Kandbemerkungcn sind von Zorn selbst ge- 
schrieben, diese Hss. kann also nicht die Flersheimer Chronik sein. 
Nach dem Tode Zorn's (1610) hat sein Gevattersmann, der Pfarrer 
M. Andreas Wilk, dessen Erbe übernommen. Er schrieb die Zorn'sche 



M Zeitschrift fflr die Geschichte dea Oberrlieins. TX, p. 2S3 ff. 
*} Beitrüge zur Geschichte von Wormp, p. 41. 03 f. 



Zur Geschichte dea Archivs der Stadt Worms. 113 

Chronik mit allen Erweiterungen und Zusätzen, wie sie Zorn seit 
1570 gearbeitet hatte, schön und sauber ab (1613) und setzte die 
Zorn'sche Arbeit bis 1612 fort. Diese von Wilk geschriebene voll- 
ständige Zorn'sche Chronik (Fol. 607 ff.) ist aus dem Nachlass des 
1851 zu Worms verstorbenen Friedensrichters J. D. Kremer im Jahre 
1875 in das städtische Archiv gekommen. Diese Hss. wird einer 
künftigen Neuausgabe der Wormser Chronik zur Grundlage dienen 
müssen. Jedenfalls muss die Existenz einer Chronik Bechtolds von 
Flörsheim auf sich beruhen bleiben, wie die des Michael Gassen 
(s. Schannat). Wie gesagt, so wurde die Zorn'sche Chronik im 
17. und 18. Jahrhundert immer wieder abgeschrieben und fort- 
geführt. Ein sehr interessantes Exemplar ist die von J. Fr. Meixner 
1763 geschriebene sogen. Gymnasialchronik, welche gleichfalls aus 
dem Nachlasse Kremer's stammt; gross Folio, 433 Blätter; sie ent- 
hält ausser dem Zorn'schen Text die Geschichte der Stadt Worms 
bis 1699 und ausserdem zahlreiche werth volle Mittheilungen aller 
Art. Ein Vorfahr des genannten Kremer's, Jac. Hart. Bjämer, hat im 
vorigen Jahrhundert ein ziemlich verworrenes Manuscript geschrieben, 
betitelt: Compilationes rerum Wormatiensium libri quatuor oder das 
Alterthum der Stadt Worms freyheit. Folio, 1 09 Blätter. Wichtiger 
ist die wahrscheinlich um 1639 geschriebene „Bürgermeister Schippeis 
Nachrichten-Sammlung der Statt Worms, in specie von Anstalt des 
Xm Käthes", in Folio, 352 Blätter. Die Handschrift enthält das Ver- 
zeichniss der XTTI HeiTen, Ordnungen etc., Preisverzeichnisse etc. 
aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Ein Band enthält interessante 
Acten zur Sickingen 'sehen Fehde, u. A. auch die auf Befehl des 
Käthes 1515 herausgegebene Druckschrift: Der Statt Wormbs | war- 
hafftig bericht der arglistigenn | bosshafftigen geschwinden Em- 
borungen und Auffleu|fre, auch der unrechtlichen vehden, so 
Frantz, der | sich nennet von Sickingen, und wes sich | darunder 
begeben hat. gr. 40. 35 Blätter. Das Titelblatt zeigt das Wormser 
Wappen (den Schlüssel ohne Stern) mit dem Reichsadler darüber. 
Nicht Dunder wichtig sind die Acten zu den Unruhen in Worms 
1513—1514. Werthv olles Material ist ferner in den zwei Bänden 
„Collectanea'* enthalten; es finden sich darin: Urkundenabschriften, 
Mittheilungen zur Geschichte der Wormser Bischöfe und Klöster, 
zur Geschichte der Juden, ein Summarisches Verzeichnus was die 
beträngte statt Worms 1625 — 1650 zur Unterhaltung allerhand 
Eriegsvölker beitragen und zahlen müssen (Nr. 29). Wahrhafftige 

ArohiTftliiche Zeitachria IX. 8 



114 Boos: 

aber traurige Erzehlung, wie die uhralte in dem obern Teutschland 
am Rhein gelegene weitberühmte gewesene keys. Keichs-Frey-Statt 
Worms den 27 Sept./ 2 Okt 1688 von den Prantzosen einge- 
nommen, den 21/31 May 1689 geplündert, beraubt, verhöret, 
gäntzlichen zerstört und in einen entsetzlichen Stein- und Aschen- 
haufen gemachet worden. Folio, 48 Blätter; Nr. 32 der Collectanea 
(von Oncken nach einer Copie abgedruckt in der Zeitschrift für die 
Geschichte des Obenheins XXIII. 1871). Erwähnt sei noch Nr. 12 
der Collectanea: Lobgedicht übef die nette und künstliche arbeit 
in sinnreicher Vorstellung und entwurf der herrlichkeit und ver- 
stöhrung der uralten kais. freyen Reichsstadt Worms, von Jac. Kust 
k. gekrönter Poet, genannt der Rüstende. Wir übergehen die 
andern Nummern dieser Rubrik und erwähnen nur noch des wohl 
sehr seltenen ersten prachtvollen Druckes der Wormser Reformation 
von 1499: 

Der statt Wormbs Reformation. Reformacion der stat Wormbs 
R^cht. ge| setze, ordenung. und statuta zu lobe dem almechjtigen 
got. zu behalten Mden und einigkeit. zu | furdernus rechts und 
merung gemeines nutzs | getruwer meynung durch einen erbaren | 
Rat egemelter Stat Wormbs furgenommen | auch zu notdarfiPt dem 
gemeinen volck vor zwey | trecht Irthum kriegen kosten und scheden 
zu I verhüten ingesetzt erofienet und ussgangen in dem Jare nach 
Cristi unsers lieben herrn ge|purt tusend vierhundert nuntzig und 
acht I nachmals zu trucken angebben und vollendet in dem Nun 
und nuntzigisten uff montage nach dem sontag trinitatis. — Ein 
schöner Druck in Folio; 10 Blätter Register. Blatt 11 Titelblatt, 
auf der Rückseite ein Holzschnitt mit dem Wappen der Stadt. 
Blatt 12 enthält die Einleitung. Folio 1—163 enthalten den Text. 
Die Initialien sind von Hand roth gemalt. Mehr verbreitet mag 
der zweite Druck von 1507 sein. Diese Reformation enthält nun 
das gesammte Privat- und Strafrecht der Stadt Worms, welches, 
abgesehen von einigen unbedeutenden Aenderungen, bis zur Ein- 
führung des Code Napol6on in Kraft blieb. Insbesondere bietet der 
strafrechtliche Theil ein grosses Interesse, da er bekanntlich eine 
Quelle der Lex Bambergensis , der Vorläuferin der Carolina, ist. 
Schliesslich seien noch die Federzeichnungen des P. Hamman vom 
Jahre 1689 erwähnt, welche, ihrem grossen Werthe entsprechend, 
in einen neuen schönen Band gebunden wurden. Sie bilden eine 
Hauptzierde des Archivs. 



Zur Geschichte des Archivs der Ötadt Worms. 115 

B. Aeussere Angelegenheiten. 

Wohl war die Stadt Worms aus dem Kampfe um die Freiheit 
der Stadt als Siegerin hervorgegangen, allein dieser Sieg war theuer 
erkauft worden, denn er hatte die allmälige Erschöpfung der Kräfte 
der Stadt zur Folge. Die grosse Revolution des 16. Jahrhunderts 
vollendete das üebergewicht der Fürsten über die ßeichsgewalt, 
welche fortan nur noch ein Schatten war. Die Einheit des Reiches 
fand sich nun einerseits in der Person des Kaisers verkörpert, 
andererseits in den Reichsstädten, und in diesen allein wurde fortan 
das Bewusstsein der Reichsangehörigkeit, der Reichseinheit lebendig 
erhalten. Sie bildeten auch fast die einzige Finanzquelle des Kaisers. 
Der wackere Joh. Friedrieb Moritz zeichnet trefflich die Stellung 
der Reichsstädte, wenn er (im Jahr 1756) sagt: „Reichs-Stätte sind 
ein unschätzbares Kleinod unseres Teutschen Vaterlandes, und ein 
vorzügliches üeberbleibsel von denen mächtigen Stützen derer aller- 
höchsten Reichs-Oberhäupter in dem 11., 12. und 13. Jahr-Hundert 
gegen alle ihre Widersacher. Ja bis auf den heutigen Tag wird 
wohl von keinem Reichs-Stand die allertiefeste Devotion gegen Ihre 
Kayserl. Majest. und das Reich mehr zu Tage geleget und nach 
Maassgab derer KräfPte werckthätiger bezeuget, als von eben den- 
selben." Die scheinbare Selbständigkeit legte der Stadt Worms 
ungeheuere Opfer auf. Denn sowohl der Bischof als der Pfalzgraf 
vom Rhein waren stets auf dem Sprunge, die politisch vereinsamte 
Stadt zu vergewaltigen. Nur bei dem Kaiser und Reich fand die 
Stadt einen, wenn auch schwachen Schutz. Sie unterhielt desshalb 
einen lebhaften Verkehr mit dem Kaiser, denn dieser war für sie 
der höchste Richter, die letzte Instanz in allen Rechtsfragen und 
Schwierigkeiten. Zur Erleichterung dieses Verkehrs besoldete die 
Stadt in Wien mehrere Agenten, welche die Stadt beim Kaiser zu 
vertreten und sie über den Lauf der Geschäfte zu unterrichten 
hatten. Die Kosten dieser Gesandtschaften waren beträchtlich genug 
und erhöhten sich noch wesentlich durch den Umstand, dass am 
Hofe des Kaisers, bei dessen Kanzlei nichts zu erreichen war 
ohne Bestechung. Der Rath unterliess sowohl bei fröhlichen als 
traurigen Ereignissen, welche das kaiserliche Haus betrafen, nie, 
seine tiefste Ergebenheit zu bezeugen. Der Regierungsantritt eines 
Kaisers wie sein Weggang wurden in der Stadt feierlich mit 

Olockengeläute und Earchgang gefeiert. Der Einritt eines Kaisers 

8» 



116 Boos: 

in die Stadt verursachte grosse Aufregung und bedeutende Kosten. 
Noch grössere Sorgen machten der Stadt jeweilen die Huldigungs- 
Angelegenheiten (2 Bände), da sie mit enormen Kosten verbunden 
waren; die Stadt suchte daher im 18. Jahrhundert Dispense von 
der Lokalhuldigung zu erwirken, was nicht ohne grosse Geldopfer 
gelang. Die Gefährlichkeit der Situation der Stadt steigerte sich 
namentlich dann, wann ihr Hauptbedränger, der Kurfürst der Pfalz, 
Reichs Verweser wurde (im 16. Jahrb.). Am ständig tagenden Reichs- 
tag zu Regensburg hielt die Stadt einen festangestellten Consulenten, 
welcher die Stimme für Worms abzugeben,, sie über den Gang der 
Verhandlungen und Geschäfte zu unterrichten hatte. Diese Stelle 
eines Consulenten hatte im 18. Jahrhundert die Juristenfamilie 
Häberlin inne. Der Consulent schickte regelmässig, ' oft in der 
Woche dreimal, Bericht über den Gang der Verhandlungen ein 
und fügte die betreffenden Druckschriften und Actenabschriften bei. 
Auch das gemüthliche Element fehlt nicht; an den Familien- 
ereignissen seines Consulenten nimmt der Rath wohlwollenden 
Antheil. Diese Correspondenzen füllten des Jahres viele Fuhren; 
kein Wunder, dass der Rath sich öfters beim Consulenten über 
die grossen Kosten beklagte und ihn anwies, nur die wichtigsten, 
die Stadt unmittelbar berührenden Acten einzusenden. Allein dieser 
mochte die Auswahl des Wichtigen dem Rathe selbst überlassen 
und motivirte seinen Ungehorsam damit, dass ja viel kleinere Städte, 
wie z. B. Esslingen, die Acten vollständig gesendet erhielten. Sehr 
oft gingen solche Sendungen unterwegs verloren. Wie wenig der 
Rath sich für das in Regensburg Verhandelte interessirte, geht 
daraus hervor, dass alle Druckschriften unaufgeschnitten waren, ja 
öfters nahm sich der Rath nicht einmal die Mühe, die Briefe zu 
eröffnen, denn häufig fanden sich die noch geschlossenen Briefe vor. 
Zuweilen hat der Stadtschreiber die einlaufenden Berichte und die 
dazu gehörigen Beilagen sorgfaltig geordnet und numerirt, meistens 
wurden sie aber achtlos in einen Winkel geworfen. Diese Reichtags- 
acten sind theils chronologisch geordnet und füllen jezt 175 Bände, 
die Jahre 1689 — 1797 umfassend, theils wurden die Acten nach 
dem Inhalt gegliedert (circa 50 Bände). Sie enthalten trotz der 
Lücken neben vielem ganz Werthlosen manch interessantes Material 
zur Reichsgeschichte, namentlich wichtig ist der Zeitabschnitt von 
1789 an, der Revolution und ihrer Folgen für das Reich. Sehr 
reichhaltig sind die Acten über die Reichssteuern (ein trauriges 



Zur Gteschichie des Archivs der Stadt Worms. 117 

Kapitel) und die Weigerung der Stadt Worms, sie zu bezahlen, 
im Hinweis auf die finanzielle Nothlage der Stadt. EHäglich be- 
rühren die Acten über die Unterhaltung der beiden ßeichsfestungen 
Kehl und Philippsburg sowie über das Reichskammergericht. Um- 
fangreich sind die Acten über die Reichspost etc. 

In Bezug auf die Kreiseintheilung des Reichs gehörte Worms 
zum oberrheinischen Kreise. Die Kreistage fanden im 16. Jahr- 
hundert in Worms statt, später in Frankfurt a. M., woselbst sich 
Worms, ähnlich wie in Regensburg, durch einen Consulenten ver- 
treten liess. Die Kreistage hatten sich mit der Aufbringung der 
Reichssteuern, den Römermonaten, Kammerzielern und Türken- 
steuern zu befassen; ihrer Competenz unterlag die Regelung des 
Münzwesens, die Aushebung der Reichscontingente , die Besetzung 
der Kreisgeneralität und Officiersstellen sowie allgemein polizeiliche 
Verordnungen. Von den älteren Acten sind nur Bruchstücke erhalten 
aus den Jahren 1535 — 1643 in drei Bänden; auch die Acten von 
1696 — 1794 (69 Bände) zeigen mannigfache Lücken, doch sind über 
grössere Zeiträume die Protokolle vollständig erhalten. Zu Wetzlar 
unterhielt Worms stets 2 — 3 Advokaten oder Procuratoren, welche 
die zahlreichen, nie endenden Processe der Stadt beim Reichs- 
kammergericht zu führen und über den Gang der Geschäfte zu 
berichten hatten. 

Von grösster Wichtigkeit für die Stadt waren die Beziehungen 
zur Kurpfalz, und gerade in dieser Abtheilung sind die Acten fast 
am vollständigsten erhalten (sie reichen bis in's 14. Jahrhundert). 
Ein Band enthält sehr interessante Actenstücke, Briefe etc. aus 
dem 15. und 16. Jahrhundert zur Geschichte der Kurpfalzf Die 
Beziehungen zur Kurpfalz entsprangen schon aus der nachbarlichen 
Berührung, woraus ein vielseitiger Geschäftsverkehr zwischen den 
kurpfalzischen Aemtern (Alzey, Neustadt, Oppenheim) sowie der 
kurpfalzischen Regierung in Heidelberg und Mannheim und der 
Stadt Worms entstand, der sich namentlich auf gerichtliche Re- 
quisitionen, Territorialstreitigkeiten, Leibeigenschaftsverhältnisse etc. 
bezog. Namentlich die Zoll- und Geleitsgerechtsame waren eine 
Quelle immer wiederkehrender Streitigkeiten und Irrungen. Die 
Fischerei- und Schifffahrtsverhältnisse auf dem Rhein gaben zu 
vielen Verhandlungen Anlass, und die engherzige Verkehrspolitik 
des vorigen Jahrhunderts, die Anordnung von Pruchtsperren etc., 
gefährdete zuweilen sehr die nachbarliche Freundschaft. Waren 



118 BoOß: 

doch die Beziehungen Worms zum Kurfüsten schon ohnehin miss- 
licher Art. Im Jahre 1483 musste die Stadt gegen ihren Willen 
ein Schirm- und Schutzverhältniss mit dem Kurfürsten Philipp 
eingehen und sich zur jährlichen Zahlung von 300 Gulden ver- 
pflichten. Diese Schirmvereinigung wurde zwar wiederholt erneuert, 
so namentlich 1611, aber sie war für Worms eine Quelle un- 
ablässlicher Irrungen und Zwistigkeiten , und anstatt des Schutzes 
erwuchs der Stadt aus dieser ihr aufgenöthigten Verbindung nichts 
als Unheil und Unglück. 

In enger nachbarlicher Beziehung stand Worms sodann zu 
dem Landgrafen von Hessen, doch ist nur wenig von den Acten 
darüber erhalten. Dagegen reichen die Acten über die Beziehungen 
zu den Kämmerern von Worms, genannt von Dalberg, bis in's 15. Jahr- 
hundert. Es handelt sich zumeist um Streitigkeiten über grund- 
herrliche Rechte, über die Ansprüche der Dalberger auf die Consum- 
steuerfreiheit, auf Exemptionen aller Art etc. Selbstverständlich 
fehlte es nicht an Beziehungen zu anderen Nachbaren, doch sind 
nur Bruchstücke der betreffenden Acten erhalten. Eine ganz inter- 
essante Sammlung sind die 10 Bände Werbungsacten aus dem 
vorigen Jahrhundert. Die Oesterreicher, Preussen, Engländer, Dänen, 
Schweden, Bayern, Pfälzer, Württemberg, Zweibrücken, Baden- 
Durlach, Hessen-Cassel, Hanau, Anhalt-Zerbst, Waldeck, Franzosen, 
Holländer und Venetianer hatten in Worms ihre Werbbureaux und 
es entsprangen daraus theils zwischen den verschiedenen Werb- 
officieren, theils zwischen der Stadt und den Werbern eine Beihe 
von Conflicten. Es sind in diesen Acten interessante Belege zur 
Seelenverkäuferei des vorigen Jahrhunderts enthalten. 

Den interessantesten Theil dieser Abtheilung bilden die unter 
der Rubrik „Kriegsereignisse" vereinigten Acten in circa 60 Bänden. 
Diese Bände illustriren die Leidensgeschichte der Stadt mit den 
grellsten Farben. Die ungeheueren Bedrückungen Worms durch 
die Franzosen seit 1650 offenbaren sich hier in zahllosen Briefen, 
•Contributionsscheinen und Quittungen etc. Namentlich reichlich 
fliessen die Quellen über die grosse Katastrophe von 1689 und ihre 
Folgen. Wir ersehen aus diesen vergilbten, auf schlechtem Lösch- 
papier geschriebenen Schriftstücken, unter welchen enormen An- 
strengungen und Bedrängnissen die Wormser ihre zerstörte Stadt 
wieder auferbauten. Wir lernen daraus mit Bewunderung den 
Muth und die Standhaftigkeit jener Männer kennen, welche an 



Zur Geschichte des Archivs der Stadt Wonns. 119 

der Wiederaufrichtung ihrer misshandelten Vaterstadt nicht ver- 
zweifelten, welche unverdrossen für ihre Fi'eiheit kämpften und 
auch in der gefahrdrohendsten Zeit, als die Stadt in Trümmern 
Jag, die Einwohner zerstreut waren und der Rath im Exil weilte, 
nicht ein Jota ihrer hergebrachten Rechte preisgaben. Wir ersehen 
aus diesen Acten, wie mit Hilfe des gesammten evangelischen 
Europa's die Stadt wieder aufgebaut wurde. Wir können mit Hilfe 
der erhaltenen Contributionsrechnungen nachrechnen, welch unge- 
heuere Summen Worms seit 1688 — 1763 aufzubringen- hatte. Denn 
kein Krieg wurde im 17. und 18. Jahrhundert geführt, bei dem 
Worms nicht bluten musste, und zwar wurde die Stadt im spanischen 
Erbfolgekrieg, wie im polnischen und österreichischen und nicht 
minder im siebenjährigen Kriege sowohl von den französischen 
Armeen ausgeplündert und bis aufs Blut ausgepresst, wie von den 
befreundeten kaiserlichen, kurpfälzischen etc. Man ersieht aus diesen 
Zeugnissen der schmachvollsten, traurigsten Zeit Deutschlands, wie 
viel die Menschen an Leid und Elend ertragen können. 

(Fortsetzung folgt.) 



VII. Das rothe Buch im städtischen Archive zu Straubing. 

Von 

Eduard Wimmer, 

k. Hauptmann und Compagniechef in Straubing. 



Obwohl dieses interessante Manuscript nicht erst entdeckt, 
sondern historisch, rechtshistorisch und sprachlich schon mehrfach 
gewürdigt wurde und auch in der Archival. Zeitschrift I, 242 kurze 
Erwähnung fand, dürfte es doch nicht überflüssig sein, Entstehung 
und Inhalt desselben hier kurz zu vermerken, i) 

I. Entstehung. 

Wohl keine Stadt Altbayerns wird bei der Entwickelung ihrer 
freien Verfassung im Mittelalter auf solche Schwierigkeiten gestossen 
und durch die vielfachen Landestheilungen so sehr berührt worden 
sein, als Straubing. 

Entsprangen schon dem Umstände, dass es i. J. 1218 auf 
Domcapitelisch Augsburg'schem Grunde angelegt wurde, und das 
Domcapitel zur Handhabung der ihm von den Herzogen zuge- 
standenen Rechte seinen Capitel-Vogt (Unterpropst) darin aufgestellt 
hattOf stete Reibungen der landesfürstlichen, städtischen und grund- 
herrlichen Organe, so war dieser Zustand erst vollends unerquicklich 



*) Ein vollständiger genauer Abdruck mit sachlichen und sprachlichen 
Anmerkungen findet sich in den von mir seit 1. Nov. 1881 wöchentlich einmal 
herausgegebenen „Sammelblättem zur Geschichte der Stadt Straubing**, S. 209 
bis 852. Vom rechtshistorischen Standpunkte behandelt und in vielfachen Ver- 
gleich zu den Landshuter Verhältnissen gestellt wurde das rothe Buch in 
Dr. Eduard Rosenthal's Beiträgen zur deutschen Stadtrechtsgeschichte I. u. ü. Heft, 
Würzbuig 1883; die bemerkenswerthen Stellen sind daselbst im Anhange auf 
34 Seiten abgedruckt. 



Wimmer: Das rotbe Bach im städt. Archive za Straubing. 121 

dadurch, dass das Bürgerrecht als Bürgerlehen aufgefasst, seine 
Verleihung dem domcapitelischen ünterpropste eingeräumt, und dieser 
als Cammerer an die Spitze der städtischen Verwaltung gestellt war. 

Die Entstehung eines Stadtrathes zu Straubing fällt in das 
Ende des XIII. Jahrhunderts; 1307 wird urkundlich von „6e- 
schwornen" der Stadt gesprochen; mit dem Namen „Rath der Stadt" 
erscheint dieser Ausschuss 1330. Ein Aufruhr 1335 gegen den 
herzoglichen Friedensrichter hatte das Abliefern des städtischen 
Siegels, das Niederstellen der Sturmglocke und empfindliche Be- 
schränkung freien Vorhabens — jedoch nur auf kurze Zeit — zur 
Folge. Die Entstehung des äusseren Rathes als Vertreters der Ge- 
meinde tritt im Anfange des XV. Jahrhunderts hervor. 

Die Befugnisse der Domcapitelischen Pröpste zu Straubing 
waren in einer lateinischen Urkunde *) von 1283 zusammengestellt, 
deren Wortlaut nach und nach der Bürgerschaft, wie es scheint, 
widerrechtlich geheimnissvoll vorenthalten wurde. Als Anfangs des 
XV. Jahrhunderts ein Straubinger Bürger dieses Manuscript von 
seinem Vater, einem Domcapitelischen Unterpropste, ererbt und 
dem Rathe ausgeliefert hatte aus Zorn über vergebliche Bewerbung 
imi die DomcapiteUsche sogen. Symoncastner-Stelle, kam es zu lang- 
jährigem, erst 1426 durch Vergleich beendigten Streite. 

Anlässlich dieses Streites aber gelangte das Eammeramt endlich 
in die Hände des Bathes, der es durch Einen aus seiner Mitte 



^) Ob das Original derselben oder eine Hauptausfertigung noch existirt, 
ist fraglich; wenn ja — wäre diess etwa unter den im k. Reichsarchive zu 
München befindlichen domcapitelisch Augsburg'schen Beständen zu vennuthen. 
Dr. Rosenthal fand seinen Wortlaut wenigstens im Reichsarchive und zwar im 
Neuburger Copialbuche Bd. I f. 149 ff. 

Anm. d. Herausgebers. Im Reichsarchive giebt es nur eine deutsche 
Uebersetzung vom J. 1415 in einem Saalbuche des Augsburger Domcapitels, 
das noch mehrere Straubinger Urkunden enthält. Die Ueberschrift lautet: 
Nach Christi gepurd zwelfhundrt Jar und dreyund achtzig iar der ersam Berch- 
told von Wytolshofen dy selb zeit probst zu Straubing hies abmerken und ze 
latein schreiben dyse recht und gesetz der egenanten stat. Darnach da man 
zalt nadi Christi geburt vierzehenhundert jar und fumzehen jar wurden dieselben 
recht vemewt und aus latein zu deutsch gemacht nichz darin verkert noch 
verwandelt. In abgeänderter und erweiterter Gestalt — bald bloss lateinisch, 
bald mit deutschen Zwischensätzen, bald ganz deutsch — findet sich der Inhalt 
der Urkunde wie im Neuburger Copialbuch, so in noch mehreren Codices auf- 
gezeichnet, jedoch wird hier nirgends das £nt8tehung8jahr oder des Frohstes 
Name augeführt 



1 22 Wimmer : 

versehen Hess. Erst 1509 nahmen die Stadtkämmerer die Bezeich- 
nung „Burgermaister'' an. 

Dem immer mehr fühlbaren Bedürfnisse einer einheitlichen 
Kechtsaufzeichnung wurde endlich c. 1472 Rechnung getragen durch 
Anlage des — seinem Einbände nach sogenannten — rothen 
Buches, in welchem das geltende Becht, wie es durch Privilegien 
der Herzoge und das Herkommen ausgebildet worden, wahrscheinlich 
auf Befehl des Stadtrathes — vielleicht auch auf eine Directive des 
ordnungliebenden Herzogs Albert IV. — vom Stadtschreiber (auf 
161 Pergamentfolien v. 30 1/2 cm Höhe u. 21 cm Breite) mit Sorg- 
falt niedergeschrieben ward, nachdem vorher sein Entwurf in einem 
Concepte auf Papier stattgefunden. 

Das an einigen Stellen interessante Abweichungen von dem 
in der Reinschrift fixirten Texte zeigende Concept fand sich erst 
i. J. 1882 wieder in der immer noch manchen Urkundenschatz 
bergenden städtischen Registratur. 

Da es genau kennzeichnet, was bei Anlage der Reinschrift 
gegolten hat, indem es nur dieses, die letztere aber noch viele 
Nachträge aus nächstfolgender und späterer Zeit enthält, so sind 
wir in der Lage, den Inhalt hier in chronologischer Ordnung zu 
verzeichnen, welche bei Benützung dieses Manuscriptes gewiss der 
Betrachtung werth ist. 

II. Inhalt. 

A. Bei Anlage des rothen Buches c. 1472. 

Dem wahrscheinlich immer titellos gewesenen Buche war ein 
noch vorhandenes, aber nur sehr allgemein gehaltenes Inhaltsver- 
zeichniss vorangestellt; sodann folgte der Text, abgetheilt in — 
jedoch unbezifferte — Capitel, welche der besseren Uebersicht halber 
hier gewissermassen in Gruppen aneinander gereiht sind: 

1. „Wenn vnd wie man den Rat setzn sol vnd wie des Rats 
ayd ist; der weler ayd; des ynnern Rates ayde; von des 
statschreiber vnd statdiener wegen; des statschreibers ayd; 
der statknecht ayd" foh 1 — 6. 

2. „Wenn man ein burger aufnimbt was man im fürhalten 
sol; vmb purckrecht; vmb purckrecht von armen leutten; 
wenn sich ain burger aus der stat setzt vnd sich wider 
herein setzen will; von den jungen burgern; der wein 
schencken wil pier oder ander tranck" • . . fol. 7 — 8. 



Das rothe Buch im stttdüschen Archive zu Straubing. 123 

3. „Maisterrecht der pecken; der wolbürchn; der leinweber; 
der bafFher; der körsner; der vischer; ^enn ain Stainmetz 
oder maurer hie maister werden wil ; von den Zymerleiiten ; 
von den schneidern; von den schuestern; von den schlossern, 
dj maister wellen werden." fol. 9 — 14. 

4. ,,Wie man alle Hantwerch setzet, pecken, fleischhacker, 
Wolbürchen, ledrer, schuester, Schneider, was ein tändler 
machen soll; von den kürsnern, leinwebern, küeffern, 
schreinern, schmiden, wagnern, leczeltern, schlossern, spo- 
rern, goldschmiden, mülczern vnd prewmaistern, padern, 
vischern, stainmetzen vnd maurern, zimmerleuten, saylern, 
huettern, hafnern" — jedesmal mit Beifügung des Eides. 

fol. 15—44. 

5. „von dem schuelmaister wie man ain aufif nymbt^); von 
kirchpröbsten ; von den messnern, der messner ayd'' fol. 48 — 49. 

6. „Wen man ain maurer oder zymerman zu statmaister auf- 
nymbt; der werchleut ayd" fol 50. 

7. „Wie man ain ambtman in dy schergnstuben aufnymbt; 
des ambtmans ayde." fol. 50. 

8. „Von dem oberrichter; des oberrichter ayd." fol. 52 — 53. 

9. „Copi der Freiheit", d. i. Abschriften: der Ottonischen 
Handveste vom 15. Juni 1311, des 2. Freiheitsbriefes vom 
28. Jan. 1322, des Gnadenbriefes v. 1338 nach der Juden- 
verbrennung und des Gnadenbriefes v. 1399, ertheüt vom 
Herzoge Johann UI. von Straubing- Holland foL 54 — 63. 

10. „von dem vnderrichter, des vnderrichter ayd; vmb ge- 
richtzschreiber, gerichtzschreiber ayd; was von ainem ge- 
richtzbrief vnd vrtailbrief gehört zu geben ; von den gedingen, 
von statrechten; was von den gedingen gehört zu geben; 
umb burger wandl fol. 63 — 65. 

11. „von den richterknechten, der Richterknecht ayd; was über 
ainen menschen get den man zu dem tod richtet; wann 
man ainen menschen den man zum tod richten, fiirfürn 
will, wie man das damit hallten soll." . . . fol. 65—67. 

12. „Der Juden ayd; wie es mit den Statrechten hie mit Ver- 
zügen und aufheben gehallten wirdet;i) von den vor- 
sprechen, der vorsprechen ayd." foL 68 — 70. 



') Hier der Vergleich mit dem Conceptmanuscripte intereBsant. 



124 Wimmert 

13. „des pflaster Schergen aide; Yon der Stat Tflassterzol; von 
dem PruckzoU; vom Zollner; des Zoll knechts aydeaufdem 
pflasster; von dem zollner auf der prucken; des zollners 
ayd auf der prucken ; i) warumb das gotzhaus windberg vnd 
Sassaw vnd die von Hornnstorf über die prucken zolfrey 
sind." fol. 71-74. 

14. „von dem weinzieher; von den Eornmessern, der Korn- 
raesser ayd; von den Saltzmessern, der Saltzmesser ayd, 
von dem Obsmass." fol. 75—78. 

15. „von des Fronboten Amtz wegen, des Fronboten ayd; ^) 
von gellt einlegen; von der Gantt wegen" . fol. 79 — 83. 

16. „von dem vaylkeuflfel vnd dem vnderkeufiel ; des vnder- 
keuflfels ayd;^) von dem vnderkaufif, der vnderkäufFel vnd 
beschauer recht auf viech; der sawbeschauer vnd vnder- 
käufifel ayd" fol. 84—86. 

17. „der beschawer ayd auf häring, Stock visch vnd pawmöl; 
von der wag vnd wegmaister; von der stat diener der ge- 
mainer stat arbait vnd geschirrs soll wartten." fol. 89 — 90. 

18. „Empfachtung des getraides von der mul" — Mehl- und 
Brotgattungen im Jahre 1411, 1433 und 1434 fol. 90—93. 

19. „von den woUwürchen, Tuchmachern; was dy goUdsmit für 

maistersttick machen suUen." fol. 94 — 95. 

20. „Ordnung der hebammen." fol. 96. 

21. „von eichlon vnd weincziechn; von honig ze amen, der 
Amer aide; von most, Elsässer, Francken, wallisch vnd 
andrn Wein, von tuch, von gellt, von Häring, von Oell, 
Sam, Specerey, WoU" fol. 97—99. 

22. „Von der raaurer zimerläut vnd tagwercher taglon wegen; wo 
die arbeitter sten suUen, für das wänndl ; Gesetzt der Decker 
taglon, die Wänndl ; Wagenman oder furmann" fol. 100 — 103. 

23. „vom purtting, von weinschencken, von gewannt versney- 
dern; vor der stat sol kain gastgeb sein; von maltz; von 
mel; was ein ileischman in seiner Fanck auswegen sol; 
welcher zu Sand Michels tag mit ainem gewerb begriffen 
wirdet ; von Obs vayl haben ; von habern Ausmessen ; von 
mass eilen vnd gewicht; vmb feurstett; wer das Pflaster 
pricht; vor der stat ze pawen" fol. 104 — 111. 



'] Hier der Vergleich mit dem Conceptmannscripte interessant. 



Das rothe Buch im städtischen Archive zu Straubing. 125 

24. „vmb güllt* im purtting; so ainer schuld zu dem andern 
mit Recht erlangt; vmb abnemen; von dem pfenntter; vmb 
uerpieten vmb SchuUd ; von Herbergen ; vmb anheilig schuld 
ausrichtung oder pfannt ze schaffen ; vmb Häwser vnd gült 
im Purtting zu verkauffen; vmb gemainschafft" fol. 112--117. 

25. „zu was zeittn die gest hie zu marckt sullen sten ; zu was 
zeitten die burger hie zu marckt sullen sten; zu was 
zeitten dy gewanntsneyder vnd kramer nicht zu laden 
sullen sten'; von den Krautschorbern" . . fol. 117 — 118. 

26. „von purckrechten ; von Ehallten" . . • . fol. 118 — 119. 

27. „des pflasterzoUs halben; was man zu pruck zol nemen 
sol; Zoll an dem Jarmarkt an Nativitatis Marie; Zol an 
prugkmarkt" fol. 119—130. 

28. „Darnach vindt man in latein vnd teutsch von der gült 
wegen die man nach der statrecht kauft vnd verkauft nach 
einander geschrieben." Es sind diess weitläufige lateinische 
Gutachten damals renommirter Juristen über die Frage der 
Zulässigkeit des Rentenkaufes beim Vorbehalt der Wieder- 
ablösung für den Rentenverkäufer, gegeben von: 1. Wil- 
helmus de Werdena (Wilh. Kyrmann aus Donauwörth, bei 
Gründung der Universität Ingolstadt schon am 17. März 
1472 Vicerector, vgl. Prantl, Gesch. dieser Univ.) Canonum 
doctor Ordinarius Ingolstadiensis ; 2. von Antonius de 
Cafarellis, advocatus major in curia Romana; 3. von Joa- 
chimus de Nervia, advocatus consistorialis Romani, utriusque 
juris doctor fol. 132 — 154. 

Das Gutachten des W. de Werdena ist das ausführlichste und 
wohl auch gründlichste; die deutschen Uebersetzungen wird wahr- 
scheinlich der Stadtschreiber gefertigt haben. 

B. Nachträge aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. 

a) Solche, welche in den bisherigen Text — oft ohne Berück- 
sichtigung des behandelten Stoßes — eingeschrieben wurden, wo 
sich eben Platz fand : 



^) Da die BathsprotokoUe des 15. u. 16. Jahrhunderts 1780 verbrannt 
sind, ist die genaue Jahresangabe dieser Nachträge unmöglich ; die Entstehungs- 
zeit wurde nach den Schriftcharacteren und durch diesbezügl. Urkunden- Ver- 
gleich beurtheilt. 



126 



Wimmer : 



Stat doctors der Artzeney Aydt, derwachterAid zu der nachtwach 
nach 1484, fol. 4. fol. 45. 

des Statschreibers Aydt fol. 5. dess gessworn Stattpotten ayd 

Maisterrecht der lederer . fol. 9. fol. 46. 

„ derfleyschhacker fol. 10. des vmbsager ayd der an die 
„ der Schniyd fol. 11. Scharberch sagt . . . fol. 46. 

„ der kuefFer fol. 14. Tor wärtls ayd Obernthors fol. 47. 

der Müllner aid . . . . fol. 16. Wächters auflfdem Statthurn Ayd 

Vaerber Aydt . . . . .fol. 20. fol. 47. 

von den Gramem vnd pentlern Walchers Aydt .... fol. 47. 
u. ihrem Aide . . . fol. 23. Thaenndler Aydt . , . fol. 47. 

Zusatz zu „der wolbürehen ayde" Vertrag zwischen Ober vnd vnder- 

fol. 18. richter vmb Stubmrecht, ver- 

des Turners aid ... . fol. 44. sigeln vnd einsätz . . fol. 51. 
b) Vorangebundener Nachtrag resp. Anhang. 

Vermerkt die lehenschafFt aller Mess vnd gotzgab hie zu Straubing, 
allso wer und wie man ein yede etc. verleyhen sol fol. IV. 

Copi vmb den vertrag über die 5 Mess dye mein herrn verleyhen 
vnd gen Augsburg Presentiren v. 1428 .... fol. X. 

Copie von der zwayn Jarmärgkt wegen v. 1469 . fol. XII. 

Copie des Vertrags vmb den Statpaw auch Twinnger 
V. 1474 fol. XIV. 

Copi vmb das alltwasser vndterhalb der Slacht (heute Beschlächt ge- 
nannt, Steindamm bei Sossau) v. 1480 .... fol. XV. 

Copi der GüUt Gotzhaws vnd Mess halben Im Purdting färbas nit 
mer zugebrauchen, v. 1465 u. 1466 fol. XV & XVI. 

Copie des herzogl. Entscheids einiger Streitpunkte zwischen Eath 
u. Gemeinde v. 1486 fol. XVII. 

Copi der freihält der beschaw grund vnnd gepew halben v. 1494 

fol. XIX. 

G. Nachträge von c. 1500— c. 1530 (in den Text, wo sich eben Platz fand, 

eingeschrieben) : 

Brot vleisch vnnd Vischbeschauer Ziegler Aydt fol. 6. 

Aydt fol. 4. Pflicht der Jhenen die Burger al- 

des Apoteckers Ayd . . fol. 5. hie werden (Burgers-Sohn, Aus- 

Beschawherrn vnnd Werchleut mann) fol. 7. 

Aydt fol. 6. pewtler, gürtler, Nestler, Taschen- 

Zingiesser Aydt .... fol. 6. macher, Nadler, hantschueh- 

Messerschmidt Aydt . . fol. 6. macher ...... fol. 12. 



Das rothe Bach im Btädtischen Archive zu Straubing. 



127 



Maisterrecht der hueter fol. 43. 

Tänndler Aid fol. 45. 

der Taindlerin, der failkewflFlin aid 

fol. 45. 

geraayner Ay d der Thorbatl fol. 46. 

Aydt dessen auff dem Weytter- 

thum fol. 53. 



der Pflastermaister aid . fol. 70. 

Vertrag v. 1500 zwischen ains 
Abbts von Windberg vnnd ains 
Kats Zollshalb aufiF der prugk 
vnd Sassauermess . . fol. 74. 

prott fleysch vnd vischbeschauer 
ayd fol. 88 



am 
Deckel 
innen, 
Torne 



D. Nachträge von c. 1530— c. 1560. 

a) Jfachträge, in den Text, wo sich eben Platz fand, einge- 
schrieben: 

Proxenete oder Vnder- 
kheufFels Aid v. c. 1 550 

des Schweinin Flaisch- 
hackers Aid, v. J. 1551 

Statkochs Aid, v. J. 1551 

der traid vnderkheuffel, Saltzlader, 
scheibenzwickher, auff vnnd ab- 
lader, nachthueter, wagnschmi- 
rer vnd Salz trager Aid, v. c. 1550 

fol. 87. 

Wagnknecht fol. 90. 

Vlaisch Beschreybers Aid, v. J. 
1552 fol. 17. 

Gemainer Törwärtl Aid, auf dem 
Thonathor, noch vor 1574 ver- 
fasst fol. 47. 



Zusatz zu „von den schuestern 
die maister wellen werden" 

fol. 13. 

der tuchscherer Aid . . fol. 32. 

der Pierschennken aid die das 
klain Geschirr brauchn fol. 45. 

Pierbeschauer Aid . . . fol. 45. 

Saltzhanndlers aidt vnnd Gegen- 
schreibers fol. 47. 

Hacken Holtz wachter Aid fol. 47. 



Thorsperrer Aid . . . 
Statsöldner Aid . . . 
des Franpoten Ayd . . 
von Gandt, v. J. 1535 
Castnknechte Aydt, c. 



fol. 48. 
fol. 62. 
fol. 79, 
fol. 82. 
1550 



fol. 82. 

b) angebundene Nachträge: 

Wein- und Bierschenken-Ordnung v. J. 1550 fol. 155. 

Ordnung des Ganntrechten Gemainer Stat Straubing, von c. 1550 

fol. 157. 
Processus judicij in criminalibus Ciuitatis Strubingae, von c. 1550 

fol. 159—161. 

Der ursprüngliche Inhalt des rothen Buches fand also, vne 
wir sahen, schon sehr bald erhebliche Zusätze und Aenderungen, 
welche schon 1534 die Zusammenstellung einer neuen Handwerks- 
ordnung (im städt. Archive noch vorhanden) nothwendig machten. 
Als auch noch 1535 die bayer. Herzoge zur endlichen Beseitigung 
der beständigen Reibereien die domcapitelisch Augsburgischen Rechte 



128 Wimmer: Das rothe Buch im städt. Archive zu Straubing. 

auf Straubing erkauft und 1536 grösstentheils der Stadt überlassen 
hatten, wodurch diese zu einem eigentlichen Eastenamte gelangte 
mit dem bis dahin domcapitelischen Besiegelungsrechte, stieg das 
städtische Gemeinwesen, auch der Reichthum seiner Bürger rasch 
empor. 

Da überdiess 1602 der Stadt das Oberrichteramt vom Herzoge 
eingeräumt wurde und in Folge Mehrung der Bathsfunctionen 
wiederholte Aenderung im Wahlmodus des Rathes eintrat, wurde 
das rothe Buch vom 17. Jahrhundert an nur mehr als Statutar- 
Bechts-Quelle fortbentitzt und auch noch 1785 der churf. Regierungs- 
Gommission producirt. Die Privilegien und wichtigeren Urkunden 
der Stadt wurden ferners c. 1600 in dem sog. „grünen Buche" 
zusammengeschrieben, ebenso erhielten im Verlaufe der Zeit alle 
Branchen der städtischen Gerichtsbarkeit, Polizei und Verwaltung 
ihre gesonderten Normatiyen zusammengestellt. 



VIII. Ordnung des Archivs des ehemaligen kleinrussischen 

Kollegiunis in Charkow. 

Von 

N. P. Ragosin, 
Mitglied des archäologiBchen Instituts zu Petersburg. 

Vom Direktor des archäologischen Instituts Herrn N. W. Kala- 
tschow, wurde ich beauftragt, die Akten des früheren kleinrussischen 
Kollegiums, das einen kleinen Theil des früheren Tschernigow'schen 
Gouvernement - Archivs bildete und der historisch - philologischen 
Gesellschaft an der Charkower Universität übergeben worden, zu 
sichten und in Ordnung zu bringen. Da Kalatschow wünschte, 
persönlich von diesen Archivalien -Massen Eenntniss zu nehmen, 
die in möglichst gute Ordnung gebracht werden soUten, und zugleich 
auch wünschte, die mir bevorstehenden Mühen nach Möglichkeit 
zu erleichtem, (indem er mich und meine Thätigkeit der einsichts- 
vollen Aufmerksamkeit und Leitung von Personen empfahl, die 
rege dafür eingenommen waren, dass das Archiv in Ordnung ge- 
bracht werde), reiste er zusammen mit mir am 6. Juli 1861 nach 
Charkow. Aber unsere Ankunft erwies sich das erste Mal als ganz 
erfolglos : der Eanikuli wegen konnte man nicht nur nicht sogleich 
Den sprechen, der nöthig war, man konnte nicht einmal das Archiv 
und dessen Räumlichkeiten in Augenschein nehmen. Indem Nicolai 
Wasilewitsch mir zu dem Ende einen Brief an den Vorsitzenden 
der historisch - philologischen Gesellschaft, Herrn A. A. Potebnja, 
hinterliess, entschloss er sich, mit dem eigentlichen Urheber der 
mir in Charkow bevorstehenden Thätigkeit zusammenzukommen, mit 
dem Ehrenmitglied des archäologischen Instituts. Hrn. I. G. Chari- 
tonenko, von welchem das Institut die Geldunterstützung zur An- 
fertigung von Schränken für die Akten des bezeichneten Archivs, 

ArchlTAllache ZeltKhrlft. IX. 9 



130 Ragosin: 

für das in Ordnungbringen und Beschreiben derselben erhält, und 
da Herr Charitonenko seinen beständigen Aufenthalt in der Stadt 
Suma hat, so begab er sich auch in diese Stadt zu ihm. Das Re- 
sultat ihrer Verhandlungen war die Zusage von Seiten des Herrn 
Charitonenko, aus allen Kräften für die Unterbringung des Archivs 
kleinrussischer Akten mitzuwirken, und wenn sich für dasselbe 
nicht genügender Raum in der Universität linden sollte, so in 
einem andern städtischen Gebäude. Was mich anbelangt, so gelang 
es mir erst den 13. Juli, die erste Bekanntschaft mit dem Archiv 
des früheren kleinrussischen Kollegiums zu machen. Die Akten 
erwiesen sich als in 82 grossen Ballen eingenäht, von denen jeder 
ungefähr 8 Pud wog (320 Pfund). 70 Ballen waren im Universitäts- 
gebäude im Korridor niedergelegt, neben dem Universitätsarchiv, und 
12 Ballen auf dem Chore des Aktsaals der Universität. Unter solchen 
Umständen konnte keine Rede davon sein, sie in der Universität 
unterzubringen. Abgesehen davon, dass sich auch eine Möglichkeit 
gefunden hätte, einen solchen Platz zu finden, so wäre ich doch in 
meinen Beschäftigungen an bestimmte Stunden gebunden gewesen, 
zu welchen die Räume der Universität geöffnet sind, währenddem 
doch die Masse vorliegender Arbeit angestrengte und anhaltende 
tägliche Beschäftigung verlangt. 

Dank der Fürsprache des Direktors vom archäologischen In- 
stitut wurde mir bewilligt, einen besonderen Raum zum Aufstapeln 
der Archivs-Akten und zur Beschäftigung zu miethen. 

Ueber die Akten, die sich in den ersten 4 Ballen befanden, 
habe ich ein ziemlieh ausführliches Yerzeichniss zusammengestellt, 
zur Zusammenstellung eines solchen Yerzeichnisses hatte ich jedoch 
mehr als 14 Tage nöthig. 

Da ich im Auge hatte, erstens mich, wenn auch nur annähernd, 
mit dem Inhalt des ganzen Archivs bekannt zu machen, und zwei- 
tens die Akten auf solche Weise zu klassifiziren, dass deren Be- 
nützung möglich und mehr oder weniger bequem würde, so musste 
ich doch dem von mir unternommenen System der Zusammen- 
stellung eines Verzeichnisses entsagen, weil dazu nicht 1^2 Monate, 
wie es in meinen Anordnungen lag, sondern ungefähr ein Jahr 
nöthig gewesen wäre. Ausserdem, wenn man die Akten in der 
Ordnung aufgenommen hätte, wie sie in die Packete gelangt, so 
hätte man auch nicht das zweite Ziel erreicht, d. h. die Benützung 
der Akten mehr oder weniger bequem zu machen. In Erwägung 



Ordnung des Archivs des ehem. kleinruss. Kollegiums in Charkow. 131 

dessen habe ich mich entschlossen, die Akten wenigstens nach ihren 
Hauptarten einzutheilen, indem ich nur für solche Akten eine Aus- 
nahme zuliess, die entweder ihrem Inhalt oder sogar ihrer Quantität 
nach sich von der Masse der andern unterschieden. Es versteht 
sich von selbst, dass bei einer solchen Art von Sortirung der 
Akten und besonders bei der Eile der Arbeit man unmöglich Fehlern 
und Auslassungen entgehen konnte, und ich bin im Voraus ver- 
sichert, dass in den Akten, die von mir als zu irgend einer Ab- 
theilung Bezug habend eingetragen wurden, sich nicht wenig solche 
befinden, die man füglicher in eine besondere Gruppe eingereiht 
hätte ; nichts desto weniger schien mir jedoch ein solches Verfahren 
zweckentsprechend, weil das Zerlegen der Akten in besondere 
Unterarten leichter und regelrechter bei späteren Arbeiten vor sich 
gehen kann, da eine solche Arbeit in der ganzen Masse unordentlich 
gesammelten Materials für die Kraft eines einzelnen Mannes und 
dazu noch in solch kurzer Zeit ganz undenkbar ist. Auf diese 
Weise gelang es mir, bis zum 30. August 46 Ballen mit Akten zu 
sortiren, und ausserdem verglich ich 14 Ballen, zu welchen ich 
unter den Akten des Archivs ein ausführliches Verzeichniss vor- 
gefunden, mit dem Verzeichniss, und die nicht vorhandenen Akten 
strich ich im Verzeichniss mit einem farbigen Bleistift an. Somit 
blieben noch 22 unsortirte Ballen, in welchen sich nach der 
Durchsicht keine solche Akten vorfanden, die man nicht schon in 
den sortirten vorgefunden hätte. Die Ankunft des Ministers der 
Volksaufklärung hielt meine Arbeit bis zum 6. September auf; 
vom 6. bis 11. September war ich mit dem Einpacken der sortirten 
Schriftstücke, sowie mit dem Zurückgeben derselben an die Uni- 
versität beschäftigt. ^ 

Den grössten Theil (ungefähr ^/e des ganzen Archivs) bilden 
Gerichtsakte (Civil- und Criminalakte), von ihnen sind die Akten 
über den Ursprung des Eleinrussenthums und Kosakenthums, und 
die Arrestantenakten in besondere Gruppen gebracht. 

Dann ist der Masse nach der grösste — und der Mannigfaltig- 
keit des Inhalts nach der interessanteste — der administrative Theil. 
Aus der Zahl der administrativen sind in besondere Gruppen ge- 
theilt: a) Akten über Massregeln gegen ansteckende Krankheiten; 
b) über Massregeln gegen Heuschrecken und im Falle von Miss- 
ernten; c) über Viehseuchen; d) über Fabriken und industrielle 
Anstalten ; e) über die Vermehrung der Maulbeerbäume und Seiden- 



132 Ragosin : 

raupen; f) über die Anpflanzung fremder Tabaksorten in Russland; 
g) über die Einführung von Jahrmärkten in den Städten Klein- 
russlands; h) über das Verhindern, heimlicher Waareneinführung; 
i) über die Raskolniky und Langbärtigen und über deren Handels- 
rechte; j) über Maasse und Gewichte; k) über Einführung und Ver- 
kauf von Saljt in Kleinrussland ; 1) über die Versetzung von Juden 
aus kleinrussischen Begimentern ins Ausland; m) über die gegen 
Zahlung des Obroks abgetretenen Outsappertinentien und über Pacht; 
n) über Branntweinbrennen ; o) über Bauten ; p) über die Verlegung 
der Saporoschewsky Setschy [Kosakenniederlassung] an einem an- 
dern Ort; q) über die Verlegung der Besidenz des Hetmanns von 
Oluchow nach Baturin ; r) über das Zusammenstellen eines Sänger- 
chores für den Allerhöchsten Hof und über die Gründung einer 
Sängerschule zu Gluchow; s) über die Herausgabe von Pässen, 
Podoroschna [Erlaubnissschein zum Fahren mit Postpferden], Urlaub, 
über Dienstanstellungen und Entlassungen, Verleihen von Bang; 
t) über Empfang und Geleit fremder Gesandten; u) über die Eides- 
leistung in Kaiserlichen Diensten; v) über 50 erwachsene Leute, 
die in Kleitirussland für den Dienst in Holstein geworben worden; 
w) Publikationen bei verschiedenen Gelegenheiten ; x) über die Aus- 
nahmen beim Gebrauch des Kalenders von Stanislaus Duntschewky, 
Doktors der Philosophie und Professors der Mathematik. 

Die 3^ Abtheilung umfasst Akten über Geldangelegenheiten ; 
über Einnahmen und Ausgaben der der Militärkanzelei gehörigen 
Kasse; über die Veränderung des Nominal werthes der Kupfermünzen ; 
über die Umprägung alter Münzen in neue; über das Einfuhrverbot 
von Gold-, Silber- und Kupfermünzen russischen Gepräges aus dem 
Ausland nach Bussland ; über Gründung von Banken in Petersburg 
und Moskau zum Einwechseln von Staatsassignationen , und zur 
Errichtung von Bankkomptoiren in den Städten Smolensk und 
UsQuk. 

Die 4*® ziemlich umfangreiche Abtheilung enthält Akten über 
militärische Angelegenheiten : über Vorsichtsmassregeln gegen einen 
plötzlichen feindlichen üeberfall: über die Feldzüge und das aktive 
Vorgehen gegen die Türken, Tartaren und Polen; über den Pugat- 
schew'schen Aufstand; über Eekrutenaushebung; über das Schaffen 
von Proviant und Fourage für das Heer; über das Schaffen von 
Ochsen und Pferden für die Armee; über den Unterhalt und die 
Befestigung von Vorposten. 



Ordnang des Archivs des ehem. kleinniss. Kollegiums in Charkow. 133 

Die 5^ Abtheilung — über die Gründung und den Unterhalt 
von Poststationen und überhaupt Postangelegenheiten betreffend. 

Die 6*® Abtheilung — über die Vermessungen in verschiedenen 
Gouvernements und über die Gründung von einem Messkomptoir 
in der Stadt Charkow unter Leitung der Moskauer Gouvernements- 
Messkanzlei. 

Die 7^ — Akten über die an der Grenze des Kiewer und 
polnischen Wojewodenthums liegende Kommission. 

Die 8*® — über Einführung einer Untersuchungskommission 
im Tschemigow'schen Regiment wegen Beleidigung von Kosaken. 

Die 9*® — über die Privilegien und Freiheiten und das sich 
Ansässigmachen der Kosaken. 

Die 10*<^ — Kopien von Schenkungsurkunden der Könige, 
Kaiser und Hetmanns, die den kleinrussischen Städten auf die 
Rechte, Freiheiten, Privilegien und das Magdeburger Recht hin ver- 
liehen worden sind. 

Die 11*® — über die Anerkennung der Türken, die den ortho- 
doxen Glauben und die russische Unterthanenschaft angenommen, 
als Freie, wenn sie auch an Leibeigene verheiratet sind. 

Die 12*® — über die Einsetzung einer Kommission in Moskau 
zur Abfassung eines Projekts in Betreff einer neuen Verordnung. 

Die 13*® — über das Eingehenlassen der Sotny- Verwaltung 
und die Einsetzung eines Landgerichts. 

Die 14*® — Kopien von Kaiserlichen Schenkungsurkunden 
und Hetmann'schen Rechten. 

Die 15*® — namentliche Ukase des dirigirenden Senats und 
des Kollegiums auswärtiger Angelegenheiten. 

Die 16*® — Kopien von Kaufbriefen und Rechten. 

Die 17*® — Verzeichnisse der Ordres und Vorschläge von 
Rjäsemsky, Rumjanzow und Rasumowsky. 

Die 18*® — Steuer- und Revisionsbücher der kleinrussischen 
Regimenter; Bücher für Reverse von Kaufbriefen, Kontrakten, 
Testamenten, Bittschreiben, Protesten, Dekreten, Konzessionen und 
andern Akten. 

Die 19*® — Dokumente über Statthalterschaften. 

Die 20*® — über Volksbildung und Kindererziehung. 

Die 21*® — über das Anfertigen eines allgemeinen Wappen- 
buchs der Adelsgeschlechter, sowie der Einreichung der Wappen 
laut einer Bittschrift. 



184 Bagosin: Ordnung d. Archivs d. ehem. kleinruss. Kolleg, in Charkow. 

Die 22*® — Berichte und dienstliche Verzeichnisse. 

Die 23*® — Akten unter dem Namen des Fürsten Johann. 

Ausserdem sind besonders deponirt: Die Akten vom Jahre 
1764 von der auf ausdrücklichen Befehl Ihrer Kaiserl. Majestät er- 
folgfen Abfertigung des Kleinrussen Anton Ljubinsky (Professors der 
Mathematik an der Moskauer CTniversität) an seinen Bestimmungsort ; 
Akten über das Bittgesuch verschiedener Personen über die Her- 
ausgabe von Eisenplatten auf Grund des kleinrussischen Rechts; 
Akten vom Jahre 1738 über ein Erdbeben, und viele andere. Alle 
Akten des Archivs beziehen sich auf das Ende des XYIL und auf 
das XVin. Jahrhundert. 

Aus der von mir unter den Akten des Archivs vorgefundenen 
Notiz ist ersichtlich, dass in dem Tschernigovr'schen Gouvemements- 
archiv sich zur Aufbewahrung befinden: 

Namentliche Befehle 21 

Urkunden 2,204 

Gedruckte Exemplare von Verordnungen 224 

Bücher mit Kopien von Urkunden, Befehlen und Ordres 

von Hetmanns 32 

Bücher der Hetmanns — Original-Ordres 15 

Generaluntersuchungsbücher 7 

Senatsbefehle, Vorschläge, Journale, Bestimmungen, Ver- 
zeichnisse über eingelaufene und ausgegebene Papiere 2,194 

Grundvermögensbücher 44 

Bücher über Revisionen 149 

Akten verschiedener Art 748,457 

Diese Notiz ist so interessant, dass ich es für nöthig erachte, 
bei meinem Rechenschaftsbericht davon eine genaue Kopie vorzulegen. 

Es ist daraus zu ersehen, dass das frühere Tschernigow'sche 
Gouvernementsarchiv zu seiner Zeit eines der reichsten und inter- 
essantesten Archive war, die wir je hatten und haben und von 
diesem Schatze, der Jahrhunderte hindurch angesammelt wurde, 
ist etwa ^/20 erhalten. Der übrige Theil der interessantesten Doku- 
mente und Akten ist spurlos in Folge des Missbrauchs, der Un- 
wissenheit, vollkommener Gleichgültigkeit, die bis jetzt gegen die 
Archivangelegenheiten vorherrschte, verschwunden. 



IX. Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- 
Archive. 



Von 



Dr. Pfannensphmid in Colmar, 
Archivdirector des Ober-Elsass. 



(Fortsetzung and SchluBs.) 

Wenn die Manipulationen der Ordnungsarbeit begrüTen sind, 
dann hat es mit der Unterbringung der einzelnen Serien und deren 
Abtheilungen in die Cartons keine namhaften Schwierigkeiten mehr, 
ebensowenig .mit der Aufstellung der Inventarei) und der Führung 
eines Correspondenz- Journals, worüber stets am Ende der Inspec- 
tionsarbeit noch besondere Anweisung ertheilt wird. 

Auf Grund der seit Jahren in der vorbeschriebenen "Weise 
vorgenommenen Ordnungsarbeiten in einer erheblichen Anzahl von 
Gemeinde-Archiven musste sich nun das vorgeschriebene französische 
Schema erproben. Es hat die Probe nicht bestanden. Viele Schriften 
passten nicht in dieses Schema: es war zu eng. Da nun aber 
sämmtliche Gemeinde-Archive nach diesem Schema ihre Inventare 
aufgestellt hatten, so wäre es höchst unzweckmässig gewesen, ohne 
zwingende Gründe von demselben abzuweichen. Diess ist denn 
auch nur da geschehen, wo es unbedenklich war, nämlich von 
Serie P an, wie man aus den nachfolgenden Schematen ersehen 



') Bei Üebertragung der auf den einzelnen Umschlagbogen gemachten 
Aufischriften und Angaben in die gedruckten Formular -Bogen des Inventars 
hat man darauf sorgfältig zu achten, dass zwischen den einzelnen Einträgen 
stets ein angemessener Zwischenraum bleibt. Man muss hiebei keinen Raum 
sparen wollen; es rächt sich das immer. Am besten verfährt man, wenn man 
^uf jeder Seite höchstens zwei Einträge macht, und diese durch eine Querlinie 
trennt. Am Ende jeder Hauptabtheilung sind noch ein paar unbeschriebene 
Blätter, ebenso deren mehrere am Ende jeder Serie zu belassen. 



1 36 Pfannenschmid : 

• 

wird. Es haben also die aus der Praxis hergeleiteten Wahrneh- 
mungen theils zu einer genaueren Bestimmung, theils zu einer prä^ 
ciseren Eintheilung, theils zu einer Erweiterung der Serien des 
französischen Systems gefuhrt. Dabei lag nun die Gefahr nahe, die 
Eintheilung der Serien zu minutiös durchgeführt zu haben, also 
in das dem französischen System entgegengesetzte Extrem des 
Zuviel verfallen zu sein. Die Entscheidung kann hier nur der 
Erfolg liefern, und dieser spricht für meine Auffassung. 

Das System, wie ich es in Nachfolgeiidem gebe, ist buch- 
stäblich der Wirklichkeit entnommen. Alle die Eategorieen von 
Schriften, welche ich aufstelle, sind faktisch in den hiesigen Ge- 
meinde-Archiven, mit Einschluss derer von Städten wie Colmar, 
vertreten. Natürlich sind nicht in allen Gemeinde-Archiven sämmt- 
liche Haupt- und Nebenrubriken, welche die Schemata geben, vor- 
handen ; manche Schriften, die an diesem Orte sind, fehlen an jenem. 
Jedes Archiv hat neben dem allgemeinen Charakter auch sein 
eigenartiges, lokales Gepräge. Die nachfolgenden Schemata suchen 
beiden Anforderungen gerecht zu werden. Sie sind auch im Laufe 
der J«thre unter diesen Gesichtspunkten entstanden. Die in einem 
Archive entworfenen Schemata wurden durch die in anderen Archiven 
gewonnenen Erfahrungen berichtigt oder erweitert und dies Yer- 
fahren durch mehrere Jahre fortgesetzt. So entstanden die folgenden 
Schemata, die dann bei der definitiven Niederschrift unter Benutzung 
der die Gemeinde-Verwaltung regelnden gesetzlichen und sonstigen 
reglementarischen Vorschriften nach allen seinen einzelnen Dienst- 
zweigen, und der im Dienst des hiesigen Bezirksarchivs erworbenen 
langjährigen Erfahrungen, gleichsam ein den hiesigen Gemeinde- 
Archiven angemessenes ideales Durchschnittssystem darstellen, nach 
dessen möglichst logisch geordneter und deshalb leicht durchsichtiger 
Gliederung in jedem gegebenen Falle bei einigem Nachdenken die 
Ordnung und luven tarisirung eines Gemeinde -Archivs sich ohne 
grossen Zeitverlust durchfuhren lassen muss. und damit ist dann 
erst die Vorbedingung zur Evidenthaltung der laufenden Registratur 
und zur Führung eines durchaus nothwendigen Geschäfts-Journals 
erfüllt. 

Ich gebe mich nun keineswegs der Dlusion hin, in den ent- 
worfenen Schematen etwas Vollkommenes geliefert zu haben; ich 
bin im Gegentheil fortwährend selbst mit Verbesserungen beschäftigt, 
wie sie weitere Erfahrung an die Hand gibt. Auch wird der Eine dies 



Ueber Ordnung und Inventarisining der Gemeinde- Archive. 137 

der Andere jenes anders wünschen und auch besser machen können. 
Aber einem Einwände, den man machen könnte, muss ich von 
Haus aus begegnen, nämlich dem, dass es den Schematen an einer 
fest durchgeführten, strengen logischen Ordnung gebreche. Allein 
eine solche Ordnung ist praktisch undurchführbar, wie man sehr 
gut an der Eintheilung von Serie J (Polizei -Sachen) abnehmen 
kann. Das erste beste Handbuch über Polizei- Verwaltung ist in 
vielen Punkten anders geordnet. Eine solche Anordnung strict zu 
befolgen, würde völlig unzweckmässig sein. Die den polizeilichen 
Befugnissen des Bürgermeisters entstammenden Yerfügungen, welche 
sich z. B. auf Wege- und Wasserbau-Sachen erstrecken, wird man 
daher zweckentsprechender da unterbringen, wohin sie ein enger 
Zusammenhang mit anderen Schriften weist. Handelt es sich unter 
anderem um die Reinigung eines Baches, welcher einen Gemeinde- 
bann durchfliesst, so ist die Polizei- Verordnung, welche die Reinigung 
anordnet, unter die Acte in Serie zu bringen, welche über diesen 
Bach handelt. In solchen Fällen ist das praktische Bedürfniss mass- 
gebend. In anderen Fällen, wo ein Schriftstück mit scheinbarem 
Rechte in verschiedene Serien untergebracht werden könnte, ent- 
scheidet der Zweck, den dasselbe erreichen soll. Es wird z. B. ein 
statistischer Nachweis über die in einer Gemeinde vorhandenen 
Pferde gefordert. Diesen Nachweis ohne weiteres unter Statistik 
(Serie F) zu bringen, wäre fehlerhaft. Es fragt sich daher, welcher 
Zweck mit dieser Nachweisung erzielt werden soll. Das ergibt sich 
aus dem Inhalte des die Nachweisung einfordernden Erlasses der 
requirirenden Behörde. Dient die Nachweisung rein militärischen 
Zwecken, so ist dieselbe unter Serie H zu stellen, in jedem anderen 
Falle unter Serie F. In anderen zweifelhaften Fällen, in denen 
man. mit gleichem Rechte sich für diese oder jene Serie entscheiden 
kann, ist ein Verweis (renvoi) auf die betreffende Serie erforderlich. 
Dies muss namentlich auch dann geschehen, wenn in ein und dem- 
selben Schriftstücke von zwei oder noch mehreren Dingen die Rede 
ist, welche verschiedenen Serien angehören. In diesem Falle bleibt 
nichts anders übrig, als das fragliche Stück einer bestimmten Serie 
zuzutheilen und für die anderen Serien besondere Verweise auf je 
einem halben Foliobogen zu machen. Diese Fälle sollten eigentlich 
gar nicht vorkommen, da sie in jeder Hinsicht zu TJnzuträglich- 
keiten führen. 

TJeberhaupt — ausschlaggebend zur Unterbringung eines Schrift- 



138 Pfannenschmid : 

Stückes ist sein Inhalt: er zeigt an, unter welchem Gesichtspunkte 
dasselbe zu betrachten und demzufolge einzuordnen ist. Zu diesem 
Ende aber muss man den Gesichtspunkt selbst erst kennen. Dieser 
ist kein logischer, sondern ein administrativer. So wird man die 
auf ein Triebwerk bezüglichen Papiere von verschiedenen Gesichts- 
punkten aus zu betrachten und demnach einzuordnen haben. Eine 
Fabrik mit Dampfbetrieb steht unter dem gewerbepolizeilichen, eine 
Mühle mit Wasserbetrieb unter dem wasserpolizeilichen, die Neu- 
anlage eines Triebwerkes unter dem sanitätspolizeilichen Gesichts- 
punkt; man wird also diese drei Triebwerke beziehungsweise in 
Serie J, und Q einordnen müssen. 

Aus diesen Beispielen dürfte zur Genüge hervorgehen, dass 
zur Ordnung eines Archivs und zur Einordnung neuer Schriftstücke 
in dasselbe das Urtheil des Gemeindeschreibers an concreten Fällen 
geübt werden muss. 

Die Kenntniss, ein Archiv nach bestimmten Grundsätzen und 
Gesichtspunkten zu ordnen und evident zu halten, die Fertigkeit, 
diese Operation mit sicherem ürtheil durchzuführen und für das 
Auge, sowohl im Archivlokale, als auch auf dem Papiere, zum 
systematischen Ausdruck zu bringen, das ist die archivalische 
Technik. 

Diese Technik wird aber nach meinen Beobachtungen in den 
seltensten Fällen durch eigenes Nachdenken und eigene Erfahrung 
gewonnen; sie muss gezeigt und praktisch eingeübt werden. Alle 
Instructionen, auch die besten, versagen hier den Dienst. Aber 
nach vorgängiger Unterweisung ist die Instruction am Platze: sie 
ist eine Hülfe, um das praktisch Erlernte wieder aufzufrischen und 
lebendig zu erhalten, und ein Rathgeber in schwierigen Fällen. 

Es war daher ein Irrthum der französischen Archivverwaltung, 
zu glauben, dass die Instructionen allein die Ordnung der Archive 
und deren Inventarisirung schafien könnten, ohne das Verständniss 
derselben durch voraufgegangene technische Schulung den Gemeinde- 
schreibern vermittelt zu haben. Es war ein fernerer Irrthum, zu 
meinen, dass die entworfenen Schemata ausreichend seien zur Unter- 
bringung aller in den modernen Gemeinde- Archiven vorhandenen 
Schriften. Beide Irrthümer beruhten auf der unrichtigen Annahme, 
dass es Jemandem, der die an sich betrachtet so klar abgefassten 
Instructionen studirt und sich in den Geist der Schemata hinein- 



lieber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 139 

gedacht habe, leicht sein müsse, im Sinne beider weiter za denken 
und zu handeln. Und gerade hier liegt die Täuschung. Die Er- 
fahrung lehrt, dass die wenigsten Menschen die Bildungsstufe 
erreichen, den Mechanismus und Schematismus des Wissens und 
Könnens, der uns mit gleichsam eisernen Banden gefangen hält, 
zu überwinden, um sich dem Walten höherer, organisch wirkender 
Gesetze hinzugeben. Zur Erkenntniss solcher durch die eigene un- 
ausgesetzte Geistesarbeit zu erwerbender, dem freien Reiche mensch- 
licher Denkthätigkeit angehörender Gesetze hindurch zu dringen, 
ist das Vorrecht Weniger auf allen Stufen des Wissens und Könnens. 
Wir sehen thatsächlich, dass die wenigsten Menschen im Stande 
sind, das, was sie in ihrem Wissens- und Erfahrungskreise sich 
angeeignet haben, auf andere Gebiete des Wissens und Könnens 
zu übertragen. Gilt dies selbst — leider — von den Kreisen derer, 
welche eine mehr als elementare Bildung genossen haben, so gilt 
es um so mehr für diejenigen, welche solcher Bildung entbehren. 
Darin liegt kein Vorwurf für den Einzelnen: dieser Vorwurf trifft 
ganz allgemein die falsche Richtung der Zeit, unter deren Banne 
wir liegen. Der Einzelne hat sich so eilig das für seinen speciellen 
Beruf erforderliche Wissen gedächtnissmässig angeeignet, dass ihm 
kaum Zeit gelassen wird, dieses Wissen als sein selbsterworbenes 
in sich ganz aufzunehmen: es ist und bleibt ihm in den weitaus 
meisten Fällen ein mehr äusserlich angelerntes. 

Ueber diese Thatsache darf man sich nicht täuschen. Ver- 
kennt man sie, so gelangt man dahin, Anforderungen zu stellen, 
die sich nicht erfüllen lassen, auch wenn sie an sich noch so ein- 
fach scheinen. Man muthe also den Gemeindeschreibern nicht Auf- 
gaben zu, welche sie nicht leisten können. Und gesetzt, sie ver- 
möchten dies — Ausnahmen kommen ja vor — so haben sie, durch 
ihren sonstigen Beruf verhindert, kaum Zeit, sich in lange Instruk- 
tionen hineinzustudiren. Hier hilft nur thatsächliche Unterweisung: 
man muss sich entschliessen, an Ort und Stelle das Erforderliche 
zu demonstriren und das Demonstrirte nachmachen zu lassen, so 
lange, bis das Verständniss für das zu erreichende Ziel erweckt 
ist. Diesen Punkt übersehen zu haben, ist der Haupfehler der 
französischen Gemeinde -Archiv -Verfassung, deren sonstige hohen 
Verdienste dadurch nicht in Schatten gestellt werden sollen. Nur 
durch Erkenntniss des Irrthums gelangen wir zu dem Besseren und 
Richtigeren. Und in solchem Falle verpflichtet selbst der Irrthum 



140 Pfannenschmid : 

zur Dankbarkeit. Die Erfahrung ist hier die alleinige Wegweiserin: 
ihrer Führung dürfen wir uns getrost überlassen. 

Hinsichtlich der Schemata folgt hieraus, dass es ebensowohl 
unpsychologisch als unpraktisch ist, dieselben zu eng zu fassen; 
sie müssen vielmehr möglichst erschöpfend sein. Die Anwendung 
solcher Schemata auf die concreten Fälle zeigt, dass es weit leichter 
ist, diejenigen Rubriken, zu denen die betreffenden Schriften in 
einem bestimmten Archiv nicht vorhanden sind, fortzulassen, als 
neue Rubriken selbst richtig zu bilden. Hunderte von Beispielen 
haben mich darüber belehrt. 

Es mögen nunmehr die Schemata selbst folgen, wie ich sie 
unter Anlehnung an das französische System verbessert habe. 

III. Die Schemata. 

Die Hauptübersicht der Schemata nach meinem System ist 
folgende: 

A. Gesetzsammlung. 

B. Amtsblatt der Bezirks- und der Kreis-Begierung. 

C. Verschiedene Bücher. 

D. Acte der Gemeinde- Verwaltung. 

E. Standes-Amt. 

F. Bevölkerung und Statistik; Ackerbau und Landwirtbschaft; Industrie, 
Handel und Gewerbe ; Post, Telegraphie, Eisenbahnen, Strassenbahnen. 

G. Steuer-Sachen; direkte, indirecte Steuern. 
H. Militär-Sachen. 

J Polizei-Sachen. 
K. Wahl- und Personal-Sachen. 
L. Gemeinde-Rechnungs-Sachen. 

M. Gemeinde-Güter, welche einem öffentlichen Zwecke gewidmet sind. 
N. Gemeinde-Güter, welche dem gemeinsamen Gebrauche dienen. (An- 

und Verkauf von Gemeinde-Gütern; Pachte; Forstsachen.) 
O. Wege-, Wasser- und Flussbau-Sachen. 
P. Kirchen- und Schul-Sachen. 
Q. Medicinal- und Veterinär-Sacheu. 
R. Wohlthätigkeits-Sachen. 
S. Verschiedene Sachen. 
T. Mobiliar-Inventare. 

Zu der nun folgenden speciellen, schematischen Ausführung dieser 
Hauptrubriken oder Serien sei im Voraus bemerkt, dass für die Serien A, B 
und C nur da» Muster für A gegeben ist, da für B und C keine Schwierig- 
keiten vorliegen. 

<) Nachdruck dieser Schemata Ist nicht («stattet. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 



141 



A. ClesetKsaiiimluig. 



Laufende Nr.l 


Bezeichnung 


Jahr- 
gang 


Besondere Bemerkungen. 

(Angabe der Anzahl der Bände, der 

Blinde oder Nammem, welche fehlen, 

ob gebunden, broschirt oder in 

Bl&ttem etc.) 


1 
2 


(Titel des Werks) 


18. . 
bis 
18. . 


20 Bände, 4^ gebunden. 

Es fehlen et«. 

NB. Jedes Werk, das ein und 
denselben Titel hat, erhält 
nur eine Nummer. 



Dasselbe Schema gilt mutatis miitandis für Serie B und C. i) 
In Betreff der letzteren empfiehlt sich die chronologische Ordnung: 
es ist also das Jahr, in welchem die Bücher gedruckt sind, ent- 
scheidend. Die alphabetische Ordnung lässt sich wegen des stets 
nachzutragenden neuen Zuwachses nicht durchführen. Das Bücher- 
Verzeichniss von Serie C soll nichts anders als einen Acquisitions- 
Eatalog darstellen, zu dem man, wenn man es für nöthig erachten 
soUto, leicht noch ein paar Rubriken, wie eine zur Angabe des 
Preises, eine andere zur Angabe, wo das betr. Werk gekauft ist eti*., 
hinzufügen kann. 

Diese Anordnung beruht auf der Voraussetzung, dass die 
Bibliotheken der Gemeinde-Archive nicht umfangreich genug sind, 
um zu der Aufstellung einer systematischen Ordnung schreiten zu 
müssen. Sollte sich das Bedürfniss hiezu herausstellen, so ist 
durch Anfertigung eines systematischen Katalogs leicht Abhülfe zu 
schaffen. 

Die äussere Form der Serie A gilt für Serie B und C wie 
für alle nun folgenden von D bis T. Aus Gründen bequemeren 
Druckes ist für diese die äussere Form der Linien - Umrahmung 
fortgelassen. 



') Bezüglich der die Serien A, B und C betreffenden Correspondenzen 
fliehe Serie M. 



142 Hannenschmid : 

D. Acte der Gemeinde -Terwaltmig. Actes de 1' administration municipale. 
I. Protokolle der Beschlüsse des Gemeinderathes. ^) Proote - Terbanx des 
döUMratioiu municipales. 

1. von — bis — 

2. von — bis — 

3. von — bis — 

U. Register der Verfügungen des Büi^rmeisters. RegUin des ktH6b du Maire. 

1. von — bis — 

2. von — bis — 

3. von — bis — 

in. Repertorium der enregistrementspflichtigen Gemeinde- Acte.') Repertoire 
des actes admlnistratlAi, sii^ets k Tenreglstreineiit. 

1. von — bis — 

2. von — bis — 

3. von — bis — 

IV. Correspondenz in Betreff des Repertoriums sub No. m. 

1. von — bis — 

2. von — bis — 

3. von — bis — 

V. Geschäfts- und Correspondenz • Journal. Reglstre des afflKires oourantes et 
de correspondance. 

1. von — bis — 

2. von — bis — 

3. von — bis — 

VI. Gebühren-Register für Abschriften von Verwaltungsacten. 
VII. Gemeinde-Chronik. 

£• Standes-Amt. Actes de l'^tat civil. 

I. Gesetze, Verordnungen, Reglements, Instructionen betr. Standesamt. 
II. Tauf-, Heiraths- und Todtenbücher vor dem 1. Januar 1793. 

III. Standes-Bücher nach dem 1. Januar 1793: 

1. Naiaaances, Geburts-Acte. 

2. Mariages et (PubllcatioDB) Trau- Acte. 

3. Dtees - Todten-Aete. 

4. Wiederherstellung zerstörter Standes- Amts-Register. 

5. Register zur nachträglichen Anmeldung der Vornamen. 

IV. Decennaltabellen. 

V. Notorietäts- Acte und darauf bezügliche Correspondenz. Actes de notoriötö 

et correspondance j relative. 
VI. Heiraths-Aulgebote. 
VII. Gebühren-Register für Ausfertigungen. 
VIJI. Auszüge aus Civilstandsacten; nicht abgeforderte Auszüge. 



t) In diesen ProtokoUbüchem sind chronologisch die Beschlüsse des Qemeinderaths 
eingetragen. In der Regel wird noch besondere Abschrift von Jedem einzelnen Beschlüsse 
behufs Erlangung der yorschriftsmftssigen Oenehmigung genommen. Diese Abschriften sind 
dann in die betr. Serien tu bringen und betreffenden Orts einsufugen. Dasselbe gilt auch für 
die Einträge im Register sub No. II. 

*) Gemeint sind die stempelpflichtigen Acte. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 143 

IX. Correspondenz mit der Präfectur, dem Bezirkspräsidium, der Unter- 

Präfectur, der Kreisdirection. 
X. Sammelacten. 
XI. Correspondenz mit dem Oberprocurator , Ersten Staatsanwalt, mit 

dem Friedens- und Amtsrichter. 
XU. Revisions-Protokolle. 

XI [I. Rectifications-Protokolle betr. Civilstandsregfster. 
XIV. Correspondenz mit anderen Standesbeamten, mit sonstigen Behörden, 

Beamten und Privatpersonen. 
XV« Formular-Beschaffung. 
XVI. Varia. 

F. I. BeTÖlkerung und Statistik. 

1. Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Instructionen in 
Betreff der Volkszählung und Statistik. 

2. Allgemeine Correspondenzen betr. die Volkszählung und Statistik. 

3. Volkszählungs-Listen, Recenaement de Is popalation. 

4. Bevölkerungs - Bewegung in Betreff der Geburten, Heirathen und 
Todesfälle, Mouvement de la population. 

5. Berufsstatistik ; Gewerbestatistik. 

6. Anderweitige statistische Erhebungen betr. die Bevölkerung (Krank- 
heits-Tabellen, Tabellen über Todes-Ursachen, Impftabellen etc.). 

7. Statistik über Verbrauch der Lebensmittel. Statlstlque de la conBoinmRtion. 

8. Ackerbau-Statistik, Ernte-Nachweise; Viehzählung. 

II* Ackerbau und Landwirthschafk. 

1. AUgemeine gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Instructionen. 

2. Allgemeine Correspondenzen. 

3. Land- und Gartenbau:*) Getreide-, Wein-, Tabak-, Hopfen-, Obst-, Ge- 
müsebau etc., Baumschule, p^piniere, Miss wachs, Ueberschwemmungen.') 

4. Drainirung. ') 

5. Vertilgung schädlicher Thiere (Maulwürfe, Mäuse, Maikäfer, Raupen).*) 
♦5. Thierzucht: Pferde, Gestüte, Rindvieh, Schafe, Schweine, Zuchtvieh; 

Geflügel, Fische. 

7. Landwirthschaftliche Vereine und Ausstellungen. 

8. Versicherungsgesellschaften (Vieh-, Hagel-, Feuerversicherungsgesell- 
schaften). 

III. Indastrie, Uandel, Gewerbe*^) 

1. Allg. gesetzliche Bestimmungen und Instructionen. 

2. Bäcker, Boulanger; Concessionen. 



*) Feldpolizei, g. Serie J. 

*) Uebenchwemmungen im Gemeinde-Wald s. Serie N HI. 

') Syndicate s. Serie O. 

*) Venilgung schädlichen WUdes b. Serie N lU. 

^) Alle auf Industrie, Handel und Gewerbe bezüglichen Polizeisacheii 8. Serie J. — 
Die Concessionen an Gewerbetreibende sind wohl bequemer hier, ala In Serie J unter- 
zubringen. 

Die Anlage von Fabriken ist vom soniiäupolizeilichen als dem hierbei wichtigsten 
Gesichtspunkte aus unter Serie Q gestellt. Fabriken bezügUeh der Revision der Dampfkessel 



1 44 t^fannenschmid : 

3. Fleischer, Boucher; Conceesioneii. 

4. Gretreidehändler; Concessionen. Fruchthalle, Halle aus blds. 

5. Weinhändler, Wein- und Schenkwirthschaften. iMAtB de boiaMDi; 
GonceBsionen. 

6. Handel mit sonstigen Lebensmitteln; Concessionen. 

7. Jahr- und Wochenmärkte (foires et marchte); Concessionen. 

8. Marktpreise und Lebensmittel-Taxe. Mercuiialefl et taxe des denröes. 

9. Druckerei und Buchhandel; Concessionen. 

10. Maasse und Gewichte. Poids et mesures. Eichung der Gewichte. 

11. Handelskammer.') 

12. Industrie- und Gewerbeausstellung. — Prämien. 

13. Berg- und Httttenbau, Salinen, Mineral- Brunnen, Steinbrüche, auf 
fiskalischem Boden, oder im Betrieb von Corporationen, Gesellschaften 
oder Privaten;*) Concessionen. 

IT. Post und Telegraphle.') 

1. Allgemeine gesetsL Bestimmungen, Instnictionen. 

2. Post, Briefträger, Briefkasten etc. 

3. Telegraphie. 

4. 
5. 



G, Stener-Saehen* 

I. Allgemeine gesetzl. Bestimmungen, Reglements und Instructionen. 
II. Allgemeine Correspondenz mit Behörden und Beamten. 
lU. Directe Steuern. 

1. Alte Grund- und Flurbücher, Bereine, livres tenien (cadastre anden), 

2. Alte Sectionsbücher, Etats andens de sectlon. 

3. Delimitation des Gemeinde-Bannes. 

4. Kataster-Plan, Atlas cadastral. 

5. Kataster-MuttetTOlle, Matrioe cadaatrale. 

6. Güterwechsel-Bücher : 

a) Matrice g^nörale: Etat des changements k op^rer sur la 
matrice g^n^nde. 

b) Livre des mutations (zur Einschreibung des Güter- Wechsels). 

7. General-MutterroUe der Grundsteuer, Personal-, Mobiliar-, Thür- 
und Fenstersteuer (Hatrloes gtoörales des contributioDs de ). 

8. Tarif des ^valuations du revenu imposable des propri^t^ rurales 
et des maisons. 

9. Principal der vier Sleuem. 



gehören unter Gewerbepolizei (Serie J). Andere durch Wasserkraft getriebene Werke (uiines), 
Fabriken, Mühlen sind wegen des ausschlaggebenden Geelohtspunktes der Waaserregulirung 
der Serie O eingeordnet. In Besug auf den statistischen Gesichtspunkt sind alle Triebwerke 
unter Serie F I. 5 su bringen. 

*) Die Wahlen zur Handelskammer s. Serie K. 

*) Auf Gemeinde-Boden s. Serie N. 

')- BiseDbahnen, -StraaseBbahnen 8. Serie O. 



Ueber Ordnung und Inventariairung der Gemeinde- Archive. 145 

10. Steuer- Vertheiler, R^partiteura , Listen und Ernennungen. — 
Belegstücke zur Aufstellung und Feststellung der vier directen 
Steuern durch den Steuer-Controleur und die Repartitoren. 

11. Keclamationen in Steuersachen. 

12. Steuerzettel, Mandats des contribntions directes. 

13. Güter auf fremden Gemeinde-Bännen. 
IV. Indirecte Steuern. 

1. Lizenzsteuer: Wein, Branntwein etc. 

2. Revision der Brenn-Helme durch den Steuer-Controleur. 

3. Tabaks-Bureaux, Bureauz du tabac. 

4. Hypotheken-Amt. 

5. Zollsachen. 

6. Enregistrement. — Staatsdomäne. 

a) Nationalgüter, Blens nationauz. 

b) Herrenlose Güter, Successions en deshörenoes. 

c) etc. 
V. Varia. 



H. Militär-Sachen. 

I. Allgemeine gesetzl. Bestimmungen, Reglements, Instructionen, 
n. Allgemeine Correspondenz mit Behörden, Beamten und Privaten, 
ni. Aushebung. 

1. Tableau de recensement des jeunes gens. 

2. Militär-Stammrollen mit Belegen. 

3. Militär- Aushebung, Recmtemcnt. 

4. Reclamationen um Zurückstellung resp. Entlassung. Exemption du 
Service mllitaire. 

5. Gestellungs-Ordres : Registres des notifications faites k domicile 

des lettres de mise en activit^ de Losungsscheine und 

Gestellungsatteste. 

IV. Renseignements über Militär-Personen. Renseignements sur des mlUtaires. 

V. Todtenscheine der im activen Dienst verstorbenen Militär-Personen. 

Eztraits mortuaires de mllitaires morts en activlt^ de Service. 
VI. Requisitionen, Einquartierungen, Entschädigungen. 

1. Lebensmittel und Fourage. Vivres et fouracres. 

2. Truppendurchzüge, passage des troupes. 

3. Militärtransporte, transports mllitaires. 

4. Einquartierungen, Logcments mllitaires. 

b, Nachweisungen über die Anzahl Mannschaften und Pferde, welche 
einquartiert werden können. 

6. Entschädigung für Einquartierung. 

7. Entschädigung für den bei Militär-Uebungen verursachten Schaden. 

Vn. Militär-Pferde. 

1. Pferde-Listen. 

2. Aufforderung zum Gestellen von Pferden. 

3. Ersatz-Pferde, Remonte. 

ArclüvaliBche ZeltschTilt IX. 10 



146 Pfannenschmid: 

yni. National- und Mobil-Garde. Frei-Schützen. Garde nationale, Garde mobile, 
FrancB-ttreun. 

1. Registre matricule de la garde nationale. 

2. Contröle g^n^ral du service ordinaire. 

3. Contröle g^nöral de la r^serve. 

4. Relev^s nominati£3 des mobiliBables. 

5. Etat des mutations dans le classement des mobilisables. 

6. Proc^-verbaux d'^iection des officiers etc. 

7. etc. 

IX. Kriegslasten, Charges de guerie. 

1. Cbarges de guerre de 1813 ff. 

a) Requisitionen und Quittungen über Requisitionen (Fleisch, 
Brod, Heu, Hafer, Holz .etc.). 

2. Register. 

a) Einziehungs-, Scbanz-Register etc. 

b) Rechnungen über Einnahme und Ausgabe bez. derRepartition. 

c) Einquartierung. 

d) Liquidation des charges des guerre. 

e) 

3. Kriegsleistungen, Correspondenzen und andere Schriftstücke aus 

den Jahren 1870, 1871. 

X. Verschiedenes. Varia. 

1. Liste de recensement des hommes de 20 — 40 ans ; de 1870. Liste 
de recensement des hommes de 17 — 40 ans; de 1871. Liste des 
hommes mari^s ou veufe, sans enfants, 1870. 

2. Verzeichniss der jungen Leute, welche im französischen Heere 
gedient und nicht nach Beendigung des Krieges zurückgekehrt 
sind. 1872. 

3. Engagements militaires. 

4. Militär-Pensionen, Penslona militaires. 

5. Militär-Gebäude, Fortificationen. 

6. Proc^s-verbaux de martelage de bois propre a la construction 
des vaisseaux de guerre de la marine royale de 

7 

XL Feuerwehr, Pompien. 

1. Liste. 

2. Gratification an die Feuerwehr. 
3. 



J. Pdlizel-Saehen, ^) 

I. Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Instructionen, 
n. Allgemeine Correspondenz in Polizei-Sachen. 



*) Polizei-Personal s. Serie K. Forst-Polizei s. Serie N III. Wege- und Wasserbau-Polizei 
I. Serie O. Polizei in kirchlichen Angelegenheiten s. Serie P. Gewerbe-Concessionen s. Serie 
F, O und Q. Sanitäts- und Veterinär-Polizei s. Serie Q. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 147 

in. Politische Polizei. 

1. AuBchlag-Zettel, Afflches. 

2. AGfläufe, Aufstände, CJomplotte, Attroupement, Erneute. 

3. Gesellschaften, politische, associations. 

4. Gesellschaftliche Zusammenkünfte, R^unions, musikalische, lite- 
rarische; Turnvereine, sociöt^ de gymnastique. 

r>. Presse. 

6. Unter polizeiliche Aufsicht Grestellte, individiu piae^ sous la sur- 
Teillance de la haute police. 

7. Liste der Ausländer, welche sich in der Gemeinde aufhalten. 

IV. Persönliche und Sicherheitspolizei, Police pereonnelle, B^curitö publique. 

1. Domicil- Wechsel, Registre de ddclaraüons de domlcUc; AdxnlnionB k 
. domldle. 

2. Optionen, Optiona, Emigrationen. 

3. Naturalisationen, Katurallsatlonfl. 

4. Pass- Wesen, Passe-Ports. Heimathscheine. 

5. Feuer-Polizei, Police des feux, Suireillance des fours et cheminöes, Feuers- 
brünste, incendies. 

6. (bewerbe- und Lebensmittel-Polizei. 

7. Falsches Geld. 

B. Gefundene Sachen. 

9. Ck>lportiren und Hausiren, Colporta«e,brocantage. Legitimationsscheine. 
10 Fuhrwerke und Fuhren, police de roula«re. 

11. Dienstboten, Dienst^, Arbeitsbücher, llvrets d'ouyrier. 

12. Tag- und Nachtwache (Scharwache; Nachtwächter; Thurmwächter). 
V. Sittenpolizei, Police de moeuis. 

Bettelwesen, mendidtö. 

2. Findelkinder, Enfants trouv^. 

3. unsittliches Leben, döbauche. 
4« Wirthshäuser, Schenken. 

5. Theater, theatralische Vorstellungen, tbeAtre. 

6. Verbotene Spiele, jeux prohibös. 

7. Sittenzeugmsse und Benseignements über sittliche Führung, 
Certificats de moeura, renseignements de bonne condulte. 

VI. Feld-Polizei, police rurale. 

1. Aehrenlesen, Olana«e. 

2. Ausruf des Herbstes, Bau de v^ndange. 

3. Protokolle des Feldhüters, BapportB du gaidc-cbampötre. 

4. Feldjagd.») 

Vn. Gerichtliche Polizei. 

1. Vorladungen, AsslgnatloTis. 

2. Berichte in gerichtlichen Angelegenheiten, Renseignements Judidalres. 

3. Gerichtliche Versteigerungen, Ventes judldaires. 

4. Verhaftete, Dötenus. 

5. Gefangenen-Transporte, Transports de dötenus etc. 



*) Pollsel bezüglicb der Jagd im Gemeindewald s. Serie N UI. 

10* 



1 48 Pfaimenschmid : 

6. Yormundschafts- und Erbschafts-Sachen, Tntelle et saoceMlom. 

7. Armensachen, aasistance Judidalre. 

8. Criminalfälle : Ermordungen, tödtUche Verwundnligen. 

9. Todtenschau, Beerdigungswesen, Hshumationen. 
Vlil. Gendarmerie-Dienst. 



K. Wahl- und Personal-Sachen. 

I. Wählsachen betr. Landes- Verwaltung und Justizpflege. 

1. Allgemeine gesetzl. Vorschriften, Reglements, Instructionen. 

2. Allgemeine Correspondenzen. 

3. Wählerlisten. 

4. Wahlen zur Landesvertretung. 

a) Parlaments- Wahlen, Corps I6g:islatlf, Plebiaclt. 

b) Reichstagswahlen. 

c) Landes- Ausschuss- Wahlen. 

d) Conseil g^n^ral- et d'arrondissement's- Wahlen. 

e) Bezirks- und Kreistagswahlen. 

5. Wahlen oder Listen betr. Justiz-Pflege. 

a) Geschwomen-Listen 

b) Handelskammer- Wahlen, Gewerbe-Gerichts- Wahlen. 

c) Schöffen-Listen 

II. Gemeinde- Verwaltungs- Wahlen, Wahl des Bürgermeisters, Adjuncten 
und Gemeinde-Raths. 

1. Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Circulare, 
Instructionen. 

2. Allgemeine Correspondenz. 

3. Wahl des Bürgermeisters und Reclamationen. 

4. Wahl des Adjuncten und Reclamationen. 

5. Wahl des Gremeinderaths und Reclamationen. 
in. Personal-Sachen. 

1. Personal der Gemeinde- Verwaltung : Bürgermeister, Adjunct, Ge- 
meinderath. 

a) Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Dienst- 
instructionen, Befugnisse, Amtsabzeichen. 

b) Der Bürgermeister: Beeidigung; Bureau- und Repräsentations 
kosten, Gemeinde- Wappen, Dienstsiegel und Stempel, Standes- 
beamte, Beschwerden etc. 

c) Die Adjuncten : Beeidigung, Obliegenheiten, Beschwerden etc. 

d) Der Gemeinderath, Beeidigung der Mitglieder desselben, Be- 
schwerden. 

2. Unmittelbare Gemeinde-Beamte. *) 

a) Gemeindeschreiber, Ernennung, Remuneration, Beschwer- 
den etc. 

b) Bannwart und Hülfsbannwart (garde mesder), Ernennung, 
Besoldung, Beschwerden, Dienstmützen. 

Unter Serie K III 2—5 sind nur diejenigen Beamten aufgeführt, welche aus der 
Gemeindekasse entweder Besoldungen, oder Subventionen, oder Remunerationen erhalten. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 149 

c) Waibel, appariteur, Ernennung etc. 

d) Polizeidiener, agenta de police. 

e) Nachtwächter, garde de nult. 

f) Hochbau-, Wege- und Flussbau-Beamte. 

g) Sonstige Gemeinde - Beamte (Octroi- Beamte, Maulwurfis- 
fänger etc.). 

h) Pensionskasse für Gemeinde-Beamte. 
i) Unterstützungen an alte Gremeinde-Beamten. 

3. Geistliche. 

a) Pfarrer: Gehaltszulage, Buppl4ment de traltement au curö, au 
pasteur, Wohnungs-Entschädigung, indem jit4 de logemeni au cnrö, 
au pasteur, Dienstholz, Brandholz-Entschädigung für denselben, 
indemnitd pour bois de chaufflige — Beschwerden. 

b) Vicar, wie ad a. 

c) Babbiner, wie ad a. 

4. Lehrer-Personal. 

a) Correspondenzen betr. das Lehrer • Personal. Zusammen- 
stellender Nachweis über die Lehrer und Lehrerinen, Woh- 
nungs-Entschädigungen etc. 

b) Lehrer, Anstellung, Gehalt, Dienstholz, Beschwerden. 

c) Hülfslehrer desgl. 

d) Lehrerin desgl. 

e) Hülfslehrerin. 

f) Lehrerin für weibliche Handarbeiten. 

g) Vorsteherin von Kleinkinderschulen. 
, h) Personal von Fortbildungsschulen. 

5. Sonstige Beamte, die mit der Gemeinde - Verwaltung in Ver- 
bindung stehen. 

a) Gemeinde-Empfänger. 

b) Polizei-Commissar. 

c) Hegemeister. 

d) Förster. 

e) Kreis- und Cantonal-Arzt. 

f) Hebamme. 

g) Kreisthierarzt. 
h) Schornsteinfeger, 
i) Eichbeamter, 
k) etc. 

L« GemelDde>Rechniing8-Sachen. 

I. Allgemeine gesetzl. Vorschriften, Beglements, Instructionen. 
U. Allgemeine Correspondenz 

1. Mit Behörden und Beamten. 

2. Mit dem Gemeinde-Rechner.*) 
B. Mit Privatpersonen. 



() 8. auch PeiBonalsachen Serie K. 



150 Pfanneuschmid : 

m. Beschlüsse des Gemeinderaths. 
IV. Mandaten-Register. 
V. Budgets und Rechnungen. 

1. Primitiv-Budgets von bis . . . 

2. Supplementar-Budgets von bis . . . 

3. Verwaltungsberichte des Bürgermeisters von 

4. Kechnungen des Gemeinde-Rechners über Einnahme und Aus- 
gabe imd Rechnungsbelege (coxnptes de gestlon). 

5. Einnahme- und Ausgabe-Reste. 
6. 

VI. Gemeinde- Auflagen. 

1. Ordentliche Zuschlagsgelder (Centimes additionela ordinalres). 

2. Ausserordentliche Zuschläge (Centimes extraordinaires). 

3- 
Vn. Hundesteuer. 

1. Register zum Eintragen der declarirten Hunde. 

2. Gremeindetaxe für die Hundesteuer. Taxe municipale sur les chlens. 

3. Heberollen der Hundesteuer. 

4. Redamationen. 
Vm. OctroL») 

1. 
2. 
IX. Strafgelder. 

1. Antheil an den Polizei-Strafgeldem. 
2. 
X. Steuern von Gemeinde-Gütern. 

1. Steuern von den Gütern der todten Hand, Impöts des biens de 
maln morte. 

2. Steuern von sonstigen Oemeindegütem, Contributions des blens com- 
munaiiz. 

XI. Streitige Sachen, Contentleux. 
Xn. Irregularitäten bez. der Rechnungsführung. 
Xni. Dechargirung. 

1. Decharge seitens des Präfecturraths. 

2. Decharge seitens der Kreisdireddon. 
3. 

XrV. Activa, Passiva. 

1. Anlage von Kapitalien, Reconstitation de capitaux- Ankauf von Ka- 
pitalien, Acqulsition de capitaux. Kinziehung von Activ-Kapitalien, 
Remboursement de capitaux. 

2. Ablösung von Renten, Rachat de rentes. 

3. Anleihen, Emprunts. Verzinsung derselben, Remboursements d'emprunts. 

4. Nachweise über Activa und Passiva, Etat actlf et passif de la commune. 

5. Grezwungene Staatsanleihe, Emprunts forc^. 
6 



1) Siehe auch Serie K. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 151 

M. Gemeinde-Gilter^ die einem öffentliehen Zweoke^ gewidmet sind. 

L Kirche: Kirchenbau, Ankauf des Terrains, Pläne, Unterhaltung, Re- 
paraturen etc. Altar, Orgel, Thurm, Glocken etc. Correspondenz. 
n. Kapelle, desgl. 

m. Kirchhof, cimeti<^re. Ankauf. Mauer etc. Ertrag der Kirchhofgründe. 
IV. Pfarrhaus, preebytAre, Bau, Unterhaltung etc. 
V. Gemeinde- Haus, Ankauf des Terrains, Bau, Unterhaltung etc. 
VI. Schulhaus'), Ankauf des Terrains, Bau etc. 
Vn. Wachtlokal, Bau, Unterhaltung. 
Vni. Arrestlokal. 
IX. Spritzenhaus, Löschapparate. 
X. Oeffentliche Brunnen, Fontainen und Wäsche (Lavoir). 

XI. Hirtenhaus. 

XII. Schlachthaus. 
Xm. Gemeinde- Waage. 

XIV. Anderweitige Gemeinde-Gebäude.') 

1. Fruchthalle; 2. Gemüsehalle; .3. Fass-Eichungs-Amt etc.; 4. Ge- 
richtsgebäude mit Arrestlokals; 5. Gasantalt etc. 
XV. Gemiethete Gebäude und Lokale für öffentliche Zwecke: Schulen etc. 

XVI. Gemeinde- Archiv. 

a) Gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Erlasse, Instructionen. 

b) Inventar. * 

c) Correspondenz. 
XVn. Gemeinde-Bibliothek. 

a) Instructionen, Erlasse. 

b) Administrativ-Bibliotkek ; Anschaffung. Correspondenz in Betreff 
der Serien A, B, C. 

c) Schulbibliothek, desgl. 

d) Volksbibliothek. 
XVin. Oeffentliche Baudenkmäler. 

XIX. Feuer- Versicherung für Gemeinde-Gebäude. 



N. (Gemeinde -Guter, die dem gemeinsamen Gebrauche dienen, oder ver- 
pachtet sind. 

I. An- und Verkauf von Gemeinde-Gütern. 

1. Allgemeine gesetzl. Bestimmungen, Instructionen. 

2. Allgemeine Correspondenz. 

3. An- und Verkauf von Immobilien.*) 

Die Gemeinde-Wege b. Serie O. 

*) Dies gilt von denjenigen Orten, in denen Gemeinde- nnd Schulhaiu ' getrennte 
Gebftude sind. In der Regel ist Gemeinde- und Schulhaus nur ein Gebäude; dann erhält 
Rubrik V die gemeinsame Beseichnung : Gemeinde- und Schulbaus; No. VI fällt somit aus. 

*) Die Gebäude -. Fruchihalle (Fruchtlaube), Gemüsehalle etc. stehen hier unter dem 
Geslchtspunki des Gemeinde-Eigenthums, der Unterhaltungspflicht, des Baus derselben etc. — 
In Besag auf das Gewerbe, was in ihnen betrieben wird, s. Serie F; bezüglich der Polizei 
B. Serie J. — Gemeinde-Gebäude, welche keinem öffentlichen Zwecke gewidmet sind, gehören 
unter Serie N I. 3. b. 

*) Ankauf von Mobilien s. unter Serie A, B, C, K, M etc. T. — Ausleihe von Kapitalien, 
Anleihe, Renten, Zinsen, Hypotheken s. Serie G. 



152 Pf aniienschiH id : 

a) von Gemeinde -Jjändereien'); Theilangen ; Conccssioncn ; 
Schenkungen: Taasch, Pläne. 

b) von Gebäuden mit Dependenzen. ') 

4. Streitige Sachen, Contentleaz. 

a) Eingriffe Dritter auf Gemeinde-Güter (Antidpationen). 

b) Widerrechtliche Besitzergreifung derselben (Usurpationen). 

c) Revindicationen. 

d) Sonstige Process-Sachen. 

5. Verkäufe von verschiedenen Gegenständen;*) von 

a) Bäumen und Holz an Strassen und Wegen, 

b) Obst, 

c) Gras, 

d) Dünger, Strassenkoth, Erde, Schlamm (vase). 

e) Fischen. 

f) Unbrauchbaren Gegenständen : Abfall von Bauholz, Abbruch- 
steinen, Ofenröhren, Kirchenfenstem, Feuerherden etc. 

n. Pachte, Baux de biens communauz, und sonstige Einkünfte. *') 

1. Gesetzliche Bestimmungen, Instructionen. 

2. Allgemeine Correspondenzen. 

3. Allgemeine Verpachtungsbedingungen bezüglich des Ackerlandes, 
der Matten, des Grases an den Gemeindewegeu, desgleichen der 
Bäume, der Baumfrüchte, der Weiher etc. 

4. Verpachtung*) betreffend: 

a) Ackerland, Weiden, Matten, Beben, Gras, Bäume. 

b) Stein- und Kiesgruben (ball des carrieres et graviöres) im Felde. 

c) Minen, Eisenerz. 

d) Thonerde, terre de poterie. 

e) Feldjagd*), Antheil an den Gebühren für Jagdscheine. 

f) Fischerei. 

g) Zuchtstier, taureau leproducteur. 
h) Weidgang (valne päture, parcours). 

i) Pfei^eld (parcage). 

k) Gebäude: Fabriken, Mühlen etc. 

l) Markt- und Hallen-Geld, 
m) Waage- und Massgebühren, 
n) Schlachtgeld, droits d'abattage. 



*) Banngrensen, Vermarkung, Grenzbeschreibung und Bestand der oommunalen liegen- 
lehaften s. Serie G. 

*) El Bind solche Gebäude gemeint, die nicht einem öfi^ntllcben Zwecke gewidmet 
sind, als Fabriken, Mfihlen etc. 

*) Diese Verkkufe beziehen sich auf alle diejenigen Gegenstände, welche nicht im 
Gemeindewald liegen, da dieser der Korstverwaltung unterstellt ist. Ist das letztere nicht der 
Fall, lo gehören die betreffenden Verkäufe unter N I. 5. 

*) Es ist zu beachten, dass alle hier aufgefdhrten Pachte etc. von Ländereien, Weiden, 
Stein- und Kiesgruben etc. sich nicht beziehen auf denjenigen Grund und Boden, welcher 
der Forstverwaltung unterstellt ist. 

*) Man kann die Feldjagd auch zu der Waldjagd stellen, s. N III. 15. g. 



Ueber Ordiumg und Iiiventarisirung der üeiiieinde-Archive. 153 

o) Kilbe, Messti, Kirch weih (föte patroDalc). 

p) Abgaben von vertheilten Gemeindegötern, Retrlbutions assiscs 
sur communaux parta^^. 
m. Forstsachen.*) 

1. Allgemeine gesetzl. Bestimmungen, Reglements, Instructionen. 

2. Allgemeine Correspondenz. 

3. Allg. Gemeinderathsbeschlüsse in Forstsachen. — Feststellung 
des Forstbudgets. 

4. Gemeinde- Waldungen ; Grenzen, Grösse etc. 

a) Allgemeine Grenzbeschreibung und Vermarkung (Versteinung) 
der Gemeinde-Forsten zu N. (Name der Gemeinde) und der 
Nachbargemeinden etc. (döUmitatlon gönöralc zu allgemeine 
Grenzbeschreibung; Bomag« g6n6r«il iz: allgemeine Vermarkung). 

b) Theilweise Grenzbeschreibung und Vermarkung (d^Umitation 
et bornaga partiels). 

c) Grenzberichtigung (Rectlflcation des llmites). 

d) Theilungen ungetheilter Waldungen. 

e) Ab- und Zugang von Forstgrund. 

a) An- und Verkauf von Waldungen. 

b) Unterstellung von Ländereien unter die Forstverwaltung 
(soumission de terralnB au r(^gime forcstier). 

c) Der Forstcultur entzogenes Land (dlstractions). 

b) Abtretung von Forstgrund an den Staat wegen Wege-, 
Eisenbahn- und anderen Anlagen, Militärschiessstände 
etc., wie an andere Corporationen oder Private. 

f) Gemeinde- Waldungen, welche nicht der Forstbehörde unter- 
stellt sind. 

5. Bewirthschaftungspläne (am^nagement). 

a) Wirthschafts- oder Betriebseinrichtungs - Plan, Proe^- verbal 
d'am6nagement. 

b) Special-Karte, plan de division. 

c) Wirthschaftskarte (Reductionskarte für die Oberförster). 

6. Forst-Culturen. 

a) Cultur-Pläne, Rechnungen. 

b) Verding von Waldarbeiten. 

c) Rodungen, Ausstockungen (döMchementa). 

d) Aufforstung von Oedländereien, namentlich der Berge (reboiae- 
ment, guzonnement des montagncs). 

e) Arbeiten und Lieferungen für Forstverbesserung, Travaux et 
foumltures pour amöliorations forestiöres. 

f) Zeitverpachtungen von Waldterrain behufs Wiederaufforstung 
(location de terrains forestiers ä Charge de repcuplement). 

7. Holztaxen. 

8. Hauungspläne. 
9 Holzschläge. 

a) ordentliche (coupee ordlnaiies). 

b) ausserordentliche (coupei ei^traordinnircs). 



*) Die Personalien der Forstbeamten s. Serie K. 



1 54 Pf annenschmid : 

10. Yerdingangsarbeiten. 

a) Yerdingungs-Protokolle. 

b) Fa^nniren. 

c) Schlagabnahme. 

d) Unternehmer. Entschädigungen für Prolongationen; für Be- 
schädigungen. 

11. Verkäufe von Holz, Lohrinde etc. 

a) Durch Versteigerung. 

b) Freihändig. 

12. Gab- oder Bürgerholz (bols d'affoua^). Verkauf des untheilbaren 
Gabholzes (vente des bols Impartageables). 

13. Dienstholz (bols de Bervice). 

14. Abgabe von Faschinen. 

15. Forst-Nebennutzungen. 

a) Nebennutzungs-Taxen. 

b) Auslichtungsholz (bois d'öclaircie) ; Reisig (bois d'dlagage, essnrtage); 
Windfall (chablis); Frevelholz (bols de dölit); RaiS- und Leseholz; 
Abholz (mort bols); abgestorbenes Holz (bols mort); Auctori- 
sationen. 

c) Eichellese, Bucheckern - Lese (falnes), Sämereien, Pflanzen, 
Heide etc. 

d) Weide (patange). Eichelmast (panage). 

e) Laub, Gras, Seegras (Crin v^götal). 

f) Steinbrüche, Kies- und Sandgruben (carrl6res, sabli^res) etc. 

g) Jagd- Verpachtung. 

h) Fischerei- Verpachtung. 

16. Berechtigungen und Herkommen 

a) der Gemeinde N. an den Staatsforst zu N.; an andere Ge- 
meinde- oder Privatwaldungen- 

b) Abfindung von Berechtigungen der Gemeinde N. in Staats- 
und anderen Forsten durch Abtretung von Waldboden 
(Cantonnement). 

c) Berechtigungen Dritter an den Gemeindeforst N. : 

a) Trift- und Weidgangsrecht (valne p&ture et parcouTs); 
aller Art Viehweide (paturage); Hornvieh- und Pferde- 
Weiderecht (droit de panage) ; Eichelmast (droit de gland^e) ; 
Eichellesen (rassemblage des glands). 

b) Raff- und Leseholz; Laublesen etc. 

17. Abgabe des Zwanzigstels an den Staat (fhds d'administraüon des bols, 
taxe flx^ au 20^»« du prix des bois vendus et de la valeur estlmative des 
prodults döliyr^ en nature). 

18. Wald-, Wege- und Wasserläufe. 

a) Wald- und Forstw^e (chemlns foresüers). 

b) Wege- und Brückenbauten; Ufer- und Canalbauten. 

c) Verlegung von Wegen und Wasserläufen. 

d) Concessionen für Wege und Wasserbenutzung etc. 



lieber Ordnung und luventarisirung der Gemeinde-Archivft. 1^5 

19. Bodenuntersuchungen. 

a) auf Mineralien (Schürfarbeiten) etc. 

b) auf Quellwasser. 

20. Wildschäden und Vertilgung schädlichen Wildes. 

21. Schädliche Naturereignisse. 

a) Waldbrände. 

b) Wasserbeschädigungen. 

c) Schneebruch. 

d) WindfalL 

22. Privatwaldungen. 

23. Foret-Polizei. 

a) Bauten in verbotener Entfernung (constructions ä distance prohlböe). 

b) Abschwenden, Verbrennen des Rasens (äcobuage). 

c) Holz-Diebstahl; Ersatz für Waldfrevel (Restitutloiui forestiöres). 

d) Geldstrafen für Jagdfrevel (amendes pour d^llts de chane). 

24. Streitige Sachen (Contentieux). 

a) Fällen von Bäumen, die auf der Grenze zwischen Gemeinde- 
wald und Privat-Eigenthum stehen. (Abattage d'arbres mltoyens 
entre les foT^ts et les parÜcuUen.) 

b) Processe und andere Streitigkeiten. 

25. Varia. 

a) Formular-Beschafhing etc. 

b) etc. 

0. Wege-, Wasser- und Flassbav-Saclieii. ^) 

I. Gesetzliche Bestimmungen, Reglements, Instructionen, 
n. Gemeinderathsbeschlüsse in Wege- und Flussbau-Sachen, 
ni. Allgemeine Correspondenz. 
IV. Staatsstrassen. 
V. Departements-, Bezirksstrassen. 

VI. Kreisstrassen, Vizinalstrassen , chemins ylcinaux de grande communlcation, 
chemlns Tidnaux d'int^rfit commun. Bau- und Unterhaltungskosten, Fraia 
d'entretlen. Pläne etc.. Brücken, Durchlässe. 
Vn. Gemeinde-, Vizinalwege, caiemlM vidnaux ordinaires. Bau, Unterhalt, 
Pläne etc. Besichtigungs- und Versteinungs - Protokolle, proc^-verbaux 
de lecoxmaiflaance et bomage. Brücken, Durchlässe. 
Vin. Land- und Feldwege, chemins niraux. Bau, Unterhalt, Pläne etc. Brücken, 
Stege etc. 
IX. Frohnden, Prestations. 

1. Heberollen der Frohnden. 

2. Frohnden in natura. 

3. Frohnden in Geld. 

4. Options-R^ister für die Frohnden. 

5. Declaration über geleistete Frohnden, D^claration d'acqults de prestations. 

6. Vergleichende Uebersichten der Frohnden, Etats comparatlfs des 
prestations. 

*) Fohr-Polizei s. Serie J. 



156 Pfaimenschmid : 

X. Wege- und Wasserlaufa- Sachen innerhalb des Gemeinde-Orts. 

1. Pläne des Ortes, Verzeichniss der Strassen, Gassen, öffentlichen 
Plätze, Brunnen, Denkmäler, Kreuze, Wegweiser, Ortstafeln. 

2. Ortstraversen, Alignementspläne. 

3. Bauflucht und Durchbruch von Strassen, Alignement et pcrccment 
des nies. 

. 4. Strassenpflaster und Fusssteige, Pav^ et trottoire. 

5. Wasserläufe innerhalb des Orts, Gossen, Rinnen. 

6. Strassenreinigung, Nettolement des nies. 

7. Strassenbeleuchtung, telairage des nies. 
XI. Eisenbahnen, Strassen-, Pferde-Bahnen etc. 

XU. Wasser-, Flussbau (servlce hydraullque), Kanäle etc. 

1. Fluss-Regulirung, Wasserläufe und Gräben, Teiclie. 

2. Kanäle, Schleusen. 

3. Brücken und Wasserleitungen, Fonts et acquedacs. 

4. Stauwerke. 

5. Irrigationen. 

XIII. Syndicate. 

XIV. Triebwerke (usines). Fabriken, Mühlen, Wasser-Reglements. 
XV. Wege- und Wasser-Polizei.*) 

1. Vorschriften, Erlasse über das Räumen der Wasserläufe (curage 
des mlsseaiu). 

2. Strafen etc. 



P. Kirchen- und Sehnlsachen. 

I. Kirchensachen.*) 

1. Römisch-katholischer Kultus. 

a) Gottesdienst. 

b) Feste, Geläut u. s. w. 

c) Religiöse Genossenschaften, Assodations. Congr^gatlons rellgieuses, 
Orden. 

d) Beschwerden. 

2. Evangelischer Kultus. 

a) Gottesdienst. 

b) Feste, Geläut, 

c) Beschwerden. 

3. Sectirer: Menoniten, Wiedertäufer etc. 

4. Mosaischer Kultus. 

a) Gottesdienst. 

b) Beschwerden etc. 

5. Kirclienfabrik. •) 

a) Subvention seitens der Gemeinde. 

b) Rechnungen. 



») Polizei betr. Wald- und Forstwege s. Serie N III. 

*) Die Personalien s. Serie K. 

*) Man kann auch die Mitglieder der Klrcbenfabrlk auHühren. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 157 

n. Schulsachen.^) 

1. Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, .Reglements, Erlasse, In- 
structionen. 

2. Allgemeine Correspondenzen. 

3. Oeffentliche Schulen, Elementarschulen. 

a) Knaben- und Mädchenschulen. 

b) Kleinkinderschulen. 

c) Fortbildungsschulen, Coura d'adultes. 

d) Schuldispense. 

e) Ferien. 

i) Preise, Belohnungen. 

4. Schulgeld für den Elementar-Unterricht. 

a) Schulgeld seitens der schulpflichtigen Kinder (R^tributlon Boolaire). 

b) Gemeinde-Beiträge. 

c) Schulversäumnisse (Strafgelder oder Haft). 

d) Staats- und (Departements-) Bezirks-Subvention. 

5. Lokal-Schul-Comit^ und staatliche Aufsicht über die Elementar- 
schulen 

a) Begistre du Comit^ local d'instruction primaire. 

b) Die jetzige Lokal- Schul-Commission. 

c) Die staatliche Schul-Inspection. 

6. Unterhaltung von Freistellen im Lehrer - Seminar (Entretien des 
bouTses ä l'öcole normale). 

7. Beiträge zur Lehrer - Unterstützungskasse, Allocatlon au proflt de la 
sodötö de secoura znutuels des instltuteurs. 

8. Höhere Schulen. 

a) Lyceen, Gymnasien etc. 

b) Colleges, Realschulen etc. 

c) Höhere Töchterschulen. 

9. Privatschulen. 

a) Sonntagsschulen. 

b) Sonstige Privatschulen. 



H» Medidnal- und Teterinärsachen. ') 

L Medicinal- Sachen. Sanitäts-Polizei. 

1. Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, Erlasse, Instrustionen. 

2. Impfsachen. ') 

3. Ansteckende Krankheiten, Epid^mies. ") 

4. Anlage von Fabriken, von gesundheitsschädlichen Etablissements, 
Etabllaaeinents Insalubres; Ungesunde Wohnungen. 

5. Kirchhöfe in sanitärer Hinsicht, Beerdigungen, inhamaüons. 



*) Die Personalien s. Serie K. 

*) Diese Serie begreift in sieb die allgemeinen und speziellen Verfügungen der oberen 
Behörden und die betr. Polizei-Erlasse der Bürgermeister. 

') Sofern es sich um statistische Nachweise handelt s. Serie F. Dasselbe gilt besiehungi- 
weiie f&r Q I. 3 u. n. 2 n. 3. 



1 58 Pfannenschmid : 

6. Unbefugte Ausübung der Arznei- Wissenschaft, Ezerdce niögal de la 
mödeclne. Geheimmittel. 

7. Apotheke. 
8. 

9. 
II. Veterinär-Sachen. Veterinär-Polizei. 

1. Erlasse, Instructionen etc. 

2. Viehseuchen, Eplzooties. 

3. Hundswuth, Hydrophobie. 

4. Abdeckerei, Equarriüaage. 
5. 



R. Wohlthfttigkeits-Saehon. 

I. Allgemeine gesetzliche Bestimmungen, Erlasse, Instructionen. 
II. Oeffentliche Wohlthätigkeit 

1. Hospital, Hospioe. *) 

2. Wohlthätigkeits-Bureau.*) 

3. Sparkasse, Caiwe d'öpargne. ^) 

4. Armen-Kinder. 

a) Waisen-Kinder. 

b) Findel-Kinder. 

c) Armen-Kinder im besonderen. 

6. Unentgeltliche Beschaffung von Arzneien an arme Kranke, Four- 
nitures de m^dlcaments pour les malades pauvres. 

6. Blinde, Taubstumme, Aveugles et souids. 

7. Andere Gebrechliche. 

8. Geisteskranke, All^nte, Irre etc. 
m. Privat- Wohlthätigkeit. 

1. Vermächtnisse, Geschenke an Geld und sonstigen Gaben fflr 
milde Zwecke. 

2. Sammlungen für milde Zwecke. 

3. Oeffentliche Lotterien, Loteriee publiques. 

4. Abgabe von Gesellschaften etc. für milde Zwecke, von Schau- 
spielen, Conoerten, Bällen und anderen lokalen Vergnügungs- 
Cresellschaften. 

5. Herbergen für Dienstboten, Handwerker etc. 

6. Patriotische Gaben, Dons patrlotlqaes 



S. Terschledene Sachen,') 

I. Wissenschaft und Kunst.. 

1. Wissenschaftliche Vereine, historische, naturwissenschaftliche. 

2. Wissenschaftliche Sammlungen, Kunst-Sammlungen. 

3. Musik-, Tum- Vereine etc. 



*) Es können auch die Mitglieder der Administration der betreuenden Wohlthfttig- 
keits- Anstalten angegeben werden. 

*) Sofern es sich dabei um polizeiliche Erlaubnias, Beauftichtigung handelt, s. Serie J. 



TJeber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 159 

n. Gemeinnützige Vereine. 

1. Jünglinge-Vereine. 

2. Thierschutz- Vereine. 

3. Gartenbau- Vereine. 

4. Verschönerungs- Vereine. 

in. Gemeinnützige Unternehmungen. 

1. Errichtung von öffentlichen Denkmälern. 

2. Anlage von öffentlichen Anstalten. 

lY. Historische Denkmäler; alte Bauwerke. Inschriften an öffentlichen 

und Privat-Gebäuden. 
V. Oeffentliche Feste, Volksfeste. 
VI. Gemeinde- Wappen. 
Vn. Privat-Angelegenheiten. 
VllL, Landesyermessung (Triaxi8:ulation). 



T. Mobiliar-Inrentare. 

1. Gemeindehaus. 

2. Schulhaus. 

a) Knabenschule. 

b) Mädchenschule. 

c) Gemischte Schule. 

3. Wohnungen, 

a) der Lehrer. 

b) der Lehrerin. 

4. Pfarrer- und Vicar- Wohnung. 

5. Spritzenhaus. 

6. Wachtlocal. 

7. Hirtenhaus. 

8. Amts-Gericht. 

9. etc. 

Zur Erläuterung des von mir aufgestellten Schematismus mögen 
noch folgende besondere Bemerkungen dienen. 

Aus einer Vergleichung der Hauptrubriken des französischen 
Systems mit dem meinigen ergiebt sich, dass die Bezeichnung der 
Serien F, K, N und präciser gefasst ist, und dass die Serien P, 
Q und R neu Mnzugekommen sind, wobei die Serie P (Varia) des 
französischen Systems nunmehr Serie S geworden ist. Diese Ver- 
änderungen waren durch die Sache selbst geboten. Für Unter- 
bringung der Kirchen- und Schul-Sachen . (Serie P), der Medicinal- 
und Veterinär-Sachen (Q) und der Wohlthätigkeits-Sachen (E) bot 
das französische System keinen Raum. Die unter diese Kategorieen 
fallenden Sachen hätte man in die französische Serie P (Varia) 
unterbringen müssen; das aber war nicht angängig. Es blieb also 
nichts anderes übrig als diese Serien neu zu bilden. 



160 Pfannenschmid: 

Wenn nun gleichwohl in der Serienbezeichnug ein mnögliohst 
enger Anschluss an das französische System aus praktischen Gründen 
für hiesige Verhältnisse geboten war, so wird dieser Grund in Weg- 
fall kommen können, wenn es sich um Aufstellung eines allgemeinen 
Schemas für deutsche Verhältnisse handelt. Dies gilt namentlich 
von den Serien F, K und N. Aus Serie F kann man vier ver- 
schiedene Serien machen, Serie K kann man in zwei verschiedene 
Serien trennen, von Serie N kann man die Forstsachen als be- 
sondere Serie ablösen. 

Was nun die Aufstellung des Schematismus der einzelnen 
Serien anlangt, so ergiebt sich zwischen dem französischen und den 
von mir aufgestellten Muster-Schematen ein durchgreifender, bereits 
früher motivirter Unterschied. Hier möge nur noch angefügt werden, 
dass eigentliche Generalacten im landläufigen Sinne des Wortes ge- 
nommen , in Gemeinde- Archiven ihrer Natur nach nicht, oder doch 
nur höchst selten vorkommen. Es konnte deshalb eine besondere 
Rubrik für Generalacten in diesem Sinne nicht gegeben werden. 
Dagegen kommen Correspondenzen vor, welche sich auf Register 
(z. B. Kataster-Atlas, Kataster-Rollen etc.), oder auf Tabellen von 
unhandlichem Format beziehen i). Diese Correspondenzen müssen 
in eigenen Heften untergebracht werden. Dafür habe ich, wo dies 
nöthig schien, die Rubrik „Allgemeine Correspondenz" gewählt (z.B. 
in Serie F). Eventuell kann dieselbe auch zur Unterbringung von 
generellen Erhebungen über einen einzelnen Dienstzweig, falls diese 
in grösseren Gemeinden und Städten vorkommen sollten, benutzt 
werden. 

Es wurde soeben die Ansicht ausgesprochen, dass in einem 
Gemeinde- Archive keine eigentlichen Generalacten vorkommen können. 
Dies ist richtig, sofern man unter Generalacten das versteht, was 
gewöhnlich darunter gemeint wird. Solche Acten finden sich nur 
in den Registraturen der oberen Behörden vor. Demnach könnte 
man folgern, dass in einem Gemeinde- Archive , abgesehen von den 
Registerbüchern, Karten und Plänen, nur Specialacten vorkommen 
könnten. Den Gegensatz so zu fassen, ist offenbar unrichtig. Die 



*) Die Behörden nehmen viel zu wenig Bücksicht auf gleichförmiges 
Format der Register und Tabellen. Beides wird zu häufig gewechselt; es ist 
bald grösser, bald kleiner. Die Verlegenheiten, dergleichen Formate in den 
Gemeinde- Archiven passend unterzubringen, sind oft sehr gross. 



Ueber Ordnung und Inventarisirung der Gemeinde- Archive. 161 

Serien als solche haben einen generellen Charakter an sich, ebenso 
ihre Abtheilungen; diese verhalten sich zu jenen wie die Art 
(Species) zur Gattung (genus). Innerhalb der Art aber giebt es 
Unterarten (subspecies), und innerhalb dieser giebt es Individuen. 
In diesem Sinne würden die Serien, die Hauptkategorien, die General- 
acten, die Unterabtheilungen derselben die Specialacten darstellen, 
die Subdivision würde zu Individualacten führen, sofern man unter 
Individuum ganz allgemein ein Einzelwesen versteht. So viel mir 
bekannt ist, wird in den Registraturen der oberen Behörden diese 
logische Unterscheidung nicht gemacht: man begnügt sich im all- 
gemeinen mit General- und Specialacten. Jene beziehen sich generell 
auf einen ganzen Dienstzweig, diese sind nichts anderes als Indi- 
vidualacten. Praktisch kommt man damit aus. Die Verwaltungs- 
sprache hat eben auch ihre eigene Terminologie. Behalten wir nun 
diese Terminologie bei, so müssen wir uns darüber verständigen, 
ob man in einem Gemein de- Archive überhaupt von Generalacten 
reden könne. Im Gemeinde-Archiv verjüngt sich die gesammte 
Administration der höheren Administrativ-Behörde, In diesem be- 
schränkteren Sinne giebt es demnach für jedes Gemeinde-Archiv 
General- und Specialacten. Generalacten sind alle gesetzlichen und 
reglementarischen Bestimmungen, welche einen durch eine be- 
stimmte Serie bezeichneten Dienstzweig regeln ; alle übrigen Acten 
sind Specialacten. Diese Specialacten sind aber mit dem Charakte- 
ristikum der Abstraction behaftet. Unter die Acte „Lehrer" (Serie 
K in. 4. b.) wird man also alle Dokumente chronologisch zu bringen 
haben, welche sich auf die im Amte auf einander folgenden Lehrer 
beziehen. Innerhalb dieser Lehreracte wird man aber gleichwohl 
später, um mich dieses Ausdrucks zu bedienen, Individualacten 
bilden, nämlich dann, wenn ein Lehrer seine Stelle verlässt. Diese 
Acten sind mit besonderem Umschlag "und besonderer Signatur zu 
versehen. Von dieser Art von Special- (richtiger Individual-)Acten 
ist jedoch noch eine besondere Art zu unterscheiden. Gesetzt, eine 
Gemeinde wäre Eigenthümerin einer durch Wasserkraft getriebenen 
Mühle, welche sie durch Kauf vor Zeiten erworben hätte, so würde 
der Kaufact unter Serie N I. 3. b. zu bringen sein. Würde dieselbe 
Mühle dann verpachtet werden, so würden die betreffenden Acte 
unter Serie N II. 4. k. zu stellen sein. Würde die Mühle in eine 
Färberei umgewandelt werden, so müsste man die bezüglichen 
Schriften in Serie Q unterbringen; würde sie endlich verkauft, in 

Archivaliflche Zeltschrift IX. 11 



162 t^fannenschmid : 

Serie N I. 3. b. Wäre nach diesem Princip geordnet , so müsste 
man alle diese auf das eine Triebwerk sieb beziehenden Dokumente 
aus jenen verschiedenen Serien zusammensuchen, um sie dem Käufer 
aushändigen zu können. Das wäre offenbar höchst unbequem. In 
diesen und ähnlichen Fällen wird man also eine besondere Acte 
(Individualacte) innerhalb der Specialacte „Gemeinde-Triebwerke" 
bilden, um darin alle auf dasselbe Etablissement bezüglichen Schriften 
beieinander zu haben. Wann eine solche (Individual-)Actenbildung 
einzutreten hat, ergiebt sich aus der Natur der Dokumente bei 
einigem Nachdenken von selbst. 

Sind nun die Schemata und ihr Gliederbau, so könnte man 
fragen, ausreichend, um alle möglichen Fälle darunter zu sub- 
sumiren? Soll dieses System ein ideales sein, welches der Wirk- 
lichkeit abstrahirt ist, so scheint es nahe zu liegen, die Forderung 
zu stellen, dass es auch alle möglichen Fälle erschöpfe. Allein 
diese Forderung würde Maass und Ziel verleugnen. Nicht einmal 
alle wirklichen Fälle sind berücksichtigt worden. Das hiesse alle 
solchen Fälle kennen, derer zu geschweigen, welche zukünftig vor- 
kommen können. Niemand wird sich solcher Kenntniss zu rühmen 
vermögen. Die Aufgabe musste sich daher darauf beschränken, 
aus den concreten- Fällen , welche mir in Wirklichkeit selbst vor- 
gelegen haben, den allgemeinen Fall zu construiren. Ist nun der 
Schematismus sohin nothwendiger Weise mangelhaft, so ist er aber 
nichts destoweniger praktisch brauchbar. Und auf praktische Brauch- 
barkeit allein konnte das Absehen gerichtet sein. Finden sich nun 
Fälle, welche übersehen sind, so werden sie sich an der Hand der 
gegebenen Schemata leicht betreffenden Ortes einfügen lassen, sei es 
im Wege der Intercalation , wenn der Schematismus fertig ist und 
auf dem Papiere steht, sei es durch Yeränderung der Eintheilungs- 
nummern, wenn die Ordnung des Archives vorgenommen wird. 

Wir haben nun weiter zu untersuchen, in welcher Weise die 
Schemata praktisch verwandt werden sollen. 

Da die Schemata und die durch sie gegebene Gliederung ledig- 
lich zur Orientirung bei Ordnung und Inventarisirung der Ge* 
meinde- Archive dienen sollen, so ist hiemit zugleich auch aus- 
gesprochen, in welcher Weise sie gebraucht werden müssen. Nicht 
aUe Eategorieen der in den Schematen aufgezählten Schriften finden 
sich gleichmässig in den Gemeinde- Archiven vor; in dem einen 
sind Haupt- und Unterrubriken vorhanden, welche in dem anderen 



Üeber Ordnung und Inventarisirung der öemeinde- Archive. 163 

fehlen. Natürlich kann das, was fehlt, nicht mit inventarisirt werden. 
Doch ist hier zu unterscheiden einestheils zwischen denjenigen 
Schriften, welche ihrer Natur nach da sein müssten, aber aus Nach- 
lässigkeit verschwunden oder aus Gleichgültigkeit oder Unkenntniss 
nicht aufbewahrt worden sind, und solchen, welche zwar noch nicht 
vorhanden w^aren, die aber jeder Tag bringen kann, und andern- 
theils zwischen solchen, welche ihrer Natur nach überhaupt nicht 
vorkommen können. Diese Fälle sind so leicht zu erkennen, dass 
besondere Beispiele anzuführen überflüssig erscheint Hienach ist 
das aufzustellende Schema bezüglich der Numerirung seiner Glieder 
einzurichten. Die Fälle der ersten Art sind also aufzuführen, die 
der zweiten Art naturgemäss fortzulassen. Hinsichtlich der an- 
zuführenden Schriftstücke schreibe man auf den mit der betreffenden 
Signatur und Aufschrift versehenen Umschlagbogen „Fehlt", bis sich 
Material findet, und mache im Inventar denselben Vermerk. 

IV. Die DurchfDhrung. 

Aus der bisher gegebenen Darstellung ergiebt sich der noth- 
wendige Satz, dass das Gemeinde-Archivwesen ohne eine höhere, 
nach festen Principien geleitete Aufsicht nicht existiren kann und 
femer, dass dieses Aufsichtsrecht Sache des Staates ist. Da nun 
zur Verwaltung eines Gemeinde-Archives in erster Linie eine be- 
stimmte Summe von Fertigkeiten, die archivalische Technik, gehört, 
so kann das Aufsichtsrecht des Staates nur durch ein Organ aus- 
geübt werden, welches die archivalische Technik im weitesten Sinne 
des Wortes kennt und berufsmässig täglich zur Anwendung bringt. 
Das Organ des Staates kann in diesem Betracht nur das Staats- 
archiv sein, dem zum Zweck der Ausübung des hier in Rede stehen- 
den staatlichen Oberaufsichtsrechtes bestimmte gesetzliche Befugnisse 
eingeräumt werden müssten. Die Ausübung der staatlichen Ober- 
aufsicht über die Gemeinde- Archive seitens der Beamten der Staats- 
Archiye ist aber an die Voraussetzung geknüpft, dass hiebei eine 
Arcbivorganisation vorhanden sei, wie sie dermalen in Elsass- 
Lothringen und in Bayern besteht. Und das heisst nichts anderes, als 
dass einmal die Staats-Archive in möglichst engem Contact mit der 
modernen Staatsadministration stehen, und dass sodann die Archiv- 
sprengel einen Umfang haben müssen, der etwa dem der elsass- 
lothringischen Bezirke, oder dem der bayerischen Kreise entspricht. 

Es ist dies ein Punkt von weitgreifender Bedeutung. Sollte er hier 

11* 



164 Pfannenschmid: 

weiter ausgeführt werden, was nicht die Absicht ist, so müsste das 
zu einer einschneidenden Kritik führen über die durchaus fehler- 
hafte Einrichtung des Archivwesens in den meisten Staaten Deutsch- 
lands. Das muss hier jedoch gesagt werden, dass, wenn überhaupt 
an eine Weiterentwicklung des deutschen Archivwesens gedacht 
werden soll, nicht nur in ganz einseitiger Weise den Anforderungen 
der Wissenschaft, sondern auch ganz besonders denen des praktischen, 
administrativen Dienstes der Regierungen Reclinung getragen werden 
muss. Und das kann nur geschehen durch eine Theilung der zu 
grossen Archivsprengel in kleinere, deren Sitze an die der Regie- 
rungen geknüpft sein müssten. Da man aber alte oder veraltete 
Zustände, so wie sie einmal sind, nicht ohne weiteres ändern kann, 
so muss man vorläufig für die zu grossen Archivsprengel bezüglich 
der Aufsicht über die Gemeinde-Archive eine Auskunft darin finden, 
dass man diese Sprengel in so viele ideale administrative Archiv- 
bezirke eintheilt, als Bezirksregierungen in jenem einbegriffen sind. 
Zur Verwaltung eines jeden Bezirks müsste man je einen Beamten 
beauftragen, oder für den ganzen Sprengel einen besonderen Be- 
amten mit einem eigenen Secretär anstellen. 

Würde aber so die aus der Beaufsichtigung der Gemeinde- 
Archive erwachsende Arbeit von dem Personale der Staats-Archive 
bewältigt werden können? Man möge dieses nach den hiesigen 
Verhältnissen beurtheilen. 

Das Oberelsass bildet einen einheitlichen Verwaltungsbezirk 
mit sechs Kreisdirectionen. Der ganze Bezirk umfasst 385 selbständige 
Gemeinden mit 461,942 Seelen. Die Anzahl der Gemeinden der 
einzelnen Kreise schwankt zwischen 32 und 116 Gemeinden; im 
Mittel kommen auf jeden Kreis 64 Gemeinden. Nimmt man nun 
an, dass jährlich im Durchschnitt 20 Archive behufs der Ordnungs- 
und Inventarisirungsarbeiten von einem Archivbeamten besucht 
werden können, so würden 19 Jahre erforderlich sein, um mit allen 
Gemeinden fertig zu werden. Jeder Kreis würde mehr als drei 
Jahre in Anspruch nehmen. In Anbetracht der mit der Archiv- 
aufsicht verbundenen Correspondenz und Durchsicht der eingehenden 
Inventare kann von einem Archivbeamten neben seinen übrigen 
dienstlichen Obliegenheiten nicht mehr geleistet werden. Gleich- 
wohl sind 19 Jahre eine zu lange Zeit. Das ist ein grosser üebel- 
stand. Man muss also auf ein Mittel sinnen, denselben wenigstens 
zum Theil zu beseitigen. Dies lässt sich nur dadurch erreichen. 



lieber Ordnung und Inventarisirnng der Gemeinde- Archive. 165 

dass man sich nach qualificirten Gehülfen umsieht. Da nuu von 
dem Personal des Bezirks-Archivs aus Gründon der Arbeitsökonomie 
hiezu Niemand verwandt werden kann, so sind die Mitarbeiter 
unter den Gemeindeschreibern selbst zu suchen. 

Man nehme also aus 30 Gemeinden sechs tüchtige Gemeinde- 
schreiber, die man sich vom Kreisdirector oder dem Kreisschul- 
inspector im Voraus bezeichnen lasse , heraus und übe sie sorg- 
fältig ein. Hierzu wird in der Eegel ein ganzer Tag genügen. Der 
betreffende Mitarbeiter müsste dann vier ihm benachbarte Gemeindo- 
schreiber unterweisen, so dass diese für das nächste Jahr ihr Archiv 
geordnet und repertorisirt hätten. Auf diese Weise könnten in 
jedem Jahre 30 Archive inspicirt, und ebenso viele für das folgende 
Jahr für die Inspection vorbereitet werden. Verstünde man sich 
einzurichten, so würden in etwa 12 bis 13 Jahren sämmtliche Ge- 
meinde-Archive des Bezirks inspicirt, geordnet und inventarisirt 
sein. Wo zum ersten Male eine Gemeinde-Archiv-Ordnung ein- 
geführt wird, kann man sich von Haus aus dieses wichtigen Hülfs- 
mittels bedienen. Man würde also für das erste Jahr nur darauf 
Bedacht nehmen müssen, einen festen Stamm von Mitarbeitern zu 
bilden. Wie viele man nehmen kann, hängt von den Verhältnissen 
ab. Zugleich aber wird hiemit etwas sehr wichtiges erreicht: es 
wird so ein fester und sicherer Grund zu einer Archiv-Tradition 
gelegt, d. h. zu einer Tradition darüber, wie man Gemeinde- Archive 
einrichten, ordnen, inventarisiren, kurz wie man solche Institutionen 
verwalten muss. 

Zur Verwaltung der Gemeinde-Archive gehört aber schliesslich 
noch eine Hauptsache, ohne welche sich nichts machen lässt — die 
unvermeidlichen Ausgaben. 

Bezüglich der Administration der Gemeinde-Archive von oben, 
würde mindestens ein besonderer Reisefonds festgesetzt werden 
müssen, der nach Massgabe des alljährlich zu befolgenden Arbeits- 
planes zu berechnen wäre. Aber auch für die Mitarbeiter unter 
den Gemeindeschreibern müsste vorläufig eine angemessene Re- 
muneration als Entschädigung ihrer Mühewaltung als Pausch- 
quantum je nach den Verhältnissen der Lage und Entfernung der 
Ortschaften, die sie zu besuchen hätten, festgesetzt werden. Wer 
aber müsste diese Remuneration zahlen, der Staat oder die be- 
treffenden Gemeinden? Offenbar die Gemeinden, da ihr Interesse 
hier vorwiegend im Spiele ist Dies aber ist nur dadurch zu er- 



166 Pf annenschmid : 

reichen, dass die Gemeinden gesetzlich verpflichtet werden, die 
ordentlichen und ausserordentlichen Ausgaben für Ordnung, In- 
ventarisirung und Unterhaltung ihrer Archive — der alten wie 
modernen — zu tragen, so dass im Weigerungsfalle die betreffende 
Kegierung das Kecht hätte, die von ihr auf Antrag des zuständigen 
Staats-Archives für erforderlich erachtete Summe in das Gemeinde- 
Budget ex officio einzustellen. Diese Befugniss hätte sich dem- 
nach gegebenen Falles zu erstrecken auf die ordentlichen, laufenden, 
jährlichen, sächlichen wie persönlichen Ausgaben zur Unterhaltung 
und Verwaltung des Gemeinde- Archives, wie auf die ausserordent- 
lichen, etwa alle 10 bis 12 Jahre vorkommenden Ausgaben für 
Ordnungs- und Inventarisirungs- Arbeiten. Unter dieser Voraus- 
setzung könnten die Gemeinden herangezogen werden, für Ordnungs- 
und Inventarisirungs -Arbeiten ihrer Archive einen ausserordent- 
lichen Credit zu bewilligen , von welchem eine geringe Quote 
dem Mitarbeiter für seine Mühe zuflösse, dosgleichen für seine 
ständige Mitarbeiterschaft eine geringere Quote von der Remune- 
rationssumme, die alljährlich dem betreffenden Gemeindeschreiber 
gegeben wird. Selbstverständlich müsste das Verhältniss der Mit- 
arbeiter zu der staatlichen Archivleitung wie zu den seiner Mit- 
aufsicht unterstellten Gemeindeschreibern geregelt werden. Es ist 
nicht zu verkennen, dass gerade bezüglich dieses Punktes allerlei 
Unzuträglichkeiten entstehen können; allein der Versuch wäre zu 
wagen : einen besseren Vorschlag weiss ich nicht zu machen. 
Schliesslich kommt doch alles darauf an, wie und in welchem Geiste, 
und unter welcher Mithülfe auch anderer staatlicher Organe eine 
Sache betrieben wird. Natürlich wird die Persönlichkeit des im 
praktischen Staats- Archivdienst geschulten Beamten, seine Umsicht 
und Gewandtheit im Verkehr, namentlich mit der Landbevölkerung, 
hiebei das Beste thun müssen. 

Aber auch der Staat selbst kann ausser jenen Beiseunkosten 
an seine eigenen Beamten noch eine andere kleine Ausgabe sich 
kaum ersparen, eine Ausgabe, die einen eminent praktischen Nutzen 
gewährt: er sollte zur Aufmunterung und Belohnung vorzüglich 
geordneter Gemeinde- Archive und ebenso abgefasster Inventare be- 
sondere Prämien aussetzen. 

Die Ausführung dieser Vorschläge ist gebunden an eine un- 
erlässliche Voraussetzung. Will man ein Archiv ordnen und in 
Ofdnung erhalten, so muss man hiezu auch ein angeraesseneSj nur 



Pfannenächmid: Ueber Ordnung u. Inventaris. d. Gemeinde- Archive. 167 

diesem Zwecke gewidmetes Lokal besitzen. Man muss Gemeinde- 
häuser mit Archivlokalen haben. Wo sind diese, namentlich in 
den deutschen Landgemeinden vorhanden? Hier ist zunächst Vor- 
sorge zu treffen. Es ist seitens des Staates darauf zu halten, dass 
bei allen Neubauten von Schulhäusern eine Abtheilung derselben 
für die Zwecke der communalen Administration reservirt, eventuell 
dass bei vorhandenen Schulgebäuden, womöglich durch Anbau oder 
sonst wie, in diesem Betracht Rath geschafft werde. Ohne Ver- 
fügung über solche Lokalitäten ist weder an eine geordnete Ge- 
meinde-Administration, noch an eine Ordnung der Gemeinde-Archive 
zu denken. Hier ist zunächst der Hebel anzusetzen. . 

Das ist es ungefähr, was über Einrichtung von Gemeinde- 
Archiven, deren Ordnung, Inventarisirung und Verwaltung in mög- 
lichster Kürze zu sagen gewesen wäre. Den Gegenstand zu er- 
schöpfen, konnte nicht die Absicht sein. Diese Darstellung, die 
erste dieser Art in Deutschland, welche auf zwölQähriger Amts- 
erfahrung beruht, sollte lediglich eine Frage anregen, welche weit- 
tragende praktische Bedeutung hat, und deren fernere Inbetracht- 
nahme allen denjenigen hiemit aufs wärmste empfohlen wird, welche 
von der Noth wendigkeit einer Gemeinde- Ajchiv-Organisation in 
Deutschland überzeugt sind, insbesondere den hohen deutschen 
Regierungen wie den Archivbeamten von Beruf. 

Mögen diese Zeilen, welche um nachsichtige und wohlwollende 
Aufnahme bitten, des Zweckes nicht ganz verfehlen, den der Unter- 
zeichnete seit langen, arbeitsamen Jahren in Hinblick auf deutsche 
Verhältnisse fest und unverrückt im Auge gehalten hat! 



X. Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 

Von 

Dr. Theodor Lindner, 
Professor an der k. Akademie in Münster. 



Als ich die Ergebnisse meiner Untersuchungen über die Reichs- 
kanzlei unter Karl IV., Wenzel, Ruprecht und Sigmund veröfFent- 
lichte*), hatte ich hauptsächlich den Zweck im Auge, eine Erläuterung 
zu geben zu der von mir bearbeiteten Abtheilung der „Kaiser- 
urkunden in Abbildungen", mit welcher die Schrift gleichzeitig 
erscheinen sollte. Den behandelten Stoff zum völligen Abschluss 
gebracht zu haben, beanspruchte ich nicht. Selbst wenn ich es 
beabsichtigt hätte, wie wäre das möglich gewesen ? Ich hätte nicht 
einige Kenntniss der in Betracht kommenden Zeit, der mannigfachen 
dabei obwaltenden Verhältnisse besitzen müssen, wenn ich mich 
nicht von vornherein auf das zunächst Erreichbare hätte beschränken 
wollen. Doch blieb die einmal gewonnene Theilnahme rege, und 
so habe ich gelegentlich bei meinen Studien über die deutsche Ge- 
schichte im fünfzehnten Jahrhundert, wenn sie auch von andern 
Gesichtspunkten ausgingen. Manches gesammelt, was zur Ergänzung 
dienen mag. Ausserdem habe ich inzwischen noch ein grösseres 
Archiv benützen können. Das Staatsarchiv des Kantons Zürich 
enthält zahlreiche Originalurkunden Karls IV. 2), welche ich selbst 
durchsah, während Herr Dr. Paul Schweizer die grosse und dankens- 
werthe Güte hatte, mir brieflich über die von Sigmund herrührenden 
Stücke Auskunft zu ertheilen und meine Notizen zu ergänzen. 



*) Das Urkundenwesen Karls IV. und seiner Nachfolger (1346—1437). 
Stuttgart 1882; angeführt als TJW. 

') Dieselben sind theils gedruckt, theils wenigstens im Auszug bekannt 
und in Hubers Regesten (HR.) verzeichnet, auf die ich verweise. 



Lindner: Beiträge zur Diplomatik der Luxeuibui-gischen Periode. 169 

Endlich sind in Besprechungen meines Buches einige Fragen auf- 
geworfen worden, welche eine Erörterung verdienen. 

Die Bemerkungen folgen im Allgemeinen der Kapitelordnung 
meiner Schrift. 

Gegen die Einthoilung der Urkunden in drei Gattungen : Diplome, 
Patente und Briefe, wie ich sie im ersten Kapitel vorschlug, haben 
Friedensburgi)und Werunsky^) Einwendungen erhoben. Ersterer 
findet die Bezeichnung „Patent'* „für nicht glücklich getroffen, weil 
zweifellos auch die sogenannten Diplome im Gegensatz zu den 
litterae clausae, den Briefen, als patentes zu bezeichnen sind''. Er 
möchte sie eher „Erlasse" nennen, da auch mit dem anhangenden 
Secret, also mit demselben Siegel, wenn auch in anderer Weise 
versehene Urkunden in Inhalt und Form nicht selten mit den 
durch aufgedrücktes Secret besiegelten Stücken übereinstimmen. 
Werunsky will dagegen die von mir sogenannten Patente und Briefe 
in eine Gattung „Briefe" vereinen, welche in litterae patentes und 
litterae clausae einzutheilen wäre, weil beide dieselbe Art der Be- 
siegelung hätten und auch inhaltlich sich nicht fern stünden. Die 
Schwierigkeit liegt darin, dass die kaiserliche Kanzlei selbst einen 
scharfen Unterschied^ zwischen den drei Gattungen nicht gemacht 
hat, wie ich bereits UW. 8 sagte: „alles, was in den Patenten sich 
findet, kann auch unter hangendem Siegel, dem grossen und 
kleinen, verfügt werden" 3). Aehnlich giebt es viele Patente, welche 
Anrede nebst Grussformel enthalten und sich inhaltlich von den 
eigentlichen Briefen nicht unterscheiden. Aber selbst Diplome mit 
der Majestät sind manchmal nichts anderes als Briefe im engeren 
Sinne. Daher gelegentlich auch das Schwanken in der äusseren 
Anordnung des Titels, von dem ich bereits UW. 79 gesprochen 
habe. Das Züricher Staatsarchiv enthält z. B. zwei Schreiben Karls 
vom 20. Juni 1354 (HR. 1875.76), welche, wenn auch inhaltlich 
verschieden, doch denselben Gegenstand, die Kriegserklärung gegen 
die Stadt, betreffen. Das eine trägt das „angedruckte" Secretsiegel, 
das andere ist versiegelt „mit unserm königlichen grösten insigel", 
Majestät an Pressel, und trägt auf dem Rücken den Registratur- 

*) Sybels bist. Zeitschrift 1883 Heft 5 S. 339. 

*) Götting. gel. Anz. 1883 Stück 20 S. 609 ff. 

•) So ist eine Vollmacht Ruprechts zu Verhandlungen mit dem Papste 
in zwei gleichlautenden Exemplaren ausgestellt, von denen eines mit der Majestät, 
das andere mit dem Beeret besiegelt ist; Keichstagsakten (RA.) IV n. 1. 



170 lindner: 

vermerk R., bei beiden aber ist der Titel wie in den eigentlichen 
Briefen angeordnet. Hier gehen also die drei Formen durcheinander. 

Es kam eben auf die verschiedensten Umstände an, welche 
Form gewählt wurde; wenn unzweifelhaft die Geldsummen, welche 
der Empfänger daran wenden wollte, in vielen Fällen bestimmend 
waren, wenn ferner in Betracht kam, ob die betreffende Verfügung 
für den Bittsteller selbst ausgestellt oder an einen Dritten gerichtet 
ist, so lag es schliesslich oft nur an dem persönlichen Belieben der 
Kanzleibeamten, wie die Urkunde ausgefertigt wurde. Dass sich 
dabei doch ein gewisser Brauch ausbildete und beobachtet wurde, 
ist natürlich; nur war er nicht durchaus bindend. 

Es scheint daher gerathen, bei Classificirung der Urkunden 
nur äusserlicbe, in die Augen springende Merkmale zu berück- 
sichtigen, wie sie einmal hangendes und aufgedrücktes Siegel und 
bei den Briefen ausser dem Verschluss die (mit ganz wenigen Aus- 
nahmen) immer beobachtete Stellung des Titels und namentlich die 
aussen aufgeschriebene Adresse darbieten. Ich halte es jedenfalls 
für zweckmässig, für die Urkunden mit aufgedrücktem Siegel eine 
besondere Bezeichnung zu wählen, schon um der Kürze und Deut- 
lichkeit der Beschreibung willen. Gewiss sind Diplome und Patente, 
wie ich sie nenne, beides litterae patentes, aber doch in ihrem 
Wesen genug von einander verschieden, um eine Trennung zu 
rechtfertigen. Da scheint mir der Ausdruck „Patent" am besten zu 
sein, und ich habe ihn auch hauptsächlich gewählt, weil er später 
für diese Art von Verfügungen in Gebrauch kommt. „Erlass", wie 
Friedensburg will, ist zu allgemein und trifft inhaltlich auch 
nicht immer zu, ebensowenig das entsprechende lateinische Wort 
„Mandatum". „Offener Brief, wie man ja sagen könnte, scheint 
mir deswegen nicht gut gewählt, weil sich auch die Diplome oft 
genug selbst mit diesem Namen bezeichnen. Dann kann entsprechend 
auch im lateinischen Ausdruck, wenn man diploma majus und 
minus sagt, „litterae patentes" gerade für unsere Gattung im Gegen- 
satz zu „litterae clausae", den eigentlichen Briefen, stehen. 

Zürich besitzt sieben Patente Karls, von denen drei, dem Jahre 
1354 angehörig, das Siegel auf der Schriftseite, die anderen späteren 
(1358, 1364, 1370) es hinten aufgedrückt zeigen^). Die ersteren drei, 
sowie eins vom Jahre 1370 sind nicht unterfertigt. Zwei Patente 



*) HR. 1828. 42. 75, 2854, 4102, 4866, 4918. 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 171 

Sigmunds vom 9. Februar 1424 sind auf der Rückseite besiegelt 
und unterfertigt. Wie ich UW. 9 gesagt, ist es ohne prinzipielle 
Bedeutung, ob das Siegel auf der Schrift- oder auf der Rückseite 
aufgedrückt ist. So wünschen auch die Dortmunder von Ruprecht 
„sinen apenen breif besegelt und gedrucht binnen op spatium des 
breifs eder buten op den breif", zur Bestätigung, dass Rath, Erb- 
sassen und Gemeinheit die Stadt, wie sie es von Alters her gethan 
haben, regieren sollen^. 

Patente wurden öfter den Interessenten zur weiteren Ver- 
schickung übergeben (UW. 146.). Als das Baseler Concil den 
König Sigmund gebeten hatte, die Könige, Fürsten, Prälaten und 
Universitäten zur Besendung aufzufordern, antwortete er: ecce 
mittimus vobis hie annexas literas tales quas juxta libitum destinetis, 
et si quae non sunt, sciatis nosmet illas super hujusmodi materia 
transmisisse^). 

Die drei Briefe Karls in Zürich 3) sind in regelmässiger Form 
ausgestellt, der ältere von 1354 auf Pergament, die beiden anderen 
von 1376 auf Papier. 

Zu dem Kapitel über die Beamten der Kanzlei kann ich 
mehrfache Ergänzung bieten^). 

Johann von Neumarkt recognoscirte bereits eine am 8. October 
1353 aus Zürich datirte Urkunde als Kanzler^). Nach dem bisher 
bekannten Material erschien er erst am 26. und 27. December als 
solcher, nannte sich aber trotzdem am 2. und sogar noch am 21. 
Januar 1354 selbst nur Protonotar. Man könnte daher vermuthen, 
dass obige Urkunde erst später ausgestellt und vordatirt sei; da- 
gegen spricht aber wohl, dass sich Johann „Erwählter von Naumburg" 
nennt, ein Titel, den er dann schon am 10. November mit dem eines 
„Erwählten von Leitomischl" vertauscht hatte. Es scheint eher, 
dass Johann, der damals thatsächlich die Kanzleigeschäfte an Stelle 



^) Fahne ÜB. II, 225. 

•) Martene et Durand ampl. coll.VIII, 65; vgl. auch Hansen: Zur Vor- 
geschichte der Soester Fehde. Diss. Münster 1883 8. 26. 

») HR. 1719, 5643, 566a 

*) lieber die Erzkanzler hat seitdem gehandelt Hamack Das Kurfürsten- 
coUegium S. 70 £f., 148; über den Abt von Fulda als Erzkanzler der Kaiserin 
siehe Mittheil, des Institutes für Österreich. Geschichteforschung II, 43 ff. und 
Zeitschrift ftlr Hessische Gesch. N. F. X. Band. 

*) HR. 1622 in Zürich, mit Majestätssiegel an rotbgelber Schnur, Re- 
gistraturzeichen der späteren Zeit oben auf dem Rücken : Ego Johannes Nueni^ 



172 Lindner: 

des nominellen Kanzlers, des Bischofs Preczlaus von Breslau leitete, 
gelegentlich schon den Kanzlertitel führen durfte, ehe er ihn officiell 
und dauernd erhielt, was dann bald geschehen ist^). 

Während der Beise nach Frankreich, welche Karl IV. mit 
seinem Sohne Wenzel im Winter 1377 auf 1378 unternahm, wird 
in den französischen Quellen der Bischof Lambert von Bamberg als 
kaiserlicher Kanzler genannt; seiner Obhut war auch die Ausstellung 
der so oft besprochenen Urkunden über das Königreich Arelat und 
den Delphinat anvertraut. Aber recognoscirt sind diese von Nicolaus 
von Cambray, der immer in diesen Jahren in den Urkunden als 
Leiter der Kanzlei erscheint. Wahrscheinlich hat Lambert nur als 
hochangesehener Rath des Kaisers in diesen Angelegenheiten ge- 
handelt und sozusagen die politische Vertretung gehabt. So konnte 
er den Franzosen als der eigentliche Kanzler gelten und hat vielleicht 
auch während des Pariser Aufenthaltes nominell und officiell diese 
Stellung vertreten. Aber die wirkliche Leitung der Kauzleigeschäfte 
hat er, soweit die Urkunden einen Schluss erlauben, erst unter 
Wenzel übernommen und auch da nur für kurze Zeit. 

Als Registrator erscheint am 27. und 28. September 1376 
(Zürich HR. 5696. 7) Wlachnico von Weitenmül, der sonst unter 
Karl nur als Ingrossator auftritt (UW. 145); da die beiden Urkunden 
„im Felde vor Giengen" gegeben sind, mag er nur aushilfsweise 
als solcher fungirt haben. 

Petrus von Luna unterfertigt bereits am 24. Dezember 1347 
(Zürich); ein königlicher Notar Hermann, von dem es ungewiss ist, 
ob er mit dem später auftretenden Hermannus Thesauri identisch 
ist, wird im September 1354 erwähnt (HR. 1932); am 25. Juli 1360 
nimmt Karl den Bamberger Scholasticus Eberhard von Hohenberg 
zum Kapellan und Secretair an (HE. 3249), der aber nicht urkundeud 
erscheint (v^l. unten Anm. 1). 



bürg, electus aule regle cancellarius vice — Gerlaci — recognovi. Die ersten 
Worte der Recognoscirung stehen auch auf dem Bug, sind aber weggekratzt. 
Ebendort befindet sich auch eine deutsche Ausfertigung derselben Urkunde, 
rothgrtine Schnur, ebenso registrirt, aber nicht recognoscirt. 

') Damit fällt meine Anm. 2 in UW. 16 weg. — Beness 383 nennt, als 
er Johanns Erhebung auf den Stuhl von Olmütz erzählt, diesen nur secretarius. 
Damit will er wohl dessen Stellung als Geh. Rath bezeichnen; ohnehin scheint 
mir, dass der Titel secretarius an sich nicht eine Stellung in der Kanzlei ein- 
schUesst, wenn auch viele Kanzleibeamten denselben zugleich führten, wenigstens 
nicht in späterer Zeit. 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 173 

Ein besonderer Landschreiber für Mähren und die dortige 
Landtafel wurde im Jahre 1359 eingesetzt (HR. 2902). 

Meine Angaben über das Kanzleipersonal Ruprechts (UW. 82 f.) 
beruhen auf Originalurkunden und den Reichsregistern in Wien; 
soweit sie Registratur und Unterfertigung der Urkunden selbst be- 
treffen, habe ich sie weder zu berichtigen noch zu ergänzen. Indessen 
lassen sich über die Persönlichkeiten selbst noch manche Notizen 
hinzufügen, und es erschien mir angemessen, auch diejenigen Männer 
zusammenzustellen, von denen wir anderweitig erfahren, dass sie 
in Kanzleigeschäften thätig waren. Die Ergänzungen beruhen auf 
den von Chmel herausgegebenen Regesten des Königs, dem vierten 
Bande der Reichstagsakten und einigem anderen Materiale. Für 
den Anfang der Regierung ergiebt sich so eine überraschend grosse 
Zahl namentlich von Protonotarien; allerdings liegt die Vermuthung 
nahe, dass manche dieser Männer als königliche Räthe fangirend 
von der Kanzlei nur den Titel führten, nicht aber an der Beurkund- 
ung im engeren Sinne Antheil nahmen. Ich führe nur die- 
jenigen Personen an, über welche weitere Angaben zu machen sind 
oder welche neu hinzutreten. 

Magister Matthias Sobernheim, der Ruprecht schon als Pfalz- 
graf diente. Sein Freund, der Strassburger Stadtschreiber, redet 
ihn freilich als „praecipuus gubernator'* der Königlichen Kanzlei, 
als „cancellarius sive protonotarius" an, aber Matthias selbst nennt 
sich damals nur notarius und auch Ruprecht bezeichnet ihn noch 
im Mai 1401 als „Schreiber". Ob er also Protonotar war, bleibt 
zweifelhaft. Nach dem Oktober 1401 habe ich ihn nicht mehr 
erwähnt gefunden^). 

Nicolaus Bumann von Lauterburg, Canonicus in Speier, welcher 
die Register Ruprechts anlegte, wird am 16. October 1401 Proto- 
notar genannt. Er ging damals als Gesandter zum Papst nach 
Rom und ist in diesen Angelegenheiten bis in die ersten Monate 
1402 beschäftigt; nachher kommt er nicht mehr vor 2). 

Johann Winheim, der ausnahmsweise ein Laie und verhei- 
rathet war, Notar, im März 1403 Protonotar. Er nahm später 



*) RA. in n. 230, 282. Die Strassburger Gesandten nennen ihn eben- 
falls „obersten Schreiber und Hofmeister", RA. IV n. 169, 171; vgl. dagegen 
RA. m n. 231, IV n. 345. Hofmeister Ruprechts war damals Hermann von 
Rodenstein. 

«) RA. IV n. 17, 69. 



1^4 Lindnött 

das Testament des Königs auf und diente noch dessen Sohn 
Ludwig 1). 

Ulrich von Albeck, decretorum licentiatus und doctor, befindet 
sich bereits im Juli 1401 in Ruprechts Diensten und ist am 1. Januar 
1402 Protonotar2). Er verschwindet im October 1404. 

Job Toner, licentiatus und doctor utriusque juris „Lehrer in 
geistlichen und weltlichen Rechten", wird bereits am 11. März 1401 
Protonotar genannt 3); er diente noch Ruprechts Sohne. 

Emerich von Moschein war nur Notar. Der Landschreiber 
Emerich von Oppenheim*) im Jahre 1411 ist vielleicht derselbe. 

Berthold Wächter von Durlach, Kleriker, registrirte vom März 
1401 ab fast sämmtliche Urkunden Ruprechts bis zu dessen Tode, 
doch führte er auch den Titel Notar &). 

Jacob Heimersheim von Alzei, Kleriker, war auch schon im 
Januar 1401 Notar und blieb es bis nach Ruprechts Tode 6). 

Ausserdem werden im Jahre 1401 noch mehrere Kanzleipersonen 
genannt, die ich jedoch nicht an der Ausfertigung von Urkunden 
betheiligt fand. Am 7. Januar 1401 nahm Ruprecht den Mag. 
Fiiedrich Schubart als Protonotar und Secretair auf, der schon 
im verflossenen August als Propst zu St. Paulin in Trier in seinem 
Dienste thätig gewesen war"). Ebenso wurde Reymbold Vener aus 
Gemünd im Juli 1401 zum Protonotar ernannt 8). Im September 
1401 begnadet Ruprecht seinen Notar und Protonotar Egloff von 
Knoringen, in decretis licentiatus, Canonicus in Augsburg, der als 
Dompropst von Speier noch Ende 1405 in seinem Dienste steht^). 
Protonotar ist endlich auch Magister Albert oder Albrecht (Fleisch- 
mann?), Pfarrer zu St. Sebald in Nürnberg, der bis Ende 1402 an 
den Unterhandlungen mit Bonifacius betheiligt war^o). Notare sind 
ferner Heinrich Zipphel von Ueberlingen, Kleriker, dann Canonicus 

») Chrael Reg Rup. n. 237; RA. IV n. 86; Jansen Frankfurts Reichs- 
correspondenz I, 801. 

») Chmel n. 549 ; RA, IV n. 30. 

») RA. IV S. 412 Anm. 1. 

*) RA. Vn n. 67. 

*) Chmel n. 93, 1778. 

•) Chmel n. 92. 

») Chmel n. 77, RA. IV n. 136, 137. 

•) Chmel n. 581. 

») Chmel n. 936, 1751, 1893; RA. IV n. 52. 

'0) RA. IV n. 28 ff. 



beitrage zur iMplomatik der Luxembux^schen t^eriode. l75 

in Augsburg (Jan. 1401 bis Jan. 1404) und Nicolaus Mesen von 
Montzingen, Kleriker (2. Mai 1401) i). Als Sekretäre werden noch 
bezeichnet der Propst von Halgenstad Friedrich Rothard (22. Dec. 
1400) und der Kleriker Heynemann (1401 7. Jan.) 2). 

Von allen diesen erscheinen seit dem Jahre 1405 nur Joh. 
Winheim, Job Vener, Jacob von Alzei, Berthold von Durlach und 
Emerich in der Kanzlei thätig. Ausser diesen kenne ich nur noch 
Johann von Dippurg (Jan. 1404), der aber in den Dienst der Elisa- 
beth, der Tochter Ruprechts und Gemahlin Herzogs Friedrich von 
Oesterreich, übertrat, und den Kleriker Johann Ladeboim, der auch 
noch unter Kurfürst Ludwig als Notar amtirte^). 

Konrad Coler von Soest und Joh. Duden von Hausen, welche 
am 14. Dec. 1400 eine Vollmacht Ruprechts notariell beglaubigen*), 
sind wohl auch Beamte der königlichen Kanzlei, doch niederer 
Gattung gewesen. 

Ausserdem amtirten „Kammerschreiber^^ für das Geldwesen 
und besondere Landschreiber in verschiedenen Städten; auch die 
Königin hatte einen eigenen Notar. 

Johann Kirchen (von Kirchen, von Kircheim), den ich noch 
nicht erwähnt habe, war nach der Wahl Ruprechts noch in Wen- 
zels Diensten in Schwaben und Frankfurt thätig und sollte auch 
Botschaft an den Mailänder Hof thun. Doch kehrte er noch ein- 
mal nach Prag zurück, wo er am 1. April ein königliches Schreiben 
an die Stadt Halle mit der Aufforderung, sich zur Verantwortung 
einzustellen &), unterzeichnete; im Sommer 1401 ist er aber bereits 
unter der Begleitung Ruprechts ö). 

Für eine genauere Feststellung der Kanzlerliste unter Sig- 
mund hat mir Fejer's Codex diplomaticus Hungariae gute Dienste 
geleistet 

An Stelle des Graner * Erzbischofs Johann III. von Kanizsa, 
welcher im Jahre 1401 „officium et honorem" des Kanzleramtes 
inne hattet), erscheint in mehreren Urkunden vom JuU und Sep- 



>) Ghmel n. 94, 1660; 376. 

«) Chmel n. 44; 79. 

») Chmd n 1660, 2478; 2817. 

*) KA IV a 1. 

*) OrigiDal im Egl. Staats-Arcbiv zu Magdeburg. 

•) RA. IV a 126; n. 122; n. 403. 

') Fejer X, 4 62. 



176 Liiidner: 

tember 1402 Johann, der Propst von Ftinfkirchen. Vom August 
1404 ab fungirt als Kanzler der Bischof von Agram Eberhard von 
Alben, der auch, als er im April 1406 nach Warasdin und 1410 wieder 
zurück nach Agram versetzt wurde, seine StelluBg als „aulae regiae 
supremus cancellarius" behielt *), bis er 1419 starbt). Neben oder 
gewiss unter ihm erscheint vom Juni 1410 ab Emericus de Peren 
„secrotarius cancellarius"; später nur in ungarischen Sachen thätig. 
Mittlerweile erfolgte Sigmunds Wahl zum römischen Könige im 
September 1410; die erste mir bekannte Urkunde, welche er als solcher 
am 12. Januar 1411 erliess, ist gezeichnet: Georgius vicecancel- 
larius^), der wohl die erste Bildung einer Kanzlei für Deutschland 
übernahm. Unter den Zeugen einer von Sigmund am 24. August 
1412 in Ofen ausgestellten Urkunde erscheint als sein Nachfolger: 
Johannes praepositus S. Stephani regis Strigoniensis et vicecancel- 
larius imperialis, der bis zum 13. November 1417 als Vicekanzler 
vielfach urkundet^). Da jedoch die Keichskanzlei eines höher ge- 
stellten Vorstandes bedurfte, wurde der alte Erzbischof Johann von 
Gran mit der Kanzlerwürde bekleidet, wahrscheinlich nur ein Ehren- 
amt. Denn in derselben Urkunde vom 6. Januar 1414, in welcher 
Johann mit dem Titel: aulae nostrae Romanae regiae cancellarius 
ausgezeichnet wird, ernennt ihn Sigmund zum Verweser Ungarns 
während seiner Abwesenheit 0). In der That ist der Erzbischof auch 
in den nächsten Jahren dort thätig bis Ende 1416. Erst 1417 ging 
er zu Sigmund nach Konstanz, nachdem er schon früher wie Eber- 
hard seinem Kanzlertitel das Wort: summus hinzugefügt hatte, und 
ist dort am 30. December 1417 gestorben. Urkunden für das deutsche 
Reich hat er meines Wissens nie ausgestellt, da er, wie erwähnt, 
wohl nur den Titel führte, nicht aber das Amt ausübte 6). 

^) Nur einmal dazwischen (1409) lässt Sigmund eine Urkunde ausstellen 
per manus aulae nostrae cancellarii patris^Demetrii Chupor episc. Zagrab., 
Fejer X, 4, 741 ; bei Garns Series episcoporum etc. ist dieser Demetrius, welcher 
vielleicht nur ganz kurze Zeit den Stuhl innehatte, nicht erwähnt. 

*) Zuletzt am 22. August 1419, Fejer X, 6, 213. Gams giebt den Todes- 
tag nicht an. 

») RA. VII n. 37. 

*) Doch wird in der Präsenzliste des Konstanzer Concils (Von der Hardt 
V, 30) noch ein Propst Georius als Kanzler des Königs erwähnt, mit ihm zu- 
gleich in derselben Stellung der Propst von Stuhlweissenburg Benedict, welcher 
1414 auch im Reiche thätig war; RA. VII n. 156. 

*) Fejer X, 8, 846. 

') Danach ist das UW. 34 Gesagte zu berichtigen. 



Beitrüge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 177 

Wirklicher Kanzler für das Reich wurde nun Bischof Georg 
von Fassau, der dann am 8. August 1423 starb. 

Als Bischof Eberhard von Agram, der oberste Kanzler für 
Ungarn, 1419 starb, folgte ihm sein Nachfolger auf dem bischöf- 
lichen Stuhle Johannes Rudolphi de Alben auch in dieser Würde nach, 
mit welcher er nach dem Tode Georgs von Passau noch die Kanzler- 
schaft im deutschen Reiche und zwar in thatsächlicher Ausübung 
ihrer Geschäfte verband. Nur vereinzelt wird ein Ticekanzler ge- 
nannt; am 15. Mai 1426 schreibt sich so Franciscus der Propst 
von Gran, unzweifelhaft der deutschen Abtheilung der Kanzlei an- 
gehörig i). Dagegen war Propst Matthias von Fünfkirchen, der von 
1426 an sich Vicekanzler nennt, in der ungarischen Kanzlei thätig. 
Erst später ist Caspar Schlick zum Vicekanzler in der Reichskanzlei 
emporgestiegen. Obgleich schon 1416 als Notar beschäftigt, unter- 
fertigte er erst seit 1427, damals aber bereits Protonotar^). Un- 
endlich oft steht von da ab sein Name in den Unterfertigungen, 
aber ohne nähere Bezeichnung seiner amtlichen Stellung; erst am 
6. Mai 1432 schreibt er sich unter eine feierliche Goldbulle als 
vicecancellarius3). Doch wird er spätestens schon bei Sigmunds 
Aufbruch nach Italien diesen Rang erhalten haben, da der Kanzler 
Johann in Ungarn zurückblieb und Schlick somit die selbständige 
Leitung der Kanzlei anvertraut war*). 

Bischof Johann von Agram muss um diese Zeit gestorben 
sein 5), und die beiden obersten Kanzlerwürden wurden nun nicht 
mehr in Einer Person verbunden. Caspar Schlick wurde oberster 
Kanzler des Reichs 6), ebenso wurde in Ungarn der bisherige Vice- 



*) RA. Vm n. 386. Wie mir Herr Dr. Froning gütigst mittheilte, wollte 
Franciscos anfänglich statt vicecancellarius sich nach alter Weise praepositus 
schreiben; denn v steht auf Rasur und sind darunter noch die Reste von pp. 
zu erkennen. Offenbar war ihm seine Würde noch neu. 

•) Die erste sichere Bezeichnung als solcher am 9. April 1427; Voigt 
Gesch. FrensBenB VII; 502. 

•) Luenig cod. It. dipl. I, 1371. 

*) Oder bezieht sich Windecks Bericht (UW. 35) auf die Uebertragung der 
Vicekanzlariates ? 

') Garns giebt 1433 ohne Tag an; sein undatirtes Testament bei Fejer 
X, 7, 436. 

*) Obgleich er nach Sigmunds eigener Erklärung am 31. Mai zum obersten 
Kanzler ernannt wurde, bezeichnet er sich noch in später ausgestellten Urkunden 
als Vicekanzler. So bewahrt das Züricher Staatsarchiv zehn Urkunden vom 20., 
Archlvälische ZeitÄChrlft. IX. 12 



178 Lindner: 

kanzler Matthias von Gatalocz, der Propst von Fünfkirchen, zur 
höchsten Leitung berufen*). 

Die Beamten der ungarischen Kanzlei lasse ich bei Seite. Zu 
den Angaben, welche ich (ÜW. 35 ff.) über das Personal der Reichs- 
kanzlei gemacht habe, finde ich nur wenig hinzuzufügen. Johann 
Kirchen unterfertigte noch in den ersten Tagen des September 1422 ; 
Michael von Priest unterschrieb bereits am 18. Oktober 1414 den 
verhängnissvollen Geleitsbrief für Johann Hus und begleitete Sigmund 
auf den weiten Fahrten nach Frankreich und England. Im März 
1424 war er Protonotar und wird als solcher noch am 15. August 
1428 erwähnt. 

Franciscus war auch im März 1424 bereits Protonotar und 
wurde, wie oben erwähnt, später Vicekanzler. Er ist wohl ver- 
schieden von dem Protonotar Franciscus de Gewicz, Kustos der 
Kreuzkirche in Breslau, welchen ich in verschiedenen Angelegen- 
heiten in den Jahren 1426 und 1429 thätig fand^). 

Jodocus Rot, Canonicus in Basel, der 1415 mehrmals unter- 
fertigte, wird im Januar 1416 von Sigmund selbst als sein secre- 
tarius bezeichnet und ging später als königlicher Bevollmächtigter 
nach Lübeck 3); wenn er in einem Privatbriefe Ende 1416 Kanzler 
genannt wird, so lässt sich daraus kein sicherer Schluss auf seine 
Stellung ziehen. 

Johann Gersse unterfertigte bereits im Februar 1415. Peter 
Kalde war schon im December 1420 königlicher Notar und wurde 
damals in den Adelsstand erhoben. Noch im Mai 1432 war er 
nur Notar; er nennt sich damals mit seinem vollen Namen: Petrus 
Kalde de Stetterich clericus Colon, dioeceseos etc., indem er zu- 
sammen mit Simon Amman de Aspam, clericus Patav. dioec. publ. 
imp. auct. notarius, ein Notariatsinstrument aufnahm*). Bald darauf 
erhielt er eine Domherrn stelle in Agram und später die Propstei 



21. und 22. Juni 1433, darunter zwei Goldbullen, von denen sechs mit cancellarius, 
die anderen mit vicecancellarius gezeichnet sind. Wahrscheinlich sind letztere 
schon vor der Kaiserkrönung, welche ja die Ausstellung sehr zahlreicher Ur- 
kunden mit sich brachte, in Vorrath unterzeichnete Membranen. 

*) Ihn vertritt im November 1436 als Vicekanzler Mag. Stephan von Byk, 
Kanoniker in Agram. 

*) Unterfertigung am 23. Mai 1420; ÜB. Halberstadt II, 146. 

») Martene Thes. n, 1659; ÜB. Lübeck V, 606; RA. VII n. 199. 

*) Aßchbach III, 436; Martene VIÜ, 126; 151. 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 179 

in Nordhausen. Theodor Elbracht ging als Protonotar in die Kanzlei 
von Sigmunds Nachfolger Albrdcht über. 

Ausser den bereits früher verzeichneten und besprochenen 
Persönlichkeiten sind mir nur wenige aufgestossen, welche mit der 
Reichskanzlei im Zusammenhange standen. Im November 1420 ein 
königlicher Secretair und Canonicus Albrecht Varrentrapp, gleich- 
zeitig der Notar Caspar von Leubitz, welcher aus Wenzels Kanzlei 
stammte^), ein gewisser Marcus in den Jahren 1412 — 1414 ; der Dr. 
und Protonotar Odobonius im November 1416^). Als unterfertigend 
vermag ich sie nicht nachzuweisen. 

Kanzler des Fürstenthums Breslau war im Januar 1420 noch 
Nicolaus Bunzlau, der bereits das Amt unter Wenzel bekleidete. 
Im August 1425 übertrug Sigmund die dortige Kanzlei an Janke 
von Chotienitz mit der Erlaubniss, sie dem Kanzler Michael Bänke 
zu versetzen; im Juni 1426 verkaufte er sie gar an den Herzog 
Konrad von Kanth^). 

lieber die Siegel Karls IV. habe ich nichts hinzuzufügen. 

Wenzel führte ausser dem UW. 52 und 63 beschriebenen 
Siegelringe noch einen anderen, welcher ein W trug*). Es ist nicht 
unmöglich, dass er den Siegelring Heinrichs VH. an Sigmund ab- 
getreten hat; denn an welch' anderes Siegel soll man denken, wenn 
dieser im Jahre 1415: „sub sigillo secreto nostro Lutzelburgensi", 
„under unsem secret von Lützelnburg" von Narbonne aus Briefe 
schreibt 5)? 

Wie lange Sigmund das UW. 66 f. besprochene Vikariatssiegel 
gebraucht hat, vermag ich auch jetzt nicht zu sagen ; den Titel eines 
Reichsvikars aber hat er bis 1410, bis zur Wahl zum römischen 
König beibehalten, wenn er ihn auch nicht in alle Urkunden 
aufnahm. 

Gegen die Deutung, welche ich UW. 72 fP. dem von Sigmund 
angenommenen Doppeladler gegeben habe, hat Fürst von Hohenlohe 

') Aschbach HI, 436. 

•) RA. Vn n. 121, 156; 199. 

•) Nach Mittheilungen von Grünhagen. 

*) RA. III n. 241, Brief an den König von Frankreich vom 12. September 
1400; das Siegel wird im Texte einfach als secretum nostrum bezeichnet. Viel- 
leicht ist es derselbe Siegebing, welchen Wenzel am 20. September 1402 : „unser 
haimUchs secret und zaichen" nennt; Pelzel n U. S. 89. 

*) Martene Thes. II, 1656 und Aschbach II, 430. Auch das „signetum" 
vom 22. Januar 1416 ist wohl derselbe Siegelring, Martene Thes. II, 1659. 

12* 



180 Lindner: 

im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1883 S. 128 Zweifel 
erhoben. Er wendet sich namentlich gegen meine Auffassung, dass 
der Doppeladler nicht sowohl Wappenthier, als Symbol des Imperiums 
sei. Er hat meine Worte wohl etwas zu scharf aufgefasst, denn ich 
habe deswegen nicht bestreiten wollen, dass dieses Bild fortan auch 
als wirkliches Wappenbild des Kaiserthums gedient hat, sondern 
nur die Herleitung desselben von heraldischen Gründen abgewiesen. 
Es ist vor Allem festzuhalten, dass Sigmund bereits 1402 als Reichs- 
verweser den Doppeladler angenommen hat. Es war wohl nicht 
üblich, dass die Reichsverweser als solche ein Siegel mit dem Reichs- 
adler gebrauchten; wenigstens hat es Herzog Wenzel von Luxem- 
burg unter Karl IV. nicht gethan. Nach dessen Vorbild hätte 
Sigmund damals sein ungarisches Königssiegel auch als Reichsver- 
weser führen müssen ; das wäre aber dazu wenig geeignet gewesen. 
Es musste also ein neues Siegel gestochen werden, welches Hin- 
deutung auf die Würde enthalten sollte, aber nicht den üblichen 
Reichsadler zeigen konnte. Den Ausweg bildete die Annahme des 
Doppeladlers^). Fürst von Hohenlohe bestätigt selbst, dass „der 
Doppeladler auf den deutschen Siegeln — vor Annahme desselben 
als Reichswappen durch Kaiser Sigmund als Symbol des Imperiums 
zu betrachten sei^'. In diesem Sinne gebrauchte ihn auch Sigmund; 
auch die schwarzgelbe Schnur deutet den Zusammenhang mit dem 
Reiche an. Doch war es vorläufig nur ein Nothbehelf, und als er 
nach seiner Erhebung zum römischen Könige zur Führung des bis- 
her gebräuchlichen einköpfigen Adlers berechtigt wurde, nahm er 
diesen sofort auf. Aber die einmal in ihm angeregte Vorstellung, 
dass der Doppeladler das Symbol des Imperiums sei, blieb ihm 
lebendig, und er griff daher zu ihr für sein kaiserliches Siegel zurück. 
Dass nun, was vorher nur Sinnbild war, zum wirklichen Wappen- 
bilde wurde, will ich gern zugeben, aber damit wird nicht ver- 
neint, dass Sigmund zugleich in das althergebrachte Bild einen 
neuen symbolischen Sinn legte. Bei einem Manne, dessen phan- 
tastische Art hohe Gedankenflüge liebte, der überall mit Pathos 
handelte und auftrat und überreich an Ideen war, liegt die Ver- 
muthung nahe genug. Wie er in seinem Kaisersiegel einen ganz 
neuen Typus einführte, indem er es als Münzsiegel bilden Hess in 
einer Grösse, welche alle früheren Kaisersiegel weit übertraf, so 

') Was mag ^ohl das S zwischen den Köpfen auf dem Vikariatssiegel 
bedeuten? Wohl kaum: Sigismundus, da die Legende den Namen enthält? 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 181 

wollte er auch ein äusserliclies Zeichen der kaiserlichen Würde, im 
Gegensatz zur nur königlichen, schaffen, welches bisher entbehrt 
wurde. Er machte jedenfalls einen bewussten Unterschied zwischen 
dem einköpfigen Keichsadler des Königs und dem doppelköpfigen 
des Kaisers. An dem Doppeladler nahm er jedoch eine Veränder- 
ung vor, indem er die Köpfe mit Heiligenscheinen umgab, welche 
auf dem Yikariatssiegel noch fehlen. Gewiss nicht ohne einen 
inneren Sinn damit zu verbinden. ' 

Worin lag denn nun der Unterschied zwischen der königlichen 
und kaiserlichen Würde? Ein solcher war freilich nur ideell vor- 
handen, da seit langer Zeit die Kaiserkrönung zur Ceremonie ge- 
worden war und der römische König bereits alle Rechte des Kaiser- 
thums thatsächlich ausübte. Aber gerade die Stellung zur Kirche, 
als deren Vogt und Schutzherr, gewann der ursprünglichen Sitte 
nach der römische König erst, wenn er mit dem kaiserlichen Titel 
geschmückt war; zu seiner bisherigen weltlichen Machtfülle trat nun 
der mystische Inhalt des Kaiserthums hinzu. So konnte Sigmund 
auf den Gedanken kommen , der Doppelstellung des Kaiserthums 
bildlichen Ausdruck in dem Wappen zu verleihen. Der Stempel 
zu dem Kaisersiegel ist geschnitten in den Tagen des Konstanzer 
Koncils, in denen jene doppelte Stellung des Kaiserthums so recht 
in Erinnerung gebracht wurde, Sigmund als der Vorfechter der 
Kirche reichen Ruhm geerntet hatte und sein Sinn sich ganz in 
diesen Bahnen bewegte. 

Ich habe darauf hingewiesen, dass die Legende der Rückseite 
einem Hymnus auf den Apostel Johannes, der als Adler Ezechiels 
der Braut Christi, der Kirche, vom Himmel zugesandt ist, ent- 
nommen sei. So fasste Sigmund auch das Kaiserthum als der Kirche 
zur Hilfe und Rettung gesandt. Fürst Hohenlohe bemerkt freilich 
mit Recht, dass die Legende nicht unbedingt den Charakter eines 
Siegelbildes bestimme und auch nicht nothwendig im unmittelbaren 
Zusammenhange mit dem Siegelbilde stehe. Aber dadurch ist 
nicht ausgeschlossen, dass ein Zusammenhang bestehen kann, und 
ich denke , wenn , wie hier in der Legende von einem Adler die 
Rede ist, und das Siegelbild einen solchen und zwar in nicht her- 
kömmlicher Gestalt zeigt, so wird man einen Zusammenhang nicht von 
vornherein abweisen dürfen, vielmehr sogar suchen müssen. Ich 
habe schon auf die Heiligenscheine hingewiesen, welche die Köpfe 
des Adlers umrahmen. In der sehr dankenswerthen Abhandlung, 



182 Lindner: 

welche Fürst von Hohenlohe über den Doppeladler veröffentlicht hat, 
erklärt er selbst in einem anderen Falle, dass „der Adler durch den 
Nimbus als das Symbol des heiligen Evangelisten Johannes gekenn- 
zeichnet werde", und giebt zu, dass, wenn der Adler als Symbol 
des Evangelisten gewöhnlich naturalistisch dargestellt werde, er 
auch „im rein heraldischen Typus" vorkomme *). 

Die Schriftstücke, welche Fejer in seinem Codex diplom. 
Hungariae veröffentlicht hat, lassen in ausreichender Weise er- 
kennen, ¥de es Sigmund mit dem ungarischen Siegel gehandhabt 
hat. Die Urkunden, welche für Ungarn gegeben wurden, erhielten 
das ungarische Majestätssiegel, „authenticum sigillum nostrum novum 
dupplex", ein Münz- oder zweiseitiges Siegel, welches ich bereits 
ÜW. 66 kurz beschrieben habe 2). 

Auch ein neues Secretsiegel wurde damals, wie es scheint, 
angefertigt. Dieselbe Bezeichnung für das Majestätssiegel findet sich 
in den ungarischen Urkunden Sigmunds bis zu seinem Tode. Es ist 
demnach zweifelhaft, ob er nach seiner Wahl zum römischen Könige 
und dann nach der Kaiserkrönung ein neues Majestätssiegel für Ungarn 
hat anfertigen lassen; ich habe keine Urkunde mit demselben aus 
dieser Zeit zu Gesicht bekommen. Das Secret ist dagegen ent- 
sprechend geändert worden (vgl. UW. 69). Als Sigmund im Januar 
1414 den Erzbischof Johann von Gran zum Verweser von Ungarn 
ernannte, übergab er diesem das Majestätssiegel, unter welchem in 
des Königs Namen in Ungarn weiter geurkundet wurde, während 
er selbst nur das ungarische Secret mit sich nahm. Mit demselben 
hat Sigmund in Konstanz und Perpignan Urkunden besiegeln lassen'^). 
Dasselbe Verhältniss trat ein, als er in den Jahren 1419 und 1420 
von Ungarn abwesend war, ebenso 1430 ff. Im September 1434 



^) Der heraldische Doppeladler S. 36 ; man vergleiche dort auch die Ab- 
bildungen. 

*) Novum heisst das Siegel, weil es 1401 an Stelle des früheren Majestäts- 
siegels trat (vgl. U W. 65) ; es wurde verfügt, dass alle Urkunden, welche König 
Ludwig nur unter Secretsiegel, Elisabeth, Maria und er selbst unter Majestät 
und Secret erlassen hätten, zur Besiegelung mit der neuen Majestät vorgelegt 
werden sollten. Aschbacth I, 261 verlegt diesen Vorgang zu spät ins Jahr 1407. 
Im Februar 1401 hatte der Erzbischof Johann von Gran noch beide Siegel in 
Verwahrung (Fejer X, 4, 62); später ist das ältere zerschlagen worden (propter 
ßigillorum ipsorum dominarum reginarum deperditionem nostronimque tarn 
minoris quam majoris videlicet dupplicium ex causis — legitimis confractionem). 

») Fejer X, 5, 278; 62S. 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 183 

hatte aber der Kaiser die Siegel Ungarns bei sich in Basel: cum 
ex caiisis aninium nostnim inducentibus sigilla penes majestatem 
nostram reservanda duximus, soll der Verweser Erzbischof Georg 
von Gran unter seinem eigenen Siegel Briefe ausstellen i). Als Sig- 
mund jedoch 1435 zur Huldigungsfeier nach Prag aufbrach, Hess 
er beide ungarische Siegel in der Heimat zurück und bediente sich 
zur Aushilfe des römischen Secrets^). 

Soweit die nur gelegentlichen und nicht immer deutlichen 
Angaben Fejers eine Vermuthung gestatten, pflegte die ungarische 
Majestät an blau-rothe Schnur gehängt zu werden. Auch für das 
Secret wurde diese gebraucht, doch wohl nur, wenn es das grosse 
Siegel vertrat. 

Wie die ungarischen Siegel, so hat Sigmund auch die Reichs- 
siegel nicht immer bei sich gehabt. Am 22. März 1428 bestätigte 
Sigmund in Tirnau die von den Kurfürsten zu Frankfurt getroffene 
Wahl des Kurfürsten Friedrich zum Hauptmann gegen die Hussiten 
mit dem Secret: „gebrechenhalb unser majestät, die wir zu dis zeit 
bey uns nit hetten", und am 27. December desselben Jahres liess 
er in Etzelburg eine Verfügung für Halberstadt 3) sogar mit dem un- 
garischen Siegel versehen: „wan wir unser und des richs insigel 
die zyt nicht by uns hedden'^ 

XJeber die Anordnung des Titels in den Diplomen, Patenten 
und Briefen habe ich UW. 78 ff. eingehend gehandelt und oben 
S. 169 einige Bemerkungen hinzugefügt. Dass bei Briefen an 
Kardinäle der königliche Titel nicht immer als Unterschrift gesetzt 
wurde, sondern auch in der gewöhnlichen Weise über dem Texte 
stand, zeigen einige Schreiben Ruprechts und Sigmunds, obgleich 
wir sie nur in Kopieen kennen 4). Wenn die Devotionsformel in 
einer Urkunde Ruprechts vom 7. Januar 1401 für den Erzbischof 
von Köln : divina favente clemencia Romanorum rex statt des sonst 
üblichen: dei gracia lautet 5), so beweist das, dass die Urkunde in 
der Kölner Kanzlei geschrieben ist, wie eine ähnliche vom gleichen 
Tage, welche ich in den Kaiserurkunden in Abbildungen Lieferung VI, 
Tafel 23 mitgetheilt habe. — In einem Originalbriefe vom 28. April 



») Fejer X, 7, 551 ; 575 ; 562. 

•) Fejer X, 7, 789. 

«) Riedel ü, 3, 484; ÜB. Halb, n, 138. 

*) RA. IV n. 9,12; VIU n. 25; dagegen RA. IV n. 18,50. 

*) RA. IV n. 212. 



Xg4 Liudner: 

1423 ist in der üeberschrift abweichend statt Sigmund: Siegmundt 
gesetzt!). Die vielfachen Abweichungen von der in der königlichen 
Kanzlei gebräuchlichen Schreibweise lassen jedoch vermuthen, dass 
der Schreiber des Briefes nicht dieser angehörte, sondern nur zur 
Aushilfe herangezogen war. — 

Den Correcturvermerk haben fünf Diplome in Zürich vom 14. 
und drei vom 31. März 1362 und eins vom 5. April 1363. Interes- 
sant ist das erste. Seine Unterfertigung lautet: per dominum 
magistrum curie . . decanus Qlogoviensis, der Correkturvermerk : 
correcta per eundem; auch der Text scheint von demselben ge- 
schrieben zu sein. Die drei Urkunden vom 31. März sind ebenfalls 
von dem Dechanten von Glogau als correct bezeichnet, aber unter- 
fertigt durch Johann von Eichstedt; in der letzten ist Theod. de 
Stasfordia der Corrector. 

Als eigenhändig vom König vollzogene Unterschrift dürfen wir 
wohl die unter den an Päpste gerichteten Briefen gleichförmig wieder- 
kehrende Formel: Sanctitatis vestre devotus filius etc. 2) betrachten. 
Auch drei Urkunden Ruprechts, welche Versprechungen an den Papst 
enthalten, tragen die Unterschrift: Nos Rupertus rex prescripta 
recognoscimus manu propria^). Doch fallen diese Sachen nicht 
unter den gewöhnlichen Kanzleiverkehr. Ebensowenig ist zu diesem 
zu rechnen, dass Ruprecht mehrfach Vollmachten für die Verhand- 
lungen mit dem Papste notariell beglaubigen liess, in ähnlicher 
Weise, wie das schon früher geschehen war*). Ebenso ist dann auch 
bei den Verhandlungen über die Kaiserkrönung Sigmunds verfahren 
worden. Ueberhaupt boten politische Verhandlungen öfters Veran- 
lassung zur Anfertigung von Notariatsinstrumenten. Aber erst unter 
Sigmund kommt, wie früher erwähnt, es nicht selten vor, dass auch 
andere kaiserliche Urkunden notariell beglaubigt werden. 

Als einzigen Fall eigenhändiger Recognoscirung durch den 
Kanzler unter Ruprecht habe ich UW. 100 die Privilegienbestäti- 
gung für Florenz vom 4. Juli 1401 angeführt. In dem Register 
in Wien ist nämlich die ursprüngliche Unterfertigung: ad mandatum 
domini regis Nicolaus Buman ausgestrichen und mit anderer Hand 



') RA. \Tn n. 234. 

*) Bei Ruprecht und Sigmund ist diese Unterschrift mir nur aus Kopien 
bekannt, RA. IV n. 8, 10 und mehrfach; Raynald Ann. eccl. 1414 8. 382. 
') RA. IV n. 71-73. 
*) RA. IV n. 1, 20 u. 8. w. 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 185 

und Tinte beigefügt: Ego Kabanus recognovi. Wie aus dem 

neuesten Abdruck hervorgeht^), hat das Original in der That die 
eigenhändige Kecognoscirung. Man hat sich also erst nachträglich 
entschlossen, diese sonst nicht mehr gebräuchliche Form anzuwenden, 
vielleicht auf den ausdrücklichen Wunsch der Florentiner, welche 
sie von ihren älteren Privilegien her kannten und daher auch jetzt 
verlangten. 

In dem Literarischen Centralblatt 1884 n. 17 S. 592 habe ich 
bereits darauf aufmerksam gemacht, dass in dem 8. Bande der 
Reichstagsacten gelegentlich in Bezug auf die Unterfertigungen ein 
Missverständniss obgewaltet hat. In den Reich sregistorn unter Sig- 
mund ist oft die Unterfertigung nur in abgekürzter Gestalt ein- 
getragen, z. B.: R. Michael u. dgl. R. bedeutet dann: ad man- 
datum domini regis, ebenso wie cancelL: ad mandatum domini can- 
cellarii. Ich will für etwaige Zweifler hier noch einen Belag mittheilen. 
Am 16. Mai 1426 ertheilte Sigmund einen Befehl, betreffend die 
Wiedereinsetzung der aus Halberstadt Vertriebenen. In dem Lübecker 
Urkundenbuch VIII, 638 ist er aus dem Registraturbuch mitgetheilt 
mit der Unterschrift: Rex Michael; das Original 2) hat die ausgeführte 
Unterfertigung : ad mandatum domini regis Michael prepositus Boles- 
laviensis. 

Unter den in Zürich befindlichen Diplomen Karls haben 
neun das Registraturzeichen ohne Namensangabe des Registrators, 
die früheste vom 24. December 1347, die späteste vom 20. Juni 
1354. Sie bestätigen lediglich, was ich UW. 109 ff. über Bildung 
und Entwicklung des Registraturzeichens gesagt habe. Unter den 
dort befindlichen zahlreichen Urkunden, welche nach der Kaiser- 
krönung, also nach der daran sich knüpfenden Kanzleireform aus- 
gestellt sind, entbehren nur fünf dieses Vermerks. 

Es sind dies zunächst zwei Exemplare vom 25. Juli 1355 
betreffend die Richtung zwischen Oesterreich und der Stadt Zürich 
(HR. 2198), also inhaltlich zu den Sachen zählend, welche häufig 
ohne Vermerk erscheinen; vgl. UW. 165, 166 und unten S. 189. 
Eine dritte Urkunde vom 29. September 1357 (HR. 2701) entbehrt 
der Ortsangabe, ist ohne jeden Vermerk, mit abweichender Datums- 
formel und hat wohl die Löcher für die Siegelschnur, aber diese 



*) RA. IV n, 358. 

») Uß. Halberetadt H, 85. 



186 Liudner: 

wie das Siegel fehlen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Urkunde 
nie vollzogen, sondern nur von der Stadt vorbereitet worden. Die 
vierte Urkunde endlich vom 27. Februar 1362 (HR. 3834) ist oiTen- 
bar eine Membrane. Die ersten Zeilen des Textes sind mit dem 
gewöhnlichen Abstände geschrieben, dann aber wurde die Schrift 
weiter gesperrt, weil das Blatt für den aufzunehmenden Wortlaut 
zu gross war; ein Verhältniss, was bei einer unzweifelhaften Mem- 
brane sich gleichfalls findet, vgl. UW. 182. Die Unterfertigung 
lautet: Per dominum Magdeburgensem Petrus Jaurensis; sie steht 
aber über einer früheren, durch Auskratzen getilgten. Die Urkunde 
ist gegeben in Eonstanz, sie steht allein in einer langen Reihe 
anderer, welche in der Zeit vom November 1361 bis Ende März 
1362 ausschliesslich von Nürnberg datirt sind. Obgleich es nicht 
unmöglich ist, dass Karl inzwischen einen Abstecher nach Konstanz 
gemacht hat, so liegt doch unter den so zusammentreffenden Um- 
ständen die Annahme nahe, dass nur seine Bevollmächtigten in 
Konstanz urkundeten. Uebrigens gehört auch dieses Stück zu den 
Verträgen, bei denen nicht selten das Registraturzeichen fehlt. 

Was ich über Beurkundungsbefehl und die Bedeutung der 
Unterfertigung auseinandergesetzt habe, hat sich, mir auch bei den 
weiteren Untersuchungen als zutreffend erwiesen. Ich möchte hier 
nur noch eine Beweisstelle für meine Deutung der relatio UW. 138 ff. 
anführen, wenn sie auch etwas über unseren Zeitraum hinausliegt. 
Eine Urkunde König Albrechts IL vom 27. März 1438 trägt die 
Notiz: Commissio propria domini regis domina regina referente^). 
Hier kann referre nur „Auftraggeben" bedeuten. Beachtenswerth 
ist dabei auch die Verbindung ungarischer und deutscher Kanzlei- 
formen, wie sie in: Commissio propria regis und der Relation zur 
Anwendung kommen. Die erstere Formel, bald über den Text, 
bald unter denselben geschrieben, ist ungarischen Ursprungs und 
findet sich bei Sigmund nur in Erlassen für Ungarn und Böhmen, 
nie in solchen für das Reich. Es ist merkwürdig, dass trotz der 
engen Verbindung, in welcher unter ihm beide Kanzleien oft standen, 
doch die deutsche keinerlei Gebräuche der anderen aufgenommen hat, 
weder die Commissio, noch die in Ungarn beliebte feierliche Ausstellung: 
datum per manus N. cancellarii^). Erst unter Friedrich III. wurde 
die „Commissio propria regis'' unter die Kanzleiformeln aufgenommen. 

») Fejer XI, 74. 

*) Die UW. 68, 70, 83 besprochene Schenkungsurkunde Sigmunds für 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 187 

Ohne Nennung des unterfertigenden Beamten (vgl. UW. 141) 
nur de mandato domiui imperatoris unterzeichnet ist ein kleines 
Diplom Sigmunds vom 10. Juni 1437 (in Zürich). Es betrifft Velim- 
sachen und ist mit darauf bezüglichem Vermerk: „Dison brief sol 
nymand lesen , er sy dann ein fryscheppfen" versehen ; vielleicht 
hängt damit das Fehlen des Namens zusammen. 

Aus dem Kechnungsbuche des Erzbischofes Boemund von 
Trier, von welchem uns Peter Maier i) Auszüge bewahrt hat, er- 
fahren wir Einiges über die Kosten, welche die Ausstellung von 
Urkunden verursachte. Der Erzbischof weilte Ende 1355 und 
Anfang des folgenden Jahres bei Karl in Nürnberg. Die Ausgaben 
waren 2): Cancellario 20marcas; magistro curie 10 marcas; domino 
Johanni cancellario 100 flor.; familie cancellarli et scriptoribus suis 
10 flor.; Henrico ingrossanti privilegia domini 4 flor. ; apponenti sigilla 
imperialia ad duas litteras privilegiorum domini 2 flor. ; pro serico 
glauco et nigro 12 ss. hallensium 3) ; pro buUa aurea^), que adhuc 
habetur in Erembreitstein 25 flor. 

Man sieht hier, wie die Berechnung selbst die einzelnen kleinen 
Posten trifft. Ich habe mir sonst aus der Zeit Sigmunds noch 
notirt, dass die Stadt Basel für eine Privilegienbestätigung 1100 
Gulden, für eine andere Verfügung in Zollsachen 80 Gulden ent- 
richtete, dass die Stadt Speier einmal 441 Gulden, ein zweites Mal 
aber gar 4000 Gulden und 200 Gulden Schreiberlohn bezahlte 5). 
Die Stadt Frankfurt gab dem Kanzler für zwei Privilegien 100 Gulden 
und 28 Gulden und ausserdem den Schreibern über zwei Gulden, 
ausserdem schenkten sie dem Unterhändler 100 Gulden^). Herzog 
Philipp Maria von Mailand musste für seine Privilegien 6000 Dukaten 
erlegen und Herzog Wilhelm III. von Baiern berechnete 1433 den 



seine Gemahlin Barbara gehört auch der ungarischen, nicht der deutschen Kanzlei 
an. Daher ihre mannigfachen Abweichungen. 

*) Vgl. meine Angaben über ihn in den Mittheil, des Institute für Öster- 
reich. Geschichtsforschung V, 112 Anm. 1. 

■) Zeitschrift für vaterländ. Gesch., herausgeg. von Meyer und Erhard 
I, 105 mit manchen Lesefehlem, die ich verbessert habe, doch besser als in 
den Gesta Trevir. ed. Wyttenbach et Müller 11 Animadvers. crit. 19. 

•) Gemeint ist die schwarzgelbe Siegelschnur; glauco (Gesta Trev. clamo) 
wohl verlesen für Havo. 

*) HR. 2392. 

») Ochs m, 102; 133; Lehmann 797; 808. 

•) RA. Vm S. 389 Anm. 1. 



188 Lindner: 

Betrag der Taxen für die Urkunde, worin ihm Sigmund die Ver- 
leiliung der Lande seines Ingolstädter Vetters Ludwig in Aussicht 
stellte, auf 3000 Dukaten i). — Ich erwähne das nur, um auf die 
grosse Ungleichmässigkeit in diesen Angaben aufmerksam zu machen. 
Dieselbe rührt ohne Zweifel davon her, dass ein Theil der hohen 
Summen nicht auf eigentliche Kanzleikosten anzurechnen ist, viel- 
mehr sind darin die Zahlungen enthalten, welche dem Kaiser selbst 
und dessen Käthen zuflössen, um sie zur Ertheilung der betrefiPenden 
Urkunden geneigt zu machen. Soweit es möglich ist, wird bei 
künftigen Untersuchungen dieser Punkt zu beachten sein. 

Aeneas Svlvius hat im Jahre 1454 einem Freunde eine Schil- 
derung der Verhältnisse in der Reichskanzlei gegeben, welche ohne 
Zweifel auch für die vorhergehenden Zeiten, wenigstens für die Re- 
gierung Sigmunds zutreffend ist. Die Unterbeamten waren ganz 
in des Kanzlers Hand, da nur wenige Secretaire ein festes Gehalt 
bezogen, dessen Höhe aber jener auch bestimmte. Die jüngeren 
erhielten den Lebensunterhalt; sie mussten in einem Hause zu- 
sammengedrängt wohnen, essen und arbeiten. So waren sie arm 
und wenig angesehen; der Kanzler konnte sie ohne weiteres ent- 
lassen. Doch wies ihnen der Vorgesetzte gelegentlich eine Ent- 
schädigung für bestimmte Arbeiten zu, und sie selbst verdienten 
Einiges durch Verwendungen und Winkelagitationen. Die für die 
Ausfertigung der Urkunden festgestellte Taxe zog der Kanzler ein, 
die Secretäre empfingen nach dem Belieben des Gebers ein Trink- 
geld, durften aber bei gratis ausgestellten Sachen ohne die Erlaubniss 
des Kanzlers keines fordern. Sie vertheilten es unter sich. Briefe 
für den König und den Hof mussten sie ohne Lohn nach dem Be- 
fehle des Kanzlers schreiben 2). 

Als 1401 Verhandlungen zwischen König Ruprecht und dem 
abgesetzten Wenzel geführt wurden, verlangte ersterer, dass ihm 
„alle register und brieve — und allez daz zu dem riche gehöret," 
unverzüglich ausgeliefert würden 3j. Unzweifelhaft ist das nicht 
geschehen. Später wurde zwischen Wenzel und Sigmund verab- 
redet: auch sol — Wenczlaw — Sigmunden die register leihen, die zu 
dem heiligen Romischen reich gehören adir die abschreiben lassen — . 



>) Archival. Zeitschrift VH, 317. 
*) Voigt Enea Silvio I, 278. 
») RA. IV n. 340 u. 392. 



Beitröge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 189 

es schol auch — Wenczlaw — Sigmund die brive und register, die 
obir das lanth Brandenburg sprechende sein, sie sein von etwan 
— keyser Karls — adir marggraven Josts — geczeiten und auch einung 
adir puntnusse antreffende gegeben im schicken i). Indessen ist es 
fraglich, ob Wenzel diese Vereinbarung gehalten hat, da weder seine 
Register, noch die Karls IV., welche er damals wahrscheinlich auch 
besass, sich in Wien vorfinden. 

Ausdrücklich wird hier neben den Reichsregistern gesondert 
erwähnt ein Register, welches „einung adir puntnusse" betraf. Meine 
frühere Vermuthung, dass diese nicht in das Reichsregister, sondern 
in eigens dazu bestimmte Bücher eingetragen wurden (ÜW. 166), 
findet also ihre volle Bestätigung. 

In der Einleitung zum vierten Bande der Reichstagsakten sind 
ausser den Reichsregistern in Wien eine Reihe von Kopialbüchern, 
welche der Kanzlei Ruprechts entstammend jetzt in Karlsruhe liegen, 
beschrieben worden. Unter ihnen sind zwei, welche sich mit den 
in Wien befindlichen Bänden fast vollständig decken, jedoch, wie 
angegeben wird, keine Kopieen jener sein sollen. Ich kann darüber 
ohne eigene Anschauung nicht urtheilen, doch fällt auf, dass die Schrift 
„von derselben in Schrift und Tinte sehr gleichmässigen Hand" 
herrührt. Danach dürfte sich wenigstens kaum annehmen lassen, 
dass die beiden Karlsruher Register gleich von Anfang an neben 
jenen Wiener Registern, welche die Spuren der allmäligen Ent- 
stehung tragen, geführt worden sind. Die anderen Bücher in Karls- 
ruhe enthalten meist Stücke, welche nicht unter der Majestät ge- 
geben sind, dann Briefe, Vollmachten, Instruktionen, pfälzische Haus- 
angelegenheiten, also auch meist Sachen, welche streng genommen 
nicht zu dem Kreise gehörten, den die eigentlichen Reichsregister 
umfassten. Daher sind sie nicht an Sigmund ausgeliefert worden; 
ob sie der Kanzler Raban in seiner Verwahrung hatte und sie an 
den Pfalzgrafen zurückgab , während er die anderen der Reichs- 
kanzlei auslieferte, oder ob sie in der Kanzlei beim Tode Ruprechts 
verblieben waren, lässt sich wohl nicht feststellen. 

Dass Urkunden fertig geschrieben zur Besiogelung eingereicht 
wurden und dadurch manche Abweichungen von dem Kanzlei- 
gebrauche zu erklären sind, habe ich bereits erörtert. So übergaben 
die Dortmunder dem Johann Winheim „eyne billen, also wy dat 



') Am 14. Juni 1416 in Eger verabredet; Mon. Zoll. VU, 402. 



190 Lindner: 

gerne hedden besiegelt von dem koninge" i). Dadurch lässt sich „das 
verwilderte Deutsch", welches in den Urkunden dieser Periode 
manchmal entgegenklingt, wohl besser erklären, als aus dem Ein- 
flüsse nicht deutscher Kanzleibeamten, wie behauptet worden ist. 

An derselben Stelle, an welcher diese Meinung ausgesprochen 
worden 2), wird auch die Frage aufgeworfen, ob nicht eine gewisse 
Regel sich aufstellen lasse, nach welcher für die Ausfertigung die 
lateinische oder die deutsche Sprache in Anwendung kam. Das ist 
allerdings nicht möglich, doch lassen sich immerhin einige Bemer- 
kungen darüber machen. Unter Karl überwiegt in den ersten Jahren 
seines Regiments ganz bedeutend die lateinische Sprache, namentlich 
in den grossen Diplomen, den Privilegienbestätigungen u. dgl. Von 
Patenten und Briefen sind vorzugsweise diejenigen, welche für Em- 
pfänger geistlichen Standes bestimmt sind, lateinisch abgefasst Doch 
kommt es nicht selten vor, dass Diplome für Empfanger aus dem 
Laienstande, Fürsten und Städte, doppelt ausgestellt wurden, in 
lateinischer und in deutscher Sprache. Dann ist aber immer das 
lateinische Exemplar sozusagen das vornehmere. Nur bei diesem 
findet sich das Monogramm, manchmal sind die deutschen Exem- 
plare ohne Unterfertigung und Registraturvermerk, obgleich letztere im 
anderen stehen. In den späteren Jahren nimmt der Gebrauch der 
deutschen Sprache stetig zu und auch für Geistliche wird oft nur 
in ihr geurkundet. So steigert sich das Verhältniss unter Wenzel, 
bis unter Ruprecht und Sigmund Deutsch entschieden das Ueber- 
gewicht erhält 

Am meisten macht sich der Umschwung bei Patenten und 
Briefen geltend, welche fast immer deutsch geschrieben sind, wenn 
nicht bei dem Empfänger Unkenntniss dieser Sprache vorauszusetzen 
war. Aber auch in den Diplomen nimmt die lateinische Sprache 
ab; so füllen bei etwa gleichen Raumverhältnissen die lateinischen 
Urkunden Ruprechts unter Majestät in dem Register nur 117 Folio- 
blätter, dagegen die deutschen 297. Und während für die unter 
kleinem Siegel gegebenen Sachen deutscher Sprache ein besonderes 
Register angelegt wurde, fanden die lateinischen Platz in dem 
Register für die Majestätsurkunden. Die lateinische Sprache be- 
hauptet sich am meisten in Urkunden für Bisthümer, Klöster u. dgl. 
oder in kirchlichen Angelegenheiten, wie primariae preces u. s. w.; 

*) Fahne ÜB. Dortmund II, 1, 220. 
•) Archivar Zeitschr. VII, 316. 



Beiträge zur Diplomatik der Luxemburgischen Periode. 191 

darauf mochte einwirken, dass die von früheren Regenten aus- 
gestellten Urkunden, welche oft nur bestätigt oder wiederholt wurden, 
lateinisch abgefasst waren und so als bequeme Vorlage galten. 
Auch in anderen Verhältnissen hat das eingewirkt, um lateinische 
Beurkundung zu bewahren. Aber mindestens eben so oft wird 
nunmehr die deutsche Sprache auch in Privilegien geistlicher Stif- . 
tungen angewandt. Nach einer festen Regel wird man jedoch ver- 
geblich suchen. Es gilt auch hier, was ich UW. 207 über das 
gesammte TJrkundenwesen der Reichskanzlei gesagt habe. 

Zu dem Kapitel über officielle Neuausfertigungen und Kopien 
liefert das Züricher Staats-Archiv mehrfache Beiträge. Zwei Diplome 
vom 2. Mai 1365 sind unterschrieben: sumptum de registro. per 
dominum imperatorem Johannes Eystetensis. Lehrreicher ist ein 
Papierblatt mit Versendungsschnitten und Siegelspuren auf dem 
Rücken. Es enthält eine Verfügung Karls (mit abgekürztem Titel) 
am 6. November 1373 in Prag gegeben i) mit der Unterschrift: 
„extractum de registro. datum per copiam". — Am 17. September 
1418 ertheilt der königliche Hofrichter Graf Johann von Lupfen 
unter grossem Hofgerichtssiegel ein Vidimus eines Diploms Sig- 
munds vom 29. August desselben Jahres mit der Unterfertigung: 
Petrus Wacker. Endlich liegen dort Abschriften zweier Urkunden 
Sigmunds für Herzog Friedrich von Oesterreich vom 12. Mai 
1418 und 17. Februar 1425. Beide sind überschrieben: „datum 
per copiam" und mit dem königlichen Secret untersiegelt. 

In meinem Kapitel zur Datirung habe ich die principielle 
Frage behandelt, wieweit überhaupt ein Verlass auf das Datum 
möglich sei, und kam zu dem Ergebniss, dass man streng genommen 
bei keiner Urkunde sicher sein könne, ob sie wirklich an dem ge- 
nannten Tage und Orte gegeben sei. Es ist mir inzwischen ein 
recht bezeichnendes Beispiel aus späterer Zeit aufgestossen. Gesandte 
der Stadt Basel führten in den Tagen vom 21. bis 24. Mai 1448 
Verhandlungen am Hofe König Friedrichs III. An letzterem Tage 
wurde ihnen die Entscheidung mitgetheilt in einer Urkunde, welche 
vom 31. Mai datirt war; ausserdem wurden ihnen noch drei Schrift- 
stücke mitgegeben, deren eines ebenfalls am 31. Mai, die anderen 



*) Karl befiehlt dem Bürgermeister und Rath von Zürich, von der Reichs- 
steuer, welche er dem Maness verschrieben, die Hälfte dem kaiserlichen Küchen- 
Bchreiber Heinrich Nase von Lindow zu bezahlen. 



192 Lindner: 

am 24. Mai ausgestellt waren 9. — l^io zahlreichen Urkunden, welche 
während Sigmunds Abwesenheit von den ungarischen Reich sverweseru 
ausgestellt wurden, sind unter seinem Namen, aber mit Ort und 
Zeit der thatsächlichen Beurkundung gegeben. 

Das Diplom für Zürich vom 23. AprU 1349 (vgl. ÜW. 204), 
welches für untergeschoben gehalten worden ist, habe ich selbst 
einsehen können. Es ist auf italienischem Pergament geschrieben, 
Sprache und Formeln sowie die Schrift erweisen, dass es nicht aus 
der königlichen Kanzlei stammt. Aber das Majestätssiegel am 
Pergamentstreif ist sicher echt und keinerlei Spuren deuten darauf 
hin, dass es von einer anderen Urkunde abgenommen und hier 
befestigt worden wäre. Die Urkunde ist wahrscheinlich, wie so 
viele andere, fertig zur Besiegelung vorgelegt worden. 

Ich schliesse hiermit eine Untersuchung ab, die mir, so fern 
sie auch meinen eigentlichen Arbeiten lag, reiche Belehrung geboten 
hat, und wie ich hoffe, auch für Andere nicht vergeblich gewesen ist 
Sie hat mir manchen Einblick in die inneren Verhältnisse der da- 
maligen Zeit gewährt, den ich sonst kaum gewonnen hätte. Mir 
scheint, dass diplomatische Untersuchungen nach dieser Seite hin 
ihren allgemeinen Werth haben und daher nicht allein für einen 
enger' begrenzten Gesichtskreis von Wichtigkeit sind ; die Verwal- 
tung des Reiches und die Führung der Reichsgeschäfte lassen sich 
durch sie klarer erkennen. Es ist kein Zweifel, dass gerade die 
Kaiserurkunden in Abbildungen die Anregung gegeben haben, auch 
die Diplomatik späterer Zeiten zu erforschen, was sonst gewiss nicht 
so bald geschehen wäre. Ein Einzelner konnte unmöglich diese 
Aufgabe lösen, aber die vereinten Bemühungen zahlreicher Mit- 
arbeiter werden es möglich machen, ein einheitliches Bild des Kanzlei- 
wesens und der damit zusammenhängenden Verhältnisse zu erlangen. 
Es wäre ein überflüssiges und zweckloses Unternehmen gewesen, 
schon bei der Bearbeitung einzelner Abtheilungen ohne Kenntniss 
der noch ausstehenden die Fragen nach dem Zusammenhang der 
Entwicklung aufzuwerfen. Erst wenn das ganze Material zu über- 
sehen ist, wird sich zeigen, wie und wann fremde Einflüsse ein- 
gegriffen, wie die vorangegangenen Perioden auf die folgenden ein- 
gewirkt haben, und ohne Zweifel wird es auch möglich sein, manche 
lehrreichen Rückschlüsse aus späteren Verhältnissen auf frühere zu 
machen. 



') Ochs UI, 509—519. 



XL Summarische Uebersicht der ICodizes in den 

bayerischen Landesarchiven. 



Vorbemerkung, lieber das sechszehnte Jahrhundert ist 
diese Zusammenstellung nicht hinausgeführt, und auch für dieses 
begnügte man sich mit einer Auswahl, weniger historisch wichtige 
Amtsbücher wurden ausgeschlossen. Für die früheren Jahrhunderte 
geben die Zahlen den Gesammtbestand an, und war für die Ein- 
reihung je nach der Entstehungszeit maassgebend die Niederschrift 
der ältesten Theile eines Kodex und bei Sammelbänden das Alter 
der frühesten Bestandtheile. Nachträge, die in vielen sich finden, 
konnten hier nicht berücksichtigt werden. Die Zahl der durch Alter, 
Inhalt, Illustrationen oder auch durch eine seltene kunstreiche Art 
des Einbandes hervorragenden Kodizes ist durch fetteren Druck 
ausgezeichnet 



>rtlfde 
immer 


Archivaliengruppe 


Jahr 


hundert 


^» 


IX. 


X. 


XI. 


XTT. 


xra. 


XIV. 


XV. 


XVI 




I. BeicksarcUT in MtncbeL 




















A. Hoch- lind Domstifte. 


















1 


Augsburg 










2 


11 


i 
66 


9 
145 


2 
3 
4 


Bamberg 

Berchtesgaden .... 
Brixen 








i 


• 

fl 


• 
• 

3 


1 
2 

• 


5 

99 

• 


5 


Chiemsee 










• 


• 


1 


1 


6 


Eichstädt 










• 


i 
11 


62 


73 


7 
8 


Ellwangen 

Freising 




. 




i 

1 


• 

1 


. 

S 
8 


• 

60 


1 
9 

76 


9 


Kempten 


• 




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• 


• 


4 


f 
41 


3 

121 



Archivaliflche Zeitachiift IX. 



18 



1 04 Summarische Uebersicht der Kodizes in den bayer. IwAndesarchiven. 






Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. XI XII XIII. XIV. I XV. XVI. 



10 
11 

12 

13 
U 
15 
16 

17 

18 
19 
20 



21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 



Mainz . . 
Münster . 

Fassau . . 

Begensburg 
Salzburg . 
Speier . . 
Strassburg 

Trient . . 

Trier . . . 
Worms . . 
Würzburg . 



B. Kldster. 

Abensberg . . 
Aldersbach . 
Altenhohenau 
Altenmünster 
Altenötting . 
Andecbs . . 
Aspach . . . 

^DXvi • • • • 

Au (am Inn) 
Augsburg: St. Georg 

St. Gertraud 

HL Kreuz . 

Maria Stern . 

St. Moriz . . 

St Stephan . 

St.Ulrichu.Afra 

St Ursula 
Auhausen (an d. Wörnitz) 
Baumburg 
Beiharting 
Benedictbeuem 
Bergen . . . 
Bemried . . 
Beuerberg . . 
Biburg . , . 



1 



1 



1 
1 



9 
1 



1 



1 



5 
3 



1 



1 



42 

14 

28 



1 



1 
33 
3 
5 
2 
4 
4 
1 

• 

1 
1 



9 

10 

101 



24 
3 

16 
1 

• 

3 
1 



4 

10 

it 

205 
49 

157 
1 
1 

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3 

1 

1 

6 



1 

25 

8 

14 

6 

12 

11 

9 

1 

1 

2 

1 

2 

2 

27 

102 

1 

1 

11 

16 

38 

3 

2 

65 
4 



Summarische Uebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 195 



•§1 
11 



Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. XI. xn. xni. xiv. xv. xvi 



46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 
67 
68 
69 
70 
71 

72 

73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 



Walburg 



Buxheim . 

Gomburg . 

Diessen . . 

Bletramszell 

Dillingen . 

Donauwörth 

Ebersberg . 

Eichstaedt: St 

Elchingen . 

Ensdorf . . 

Ettal . . . 

Formbach . 

Franziskanerorden . 

Frauenchiemsee . . 

Frauenzeil .... 

Freising: St. Andreas 
„ St. Johann 
„ St. Veit 

Ftirstenfeld 

Fürstenzell 

Fultenbach 

Gars . . . 

Oeisenfeld . 

Gnadenberg 

Gottszell . 

Habach . . 

Heilsbronn 

Herbrechtingen 

Herrenchiemsee 

Högelwörth 

Hohenwarth 

Holzen . 

Hombach 

lUmünster 

Indersdorf 

Irrsee 

Isen . . 

Kaisheim 

Kastl . . 



1 



1 



1 



4 
1 

• 

3 
3 

• 

1 
1 
2 
2 

• 

1 

1 



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3 



2 

8 



1 
6 
1 
1 

19 
6 
8 
2 

10 
3 
3 

11 

10 



1 
6 
2 



11 
1 
1 
1 



1 

4 

• 

3 
4 

14 

• 

1 
3 
1 



10 
4 

• 

I 

10 

4 

2 

2 

28 

3 

2 

12 

35 

31 

1 

4 

96 

8 

6 

7 

18 

2 

2 



7 
7 
3 
10 
1 

13 
9 
2 
7 

11 
4 



13* 



196 Summarische Uebereicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 



'S 2 



Aichivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. XI. 



XII. xin. XIV. XV. XVI 



85 
86 
87 

88 
89 
90 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
97 
98 

99 
100 
101 
102 
103 
104 
105 
106 
107 
108 
109 
110 
111 
112 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 
120 
121 
122 



Kaufbeuern . . 
Kühbach . . . 
Landshut : St. Martin u 

St. Castulus . . 
Langenau .... 
Lindau: Damenstift 
Mallersdorf . . . 

Metten 

Michelfeld .... 
Monheim .... 
Mühldorf .... 
München: Anger . 

„ Augustiner 

„ Kiedler Kegelhaus 

„ zu Unserer lieben 
Frau . 
Münchsmünster 
Neuburg . . . 
Neustift . . . 
Niederaltach . . 
Niedernburg . . 
Niederschönenfeld 
Niederviehbach . 
Oberaltach . , 
Osterhofen . . 
Ottobeuern . . 
Passau: St. Nicola 
Pielenhofen . . 
Plankstetten . . 
Polling .... 
Prüfening . . . 
Raitenhaslach . 
Ramsau .... 
Ranshofen . . . 
Regensburg: St. Blasieu 
St. Emeram 
Niedermiinster 
„ Obermünster 
Reichenbach .... 
Roggenburg .... 



7? 



1 



1 



2 



1 



1 
1 
1 



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1 
2 



1 

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2 


1 


2 


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1 


2 


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• 


3 


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1 


• 


3 


• 


1 


2 


4 


1 


7 


• 


1 

• 


• 

1 


• 

3 


1 


1 


• 


1 


1 


9 


• 


2 


• 
• 


• 

9 


5 


21 


1 


1 


2 


3 


4 


37 


• 
• 


• 

1 


• 


8 


4 


13 


8 


4 


• 

2 


• 

2 


. 


2 


11 


10 


1 


• 


9 


• 


• 


1 


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1 







1 



4 
9 

9 
1 
1 
1 

10 
6 
3 
6 

11 
4 

17 
2 

10 
3 
8 

34 
2 

12 
9 
9 
5 
2 
1 
1 
4 
1 
2 
1 
1 



Summarische üebersicht der Kodizes in den bay er. Landesarchiven. 1 97 



>rtlfde 
immer 


Archival 


iengnippe 




Jahrhundert 


p^sz; 




IX. 


X. 


XI. 


XII. 


XIII. 


XIV. 


XV. 


XVI. 


123 


Rohr 




• 


1 

• 


« 


• 


• 


4 


3 


124 


Roth . . . 


• 










1 


1 














3 


11 


9 


125 


Rottenbuch 












i 


> 














• 


11 


10 


126 


Schäftlarn , 










• ! ' 


» 






i 


i 






6 


11 


17 


127 


Scheyern . 


• 








. 1 . 


1 














3 


19 


31 


128 


Schlehdorf 










. 1 


> 














• 


1 


19 


129 


Schliersee . 


1 • 












> 














1 


3 


5 


130 


Schönthal . 


1 » 


























• 


3 


• 


131 


Seemannshausei 


1 , 










» 














« 


2 


2 


132 


Seeon .... 












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2 


2 


10 


133 


Seligenpforten . 


























• 


1 


• 


134 


Seligenthai . . 












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• 


• 


5 


135 


Stadt am Hof: St. Mag- 


























nus und Andreas . 








1 












• 


2 


• 


136 


Steingaden 








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• 


2 


3 


137 


Straubing: Karmeliter- 
Kloster 






k 


1 












• 


4 


9 


138 


Straubing: St. Tiburtii 
et Jacobi 






k 


« 












1 


• 


1 


139 


Tegernsee 






» 


i 


1 


1 


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4 


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4 


51 


72 


140 


Thierhaupten . . . . 






1 


1 












■ 


• 


39 


141 


Ursberg 






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« 












1 


• 


• 


142 


St. Veit bei Neumarkt 






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« 












• 


• 


2 


143 


Vilshofen, Propstei . . 






1 ' • 


• 








1 


4 


3 


144 


Walderbach 






1 
> • 












• 


• 


3 


145 


Waldsassen 






1 


' 












1 


4 


14 


146 


Weihenstephan . . . 






1 


1 










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3 


11 


36 


147 


Weissenohe 






1 


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. 


1 


2 


148 


Weltenburg 


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1 


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. 


3 


2 


149 


Wessobrunn 






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54 


17 


150 


Wettenhausen . . . . 






1 


* 












• 


1 


2 


151 


Weyam 






1 


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1 


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1 


3 


G 


152 


Windberg 






1 


i 




1 








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2 


8 


153 


St. W olfgang amBurgholz 


• 




1 






1 








• 


1 


1 


154 


St. Zeno 

G. Reichsstädte. 




• 


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• 


1 


2 


4 


2 


155 


Augsburg 


. 


. 


• 


• 


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1 


156 


Dinkelsbüh 


1 . 


■ 


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• 




• 




• 




1 




■ 


• 


• 


1 



1 98 Summarische Üebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 



o 






Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. XI xn. xiu. XIV. XV. xvi. 



157 

158 
159 
160 

161 
162 



163 
164 
165 
166 
167 
168 
169 
170 
171 
172 
173 
174 
175 
176 
177 
178 
179 
180 
181 
182 
183 
184 
185 
186 
187 
188 
189 
190 
191 
192 



Kempten . 

Lindau . . 
Memmingen 
Nürnberg . 

Begensburg 

Rothenburg o/T 

D. Altbsyerische Oeriehte 

Abbach . . 
Abensberg 
Aibling . . 
Aichach . . 
Aurburg . 
Bernstein . 
Biburg . . 
Braunau 
Burghausen 
Cham . . 
Dachau . . 
Deggendorf 
Diessen . . 
Diessenstein 
Dietfurt . . 
Dingolfing . 
Donaustauf 
Donauwörth 
Dorfen . . 
Eggmühl . 
Eggenfelden 
ErcUng , . 
Friedberg . 
Friedburg . 
Fürth . . 
Oangkofen 
Oeisenhaiisen 
Oriesbach . 
Haag . . . 
Heidau . . 



1 



3 
6 



1 

6 

3 

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46 



3 
2 
2 
2 
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1 

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4 
37 
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2 
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69 



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7 
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7 
2 
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25 
8 

12 

58 

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2 
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14 

• 

2 
5 
5 
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1 
4 
3 
5 
28 



Summarifiche Uebersiclit der Kodizes in den bayer. LandeBarchiven. ] 90 



o _ 

Prä 



Archivaüengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. XI. 



XII. xin. XIV. XV. 



XVI. 



193 Hengersberg . 

194 Hirschberg . 

195 Hohenaschau 

196 Hohenschwangau 

197 Hohenwaldeck 

198 Illertissen 

199 Ingolstadt 

200 Julbach . 

201 Kelheim 

202 Kirchberg 

203 Eitzbüchel 

204 Kling . 

205 Kösching 

206 Kötzting 

207 Kraiburg 

208 Kranzberg 

209 Kufstein 

210 Landau . 

211 Landsberg 

212 Landshut 

213 Leonsberg 

214 Linden . 

215 Mainburg 

216 Marktl . 

217 Marquartstein 

218 Matighofen 

219 Mauerkirch 

220 Mering . . 

221 Meermoosen 

222 Mindelheim 

223 Mitterfels . 

224 Moosburg . 

225 München . 

226 Nattemberg 

227 Neumarkt a/B. 

228 Neuötting . 

229 Neustadt a/D 

230 Pfaffenhofen 

231 Rain . . . 

232 Battenberg 



1 



1 



1 



1 

5 

2 

1 

3 

1 

2 

1 

• 

3 

2 

3 



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2 
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14 
12 

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18 

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10 

5 

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13 
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87 
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11 
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6 
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3 



200 Summarische Vebeisicbt der Kodixes in den bayer. Landesarchiven. 



•sl 



Sl? 



A rchivalieiigrappe 



Jahrhundert 



IX. X. XI. 



XII. xiu. 



XIV. XV. 



XVI. 



233 
234 
235 
236 
237 
238 
239 
240 
241 
242 
243 
244 
245 
246 
247 
248 
249 
250 
251 
252 
253 
254 
255 
256 
257 
258 
259 
260 
261 
262 
263 
264 
265 
266 
267 
268 
269 
270 



Rauhenlechsbei^ 
Regen . . 
Beichenberg 
Reichenhall 
Reisbach . 
Ried . . . 
Riedenburg 
Rosenheim 
Rottenburg 
Schärding . 
Schongau . 
Schrobenhausen 
Schwabeck 
Schwaben . 
Schwarzach 
Stadtamhof 
Stamberg . 
Straubing . 
Teisbach 
Tölz , . . 
Traunstein 
Trostberg . 
Viechtach . 
Vüshofen . 
Vohburg . 
Uttendorf . 
Wald . . . 
Wasserburg 
Weilheim . 
Weissenstein 
Wemding . 
Wertingen 
Wiessensteig 
Wildshut . 
Wildenwart 
Winzen . . 
Wolfratshausen 
Wolnzach . . 



3 
2 
3 
2 
1 
3 
2 
1 
5 
8 
1 
2 
1 
4 
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1 
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3 
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4 
5 
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3 
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11 
10 
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18 
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3 
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1 


4 


4 


5 


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2 


5 


5 


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1 


2 


7 


• 


1 


4 


1 


1 


3 


• 


9 


2 


1 



Summarische üebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 20 1 



O 3 



Archivaliengruppe 



Jahrh un dert 



IX. X. 



XL XII. xm XIV. XV. ! XVI 



E. Gerichte der oberen und 
jungen Pfalz. 

271 Allersberg 

272 Amberg 

273 Auerbach 

274 Breitenegg 

275 Burglengenfeld .... 

276 Calmünz 

277 Constain 

278 Ehrenfels 

279 Freystadt 

280 Graisbach 

281 Gundelfingen .... 

282 Haimburg 

283 Heideck 

284 Helfenberg 

285 Hemau 

286 Hersbruck 

287 Hüpoltstein 

288 Höchstädt 

289 Hohenburg 

290 Laber 

291 Lauingen 

292 Leuchtenberg .... 

293 Monheim 

294 Nabburg 

295 Neuburg a/D 

296 Neuburg v/W 

297 Neumarkt 

298 Parkstein 

299 Parsberg 

300 Pleistein 

301 Regenstauf 

302 Reichertshofen .... 

303 Rotz 

304 Salern und Zeitlarn . . 

305 Sulzbach 

306 Sulzburg und Pyrbaum 

307 Thumdorf 

308 Tresswitz 



1 
5 

■ 
3 

1 



1 
1 
1 

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1 
1 
1 
2 
1 
2 
1 

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3 
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1 
2 

13 
6 
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3 
3 
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1 
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6 
1 
5 

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3 
1 
2 
2 
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• 

1 
1 
4 
2 
2 
2 
1 
3 
3 
1 
1 



202 Sammariache Uebenicht der KodiMB in den bayer. Landeearcfaiven. 



-sl 



o s 



Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. 



X. XI. xn. xni. xiv. xv. xvi 



309 
310 
311 
312 



313 
314 

315 

316 



317 



318 
319 
320 

321 
322 

323 
324 



325 

326 

327 
328 



Velburg 
Vilseck . 
Waldeck 
Waldthum 



• • • • 



« • • • • 



• ■ • 



• • • • • 



F. Ftnteii und Landstände. 

Bayerische Fürstensachen 

Altbayerische Land- 
schaftssachen . . . 

Oberpfalz. Landschafts- 
sachen 

Pfalzneuburgische Land- 
schaftssachen . • . 

G. Altbayerisohe Salbiloher. 
Salbücher 

H. Herzogliolie Hof- und 
KanzleisacheiL 

Tomi privilegiorum . . 
Bayerische Bücher . . 
Altbayerische Heiraths- 

und Kanzleisachen . 
Altbayerische Bepertorien 
FürsÜiche Gnaden- und 

Verschreibungsbücher 
Antiquitäten und Kunst- 

Sachen 

NeuburgerKopialbücher 

J. Kirehen- und Beligions- 
saolien. 

Konkordats- und Kon- 
ziliensachen 

Beligionssachen des 
Reiches . 

BayerischeReligionsakten 

Fundationsbücher . . 



• • • ■ 



• • • • 



t 
1 



3 



1 
1 



16 



1 



1 
13 



21 
17 

16 



70 



38 
1 



22 

269 

1 

4 



18 
3 

16 
13 

8 

6 

t 
60 



14 
23 
18 



Summarische Uebenicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 203 



»4 

9> 






Archivaliengrappe 



Jahrhundert 



IX. 



X. XI. 



xn. xm. XIV. xv. xvi 



329 

330 

331 
332 

333 



334 

335 

336 

337 

338 
339 
340 
341 



342 
343 

344 
345 
346 

347 
348 
349 
350 
351 

352 



AJtbayerische Pfarrbe- 
schreibungen . . . 
Geistliche Bathsproto- 

£0116 •■•■••• 

Oberpfalz. Religionsakten 
Oberpfälz. Visitations- 
protokolle 

Ambergische Kirchen- 
rathsprotokolle . . . 

K. Lehensachen. 

Altbayerischer oberster 

Lehenhof 

Oberpfälz. Provinzial- 

lehenhof 

Leuchtenbergisch.Lehen- 
propstamt . . ; . . 
Provinziallehenhof Neu- 
burg a/D 

Lehenhof zu Freising . 
do. ,, Begensburg. 
Ortenburg . 
Obermünster 
in Regens- 
burg . . 

do. ,, Eichstädt . 

Brandenburgisch - Ans- 
bachischer Lehenhof . 

Kempten'scher Lehenhof 

Hohenfels'sche Lehen . 

Rottenberg'sche Burg- 
güter 

Rohrenstadt'sche Lehen . 

Eurpfälzische Lehen 

Abensbergische Lehen . 

Rossthaler'sche Lehen . 

Uettlhofer'sche Lehen . 

L. Brandenbnrg-fränkisehes 
Gebiet . 



do. 
do. 



?? 



77 



• • • 



1 
1 



1 



19 
8 
6 

18 

7 



1 

7 

5 
1 



1 



1 



23 

21 
2 

21 

17 



53 

55 

16 

59 
1 
5 
4 



6 

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4 

5 
2 



1 
2 
2 

9 

66 



204 Summarische üebersicht der Kodises in den bayer. LandeBarchiven. 



^ 



I 



o 3 



Archivaliengruppe 



358 



354 



355 



356 
357 
358 
359 
360 



1 
2 
3 
4 



1 
2 



H. Adelsselekt. 
von Berlichingen . . . 

N. Deponirto Archive. 

Nothaft'sches Familien- 
archiv 

Habel'sches Archiv . . 

0. AiLBserbayerisolie Gebiete 

Oesterreich und Tyrol 

Böhmen 

Würtemberg .... 
Braunschweig . . . 
Jülich-Cleve .... 



n. InnarckiT in Antierg. 

Fürsten- u. Militärsachen 

Lehensachen 

Stifter und Klöster . . 
Landsassenwesen oder 

.aQ61 ..•••■■ 

Gerichte, Aemter u. Orte 



m. IrelurcklT in BunlierK. 

A. Fttrstbisthiun Bamberg 
Hochstift . . 

Fürstbischöfe 
Domkapitel . 
GoUegiatstifte 
Klöster . . . 



Jahrhundert 



IX. 



X. XI. XII. xin. XIV. XV. XVI 



1 



• 


. 


• 


4 


3 


24 


36 


16 


• 


10 


• 

• 
• 


2 

• 
• 


• 


4 


1 


5 


• 


4 


1 


• 


1 


5 


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1 


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10 


1 


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10 


8 


4 


4 


27 



10 

t 

6 



65 

48 

42 

7 

4 



5 

1 

17 

8 
84 



11 
17 

31 



14 

1 
63 



Summarische Ueberaicht der Kodices in den bayer. Landeeardiiven. 205 



•sl 






Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. I XI. xn. xm. ! xiv. xv. 



XVI. 



6 

7 
8 



9 
10 

11 



13 
14 
15 



1 
2 
3 



3 
4 



• • • 



Lehen und Adel 
Gerichtswesen . 

Städte .... 



B. Fftrstenthum Bayrenfh. 
Markgrafen 

Landessachen .... 
Auswärtige Beziehungen 



12 Klöster 



Lehen und Adel 
Gerichtswesen . 
Städte . . 



... 



* • • 



... 



. . « 



17. IreisarcUT ii Mtickei. 

Bayerische Hof kammer- 
protokoUe 

Bayerische Hofzahlamts- 
rechnungen .... 

Bayerische Landtags- 
handlungen 



• . • • 



7. IreiiiirckiT ii Neoliiui a/D. 

A. Bisthflmer a. Hoclistifte. 



Augsburg : Hocbstift 



do. Domkapitel 

B. Stift« n. Klöster; geist- 
liehe Bitterorden. 

Auhausen (Ahausen), 
Kloster 

Augsburg, Kloster St. 
Georg 



2 
6 



9 



1 

t 



37 
54 



4 


13 


4 


t 


2 


14 


8 


8 


1 


4 


i 


i 


4 


7 


5 


20 


7 


18 


« 


3 



144 
51 
23 



24 

4 
13 



206 Sammarische Uebersicht der Kodizes in den bayer. Ijandesarchiven. 



o 



0? 



o a 



Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. 



X. XI. XII. XIII XIV. XV. XVI 



5 
6 

7 

8 
9 

10 



13 
14 
15 



16 



Augsburg, EoUegiatsüft 
St. Moritz 

Augsburg, Damenstift 
St. Stephan «... 

Augsburg , Kloster St. 
Ulrich und Afra . . 

Benediktbeuern, Kloster 

Elchingen, Beichsstift . 

Kaisersheim (Kaisheim), 
Reichsstift . 



. • • • 



• « • 



• • • 



11 Kempten, Stift . . 

12 Laoingen , Kloster St 
Agnes 

Liezheim, Kloster 

Mariastein . 

Memmingen, Heiliggeist- 
spital (Kreozherren- 
kloster) 

Mödingen (Maiia-Mö- 
dingen), Kloster . . 

17 Neubarg, Benediktiaer- 
nonnenkloster . . . 






18 

19 
20 
21 
22 
23 

24 

25 

26 

27 



Neuburg , Karmeliter- 
nonnenkloster . . . 
Ottobeuern, Beichsstift . 
Pielenhofen, Kloster . . 
Prüfening, Kloster . . 
Boggenburg, Beichsabtei 
Söflingen, Kloster . . 

Wettenhausen^eichsstift 

Deutscfaordens-Gom- 
mende Absberg . . 

Deutschordens-Gom- 
mende Ulm .... 

Deutschordens-Gom- 
mende Virnsberg . , 



1 



l 



1 



1 



1 

1 

10 
1 
t 

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3 

1 
25 

1 
1 



3 
1 

1 

2 



10 
1 
1 

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1 

5 
1 



1 



Sammansche XJebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarcbiven. 207 



tj a 

O Ö 



Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. 



X. 



XI. 



XII. 



xm 



XIV. 



XV. XVI. 



28 



29 

30 

31 
32 
33 

34 

35 
36 

37 
38 

39 
40 
41 
42 



1 

2 
3 

4 
5 



C. ReieluMtädte. 
Kempten 

D. Fflretenthlmier, Herr- 
sehaften, Rittergüter. 

Kurbayern .... 

Pfalz-Neuburg . . . 

Vorderösterreich . . 
Markgrafschaft Burgau 
Bayerische Kabinetsherr 
Schäften 

Herrschaft Illertissen 

Herrschaft Mindelheim 
Grafschaft Königsegg- 

Kothenfels .... 
Grafen von Montfort 
Fugger'sche Herrschaft 

^chheim u.Wullen- 

stetten 
Fugger'sche Herrschaft 

Leeder , 
Fugger'sche Herrschaft 

Böthenbach . . . 
Ritterkanton Hegau -AI 

gäu-Bodensee . . 
Burtenbach 



.... 



VI. ireiurcklT li NlnterK 

Fiirstenthum Ansbach 

Beichsstadt Nürnberg 

Reichsstadt Botheiibui::g 
o/Tauber .... 

Beichsstadt Dinkelsbühl 
Fürstbistbum Eichstädti) 



12 

8 

35 

8 



3 



1 
5 



1 



117 

to 

209 



10 



43 



5 



t 
2 



2 
2 



1 

1 

1 
1 



19 



193 

e 

452 

i 
20 
2 
27 



') Von den hier vorgetragenen 46 Nununem sind 86 erst nodi vom 
kgl. Kreisarchiv Neubiug a/D. m extradiren. 



208 SummariBche Uebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiyen. 



)rtl{de 
immer 


Archivaliengruppe 






Jahrhundert 




IX. 


X. 


XI. 


XTT 


Xill. 


XIV. 


XV. 


XVI. 


6 

7 
8 

9 

1 
2 

3 
4 

5 

6 

7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 

1 
2 


Bamberg ' sches Dom- 
probsteiamt Fürth . 

Pürstbisthum Würzburg 
(Kloster Birklingen) . 

Deutscher Orden: 

a) Commende Nürnberg 

b) Vogteiamt Dinkelsbühl 
Johanniterordens - Com- 
mende Kothenburg o/T. 
und Beichardsroth . 

TD. KreisarcluT in Speler. 

Eurpfalz 

OeistlicheAdministration 
Heidelberg .... 
Universität Heidelberg . 
Pfalz-Zweibrücken . . 

U rkunden-Sammlung . 

Hochstift Speier . . . 
Markgrafschaft Baden . 
Nassau -Weilburg . . 
Leiningen ( Dachsburg 

etc.) 

Falkenstein 

Wild- und Rheingrafen 
Hochstift Worms . . . 
Herrschaft Scharfeneck 
Deutschorden .... 
Badische Extradition . 
Strassburger Extradition 

vm. KreisarcliiT li IfMm. 

A. Hockstift Würzbirg. 

I. Stifter, Klöster und 

Seminare in der Stadt 

Würzburg: 

Domstift u. Domkapitel . 

Ritterstift St. Burkardt . 


• 
« 

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1 


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1 


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2 


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70 


3 

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• 

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10 
l 
5 

2 
7 
l 
3 
1 
2 
2 

• 

1 

327 

1 



Summarische Uebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 209 



o Ö 



Archivaliengruppe 



Jahrhundert 



IX. X. XI. XII. XIU XIV. XV. XVI 



3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 



16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 

24 
25 
26 

27 

28 
29 
30 

31 
32 
33 
34 
35 
36 



Gollegiatstift Haug . . 
CollegiatstiflNeumünstor 

Afrakloster 

Agnetenkloster .... 
Deutsch ordenscommen de 
Dominikanerkloster . . 
Engelgarten (Karthause) 
Johanniter-Commende . 
Marxerkloster . . 
Reuerinnenkloster 
Schottenkloster . , 
Stephanskloster .• . 
Geistliches Seminar 

II. Klöster etc. ausser- 
halb der Stadt Würzburg 

Astheim (Karthause) 

Aura . . . 

Banz . . . 

Bildhausen 

Ebrach . . 

Frauenrod . 

Elimmelspforten 

St. Johann unter Wild- 
berg . . 

Kitzingen . 

Maidbronn 

Münnerstadt Augustiner 
kloster . 

Münnerstadt Deutsch- 
ordens-Commende 

Neustadt am Main 

Oberzell .... 

Paradies in Haidings- 
feld . . . 

Schwarzach . 

Schönau . . 

Theres . .' . 

Tückelhausen 

Unterzeil >. . 

Wechterswinkel 



I 



2 

1 



1 



1 



8 
8 



l 
1 



5 



2 

4 



1 
2 

1 



2 
1 



8 
11 
2 
1 
1 

• 

5 
2 
3 
1 
2 
3 
1 



1 
1 
1 

12 
1 
4 



5 



1 
1 



1 
5 
2 
5 

• 

l 



Archivallflche Zeitschrift. IX. 



14 



210 Summarische Uebersicht der Kodizes in den bayer. Landesarchiven. 



o 



« 






Archivaliengruppo 



Jahrhundert 



IX. 



X. I XI. XII. XIII. XIV. XV. XVI. 



37 
38 

39 



40 



41 
42 

43 



44 



45 



46 
47 
48 



49 



50 



51 
52 



UI. Spitäler in u. ausser- 
halb Würzburgs: 

Hofspital zu Würzburg 
Spitsd zu Kitzingen . . 

IV. Landämter . . 

V. Landstädte: 
Kitzingen 

VL Reichstagsverhand- 
lungen : 

a) Würzburger Serie . 

b) Schweinfurter Serie . 

VIL Kaiserliches Land- 
gericht . . . 

VIII. Reichsrjtterschaft . 

IX. Reichsstädte: 
Schweinfurt . 



• ■ • 



B. ErzBtift Mainz. 

1. Stifter und Klöster in 
der Stadt Mainz: 

Erzstift und Domkapitel 
St. Alban . 
St. Viktor . 



• m 9 



n. Stifter und Klöster 
ausserhalb der Stadt 
Mainz: 

St. Peter u. Alexander- 
stift in Aschafifenburg . 

St Feruziusstift in 
Bleidenstadt . . . 

Kloster Johannisberg . 

Kloster Seligenthal . . 



1 



13 



24 



1 



5 



11 



40 
1 



CG 
1 



1 
1 



108 



118 
10 

28 
10 

6 



86 
1 



Summarische XJebersicht der Kodizes in den bayer. Landesar chiven. 211 



)rtlfde 
immer 


Archivaliengrappe 


Jahrhundert 




IX. 


X. 


XL 


XII. XIII XIV 


XV. X\7. 




III. Herrschaften: 


1 














53 
54. 


Falkenstein 

Königstein 

IV. Städte: 


• 
• 


• 


• 
• 


• 
• 


« 


• 
• 


1 
1 


■ 
• 


55 
56 


Mainz 

Miltenberg 


• 
• 


• 
• 


• 
• 

1 


• 


• 


1 

• 


2 
l 


3 

• 



Gesammtzabi der Kodizes. 



1 
2 

4 

5 
Ü 

7 

S 

9 

10 
11 

12 
13 
14 



I. AlUeneiies BeicksarcUT. 

A. Hoch- und Domstifto 

B. Klöster 

C. Reichsstädte . . . 

D. AltbayerischeGericht( 

E. Gerichte der oberen 
und jungen Pfalz . 

F. Fürsten und Land- 
stände 

6. Altbayerische Sal- 
bücher 

H. Herzogliche Hof- und 
Kanzleisachen . . . 

J. Kirchen- u. Religions- 
sachen 

K. Lehensachen . . . 

L. Brandenburg-fränki- 
sches Gebiet . . . 

M. Adelsselekt .... 

N. Deponirte Archive . 

0. AusserbayerischeQe- 

0161/6 ••••.• 

Samma 

n. Ireisirckir ii Altere 

Summa 



3 
3 



I 2 



1 



6 
24 



30 



8 

33 

2 



54 


323 


142 


737 


21 


68 


5 


273 



1 



5 



11 



36 



40 
17 



14 



124 



1000 

1271 

83 

702 

127 

296 



28 



125 



4 


148 


75 


226 


1 


66 


• 


1 


28 


17 



166 



49 



287 



1732 



18 



4229 



115 



14' 



212 Summarische XJebersicht der Kodi zes in>den bay er. Landesarchiyen. 



)rtlfde 
immer 


Archivaliengruppe 


Jahrhundert 


ÄÄ 


IX. 


X. 


XI. 


xn. 


XIII. 


XIV. 


XV. XVI. 


1 

2 


m. IreisarcUT in Bamlierg. 

A. Fürstbisthum Bam- 
berg 

B. Fürstenthum Bay- 
reuth 

Summa 

17. KreitarcliiT in Milicliei 

Summa 

7. ireisarckiTinNentinrga/D. 

A. Bisthümer und Hoch- 
stifte 

B. Stifte und Klöster; 
geistliche Ritterorden 

C. Reichsstädte . . . 

D. Pürstenthümer^Herr- 

schaften, Rittergüter 

Summa 

71. iRiiarcliiT ii MnAerg 

Summa 

711. Ireisarcliir in Speier. 

Summa 

7in. IreisarcUr ii Wlnligrg. 

A. Hochstift Würzburg 

B. Erzstift Mainz . . 

Summa 

Gesammtziffern nach 

Jahrhunderten . . 


• 
• 


• 

• 


• 
• 


1 

• 


5 

• 


14 
3 


74 
33 


237 
84 




* 


• 


• 


1 


5 


17 


107 


321 


1 

2 

3 
4 


• 

• 

• 
• 

• 


• 

1 

• 

• 

• 


• 

• 

• 
■ 

• 


1 
• 

• 
• 


• 

• 

• 
• 

• 


• 
• 

1 

• 
• 


• 

14 
12 

■ 

15 


218 

43 

81 
10 

71 




• 


• 


• 


• • 


1 


41 


205 




• 


• 


« 


• 


• 


55 


372 


708 


1 
2 


• 

• 
• 


• 
• 

1 


• 

• 
■ 


• 

• 


1 

3 
2 


• 

45 

27 


12 

177 
74 


64 

694 
92 


. 


• 

6 


1 

3 


• 

5 


• 

31 


5 

60 


72 
435 


251 
2533 


786 
6646 



Gesammtziffern der einzelnen Archive: 

üebertrag 7145 
Allgemeines Reichsarchiv . 6340 E[reisarchiv in Neuburg a/D. 247 
Kreisarchiv in Amberg . 136 „ in Nürnberg . 1135 

in Bamberg • 451 „ in Speier . . 77 



1? 



« 



in München 



218 






Latus 7145 



in Würzburg .1115 
im Ganzen 9719 



XIL Bemerkungen zur Classification der Siegel nach 

meinem sphragistischen System*) 

von 

Dr. F.-K. Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg. 



Zur Yermeidung von Missverständnissen und zur grösseren 
Sicherheit beim Gebrauche meines Systems, namentlich bei sphra^ 
gistischen Notizen, erlaube ich mir einige erläuternde Bemerkungen. 
Alle Siegel, auf welchen der Kopf, das Brustbild oder Kniestück, 
oder die ganze Figur des Sieglers 2) abgebildet ist, gehören- unter 
die Klasse in meines Systems: „Portrait s-Siegel", und zwar 
A ohne und B mit Wappen, gleichviel was auch sonst noch für 
ein weiteres Bild auf dem Siegel angebracht ist. 

Ebenso gehören alle Siegel mit Wappen oder Wappenbild, 
ohne Portrait, unter die Klasse IV, „Wappen-Siegel", das 
Wappen mag auch einen noch so kleinen, anscheinend untergeord- 
neten Theil des ganzen Siegelbildes ausmachen. 



') Veigleiche meine sphragistischen Aphorismen, (1882 im Verlag von 
M. Schell, Heilbionn) S. V. und Archival. Zeitschr. VI 272—279. 

*) Wenn der gleichnamige Sohn nach dem Tode seines Vaters sich des 
Portndt-Siegel-Stempels des Letzteren bedient, so ist ein solches Si^:el allerdings 
— streng genommen — kein Portrait-Siegel mehr, sondern, ohne Wappen, 
ein Bild' Siegel, oder mit Wappen, ein Wappen- Siegel. Solche Siegel 
können aber doch als Portraits-Siegel angesprochen werden (da in den 
wenigsten Fallen von einer Portraitähnlichkeit der Gesichtszüge die Rede 
sein kann), nur wftre in der Beschreibung zu bemerken: „vom Vater er- 
erbter Stempel". 



- 'i^M i£'^^CGtä«rit8^^8|eln wird es daher sehr zweck- 
"^'E'fSIfi^ü^'Jll'S^II'"*"^^^'^'^^^'"^ "*"^^ ^^^^^ Bemer- 
^fSC^'niSISkjif^'^'' anzuzeigen, ob das betreSeode 
JRKiiliiii^JgfiK'fluüYweck von besonderer Bedeutung 
^8i§i''*>'*J8'^2/^^'"^'^ Untersuchung desselben ge- 

^«3^|^^^t!^i'|||ift_piele anführen. 
^-».j^jgj!gi%'S''ij§i(§|Siegel des Erfurter Scholastikers 

lütmiStZySt ist als spitzovales Sig. III B. 2. c. 

f^^^iM4g#»ben, d. h. also mit Worten als 
** "■ pgel, mit Wappen, in ganzer Fignr, 

^stematischen Classification dieses 

„Wappenhelmes" höchst seltenen 

iljflw^^^' Siegels ist es zweckmässig (ohne 

J'i^^^w'^^i *^^ kurze Bemerkung beizu- 

, '|'^b^::^S der unteren Spitze kniet die 

'7 'TniwSbi^de Figur des Sieglers unter einem 

'f^' Flachbogen , darüber steht auf 

'S'^Kil^^bole die heil. Jungfrau mit dem 

I^^^iSs^l'its Yon ihr der Wappenschild und 

1 viel seltener als man glaubt ! 

B. 1. (mit dem „Brustbild" des 

— eine bekannte Autorität auch 

lomatik — in seinem Prachtwerke: 

l-^-^rossherzoglich Badischen Oeneral- 

E^ankfurt a. M., Verlag von Heinrich 

:g^(<||'dem Markgrafen Rudolf von Baden 

l^;ps.) rvdolfi marchiflis d. baden, can. 

g!^§>^|)II'^er der Wappensebild mit seinem 

'I^^Au im Siegelfelde. 

i^im 1323 verheiratete, so wäre es 

'Obl er, als Heinrich von Sebele 

len in Speier, wie in Erfurt, nur als 








R'W'tt'QO.QvQ^tion der Siegel etc. 215 

ij^jM i:!?»lllj0f|S^« H .9> etwit durch den Wappenhclm 
^i«lll"t«illtW.Ä''»i»tli»lion gehal- 

|^Wu9.#'tW^||^8fi#tfi wollten. 

»gl Big^Jklibä ©■'Sjel de» Pfarrers 

Tg^lt^S'JiB'Är&hört unter die 

t)la«Wp>attl;S!l£i«B<i Schilde. 
^^•ügL'8'(8tS'tS@5ie Bemerkung 
li&*^g)>{*'B Bi|^M Michael hält, 
'&«Sll#JBL'3'ä'li30i) den kleinen 




Vits- 2- 
'. Wappen in seiner linken. 



___ Taf. XXI No. 242. 
iii£«,lB symboliBche Figur nicht wohl als 
iprochen werden. 



XIII. Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder 

von 
R. V. E. 



Eine gefchichte der wappen oder abbilder des ritterfchildes, 
geftützt auf die der sigel, beginnt zwar erft mit der Staufenzeit^) 
1137 fg., doch zeigen fich die keime der fpäteren entwickliingen 
fchon im 11. jhd. unter den fränkifchen königen 1024 fg., denn 
fchon um dife zeit ifl zu bemerken, dafs 

1. der dreieckfchild hier und da Verzierungen zeigt, welche 
bereits auf eine weitere ausbildung zu wappenbildern hin- 
weifen. Der fchild hat nemlich in der mitte einen buckel 
oder nicht, aber dann anftatt defsen ein rundes befchläge, 
„gefpänge" und dergl. andere Verzierungen zur verftärkung, 
nagelkopf- oder ftreifen-, band- und ftabförmig, woraus dann 
fpäter verfehiedene wappenbilder entftanden wie fonne, (lern, 
ball, raute, fchindel, gitter, rand, rofe u. v. a. Auch reich 
mit feheftreifen (pelzwerk) belegt („geftückt") oder aber auf 
die glatte fläche bemalt wurden die fchilde difer früzeit und 
gegen deren ende bereits mit einer hinneigung zu den formen 
und färben des eigentlichen wappenftiles fo zwar, dafs die 
Ziegel-, wölken- oder wellenförmige Zeichnung genau difelbe ifl, 
wie — u. a. im „hortus deliciarum" der Herrad v. Lands- 
perg um 1159 — 75, — im pelzwerk der gewänder, fo dafs kein 
Zweifel fein kann, wie mit einer folchen fchildeszeichnung 
wirklich ein Überzug von pelzwerk gemeint ift. 

2. füren inbetrefiF der wappenfarben die lehensmannen allerdings 
fchon die des fchildes und banners irer lehensherren (fürften) 



^) in welcher beiläufig auch erft die gefchlechtsnamen entftehen, daher 
kein gefchlecht (eine anen weiter zurückfüren kann. Auch kommt fodann 
neben dem hohen ein niderer adel vor, oder villeicht befser gefagt, man fing 
an, beide fchärfer zu unterfcheiden. 



B. V. B. : Zur Geschichte der deutschen Wapx>eiibilder. 217 

aber noch fchwankend, bald fo, bald anders jenachdem dife 
eben ire fpäter fogenannte „hofifarbe" willkürlich zu ändern 
beliebten, 
3. kommen unter den bildem, welche in der Staufenzeit weiter 
wappenmäßig ausgebildet wurden, namentlich bereits das netz 
(fchräggitter) und das lilienrad vor, d. h. ein rad mit 
lilienftabformigen fpeichen, jedoch one feigen. — Ein vorbild 
des adlers findet fich in dem überbleibfel eines königlichen 
mantels aus dem ll.jhd. in der domfakriftei zu Metz. Der 
1 ö w e endlich, — abgefehen von dem zwar bereits 1072 im 
fchilde graf Roberts 1. von Flandern vorkommenden, aber 
erft 100 jare fpäter erblich gewordenen, findet fleh als ftamm- 
wappen von Habsburg fchon 1114 im fchilde Albrechts 2. . 
Nach difen kurz vorangeftellten bemerkungen flnd die wappen 
zu betrachten inbezug auf 

1. den fchild und defsen färben, teilungen und gefpänge, fowie 
das niet- und nagelwerk. 

2. fchildhalter und das oberwappen, nemlich heim und helmzier 
oder kleinod. 

Endlich das Verhältnis von fchild, heim und helmzier. Nach 
difer einleitung werden bei einer etwanigen ausfürlicheren Veröffent- 
lichung die einzelnen wappenbilder folgen infofern fie nicht nur der 
afterheraldik 1) angehören, nach der buchftabenfolge geordnet. 

Erster Zeitraum unter den Staufern 1137—1273. 

1. Der fchild, 

dreieckig, oben etwas abgerundet oder fcharfecMg, hat anfangs nahezu 
gerade, fpäter nach und nach immer mer ausgebogene langfeiten. 

Die hölzernen fchilde wurden 2) mit einer bindenden mafse 
von leim mit kreide und darüber lein wand, leder oder pergament, 
auch wol Pelzwerk überzogen und mit nageln oder zierlichem ge- 
fpänge, auch panzergeflecht befchlagen. Eine anderweitige Ver- 
zierung gefchah durch die fogenannte ftückung „(lückeht^^, d. h. 
durch aufheften von einzelnen gewandftücken, pelzilreifen, feilknoten. 



^) welche bereits mit dem wappenbuche des Kern*. Grünenberg 14;^ beginnt. 

') wie noch einige feltene überbleibfel s. b. im ftät. zeoghaufe zu Wien, 
in der prinz-Karl-famml. zu Berlin, dem nazionalmufeum zu München und in 
der Elifabetkirche zu Marburg beweifen. 



218 R- V. R.: 

flechtwerk, ketten, vogel-häuptern, -fangen, -flügeln, berentatzen u. f. w., 
welche dann namentlich fpäter, wie auch das gefpänge oft wider 
einer einfachen oder geprefsten bemalung anheimfielen, d. h. die 
wappenbilder wurden flach erhoben auf jene leinwand-, leder- oder 
pergamentdecke geprefst und dann außerdem auch noch bemalt. 

Die wappenbilder waren noch keineswegs in einer durchgehends 
ftrengen folge erblich, fondern manchmal ergebnis der perfönlichen 
Willkür: fo z. b. fürt Meleranz (v. 10398)1) nach der befigung des 
königes Godonas defsen güldenen helm-adler als wappenbild, wobei 
hier übrigens ein für alle mal bemerkt fei, dafs dichterifche namen 
freilich nicht für die gefcKSchtliche beweisfürung herangezogen werden 
können, wol aber, dafs die erwänten fitten, gebrauche, trachten, 
gerate als zeitgemäß durch die dichtung allerdings beglaubigt werden, 
wie wenn u. a. im Lhgr.2) (v. 5469) der Kampf hin und her 
wogt wie das mer „do der hafe, der Tuhs, der wolf, der lewe, der 
her in maneger varwe wider einander zabelet. An fchilt, an heim 
unt in panier was gefniten unde gemälet manic tier, vifche unde 
vogel, aks, parte, houwe unt riute daz allez wider einander waet." 

Gern auch fürte man im fchild oder auf dem helme das 
Wappen als finnbild z. b. eine berenklaue „da bi man wizzen 
folde, daz er was wilder denne ein her (crone^) 9813). Solcher 
fmnbilder fürt der dichter der cröne vil an, wie: anker (18 077), 
Fortuna auf einem rade (18 085), fenfe (18 089), lebart (18 093), 
poi, kette (18102), olifant, elefant (18106), einhorn (18131), rüder 
(18136), löwe (18141), moie, birkenreis (18144), fchwan (18157), 
flüge (18176). 

Oder man fuchte in den fogenannten und wol noch vil öfter 
als uns überliefert ift, vorkommenden redenden wappen auf den 
perfonen- oder gefchlechtsnamen hinzuweifen wie in der Gudrun*) — 
Ortwtn von Ortriche mit den „örtern" und Herwlc von Selande 
mit den „leblättern" ; ferner auch die gefchichtlich beglaubigten 
namen wie Albert von Orumbach 1232 mit dem „krummen bache" 
und Henneberg (doch nicht vor 1240) mit der henne. 

Im verlaufe der zeit zeigen fich in den verfchiedenen land- 
fchaften gewifse lieblingsbilder wie z. b. am Niderrein und im 



*) mhd. heldengedicht von dem Pleiaere um 1260. 

") Lohengrin mhd. held. ped. um 1295. 

') der aventiure cröne (Gawein) mhd. held. ged. um 1245 v. Heinr.v. d. Ttlrün 

*) mhd. held. ged. um 1210. 



Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 219 

Niderlande der fchild beftreut, gerautet, geweckt, gefchindelt, mit 
netz; auch die amfelchen, kefselhaken u. f. w. 

2. Die Farben, 

welche, übrigens noch willkürlich, am meiden vorkommen, find: 

weiß (abgekürzt w., denn von dem gleichbedeutenden „filbern", 
was afterheraldiker mit f bezeichnen wollen, ift noch keine rede), 

rot (r), 

gelb oder gülden (g), 

blau (b) und 

fchwarz (s); feltener 

grün (gr.); auch find einige zufammengefetzte dazu zu rechnen 
wie das fehe- oder pelz werk (f) und die fchuppenhaut (fpp.). 
Jenes begegnet unter den verfchiedenen formen des grauen Pelz- 
werkes (grä) oder vech (Nib.*) 1854, 3; beiz-, pelz-vech) mit den 
abwechfelnden färben weiß und blau, — wiz unde blä (ülr.^) 
V. 247, 19; 260, 10), welches meiftens zu je 4 beneftelt, d. h. in 4 
reihen quer über einander die ganze fchildesfläche überziehend, der- 
zeit eine ziegel- oder wolkenformige Zeichnung hat; ferner das 
hermelin (h. , „haerme" Nib. 1826, 1; Wigal.8) 755), weiß mit 
ftilifirten s. fchwänzchen; die rotgefarbten „kein" (Wigal. 3899; 
Cräne,*) 2974) und der dunkelbraune, ftäts aber als fchwarz an- 
gefprochene „zobel". Dabei diene als bemerkung, dafs derzeit 
die färben oft nicht blos nach irer eigenfchaft als folche (wiz, 
blä u. f. w.) angefprochen werden, fondern oft auch nach den ftofiFen, 
namentlich pelzwerk, welchen fie anhaften und fo bedeutet „zobel" 
fchwarz, ,.harm, hermin*' weiß; vech, — freilich zugleich mit der 
entfprechenden Zeichnung abwechfelnd — weiß und blau und „keln'^ 
rot. Kein hießen nemlich die rein weißen und dann fchön rot 
gefärbten pelzftreifen der tierkelen, welche als kleidbefatz und ein- 
fafsung derzeit beliebt waren. So z. b. war der brandenburgifche 
adler urfprünglich geduckt von kein rot mit g. flugbügeln auf 
hermelinpelz. 



*) Nibelungen not und klage, mhd. hldgd. um 1180—1200. 
■) Ulrichs v. Liechtenftein Frauendienft, rahd. roman um 1255. 
•) Wigalois, der ritter m. d. rade, mhd. hldgd. um 1205 von Wimt von 
Gravenberg. 

*) Crftne mhd, hldgd. um 1250 von Bert. v. Holle. 



220 



R. V. R.: 



Anftatt der fchildbemalung, wie z. b. Sigfrits kröne im fchilde 
„gemälef' ift (Nib. 215, 2), wird faft noch öfter des pelz Überzuges 
nebft der „ftückung" gedacht, welche ebenfalls aus pelzwerk „ge- 
fchnitten" und „gefchlagen" d. h. aufgeheftet ift. So z. b. hat Ulrich 
V. Liechtenftein in feinem fchilde zwei s. „bar" d. h. fchräg-nefteln 
oder -binden von zobel gefehnitten über einem weißen hermelin- 
überzuge (ülr. v. L 295, 22; 296, 13; 483, 12). 

Wie aber noch in der 2. hälfte dos 13. jhd. die färben nicht 
feftftehen, beweifet u. a. im „Meleranz", wie Kurfuns „windhund" 
von hermelin gefehnitten einmal im r. und ein ander mal im b. fchilde 
vorkommt (9167. 9278. 9701) und Meleranzens „treuhand" einmal 
r. und b. im g. felde (9994) und ein ander mal fogar viermal 
wechselnd: r. in g., g. in r., s. in w. und h. auf zobel (9057). 

Später gelten als deutfche lieblingsfarben s.w. r. wie fie auch neben 
einander im neuen deutfchen reichsbanner vorkommen, wärend bei 
den Weifchen g. und b. vorherrfchen. Übrigens hat dife nur beiläufig 
gemachte bemerkung einen nur geringen wert, da hüben und drüben 
auch die andern wappenfarben ire reichlichste anwendung fanden. 

3. Die teilung 

gefchiehet mittels gerader oder gebrochener linien, welche meift 
vom rande durch die mitte des fchildes längs-, d. h. fenkrecht- oder 
quer oder fchräg gezogen den fchild oder vilmer ein denfelben um- 
fchließend gedachtes rechteck, — in zwei, drei oder mer gleiche, 
aber in der färbe ungleiche fogenannte felder abteilen, alfo: 

1. längs geteilt (1) „zetal gehalbet" in zwei gleich große felder 

z. b. „wiz unt rot" (ülr. v. L. 246, 23) oder 
„gehalbiert nach dem fwert zetal (171,5). Solcher 
linien kommen nun auch fchon mere neben ein- 
ander gleichlaufend vor ; (2) „ftrifeht*', alfo geftreift, 
1 z. b. g. in s. d. h. mit den abwechfelnden färben 

s. u. g. im Laufer wappen. Namentlich kommt das längs 

dreigeteilt (3) vor durch zwei gleich- 
laufende längslinien in drei verfchieden- 
farbige felder ; oder verfchiedenartig ge- 
brochen wie z. b. zinnenformig oder 
kürzer gemeldet: querzinnen-längs (4), 
oder querfpitzzinnenlängs — das wappen des Wernh. Kraetcel 
marfchalks des herzogs Ludwig von Baiern, oder mit querftufen- 





Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 



221 



Zinnen (5) oder mit quer- 
fpitzen (6) kurz : querfpitzen- 
längs. Auch find die zwei ein- 
fachen längsfelder (7—12) 
bereits je durch andere 
gerade linien abgeteilt wie z. b. das wappen des Mocrere 1273 
rechts i) querfpitzenlängs und links 3 (mal) halbbeneflelt r. in 








f. d. h. wobei fehequerbinden oder nefteln mit r. abwechfeln und 
jene mit nageln befeftigt find, welche ftemförmige köpfe haben. 
2. quergeteilt „twerch" (di lenge und di twerge, Jerofch.2) 
677, 23) auch „dwerhes" und „entwer^' einmal (13) oder mer- 
mals, alfo beneftelt (14) mit wechfelnden 
färben z. b. s. in g.: Ballenftett-Askanien 
und (links neben dem brandenburgifchen 
adler) Sachfen oder (f. m. r., d. h. ab- 
wechfelnde fehenefteln mit rot Gersdorf 
1268 (neben einer r. zackenbinde). — Auch hier ift das 
quer-dreigeteilt beliebt (15); vgl. 3., fowie die brechung 




13 



u 





3. 



wie z. b. zackenquer (16); zinnenquer (17); ftufenquer (18) ; 
und das halbbeneftelt, wie z. b. 5 halbbeneflelt und längs- 
geteilt (19). 

halblängsund (darunter ganz-) quer- 
geteilt (20) z. b. im wappen des Eberh. 
V. Schowenberg 1221 oder quer und 
darunter halblängsgeteilt(21) beide in der regel dreifarbig. 





*) rechts heilst in der wappenkunft: rechts für den fchildträger (alfo 
für d, befchauer — links. Die mhd. ausdrücke für recht und link sind: zele, 
zeswer und winfter (Meier Helmbr.). 

") Nik. Jerofchins deutfchord. Chron. 1331. 



222 



R. V. R.: 





23 




4. halbquer (rechts) und (ganz 
herab) längsgeteilt (22) oder 
umgekert: längs und (links) 
halb quer (23) ebenfalls drei- 
farbig. 

5. geviertet (24) (Lanz. 4109) wie z. b. das Caftel-wappen 

1224. Auch dife vier felder find (Meier. 10055) 
bereits nicht allein durch fogar 4 verfchiedene 
färben: r. b. gr. s. getrennt, fondern enthalten 
auch je gegenüber 2 verfchiedene wappenbilder, 
nemlich einen b. und einen h. adler und einen 

r. und einen w. löwen. — In figeln werden die 
verfchiedenen färben , — zwar nicht als folche, aber eben als 
anders, — durch damaszirung unterfchieden. Das merfache 
geviertet heißt 

6. g e f c h a c h t (25) „gefchäzavelt" (Lanz. 41 07) oder 
gefchechet z. b. blä unde golt (Ulr. v. L. 
277, 23) u. a. das Spanheimwappen 1225. 

7. fchräggeteilt (26) „fchipfes", „fchipfes nach dem 
fwert zetal" (Ulr. v. L 295, 25; 483, 15). Be- 
gegnet einer folchen fchräg- 
teilung eine entgegenge- 
fetzte halbe, alfo one fie 
zu fchneiden, in der mitte 
des fchildes, entweder von 
oben herab (27) oder von 

unten hinauf, fo heißt fie halb- und gegenfchräg (27) 
oder aber fchräg und halbgegenfchräg (28). Auch hier 
findet fich oft genug das fchrägbeneftelt (29) und die brechuug 
wie z. b. wolkenfchräg (30), zinnen fchräg (31), ftufenzinnen- 
fchräg (32), fpitzen- oder zackenfchräg (33), fowie längs- 
(34) und quergebrochen (35). 






32 



33 



34 



35 



29 30 31 

Auch hier die fchräg-dreitcilung, wie oben no. 1. 2. zu 
bemerken. 



Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 



223 




30 



37 







Schneidet aber die eine fchräglinie die andere in der 
mitte, fo heißt fie 

8. fchräggeviertet(36)und 
wenn difes merfach der 
fall ift 

9. gerautet (37), „niteht'' 
welches mit meren quer- 
linien ^eftückelte nefteln oder reihendreiecke (38) ergibt, 

wie im Tolenz-wappen 1255. Wenn aber die ein- 
zelnen rauten nicht fteil auf irer fpitze ftehen, 
fondern mer länglich gezogen fchräg und flach 
ligen, fo heißt das geweckt (39), „weckehf, 
wie der baierifche fchild und das wappen der 

Fronhowen. 

10. gefparret (40) heißen eine oder 

mere gebrochene linien, welche inner- 
halb des längendurchmeffers einen 
Winkel bilden und fich mit wech- 
felnder färbe gleichlaufend wider- 
holen wie im Sunnebergwappen 
(fparrendreigoteilt) (41) kommt auch hier vor. 

11. gabeldreigeteilt (42) ,,gebeleht" heißt die dreifarbige 

teilung durch linien, welche aus der mitte in 
die drei winkel des dreieckfchildes gezogen find, 
(fowie beiläufig dife teilung geftürzt, alfo aus 
der mitte des fchildes je in die mitte der 3 feiten 
zur unterfcheidung göpeldreigeteilt werden kann, 

welche form jedoch erft im 15. jhd. und damit 
in der fpäteren fchildesform vorkommt). 

12. ,,gegeret" (43) endlich wird die in der regel je 
vierfeldrige teilung genannt, welche durch eine 
Verbindung des „geviertet^' und „fchräggeviertet" 
entliehet mit allemal wechfelnden färben. 

4. Das gefpänge, 

von fpäteren heraldikern — herolds- oder erenftücke, auch teilung- 
bilder genannt (Nib. 36, 3 mit eingefafsten edelfteinen; 214; 2041 
um den rand gebogen; 2212, 2; Gudr. 786, 2; 1397, 3), beftehet 
aus — den verfchiodenen teilungen entfprechenden — pelz-, leder- 



1264. Die dreiteilung 





224 



R. V. B.: 



oder blechftreifen , welche zur verftärkung des hölzernen fchildes 
meifl an zwei feiten um den rand desfelben gebogen find und oft 
mit nageln befchlagen, was auch Lbgr. 2199 beweift. 

Übrigens ift hier fofort zu bemerken, dafs die breite des ge- 
fpänges von den wappenkünftlern, „fchiltaeren" nicht wie u. a. von 
dem Bonner profefTor Bernd nach einer beftimmten zunftvorfchrift 
mit dem zirkel gemeflen, fondem frei künftlerifch je nach dem per- 
fonlichen gefchmacke beftimmt wurde und dafs eine merzal neben 
einander in demfelben räume natürlich nicht fo breit ausfallen 
konnte wie nur ein gefpänge, daher auch die einzelbenennungen 
wie ftab, faden u. f. w. für eine jede von der afterregel abweichende 
breite wegfallen. 

Nach anleitung der vorftehenden 12 teilungen ordnet fich nun 
das gefpänge alfo: 

1. dem „längsgeteilf^ entfpricht der 
ft reif (44), „ftrife" in der mitte und 
— die feite (45), „diu halbe" oder 
„fite" (rechts oder links). 

2. dem quergeteilt — die „binde" (46) 
oder „vafch" in der mitte, »► b. w. in r. im wappen Fridrichs 

des ftreitbaren von öfter- 
reich 1230 oder die 3 nefteln, 
— 3 beneftelt, — im 
Wangenheim- Wappen 1219 
oder eine binde belegt mit 
3 rofen im fchilde des 
Liebhart von Tegerbach 1259. — Femer das haupt (47) 
„houbet", — an den oberrand hinaufgefchoben — und der 

fuß (48) oder „fpiz" unten an die fchildesfpitze herabgerückt. 

3. dem „halblängs- und quergeteilt" die ft reif binde (49) (weil 

der ftreif oben ift) und der ft reif fuß (50), d. h. der von 
einem gleichfarbigen fuß unterftützte ftreif, — fowie dem 
„quer- und halblängsgeteilt^' der bindenftreif (51) (weil 
die binde oben ift) und der hauptftreif (52), ein von 
einem gleichfarbigen ftreif unterftütztes haupt. 





45 




46 



47 



48 







51 



52 



Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 



225 




53 




4. dem „halbquer- und längsgeftreift" 
— die bindenfeite (53) (weil die 
binde in der rechten feite ift), fowie 
dem „längs- und halbquergeteilt" 
die feitenbinde (54) (weil die 
volle feite rechts oder vorn ift. 

5. dem „geviertet" das kreuz (55), „kriuze'', — im wappen der 
Kunkel 1255 und das kantenkreuz (56), welches in der 
mitte viereckig ausgebrochen ift. — Unterfcheidet fich ein 
viertel des gevierteten fchildes durch feine färbe von der des 
übrigen fchildes, fo heißt es frei viertel (57), „befundert 
quartier'' und ein folches verkleinert, fo dafs es nicht bis an 
die mitte reicht vierung (58), „vierunge^' und wenn dife 
frei in der fchildesfläche vorkommt, Würfel (59) „würfel", 
und wenn in der mitte des fchildhauptes — ort (60). 





55 



56 







6. dem „gefchachf' das gitter (61). 

7. dem „fchräggeteilt" die fchrägbinde (62, 63), „diu bar", 
deren u. a. Ulrich v. Liechtenftein (295, 22 ; 296, 13 ; 483, 
12) zweie hat, 1250. Eine gezackte oder zackenfchrägbinde 
hat bereits das Heiligenberg-wappen, eine wellenförmige oder 
fchrägfluß : Albert v. Grum- 
bach 1232 und eine fchräg- 
binde belegt mit 3 adlern 
fchon 1196 Frid. de Bittis 
in öfterreich. Ob die fchräg- 
binde rechts oder links über 

die mitte des fchildes herabgehet, gilt derzeit ganz gleich 
und wird daher auch in der benennung kein unterfchied 
gemacht. Übrigens fcheint wol die fchrägung von der linken 
oberecke herab „zetal" als die gewönliche anzuneraen , weil 
namentlich die vom träger aus linke feite des fchildes den 
quarthieben des gegners ausgefetzt und wefentlich einer ver- 
ftärkung bedürftig war. Die Franzofen überfetzten das 

AichiTtliache Zeltschrift. IX. 15 






226 



K. V. 11.: 



deutfche wort in ir „barre" und ire dem von oben rechts 
herab gefürten terzhiebe entfprechende „bände" dürfte eben- 
falls dem deutfchen „band'' entlent fein, welches demnach, 
wenn man im deutfchen die art der fchräge ausdrücklich zu 
unterfcheiden veranlafst fein follto, auch bei uns mit der 
benennung „band" wider herzuftellen ift (62). 

Dem „halb- und gegenfchräg" entfpricht die halb- und 
gegen fchrägbinde (64a, 64b), wobei alfo zur näheren unter- 
fcheidung zu melden fein würde: halbband und barre oder halb- 
barre und band, und dem „fchräg und halbgegenfchräg*' die 
fchräg- und halbgegenfchrägbinde (65a, 65b) oder 
band und halbbarre oder barre und halbband. Ift die fchiägbinde 
nach einem der oberwinkel des fchildes, denfelben füllend, 
hinauf- oder nach unten herabgefchobcn , fo entftehet das 
fchräghaupt (66) und bezüglich der fchrägfuß (67). 




64 a 



8. 



9. 







64 b 



65 a 



Gjb 



Üt) 





63 




dem ,,fchräggeviertot" das fchräg kreuz (68) „fchrage" (wie 

wir hier jedoch zur genaueren unterfcheidung das freie (69) 

d. h. nicht bis zum rande reichende 

fchrägkreuz benennen) wie z. b. w. 

in b. mit fehe-rand im öttingen- 

wappen 1197. 

dem „gerautet" das netz, „netze" 

(70), fchräggitter, — und einem nur 

einzelnen der kleinen rautenfelder , die bis an die fchildes- 

feiten erweiterte rauto (71) „rüte", ein auf eine feiner ecken 

geftellter und der im ver- 
hältniffe zur breite etwas 
höheren fchildesfläche an- 
gemeflen etwas längs ge- 
ftreckter Würfel, welcher 
jedoch, natürlich widerum 

verkleinert und auch noch mer zur fogenannten fpindel (72) 

geftreokt, auch in der merzal vorkommt wie z. b. Konr. 

V. Waflerburg 1239 deren drei im fohilde fürt. 






Vi 



V 



Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 



227 








77 



78 



10. dem ,^efparret" der fparren (73), „fparre", welcher fchon 
frühe mit fpitzen „örtern" befetzt in der Gudrun (1361, 1460) 
vorkommt. Femer die kappe (74), welche entflöhet, wenn 

aus der mitte des haupt- 
randes abwärts nach der 
mitte der feiten je eine ge- 
rade linie gefiirt wird, fo 
dafs zwifchen beiden eine 
andersfarbige fogenannte 
fpitze entftehet und umgekert vom fpitz aufwärts die ge^ 
ftürzte kappe oder der fchu (75), „fchuoch, gefchuocht" mit 
feinem mittelftücke, welches fpickel oder keil, „zwickel, kll" 
heißt. 

11. dem „gabeldreigeteilt" — 
der gabelftreif (76). 

12. dem „gegert" die „gere" (77), 
d. h. ein einzelnes feld jener 
teilung. 

18. dem umriffe endlich des fchildes entfpricht der rand (78) 

(Wigal. 7506; crone 15490) oder „fchildesrant" mit ftahel- 

herten fpangen (Nib.435, 2, Meier. 3356. 5936). Manchmal 

find die mer oder weniger — z. b. fternformie im Gundel- 

fingen-figel 1249 — verzierten nagelköpfe des gefpänges 

fichtbar oder der rand gezackt wie im Holftein-Schaumburg- 

wappen (79), — Johann 1. und Gerhard 1. 1247 — 55, woraus 

fpäter, fchon nicht mer verftanden das fogenannte 

neflelblatt mit einem fchildlein belegt 1250-1300 

entftand. Ein fehe-wappen mit einem folchen 

Zackenrande hat Petau 1274. — Obwol nun 

aber der rand wol in der regel als eine ver- 

ftärkung des holzes aufzufaflen ift, fo kommt 

er doch auch oder wenigftens zugleich als teil zweier zu- 

fammengefchobenen wappen vor wie das urachifche fehe als 

feherand zum Zaeringer adler im Fürftenberg-wappen oder 

das ZoUernfche „geviertet" als ftückrand zum Nürnberger 

Burggrafen-löwen. — Bisweilen ift die randfaffung nicht 

um den holzfchild umgebogen, fondern erfcheint nur als 

eine innerhalb der fchildcsfläche in gleicher entfernung 

15* 





228 ^- V. R.; 

ringsumlaufende leide oder fogenannter kragen 
(80) wie im wappen des Markwart von Solmifse 
(Solms) 1226 und im fehekragen der Duleberg 1253. 
Das Verhältnis im vorkommen der gefpänge mit 
dem der teilungen ift beiläufig etwa 7 : 3. Auf 1 ge- 
fpänge kommen aber etwa II/2 künftliche und 6 natürliche wappen- 
bilder und im engem fmne (lellt fleh das Verhältnis der gefpänge 
ongefähr fo, dafs auf 1 frei viertel kommen: 14 ftreifen, 19 kappe 
und fchu, 21 fparren und rauten, 37 kreuze, 53 fehrägbinden und 
76 binden, welche demnach am meiden vorkommen. 

5. Haften und nagelköpfe. 

Das gefpänge blos um den rand des fchildes umzubiegen 
gentigte natürlich nur allenfalls beim leder oder pelzwerke, welches 
etwa mit beihilfe nur kleinerer, wenig bemerkbarer difte aufgeklebt 
werden konnte; bei allen blechdreifen aber waren darke nägel, 
bald von der vorderen, bald auch von der rückfeite des fchildes 
eingefchlagen, erforderlich und fowol für die nagelköpfe wie für die um- 
gebogenen und vernieteten fpitzen eine gewifse Verzierung erwünfcht. 
Als folche nagelköpfe und deckel für die Vernietung treten uns 
nun eine menge verfchiedener , bald größerer und einzelner oder 
doch weniger, bald kleinerer und merer, auch bald über das ein- 
fache bedürfnis der befedigung hinausgehender und namentlich 
auch als Ann bilder dienenden formen entgegen, — zunächd der 
einfach kreisrunde oder fcheibenförmige knauf oder fogenannte 
ball, wie die 2. 1. balle des Gottfr. v. Bülowe 1255, welche 
derzeit wol nur das einfache „genagelt" (Wigal. 505) und in der 
dellung von 2. 2. oder 1. 2. 1. die bekannten 4 nägel bedeuten, 
auf welche turnirmäßig der fperdoß des gegners zu richten war. 
— Dann der dem, welcher fleh fchon neben 2. 1. 2. rofen quer 
über 2. 1. lilien im fchilde des Eberh. v. Schauenberg (bürg bei 
Koburg) findet (1221) und — dafs dife bilder nur als niet- und 
nagelwerk und nicht als eigentliche wappenbilder anzufprechen find, 
beweifen die fpäteren flgelfcbilde Heinrichs 1290, Karls und Ottos 
V. S., welche den fchild nur halblängs und quer geteilt haben. 
Gewechfelter färbe find die 2 1. derne im quergeteilten Erbach- 
fchilde 1255. — Zur befedigung, namentlich auch geduckter adler 
dienten ferner die meid in gedalt einer mondfichel vorkommenden 
monde (fchlefifche adler) wie u. a. die 2. 1. monde des Heidenreich 



Zur GeBchichte der deutschen Wappenbilder. 229 

V. Buftberg in Düringen^) 1252; die rofe, wie die 2. 1. 2. rofen 
des Eberh. v. Schowenberg 1221 und die 3 rofen auf der binde 
des liebhart v. Tegerbach 1259; die lilie (Meier. 3349. 11926) 
wie die 2. 1. lilien desfelben E. v. Schauenberg, die finkende 
lilie des Eckhart Schack v. Boizenburg 1269 und das lilienrad 
von Kleve 1265; das auch an geraden fläbchen der helmzier be- 
liebte lindenblatt. Dem fe blatte begegnen wir bereits in der 
Gudrun (1373, 4) und „ausgebrochen" in den 2. 1. feblättern mit 
überhöhetem rindshaupte des Rieh. v. Jerichow (Friefach) 1266; 
dem birkenreife, „moie, meie" (Crone 181. 44), welches wol oft 
auch mit jenen lindenftäbchen gleichbedeutend fein mag und der 
oberfächfifche rautenkranz kommt warfcheinlich feit 1260 vor. 
Als Verzierung einer Vernietung mögen gelegentlich auch u. a. 
die doppelhafte der Plefse, der fchiffsanker (Cröne 18077), 
die flammen, das rad des Fil. v. Hohenfels, der fchachrock 
(Erakl. 1604) der ftral (Wigal. 835) gedient haben. 

2. Die fchildhalter, 

worüber in der zeitfchrift des herald. Vereines „adler" in Wien, 
1, 119 nachzulefen ift, find derzeit nur die fchildesinhaber felbft, 
namentlich in reiter- und frauenfigeln und auf grabdenkmälern 
(wie u. a. in v. Hefner- Alteneck, trachten des kriftl. mit.-alt. 1, 18. 
59. 68. 81. 85). Andere fchildhalter kommen erft feit 1406 vor. 

3. Der heim (81) 

war derzeit noch nicht von eifenblech, wie der hut, 
eifenhut, „Ifenhuot", „beckenhube" ,„hoube'* (Pet. Suchen- 
wirt 9, 198; 14, 63. — 14. jhd.) fondem von leder mit 
„helmbougen" (Gudr. 1423, 2) d. h. fpangen verftärkt 
und hier und da mit den wappenfarben bemalt und mit ®^ 

einem helmtuche (82—91) bedeckt, von der färbe des fchildes 
(Meier. 8166), wo jedoch (10088) auch noch der heim one decke 
vorkommt. Die helmdecke war anfangs (2. h. 13. jhd.) ein 
einfach viereckiges tuch, wurde dann hinten eingefchlitzt, im 14. jhd. 
an den rändern eingekerbt und endlich feit etwa 1390 laubartig 
gezattelt. Difer leder- und fpangenhelm aber wurde, weit genug, 
über jenen eifenhut geftürzt und dürfte (wo nicht umgekert) eine 




*) Befser als Thüringen. 



230 



R. V. R.: 



nachbildung der oft genannten hei- oder nebelkappe gewefen fein, 
denn er diente weniger zum fchutz als zur Verhüllung. Beiläufig 
hieß der obere teil des helmes „diu gupfe" (Lhgr. 5765). 









87 






90 




4. Die helmzier oder das „kleinöt'^ (92—108) 

feit etwa 1200, feit zwar noch oft, doch ift fie keineswegs feiten, 
wobei es indefsen in der wiUkür des einzelnen ftand, ob und in 
welcher geftalt er fich irer bedienen oder fie etwa vertaufchen 
wollte oder nicht. Zuerft (leckte man wol allerlei zweige der 
eiche, birke, linde auf den heim, doch auch fchon frühe ein tierbild 
wie z. b. einen drachen (Wigal. 1862—69. 2289. 7390) oder 
löwen, wie denn namentlich Rudolf von Habsburg, bis er 1259 
könig wurde, einen löwen mit pfaufpiegeln bedeckt trug. Otto graf 
von Botenlauben (f 1244) trug auf dem helme noch außer difem 
einen hut mit den (langen an den feiten und in der Crone um 
1245 (18015. 18601) begegnet uns ein ermel der geliebten als 
helmkleinod. Ulrich von liechtendein in feinem „frauendiend** um 
1255 nennt uns namentlich einen fach er oder fchirmbrett „waele" 
(296, 1), einen kränz von abgefchlitzten federn, woran filbeme 
blättchen hangen und auf deren einzelne kile je ein büfchel oder 
quad, „kode" von pfaufedern gebunden id (170, 28), einen dim- 
kranz, blumenkranz, „fchapel'' (186,27), eine kraufe, „rüfch" (von 
pfansvedem .... diu was wol eilen hoch gebunden uf den heim 
mit einer rifen, 259, 27), einen fchleier, „rlfen" (184, 14); auch 
das wappenbild als helmzier (76, 5). Um etwa difelbe zeit (1260) 



Zar Geschichte der deutschen Wappenbilder. 



231 



finden wir im Meleranz zwei treuhände, ja fogar einen ganzen 
bäum, 2 flügel, verfchiedenf arbig (r. und w.; w. und b.), einen 
adler von hermelin, ein eberhaupt, einen wolf (3302 — 30. 
3396. 5095. 5947. 8164. 9281. 9699. 10084). Demnach fehen wir 
bereits zur Staufenzeit eine formenfülle, welche fich wol noch ver- 
meren, aber kaum noch fteigern ließ. Difes gefchah erfl: 200 jare 
fpäter zu einer zeit, wo die wappenkunft eben bereits irem verfall 
entgegen ging. 






95 





98 





^ W 



lüü 



101 



102 






105 






Wie die helmzier befeftigt wurde, ift zum teil fchon kurz 
zuvor angedeutet, z. b. mit einer helmbinde, „Crinale", wie jenem 
fchleier und den feitenftangen am Botenlauben-helme ; auch fagt 
uns Lohengrin (5332) in betreff feines fchwanes in der barke: „fd 
het diu bark von golde einen ftarken vuoz, der fie hoch von dem 
helme het empoeret Der vuoz uf in der barken gie durch den fwan, 
den er mit veftenunge vie, gar meifterlich diu bein dran . . . wären 
geroeret. üf dem heim von golde lac ein kröne und er barke." 
Das heißet alfo : auf dem helme mit feiner kröne ruhet mittels einer 
darauf befeftigten (lange die barke und aus difer ragt der fchwan 
empor, geftützt auf 2 rören, welche feine beine bilden. Was nun 
aber dife eben genannte helmkrone betrifft, fo beweifet zwar die 
hier aus dem Lohengrin angefürte ftelle, dafs die helmkrone ver- 



232 



K. V. R.: 



einzelt (namentlich bei dem hohen adel wie Limburg, Kernten, 

öfterreich, Ochfenftein, Sponheim, Lundenberg) fchon im 13. jhd. 

vorkommt, häufiger aber war das erft im 2. Zeiträume feit 1322 

der fall. 

Nebenbei verftehet fich am rande, dafs, wie das wappenbild 

im anfchlufs an den fchild immer flach, die helmzierde als frei auf- 

geftecktes rundgebilde immer vollgeftaltet war. 

5. Das Verhältnis von fchild und heim 
war wie 3 zu 1 

6. Sinnbilder. 

Nicht feiten wird fich die frage erheben, was difes oder jenes 

wappenbild zu bedeuten haben mag. Da nun folche bilder, wie 

bereits angedeutet worden, fich gar oft als fmnbilder darfteilen, fo 
mag es erwünfcht erfcheinen, eine folche folge verzeichnet zu finden. 

Es bedeutet nemlich: 

(109) adler oberherfchaft. 

(110) anker fchifFerei, hoflfnung, glaube, 
apfel Verjüngung, liebe. 

ären acker-, f eidbau. 

(111) arm, ermel andenken an die geliebte. 

(112) bank richteramt. 

b anner kriegsmacht, banneramt; rot: krieg. 



^n 










(113) ber guter angaug, tapferkeit. 

biber opferfahigkeit. 

bine arbeitfamkeit. 
(114. 115) bifchofsmütze, -ftab, kirchenvogtei. 



Zar Geschichte der deutschen Wappenbilder. 



233 



(116. 117) bock donner, Donar *). 

dachs guter angang. 
(118) drache rifengewalt. 

dreieck dreieinigkeit. 








145b 













(119) ober guter angang, fonne. 
efeu leben. 

(120) eiche bäum Donars i). 

(121) einhorn treue; kriftus. 

(122) elefant keufcliheit. 








132 










145a 






*) Wem die erinnerong an Wotan, Donar u. s. w. obwol fie noch heut 
im Volke leben, zu weit hergeholt erfcheint, der wird, wo es nicht fchon ge- 
fchehen ift, höflich gebeten, eine näher ligende erklärung nachzuweifen. 



234 



R. V. R.: 



(123) eule finfternis. 

(124) fackel Maria. 

(125) falke liebe. 

(126) fane kirchen- kirchenvogtei. 







154 









tt«, 







164 a 



164 b 











169 












(127) fidel erinnerung an Volker von Alzei. 

(128) fifch fifcherei. 

(129) flu gel botfchaft. 

(130) fuchs fchlaiier rat. 

garbe landwirtfchaft. — (43) gerung forftwirtfchaft. 

(131) greif weite herfchaft. 



Zar Geschichte der deutschen Wappenbilder. 235 

(132) ha mm er feftigung, Donar i). 

(133) han rechtgläubigkeit, wachfamkeit. 

(134) handfchu blutbann, herausforderung. 
heil. Georg pfalzgericht. 

(135) herz frauenminne. 

(136) hirfch guter angang. 

(137) hörn jagdrecht. 

(138. 139) hund, bracke jagd- und forftrecht. 

(140. 141) hut Oberhoheit. 

(142. 143) kelch, becher fchenkenamt. 

(144) kr an ich wachfamkeit. 

(55) kreuz geiftlicher fürft, kirche. 

(145) kröne königs-, fiirftentum. 

lamm guter angang; öfter lamm, kriftus. 
lampe wachfamkeit. 

(146) lilie reinheit; lilienftab, fride. 
(147. 148) linde fchutz und fchatten. 

(149) löwe fürftentum. 

(150) mufchel pilgerfchaft. 
palm zweig fig, fride, ruhe. 

(151) pfau unfterblichkeit. . 

(152) rabe Wotan i), walküreni). 

(153) rad fonne, glück, 
reichsapfel truchfefsenamt. 
reih er bevorftehender fturm. 

(154) rind fonne; erbküchenmeifteramt. 

(155) rindshaupt landwirtfchaft. 

(156) rindshörner fonnenftraleu. 

(157) ring Verlobung, Verbindung; geflügelt: fchwan Jungfrau. 

(158) rofe verfchwiegenheit. 

(159) rofs niarfchalksamt; Wotan^). 

(160. 161) fchachroch weitgrelfendo kriegsmacht. 

fchale, becken truchfefsenamt. 
(162) fchere fchäferei, weiderecht. 
(163. 164) fchiff, bot fe-herfchaft; fchöffenbarkeit. 

fchlange kriegsherfchaft; fchutzgeift. 
165. 166) fehl üf sei kellermeifter. 



«) Siehe Note auf S. 233. 



236 R. V. R.: 

(167) fchwan fchwanjungfrau i). 

(168) fchwerter reichsmarfchallamt 

(169) feblatt fig. 

feule fchachkönig? oder -königin? 

(170) fichel ernte. 

(171. 172) ftab, herfcher-, herfchaft; — richter-, richteramt; 
— pilgör-, kreuzzug; — fchlangen-, heilkundc; herfcher- 

ftab, fzepter, reichskämmereramt. 

(173) ftorch guter angang, kinderfegen. 

(174) ftrigel ftallmeifter. 

(175) taube unfchuld; — mit Ölzweig, fridenstaube , fride, 
verfönung. 

wage gerechtigkeit. 

(176) wergehänge rittertum. 

(177) Widder verioner, kriftus. 

(178) wolf guter angang, Wotan i). 

Als anhang reihen fich ferner an die fmnbilder 

6. Die namen- oder redenden bilder, 

wovon hier ebenfalls eine auswal folgt, als: 

adler: Arental, Arndail, Amberg, Amfeld, Arnshag, Arregger, Eris- 
heim, Nuwenar, Ter are, Trare. 

äffe: AfFenftein. 

an gel: Angelach, Engelin, Federangler. 

anker: Ankenftein. 

apfel: Appelfitztum, Holzapfel. 

armbruftjoch: Joch, Jöchlinger. 

auf, eule (vgl. d.), Uflfenftein. 

harte: Baert, Bardeleben, Bartenftein; wurfbarte, frankenbeil: 
Frankenftein ; fturmfeder: Sturmfeder. 

bäum, ftaude; Paumgarten, Paumgartner; Staudacher, Studer; 
birke: Birkicht, Pirkheimer; buche: Bocholt, Boeken, Boc- 
maft. Bucher, Buchner, Buchholz, Bukow, Hoinboken ; bufch: 
Bufch; eiche, eichel: Aichach, Aicher, v. der Eich, Eichen- 
dorf, van Eyck; linde: Lindau, Linde, Lindenowe, de Tilia. 

becher, köpf: Drikopf. 

becken: Goldbeck, Vifchpöck. 



*) Siehe Note auf S. 233. 



Zur Geschichto der deutschen Wappenbilder. 237 

bell: Bilow, Bilftein. 

beinkleid, bruchhofe: v. d. Pruch; Stolterfot. 

ber: Bar, Peer, Behr, Berenftein, Perfal, Peringer, Berk, Berlin, 
Perlocher, Perman, Bemburg, Pemer, PernveJs, Pernwert, 
Birklin, Urfm, Ursus. 

berg, ftein: (Auer v.) Prennberg, Blattenberg, Frons-, Prunds- 
perg, Gerftenberg, Grünenberg, Heiperger, Hertenberg, Hoberg, 
Hohenwarter, Kalenberger, Landsperg, Offenberg, Botenberg, 
Salenflein, Schwarzenberg, Sparnberg, Tannberg, Wiinnenberg. 

biber: Biber, Biberach, Marfchall v. Biberbach, Bibra. 

bine: Bünau. 

birkhan: Berkhan, 

blatt, laub: Lobenberg; feblatt: Sebach, Seftet, Zeftede. 

blitz: Blix. 

bock, ftein bock: Bock, Poxauer, Steinberg. 

bogen: Bogen (auch Arco), Goldenbogen. 

bot: Bot, Botmer. 

bracke: Prack v. Afch, Brackenheim. 

brand: Prant, Brand, Brandis. 

bürg: Abbenburg, Aldenburg, Bebenburg, Lauenburg, Lenzburg, 
Lüneburg, Neu-Brandenburg, Nicaftel, Botenburg, Schnaken- 
burg, Wiizburg, Wittenburg. 

bürfte: Boerftel. 

butte, ftübich: Butelir, Buttlar, Stübig. 

dachs: Dachfer, Dachsbach, Dachsperg. 

dogge: Toggenburg. 

drache, wurm: Drachenfels, Wormsdorf, Wurmberg. 

ober, fchwein: Ebersperg, Schweinichen. 

egge: Egenberg. 

eimer: Truchfefs v. Emerberg. 

ein fidler: Einfidel. 

elefant: Helfenftein. 

engel: Engelhart. 

ente: Endgafser. 

efel: Prumbefel, Riedefel. 

eule (vgl. auf): Ulenbroich, Ulentaler. 

fackel: Barnefüer, Faklaftein. 

f alke: Valke, Falkenftein, Falkner. ' 

fane, kirchen-: Pfanau, Pfanberg, Rotenfan, dann Montfort. 



238 R V. R : 

fafan: Vafolt 

fauft: Hardevuft. 

fenfter: Stuben. 

fifch: Vifchpeck; Bar, Barbi, Hering, Salm, Stur. 

fifchotter: Otterftede. 

flachsfchwinge: Schwingrift. 

flegel: Phlegelberger. 

flu gel: Swaneflügel. 

flufs, bach: v. der Beke, Groesbeck, Strobeke, Strombeck, 

Wefterbeke, Wittenbaeh. 
fuchs: Fuchs, Vofs, Voswinkel. 
gabel: Gabelen tz, Gabelkover. 
gais: Gaismar. 

gans: Gans zu Putlitz, Gans v. Perleberg, Goes. 
garbe: Eornfail. 
geier: Gyr. 
Georg, heil.-, Schorfch. 
gertel: Gertringen. 

gl ecke: Bellinghofen, Clingenberg, Lüdinghausen, 
grapen, iigel: Grope, Gröpeling. 
greif: Greif v. Greifenberg, v. Greifenftein. 
gugel, kappe: Cappenberg, Rodekogel. 

hacke; reut-: Hacke, Häckel, Heugel, Hayck; Reut, Kreit, Gereit, 
hafen, topf: Ölhafen, Preuhafen. 
haken, kefselhaken: Hake, Hagen; Ketteier, 
hammer: Hammerftein, Hemmerlein, 
han, hun, henne: Han, Hanenfe, Hanenftert, Hanmann, Hünr- 

hufen, Lütken, Rothan, Hun, Henneberg, 
h a n d f c h u : Handfchuchsheim. 
harfe: Harpen. 

hafe: Hafe, Haes, Has v. Waldeck, Hafenkop, Hafsenried. 
haupttuch: Fröwler v. Bafel, 
heim, kefselhut: Helmerfen, Helmshofen; Ketelhot. 
hufeifen: Halbeifen. 
hirfch,tier,hindin,rehe: Hirfchberg, Hirfcheck, Hirfeck, Hirzelin, 

Marfchall von Rechberg, Rechburg, Retfeld, Ellen-{Nellen-)burg, 

Hornftein, Hürnheim, Khürn; Tierberg, Tierftein, Hindenburg. 
hörn: Hörn, Hoorn, Hornberg, Homeck, Hernes, Hornhaufen, 

Hörningen, Hörnlingen, Hürnpach, Gellhom, Steinhorn. 



Zur GeBchichte der deutschen Wappenbilder. 239 

hüls, fteineiche, flechpalme: Hüls. 

hund: Honde, Hund, Hundpifs; bracke: Prack von Afch, 
Brackenheim; rüde (vgl. dogge): Süd. Rüdenberg, Zaunrüd; 
Windhund: Windifchgrätz. 

hut: Hutftocker; judenhut: Jude, Jüdde. 

igel: Staudigel. 

kalkreute: Galcrute, Ealkreut. 

kanne: Kannenberg, Kannftatt, Eünritz, Könneritz. 

kappe: v. d. Kappen, Langmantel. 

katze: Katte, Oats, Katzenblauer, Katzenftein, Katzianer, Katzpeck. 

kette, boie: Boinen, Keten. 

keule, kolbe: Keuler, Kulenburg, Kule, Kolbe, Kolve, Klüpfel 

kirche: Dieperskircher, Paumkirch. 

kirfche: Kirfchbaum. 

knoblauch: Knoblach. 

könig: Königsfeld. 

korb: Kirfchkorb. 

krähe: Krae, Craluc, Krawinkel, Croneck, Volkra. 

kr an ich : Grane, Kranch, Kränchel, Kranichfeld, Kranchsberg, Grufsen. 

kränz, fchapel: Scheppler, Schap61. 

krebs: Krebsberg, Krewet, Crieft, Crewesbeck, Creusbach. 

kröne: Kronenberg, Landskron. 

küfsen: Küfsnach. 

lamm: Lambertsperg, Lampl v. Fronsburg, Lembleln, Om. 

1 e g e 1 : Legelberger. 

leiter: v. der Leiter, Leiterberg. 

lerche: Lerch. 

lilie: Lilien. 

lö we: Bülzingsleben, Leonsberg, Lepard, Lewendal, Lieben-, Löwen- 
ftein, Löwenberg. 

luchs: Efcher v. Luchs. 

mann, wald-, raönch, mor: Gaimann, Güldenheuft, Ratmanns- 
dorf, Bart, Hünemordere, Mönch, Mönchsberg, Mönnechow, 
Münchhaufen, Münich, Mor. 

mond: Mon v. Saulheim, Montag, Wafsen&er. 

müleifen, -dein : van der Moelen, Müle, Mylius, Müller, Mülpfort, 
Steinmüllner, v. der Weitenmül, Ermreicher gen. Mülftein. 

nagel: Nagel. 

ofen: Ofelin, Oefele; Kemnat; Stubenwid. 



240 B. V. R.: 

Ölbaum: ölsperger. 

pauke: Bubna. 

pflugfchar: Pflug. 

quaft, blätter-, bade-: Quaft. 

rabe: Bab, Bave, Baven, Babenftein, Babno« 

rad, mülrad: Badeck, Bödern, Mill-, Mülwanger, Müller, Mül- 

felder, Mülinen, Mulne, Möln. 
radnabe: Heidenaber. 
ramme: Bamberg, 
rande, rübe: Ot a dem Band. 

raute, gerautet, geweckt: Butenberg, Weck fpäter Teck. 
rechen: Bechenberg. 
rephun: Bibikove, Bebkau. 
rind, kalb, auerochs: Auer, Auersperg, Eelbel, Kelberharter, 

Ochs, Oifsendorp, Oslevefsen, v. der Ofsel, Villenbach v. Ochfen- 

burg, Ofsenbroich, Bindfleifch, Bintorf, Bindsmaul. 
ring: Bingelftein, Bingenberg, Heiden v. Binfch, Kuenring. 
riüke: Binck v. Baldenftein, Binkenberg, Binkenrode. 
roch: Bochow. 
rone, baumrumpf: Bonau. 
rofe: Bofchach, Bofeck, Bofenberg, Bofenau, Bofenbufch, Bofeneck, 

Bofenhartz, Bofsmag, Boft, Buce, Bufs, Bufse. 
rofs: Im Böfsli. Bofs, Bus, Bosberg, Pferdsdorf, Eaphengd. 
rüder, rolle: Bolshaufen. 
falzkufe: Sulz, 
fchaf: Schaf, 
fcheibe, ball: Scheibe, 
fchere: Schernberg, Tuchfcherer. 
fchiff: Schipman. 
fchildlein: Schlichen, Schilt 
fchindel: Schindel. 

fchlegel: Schlegel, Schlegelholz, Hauthem. 
fehl ehe: Schlepufch. 
fchlitten: Schliftel. 
fchlüfsel: Schlüfselberg, Schlüfselfelder. 
fchrägbinde, barre: Bar, Parle, Barum, Berg, Pergau, Bernau, 

Berner, Bermünd, Piermunt, Virmunt, Perwangen, 
fchu: Holzfchuher, Leiden, 
fchurfeifen: Schürf, Schurfeifen, Schürpfer. 



Zur Geschichte der deutschen Wappenhilder : 241 

fchürftab, -ding: Schirndinger, Schürftab. 

fchüfsel: Raumfchüfsel. 

fchwalbe: Swalenberg, 

fchwan: Schwan, Schwandeck, Schwanewede, Seh wanitz, Swanberg, 

Swangow. 
feckel, fack: Sack, Monfachs. 
fenfe: Seger, Seglitzer. 
feule: Colonna v. Völs, Seulingen, Zuylen. 
fib: Hafiber. 
fittig, papagei: Sittich, 
fonne: Sonnenberg, Sonnentag, 
fpange: Spangenftein. 
fparren: Sparre, Sparneck, 
fpaten: Spade, Graben, 
fpatz, fperling: Luning. 
fpeidel, fpickel: Speidl. 
fper, fpies, ftiber: Spies, Stiber. 
fperber: Sperl. 
fpiegel: Spiegel, Spiegelberg, 
fporn: Spörken. 
ftab, ftreif: Zum Stave. 

(laufen, ftutz: Stouf, Staufenberg, Stotzingen. 
ftempel: Stempel. 

(lern: Stemberg, Stern eck, Sternfels, Wenkdern. 
(lier: Steier, Starhemberg. 
(lorch: Adebar. 

(Iral, bolz: Stralen, Stralendorf, Stralenfels, Stralneck, Polz. 
tanne: Tanauer, Tanner, Tannenberg, 
taube: Duvenvoorde. 
teufel: Teufel. 

tor, tür: Türheim, Nidertor, Tor, Torperg, van Doren. 
turn, warte: Hohen wart, Kadelmur, Waldturn, Im Turn, Zem 

Turn, Turner, Tum. 
vogel: Vogel. 
Wachtel: Wechtel. 
wagen runge: Bunge. 

wafser : Wafserburg, — fafs, — mann. Wafserdelz. 
wedel, weihel: Weyher. 
weide, felber: Wid, Salis, Felber. 

ArhdyaUBche Zeitschrift. IX. IG 



242 R- V. R.: 

Widder, ram: Widerftein, Weddermoden, Eamelftein, Ramfperg, 
Beilin. 

widehopf: Huppe. 

Winkelmaß: Winkler. 

wolf: Wolf, Wolfenreut, Wolfersdorf, Wölflin, Wolfstal, Wolframs- 
dorf, Wolfurt, Wulf, Wulfingen, Wülflingen, Borck. 

Würfel: Würfel, Topler. 

zange: Zenger. 



Bemerkung. Da die in der Staufenzeit aufkommenden wappen- 
figel als eine liauptquelle für die künde der wappen und deren 
Zeichnung dienen, ift irer hier mit einigen werten zu gedenken. 
Sie kommen bereits alsbald mit 2 verfchiedenen hälften vor, 
namentlich in verbindung-figeln , von mann und frau. Grafenfigel 
haben als bild meid nur den heim mit dem kleinode, one fchild: 
edelleute dagegen den fchild one heim. — Auf der rückfeite der 
reiterfigel kommt das wappen im dreieckfchilde als gegenfigel 
feit 1208 vor. 

Was insbefondere die frau enfi gel betrifft, fo treten fie, vor 
dem 13. jhd. höchft feiten vorkommend, nun in mancherlei geflalt 
hervor, mit der frau fitzend (auch kniend) zwifchen zwei fchilden 
oder deren 2 oder 2 banner haltend; ftehend und eine lilie oder 
heim und fchild haltend oder reitend mit einem falken auf der 
band, bald fchrittlings, bald auch quer zu rofse fitzend. Seit etwa 
1220 kommen fie mit wappen vor und feit 1231 doppel- oder 
münzartige figel mit dem wappenbilde der frau auf der einen und 
dem des mannes auf der andern feite; feit 1240 etwa mit dem 
wappen auf der bruft, mit den anfangsbuchftaben des namens der 
frau und des mannes oben neben dem haupte. Um 1250 erfcheint 
bereits das halbe mannes- und das halbe weibliche wappenbild 
zufammengefchoben wie z. b. im figel der königin Marie, wittwe 
Ottos 4. 1258 und das wappen als gegenfigel des bildnifses 1265. 

Die reiterfigel der fürften kommen vor und felbft im 
13. jhd. noch oft one helmzier vor. Das rofs wird fchreitend oder 
laufend dargeftellt mit ftangengebifs , breiterem fürgebtige (bruft- 
riemen), fattelriemen (1233), hohen fattelbögen mit lene, rofsdecke, 
fogen. „pundt", d. h. mit zufammengebundenen teilen, mit wappen 
1208, herabhängend 1247, fteigbügel dreieckig. 



Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 243 

Zweiter Zeitraum. 

Die Zeit nach dem zwifchenreiche 1273 — 1350 ift, 
wie auch in unferm fchrifttume, die nachblute der Staufenzeit und 
beide zufammen, alfo bis zu Karl 4. bilden den reinen wappenftil. 

Unter Karl fodann i) beginnt, wie auch in der baukunft (z. b. 
an der Frauenkircke zu Nürnberg) als unfer zweiter Zeitraum der 
reiche ftil, welcher aber fchon im 15. jhd. auszuarten beginnt 
und unter kaifer Fridrich 3. (1440 — 93) als dritter ftufe der ent- 
wickelung den fchon von allerlei willkür begleiteten, beiläufig 
im vilgepriefenen wappenbuche des Konr. Grünenberg glänzend 
genug vertretenen verfall herbeifürt, mit welchem dann unfere 
neuere der alten echten wappenkunft immer mer fernrückende 
wappenzierkunft beginnt, fo fern wie alles neuhochdeutfche vom 
'mittelhochdeutfchen , in fprache, fchrift und fchrifttum, baukunft, 
bildnerei u. f. w. 

Von da an nemlich wird die wappenkunft eine der vilen mägde 
einerfeits der diplomatik und des rechtes und anderfeits der all- 
gemeinen bau-, bildner- und bild-zierkunft , auf deren weitere 
befprechung hier zu verzichten und einem verfafser der gefchichte 
der zierkunft überhaupt aus dem gründe überlafsen bleibt, weil die 
wappenkunft nicht mer als geworden, fondern als gemacht 
erfcheint und dem zweck, einer gelerten gefchichtforfchung als 
hilfmittel zu dienen, nicht mer entfpricht. 

Hier wäre nun eine fortfetzung des bisher behandelten ab- 
fchnittes — in gleicher folge betreffend: fchild, färben, teilung, 
gefpänge u. f. w. — angezeigt; da jedoch die hauptgrundlatze 
bereits dort feftgeftellt find, auf welche es oben doch wefentlich 
ankam und onehin jedem der hauptwappenftücko und -bilder nach 
der anordnung difer abhandlung, welche hier nur als bruchftück (ein- 
leitung) mitgeteüt ift, feine befondere gefchichte nebft einem verzeichnifse 
der betreffenden wappeninhaber zugefellt ift, fo mag hier eine hin- 
weifung auf dife einftweilen vorbereitete größere arbeit genügen. 

Den anfang wird fodann nach der buchftabenfolge der adler 
machen, welcher ja auch das wappenbild des neu erftandenen 
deutfchen reiches ift, und fo Gott will, noch lange bleiben möge. 

') Wo beiläufig der briefadel und die anentafeln (ftamnibäume) auf- 
kommen, jedoch erhebungen zu grafen erft 1437 unter kaiser Sigismund, also 
erst in der verfallzeit der wappenkunft. 

16* 



XIV. Aus den amtlichen Jahresberichten des k. bayerischen 
Reichsarchiv-Direktors fttr 1882 und 1883. 



lieber die Leistungen und Veränderungen, welche am k. Beichs- 
archiv und seinen Filialen, den acht k. Kreisarchiven, in den letzten 
beiden Jahren Statt fanden, ist im Allgemeinen zu bemerken, dass die 
Arbeiten beständig ihren geordneten Gang einhielten, die Zuflüsse von 
Akten Amtsbüchern und Urkunden aus k. Stellen und Behörden nie- 
mals stockten, und zwei grosse und wichtige Privatarchive in 's Beichs- 
archiv ihren Einzug hielten. Die innere Einrichtung und Ordnung 
machte in allen Archiven gute Fortschritte, namentlich in den 
neuen Bäumen zu Nürnberg und Neuburg. Was die Lokale be- 
trifft, so wurden in den Archiven zu Bamberg und Würzburg 
wiederum höchst erfreuliche Verbesserungen und Erweiterungen 
erzielt, auch das Ereisarchiv zu Landshut erhielt wohlbegründete 
günstige Aussichten. Im Personal fanden vielfache Beförderungen 
Statt, sowie Zuwachs durch neue Praktikanten, leider auch ein sehr 
empfindlicher Verlust. 

Im Einzelnen ist der Archivchronik Folgendes einzuverleiben : 

L Personalstand, 
a. Veränderungen. 

1. Beichsarchiv. Von unbezahlten Kanzleipraktikanten trat 
ein Student der Philologie aus, ein Premierlieutenant a. D. ein, 
und erhielt Frhr. v. Zündt eine Stelle am Kreisarchiv in Neuburg 
an der Donau. 

Der Archivfunktionär Sebert zu Landshut wurde unter die 
Beichsarchiv-Praktikanten aufgenommen. Bisher am Kreisarchiv 
zu Würzburg verwendet, begannen die Beichsarchiv-Praktikanten 
Dr. Hansen und Göbl 1883 ihre Thätigkeit am Beichsarchiv. Drei 
Praktikanten wurden zu Archivsekretären befördert^ Dr. Zimgiebl 
am hiesigen, Dr. Petz am Nürnberger, und t)r. Mayerhofer, nachdem 



Löher: Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 245 

er kurze Zeit als Archivsekretär in Donaueschingen gestanden, am 
Bamberger Kreisarchiv. Akzessist Dr. Grauert habilitirte sich als 
Privat-Dozent für Geschichte an der Universität München. Vier neue 
Praktikanten wurden aufgenommen: Schriftsteller Dr. Ludwig Laistner, 
Rechtskandidat Fischer, und die liehramtskandidaten Hüttner und 
Jochner. Vom Reichsarchiv trat Assessor Dr. Geib als Vorstand 
an das hiesige Kreisarchiv über, und Assessor Dr« Heigel wurde 
ordentlicher Professor der Geschichte an der hiesigen technischen 
Hochschule. Heigel war in jeder Hinsicht ein verdienstvoller Be- 
amter, den bei Liebenswürdigkeit im Umgang vorzügliches Stiltalent, 
ausgebreitete wissenschaftliche Kenntnisse, seltene Gewandtheit in 
allen Richtungen des Archivdienstes auszeichneten. An Stelle der 
beiden Assessoren wurden befordert die Reichsarchiv-Sekretäre Dr. 
Stieler und Freiherr v. Oefele, während der Kreisarchiv-Sekretär 
Dr. Wittmann von Bamberg an's Reichsarchiv versetzt wurde. 

2. Kreisarchiv Amberg. Kanzleipraktikant Ernst Zottmann 
kam vom 1. Februar an als Kanzleifunktionär an das k. Kreisarchiv 
Bamberg. 

3. Kreisarchiv Bamberg. Funktionär Hofl&nann, der be- 
reits seit 17 Jahren eifrig thätig war, schied nun in Folge zu- 
nehmender körperlicher Gebrechlichkeit aus, und an dessen Stelle 
trat der vorgenannte Ernst Zottmann. Da die Stelle des zum 
Reichsarchiv - Sekretär beförderten Dr. Pius Wittmann sich nicht 
sofort wieder besetzen liess, wurde dem k. Kreisarchiv eine Aushilfe 
durch den Reichsarchivpraktikant Dr. Georg Hansen zu Theil bis 
zum 1. August 1883, an welchem Tage Dr. Mayerhofer eintrat. 

4. Kreis archiv München. Der Beginn des Jahres 1883 
brachte im Personalstande dieses Archivs eine wesentliche Um- 
gestaltung. Nachdem der k. Kreisarchivar August Peringer im 
November 1882 seinem Ansuchen entsprechend in den Ruhestand 
versetzt war, wurde Dr. Eduard Geib zum Vorstand und gleich- 
zeitig Dr. Eberhard Zirngiebl zum Sekretär ernannt, wogegen der 
bisherige Kreisarchivsekretär Edmund Frhr. von Oefele an das 
Reichsarchiv versetzt wurde. Beide Beamte traten asd 1. Januar 
1883 ihre neuen Amtsstellen an, nachdem die Geschäftsleitung schon 
längere Zeit bis zur Extradition an den neuen Vorstand vom Kreis- 
archivsekretär Roth geführt worden. 

5. Kr eis archiv Neuburg. Kanzlei-Funktionär Hans Frei- 
herr von Zündt, welcher im Monat Mai 1882 auf Grund einer, die 



246 Löher : 

erforderlichen Mittel gewährenden Ministerial-Entschliessung zur 
zeitweisen ausserordentlichen Geschäftsaushilfe abgeordnet werden 
konnte, wurde im April 1883 zum wirklichen Funktionär daselbst 
ernannt. 

6. Kreisarchiv Nürnberg. Mit dem I.April 1883 schied 
der k. Kreisarchivsekretär Mummenhoff aus, um seiner Berufung 
als Archivar der Stadt Nürnberg Folge zu leisten, und an dessen 
Stelle wurde der geprüfte ßeichsarchivpraktikant Dr. Hans Petz 
zum Kreisarchivsekretär befördert. 

7. Kreisarchiv Speyer. Kreisarchivar Schandein wurde 
bei Eintritt in sein einundsiebenzigstes Lebensjahr am 16. Juni 1883 
durch Verleihung des Titels und Ranges eines k. Reichsarchivraths 
ausgezeichnet. 

8. Kreisarchiv Würzburg. Ton den drei Funktionärstellen 
wurde, als der eine derselben bekleidende Praktikant Göbl an's 
Beichsarchiv kam, im Mai die dritte Funktionärstelle an das einer 
solchen bedürftige Kreisarchiv Neuburg transferirt. 



Das Jahr 1883 schloss mit einem Personalstande von 25 Beamten, 
10 Archivpraktikanten, 10 Funktionären und 1 Kanzleipraktikanten 
sowie 10 Dienern, im Ganzen 56 Personen. 

b. Abwesenheit 

1. Beichsarchiv. Ausser dem gewöhnlichen Urlaub waren 
Beamte, Hülfsarbeiter, Funktionäre und Diener fortwährend im Amte 
thätig. Nur die beiden Praktikanten Dr. Petz und Dr. Grauert 
waren im Auftrag und auf Kosten der historischen Kommission 
bei der k. Akademie der Wissenschaften in beiden Jahren in den 
ersten vier Monaten im Tatikanischen Archiv beschäftigt, um die 
Urkunden Kaiser Ludwig des Bayern auszuforschen und zu regestiren. 
Im zweiten Jahr nahm auf eigene Kosten Praktikant Löher vier 
Wochen an diesen Arbeiten in Bom Theil. Der Beichsarchivdirektor 
war im vorigen Jahr drei Wochen lang durch Augenleiden ans 
Haus gebunden. 

2. Bei den Kreisarchiven. Der nunmehr quieszirte Tor- 
stand Peringer blieb im Jahre 1882 vom 15. Juni bis 1. August 
Krankheitshalber zu Hause und war vom 1. August bis 13. Oktober 
mit Urlaub abwesend. In Folge dieser langwierigen Abwesenheit 
des Amtsvorstandes konnte der mit der Führung der Amtsgeschäfte 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 247 

beauftragte Archivsekretär Roth von dem ihm bewilligten Urlaub 
nur sechs Tage benützen. Im Jahre 1883 war Sekretär Dr. Zirn- 
giebl durch Krankheit zu fün^öchentlichem Fernbleiben vom 
Amte genöthigt. 

c. Literarische Arbeiten. 

1. Reichsarchiv. Wie gewöhnlich wurden auch in beiden 
vorigen Jahren von Beamten die Mussestunden zu literarischen 
Arbeiten benützt, jedoch viel geringer als früher. Für die Archi- 
valische Zeitschrift schrieb Reichsarchivrath A uracher eine über- 
sichtliche Zusammenstellung der Eriegsakten im Reichsarchiv ; Reichs- 
archivpraktikant Dr. Lei st eine Erörterung der sphragistischen 
Aphorismen des Fürsten Hohenlohe; Dr. Mayarhofer über den 
ältesten Freisinger Kodex; der Herausgeber über Verwahrung 
und Folgeordnung der Archivalien, ferner über die Einiichtung des 
Kreisarchivs zu Nürnberg im neuen Gebäude, über die nothwendige 
Betheiligung von archivalisch Geübten an der Kulturgeschichte, 
endlich Berichte über die deutsche, schwedische, italienische, russische 
Archivliteratur und über die Torgänge im päpstlichen Archiv. Vom 
Reichsarchivassessor Primbs findet sich auch in der Archivaü- 
schen Zeitschrift eine längere Abhandlung über Entwickelung des 
wittelsbachischen Wappens. Derselbe veröffentlichte ausserdem im 
»Oberbayerischen Archiv* Aufsätze über den Besitzstand des Stifts 
in Lindau und über die Geschichte des Franziskanerklosters daselbst. 
In den Sitzungsberichten der k. Akademie der Wissenchaften er- 
schienen vom Reichsarchivassessor Dr. H ei gel, der auch in v. SybeFs 
Zeitschrift Memoiren aus Bayern publizirte, Abhandlungen über das 
Projekt einer wittelsbachischen Hausunion unter schwedischem Pro- 
tektorat, und vom Reichsarchivdirektor über Alter, Herkunft 
und Verwandtschaft der Germanen, sowie über die Frage, ob bei ihnen 
wirklich Menschenopfer Brauch gewesen ? Ferner verfasste Derselbe 
eine kleine Schrift »Das neue Italien*. Reichsarchivrath Dr. Haut le 
veröffentlichte »Die Geschichte der kgl. Residenz in München*, 
Reichsarchivassessor Dr. Stiel er, der unter den lyrischen Dichtern 
der Gegenwart in erster Reihe zählt, hat stets neue Auflagen seiner 
Dichtungen zu besorgen und gab eine neue Serie dialektischer 
Gedichte zu Defregger'schen Bildern. Reichsarchivassessor Freiherr 
V. Oefele verfasste A.rtikel in der Allgem. deutschen Biographie 
und Rezensionen in v. Sybel's Zeitschrift. Reichsarcbivsekretär 



248 Löher: 

Dr. Witt mann lieferte in dem Wetzer -Welte'schen Kirchenlexikon 
den Artikel über Brasilien und kleinere Aufsätze für die »Studien 
und Mittheilungen aus dem Benediktiner-Orden •, die ,Frankonia* 
und das „Rothenburger Diözesan- Archiv". Beichsarchivpraktikant 
Dr. Leisf gab unter dem Titel „ürkundenlehre" einen kleinen 
Katechismus derDiplomatik, Paleographie, Chronologie und Sphragistik 
heraus, besprochen von Reichsarchivassessor Dr. Hei gel in der 
Archivalischen Zeitschrift. Eine kritische Untersuchung über die 
Konstantinische Schenkung veröffentlichte im historischen Jahrbuch 
der Görres-Gesellschaft Akzessist Dr. Orauert, und Akzessist Dr. 
M a y e r h of e r schrieb eineReihe von Lokalgeschichten von Schwabing, 
Oberföhring, Blutenburg, Maria Einsiedel u. s. w. 

2. Bei den-Kreisarchiven. Tom Kreisarchivsekretär Frei- 
herrn V. Oefele wurde in die Sitzungsberichten der phil. histor. 
Klasse der k. Akademie der Wissenschaften „Des Kurfürsten Karl 
Albrecht von Bayern italienische Reise im Jahre 1737" aufgenommen. 
Archivsekretär Mummenhoff in Nürnberg lieferte für die „Jahres- 
berichte der Geschichtswissenschaft" die Bayern betreffenden Referate. 
Vom Kreisarchivar Schandein in Speyer erschien: „Wilhelm 
Molitor", ein Prolog bei der Aufführung seiner Tragödie: „Des 
Kaisers Günstling'* in zweiter Auflage. In Würzburg veröffentlichte 
Kreisarchivar Dr. Schafft er die Autobiographie des im Jahre 1833 
verlebten Staatsrathes Dr. Joh. Christian von Wagner, ferner im 
Verein mit dem Privatdozenten Dr. Henner die Schlusslieferung 
der Friesischen Darstellung des Bauernkriegs, und ausserdem 
leitete Derselbe während des Würzburger Universitäts - Jubiläums 
die Herausgabe der offiziellen Festchronik „Alma Julia". Das Jahr 
1883 erwies sich bei den Kreisarchiven weniger ergiebig. Nur von 
den Archivbeamten zu Bamberg und Neuburg sind literarische 
Arbeiten zu verzeichnen, und zwar vom Kreisarchivar Dr. Jung Mit- 
theilungen über den Bau der Bamberger Residenz im 45. Jahres- 
berichte des dortigen historischen Vereines, und vom Sekretär 
Dr. Mayerhofer mehrere Anzeigen in den „historisch-politischen 
Blättern", während seine kurze launige Geschichte des Münchener 
Hofbräuhauses rasch eine zweite Auflage erlebte. Archivsekretär 
Rieder zu Neuburg schrieb für die Archivalische Zeitschrift über 
Inhalt und Zustände der Stadtarchive zu Mindelheim, Memmingen 
und Kempten. Kreisarchivar Joerg in Landshut ist nach wie vor 
Herausgeber der „historisch-politischen Blätter*^ 



Ans den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 249 



n. Lokale und Geräthschaften* 

1. Reichsarchiv. Es konnten wieder ein paar Geschäfts- 
zimmer zum Schutz gegen die verderbliche Fusskälte mit Teppichen 
belegt, und für das Schul- und Kleinodienarchiv vier weitere grosse 
Schaukästen angeschafft werden. Da der Reichsarchivdirektor bald 
nach seiner Amtsübernahme, um für die Praktikanten Raum zu 
schaffen, sein Vorzimmer abgetreten hatte, stellte sich dessen Mangel 
als ein üebelstand heraus, der bei den sich steigernden amtlichen 
Besuchen mit jedem Jahre fühlbarer wurde. Desshalb ist endlich 
ein kleines Vorzimmer in dem Halbbogen vor der Thür des Direktorial- 
zimmers eingerichtet. 

2. Am b erg. Dieses Archiv hat zwar vor einigen Jahren ein 
paar neue Lokale erhalten, leidet aber immer noch an UeberfüUung 
und schlechter Luft. Man musste sich für's Erste zur Erzielung 
einer zweckmässigen Ventilation und zur Beseitigung des Mauer- 
frasses in verschiedenen Sälen mit sachdienlichen Vorkehrungen 
begnügen. 

3. Bamberg. Im Kreisarchiv Bamberg hat sich in den letzten 
Jahren eine ziemlich umfassende bauliche Thätigkeit entwickelt, die 
durch missliche Lokalverhältnisse geboten war. Nicht nur die 
Adaptirungsarbeiten in den inneren Lokalen wurden rüstig betrieben 
und verschiedene Säle mit neuen Gestellen und einer Fussboden- 
Bretterlage versehen, sondern auch die bereits seit mehreren Jahren 
erwünschten Arbeiten in den unteren Gewölben konnten endlich in 
umfassender Weise in Angriff genommen werden. Durch Herstellung 
eines Luftschachtes in den inneren und äusseren Gewölben, Durch- 
brechen und Ausbau eines Tunnels zur Verbindung zwischen diesen 
Gewölben, Vergrösserung von acht Fenstern in zwei Gewölben, unter 
Anbringung von Blechwänden zum Schutz gegen Hineinwerfen von 
der Strasse, Durchbrechen der Scheidewände zwischen vier Gewölben, 
vollständige Ausspitzung der vom Mauerfrass stark angegriffenen 
Wände der tiefer als die Strasse gelegenen Lokale — durch alles 
Dies wurde für Zuführung von Luft und Licht in ausgiebiger Weise 
Sorge getragen, das Arbeiten in den fünf dunkeln unteren Räumen 
möglich gemacht, und eine Reihe von Verbesserungen geschaffen, 
die sowohl der Gesundheit des Personals zuträglich, als auch für 
die Konservirung der Archivalien förderlich. Alle Neuerungen haben 
sich aufs Beste bewährt. 



250 Löher : 

Dem Archivsekretär wurde, nachdem früher und oft darum 
verhandelt war, jetzt in der sog. alten Hofhaltung vom k. Oberst- 
hofmeisterstab eine schöne und billige Wohnung eingeräumt, so 
dass wenigstens ein Archivbeamter in unmittelbarer Nähe des 
Archives wohnt. 

4. Landshut. Als vorbereitende Arbeiten für die projektirten 
baulichen Aenderungen wurden bei den künftigen Geschäftszimmern 
der Torplatz bei der Freitreppe entsprechend hergestellt, eine Thüre 
angebracht, und zwei Kamine aufgeführt. Da das Archiv auf der 
Trausnitz aus andern Archiven Massen aufnehmen muss, wurde 
von den Kammern für die Einrichtung des grossen Bierkeller- Ge- 
bäudes die nöthige Summe bewilligt. 

5. München. Im hiesigen Kreisarchiv musste man sich, da 
trotz der grossen Enge und Zweckwidrigkeit mehrerer seiner Bäume 
und trotz allseitiger Anerkennung dieser schweren Missstände ein Ein- 
gelien auf die Frage eines kostspieligen Archiv-Neubaues zur Zeit 
noch für unthunlich erachtet wurde, darauf beschränken, wenigstens 
erst eine zweckmässigere Benützung der Geschäftszimmer zu erzielen. 
Es wurde daher die Kanzlei in unmittelbare Verbindung mit dem 
Vorstandszimmer gebracht, und das angrenzende Zimmer für die 
beiden Sekretäre, sowie zur Aufnahme einiger Archivbenützer ein- 
gerichtet. In das frühere Sekretariat kommt nunmehr die Amts- 
bibliothek, und es dient zugleich für Aufbewahrung der gerade in 
Neurepertorisirung befindlichen Archivalienmassen. Sobald in Lands- 
hut neue grosse Räume beschafft sind, hofft man dorthin nothleidende 
Aktengruppen schicken zu können. 

6. Neuburg. Wer dieses Archiv in seiner früheren gepressten 
Lage und in seinen halbdunkeln Lokalen kannte, wird freudig erstaunt 
sein, wie hell und grossartig es sich jetzt darstellt, nachdem durch 
Adaptirung des sogenannten Theatersaals seine Räume fast ver- 
doppelt worden. An -entsprechender Einrichtung dieses Saals wurde 
auch in den beiden letzten Jahren fortgearbeitet. Es erfolgte ferner 
die Beschaffung von neun Hagelgittern vor den Fenstern, neue 
Bodenlegung des vor dem Saal befindlichen Balkons, Herstellung 
eines geeigneten Steinbodens vor dem Haupteingang, und die Aus- 
stattung mit Aktengestellen, deren bereits vor einem Jahre zwanzig 
zur Aufstellung kamen. Jetzt ist der weite Raum zur Aufnahme 
einer grösseren Menge von Archivalien wenigstens bis zur Hälfte 



AuB den amÜichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 251 

diensam eingerichtet. Auch wurde auf der Westseite des Archiv- 
gebäudes ein neues Trottoir angelegt. 

7. Speyer. Das Haupt- und Nebengebäude des Archives 
erhielt einen neuen Anstrich und wurde beiden die geeignete Re- 
paratur zugewendet. Da vor zwei Jahren endlich zum Gewinn 
besseren Luftdurchzuges die Durchbrüche in Zwischenmauern und 
einer äussern Mauer erfolgten, ist jetzt der leise Moderduft aus 
den Archivsälen verschwunden. 

8. Würzburg. Das Kreisarchiv, an Raummangel schon lange 
leidend in Folge sehr zahlreicher Zugänge, erhielt von den früheren 
Lokalen der k. Kreiskassa vier Räume in der k. Residenz über- 
wiesen, die zwar baulich jetzt in entsprechenden Stand gesetzt 
sind, wegen Mangels jedoch an den nöthigen Mitteln noch nicht 
für die Archivalienlagerung eingerichtet werden konnten. Aus 
gleichem Grunde mussten auch andere grössere Verbesserungen, 
beziehungsweise NeubeschafiFungen unterbleiben, und Hess sich nur 
die Anbringung von drei beweglichen Fenstergittern im Erdgeschoss, 
die Ergänzung von zwölf durch Hagelschlag zerstörten Fenstern, 
und die Tapezirung des Vorstandszimmers, sowie die Aufstellung 
eines neuen Thonofens im Sekretariat ausführen. 



Ueberblickt man, was wiederum in den letzten zwei Jahren 
an Verbesserung der Lokale und ihrer Einrichtung gewonnen ist, 
so darf die Hoffnung Raum fassen, auch das Fehlende werde all- 
mählig noch beschafft werden. Wenigstens in den Hauptsachen 
leiden von den neun Archiven jetzt nur noch zwei Noth, nämlich 
das oberbayerische und das oberpfälzische Kreisarchiv. Die neu 
erworbenen Lokale des letztern sind viel zu dürftig ausgefallen, 
während in den alten nur äusserst schwierig genügender Luft- 
durchzug sich herstellen lässt. 

III. Archivbestände. 
A. Zuwachs. 

a. Zuwachs im Allgemeinen. 

Wenn in den letzten zwanzig Jahren in sämmtlichen Kreis- 
archiven die Raumnoth sich häufig empfindlich fühlbar machte, 
und man ihr, wo genügende neue Lokale nicht zu erwerben, nur 
abhelfen konnte durch Ausräumen von solchen Akten, die der Auf- 



252 Löher : 

bewahrung nicht werth oder von k. Stellen vorläufig im Archiv 
deponirt waren : so liegt der Erklärungsgrund weniger in der fort- 
schreitenden Sichtung und Ordnung von zusammengepressten Ar- 
chivalien, als in deren unaufhörlichem Zuwachs. In welch kolossalem 
Verhältniss diese Vermehrung Statt hatte, ergiebt eine Uebersicht 
nur aus den Jahren 1874 — 1883. 

L Die Hauptziffer fällt natürlich auf den Zuwachs aus 
Amtsregistraturen k. Stellen und Behörden. Es musste 
endlich einmal mit deren alten Urkunden Amtsbüchern und Akten 
aufgeräumt und Dasjenige, was von juristischem oder geschichtlichem 
oder statistischem Werthe, ausgeschieden und in den Archiven 
niedergelegt, das Uebrige makulirt werden. Dazu ergab sich um 
so mehr Anlass, als in den letzten beiden Jahrzehnten eine weit- 
greifeude Umgestaltung und Ortsverlegung der Aemter im Lande 
vor sich ging. 

Im Ganzen wurden in den letzten zehn Jahren aus Amts- 
registraturen an die Landesarchive abgegeben: 

1,452 Urkunden, 
59,273 Aktenhefte, 
8,427 handschriftliche Amtsbücher, 
5,679 Rechnungshefte, 
190 Grundrisse und Pläne. 

Zu diesen zifFermässig festzustellenden Nummern aber kommen 
noch hinzq : 

10,418 Akteufaszikel und 

207 Kisten voll Akten, deren Inhalt oder Um- 
fang sich aus den Jahresberichten der Kreisarchive noch nicht 
genauer entnehmen liess. 

Vom Jahre 1874 an bis 1877 war der Zuwachs ziemlich stätig 
im Zunehmen. Dann scheinen die Registraturen fürs Erste sich 
ihrer ältesten Aktenmassen entledigt gehabt zu haben; denn die 
beiden folgenden Jahre 1878 und 1879 Hessen eine merkliche 
Minderung au Archivalienzugang ersehen. In den Jahren 1880 und 
1881 stiegen die Ausscheidungen wieder, jedoch nicht mehr so 
hoch als in den ersten Jahren, sehr bedeutend dagegen noch einmal 
in den beiden letzten Jahren 1882 und 1883. 

Entschieden am meisten floss in der ganzen Zeit dem Kreis- 
archiv Würzburg zu. Sodann hatte besonders Nürnberg einen ganz 
enormen Zuwachs in den Jahren 1882 und 1883, weil seine neuen 



AuB den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 253 

schönen Bäumlichkeiten nunmehr zur Aufnahme bereit waren. Aber 
auch die Ereisarchive München und Neuburg haben grosse Akten- 
massen bekommen , Neuburg hauptsächlich in den letzten zwei 
Jahren aus demselben Orunde wie Nürnberg. Landshut hatte 
reichen Zufluss besonders an Bechnungs- Heften und -Bänden. Bei 
Bamberg ist besonders i. J. 1883 ganz bedeutende Vermehrung 
zu konstatiren. Am geringsten blieb der Zugang in Speyer, theils 
weil die Bheinpfalz schon in dem vorhergehenden Jahrzehent ab- 
gesucht war, theils weil sie in der französischen Zeit nicht wenig 
von ihren alten Akten eingebüsst hat. Ins Beichsarchiv, das in 
Bezug auf die letzten Jahrhunderte nur für einige Gruppen der 
sachgemässe Lagerort ist, kam der verhältnissmässig geringste Theil 
der aus Amtsregistraturen herrührenden Massen. 

Alle diese Ajchivalien wurden bei den k. Behörden und 
Stellen Stück für Stück verzeichnet; dann von jedem einzelnen 
Archiv, für welches sie sich eigneten, Nummer für Nummer begut- 
achtet; sodann hatte das Beichsarchiv als Zentralstelle das Outachten 
zu prüfen und darüber zu entscheiden; endlich musste das be- 
treffende Archiv die zugesandten Archivalien mit dem Eiusendungs- 
verzeichniss vergleichen. War Uebereinstimmung vorhanden . so 
wurde alsbald zur Begestirung resp. Bepertorisirung geschritten, 
oder, wenn die Zeit dazu nicht herauszubringen, das Einsendungs- 
verzeichniss vorläufig zum Handgebrauch dadurch eingerichtet, dass 
es ein alphabetisches Inhaltsverzeichniss je nach Orten, Personen, 
und Sachen erhielt. 

n. Die zweite Quelle des Archivalienzuwachses 
war Schenkung und Deponirung von Privaten und 
Gemeinden. Dieser Herkunft waren hauptsächlich Urkunden und 
Folianten, da in Familien und Gemeinden man auf die Akten 
weniger geachtet hat. Es kamen aber auf solche Weise in den 
letzten zehn Jahren in die k. Archive, soweit sie in den einzelnen 
Jahresberichten der JE[reisarchive nach Ziffern ausgeschieden sind, 
6,847 Urkunden, 

2,375 Eodizes, Chroniken, Amtsbücher und Aktenhefte, 
10 Grundrisse und Pläne. 

Der grösste Theil dieser Schenkungen, weil in alten Urkunden 
bestehend, kam wohl ins Beichsarchiv; doch auch die Ereisarchive 
nahmen an solchem Zuwachs Theil, besonders durch Deponirung 
von Gemeinden. 



254 Löher: 

Selten aber erfreute sich ein Archiv einer Schenkung, ohne 
dass von ihm selber jede Anregung dazu gegeben war. Nur 
einige wenige Ministerialbeamte und Ortspfarrer zeigten soviel 
wissenschaftlichen Sinn und Edelmuth, um von freien Stücken Ur- 
kunden an Landesarchive zu übeiTeichen. In allen übrigen Fällen 
mussten die alten Schriftstücke von den Archivbeamten selbst auf- 
gesucht, oft in ihren Verstecken erst ausgeforscht, und alsdann die 
Besitzer, nicht selten durch lange Verhandlungen, bewogen werden, 
die Archivalien durch Niederlegung in den Landesarchiven nutzbar 
zu machen und zugleich vor weiterer Verschleuderung zu sichern. 

Es seien hier — nicht die zahlreichen Archivalienerwerbungen, 
welche auch in den letzten zehn Jahren dem Reichsarchiv gelangen, 
— sondern nur einige grössere Gruppen erwähnt, deren Erwerb für 
die Kreisarchive hauptsächlich dem persönlichen Betreiben von 
deren Beamten zu danken. Das Ereisarchiv zu Amberg erhielt 
vom Magistrat zu Cham 1,070, von dem zu Nabburg 291 Urkunden. 
Landshut erwarb das Baron Widemann'sche Archiv von Heilig- 
blut, das des Klosters Seligenthal, das nicht weniger als 1,115 Ur- 
kunden vom 13. Jahrhundert an enthielt, ferner 83 alte Urkunden 
vom Magistrat zu Rottenburg, 23 dergleichen vom Magistrat zu 
Pfeffenhausen, und ausserdem reichliche Archivalien vom Pfarrer 
Erb in Laberweinting, vom Gutsbesitzer Deser in Saldenburg, und 
vom Benediktinerstift Metten. Das Kreisarchiv zu München machte 
an den alten Akten der bayerischen Hofjagdintendanz einen hüb- 
schen Gewinn. Neuburg erhielt vom Magistrat zu Qundelfingen 
80 Urkunden; es erwarb auch einen werthvoUen Theil des Pfalz- 
Neuburger Archivs wieder, der vor sechszig Jahren fahrlässig genug 
versteigert worden. Das Kreisarchiv in Speyer erbat und erhielt 
von einer Menge Personen rhoinpfalzische Urkunden und Akten. 
Würzburg gelang es, ein Regierungsdepositum, bestehend in 
1,013 Saal- und Amtsbüchern, das vor einem Menschenalter die 
Universitätsbibliothek erhalten hatte, der Letzteren abzuringen, und 
von k. Stellen und Behörden im Kreise Unterfranken 137 Urkunden, 
6,626 + 1,606 Akten, 2,014 Saal-Lehen- und andere Amtsbücher, 
13,394 Rechnungshefte, 1,690 Katasterbände und eine Menge Grund- 
risse und Pläne zu sammeln. 

Wie Bedeutendes Hesse sich noch erwerben, hätte jedes Archiv 
nur eine kleine Summe jährlich zur Verfügung, um die Kosten 
archivalischer Forschungsreisen seiner Beamten zu bestreiten ! Denn 



AuB den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 255 

es ist unglaublich, welche Menge werthvoller Archivalien noch in 
alten Kammern, Speichern und Gewölben umherstecken, und wie 
viel davon alljährlich in die Hände von Antiquaren geräth und 
gewöhnlich seinen Weg aus dem Lande findet. 

in. Die dritte Ursache des Zuwachses war Ankauf. Auf 
diesem Wege wurden erworben in den letzten zehn Jahren: 

2,472 Urkunden, 
172 Aktenstücke, 
15 Kodizes, Chroniken, Giltbücher u. dergl. 

Auch hiebei fiel die Mehrzahl der erworbenen Stücke dem 
Reichsarchiv zu, weil werth volle Gegenstände dieser Art nur ihm 
angeboten werden; jedoch auch einzelne Kreisarchive, besonders 
Würzburg, haben mitunter namhafte Ankäufe gemacht. Die Kosten 
aber dafür mussten an andern Posten gewöhnlich mühsam erspart 
werden. Wo aber wichtige Dokumente entdeckt worden, die nicht 
zu erlangen sind, musste man sich mit Abschrift nähme oder 
wenigstens mit Konstatirung im Korrespondenz wege , nach Um- 
ständen auch mit Hülfeleistung behufs besserer Ordnung und Ver- 
zeichnung begnügen. Solche Aushülfe wurde von Archivpraktikanten, 
jedoch nur in ihrer Urlaubszeit, geleistet. Das Kreisarchiv zu 
Speyer hat sich eine Menge Kopien von Urkunden, Ahnentafeln 
und Wappen gefertigt, deren Originale in preussischen Archiven, 
und das Reichsarchiv hat nach und nach sich Uebersichten über 
den Inhalt des Augsburger Stadtarchivs verschafft, das Kreisarchiv 
zu Neuburg über den Befund in Kempten, Memmingen, Dillingen, 
Mindelheim. 

IV. Was schliesslich die Gesammtmenge betrifft, so sind 
in den letzten zehn Jahren weit über hunderttausend Stück von 
wohl der Aufbewahrung werthen Urkunden, Kodizes, Amtsbüchern 
und Akten in die Landesarchive gewandert. 

Ueber alles noch in Städten Dörfern und Schlössern, bei 
Pfarrern und Stiftungen Zerstreute, das ermittelt worden, wird sorg- 
faltig Buch geführt, um bei guter Gelegenheit daran erinnert zu 
werden, dass die erforderlichen Schritte geschehen müssen. 

ß. Zuwachs 1882 und 1883. 

Des Näheren ist jetzt der Zugang für die letzten beiden Jahre 
zu verzeichnen. 



256 Löher: 

I. Reichsarchiv. 

a) Von kgl. Stellen und Behörden. 

Aus München erhielt das Beichsarchiv eine grosse Partie 
Akten vom Geh. Staatsarchiv, sämmtlich Hochstift Eichstädtische 
Sachen; dann vom Oberlandesgericht zu Bamberg eine umfang- 
reiche Anzahl Druckschriften und eine Reihe Akten, meist politi- 
schen Inhalts; ferner kamen ins Reichsarchiv von der General- 
Bergwerks- und Salinen - Administration ein Sammelband; vom 
Regierungs-Präsidium von Oberbayern ein Repertorimn ; von der 
Staatsschuldentilgungskommission eine Anzahl Urkunden; von den 
Amtsgerichten Friedberg und Ingolstadt einzelne Archivalien, nament- 
lich Saalbücher, die an das Kreisarchiv Neuburg wieder abgegeben 
wurden. 

b) Durch Schenkungen. 

Auch nach dieser Richtung wurde das Reichsarchiv reich in 
den beiden Jahren bedacht, namentlich wieder von den alten Oön 
nern, den geistlichen Räthen Dr. Prechtl zu Freising und Pfarrer 
Obermayr zu Hohenpercha. Jener übergab Lehen- und Stiftungs- 
briefe und Weisthümer, Dieser Schriften, die der verstorbene Ober- 
bibliothekar Föringer gesammelt hatte. Ferner machte Dr. Grube 
zum Geschenk einen Spruchbrief von 1477, Oberst von Fackenhofen 
einen Stammbaum, Gottfried Eigner eine Lütticher Urkunde, Graf 
Adelmann einen Adelsbrief, der würtembergische Oberst Freiherr 
Franz v. NotthaflFt übergab Urkunden für den Adelsselekt, und 
Oberst Hoffmann eine Genealogie Der von Mercy. Auszuzeichnen 
sind besonders die Schenkung des Ministerialraths Dr. v. Ziegler, 
bestehend in einer grösseren Partie Urkunden, welche auf die früher 
im Besitz der Familie Ziegler befindlichen Hofmarken Schonstett 
und Stephanskirchen sich beziehen, und die Schenkung von Frau 
Ministerialraths- Wittwe Heintz, die aus dem Nachlass ihres Mannes 
mehrere Fürstensachen und Religionsakten hergab. 

c) Deponirung. 

Nächst dem umfangreichen Hohenaschauer Archiv, dem an- 
geblich verloren gegangenen Archiv der ehemaligen Reichsstadt 
Weissenburg am Sand, und den schönen Urkundenarchiven von 
Freising und anderen altbayerishen Städten war in den beiden letzten 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 257 

Jahrzehnten keine Erwerbung so erfreulich, als der Gewinn der 
grossen Archive zu Friedenfels und Miltenberg. 

Das Geschlecht der Notthafft Freiherrn v. Weissen- 
stein nahm durch Ansehen und Güterreichtum wie durch Verbin- 
dungen mit anderen berühmten Familien, Städten und Prälaten in 
der ganzen zweiten Hälfte des Mittelalters und bis nach dem dreissig- 
jährigen Krieg eine hervorragende Stellung ein und hielt dabei sein 
Archiv in guter Ordnung. Um dasselbe vor fernerer Verschleuder- 
ung, die ihm in den letzten Jahrzehnten die schönen Kodizes ge- 
kostet hatten, sicher zu stellen, verhandelte der Reichsarchivdirektnr 
zu Friedenfels wiederholt mit den Mitgliedern der Familie und holte 
von dort im März 1882 die Urkunden und Akten ab, um sie als 
„NotthafFt'sches Familienarchiv'' dem Keichsarchiv einzuverleiben. 
Die Zahl der Urkunden, grösstentheils auf Pergament, beläuft sich 
auf 1184 Stück, deren Reihe schon im Jahre 1210 beginnt und zur 
Geschichte der bayerischen Herzoge und Landestheile, nicht selten 
auch des deutschen Reichs, sowie Hollands, höchst erwünschte Be- 
lege gibt. Der Urkunden römischer Kaiser und Könige sind nicht 
weniger als 79, der bayerischen Herzoge Kurfürsten und Könige 
126, der österreichischen Erzherzoge, ungarischen und böhmischen 
Könige, auch spanischen Infanten 21, der Landgrafen von Leuchten- 
berg 16, der Kardinäle und Bischöfe ebenfalls 16. Für die bayer- 
ische Orts- und Landesgeschichte sind auch die Akten von Werth, 
da sie weit über vierhundert verschiedene Herrschaften und Fami- 
lien, Städte und Orte berühren, und von Gesandtschaften zum Kaiser- 
bof, Land- und Reichstagen, und allgemeinen Landesangelegenheiten 
handeln. Jeder der noch lebenden sieben Herren Notthafft Frei- 
herren V. Weissenstein erhält Abschrift eines Verzeichnisses der in 
ihrem Familienarchiv befindlichen Stücke und kann sich dieselben 
stets kostenfrei vorlegen lassen. Im Uebrigen wird dieses Archiv 
gleichwie andere Archivalien verwaltet und benützt. Nach den Be- 
stimmungen des Depositalvertrags werden aber diese Urkunden und 
Akten wohl für immer dem Reichsarchiv verbleiben. 

Bedeutender noch, als diese Depositalerwerbung, war die andere. 
Der vielgewandte Herausgeber der Rheingauischen Alterthümer 
Bodmann, früher Professor, dann Domänenkammer- Präsident zu 
Mainz, hatte in der Zeit der französischen Kriege zu Ende des 
vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts von alten Urkunden Kodizes 
Akten und Amtsbüchern, die man damals als unnützes, ja verhasstes 

Archlvalisiche ZeltechrifL IX. 17 



258 Löher : 

Gerumpel des Mittelalters yerschleuderte, eine sehr bedeutende Menge 
gerettet und zusammengebracht, wohl meist auf rechtlichem, hin 
und wieder auch auf anderem Wege, wie leider auch ein im Würz- 
burger Kreisarchiv verwahrter üntersuchungsakt darthut. Was irgend- 
wie alterthümlich , auch lose Siegel Notariatszeichen Bechtsbücher 
Bildnisse, — raffte Bodmann zusammen. Konnte er ein Schriftstück 
nicht selbst erwerben, machte er sofort sich Abschriften oder Aus- 
züge, und zwar mit unendlichem Pleiss und Eifer. 

Während aber die grosse Sammlung nach seinem 1820 erfolgten 
Tode zehn Jahre lang im Besitze seiner Familie war, erlitt sie durch 
Unkunde und Fahrlässigkeit mannigfachen Verlust. Vergebens gab 
der kenntnissreiche Archivar Habel von Schierstein sich alle Mühe, 
um eine deutsche Regierung zum Ankauf zu vermögen, und damit 
nicht noch mehr zu Grunde gehe, kaufte er selbst die ganze Samm- 
lung, erwarb auch noch Einiges hinzu, und brachte sie im Jahre 1865 
mit seinen Alterthümern und Kunstschätzen nach dem sechs Jahre 
früher von ihm erworbenen Schlosse zu Miltenberg. Stets hoffend, 
noch selbst die Urkunden zu ordnen und literarisch zu verwerthen, 
sowie durch unangenehme Erfahrungen verstimmt, liess er nur aus- 
nahmsweise Andere hinzu, verfügte jedoch letztwillig die Gestattung 
einer allgemeinen Zugänglichkeit für wissenschaftliche Zwecke. Es 
hatte aber in Folge des früheren Verschlusses nicht fehlen können, 
dass über Werth und Umfang dieses Archivs sich vielerlei Sage 
entspann. Das Schloss Miltenberg erbte mit all' seinem Inhalt 
Habeis Neffe, der preussische Kreisrichter a. D. Herr Conrady, der 
alsbald Geschichtsforscher durch Benützungserlaubniss und leihweise 
Zusendung einzelner Stücke erfreute. Die Archivalische Zeitschrift 
veröffentlichte vor sieben Jahren zum erstenmale eine üebersicht 
über das vielberufene Archiv auf der Miltenburg, verfasst vom kgl. 
preussischen Archivar Götze, der drei Wochen dort arbeitete. Seit- 
dem steigerte sich natürlich der Zudrang von Forschern. 

Als der unterzeichnete ßeichsarchivdirektor in den beiden 
letzten Jahren auf Dienstreisen zweimal in die Nähe Miltenbergs 
kam, stellte er dem Eigenthümer und dessen bei ihm lebenden 
Bruder, Herrn Pfarrer Conrady, vor, wie sehr es der deutschen 
Geschichtsforschung dienen werde, wenn die Miltenberger archiva- 
lischen Schätze in einem Staatsarchiv Allen leicht zugänglich und 
zugleich auf immerdar gegen jede Verschleppung gesichert seien. 
Beide Herren gingen ebenso liebenswürdig als hochherzig darauf 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 259 

ein , da Beide selbst wissenschaftlich thätig sind und beseelt vom 
reinsten Interesse für deutsche Geschichtsforschung, und es kam 
ein Vertrag zu Stande, nach welchem sämmtliche Archivalien auf 
dem königlichen allgemeinen Reichsarchiv in München als eine beson- 
dere Gruppe unter dem Namen „Habersches Archiv" aufgestellt, die 
einzelnen Stücke als zu dieser Sammlung gehörig bezeichnet, und der 
wissenschaftlichen Benützung geradeso wie andere Archivalien des 
Hauses frei gegeben werden. Eigenthum und Rückforderungsrecht 
bleiben Herrn Kreisrichter Conrady und seinen blutsverwandten 
Rechtsnachfolgern gewahrt, jedoch kann das letztere nur unter 
bestimmten Bedingungen zur Ausführung kommen. Nicht die ge- 
ringste Gegenleistung bedang sich Herr Conrady vor, als dass er 
kostenfrei amtlich beglaubigte Abschriften der Regesten und Reper- 
torien, die im Reichsarchiv herzustellen, und auf Verlangen ein- 
zelne Stücke zu sachgemässer Benützung zugesendet erhalte. Auch 
machte er zur Bedingung, dass sämmtliche deutsche Archive, auf 
deren Landesgebiet Bestandtheile des Haberschen Archivs Bezug 
haben, durch Veröffentlichung der Verzeichnisse in der ALrchivalischen 
Zeitschrift sowie durch besondere Zuschrift von Seiten des Reichs- 
archivs darauf aufinerksam gemacht und ihnen bei Benützung alle 
thunliche Erleichterungen gewährt werden. Diese Bedingungen sind, 
soweit eine archivalische Verzeichnung bis jetzt durchzuführen war, 
erfüllt worden. 

Bei dieser zeigte sich, dass 1055 Urkunden im Original und 
214 im Eacsimile, im Ganzen 1269 vorhanden. Die Zahl der Eo- 
dizes, Chroniken, Aktenhefte und handschriftlichen Arbeiten von 
Gelehrten beläuft sich auf 285. Ausserdem fanden sich ein paar 
tausend einzelne Siegel und ein paar hundert Notariatszeichen. Wie 
Bodmann Alles und Jedes, was geschichtlich merkwürdig, sammelte 
und welchen grossen Reichthum er zusammenbrachte, zeigte bereits 
der gedrängte Ueberbück in der Archivalischen Zeitschrift, der 
nicht weniger als Seite 146 bis 206 des H. Bandes in Anspruch 
nahm« Um nur Einiges hervorzuheben, so sind für deutsche 
Rechtsgeschichte vorhanden: Kaiser Ludwigs Rechtsbuch, Kaiser 
Friedrichs 111. Landrecht, Augsburger Bamberger Kölner Nymweger 
und Würzburger Stadtrechte, Ostfriesische Statuten, Heppenheimer 
Centbuch, Glogau-Liegnitzer Eherecht ; — zur deutschen Geschichte : 
Briefe und Akten zur Geschichte des Albrecht Achilles und Franz 

von Sickingen, des Schwäbischen Bundes, des Bauernkriegs und der 

17* 



260 Löher: 

Elsasser Landvogtei, Erfurter Universitäts- und Mainzer und Trierer 
Jesuitensachen; — neben einem Schachzabelbuch findet sich ein 
Delmenhorster Schatzregister und Hans Frauenlob nebst andern 
Minnesängern; — der Heraldik dienen Tetzels Familienbuch und 
eine Augsburger Hauschronik, beide mit Wappen ; — Illustrationen 
zeigen ein Zinsbüchlein von 1573 und eine Kletgauer Landesord- 
nung von 1603. Bei Weitem das Meiste gehört dem sechszehnten 
und siebenzehnten Jahrhundert an. 

d) Durch Ankauf. 
Um den geringen Preis von 114 M. 50 Pf. im J. 1882 und 
um 78 M. 35 Pf. im J. 1883 wurden nicht unbedeutende Archiva- 
lien erworben von Privaten wie von Antiquaren: so von Herrn 
Aigner 97 Urkuden vom 14. — 18. Jahrhundert und 54 Akten aus 
dem ehemals der Familie v. Spieringk gehörigen Schlosse Fronberg 
13 Stück Urkunden altbayer. Gerichte und dergleichen mehr. 

e) Durch Abschriftnahm e. 
Für diese fielen die wichtigen Banzer Urkunden ins Gewicht. 
Vor 67 Jahren waren aus den k. Archiven Sr. kgl. Hoheit Herzog 
Maximilian zu Bayern die Urkunden ausgeantwortet, welche sich 
auf höchstdessen Besitzung, die altberühmte Beichsabtei Banz be- 
zogen. Nachdem der Reichsarchivdirektor dortselbst Zutritt gefunden 
und den hohen geschichtlichen Werth der im J. 1108 beginnenden 
Reihe eingesehen hatte, gewährte Se. kgl. Hoheit die Bitte, dass 
die wichtigsten Stücke im Ereisarchiv zu Bamberg abgeschrieben 
würden. Der dortige Kreisarchivar Dr. Jung machte deshalb in 
jedem der letzen beiden Jahre eine Reise nach Banz, um die Ur- 
kunden auszusuchen, und erhielt auf solche Weise das Reichsarchiv 
beglaubigte Kopien von 15 Urkunden aus den Jahren 1108 — 1309 
und von 12 andern aus dem 14. 15. 16' Jahrhundert, während 
durch die Abschriften der übrigen nach dem Jahre 1400 entstan- 
denen Urkunden systemgemäss das Kreisarchiv zu Bamberg be- 
reichert wurde. 

2. An den Kreisarchiven. 

Viel umfangreicher waren der Natur der betreffenden Akten 
gemäss die Erwerbungen der Kreisarchive, und zwar: 

a) Aus Amtsregistraturen. 
1. Amberg. Diesem Kreisarchiv flössen zu im J. 1882 an 
Akten 892 neue Bestände und 287 Bände Rechnungen und Briefs- 



Aus deu amtlichen Jahresbericliten für 1882 und 1883. 261 

Protokolle aus der Zeit von 1448 bis 1844 und zwar durch die 
Bezirksämter Stadtamhof, Parsberg, Beilngries und Cham, durch die 
Amtsgerichte Neustadt'a/W. und Eschenbach, sowie durch das Rent- 
amt Neuburg v/W. Im J. 1883 wurden dahin extradirt von den 
gleichen Aemtern 26 Archivalienprodukte aus der Zeit von 1803 
bis 1814, femer 996 Akten und 11 grössere mit 202 kleineren Fas- 
zikeln und Büchern. 

2. Bamberg. Hieher gelangte im J. 1882 eine Copia arbi- 
tramenti pronunciati inter abbates monasterii Montis monachorum et 
Laugheim super capella in Wattendorf, sowie eine Reihe grösserer 
Extraditionsbestände Seitens der Bezirksämter Bamberg, Berneck 
und Pegnitz, ferner 6 Grundrisse und Pläne über verschiedene 
Forstreviere und Hölzer vom Forstamte Kulmbach, 3 Faszikel In- 
struktionen, Gränzbeschreibungen und Forstrechnungen vom Forstamt 
Wunsiedel, Waldmarkungsprotokolle und Beschreibungen vom Forst- 
amte Kronach, endlich 98 Stück Urkunden und Akten vom kgl. 
Oberlandesgericht Bamberg. Ausserdem wurden auf Grund der durch 
den damaligen k. Archiv-Sekretär Dr. Wittmann vorgenommenen 
Neuordnung des sog. Kammerarchivs im alten Schlosse zu Bayreuth 
dem Kreisarchive Bamberg 4 Faszikel verschiedener Literalien mit 
einem Repertorium über Bayreuther Bergwerkssachen und 12 Pläne 
und Risse, feruer der siebzehnte Band der Collectanea Mohriana, 
ein Hernsdorfer und ein Lichtenfelser Obleibuch von 1560 resp. 
1614 vom Regierungspräsidium von Oberfranken überlassen. 

Im J. 1883 gestaltete sich die üebernahme neuer Archival- 
bestände noch weit umfassender, was sich namentlich daraus erklärt, 
dass die Einrichtung der neuen Lokale die bislang wegen Raum- 
mangels hinausgeschobenen Extraditionen ermöglichte. So gelangte 
zunächst von den Rentämtern Forchheim, Münchberg, Burgwind- 
heim, Kulmbach, Herzogenaurach, Marktschorgast, Pottenstein, Neun- 
kirchen a. Br., Weismain — von Letzterem allein 25 Tonnen, — 
eine üeberfüUe von Archivalien, bestehend in Lehen- Zins- Gült- 
Lager- Saalbüchern, Urbaren, Steuerbüchern, Rechnungen, Inventar- 
und Klagprotokollen, Güterbeschr^bungen u. s. w. zur Entäusserung 
an das Kreisarchiv. Vom Bezirksamte Wunsiedel wurde eine über 
400 Nummern umfassende Aktenparthie, vom Amtsgerichte Potten- 
stein 39 Inventar- und Klagprotokollbände, vom Bezirksamte Kulm- 
bach 246 Akten, endlich aus Pfarr- und Gemeinderegistraturen mehr 
oder weniger umfangreiche Parthien Urkunden und ürkundenab- 



262 Löher : 

Schriften übernommen. Besondere Erwähnung verdient aber der 
von der Kreisregierung von Oberfranken erfolgte weitere Zufluss 
aus dem ehemaligen Kammerarchiv von nicht weniger als 488 
Bänden und Faszikeln. 

3. Landshut. Das Kreisarchiv erhielt statistisches Material 
von der Kreisregierung von Niederbayern, — Akten über Zehnten 
und Baukonkurrenzen zu den Kultusgebäuden in Leiblfing von den 
Bezirksämtern Erding und Grafenau, — Saalbücher, Stiftungs- und 
Kommunalakten, Familienakten über Adelige vom Bentamte Gries- 
bach, sowie vom Forstamte Landshut ältere Pläne über verschiedene 
grosse Waldungen. Im J. 1833 wurden vom Rentamte Vilshofen 
eine Parthie Akten von 1558 an und von dem dortigen Amtsge- 
richte Briefprotokolle und Kirchenrechnungen des ehemaligen Pfleg- 
und Landgerichts Moosburg von 1600 an, sowie einzelne Archivalien 
vom Amtsgerichte München und vom historischen Vereine von 
Niederbayern übernommen. 

4. München. Es fand ein Zuwachs im J. 1882 statt durch 
zwei Parthien Präsidialregierungsakten , dann 54 Nummern von 
Akten der Regierung von Oberbayern, 23 Akten Seitens der General- 
bergwerks- und Salinenadministration nebst einer grösseren Anzahl 
von Akten, welche durch die Bezirksämter Aichach, Erding, Lands- 
berg, Traunstein, Mühldorf, durch die Rentämter Füssen, Dachau, 
durch das Amtsgericht Friedberg und das Hauptsalzamt Rosenheim 
abgegeben wurden und 1896 Nummern beziffern. Im J. 1883 er- 
hielt das Kreisarchiv vom Amtsgericht Friedberg 400 Bände und 
vom Amtsgerichte Wolfratshausen 252 Bände Brief- und andere 
Protokolle, von den Bezirksämtern Aichach, Brück und Ingolstadt 
zusammen 456 Aktennummern und endlich vom Rentamte Ingol- 
stadt 82 Nummern Akten, Protokolle und Urkunden, zum Theil bis 
in das 14. Jahrhundert zurückreichend. Ausserdem übergab das 
Staatsministerium der Finanzen die Konzepte der von Professor Dr. 
Selling angefertigten Tabellen zur Berechnung der Restergänzungen 
nach Art. 15 und 16 des Grundablösungsgesetzes von 28. April 1872. 

5. Neuburg. Hieher flössen im J. 1882 von nicht weniger 
als 29 und im J. 1883 von 22 verschiedenen Aemtern und Behör- 
den Archivalienmassen. Es mögen hier nur die umfassenderen 
Theile aus dem neugewonnenen reichen Materiale bezeichnet werden. 
So ergaben 1882 die extradirten Akten des Rentamts Nördlingeu 



Aus den amtlichen Jahresberiobten für 1882 und 1883. 263 

24 Abtheilungen, des Bezirksamts Günzburg 555 Nummern, des 
Rentamts Buchloe 83, der Distriktsschul-Inspektion Mindelheim 393, 
des Bezirksamts Füssen 66, des Rentamts Schwabmünchen 771, 
des Bezirksamts Sonthöfen 89, des Amtsgerichts Neuburg 75, des 
Rentamts Neuburg 37 Nummern, während u. A. im J. 1883 die 
üebemahme von 40 Akten des Rentamts Ottobeuern, 482 Nummern 
des Bezirksamts Donauwörth, 7 Eisten Arcbivalien des Regierungs- 
präsidiums in Augsburg, 2 Kisten des Landgerichts Kempten, 
3 Kisten des Rentamts Memmingen, 5 Kisten des Rentamts Kauf- 
beuren, 2 Kisten des Amtsgerichts Neuulm, und 172 Nummern des 
Rentamts Günzburg stattfand. 

6. Nürnberg. Diesem Kreisarchiv gingen allein im J. 1882 
2276 Niunmern zu, und zwar von den Rentämtern Schwabacb, 
Ansbach, Erlangen und Heidenheim, den Stadtmagistraten Yelden 
und Dinkelsbühl, den Bezirksämtern Eichstädt und Nürnberg, sowie 
der Gemeindeverwaltung Auernheim. Im folgenden Jahr -wurden 
die Bestände des Kreisarchivs allein durch Extradition von andern 
Aemtern um 8170 Nummern gemehrt, nämlich von der Regierung 
von Mittelfranken 6383 Nummern an Lehenbänden, Lehenakten, 
Saal- und Lagerbüchern, vom Rentamte Heidenheim 1692 an Rech- 
nungsbänden, Saalbüchern, Rechnungsakten u. dgl. ; der Gesammt- 
bestand hat seit beiläufig zehn Jahren sich um zwei Drittel vermehrt. 

7. Speyer. So sehr auch die Rheinpfalz bereits nach Doku- 
menten abgesucht worden, kam doch noch eine Anzahl von Archivalien 
an aus den Registraturen der Gemeinden Assweiler, Mittelbach, 
Grosssteinhausen und Winterbach, darunter namentlich Akten be- 
treffend den Grundbesitz der Gemeinden Ormersheim, Erfweiler, 
Ehlingen, Schätzungs- und Rentenprotokolle dieser Orte, Gemeinde- 
rechnungsbelege, Verordnungen, Sektionsbücher, Lager- und Register- 
bücher über den Besitzstand in den Gemeinden Grosssteinhausen, 
Kleinsteinhausen, Bottenbach, Riedelberg und Walshausen, endlich 
135 Originalurkunden von der protestantischen Kirchenschaffnei 
Zweibrücken. Das folgende Jahr hatte fast nur Extraditionen aus 
der Registratur der Gemeinde Bebeisheim und des Bezirksamtes 
Kusel zu verzeichnen. 

8. Würzburg. Die Uebernahme entwickelte sich hier in 
weniger umfangreicher Weise, da die Zuweisung einzelner grösserer 
Antiquarbestände der Kreisregierung, des Landgerichts und ein- 



264 Lüher: 

zelner Rentämter und Amtsgerichte wegen Platzmaugels abgelehnt 
werden musste und sich erst wird ausfuhren lassen, wenn die neu- 
gewonnenen Lokale entsprechend werden eingerichtet sein. Die 
gleichwohl übernommenen Neubestände sind gebildet für 1882 aus 
120 neueren Finanzurkunden der Kreisregierung, 10 Akten des 
Bezirksamts Obernburg, 10 Akten des Landgerichts Bamberg, einem 
Kopialbuch von Münsterschwarzach, abgegeben vom Amtsgericht 
Volkach und 4 Protokollbüchern vom Amtsgericht Gemünden. Hiezu 
kamen im J. 1883 an neueren Finanzurkunden 35 Stück, ferner 
die Matrikel des geistlichen Seminars in Würzburg von 1574—95 
und das Album des Jubiläums 1608 — 28 aus der herzogl. Bibliothek 
zu Gotha, endlich 3467 Nummern an Zins- Gilt -Rechnungsbüchern 
und Akten von der Regierungsfinanzkammer von Unterfranken und 
eine Anzahl Akten der Bezirksämfer Königshofen und Lohr und 
des Rentamts Neustadt a/S. 

b) Durch Schenkungen. 

Auch durch Schenkungen wurden mehrere Kreisarchive bedacht, 
und zwar erhielt Bamberg vom Präsidium des Oberlandesgerichts 
in Bamberg nebst einer grösseren Anzahl von Druckschriften auch 
einen Faszikel über die Bamberger peinliche Gesetzgebung aus dem 
ersten Dezennium dieses Jahrhunderts, sowie ein Manuskript des 
früheren Registrators Johann Zink; ferner vom Kaufmann Dresel 
in Nürnberg 5 Pergamenturkunden aus dem 16. und 17. Jahr- 
hundert. In das Würzburger Archiv kam durch Domprediger 
Contzen aus dem Nachlasse seines Vaters eine Pergamenthandschrift 
aus dem 16. und 17. Jahrhundert über des Lorenz Fries und seiner 
Amtsnachfolger Gütlein zu Dippach, sowie eine Zeichnung und Be- 
schreibung des alten Würzburger Archivs von Lor. Fries aus dem 
16. Jahrhundert. Wichtiger als diese dem J. 1882 angehörigen 
Schenkungen sind die des J. 1883 vom Kreisarchiv Neu bürg 
gemachten Erwerbungen einer sehr werthvollen Parthie von Ar- 
chivalien, welche von der Maurermeisterswittwe Wölfle und dem 
Premierlieutenant Adam Müller aus dem Grassegger -Nachlass ab- 
gegeben wurden. Ausserdem erhielt Neuburg noch von privater 
Hand zwei Urkunden vom J. 1796 und 1800, und das Kreis- 
archiv Speyer den Abdruck einer Wald- und Forstordnung vom 
J. 1580 durch Oberförster K. J. Neu in Hagenau, und zwei gräfl. 
von Leiningen'sche Aktenstücke. 



Aus den amtlicheu Jahresberichten für 1882 und 1883. 265 

m 

c) Durch Ankauf. 

Es erwarb im J. 1882 das Kreisarchiv Würzburg gleich- 
falls aus dem Nachlasse des verstorbenen Prof. Dr. Contzen acht 
Urkunden aus den J. 1576 — 1797, eine Rechnung vom J. 1472 
und 79 Aktenprodukte: Korrespondenzen zwischen Pfalz und Würz- 
burg, Franz von Sickingen betr. und die Zeit von 1522 — 1528 
umfassend. Ausserdem kamen durch Ankauf im J. 1883 in das 
Kreisarchiv Neuburg zwei Urkunden und das Fragment eines 
„Gültbuchleins'', und in das Kreisarchiv Würzburg eine Urkunde 
vom J. 1551. 

d) Durch Deponirung. 

Zur Deponirung unter Vorbehalt des Eigenthumsrechts ver- 
mochte man Seitens der Gemeindeu nur in ganz vereinzelten Fällen 
sich zu entschliessen. Das Kreisarchiv Bamberg erhielt als Depositum 
von der Gemeindeverwaltung Drügendorf eine Gemeindeordnung 
dieses Dorfes im Original aus dem J. 1651, und von der Gemeinde 
Posseck 13 Pergamentsurkunden aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 

e) Durch Abschriftnahme. 

Das Kreisarchiv Bamberg Hess sich angelegen sein, manche 
bei Gemeinden und Pfarreien versteckte Schriftstücke von Werth 
auszuforschen und für den archivalischen Gebrauch nutzbar zu 
machen durch Anfertigung von Abschriften oder Regesten von 
wichtigeren Dokumenten oder wenigstens durch Vermerke über das 
Vorhandensein. Zu diesem Behufe wurden von den beiden dortigen 
Beamten die Gemeinden StAflFel stein, Lichtenfels, Zeuln, Graitz, 
Arzberg, Hof, Kirchenlamnitz, Marktleuthen, ßedwitz, Wunsiedel 
und Schirnding dienstlich im J. 1882 bereist. Von der Abschrift- 
nahme der auf das Schloss Banz lagernden wichtigen Urkunden 
war bereits oben die Rede. 

B. Austausch systemwidrig gelagerter Archivalien. 

In Folge der etwas tumultuarisohen Art und Weise, wie in 
den beiden ersten Jahrzehnten unsers Jahrhunderts die in Klöstern 
und Stifterr, Reichsstädten und Schlössern vorgefundenen Archivalien 
an den ersten besten Sammelplatz eingeschickt wurden, und in Folge 
mancher spätem Verschleppung, wenn Zeit und Hände nicht hinreich- 
ten zur systemgemässen Ordnung und Vertheilung, ist eine grosse 
Menge in die unrichtigen Archive gelangt. So viel auch in dieser 



266 Löher: 

Richtung schoQ geschehen, immer finden sich, öfter ganz ver- 
einzelt, noch Urkunden, Amtsbücher und Akten, die nicht dort 
lagern, wo man sie suchen muss. £s entwickelte sich deshalb auch 
in den letzten beiden Jahren wieder ein lebhafter Austausch zwi- 
schen dem Beichsarchiv und den Kreisarchiven und zwischen den 
letzteren unter einander. Um ein Beispiel anzuführen, erhielt das 
Kreisarchiv zu Würzburg von der Archivcentralstelle 55 Akten 
des Ritterkantons Odenwald aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und 
mehrere einzelne Archival-Produkte, und gab an dieselbe ab 31 Ur- 
kunden von 1219 — 1391 aus dem Archive der Johanniter-Kommende 
zu Würzburg, 7 Urkunden aus dem ehemaligen Deutschordens- 
Archiv zu Mergentheim aus dem 13. und 14. Jahrhundert, sowie 
noch weitere 4 Urkunden mit verschiedenen Betreffen aus dem 
14. Jahrhundert stammend. Unter den Kreisarchiven stellte sich 
als die hervorstechendste Arbeit in dieser Hinsicht dar die Bam- 
berger Fortsetzung und Beendigung der bereits im Sommer 1881 
begonnenen Ausantwortung von fränkischen Kreistagsakten an das 
Kreisarchiv Nürnberg, das von Bamberg auch zwei Kopialbücher 
der Stadt Nürnberg und zwei Chroniken des Klaraklosters sowie 
mehrere Akten, und von Neuburg Akten des Bezirksamtes Eichstädt 
in 71 Packen erhielt. Sendungen dieser Art werden bei Gelegenheit 
und der Kosten Verminderung wegen in amtlichen Postpäcken gemacht 

C. Konservirungsaufgaben. 

[Ausser den jährlich zu bestimmten Zeiten wiederkehrenden 
Arbeiten, welche das Ausreinigen und Abputzen der Gestelle, Schreine 
und Schiebläden, sowie das Abstäuben und Säubern, und wo nöthig 
das Lüften und Neueinbinden von Archivalien und Wiederzusammen- 
setzen der Siegel umfassen, kommen jedes Jahr ein paar Säle zu 
gründlicher Durchreinigung, bei welcher kein Akt und Faszikel unauf- 
gebunden bleibt.] Je nach Umständen bieten sich in dieser Beziehung 
noch andere Aufgaben. So mussten im Kreisarchiv Bamberg 
während der Einrichtungsarbeiten in den fünf inneren Gewölben 
diese gänzlich geräumt werden, und wurde für die Karten und 
Pläne bei dem Einbringen neuer Gestelle eine sachgemässere 
Lagerung erzielt. Aehnliches geschah im Kreisarchiv Neu bürg, 
als endlich dumpfe Lokale verlassen und die dort lagernden Be- 
stände in andere, namentlich in den grossen Theatersaal gebracht 
wurden. Umfassendere Reinigungsarbeiten gingen auch im Kreis- 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 267 

archiv Würzburg vor, wo überdies die gesammte Amtsbibliothek 
einer gründlichen Säuberung unterzogen wurde. Am oberbayerischen 
KA. in München, wo in den untern Gewölben Arbeiten dieser Art 
dringend noth thun, konnte theils aus Raum-, theils aus Beamten- 
mangel die Aufgabe nicht gründlich erledigt werden. 

D. Ausscheidung zum Einstampfen. 

Makulirungsarbeiten wurden auch in den letzten beiden Jahren 
in den verschiedenen Kreisarchiven theilweise angebahnt, theil weise 
zu Ende geführt. Es bedarf kaum der Erwähnung, dass dabei jedes 
einzelne Stück sorgfaltig untersucht und verzeichnet wurde und 
nicht eher zum Einstampfe gelangte, als bis die betreflFenden Be- 
richte und Verzeichnisse an der Archivcentralstelle reichlich ge- 
würdigt waren. Das KA. Amberg verkaufte über 20 Zentner aus- 
geschiedener Akten. Auch in Bamberg München Neuburg Speyer 
geschahen die vorbereitenden Arbeiten, um sich ganz werthloser 
Aktenbestände zu entledigen, die in früheren Zeiten, weil Zeit und 
Lust zur näheren Durchsicht fehlten, einstweilen in den Archiven 
untergebracht wurden. 

L Auslieferung von Archivalien an andere Stellen oder Staaten. 

Nach dieser Seite hin wurde in einigen Archiven Vieles vor- 
bereitet, das jedoch noch nicht zum Vollzuge kam. Nur das KA. 
Neuburg gab Akten über ein Frühmessbenefizium an das Bezirks- 
amt Memmingen ab. 

IV. Geschäftsbetrieb. 

1. Geschäftsvertheilung. 

Grundsatz ist hiefür, dass in erster Linie erledigt werden 
Personal- Bau- und Rechnungssachen; sodann die Recherchen für 
die verschiedenen Arten von Archivbenützung, wobei die Rechts- 
und Vermögensfragen den Vorrang haben vor den wissenschaft- 
lichen, und Behörden und Stellen- vor Privaten ; es folgen alsdann 
die Arbeiten bezüglich der Archivbestände, wie sie im vorigen 
Abschnitt beschrieben worden; endlich die inneren Ordnungsarbeiten. 
Es hat jeder Beamte und Praktikant, was das Regestiren und Re- 
pertorisiren, Beschreiben und Herrichten der Archivalien betrifft, 
seine bestimmte Gruppe übernommen, an welcher er fortarbeitet, 
sobald die übrigen Dienstgeschäfte ihm Müsse lassen. Im Reichs- 



268 Löher: 

arcliiv bewährte es sich, insbesondere die laufenden Geschäfte so 
zu vertheilon, dass Jeder vollauf beschäftigt ist, jedoch so weit 
thunlich gerade solche Aufgaben bearbeitet, die seiner besondern 
Vorbildung und Neigung entsprechen. Daher hat der Eine mehr 
Untersuchungen und Berichte zu juristischen und administrativen 
Zwecken, der Andere mehr historisch-wissenschaftlicher, der Dritte 
heraldischer und sphragistischer Natur, der Vierte Regie- und Rech- 
nungssachen. Bezüglich der Personalveränderungen ist zu bemerken, 
dass das Arbeitsgebiet des Professors Dr. Heigel hauptsächlich dem 
Reichsarchiv-Assessor Dr. Stieler zufiel, jedoch Reichsarchiv- Assessor 
Freiherr v. Oefele und Reichsarchiv-Sekretär Dr. Wittmann daran 
Theil nehmen, während das Referat des Kreisarchivars Dr. Geib meist 
unter ihnen getheilt wurde, insbesondere der Erstere Münchener, 
der Andere Bamberger Sachen zu bearbeiten bekommt, da Jener 
längere Zeit am KA. zu München, dieser an dem zu Bamberg an- 
gestellt war. Die Ueberwachung des Kanzleidienstes im Reichsarchiv 
wurde Dr. Wittmann übertragen, der Bibliothekdienst dem Akzessist 
Dr. Leist, und hat der Letztere mit dem Praktikant Löher auch 
die Aufsicht und Verbuchung im Archivbenützersaal zu führen. 

In den Kreisarchiven wird das Prinzip der möglichst gleich- 
heitlichen Vertheilung sowohl der äusseren laufenden Dienstgeschäfte, 
als auch der inneren Ordnungsarbeiten zwischen Vorstand und 
Nebenbeamten beobachtet. Auch werden Funktionäre und Diener 
nach Massgabe ihrer Zeit und Befähigung — von den ihnen speziell 
obliegenden Verrichtungen abgesehen — zu verschiedenen andern 
amtliehen Arbeiten beigezogen. 

2. Visitation der Kreisarchive. 

[Da sich die Visitation nicht nur über das Vorhandensein der 
Bestände, sondern auch über sämmtliche Zweige der Geschäfts- 
führung erstreckt, so nahm sie durchschnittlich für jedes Kreis- 
archiv eine Woche in Anspruch.] 

Wenn im J. 1882 nicht dem Herkommen gemäss vier, sondern 
nur drei Visitationen — nämlich zu Amberg und Speyer durch 
den Reichsarchivdirektor , zu Würz bürg durch Reichsarchivrath 
Auracher — Statt fanden, so hatte dies seinen Grund darin, dass 
bei Abgang des bisherigen Vorstandes am KA. zu München eine 
Extradition an seinen Nachfolger in Aussicht stand, womit doch 
cinigermassen auch eine Untersuchung der Bestände und der Oe- 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 269 

Schäftsführung verbunden war. Diese Uebergabe an den k. Kreis- 
archirar Dr. Geib erfolgte im Januar 1883. 

Im J. 1883 wurden die Kreisarchive inspizirt, und zwar: 
Bamberg durch den Reichsarchivdirektor, Landshut und Neu- 
burg durch Reichsarchivrath Auracher. Die Visitation zu Nürn- 
berg wurde verschoben bis in den Januar dieses Jahres, um 
füglicher mit derselben die Prüfung und Einrichtung der Arbeiten 
zu verbinden, welche bezüglich der grossen Akteuausscheidung für 
den Stadtmagistrat im Gange sind. 

S.Ausbildung der Praktikanten. 

Aus der Reihe der Praktikanten am Reichsarchiv wird zur 
praktischen Einübung in den verschiedenen Dienstzweigen, namentlich 
um erweiterte Gelegenheit zu Recherchen und Berichterstattung zu 
bieten, in der Regel Einer dem Kreisarchiv zu München auf eine 
Zeitlang zugewiesen. So im J. 1882 Dr. Mayerhofer vom 1. Mai 
bis 7. November, und Dr. Grauert vom 7, November bis Ende 
Dezember. Es erhielten Dr. Hansen am Kreisarchiv Würzburg bis 
zum 1. November 1882, und die im Laufe desselben Jahres als 
Reichsarchivpraktikanten aufgenommenen Funktionäre Gobi in Würz- 
burg und Sebert in Landshut dortselbst Anleitung zum Recher- 
chiren und Repertorisiren, Fertigen von Berichten und Führen der 
Geschäftsbücher; daneben wurden die beiden Letzteren zu Kopirungs- 
und Mundirungsarbeiten verwendet. Auch wurde Dr. Hansen und 
Göbl in Würzburg Gelegenheit gegeben, durch Besuch von Univer- 
sitätsvorlesungen ihre Kenntnisse zu erweitern. Im J. 1883 war, 
wie bereits oben erwähnt ist, Dr. Hansen zur mehrmonatlichen 
Vertretung des Nebenbeamten in Bamberg abgeordnet und Sebert 
während des ganzen Jahres in Landshut beschäftigt. 

4. Archivschule. 

Diese wird regelmässig das ganze Jahr hindurch gehalten zur 
selben Zeit, wo an der Universität die Vorlesungen stattfinden, und 
zwar wöchentlich zwei Stunden. Die erste Stunde dient zur Ein- 
übung im Lesen der Urkunden und Kodizes, in der andern Stunde 
hält der Reichsarchivdirektor Vorträge in historischen Hilfswissen- 
schaften, insbesondere in Archivkunde und Urkundenlehre. Hin und 
wieder unterstützten ihn dabei die Akzessisten Dr. Leist und 
Dr. Laistner. Die Praktikanten sind ausserdem nicht nur beständig 



270 



Löber: 



in praktischer Archivschule, weil sie fortwährend Urkunden und 
Kodizes, Amtsbücher und Akten archivalisch bearbeiten und ihre 
schriftlichen Leistungen dieser Art geprüft werden, sondern sie 
haben auch von Zeit zu Zeit Aufgaben wissenschaftlicher Natur, 
die ihnen der Reichsarchivdirektor stellt, schriftlich zu lösen. 

Die Archivschule war, namentlich des Winters, so lebhaft 
von Studenten besucht, dass sie im Archivbenützersaal dichtgedrängt 
sassen, und wiederholt die Frage sich vordrängte, ob denn nicht 
an der Universität oder im Beichsarchiv ein grösseres Lokal dafür 
zu gewinnen? Allein es stand hier die Schwierigkeit des Heizens, 
dort die Unmöglichkeit entgegen, die vielen und kostbaren Archi- 
valicn, deren Erläuterung die Vorträge anschaulich macht, hin und 
her zu bringen. 

5. Taxerträgnisse. 

Da für jede Art von wissenschaftlicher Archivbenützung nicht 
das Geringste an Gebühren erhoben wird, und selbstverständlich 
auch da nicht, wo irgendwie öffentliches Interesse im Spiele ist, so 
bleibt nur die vermögensrechtliche und genealogische Archivbeuützung 
zu taxiren. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Umfang und 
Zeitdauer der Recherche, wobei insbesondere in Betracht zu ziehen, 
wie viele Unterarchive bei einer Sache haben mitarbeiten müssen. 

Für die Jahre 1882 und 1883 wurden im Zusammenhalt mit 
den drei Vorjahren Taxerträgnisse wie folgt abgeführt: 







1883. 


1882. 


1881. 


1880. 


1879. 






tMt 


*Mi 


c^u 


tmt 


c^K 


Reichsarchiv .... 


153, 


142,50 


173,30 


279,- 


266,40 


Kreisarchiv 


' Amberg . 


10,20 


4,20 


12,- 


8,80 


6,30 


11 


Bamberg . 


71,40 


40,30 


22,- 


59,50 


9,45 


r 


Landshut . 


22,50 


28,70 


30,10 


21,- 


13,20 


11 


München . 


13,90 


3,06 


1- 


3,- 


4,90 


11 


Neuburg . 


22,80 


57,70 


18,- 


12,- 


6,- 


11 


Nürnberg . 


14,- 


17,- 


45,50 


60, 


18,20 


11 


Speyer . . 


43,- 


8,- 


29,50 


108,40 


5,- 


11 


Würzburg 


81,60 


66,80 


65,30 


63, 


71,70 



Aas den amtlichen Jahresberichten ffir 1882 und 1883. 271 

6. Begiewesen. 

A. Im Allgemeinen. 

Die herkömmliche Sparsamkeit in Verwendung der Regiemittel 
blieb an sämmtlichen Archiven, soweit sich das von der Central- 
stelle überschauen liess, unausgesetzt in Uebung. Nach Deckung 
der nothwendigen Bedürfnisse war hier oder dort etwas übrig, dass 
auch an Mehrung der Amtsbibliotheken, Honorar für Repertorieu- 
abschriften, Verbesserung des Hausinventars, und Dienstreisen zur 
Ausforschung und Herbeischaffung von Archivalien gedacht, und 
im Reichsarchive jährlich auch zwei neue Schaukästen für das 
Schul- und Kleinodienarchiv angeschafft werden konnten. 

B. Am Reichsarchiv. 

1. Allgemeine Regie. 

Für jedes der beiden Jahre 1882 und 1883 waren 18,845 M. 
angewiesen, 1012 mehr als in den beiden Vorjahren. Diese Summe 
vertheilte sich wie folgt: 

1. für Kanzleikosten und Regieerfordernisse, einschliesslich der 
Erwerbung von Archivalien, wie gewöhnlich . 5,000 M. 

2. Diäten und Reisekosten wie seit Jahrzehnten 900 M. 

3. Funktionsbezüge und Gehaltszulagen für das 

nicht stabile Personal . 11,445 M. 

4. Stellvertretung, Geschäftsaushilfe und besondere 
Leistungen, einschliesslich der Zulage für den 
funktionirenden Kanzleivorstand Bachmann und 
den zur Schreibaushülfe nach Neuburg be- 
orderten Frhrn. v. Zündt 1,500 M. 

in Summa 18,845 M. 
Im Jahre 1882 wurde eine Ueberschreitung der Position für 
Kanzleikosten und Regieerfordernisse um 102 M. 3 Pf. mit höchster 
Genehmigung aus den Erübrigungen bei der Position für persön- 
liche Ausgaben gedeckt, und der Rest dieser Ersparung mit 98 M. 
10 Pf. auf den Einnahme-Etat des Jahres 1883 genommen. Eine 
Ueberschreitung der Position für Kanzleikosten und Regieerforder- 
nisse im J. 1883 um 45 M. 70 Pf., sowie der Position für ausser- 
ordentliche Leistungen, z. B. Archivalienreinigung ausser den Ge- 
schäftsstunden , in Summa 95 M. 70 Pf, wurde mit Ministerial- 
genehmigung aus den Erübrigungen bei der Position: „Gehalte 



272 Löher: 

und Zulagen'* gedeckt. Die ständigen Bauausgaben betrugen im 

J. 1882: 610 M. 36 Pf. und im J. 1883: 574 M. 62 Pf. Dieselben 

wurden, wie alljährlich, unmittelbar bei der k. Centralstaatskasse 

liquidirt. 

2. Regestenkasse. 

[Aus diesem Fonds, der aus dem Erlös verkaufter Regesten- 
bände und aus sorgfaltiger Sammlung aller Erübrigungen von 
Makulaturgeldern gebildet wird, sollen bedeutendere Archivankäufe, 
der geringe Zuschuss für die Archivalische Zeitschrift, vornehmlich 
aber die Kosten der Fortsetzung resp. Ergänzung der bändereichen 
Regesta boica bestritten werden, und steht in Verbindung damit 
die Herausgabe der Monumenta Wittelsbacensia, eines grossen Ur- 
kundenwerks, wie es des hohen Alterthums und der reichen Ge- 
schichte und Verzweigung des altherzoglichen und königlichen 
Hauses Witteisbach würdig ist. Für beide Werke wird seit zwanzig 
Jahren gesammelt: die Drucklegung aber kann erst beginnen, wenn 
sämmtliche Wittelsbach'sche Urkunden in deutscheu und ausländischen 
Archiven, insbesondere in Rom, sodann zahlreich auch in noch 
vielen bayerischen Städten und Schlössern ausgeforscht und kopirt sind.] 
Das Gesammtvermögen beträgt in Baar 1882. 1883. 

und Werthpapieren 11,669,02 M., 11,898,78 M. 

Hiezu Werth des Sollbestandes von 
27401/2 bezw. 26491/2 Regesten- 
bänden 18,070,54 M., 17,434,66 M. 

in Summa 29,793,56 M., 29,333,44 M. 
Das Minus von 635 M. 88 Pf. erklärt sich durch Minderung 
des Bestandes an Regestenbänden, während das Baarvermögen durch 
Einnahmen für Makulatur um 229 M. 76 Pf. gestiegen ist. 

3. Sammlung der Siegelabgüsse. 

Die Siegelabgüsse mit 1804 Stück im J. 1882 

sind gewerthet auf 8413 M. 59 Pf. 

mit 1912 Stück im J. 1883 auf 8647 M. 19 Pf. 

die Medaillensammlung, 115 Stück, 1882 ge- 
werthet auf 521 M. 15 Pf. 

desgleichen im J. 1883 521 M. 15 H. 

beziffert im J. 1882 mit einem Aktivrest von 40 M. 33 Pf. die 

Summa von 8975 M. 7 Pf. und für das Jahr 1883 mit einem 

Aktivrest von 13 M. 48 Pf. die Summa von 9181 M. 82 Pf. 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 



273 



Die etatsmässige Einnahme betrug wie früher in jedem Jahr 
360 M. nebst 210 M. 94 Pf. resp. 32 M. 80 Pf. für Gyps- und 
Metallsiegelabgüsse, welche an Private geliefert wurden. Die Aus- 
gaben stellten sich für Fertigung von Siegelabgüssen, Neufiitterung 
der Siegelkästen mit Seide und Herstellung eines Wappentisches 
zusammen auf 565 M. 52 Pf. im J. 1882 und 419 M. 65 Pf. im 
J. 1883. 

Die Sammlung historisch bedeutender oder seltener Siegel- 
abgüsse ist fortwährend in rascher Zunahme begriffen. Sie wurde 
im J. 1880 um 145, im J. 1881 um 215, im J. 1882 um 290 und 
im J. 1883 um 108 Stücke vermehrt, und beträgt jetzt im Ganzen 
schon 1912 Stücke^ Wie gross der Werth dieser in ihrer Art ein- 
zigen Sammlung, zeigen die Bestellungen von Oypsabgüssen neben 
der sonstigen Benützung durch Private. Nur Künstler, die doch 
in Gewandung und Ornamentik hier so schöne Studien machen 
könnten, stellen sich noch selten ein. 



C. An den Kreisarchiven« 

Eine Zusammenstellung des Regiewesens sämmtlicher Kreis- 
archive im J. 1882 ergab folgende Uebersicht: 



Kreisarchiv 


Schreib- 
material 


Beheiznngs- 
koeten 


Bibliothek 


Reinigangs- 
arbeiten 


Nen- 
anschaffang 

Dod 
Reparataren 


Amberg 


100,85 


284,00 


69,80 


56,40 


129,00 


Bamberg 








94,23 


379,80 


156,95 


90,68 


323,40 


Landsbut 








203,50 


176,41 


112,45 


88,36 


25,80 


München 








317,19 


355,20 


98,25 


270,00 


163,21 


Neuburg 








166,09 


197,98 


186,30 


167,00 


468,85 


Nürnberg 








123,86 


387,15 


93,00 


140,48 


125,32 


Speyer . , 








99,74 


204,75 


115,40 


72,00 


206,89 


Würzburg 








244,30 


376,40 


201,31 


140,55 


80,83 



Das folgende Jahr zeigte dieselben Posten, die natürlich je 
nach Bedürfniss und Umständen bald steigen bald fallen. 

7. Amtsbibliotheken. 

1. Reichsarchiv. Dieses besitzt jetzt eine Bibliothek, welche 
bei ihrer Reichhaltigkeit das amtliche und wissenschaftliche Be- 

Archivallsche Zeitscbiift IX. 18 



274 Löher: 

diirfniss der ihm Angehörigen nahezu deckt, und durch fortgesetzte 
Mehrung im Wege von Ankauf und Schenkungen auf der gewünschten 
Höhe erhalten werden soll. Für Ankauf stehen in erster Linie 
Schriftwerke im Gebiete der Archivkunde, Urkundenlehre, Wappen- 
und Siegelkunde, — sodann was zur bayerischen Landes- Orts- 
und Familiengeschichte gehört, — in dritter Linie die bedeutendsten 
Erscheinungen in deutscher Geschichte überhaupt, sowie in deutscher 
Staats- und Bechtsgeschichte insbesondere. Daneben wird auch das 
in verwandten Gebieten, z. B. der mittelalterlichen Geographie und 
Kulturgeschichte, auf den Büchermarkt Kommende gewürdigt. Reich- 
lich hatte sich das Beichsarchiv auch der Schenkungen zu erfreuen. 
Ausser den bedeutenden Werken der historischen Kommission, der 
bayerischen Akademie der Wissenschaften, des Germanischen Museums, 
des Ejriegsministeriums (von letzterem wiederum acht Blätter des 
topographischen Atlas), von den erzbischöf liehen Ordinariaten, den 
Studienanstalten, und den historischen Vereinen, unter deren Bei- 
trägen in den beiden letzten Jahren sich die von Ansbach, Ingolstadt, 
Neuburg, Niederbayem, Oberpfalz und XJnterfranken auszeichnen, 
sind zu nennen: die Mittheilungen der schwedischen Archive, das 
schwedische Siegelwerk, die Publikationen der Akademie der Wissen- 
schaften zu Wien, des Ferdinandeums in Innsbruck, des statistisch- 
historischen Bureau in Stuttgart, des Ulmer Münstervereins, des 
Württembergischen Staatsarchivs, des historischen Vereins in Sieben- 
bürgen. Hinzu kommen eine Beihe werthvoller Familiengeschichten, 
wie der Oettingen, Fürstenberg, Feilitzsch, Beitzenstein, Eberstein, 
und andere Werke von Privaten, zumal häufig im Wege des Dankes 
solche Werke, zu welchen der Stoff auch in bayerischen Archiven ge- 
sammelt worden. Leider kann das Beichsarchiv diese vielfaltigen 
Schenkungen nur erwidern durch die wenigen Freiexemplare, die 
ihm von der Archivalischen Zeitschrift, zur Verfügung stehen. Vom 
k. IL Infanterie-Begiment erhielt das Beichsarchiv die Begiments- 
geschichte. 

2. Kreisarchive. Dieselben Grundsätze wie bei der Archiv- 
centralstelle gelten bei ihren acht Filialen in den Kreisen. Auch 
bei ihnen kommen die Bibliotheken allmählig auf einen Standpunkt, 
wie er ihrem Berufe entspricht. Insbesondere wird nichts vernach- 
lässigt, was sich auf Geschichte und Oertlichkeiten des betreffenden 
Kreises bezieht. So wurden erworben bei mehreren Kreisarchiven 
durch Ankauf: Lexer, mittelhochdeutsches Wörterbuch; Leist, 



Aus den amtlichen Jahresberichten fi\r 1882 und 1883. 275 

Urkundenlehre; Kirchmaier, historische Karte von Bayern; Waitz, 
Verfassungsgeschichte; Hefner, Handbuch der Heraldik; die Fort- 
setzungen von des Erzbischofs v. Steichele vortrefflichem Werke 
über das Hochstift Augsburg; Westenriede r, Beiträge; Orimm, 
Weisthümer; Brinkmair, Chronologie; Roth von Schrecken- 
stein, die Reichsritterschaft; Paul Roth, bayerisches Civilrecht; 
Aventin's Werke. Einige Kreisarchive konnten freilich ihre Biblio- 
thek wegen Mangels an Mitteln nur in geringem Mass vergrössem. 
Auch mit Schenkungen wurden mehrere dieser Amtsbibliotheken 
reichlich bedacht. Vor Allem ist hier die k. Akademie der Wissen- 
schaften zu erwähnen, welche die Sitzungsberichte und Abhand- 
lungen der historischen Klasse, und im letzten Jahre auch den 
neu erschienenen Band der Monumenta boica, in liberalster Zuvor- 
kommenheit den Kreisarchiven zur Verfügung stellte. Das Kreisarchiv 
München vermehrte seine Bibliothek ausser andern Büchern durch 
Einverleibung von zwölf Bänden verschiedenen rechtlichen, histori- 
schen, topographischen Inhalts, welche sämmtlich aus Archivbeständen 
ausgeschieden wurden. In Neuburg wurde die Archivbibliothek durch 
endliche vollständige Neuordnung und Katalogisirung zu erfreulicher 
Handlichkeit gebracht. Die Amtsbibliothek des Kreisarchivs Speyer 
erhielt einen erheblichen Zuwachs vorzugsweise an Fach- und Ver- 
eins-Zeitschriften zur Geschichte der an die Rheinpfalz angränzenden 
Gebiete, aus Frankfurt, Saarbrücken, Giessen, Hanau, Wiesbaden, Frei- 
burg im Breisgau und Donaueschingen, wogegen unsererseits sich 
die 13 Bände der Regesta boica, deren Verkauf schon seit vielen 
Jahren beinahe stillesteht, darbieten Hessen. In gleichem Grade 
belangreich waren die Schenkungen von Werken und Schriften, 
die auf die Rheinpfalz bezüglich, aus dem A. Heintz'schen Nachlasse, 
welche Gaben aus der gleichen Quelle noch vermehrt wurden durch 
eine bändereiche Masse von Aufzeichnungen, Akten und Verträgen, 
Geschichtsnotizen über Adelsfamilien der Rheinpfalz, über die Topo- 
graphie der Pfälzer Orte, über die Burgen der Pfalz, über geistliche und 
Lehenssachen, sowie über alle gedruckten und handschriftlichen Quellen 
der pfalzisch-rheinischen Geschichte, ein handschriftlicher Zuwachs, 
der sich als ebenso brauchbar für geschichtliche Forschung als zur 
Unterstützung der für Rechts- und wissenschaftliche Fragen im Kreis- 
archiv Speyer anzustellenden Recherchen erweist. Unter den Ge- 
schenken, welche dem Kreisarchiv Würzburg gemacht wurden, sind 

z. B. auszuzeichnen: die silberne Gedäclitnissmedaille zur Stiftungs- 

18* 



276 Löher: 

feier der Julius -Universität, die Geschichte der Universität von 
Fr. V. Wegele, die illustrirte Festchronik „Alma Julia" und die 
Alexandergeschichte nach Strabo von Rektor Miller übergeben; 
ferner von der badischen historischen Kommission die Mittheilungen 
Nr. 1 und 2 ; vom statistischen Bureau Württembergs die Beschreibung 
des Oberamts Künzelsau, von Professor Dr. Harnack das Kur- 
fürstenkollegium, und von Professor Dr. Jäger sein erstes Heft des 
Duderstädter Urkundenbuches. 

V. Laufender Dienst. 

1. Geschäftsgang. 

1. Reichsarchiv. In den letzten vier Jahren stellten sich 

die Dienstgeschäfte, soweit sie im Geschäftsbuch zum Ausdruck 

kommen, in folgenden Ziffern dar: 

1880 1881 1882 1883 

1. Recherchen und Erörterungen für 
k. Stellen und Behörden . . . 

2. desgleichen für Archivbenützer . 

3. Reklamation ausstehender Archi- 
valien - . . . 

4. Austausch mit fremden Archiven 

5. Personalsachen 

6. Aktenausscheidungen bei k. Stellen 
und Behörden 432 361 347 235 

7. Erwerb von Archivalien von Pri- 
vaten und Gemeinden .... 86 113 114 95 

8. Visitation der acht Kreisarchive 54 68 66 55 

9. Allgemeine Korrespondenz mit den 
Kreisarchiven 310 262 228 254 

10. Generalien, Bau- und Inventar- 
sachen, Siegelsammlung u. dgl. . 245 203 200 216 



256 


252 


246 


177 


892 


849 


810 


860 


95 


73 


82 


81 


75 


151 


114 


82 


203 


278 


273 


272 



2648 2610 2480 2327 

Jede dieser Ziffern zeigt gewöhnlich zwei Schriftstücke an, 
eines, welches die Thätigkeit des Archivs veranlasste, und ein 
zweites, welches ihr Ergebniss darstellte, also jede Nummer bedeutet 
Einlauf und Auslauf zugleich. Die Ziffern selbst bekunden, dass 
sich die Geschäftsbewegung im Reichsarchiv nunmehr Jahr für 
Jahr auf nahezu gleicher Höhe hält. Eine geringe Abminderung 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 188B. 277 

im J. 1883 gegenüber den vorangehenden drei Jahren findet ihre 
Erklärung vorzugsweise in Verminderung der Ansprüche k. Stellen 
und Behörden auf Auskünfte aus Archivalien und auf Prüfungen 
von Aktenausscheidungen; auch die Korrespondenz mit fremden 
Archiven über Archivalienaustausch nimmt endlich ab. Dagegen 
sind die Mühe und Zeit kostenden Untersuchungen für Archiv- 
benützer gegen die beiden Vorjahre wieder in Zunahme begriffen. 
Ganz besonders springt aber der Umfang der jetzigen Geschäfts- 
thätigkeit des Heichsarchivs in die Augen, wenn man auf einen 
längeren Zeitraum der Vergangenheit zurückblickt. Leicht gewinnt 
man da die Ueberzeugung, dass der laufende Dienst gegenwärtig 
mindestens das Dreifache von ehedem umfasst, während die Zahl 
der Beamten abgenommen hat, die Anforderungen aber an ihre 
theoretische und praktische Leistungsfähigkeit im Verhältniss zur 
früheren Zeit gewachsen sind. 

2. Kreisarchive. Hier zeigt ebenfalls der laufende Dienst 
überall lebhafte Entwicklung, die Zahl der Geschäftsnummern ist 
im J. 1882 im Verhältniss zu der des Vorjahres mehr oder weniger 
erheblich gestiegen. Vornan steht in dieser Hinsicht das Kreis- 
archiv Bamberg, dessen Geschäftsnummern derartig zugenommen, 
dass z. B. die des Jahres 1879 um 545, die von 1880 um 450, 
und die von 1881 um 355 Nummern überstiegen werden, wodurch 
sich also in der kurzen Zeit von nur vier Jahren eine Vermehrung 
der Geschäftsthätigkeit von fast um das Doppelte bei gleicher Zahl 
der Beamten ergiebt. Auch im J. 1883, das mit 1014 Nummern 
abschliesst, weist das Tagebuch nach, dass der Geschäftsgang sich 
ziemlich auf gleicher Höhe erhielt. Diese grosse Zunahme hatte 
ihren hauptsächlichen Grund darin, dass die Nachforschung nach 
Archivalien bei den äusseren Aemtern und Gemeinden endlich, als 
die Raumvergrösserung des Archivs darauf hinwies, energisch in 
Angriff genommen und eine Beihe glücklicher Erfolge erzielt wurde. 
Nachdem diese Arbeiten im J. 1883 für's Erste abgeschlossen waren, 
trat eine Minderung der lebhaften Korrespondenz ein, dagegen eine 
erheblich gesteigerte Thätigkeit für Privatarchivbenützung. Diesem 
zunächst ist das Kreisarchiv Neuburg hervorzuheben mit einem 
Mehr von 121 Nummern im J. 1882 gegen das Vorjahr, während 
das folgende die nahezu gleiche Höhe einhielt und nur einen ge- 
ringen Nachlass darin zeigte, dass die Recherchen für Advokaten 
und Privatarchivbenützer jetzt leichter abgewickelt werden konnten. 



278 



Löher: 



Die ansehnliche Mehrung aber überhaupt, die das Neuburger Ge- 
schäftsjoumal aufweist, beruht vorzugsweise in den massenhaften 
Archivalienübernahmen von anderen Behörden. Im Kreisarchiv 
Nürnberg befindet sich, — nachdem im J. 1880 wegen Ueber- 
siedlung in den Neubau eine mehrmonatliche Suspendirung der 
Arbeiten des äusseren Dienstes geboten war und hiedurch natur- 
gemäss ein Rückgang der Geschäftsnummern eintrat, — ihre Zahl 
wieder in Zunahme und übertrifft die Summe derer vom J. 1880 
um mehr als 500. Auch die Kreisarchive Speyer und Würz- 
burg haben sich mit geringen Schwankungen in den Jahren 1882 
und 1883 auf ziemlich gleicher Höhe im Vergleich zu den Vor- 
jahren erhalten. Namentlich Speyer zeigte im J. 1882 einen erfreu- 
lichen Aufschwung, während man in Würzburg eine geringe Min- 
derung durch Abnahme der Kultusbau-Kecherehen wahrnahm. Am 
meisten tritt ein Rückgang der Geschäftsnummern hervor bei den 
Kreisarchiven Amberg und München, was bei ersterem für 
beide Jahre 1882 und 1883 nicht nur auf Abnahme der Recherchen 
für k. Stellen und Behörden, sondern auch auf Vereinfachung der 
Geschäftsbucheinträge, die bei der Inspektion angeordnet worden, 
zurückzuleiten ist, während der Bückgang im Kreisarchiv München 
im J. 1883 erheblich dadurch bewirkt wurde, dass die Korrespon- 
denzen, welche das mit diesem Kreisarchiv nur in einer äussern 
Verbindung stehende Druckschriftenlager betreffen, aus dem Ge- 
schäftsbuche ausgeschieden und eigens verbucht wurden. Im Kreis- 
archiv Landshut trat nach der bis jetzt erreichten höchsten Ziffer 
im J. 1882 mit 571 Geschäftsnummem im folgenden eine Minderung 
auf 420 ein. 

Zur Vergleichung der Geschäftsbewegung bei den Kreisarchiven 
dient die folgende Zusammenstellung : 



• 


1880 


1881 


1882 


1883 


Amberg . . . 


416 


484 


397 


344 


Bamberg . 






592 


687 


1042 


1014 


Landshut . , 






535 


552 


571 


420 


München . 






1074 


918 


1006 


638 


Neuburg . 






723 


558 


679 


637 


Nürnberg . 






838 


1066 


1049 


1886 


Speyer . , . 






324 


306 


350 


303 


Würzburg . 






1373 


1202 


1149 


1001 



Aus den amtlichen JahreBberichten für 1882 und 1883. 



279 



Yon den hier aufgeführten Geschäftsnummern vertheilen sich 
die einzelnen in folgender Art: A. Recherchen für k. Stellen und 
Behörden, B. Recherchen für Private, C. Archivalien-Ausscheidung 
bei k. Aemtern, D. Reklamationen von ausgeliehenen Archivalien, 
die zu gesetzter Zeit nicht zurückgekommen. 









A. 






B. 


C. 


D. 






1883 


1882 


1881 


1883 


1882 


1881 


1883 


1882 


1881 


1883 


1882 


1881 


Ambeig .... 


46 


51 


71 


62 


39 


50 


41 


69 


HO 


22 


24 


23 


Bamberg . . 






68 


129 


82 


181 


142 


133 


113 


48 


59 


32 


20 


24 


Landshut . . 






126 


134 


193 


77 


14 


12 


26 


7 


118 


43 


88 


38 


München . 






227 


50 


73 


78 


126 


181 


61 


132 


320 


87 


59 


27 


Neuburg . 






46 


218 


221 


30 


233 


102 


155 


83 


115 


144 


113 


48 


Nürnberg . . 






34 


54 


109 


52 


27 


45 


175 


243 


69 


57 


141 


31 


Speyer . . . 






35 


25 


45 


82 


68 


78 


5 


8 


46 


4 


9 


4 


Würzbui^g 






217 


207 


260 


406 


442 


330 


30 


59 


91 


161 


188 


169 



Nach Menge und Gewicht dieser Nummern lässt sich das 
Bedürfniss an Arbeitskräften für jedes einzelne Archiv ermessen. 
Im Ganzen genommen dürfte die Zahl der Beamten und Schreiber 
noch mit den Aufgaben im richtigen Yerhältniss stehen. 

2. Recherchen insbesondere. 

1. Im Allgemeinen. Der grosse Haupttheil des laufenden 
Dienstes fallt auf Recherchen, d. h. Ausforschen, Untersuchen und 
Verzeichnen von Archivalien, sodann Studiren und schriftliches 
Erörtern ihres Inhalts in Bezug auf bestimmte Fragen rechtlicher 
oder wissenschaftlicher Natur, veranlasst entweder durch k. Stellen 
und Behörden oder durch Gemeinden, Pfarren, Stiftungen und Pri- 
vate. Recherchen, die von Amtswegen verlangt werden, haben vor- 
wiegend zum Gegenstand Kirchenbaulasten, Forst- Jagd- und Wasser- 
rechte und sonstige Immobiliarrechte, sowie besondere Verhältnisse 
der Gemeinden und Stiftungen. Die Recherchen zu wissenschaft- 
lichen Zwecken bewegen sich im ganzen Gebiet der deutschen Ge- 
schichte und fast all ihrer Zweige. Wie die einen Kenntnisse 
juristischer und administrativer Art, erfordern die andern oft sehr 
ausgedehnte historische Studien, da der Archivar die verlangten 
Auskünfte nicht geben kann, wenn er nicht vertraut ist mit dem 
Gebiete, über welches sich die Forschung erstreckt. 



280 Löher: 

Bei Beurtheilung von Umfang und Schwierigkeit dieser Auf- 
gaben sticht das Yerhältniss des Beichsarchivs zu seinen Filialen 
in der Provinz ins Auge. Die acht Kreisarchive haben an Becherchen 
gewöhnlich zusammen nur etwas mehr als das Doppelte von dem, 
was das Beichsarchiv allein zu erledigen hat, und dabei fallt in's 
Gewicht, dass es bei den Ereisarchiven sehr häufig nur auf 
Vorlagen bestimmt bezeichneter Akten, bei dem Beichsarchiv aber 
in der Begel auf Fragen ankommt, zu deren Erledigung die 
Archivalien erst ausgeforscht und meistens mehrere Ereisarchive 
müssen in Anspruch genommen werden. Während femer bei 
den Letzteren die Arbeiten für wissenschaftliche Forschung ausser- 
ordentlich zurücktreten gegen die zu vermögensrechtlichen Zwecken, 
überwiegen bei dem' Beichsarchiv die Aufgaben wissenschaft- 
licher Natur. 

2. Beichsarchiv. Stellt man nun die einzelnen Falle von 

Becherchen, deren jede bald viele bald wenige Qeschäftsnummern 

umfasst, bald »Stunden und Tage, bald Wochen und Monate erfordert, 

zusammen, so ergeben sich in den letzten vier Jahren folgende 

Ziffern : 

1883 1882 1881 1880 

a) für k. Stellen und Behörden . . 65 52 72 76 

b) vermögensrechtliche auf Ansuchen 

von Privaten 56 69 40 86 

c) wissenschaftliche und genealogische 208 210 180 178 

329 331 292 34Ö" 

Es hielten sich sonach die Arbeiten, soweit sie durch Becherchen 
veranlasst wurden, im Ganzen genommen auf der gleichen Höhe; 
auch die einzelnen Sparten des Becherchedienstos zeigen in den 
verschiedenen Jahren keine wesentlichen Differenzen. 

3. Ereisarchive. Bei diesen gruppiren sich die Becherchen : 

A. in solche vermögensrechtlicher Natur und zwar veran- 
lasst: I. durch k. Stellen und Behörden, IL durch das k. Beichs- 
archiv oder ein anderes Eroisarchiv, HI. durch Private; 

B. in Becherchen wissenschaftlicher Natur. 

Nach diesem Schema ergeben sich nun für die Ereisarchive 
in dqn letzten vier Jahren Becherchen: 



Aus den amtlichen Jahresberichten fflr 1882 und 1883 



281 







A. Juristischer Art 


B 


. Wissen- 




I. 


n. 


lU. 


schaftlicher Art 




1883 


1882 


1881 


1880 


1883 


1882 


1881 


1880 


1883 


1882 


1881 


1880 


1883 


1382 


1881 


1880 


Amberg . . . 


12 


18 


38 


23 


3 


9 


4 


3 


3 


3 


1 


4 


20 


11 


17 


10 


Bambeiig . . 




61 


4 


13 


10 


8 


14 


9 


7 


33 


7 


16 


15 


48 


45 


31 


42 


Landshut . 




25 


43 


41 


60 


19 


14 


15 


32 


5 


5 


5 


8 


22 


22 


21 


16 


München . 




227 


83 


41 


46 


— 


65 


59 


61 


78 


61 


23 


10 


— 


11 


15 


17 


Neubarg . 




46 


49 


56 


52 


8 


5 


10 


6 


8 


9 


8 


4 


22 


18 


17 


23 


Nürnberg . 




34 


16 


28 


18 


4 


7 


4 


6 


4 


7 


10 


9 


48 


30 


42 


20 


Speyer . . 




10 


9 


14 


14 


1 


1 


1 


2 


4 


4 


7 


8 


26 


28 


26 


36 


Würzburg . . 




30 


28 


26 


105 


6 


7 


3 


5 


11 


15 


15 


15 


45 


58 


41 


42 




445 


250 


257 


328 


49 


122 


105 


122 


146 111 


85 


73 


231 


223 210 


206 













Summa 




1883 


1882 


1381 


1880 


Amberg 


38 


41 


60 


40 


Bamberg 


• 








150 


70 


69 


74 


Landshut 


» < 








71 


84 


82 


116 


München 


* t 








305 


220 


138 


134 


Neubuig 


1 1 








84 


81 


91 


85 


Nürnberg 










96 


60 


84 


53 


Speyer . 


■ 1 








41 


42 


48 


60 


Würzburg 


9 








92 


108 


85 


167 




877 


706 


657 


729 



Bei Vergleichung dieser Zahlen stellt sich eine Mehrung der 
Recherchen dar, und zwar von 1881 auf 1882 um 49, von 1882 
auf 1883 um 171. Dazu trugen vorzugsweise die Kreisarchive 
München und Bamberg bei, sodann Neuburg und Nürnberg, während 
bei den übrigen eine ganz unbedeutende Minderung erscheint. Ferner 
zeigte sich, dass wie in früheren Jahren, so auch während 1882 
und 1883 der weitaus grösseren Mehrzahl nach die Becherchen 
vermögensrechtlicher Natur und durch k. Stellen und Behörden 
veranlasst waren. Nur das Ereisarchiv Bamberg machte 1882 in 
dieser Hinsicht eine Ausnahme, indem im ganzen Jahr dort über- 
haupt nur vier derartige Arbeiten anfielen. Schon im folgenden entstand 
aber auch hier wieder eine Steigerung auf 61. Im Ganzen haben 
sich die Becherchen für vermögensrechtliche Zwecke in den letzten 



282 Löher : 

vier Jahren nahezu verdoppelt. Die Recherchen zu wissenschaft- 
lichen Zwecken zeigen in ihrer Gesammtzahl gleichfalls eine, wenn 
auch massige, Zunahme. Sie erreichen bei den Ereisarchiven 
ungefähr ein Drittel der Recherchearbeiten überhaupt, und zeichnen 
sich Bamberg, Nürnberg und Würzburg durch die höchsten Ver- 
hältnisszahlen aus. 

In welchem Umfange aber sich solche Arbeiten nicht selten 
entwickeln, dafür möge als Beleg dienen, dass z. B. im Ereisarchiv 
Würzburg für eine einzige öfter die Durchsicht der langen Reihe 
Mainzer Ingrossaturbücher Blatt um Blatt oder der sämmtlichen 
Hofkammerprotokolle und domkapitelschen Baurechnungen erforder- 
lich, überhaupt die Durchforschung einer Archivalienserie bis zu 
hundert Bänden und darüber keineswegs eine Seltenheit ist. 

3. Archivbenützung durch Private. 

1. Reichsarchiv. Die Zahl der Archi vbenützer ist fortwähren d 
in Zunahme begriffen, was für den allgemeinen Geschäftsgang von 
Bedeutung ist, zumal wenn Einige ganze Massen von Archivalien 
vorgelegt wünschen. Nicht Wenige nahmen denn auch in Folge 
des ümfangs ihrer Forschungen ausser dem Direktor und Spezial- 
Referenten sowohl den Aushebungsbeamten als die im Benützerzimmer 
mit Vorbuchung und Aufsicht betrauten Praktikanten in erheblicher 
Weise in Anspruch. 

2. Ereisarchive. Bei diesen blieb der Besuch von Archiv- 
benützem in den letzten vier Jahren sich ziemlich gleich. £s zählten : 

1880 1881 1882 1883 



Amberg 


• ^^^^ 


3 


6 




Bamberg . . 


11 


10 


16 


14 


Landshut 


. . 3 


6 


3 


5 


München . . 


27 


24 


22 


26 


Neuburg . . 


1 


2 


1 


4 


Nürnberg . 


. . 15 


15 


10 


1'5 


Speyer . . . 


4 


5 


6 


12 


Würzburg . . 


24 


28 


19 


15 



Jedoch ist bei solchen statistischen Aufstellungen wohl zu 
beachten, dass sie nicht immer einen richtigen Massstab zur Be- 
urtheilung bieten können , indem oftmals. Archivbenützer monate- 
lang im Archiv arbeiten. 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 283 

3. Im Allgemeiuen. Hervorzuheben ist, dass die Forsch- 
ungen zu genealogischen Zwecken nicht blos das Reichsarchiv, 
sondern auch alle Kreisarchive mehr und mehr in Anspruch nehmen, 
und dass Aufgaben von solcher Art bisweilen nicht zu lösen sind 
ohne umfassende und zeitraubende Vorarbeiten der Archivbeamten. 
Offenbar ist der Grund dieser Zunahme genealogischer Untersuch- 
ungen nicht in vorübergehender Liebhaberei, sondern darin zu suchen, 
dass, wie die ganze Nation, so auch die einzelnen Familien an Selbst- 
achtung gewinnen. Unter den Recherchen zu Amtszwecken machten 
sich insbesondere auch solche bemerklich, bei welchen das Material 
für Bearbeitung der Geschichte verschiedener bayerischer Regimenter 
zu sammeln war. 

Man musste aber auch in den letzten Jahren die Bemerkung 
machen, wie wenig manche Archivbenützer sich eine richtige Vor- 
stellung von den Aufgaben der k. Archivbeamten machen. Hin und 
wieder erschien ein ganz Unbekannter, ohne sich irgendwie über 
seine persönliche Vertrauenswürdigkeit ausweisen zu können, während 
es doch so leicht wäre, sich durch einen Brief an eiuen Archiv- 
beamten oder hiesigen Universitätsprofessor empfehlen zu lassen. 
Viele, statt ihre Ankunft ein paar Tage vorher anzuzeigen, verlangten 
sofort bei ihrem Eintreffen eine Archivalienmenge vorgelegt. Andere 
wieder wollten, dass die Beamten aus den Archivalien Fragen lösen 
sollten, die dem Archivbenützer selbst oblagen. Insbesondere zu 
beklagen war, dass in jedem Jahre wieder und fast bei jedem Kreis- 
archive der auf eine Anzahl von Recherchen verwendete Zeit- und 
Müheaufwand insofern als fruchtlos sich darstellte, als deren Ver- 
anlasser von der ihnen gestatteten Archivalienbenützung keinen 
Gebrauch machten. 

Im Uebrigen besuchen Männer und auch Frauen aus allen 
gebildeten Ständen, Professoren und Privatgelehrte, Schullehrer, 
Advokaten, Geistliche, Offiziere und Studirende, sowie Andere aus 
adeligen und bürgerlichen Kreisen die verschiedenen Archive. Neben 
den vorübergehend mehr oder weniger lange Zeit arbeitenden 
Forschern bewegen sich Diejenigen, welche während des ganzen 
Jahres mit nur kurzen Unterbrechungen in den Archiven für ihre 
Privatzwecke thätig sind. Auffallend ist der Zudrang von Studenten 
und jungen Doktoren zu den Archiven: archivalische Forschungen 
sind ja in Mode gekommen. 



284 



Löher: 



4. Archivalienversendungen. 

1. Keichsarchiv. Archivalien Versendungen wurden auch in 
beiden letzten Jahren in umfangreichem Masse nöthig. Fast sämmt- 
liche Regierungen, die Mitarbeiter der historischen Kommission bei 
der Akademie der Wissenschaften, viele fremde Archive, Universitäten 
und Bibliotheken, fast sämmtliche Regimenter in Bayern erhielten 
Archivalien zugesandt. An Private aber in's Haus finden keine 
Ausleihungen statt. Eine Vereinfachung dieses Dienstzweiges ergab 
sich insofern, als das Eopiren der Urkunden für die Monumenta 
Boica seit Januar 1883 dem Akzessisten Dr. Leist übertragen 
wurde und in Folge dessen eine Versendung der Archivalien an 
das k. Geh. Staatsarchiv nicht mehr nothwendig ist. Im Ganzen 
fanden statt: 

1880 1881 1882 1883 

Ausleihungen ... 144 85 130 73 

Rückforderungen . . 37 24 21 38 

Ausstandsposten 22 27 27 22 

2. Kreisarchive. Bei diesen veranlassen die Archivalien- 
versendungen eine viel lebhaftere Geschäftsthätigkeit. Das kleinste 
z. B., das in Am borg, hatte nach Ausweis seines Schuld- und 
Ausleihebuches in jedem der letzten drei Jahre 29 zu besorgen. 
Das grösste Ereisarchiv, das unter&änkische , hatte allein an zehn 
Behörden 459 Urkunden oder Akten oder Amtsbücher zu versenden. 
Eine Uebersichtstabelle stellt sich wie folgt: 





Versendungen 


Bückforderungen 


Ausstandsposten 




1880 


1881 


1882 


1883 


1880 


1881 


1882 


1883 


1880 


1881 


1882 


1883 


Amberg .... 


28 


29 


29 


29 


27 


23 


19 


11 


24 


34 


17 


22 


Bambei^ .... 


27 


27 


26 


26 


19 


24 


21 


16 


15 


19 


10 


16 


Landshut .... 


81 


57 


83 


45 


72 


38 


47 


26 


75 


33 


48 


29 


München .... 


144 


130 


205 


103 


111 


48 


69 


87 


90 


61 


60 


75 


Neuburg .... 


61 


54 


55 


46 


24 


31 


13 


55 


36 


49 


40 


37 


Nürnberg .... 


51 


61 


37 


45 


18 


27 


21 


14 


9 


37 


21 


25 


Speyer 


26 


22 


37 


15 


10 


4 


9 


22 


7 


10 


4 


39 


Würzburg . . . 


119 


87 


85 


98 


166 


81 


102 


83 


83 


65 


80 


71 



AuB den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 285 

5. Eopialarbeiten. 

1. Reichsarchiv. Ausser einer Reihe von Repertorien, die 
in der Eanzlei in's Reine geschrieben sind, wurden zahlreiche Ab- 
schriften von UrkiTnden und andern Dokumenten für Archivben ützer, 
und zwar ausser den Dienststunden gegen billiges Honorar, da die 
Akzessisten und Praktikanten derartige Arbeiten ablehnten, her- 
gestellt durch Funktionär Bachmann; darunter eine vollständige 
Abschrift des Liber redituum et praediorum ecclesiae S. Castuli 
Moosburgensis, wobei auch die zahlreichen verschiedenfarbigen 
Initialen getreu nachgebildet wurden. Herstellung von Kopien für 
Archivbenützer von Amtswegen, d. h. während der Bureauzeit 
durch Praktikanten, war selten nöthig. 

2. Kreisarchive. Bei verschiedenen Kreisarchiven wurden 
1882 und 1883 Kopialarbeiten von grösserem Umfange hergestellt. 
Veranlassung gaben zumeist vermögensrechtliche Untersuchungen. 
So besonders in Bamberg, Neuburg und Würzburg für Kreis- 

• 

regierungen und andere Stellen. In Bamberg z. B. musste 1882 
auf Orund einer an sich schon viele Zeit und Mühe erfordernden 
Untersuchung eine so umfangreiche Anzahl beglaubigter Abschriften 
in einer Streitsache des k. Fiskus gefertigt werden, dass die sämmt- 
lichen Arbeitskräfte des genannten Archivs durch viele Wochen in 
angestrengtester Thätigkeit sich befanden. In Würzburg umfasste 
dieser Dienstzweig 102 Urkunden, die 231 Abschriftsseiten in 
Folio gaben. 

VL Regestinmg und Repertorisdnmg. 
A. Ordnungsarbeiten im Reichsarcliiv. 

1. Im Allgemeinen. Mit jedem neuen Jahre zeigt sich, 
dass die gesteigerte Benützung, welche dem Beichsarchiv durch Be- 
hörden, Korporationen, und Gelehrte zu Theil wird, die Geschäfts- 
stunden immer mehr in Anspruch nimmt und für die Ordnungs- 
arbeiten im Innern immer weniger Zeit übrig bleibt. Glücklicher 
Weise ist eine streng geordnete Aufstellung oder Lagerung aller 
Archivalien, begleitet von mehr oder weniger ausführlichen Ver- 
zeichnissen so weit vorgeschritten, dass jeder Beichsarchivbeamte, 
wenn er durch ei&ige Nachforschung sowohl im Archivsaal als in 
den Repertorien seine Schuldigkeit gethan hat, mit absoluter Sicher- 



286 ^^^r ■ 

heit entscheiden kann, ob über eine bestimmte Frage, — einerlei 
ob sie in wissenschaftlicher oder genealogischer, oder in juristischer 
oder administrativer Richtung liege, — Auskunft gebende Archivalien 
im Reichsarchiv vorhanden sind oder nicht. Nur sehr wenige 
kleinere Gruppen, und zwar nur solche, die verhältnissmässig am 
wenigsten benützt werden, sind auszunehmen. Wohl aber braucht 
es noch ein Menschenalter lang fleissiger Repertorienarbeit, bis das 
kolossale Hauptarchiv in München in all seinen Theilen so durch- 
sichtig wird, wie ein lichter Hochwald in der Morgensonne. 

Wenn nun in Kürze hier soll aufgeführt werden, was in den 
letzten beiden Jahren geschehen ist, so bedarf es kaum der Erwähn- 
ung, dass das Verdienst einer Arbeit nicht nur von ihrem Umfang, 
sondern auch von ihrer Schwierigkeit abhängt, da, gleichwie Recher- 
chen, so auch die Ordnungsaufgaben verschiedene Anforderungen 
stellen an Geist und Fleiss und Kenntnisse. 

2. Aufarbeiten der Reste, Nachträge und Find- 
linge. Aus einzelnen Urkunden Amtsbüchern und Akten, die im 
Archive am unrichtigen Orte gefunden, oder geschenkt ,oder an- 
gekauft, oder von k. Stellen und Behörden eingesendet werden, 
sammelt sich in grossen Archiven leicht eine Masse an, ehe man 
Gelegenheit findet, jedes Stück durchzugehen, zu beschreiben und 
dorthin einzutheilen, wohin es gehört. Damit nicht wieder ein sog. 
„hohes Meer" von etwa zwölftausend unbestimmten und ungeordneten 
Urkunden anwachse, wie es vor zwei Jahrzehnten im Reichsarchive 
sich vorfand, wurde in den beiden letzten Jahren noch strenger 
darauf gehalten, die Nachträge, wie sie von verschiedenen Seiten 
her sich anhäuften, erst aufzuarbeiten. Dabei waren sämmtliche 
Beamte sowie unter Anleitung, soweit solche noch nöthig, sämmt- 
liche Praktikanten beschäftigt, und es gab fast keine Gruppe im 
Archiv, die nicht Zuwachs erhielt. Eine Reihe kleiner Serien, die 
von den Assessoren Primbs und Dr. Geib im Reichsarchiv aus- 
geschieden waren, weil sie nicht dorthin, sondern in ein Ejreisarchiv 
gehörten, wurden von Jenen mit Hülfe von Praktikanten behandelt 
und sofort abgeschickt. So bearbeitete im Jahre 1882 Dr. Grauert 
103 Urkunden des Gerichts Neumarkt an der Rott, 25 des Gerichts 
Kraiburg, 36 des Hochstifts Salzburg, 13 aus dem Ankauf von 
Frau Doktor Schrauth, und noch je 1 bis 7 Stück aus 26 ver- 
schiedenen andern Gruppen. Auf Dr. L eist 's Antheil fielen, ausser 
Nachträgen für den Adels- und Kaiser Lud wigs-Selekt, in einem 



Aus den amtlichen Jahresberichten fttr 1882 und 1883. 287 

Jahr 140, im andern 120 Dachauer Urkunden. In ähnlichem Yer- 
hältniss hatten auch die übrigen Praktikanten ihre Aufgaben. 

3. Entzifferung von Urkundenfragmenten. Den 
Scharfsinn der Jüngeren nahm besonders in Anspruch eine grosse 
Menge von Urkundenfragmenten, die auf der Hof- und Staats- 
bibliothek von alten Bücherdeckeln losgelöst und dem Reichsarchiv 
übergeben waren. Es galt, Inhalt und Entstehungszeit zu ent- 
ziffern aus lückenhaften Zeilen und verblichenen oder verwischten 
Zügen. Dr. Petz hatte deren 100, Dr. Leist 67, Löher 50, und 
es gelang z. B, ein Fragment, mit welchem sich auf der Hof- und 
Staatsbibliothek schon mehrere Gelehrte zu thun gemacht, zweifellos 
als Bruchstück eines verlornen St. Emeramer Kodex aus dem 
zehnten Jahrhundert zu bestimmen. 

4. Kodizes Amtsbücher und Akten der Klöster. 
Nachdem vom Praktikant Löher auch die Archivalien der 35 Franzis- 
kanerklöster entwirrt, geordnet und verzeichnet waren, gab es 
endlich — Dank der Arbeit von mehr als einem Jahrzehnt — auf 
dem klösterlichen Gebiete im Beichsarchiv keine ungeklärte Gruppe 
mehr. Allein aus der Dürftigkeit, mit welcher man in früherer 
Zeit archivalische Aufgaben betrieb, erwachsen fort und fort neue. 
Man hatte damals, um nur erst einige Ordnung zu schaffen, Urkunden 
Amtsbücher und Akten in Faszikel zusammengebunden und auf- 
gestellt, und später nur zu häufig kurze oberflächliche Verzeichnisse 
über den Inhalt der Faszikel gefertigt. Wirkliche Repertorien 
mussten erst geschaffen werden, und zwar geschah dies vom Reichs- 
archivassessor Dr. Stiel er über Kühbach, Osterhofen, Rebdorf, 
Reichenbach, "Weltenburg, Walderbach, Weissenohe, — von Dr. Leist 
über Schlehdorf, — Dr. Grauert über Windberg und die Prä- 
mon Straten ser, — Dr. Petz über Windberg und Eussesthal, — 
Dr. Mayerhofer über Aspach, — von Diesem und Löher über 
die massenhaften Bestände von Indersdorf, — von Dr. Hansen 
über Maria Stern in Augsburg, — von Göbl über Geisenfeld, die 
Franziskaner und Paulaner in Augsburg, das Dominikaner- und 
hl. Kreuzkloster in Landshut, die Augustiner in Lauingen, die Kapuziner 
in München, Kloster Mariagarten in Memmingen, ferner über Lies- 
heim, Maria- Maihingen, Reichenau, Salmansweiler, Weingarten, 
Zimmern. Reichsarchivrath Dr. Haeutle prüfte die Kloster- 
repertorien, soweit sie von Praktikanten gefertigt wurden. Nachdem 



288 Löber: 

nun auch die Nachti*äge zu den Klöstern aufgearbeitet sind, darf 
man diese umfangreiche Gruppe nahezu als erledigt betrachten. 

5. Kloster Urkunden. Ihre Regestrirung wurde über die 
zahlreichen Dokumente von lUertissen, Eussersthal und Fürstenfeld 
ausgedehnt durch die Praktikanten Dr. Mayerhofe r, Dr. Petz 
und Löher. 

6. Kodizes Amtsbücher und Akten der Hochstifter. 
Reichsarchivrath Dr. Haeutle setzte im Jahr 1882 die Reper- 
torisirung des Fassauer Bisthums und Domkapitels fort und kam 
damit um eine ansehnliche Zahl weiter. Im folgenden Jahr wurden 
einige Aktenfaszikel verschiedenen, häufig bruchstückweisen Inhalts, 
aufgelöst , beschrieben und entsprechend eingetheilt, — sodann die 
30 Faszikel Generalien, welche die Zeit von 1549 bis 1805 in mehr 
als 5000 Nummern umfassen, neugeordnet, Werthloses ausgeschieden, 
— endlich mit einem Index über die Personen, Oertlichkeiten und 
Sachen begonnen, die in den bis jetzt hergestellten Theilen des 
Passauer Archivs sich befinden. 

7. Ortschaftsverzeichniss zu den Hochstifter- 
Urkunden. Um unter der ungeheuren Menge dieser Urkunden, die 
namentlich in Fragen der Kirchenbaulast so häufig Auskunft oder doch 
Anhaltspunkte geben müssen, sich leichter zurecht zu finden, erschien 
es zweckmässig, von den ältesten Zeiten an Stück für Stück durch- 
zugehen und über jede Ortschaft, welche darin vorkommt, zunächst 
ein Oktavblatt anzulegen, welches am Kopfe die Ortschaft, sodann 
das aufgelöste Datum, darauf ganz kurz den Inhalt der Urkunde, 
endlich ihren Lagerort im Archive zeigt, und diese Blätter alphabetisch 
zu ordnen. Man begann mit den Augsburger und Eichstädter 
Urkunden, und wurde die Arbeit in den ersteren durch Dr. Grau er t 
und Dr. Hansen bis zum Ende des 14., in den andern durch 
Dr. Petz, Dr. Mayerhofer und Löher bis über die Mitte des 
15. Jahrhunderts geführt. 

8. Verzeichniss der Bullen und Breven der Päbste. 
Diese finden sich weit zerstreut unter den Urkunden der Klöster, 
Hochstifter, Ritterorden, Reichsstädte und Herrschaften. Sie sind 
im Reichsarchiv zahlreich und beginnen mit dem Jahr 1014. 
Lang föhrt in seinen Regesten zwar ältere auf, muss diese aber den 
Kodizes entnommen haben, in denen sie in Abschriften vorkommen. 
Eine neue Thorheit wäre es, wollte man die Pabsturkunden — in 
der früher beliebten Weise von Selektbildungen — aus mehr als 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 289 

hundert Serien überall herausnehmen und zu einer Sammlung ver- 
einigen. Denselben Dienst leistet eine chronologisch-topographische 
Uebersicht, in welcher die Urkunden nach Aussteller, Ortsnamen, 
Datum, Lagerort, und eventuell wo sie gedruckt sind, erscheinen. 
Ein solches Verzeichniss hat Reichsarchivassessor Dr. Stieler 
bereits hinsichtlich der päbstlichen Erlasse, die sich unter den Kloster- 
urkunden finden, von den ältesten Zeiten, bis in's dreizehnte Jahr- 
hundert geführt. 

9. Kodizes Amtsbücher und Akten der Reichs- 
städte. Vom Reichsarchivassessor Prof. Dr. Hei gel wurden das 
Regensburger Archiv, nachdem die Repertorisirung zu Ende geführt 
war, neu aufgestellt, sodann die Archivalien von Ulm, Ravensburg, 
Rothenburg, Schwäbisch-Gmünd , Schwäbisch-Hall, Speyer, Ueber- 
lingen, Wangen, Weissenburg, Wetzlar, Windsheim und Worms 
repertorisirt. Die Praktikanten Dr. Petz und Dr. Mayerhofer 
leisteten Beihülfe für die Speyerer Urkunden und die Lindauer 
Archivalien. Die Neuordnung der reichsstädtischen Archive ist — 
die Urkunden ausgenommen — bis auf Weniges jetzt vollendet. 

10. Urkunden der Reichsstädte. Dieser Serie war in 
früherer Zeit, da der laufende Dienst sie selten vorforderte, wenige 
Aufmerksamkeit gewidmet. Ihrer nahm sich bereits Reichsarchiv- 
assessor Dr. Geib eifrig an, ordnete und regestirte eine Menge 
Nürnberger und Rothenburger, und es konnten bereits sehr viele 
Rothenburger , die irriger Weise in's Reichsarchiv gekommen , an 
ihren richtigen Lagerort nach Nürnberg abgeführt werden. Da 
aber über sehr zahlreiche reichsstädtische Urkunden nur ein 
oberflächliches Faszikelverzeichniss vorhanden, so übernahm der 
Reichsarchivsekretär Dr. Wittmann die Aufgabe, die älteren 
Inventare, wo es anging, zu adaptiren, oder neue systematische 
Regestenrepertorien mit alphabetischen Nachweisen der Orte, Personen 
und Sachen herzustellen. Er begann mit dem Repertorium über 
die etwa 2000 Augsburger Urkunden, das auf Grund einer früheren 
sog. Registratur über das Stadtpflegergewölb verfasst und 1773 
in's Reine geschrieben worden, und ist mit Beihülfe der Praktikanten 
Hüttner und Jochner, die fleissig regestirten, in der Arbeit 
bereits ziemlich weit vorgeschritten. Binnen zwei Jahren hofft 
Dr. Witt mann alle reichsstädtischen Urkunden erledigt zu haben. 

11. Archivalien der kleinen Herrschaften. Die 
Akten und Urkunden der Markgrafschaft Burgau, der Herrschaften 

ArcliivaUsche Zeitschrift IX. 19 



290 Löher: 

Kirchberg, Weissenhorn, Eonsberg, der kleineren Fugger'schen 
Herrschaften, der Reichsvogtei Angsburg, der schwäbischen Besitz- 
ungen der Klöster Wiblingen und Weingarten, des österreichischen 
Elsass und der Schweiz wurden noch vom Reichsarchivassessor 
Dr. Geib in Ordnung gebracht. 

12. Adelsselekt. Auch der Inhalt des grossen Adelssaals 
darf nunmehr als wohlgeordnet angesehen werden, nachdem Kasten 
für Kasten, Nummer für Nummer neu durchgesehen worden. 
Dr. Leist hatte gegen 2000 Nummern noch zu verzeichnen oder 
zu berichtigen. Allein aus dem v. Spiring' sehen Familienarchiv 
regestirten Dr. Hansen 61, Göbl 84 Urkunden, dazu kamen noch 
43 Akten. Im Ganzen weiset jetzt der Adelsselekt 5922 Namen 
auf, wie sie in der „Archivalischen Zeitschrift" mit Entstehungs- 
zeit der zugehörigen Schriftstücke aufgeführt sind. 

13. Kriegs akten.» Reichsarchivrath Aurach er vollendete 
die Umarbeitung der Verzeichnisse von Nr. 375 bis 528, und hatte 
wiederholt zu thun, um die Menge der Nachträge sowohl den 
Kriegs- als Fürstensachen am richtigen Orte einzuverleiben. 

14. Justizakten. Da die Akten ehemaliger Herrschafts- 
und Patrimonialgerichte nur en bloc aufgeführt waren, so fertigte 
Reichsarchivassessor Frhr. v. Oefele darüber ein Repertorium von 
258 Nummern, das dem der Justizministerialakten eingefügt wurde. 

15. Hohenaschauer Archiv. An der Repertorisirung 
hat Reichsarchivassessor Primbs mit regem Interesse fortgearbeitet, 
konnte aber mit dem Reste, der aus Kriegs- und Militärsachen der 
Herrschaften Aschau und Wildenwarth besteht, nicht zum gehofften 
Schlüsse kommen, weil zwei andere Archive nach ihrem Eintreffen 
sofort im Reichsarchiv mussten in Angriff genommen werden, 
nämlich : 

16. Notthafft'sches Familienarchiv und 

17. ITabersches Archiv. Beide mussten nach vorläufiger 
Aufstellung erst im Einzelnen durchgegangen, dann neugeordnet 
und verzeichnet werden. Reichsarchivassessor Primbs löste in 
jedem der letzten beiden Jahre eine der beiden Aufgaben. Von 
dein reichen Inhalt dieser Archive ist bereits oben die Rede gewesen. 

Im Notthafft 'sehen wurden auch bereits die fast 1200 Ur- 
kunden, die in 70 Faszikel eingetheilt sind, von den Praktikanten 
regestirt, Dr. Laistner z. B. bearbeitete 277, Dr. Leist 140, 
Fischer 83 Urkunden. Die Akten sind nach Personen und Gütern 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 18S2 und 1883. 291 

in 8 Serien geordnet, die erste nmfasst vorzugsweise Prozessatten 
in 69 Faszikeln mit 329 Unterabtheilungen, — die zweite Familien- 
sachen und verwandte Geschlechter in 31 Faszikeln mit 242 Ab- 
theilungen, — die dritte die Güter in 10 Faszikeln mit 110 Abtheilungen. 

Das Habel'sche Archiv wurde in drei grosse Gruppen geschieden. 
Die erste enthält die Originalurkunden nach Orts- und Personen- 
namen oder allgemeinen Schlagworten verzeichnet, denen in einem 
If ach trag sich die Facsimiles anfügen. Zur zweiten Gruppe gehören 
die Akten und Amtsbücher, alphabetisch geordnet in drei Abthei- 
lungen : Adel, Ortschaften, und Gebiete, Mainz besonders. Eine dritte 
Gruppe wurde von den losen Siegeln und den Notariatszeichen 
gebildet. Eingehenderes Durcharbeiten, namentlich der Urkunden, 
kann erst später erfolgen. 

18. Generalkonspekt. Für Aufstellung eines ausführlichen 
und zuverlässigen Generalkonspekts konnte in den beiden letzten 
Jahren weniger gethan werden. Denn er soll nicht bloss ein Führer 
durch die Gruppen und Serien und ihre Repertorien und Inventare 
sein, sondern es soll dabei auch eine genaue Konstatirung des 
Befundes unter Vergleichung mit den Verzeichnissen vorgenommen 
und jede Unordnung und Unrichtigkeit, die bei Aufstellung und 
Lagerung der Archivalien, oder bei ihrer Verzeichnung entstanden, 
oder im Laufe der Zeit sich eingeschlichen, ausgemerzt werden. 
Diese aufklärende und ordnende, berichtigende und ergänzende Arbeit 
kann daher nur am Fache geschehen, und ihre Fortführung wurde 
nicht nur vielfach durch Anforderungen des laufenden Dienstes, 
sondern auch durch regnerische Witterung gehindert, welche die 
Winterkälte erst spät im Sommer aus den Archivsälen weichen liess. 

Es hat aber Reichsarchivrath Auracher von den Akten des 
dreissigjährigen Kriegs den Inhalt einer ziemlichen Reihe von Fas- 
zikeln mit 374 Nummern in chronologischer Reihenfolge neu geordnet 
und das zugehörige Blätter-Repertorium entsprechend berichtigt und 
ergänzt. — Reichsarchivrath Dr. Haeutle stellte bei den übrigen 
Reichstagsakten auch die Passauer in Fächer und Repertorien ein, 
führte mit Beihülfe des Praktikanten Göbl die Umstellung durch 
bei den Kodizes, Amtsbüchern und Akten des Dominikanerklosters 
zu Augsburg, des Stifts Herrenchiemsee und der Klöster Herbrech- 
tingen und theilweise auch Dlmünster, wobei zu 17 Klöstern Nach- 
träge in den Repertorien und zu vier andern Gruppen Transferirungen 
nöthig wurden. — Reichsarchivassessor Primbs brachte den Lehens- 

19* 



292 Löher : 

saal in Ordnung, wobei nicht weniger als 8390 Urkunden und 
7213 Lehenbücher, Rechnungsbände und Aktenhefte mit den Ver- 
zeichnissen verglichen und weitgreifende Umstellungen in den Archiv- 
sälen XXIV und XXV vorgenommen wurden. — Beichsarchivassessor 
Dr. Geib vollzog ähnliche Arbeiten in den Sälen der Reichsstädte 
und andern Mediatisirten. — Reichsarchivassessor Prof. Dr. Heigel 
ging den Bestand der Würzburger Urkunden durch, die vor 1300 
entstanden; zu erledigen sind davon noch die der Hauptstadt, der 
Pfarreien und der Adelsgeschlechter, unter denen sich jedoch nur 
sehr wenige aus jener frühen Zeit befinden. — Reichsarchivassessor 
Dr. Stieler setzte mit Beihülfe des Praktikanten Löher die Kon- 
statirung der s.g. Gerichtsurkunden fort und erledigte 143 Gerichte 
und Herrschaften von Dachau bis Neumarkt mit zusammen mehr 
als 20,000 Urkunden. 

19. Konstatirung der Eodizes. Ein theilweiser Ersatz 
dessen, was die Oesammtübersicht im Reichsarchiv leisten soll, 
wurde vorläufig beschafft durch Verzeichnung der wichtigsten Stücke, 
nämlich sämmtlicher Eodizes des Mittelalters mit Hinzunahme des 
nächstfolgenden Jahrhunderts, indem ihr Befund, am Fache mit den 
Repertorien verglichen wurde. Diese Leistung wurde unter Leitung 
des Reichsarchivdirektors hauptsächlich von älteren Praktikanten 
ausgeführt, an deren Spitze Dr. Grauert stand. Dieser verzeichnete 
1395 Stück, Löher 1179, Göbl 1148, Dr. Leist 1058. Um für 
die bayerischen Landesarchive eine vollständige Konstatirung und 
üebersicht der vorhandenen Eodizes zu gewinnen, wurde dieselbe 
auch auf die Ereisarchive ausgedehnt. Das Gesammtergebniss stieg 
bis zur Höhe von 9719 Eodizes und Amtsbüchern, von denen freilich 
zwei Drittel bloss aufs Reichsarchiv fallen, und zwar, was das Alter 
betrifft, zählen sämmtliche Ereisarchive keinen Eodex aus dem 
neunten und eilften Jahrhundert, nur je 1 aus dem zehnten und 
zwölften, 11 aus dem dreizehnten Jahrhundert, während das vier- 
zehnte, noch viel mehr das fünfzehnte auch bei ihnen reichlich 
vertreten sind. 

20. Beschreibung von Eodizes. Da jeder Eodex, welcher, 
wenngleich nur auf ein paar Tage oder Wochen, ein Archiv verlässt, 
vorher auf der Innern Deckelseite seine Beschreibung erhält, während 
eine Abschrift derselben im Akte bleibt, so kommt jedes Jahr eine 
Anzahl der wichtigeren zur genauen Durchsicht, eine Arbeit, welche 
unter die Praktikanten vertheilt wird, jedoch unter Revision eines 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1888. 293 

Beamten. In den letzten beiden Jahren hatten vorzugsweise Dr. Lei st, 
Dr, Petz, Dr. Mayerhofer und Löher damit zu thun. 

21. Sammlung der Siegelabgüsse in Erz. Diese wurde 
im Jahr 1882 um 291 Stücke vermehrt und im folgenden um 108 
— und gegen dreihundert Siegel, die bereits vom Reichsarchiv- 
assessor Primbs ausgesucht worden, warten auf Abgiessung durch 
den dafür angestellten Chemiker Dalbez, der seine Arbeiten nach 
wie vor sorgfaltig ausführt. Auch die Kreisarchive zu Bamberg 
Nürnberg und Speyer vermochten besonders merkwürdige Siegel 
zur Abformung einzusenden und wurden solche auch im k. Oeh. 
Hausarchiv gefunden. Zu beklagen ist, dass auf diese in ihrer Art 
einzige Sammlung jährlich nur 360 Mark für Abgüsse verwendet 
werden können. 

B. Ordnungsarbeiien an den Kreisarchiven. 

1. Im Allgemeinen. Die Ordnungsarbeiten an den Ereis- 
archiven haben sich auch in den Jahren 1882 und 1883 in stetig 
fortschreitender Entwickelung befunden. Einen wesentlichen Theil 
nahm vor Allem die Durchprüfung, Adaptirung, und Einordnung 
der massenhaften Zugänge aus andern Aemtern in Anspruch. Je 
nach ihren Fähigkeiten wurden ausser den Funktionären hier und 
da auch die Archivdiener, so weit möglich, zu dieser drängenden 
Arbeit verwandt. Würde sie verschoben, so möchte es später un- 
möglich werden, Irrthümer und Lücken auszufinden und die Be- 
richtigung oder Ergänzung zu vollziehen. Zum Glück sind in 
sämmtlichen Kreisarchiven die alten Hauptbestände wenigstens so- 
weit in Ordnung gebracht, dass auch hier ein gewissenhafter Be- 
amter, der sich Zeit und Mühen nicht verdriessen lässt, jeder 
Anforderung gerecht werden kann. [Freilich giebt es noch immer in 
allen acht Kreisarchiven eine Menge von Gruppen, die nur erst 
oberflächlich repertorisirt sind. Gräuliche Verschuldungen von Archiv- 
beamten, die vor einem Menschenalter hier handtirten, sind dabei 
wieder gut zu machen. Da giebt es z. B. in einem Kreisarchiv 
gar zu häufig XJrkundenjalire, die unrichtig in die Kepertorien ein- 
getragen sind, — in einem zweiten verzeichnete der Archivar 
kunterbunt durcheinander, was und wie es ihm an Akten in die 
Hände kam, — ein Dritter glaubte seiiier Pflicht schon genügt zu 
haben, wenn er alle Zugänge und Einlaufe je nach der chrono- 



294 Löher : 

logischen Reihenfolge, in welcher sie ankamen, neben oder aufeinander 
häufte.] Hervorzuheben bezüglich der innern Ordnungsarbeiten ist 
etwa Folgendes: 

2. A m b e r g. Während der Funktionär Hirschmann unter des 
Amtsvorstandes Dr. Rapp Leitung über tausend Urkunden rege- 
stirte, und ein Verzeichniss der alten Druckschriften anfertigte, 
widmete Sekretär Nigg jede Zeit, die ihm die Recherchen übrig 
Hessen, dem Neurepertorisiren alter und neuer Serien, 

3. Bamberg. Die Repertorisirung der Aktenbestände in den 
obern fünf Sälen wurde gefördert bis zur durchaus planmässigen 
Aufstellung. Daran schloss sich die Fortsetzung einer Farbenskizze, 
welche Saal für Saal, Gewölbe für Gewölbe den Inhalt übersichtlich 
macht. Die rasch fortschreitende Adaptirung der Menge alter Re- 
pertorien erspart für künftig bedeutende Arbeit. Während mit diesen 
Aufgaben der Kreisarchivar Dr. Jung, Sekretär Dr. Wittmann und 
sodann sein Nachfolger Dr. Mayer hofer, und die Funktionäre Hoff - 
mann und Zottmann sowie der Diener Lö dl sich gemeinsam be- 
schäftigten, erledigte jeder der Beamten noch seine besonderen 
Gruppen durch Regestiren wie durch Repertorisiren. 

4. Landshut. Der aphabetische Generalkatalog, der sämmt- 
liehe Bestände umfasst und auch in den Inhalt der Sammelbände 
eingeht, wurde eifrig fortgesetzt, dabei manche grosse Gruppe neu 
repertorisirt, jede dazwischen auftauchende Urkunde regestirt, auch 
ein Verzeichniss der Handakten über die wissenschaftlichen For- 
schungen, die in diesem Archiv Statt hatten, angelegt. An diesen 
Arbeiten betheiligte sich mit dem Kreisarchivar Joerg und dem 
Reichsarchivassessor Kai eher der Archivpraktikant und Funktionär 
Sebert. Bedacht wurde genommen, verwandte Akten auch räumlich 
zu verbinden und zusammenhängende Archive der Gerichte, — der 
Kirchen, Klöster, Stiftungen und Orden, — der Fürstenthümer Frei- 
sing Passau und Berchtesgaden zu schaffen. 

5. München. Nachdem im Generalrepertorium Lücken aus- 
gefüllt worden, erhielt auch dieses Kreisarchiv ein Repertorienbuch, 
d. h. ein kritisches Verzeichniss sämmtlicher Repertorien und In- 
ventare. Sodann wurden vom Amtsvorstande Dr. Geib und bei- 
den Sekretären Roth und Dr. Zirngiebl grosse Gruppen, welche bei 
den Recherchen sich als solche bekundeten, die am meisten einer 
gründlichen Ordnung bedürftig, repertorisirt und mehrere Serien 
in ihre Spezialsachen aufgelöst und dorthin eingetheilt, viele andere 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 295 

Stücke an's Reichsarchiv abgegeben, während Dr. Zirngiebl auch 
die zerstreut vorkommenden Urkunden regestirte. Sämmtliche neu 
bearbeitete Aktenbestände wurden sodann vom Kanzleisekretär 
Walser mit Beihülfe des Archivdieners Bühl mit entsprechenden 
Aufschriften versehen und systemgemäss gelagert. 

6. Neu bürg. Auch hier wurden für weite Gruppen eine 
Uebereinstimraung zwischen den Archivalien und alten Repertorien 
herbeigeführt, einige Bestände neu repertorisirt und aufgestellt, die 
Manualregistratur geordnet, und die Kataloge der Bibliothek und 
Druckschriftensammlung beendigt. 

7. Nürnberg. Dieses Kreisarchiv hatte noch reichlich zu 
thun mit Auflösung der Packe und Bündel, die zum Zweck der 
Uebersiedelung in sein neues Gebäude gebildet waren. Ihr Inhalt 
wurde dabei mit den Repertorien verglichen, alles was darin nicht 
vollständig enthalten war, neu verzeichnet, und eine Anzahl von 
Urkunden ausgeschieden. Auch hierbei leistete der Archivdiener 
Schwager dem Amtsvorstande Dr. Heinrich und dem Sekretär 
Mummenhof und dessen Nachfolger Dr. Petz treffliche Beihülfe. 
Die Beschreibung der Kodizes ist soweit fortgeführt, dass nunmehr 
80 ihrem ganzen Inhalte nach zur archivalischen Dienstleistung 
bereit stehen. 

8. Speyer. Viele Zeit und Mühe kostet hier noch die Be- 
richtigung der alten Urkunden -Inventare, nicht minder die Aus- 
scheidung der Urkunden aus den Akten: in beiden Richtungen 
wurde vom Reichsarchivrath Schandein und Archivsekretär 
Fern b ach er fortschreitend gearbeitet, und ergaben sich in Ver- 
bindung damit Archivalien-Umstellungen. Die schöne Sammlung 
der 900 Weisthümer der Rheinpfalz, sowie ihre Saal- und Lager- 
bücher erhielten alphabetische Ortsnamenverzeichnisse. 

9. Würzburg. Die Verminderung des Recherchedienstes 
kam den inneren Ordnungsarbeiten wesentlich zu Gute. Gemein- 
same Thätigkeit des Kreisarchivars Dr. Schaff 1er und der Archiv- 
sekretäre B ran dl und Korb brachten das Urkundenarchiv auf 
mehr als fünftehalbtausend Regestenblätter, wobei gegen tausend 
ältere Regesten mit dem Urkundeninhalt verglichen wurden. Im 
Aktenarchiv sind weitläufige Gruppen und Serien zu sachgemässer 
archivalischer Ordnung und Verzeichnung gebracht, aus Tausenden 
von Verzeichnissblättern ein sicherer Wegweiser hergestellt. Von 
Dorf- und Gerichtsweisthümern und Handwerkerordnungen, wie sie 



296 Löher: 



in den alten handschriftlichen Amtsbüchern sich finden, wurden 
über dreihundert verzeichnet. Das Rechnungsarchiv schloss am 
Ende des Jahres 1883 mit Nummer 15,0661/2. Zu der häufig 
gebrauchten Sammlung der Namen und Zeiten aUer Würzburger 
Bischöfe, Prälaten und Domherren wurde ein übersichtliches Register 
angelegt. Die Ordnung der Manualakten ist nunmehr abgeschlossen, 
die neueren zählen 1602, die älteren 1062 Aktenhefte. Daran 
schliesst sich das Verzeichniss von nahezu zweitausend Archiv- 
benützem. Gelegentlich dieser Arbeiten machte auch das fränkische 
Ortslexikon Fortschritte durch systematische Eonstatirung der Orts- 
namen, wobei insbesondere einer Untersuchung der Namen wüst- 
gewordener Weüer und Höfe Sorgfalt zugewendet wurde. 

VIL Sonstige bedeutendere Arbeiten. 

1. Archivalische Zeitschrift Diese hat ihren guten Fort- 
gang und dürfte mit jedem neuen Jahre ihren Zwecken mehr ent- 
sprechen. Der Herausgeber setzte seine Darstellung fort, wie Archive 
im Innern eingerichtet werden müssen, insbesondere mit Bezug auf 
Ausstellungen, Verwahrung der verschiedenartigen Archivalien, und 
deren Folgeordnung. Dabei gab die bauliche Einrichtung des neuen 
Kreisarchivs zu Nürnberg, über welches auch eine Tafel mit Ansicht 
und Grundrissen beigefügt wurde, erwünschte Gelegenheit, den viel- 
fachen Anfragen von Archivaren ausserhalb Bayerns ein Beispiel 
vor Augen zu stellen. Erörterungen, die in der Archivschule über 
einen wichtigen Inschriftenfund in Bayern Statt fanden, führten 
dazu, einmal öffentlich darzulegen, wie nothwendig es ist, dass 
archivalische Kenntniss und XJebung den Forschern in Kulturgeschichte 
zu Hülfe kommt. Für die noch im Dunkeln liegende Geschichte 
der bayerischen Archive im 17. und 18. Jahrhundert lieferte der 
Sekretär Neudegger am Geh. Staatsarchiv eine dankenswerthe 
Arbeit. Zur Kenntniss des Inhalts unserer Archive ergaben sich 
schätzbare Beiträge aus dem Nachlass des früheren Archivvorstandes 
Professor Dr. Contzen, durch die neue Bearbeitung der Kriegsakten 
vom Reichsarchivrath Auracher, des Adelsselekts vom Akzessist 
Dr. Leist, und durch Beschreibung des ältesten Kopiale in Deutsch- 
land vom Praktikant Dr. Mayerhof er, während Archivsekretär 
Rieder sich über drei schwäbische Stadtarchive verbreitete. Diesen 
Arbeiten reiht sich an die Darstellung der historischen Entwicklung 
des Witteisbacher Wappens vom Reichsarchivassessor P r i m b s. Will- 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 297 

kommen war, da die Angelegenheit auch in Bayern jetzt im Flusse 
ist, eine längere Belehrung über Ordnung und Inventarisirung der 
Gemeindearcbive von dem als Archivar rühmlichst bekannten Bezirks- 
Archivdirektor Dr. Pfannenschmidt in Kolmar. Ausser den 
genannten Beiträgen brachte endlich die Archivalische Zeitschrift 
noch Mehreres über Geschichte und Inhalt der Archive der Johanniter 
und Malteser, der Normandie, Russlands, Schwedens, Italiens und 
Deutschlands, und vom Fürsten Hohenlohe zur Siegelkunde. 

2. Einrichtung der Staatsprüfung für Archivbeamte. 
Da gemäss der auch in der Archival. Ztschr. veröffentlichten Aller- 
höchsten Verordnung vom 3. März 1882 im Dezember darauf die erste 
Prüfung Statt hatte, so gab deren Einrichtung im Einzelnen Anlass zu 
lebhaftem schriftlichem Verkehr mit dem k. Staatsministerium des Innern. 

3. Ausscheidung von Archivalien für den Nürn- 
berger Magistrat. Aus dem Kreisarchiv zu Nürnberg wurden 
schon in den Jahren 1813 bis 1832 Archivalien, welche aufEigen- 
thum und Stiftungen der Stadt Bezug hatten, an diese bald in 
grösseren bald in kleineren Partien abgegeben, ohne dass die Aus- 
scheidung irgendwie gründlich zu nennen. Im Jahr 1855, als die 
alte Reichsstadt endlich ihr eigenes Stadtarchiv erhielt, erschien die 
Herausgabe aller noch übrigen dahin einschlagenden Archivalien noch 
unthunlich bei dem ausserordentlichen Umfange der erforderlichen 
Arbeiten. Dagegen wurden übergeben Verzeichnisse und Regesten 
der im Kreisarchiv lagernden Akten und Urkunden, die Bezug haben 
auf die Kirchen, Schulen, Stiftungen und sonstigen Besitzungen der 
Stadt Nürnberg, und wurde dem Magistrat nicht bloss die freie 
Einsichtnahme der betreffenden Archivalien, sondern auch das Recht 
zugebilligt, im Bedürfnissfall Regesten und Abschriften sich geben 
zu lassen. Der Magistrat verlangte nun die Herausgabe der aufge- 
führten sowie der verwandten Archivalien : als dagegen von der Archiv- 
verwaltung ein Verzeichniss über die Rechts- und Besitztitel der 
Stadt, die im Kjeisarchive vertreten sein könnten, und Zusicherung 
einer Gegengabe von wichtigeren Archivstücken rein historischen 
Inhalts erbeten wurde, nahm der Magistrat von seinem Auscheidungs- 
antrag Abstand. So weit war man im Mai 1876 gekommen, als 
die Uebersiedelung des Kreisarchivs in sein neues Gebäude dem 
Magistrat Anlass gab, auf sein Begehren zurückzukommen, und in 
Folge dessen von höchster Stelle dem Reichsarchiv wiederholt nähe 
gelegt wurde, dass das k. Staatsministerium des Innern Werth darauf 



298 Löher: 

lege, die Angelegenheit in förderlicher Weise zu einem befriedigenden 
Abschluss gebracht zu sehen. Nachdem nun der Umzug des Ereis- 
archivs bewirkt worden, konnten ihr in den letzten beiden Jahren 
mehr Zeit und Kräfte gewidmet werden, und entschloss sich zuletzt 
der Reichsarchivdirektor, bei seiner Visitation des Kreisarchivs, 
welche im Januar laufenden Jahres Statt fand, die endliche Erledigung 
dieser eigenthümlich schwierigen Sache soweit möglich in Gang 
zu bringen. 

4. Erwerb von alten Stadt Weissenburger Archiva- 
lien. Nachdem vor ein paar Jahren der bedeutendste Theil des 
alten Archivs der Reichsstadt Weissenburg am Sand vom Reichs- 
archivdirektor entdeckt und sodann in das Kreisarchiv zu Nürn- 
berg übergeführt worden, zeigten sich darin noch manche Lücken, 
über deren Ausfüllung trotz eingesandter Katalogblätter man nicht 
in's Reine kommen konnte. Der Reichsarchivdirektor benutzte daher 
seine Durchreise zur Archivinspektion in Bamberg im Juni 1883, 
um auf dem Speicher des Weissenburger Rathhauses nachzusehen. 
Richtig fand sich dort noch eine grosse Menge Archivalieu vor. 
Von dem, was in der Eile sich verzeichnen Hess, erhielt das Kreis- 
archiv in Nürnberg Mittheilung, und trat dessen Vorstand, bei 
Gelegenheit einer Archivalienausscheidung im nahen Ellingen, mit 
dem Bürgermeister in Weissenburg persönlich in Verhandlungen, 
welche wohl den Erwerb der in Rede stehenden Amtsbücher, Akten 
und Urkunden, soweit sie noch werthvoU, zur Folge haben werden. 

5. Besserstellung des Stadtarchivs zu Rothenburg 
ob der Tauber. Als bei einem gelegentlichen Besuche der Reichs- 
archivdirektor das höchst werthvoUe Archiv der altberühmten Reichs- 
stadt nicht in der erwünschten Verfassung fand, entspann sich 
darüber eine längere Korrespondenz mit dem Magistrat, die wenig- 
stens es dahin brachte, dass die durchaus nöthige Ventilation zu 
Stande kam und ein Posten von 500 Mark zur Durchführung der 
Ordnung in den Etat eingesetzt wurde. Dieser wurde vom 6e- 
meinderath zwar für die beiden vorigen Jahre nicht, wohl aber für 
das laufende Jahr genehmigt. Jedes Jahr sollen fortan eine ent- 
sprechende Summe ausgesetzt und die Beträge so lange admassirt 
werden, bis sie hinreichen, um einen Fachmann zur Ordnung des 
Archivs zu gewinnen. Da der Stadt vor Kurzem eine bedeutende 
Erbschaft zugefallen, hofft man schon für das nächste Jahr die 
erforderlichen Geldmittel in Händen zu haben. 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 299 

6. Archiyalienausscheidung bei den Justizbehör- 
den. Nachdem von den k. Justizämtern gelegentlich schon um- 
fangreiche und wichtige Akten, Amtsbücher, Grundrisse und auch 
Urkunden den Landesarchiven zugeflossen, erschien es räthlich, 
eine systematische Erforschung und sachverständige Musterung jener 
wichtigen Registraturen durchzuführen. Jedes Kreisarchiv stellte 
ein Verzeichniss der verschiedenen Gerichte seines Kreises her und 
konstatirte planmässig, wie deren Registraturen beschaffen, ob und 
wann Extraditionen Statt gefunden, und wie es mit der XJeber- 
siedelung der noch weiter aufbewahrungswerthen Gruppen zu halten. 
Zahlreiche Korrespondenzen, Dienstreisen und Ermittelungen waren 
nöthig, um solcher Gestalt das ganze verzweigte Netz der bayeri- 
schen Justizbehörden überschauen und ihrer Archivbestände ent- 
ledigen zu können. Der schriftliche Verkehr dieserhalb gehörte 
zum Referat des Reichsarchivassesors Dr. Stiel er, und das Er- 
gebniss waren reichhaltige Zugänge aus allen Kreisen. Nur die 
Rheinpfalz machte wegen der Organisation der linksrheinischen 
Gerichte eine Ausnahme, während in der Oberpfalz nur noch eine 
einzige Justizbehörde, das Amtsgericht zu Nabburg, mit einer kleinen 
Extradition aussteht. 

7. Herstellung von Abschriften der Kreisarchiv- 
Repertorien. Die Archivcentralstelle ist nur dann im Stande, 
die Archivalienmassen bei den XJnterarchiven und insbesondere die 
Art und Weise, wie dort der Recherchedienst besorgt wird, zu 
überschauen und vorkommenden Falls sofort im Reichsarchiv selbst 
eine Prüfung vorzunehmen, wenn hier die Duplikate sämmtlicher 
Repertorien der Kreisarchive sich vorfinden. Die Mehrzahl derselben 
ist bereits vorhanden, jedoch in einem Zustande, der mehrfach der 
Ergänzung und Verbesserung bedarf. Um zu einem gewissen 
Abschluss zu gelangen, wurde das Anfertigen und Anhersenden 
solcher Abschriften in den beiden letzten Jahren fleissig angeregt. 
Jedoch galt als Richtschnur, nur solche Repertorien hereinzuziehen, 
deren Abfassung einen definitiven Charakter trägt. So wurde auch 
in diesem Dienstzweige von den Kreisarchiven Amberg, Bamberg, 
Neuburg und Würzburg Erkleckliches geleistet, was um so mehr 
Erwähnung verdient, als das Kopiren ausser den Dienststunden 
erfolgen muss und nur aus Regieerübrigungen honorirt werden kann, 
da andere budgetmässige Mittel nicht zu beschaffen waren. In Speyer 
fehlte leider noch immer der Funktionär; in Nürnberg hatte man 



300 Löhw: 

alle Hände voll, um nach dem Umzug Ordnung zu schaffen; in 
Landshut und München musste jener Arbeit während der letzten 
Jahre entsagt werden, weil dort die Anfertigung eines General- 
kataloges, hier der Plan einer durchgreifenden Neurepertorisirung 
es nicht räthlich erscheinen Hess, von den dermaligen Bepertorien 
ein Duplikat herzustellen. 

8. Bildung des Kriegsarchivs. Im Vorjahr sind die 
Gesichtspunkte erörtert, nach welchen ein eigenes Archiv des k. 
Kriegsministeriums zu bilden, während die Archivalienmassen im 
Reichsarchiv, welche den Grundstock hiezu abgeben, von Offizieren 
durchgearbeitet wurden. Es galt nun, die letztere Aufgabe in 
beschleunigter Weise fortzusetzen, und mit dem k. Generalstab 
bezüglich Abtretung und Einrichtung von Reichsarchivsälen, Diener- 
hülfe und Kostenbestreitung das Erforderliche zu vereinbaren. Aus 
verschiedenen Kreisarchiven wurden Akten und Amtsbücher, die 
sich für ein Kriegsarchiv eignen, herbeigeholt, und Platz dafür 
geschafft, indem man den Kreisarchiven Bestände, die ihnen zu- 
gehörig, aus dem Reichsarchiv zuführte. Am 30. November 1883 
wurde zwischen Generalstab und Reichsarchiv der Vertrag unter- 
schrieben, nach welchem auf Dauer von 10 Jahren sieben Archiv- 
säle, die einen besondern Abschluss erhielten, dem Kriegsarchive 
und den mit seiner Herstellung betrauten Offizieren eingeräumt 
und eine systematische Förderung der kriegswissenschaftlichen 
Arbeiten, um welche es sich handelte, verbürgt wurden. 

9. Austausch mit der k. Hof- und Staatsbibliothek. 
Mit Lösung dieser umfangreichen Aufgabe lässt sich nur schritt- 
weise je nach Gelegenheit weiter gehen. Auch die Kreisarchive 
nehmen nunmehr Antheil daran, weil für historische Forschungen 
nichts hinderlicher ist, als wenn wichtige Schriftstücke unbekannt 
an Orten stecken, wo Niemand sie vermuthet. Es ergab sich z. B. 
aus Bamberg der vier Bände umfassende Briefwechsel der Charitas 
Pirkheimer, Aebtissin von St. Clara in Nürnberg. Während die 
Hof- und Staatsbibliothek werthvolle Handschriften und alte Druck- 
sachen erhielt, wurden dem Reichsai'chive nicht minder erwünschte 
Ergänzungen zu Theil, z. B. aus dem Nachlass des Justizministers 
V. Zentner. Bei 'dieser Gelegenheit erhielten auch Kreisarchive 
eine systemgemässe Bereicherung. 

10. Umstellung in der Amtsbibliothek des Reichs- 
archivs. Eine solche war, um Platz für neuen Zuwachs zu 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. 301 

gewinnen, angezeigt, und wurde durch ßeichsarchivakzessist Dr. 
Leist mit Hülfe von Praktikant Löher vollzogen. 

11. Kaiser Ludwigs-Urkunden in Rom. Der Selekt 
Kaiser Ludwig des Bayern hat in den beiden letzten Jahrzehnten 
aus verschiedenen Quellen mannigfache Bereicherung erfahren, so 
dass er nunmehr an zwölftausend Urkunden zählt. Die grösste wird 
jetzt aus dem Yatikanischen Archiv gewonnen. Nachdem auf den 
höchst bedeutenden und noch ungehobenen römischen Schatz die 
Archivalische Zeitschrift durch VeröflFentlichung der Regesten, welche 
vom päpstlichen Archivar Theiner einst dem Reichsarchivdirektor 
zugegangen, die Aufmerksamkeit gelenkt war, beschloss die historische 
Kommission bei der k. Akademie der Wissenschaften, die Urkunden 
des Kaisers, soweit sie in Rom vorhanden, sämmtlich ausforschen 
und regestiren resp. abschreiben zu lassen. Mit dieser Arbeit waren 
in jedem der beiden Jahre die Reichsarchivakzessisten Dr. Grau er t 
und Petz je vier Monate beschäftigt, und nahm im vorigen Jahre 
auch der Reichsarchivpraktikant Löher während seines Urlaubs, 
sowie ein anderer junger Gelehrter, Dr. Lange, daran Theil. Die 
Reise-, Unterhalts- und sonstige Kosten wurden für die beiden 
Erstereu dadurch ermöglicht, dass ihnen neben dem von der histori- 
schen Kommission für das Jahr bewilligten Gesammtbetrag von 
1800 M. ihr Bezug vom Reichsarchiv nicht geschmälert wurde. 
Mindestens vier Monate Arbeit in Rom sind noch nöthig, um das 
Unternehmen abzuschliessen. 

12. Schul- und Kleinodien-Archiv. Die Aufstellung 
desselben musste noch ausgesetzt bleiben, da die Ersparungen an 
der Regie nicht hinreichten, die erforderliche Zahl von Schaukästen 
anzuschaffen. Mittlerweile nahm das Auswählen von kostbaren oder 
besonders belehrenden Urkunden und Kodizes seinen Fortgang. 

13. Muffat's Nachlass an amtlichen Archivalien. 
Reichsarchivassessor Primbs hat nunmehr die mühsame Auf- 
arbeitung zu Ende geführt, und nach erfolgter Prüfung und Fest- 
stellung erübrigt noch die Eintheilung der Stücke in die einzelnen 
Bestände, resp. deren Versendung an die Kreisarchive. 

14. Ausforschung und Sicherstellung der Gemeinde- 
'archive. Nachdem über die Art und Weise, wie diese höchst- 
wichtige und meistens nicht genug gewürdigte Aufgabe in andern 
Staaten behandelt wird, Erkundigungen eingezogen waren — ins- 
besondere auch durch schriftlichen Verkehr mit hervorragenden 



302 Löher: 

Fachmännern in Berlin, Dresden, Kolmar und Stuttgart, — unter- 
breitete das Reichsarchiv höchster Stelle seine ehrerbietigsten Anträge, 
wie die Verordnung vom 4. August 1809 bezüglich der Gemeinde- 
archive zweckentsprechend etwa zu ergänzen und von Staatswegen 
eine gründliche Revision des städtischen Archivwesens in Angriff 
zu nehmen. Im Verfolg der darauf ergangenen vorläufigen höchsten 
EntSchliessung wird hoffentlich manches Gute in dieser Richtung 
sich erreichen lassen. 

15. Archivalienaustausch mit Baden. Nachdem auf 
den ausführlichen Bericht, worin der Plan zum schliesslichen Aus- 
tauschverfahren dargelegt worden, die höchste Genehmigung erfolgt 
war, konnte diese Aufgabe allseitig in Angriff genommen werden, und 
es entspann sich daraus eine eingehende Korrespondenz zwischen dem 
Reichsarchiv, dem Kreisarchiv Speyer, und dem badischen General- 
landesarchiv. Diese erstreckte sich biä über das Jahr 1883 hinaus 
und schloss mit einem fiir Bayern wesentlich günstigeren Ergebniss, 
als anfangs zu hoffen stand. 

16. Archivalienaustausch mit Schweden. Auf Betreiben 
des Reichsarchivs, theils bei dem schwedischen Reichsarchiv in 
Stockholm, theils bei dem k. Staatsministerium, langte endlich im 
Juli 1882 die Kiste mit Archivalien an, welche von Schweden der 
deutschen Gesandtschaft zur TJebermittlung an Bayern übergeben 
waren. Nunmehr konnte das Reichsarchiv seine für Schweden be- 
stimmten Urkunden absenden, für deren Empfang der neue schwedische 
Reichsarchivar seinen Dank aussprach. Da dem Reichsarchiv schliess- 
lich überlassen war, aus den von Schweden extradirten Stücken aus- 
zuscheiden, was sich zur Herausgabe an Preussen eignete, so wurde 
auch letztere vollzogen, und folgte ihr die TJebermittlung der in 
das Kreisarchiv zu Würzburg gehörigen Archivalien und Eintheilung 
der im Reichsarchiv verbliebenen. 

17. Archivalienaustausch mit Württemberg. Der 
eingegangenen Verpflichtung gemäss wurde im Reichsarchiv wie in 
sämmtlichen Kreisarchiven weiter nach Archivalien geforscht, die 
ihrer ganzen Natur gemäss nur in Württembergischen Archiven 
lagern sollten. Es gelangten bei dem grossen Reichthum unserer 
Archive noch eine Menge Stücke zur Prüfung, ob sie jene Eigen-* 
Schaft besitzen. Die Nachforschung wird fortgesetzt. 

18. Archivalienaustausch mit Preussen. Dieser war 
im Jahr 1874 mit dem Koblenzer Archiv eingeleitet, um dem 



Aus den amtlichen Jahresberichten für 1882 und 1883. . 303 

rhelDpfalzischen besser aufzuhelfen, und war zwei Jahre später 
vollzogen. Nun fand sich bei Gelegenheit einer Recherche zu 
wissenschaftlichen Zwecken, dass vor 53 Jahren sieben Urkunden, 
welche die nassauische Pfarrei Nordenstadt betrafen, von der 
k. Kreisregierung des üntennainkreises aus dem Archivkouservatorium 
zu Würzburg entnommen , an die nassauische Regierung geliehen, 
von dieser aber an den Pfarrer zu Nordenstadt abgegeben waren. 
Es wurde deshalb im vorigen Jahre von preussischer Seite das 
Ersuchen gestellt, diese Urkunden dem Staatsarchiv zu Wiesbaden 
als Eigen thum zu überlassen, wofür bei Gelegenheit Ersatz geleistet 
werden solle. Da nun unsererseits ermittelt war, dass fuldaische 
Archivalien bayerischen Gebiets im preussischen Staatsarchiv zu 
Marburg lagerten , so wurde deren Herausgabe angeregt , was zur 
Folge hatte, dass das Kreisarchiv zu Würzburg eine erwünschte 
Bereicherung von 30 Nummern Urkunden und Akten erhielt. 

19.. Noch andere Extraditionen erforderten weitschichtige 
Prüfungen, bei welchen, um endlich auch sie zum guten Ende zu 
führen, keine Mühe gespart und z. B. durch den Kreisarchivar 
Dr. Jung sowie durch den Reichsarchivdirektor gegen fünftausend 
Nummern von Schriftstücken durchgeprüft wurden. 

20. Besuche auswärtiger Archivare. Auch in den 
beiden letzten Jahren erhielt das Reichsarchiv Besuche von Fach- 
genossen, wie Professor G^resi aus Debreczin, Archivar Dr. 
Baumann aus Donaueschingen, Kantonsarchivar Dr. Enderes 
aus Schaffhausen, Professor Camillo Rö und Signor Azurri aus 
Rom, Staatsarchivar Dr. Schweizer aus Zürich und Andere, — die 
sich genauer über seine Einrichtungen und die Art und Weise der 
Geschäftsführung unterrichteten, dagegen ihrerseits manche schätz- 
bare Mittheilungen machten. 

21. Wissenschaftliche Gutachten. Hervorzuheben ist 
endlich, dass Anforderungen, juristische oder administrative oder 
historische Fragen zu lösen, öfter als früher von Stellen und Be- 
hörden verschiedener Art an die k. Archive gestellt werden, z. B. 
Aufgaben, wie es um die Souverainität einer früher reichsunmittel- 
baren Abtei oder um Marktrechte und Wappen von Gemeinden 
beschaffen, welches die Bedeutung von villa als Pfarrkirche mit 
Pfarrhof, wie gewisse Formeln in päbstlichen und bischöflichen 
Inkorporations- und Suppressions-Urkunden zu interpretiren, endlich 
verschiedenerlei Fragen aus der Geschichte von Landschaften und 



304 Löher: — Aus den amtl. Jahresberichten für 1882 u. 1883. 

Städten. An jeden Referenten im Reichsarchiv gelangten solche 
Aufgaben und sie bleiben auch bei den Kreisarchiven nicht 
aus. Ihre häufigere Wiederkehr möchte wohl beweisen, wie sich 
ganz allmählich doch ein richtigeres Verständniss von Beruf der 
Archivbeamten verbreitet, die nicht bloss Registratoren sein sollen, 
sondern die vom Staate bestellten Sachverständigen, um die 
Dokumente mit Bezug auf bestimmte Fragen zu erforschen und 
zu interpretiren. Denn der grösste Nachtheil des Archivwesens 
liegt in der nicht selten haarsträubenden Unkenntniss, welche über 
seine Zwecke, Einrichtungen und Leistungen verbreitet ist, selbst 
in Kreisen , wo man dergleichen am wenigsten erwarten sollte. 



Zum Schluss kann der unterzeichnete Reichsarchivdirektor, 
nachdem er länger als zwanzig Jahre hindurch Zustände und 
Arbeiten in den k. Landesarchiven vor Augen gehabt, nur dei 
Ueberzeugung Ausdruck geben, dass an den neun Archiven sämmt- 
liche Beamte, Akzessisten, Praktikanten, Funktionäre und Diener mit 
verschwindend kleinen Ausnahmen ihre volle Schuldigkeit thun, 
mehrere auch darüber. Zu wünschen wäre aber, dass bei ver- 
ringerten Arbeitskräften und vergrösserten Anforderungen nicht 
jede HofTnung abgeschnitten sei, wieder zu der ehemaligen Zahl 
der Beamten zu gelangen. 



XV. Einrichtung von Archiven. 

Vom Herausgeber. 
(Fortsetzung.) 

XI. Folgeordnung der Archivallen. 

3. Bildung von Selekten. 

Der Methode, sämmtliehe Urkunden zu einer einzigen chrono- 
logischen Reihe zu vereinigen, steht gegenüber eine andere, welche 
die Bildung von besonderen Sammlungen liebt. Dabei werden Ur- 
kunden und andere Archivalien aus ihrer natürlichen Folge heraus- 
gerissen und nach irgend einem Gesichtspunkte wieder zu einer 
besonderen Gruppe zusammen gereiht. So hat man im Reichsarchiv 
zu München in früherer Zeit sich nicht begnügt, einen Kaiser 
Ludwigsselekt zu bilden, sondern man wollte auch einen bayerischen 
Fürstenselekt haben. Nun wurden alle Urkunden, die jemals ein 
Mitglied des bayerischen Fürstenhauses ausgestellt hatte, in den 
Gruppen der Fürstenthümer Herrschaften Reichsstädte Hochstifto 
Klöster Ritterbünde und sonstiger Genossenschaften hervorgesucht 
und zu chronologischer Folgereihe zusammen gebracht. In einem 
nichtbayerischen Lande hat dagegen ein sonst verdienter Archivar 
die Urkunden ihrer hübschen Siegel wegen herausgenommen und 
zahllos in Kartons untergebracht: das übrige Gesindel, das keinen 
Siegelschmuck aufwies, hatte in Papierbogen eingeschlagen und 
zusammen gebündelt an seinem alten Platze zu verbleiben. 

Solch ein Verfahren ist durchaus verwerflich. Möge man so 
viele Selekte schaffen, als man Lust und Neigung hat oder nach 
historischen oder dienstlichen Rücksichten für nützlich hält. Ja, 
wenn in der Hauptsache das Archiv in Ordnung, so zeigt sich 
gerade in Auswahl und Menge der Selekte Fleiss und Kenntniss 
des Archivars. Wohlverstanden aber, die Selektenbildung darf nur 
auf dem Papier vor sich gehen. Im Hauptarchiv zu Dresden ist 

AichiTElisctae Zeitschrift. IX. 20 



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mmmr ■ - aa ■ - —■'•'^ i° ^i" Teixeicbuiss ge- 

HliEtHMfl'^ Ar>:h:v3 wahrhaft fordeilicfa 

Sl*«?^8r||';Ä;a .Sra.ke za einer EeioodiäD- 
5^W«U|M.^ai Soh'iljrchiT aushebea. oder 
si'$t M'A^WlP •l:-:C~'[:-:'ae Kiioksichtea dazn 
»IS^ÄV^i^Si^ib^i j-I^ irirendwie mchtisrere 
ä f 2' B Ä- B ■'-■'" ""'■* ''rrlioLijn Gruppe iind 
■ i$i*wJ5*;t. .lurrb Einstellen einer Hülle 
$! H 'A' n H -r^-iH eines Blattes Tun festem 

aii^rÄ.'ta nur ieiir wenige Urkunden 
^J*c-t /AI tiii'!'-u :ifin, wohin sie ge- 
_>Ä zu b.>Miii-(..ren Zwei-keo, sowie 
__^.^^ä-Ig^i;-'->rt?ni>Lirrt-rn, die sanz jenen 
I^^^^K^iJili» i'"'l niti-isen in jedem rut ver- 
^^S^^i?:^^§; immer ni.'lir Selekte ausbilden. 
^l^^~3"'^^I*S*ii''k'? niüs^enhiift einmal anpe- 
i:ie v.-i-wauihi>Q Stoffes vurhandeD. 
i'ii timiec und de:isen Bestand- 
^r eine b^ieutuncrslo-^e Stellung 
_ _ _ lii'iuiiL: eiii-^ viel umfassenden 

m ^|^^^^l^r>'iKv iii Miiu.'hen z. B. leistet 
^^^»*(-& T.jr^ii::lii>he Dienste bei genea- 
fcäife'^pi4|inj:en. Wie mühsam würde es 
§it se<.hira[i;end Geschlechter, die 
i zahlreichen irchivgruppen 
P<1^^9 ''^"''^^= zu seiner Bekundung ^b 
^^^Ugljy-l'^i'^f Läc_-e der Zeit eine grosse 
- liitw'^^'''''^"'^'^'''^ Familien des Adels, 
iJ^^K^|^*S'<^ri3!meuj:efitndeQ hatte, die man 
jp^F^K^^al* ^^ ^-"^ '" einer Sammlung zu 
K^^ W''n*^^' ^^'^'^'^ '^'"^'^ später absichtlich 

i:i2tL:j|:i h Sälen. 

P^m*^ der Arcbivalischen Zeitschrift 
„ _^_ ,i%B!«?ftKcii-hsarchiv zu München jeder 
Sc«^«SSi^:^Essere oder kleinere Gruppe ver- 




Einrichtung von Archiven. 307 

wandten Stoffes enthält, die aus historischen wie sachlichen Rück- 
sichten entstanden. Diese Einrichtung hat sich je länger je besser 
bewährt, und sollte nirgends ausser Augen gelassen werden, ins- 
besondere nicht bei neuen Archivbauten. 

XII. Veryichnung der Urkunden. 

1. Regesten. 

Jede Urkunde im Archiv, auch die Kopie im Kodex, soll 
durch ein Regest vertreten sein, das leicht ihren Inhalt ersehen 
und leicht sie finden lässt. Wie viel oder wenig das Regest ent- 
halten soll, hängt davon ab, wie viel Zeit und Neigung vorhanden, 
Rogesten bis in's Einzelnste hin zu vorfassen. Man kann ja aucii 
andere Regesten für den praktischen Dienst kürzer fassen, als zu 
Zwecken wissenschaftlicher Forschung. Wesentlich möchte Folgen- 
des sein: 

Man nimmt Quartblätter von festem Büttenpapier und schreibt 
oben in der Mitte das aufgelöste Datum, links in der Ecke die 
Signatur des Lagerortes, rechts in der Ecke das Schlagwort, dar- 
unter möglichst kurz und treffend den Inhalt der Urkunde, wobei 
die Namen der Aussteller und Empfanger durch fettere Schrift oder 
durch Unterstreichen hervorgehoben werden ; dann folgt das Datum 
wie es in der Urkunde steht; darauf die vier Vermerke, ob Original 
oder Kopie, ob Pergament oder Papier, ob und wie viel Siegel 
anhängen oder aufgedrückt sind, und in welchem Zustande sich 
Schrift Siegel Schnüre Pergament oder Papier oder Anderes befinden. 

Oben wird so viel Raum gelassen, dass zu dem Hauptschlag- 
wort, welches von dem Ort oder der Person oder Sache herge- 
nommen wird, noch eine Reihe anderer Wörter hinzukommen können, 
die auf einen besonderen Inhalt der Urkunde, z. B. ein Rechts- 
alterthum, eine ungewöhnliche Form, auf wichtige Zeugen und 
Bürgen , auf ein seltenes Vorkommniss in oder eine Eigenthüm- 
lichkeit an derselben aufmerksam machen. Das richtige Schlagwort 
gleich zu treffen — darin zeigt sich auch eine Kunst des Archivars. 
Lässt sich eine bestimmte Oertlichkeit oder Person oder Begebenheit 
oder Sache nicht wohl angeben, so niuss das Schlagwort wenigstens 
sicher den Ideengang hervorrufen, zu welchem die Urkunde gehört. 
Bei Urkunden von geringer Erheblichkeit z. B. Jon gewöhnlichen 
Oültbriefen, und bei Reihen von Urkunden gleicher Art genügt 

20» 



308 Löher : 

statt eines vollständigen Regestes eine kurze Bezeichnung der 
Rechts- oder Thatsache, z. B. Bestandbrief des Klosters . . . über ein 
Gut zu . . . oder: Lehenbrief des Grafen . . . über . . . vom Herzog 
von . . . Dagegen wird bei Stücken von historischer Bedeutung das 
Regest auch Alle anführen, die an der Abfassung theilgenommen. 

Das Datum über dem Regest wird nach dem jetzigen Kalender 
in kräftiger Schrift gegeben, am Schluss* des Regestes darf das 
Datum in der Form, wie es die Urkunde selbst enthält, nicht fehlen. 
Bei undatirten Stücken oder solchen, in denen das Datum ganz 
unleserlich, muss die Entstehungszeit auch Inhalt und Schrift der 
Urkunde möglichst genau erforscht, im Regest angegeben und 
kurz begründet werden. 

Das Regestenblatt wird am füglichsten in deutscher Sprache 
abgefasst; denn sein Zweck ist, leicht zu orientiren, und wer zum 
Archiv gehört oder dasselbe benützt, von Dem ist vorauszusetzen, 
dass er deutsch versteht. Wollte man den Grundsatz durchführen, 
das Regest müsse in der Sprache der Urkunde verfasst sein, so 
müsste es hier kurioses Mönchslatein nachahmen, dort altfranzösisch 
oder holländisch sich ausdrücken. Welch ein Stil möchte manchmal 
dabei unterlaufen ! Ohnehin fand ja vom vierzehnten Jahrhundert an 
eine Sprachmischung statt, ohne sachlichen Grund wurde die Ur- 
kunde bald in lateinischer bald in deutscher Sprache niedergeschrieben. 

2. Vervielfältigung der Regestenblätter. 

Im böhmischen Landesarchiv zu Prag, das sich reissend 
schnell aus Abschriften bildet, die ^aus zahlreichen Archiven zu- 
sammengeholt worden, wird jedes Schriftstück, ehe man es der 
Sammlung einverleibt, regestirt und das Regest sofort durch auto- 
graphische Presse auf mehrere Oktavblätter übertragen. Zwei Exem- 
plare davon werden verwendet, um, das ganze Archiv umfassend, 
zwei chronologische Folgereihen zu bilden, die eine für die Archiv- 
benützer, — die andere für den Archivar, welche zur Aufsicht 
dient und nicht aus seinen Händen kommt, — ein drittes Exemplar 
desselben Regestenblattes geht zu der Sammlung, welche für jedes 
Archiv, aus welchem Abschriften herstammen, besonders aufgestellt 
wird; — andere Exemplare werden zu Gruppen vereinigt, welche 
die verschiedenen Abtheilungen des Archivs vertreten, als da sind 
Regierungssachen, Kirchensachen, Unterricht, Gewerbe und Handel, 
Städtewesen, Hofwesen, Grossgrundbesitz, Bauern, Juden, Sekten, 



Einrichtung yon Archiven. 309 

Krieg, Politik u. s. w., — endlich dienen noch andere Exemplare des- 
selben Regestenblattes, um Orts- Personen- und Sachregister zu bilden. 

Diese Methode lässt sich vortrefflich für ein Archiv anwenden, 
das erst ganz neu gebildet wird. Denn das böhmische Landesarchiv 
bestand vor Jahren bloss aus Akten und Korrespondenzen des böhmi- 
schen Landesausschusses vom Ende des siebzehnten Jahrhunderts 
an, und vereinigt jetzt — vorzugsweise durch das Verdienst des 
Vorstandes Professors Gindely — bereits gegen anderthalbhundert- 
tausend Kopien, die freilich von sehr verschiedenen Händen herrühren. 

Auch bei andern Neuordnungen, die von Grund aus genommen 
werden, — mögen sie nun auf ein ganzes kleines Archiv oder auf 
Abtheilungen eines gi-össcren sich erstrecken, — sollte man vom 
Anfang an die Regesten so entworfen, dass die Blätter die Forscliung 
in den verschiedensten Richtungen erleichtern. 

Man wird aber auch in jedem bedeutenderen Archiv, sobald 
»einmal im Grossen und Ganzen Ordnung geschafft ist, wohl thun, 
jedes Regestenblatt von vornherein in mehreren Exemplaren auto- 
graphiren zu lassen und die Blätter zu dem Ende möglichst hand- 
lich herzustellen. 

3. Qruppirung der Regestenblätter. 

Diese können nach verschiedenen Richtungen für den Archiv- 
dienst Nutzen bringen, und zwar in folgender Weise. Sie werden 

1. einfach chronologisch für das ganze Archiv, ganz abgesehen 
von dem Lagerort, zusammengestellt, und zwar in zwei Exemplaren, 
das eine bloss für die Archivbeamten, das andere für die Archiv- 
benützer. Es werden 

2. dieselben Blätter in alphabetischer Reihenfolge geordnet je 
nach dem Schlagworte, so dass ein durch das ganze Archiv führendes 
Register für Orte, Personen, und Sachen — z. B. Juden, Vehmgerichte, 
Landfrieden — entsteht. Es werden 

3. dieselben Blätter in verschiedenen Gruppen und Serien 
vertheilt, welche den Hauptabtheilungen des Archivs entsprechen, 
jedoch wird in jeder Hauptgruppe die einfache chronologische Reihen- 
folge festgehalten. 

Die erste Folgereihe dient dazu, sich rasch zu vergewissern, 
entweder über eine Urkunde, wo sie steckt, wenn man ihr Datum 
weiss, oder ob über einen bestimmten Zeitpunkt Urkunden im 
Archiv vorhanden sind. 



SlO Löher: 

Die zweite Folgereihe eröffnet den Einblick in den Inhalt der 
Urkunden, wenn man wissen will, ob das Archiv über eine be- 
stimmte Frage etwas enthält, das Aufschluss geben kann. 

Die verschiedenen Folgereihen der dritten Art erleichtern die 
Nachforschung in beiden Richtungen, indem sie, wenn die Forschung 
sich auf ein bestimmtes örtliches oder sachliches Gebiet bezieht, 
darlegen was darüber das Archiv darbietet. 

Alle drei Folgereihen aber sind dazu geeignet, sich gegen- 
seitig zu kontrolliren. 

4. Sobald diese Hauptregestensammlungen gebildet sind, ver- 
wendet man die übrigen Exemplare zu deuNebenregesten, d.h. man 
bildet durcli ihr Zusammenstellen Gruppen und Serien, nämlich be- 
sonderes elekte, die als eine Sammlung für sich nur durcli die Regesten- 
blätter bestehen, da die Schriftstücke selbst im Archiv vertheilt sind. 

Zu diesem Zwecke werden die Urkunden, welche zu einer 
Sammlung gehören, noch einmal sorgfiiltig durchgesehen und dann 
gewisse Beziehungen derselben aufeinander, oder wo sie eingeschaltet, 
oder bereits veröffentlicht sind, oder die Veröffentlichung beurtheilt 
ist, ferner Erläuterungen über die Entstehungszeit, über das Datum 
wo es unklar geblieben, fragliche Abkürzungen, unleserlich ge- 
wordene Stollen, gewisse provinzielle oder technische Wörter, Ort- 
schaften die wüst geworden, und dergleichen mehr, kurz am Rande 
unter dem Schlagwort oder ausfuhrlicher unter dem Inhalt vermerkt. 

Je nach Herkunft und Zusammensetzung, Zweck und Be- 
nützungsweise des Archivs sind Zahl und Namen dieser Gruppen- 
bildungen, die bloss durch Blätter geschieht, ebenso unbegränzt 
als vielartig. Ist die eine Gruppe fertig, giebt sich alsbald eine 
neue als wünschenswerth zu erkennen. Am gewöhnlichsten werden 
Richtungen eingeschlagen wie folgt: 

1. Genealogische Beziehung: z. B. Fürstenselekte, Adels- 
und Familienselekte. 

2. Amtliche Beziehung: Die Regestenblätter dienen als 
Verzeichnisse der Dignitare in Stiftern und Klöstern, der Grafen, 
Vögte und Landrichter, der Hofbeamten, der Mitglieder einer Stiftung, 
der herrschaftlichen Besitzungen und Staatsgüter. 

In beiden Beziehungen geben die Zeugen, die in Urkunden 
genannt werden, reichlich Stoff'. 

3. Topographische Beziehung: Die Ortschaften, Schlösser 
und Höfe, die Kirchen und Kapellen, die Flüsse, Seen, Wälder und 



Einrichtung Ton Archiven. 311 

Oemarkungen, die in Urkunden eines bestimmtisü Gebietes vor- 
kommen, werden für dieses Gebiet gesammelt, jeder Name durch 
sein Regesten blatt vertreten. Dabei entstehen auch in besonders 
nutzbringender Weise Rcgesten-Sammlungen über die Ortschaften, 
Schlösser, Höfe und Einöden, die im Laufe der Zeiten untergegangen 
sind, oder ihren alten Namen verloren haben. 

4. Eechtshistorische Beziehung : Es wird zusammengestellt, 
was über Rechtsalterthümer, insbesondere auch über die ehemaligen 
Ausdrücke und Wörter, welche sich darauf beziehen, Auskunft gibt. 

5. Kirchen geschichtliche Beziehung: Aneinanderreihen 
der Eegesten über Pfarren, Pfründen, Messstiftungen und dergleichen. 

6. Kulturhistorische Beziehung: Auslesen der Regesten 
über Urkunden und Siegel, in denen sich alte Vornamen oder 
Würden und Titel, Runenschriften, Trachten, oder besondere Sitten 
und Gebräuche zu erkennen geben. 

7. Sphrag istische Beziehung, wofür die Siegel vielartigen 
Stoff gewähren. 

8. Heraldische Beziehung: je nach den Wappen in Siegeln 
und Aufschwör-Büchern. 

9. Kunsthistorische Beziehung, um auf Künstler, auf 
Miniaturen und Initialen, auf kunstreiche Einbände, und artistisch 
ausgezeichnete Siegel aufmerksam zu machen. 

10. Philologische Beziehung, da sich alte Vor- und Orts- 
namen, sowie die Bezeichnungen von Rechtsaltert hümern und Ge- 
bräuchen auch sprachlich verwerthen lassen. 

11. Archivalische Beziehung: Manchem Archivar wird es 
eine Lieblingsbeschäftigung sein, all die Urkunden seines Archivs, 
welche sich durch seltene Vorkommnisse oder durch besonders 
ausgeprägte Erscheinungen in Schrift, Sprache, Datirung, Siegeln, 
Monogrammen und Unterschriften, Kanzleibrauch, Schreibstofifen, 
Inhalt und Zweck der Urkunden auszeichnen, systematisch in Re- 
gestenblättern beisammen zu haben; letztere weisen dadurch ein 
historisches Schularchiv nach. 

12. Endlich lassen noch historische Beziehungen der mannig- 
fachsten Art es oft wünschenswerth erscheinen, Alles, was im Archiv 
über eine Epoche vorhanden, sich durch Zusammenstellen von Regesten 
leicht überschaulich zu machen. Kurz, jedem Archiv sind je nach seinem 
verschiedenartigen Inhalt und Gebrauche Richtungen vorgezeichnet, 
nach denen hin es durchsichtiger zu machen. Wie viel IVeffliches darin 



312 Löher: 

ZU leisten ist^ zeigen unter andern grossen und kleinen Archiven ins- 
besondere auch das Staatsarchiv zu Münster und das Landesarchiv 

in Graz. 

4. Aufstellung der Regesten. 

Am besten werden die Quartblätter aufbewahrt in einer 
Beihe von Kartons aus festem Pappendeckel, auf deren Rücken 
ein Schildchen die Gruppe und die Entstehungsjahre der Urkunden 
angiebt. Durch verschiedene Farben dieser Schildchen lässt sich 
schon von Weitem die Archivabtheilung, zu welcher eine Urkunden- 
reihe gehört, kenntlich machen. Stellt man die Regestenblätter in 
Schiebläden in langen Reihen hinter und neben einander auf, so 
wird man gut thun, die Gruppen und Jahre durch eingesetzte 
farbige Streifen oder Blätter von stärkerem Papier hervorzuheben. 
Stets aber müssen die Regestenblätter oben aus dem Karton oder der 
Schieblade soweit und lose hervorstehen, dass man, mit den Fingern 
darüber hinfahrend, leicht die gesuchte Urkunde ersehen und ihr 
Regest bequem hervorziehen und wieder einschieben kann, ohne 
die Reihenfolge der übrigen Blätter im Geringsten zu behelligen. 

Im Kreisarchiv zu Würzburg hat dessen Vorstand Dr. 
SchäfFler, unter anderen praktischen Einrichtungen, auch die 
Regestenbehälter besonders passend ausgedacht. Jeder Karton hat 
einen nach allen Seiten übergreifenden Deckel, der auf der einen 
Schmalseite mit Leinwand befestigt ist und vor dem Eindringen 
des Staubes schützt. Zieht man einen Karton hervor und hebt den 
Deckel auf, so fällt von beiden Breitseiten das obere Drittel, das 
beweglich ebenfalls durch Leinwand angeklebt ist, nieder und man 
kann auf das Bequemste sämmtliche Blätter durchmustern. Wird 
eines emporgezogen, braucht man nur etwas zum Andrücken der 
Blätter in den Karton hineinzustecken, um das Blatt zu befestigen 
und ablesen oder abschreiben zu können. Wie der Drücker fort- 
genommen wird, fällt das Blatt auf seinen Platz zurück. 

Auf solche Weise wird auch vermieden, was bei einem Vor- 
rath von vielen Tausenden der Regestenblätter leicht vorkommen 
kann, dass nämlich bei der Arbeit das eine oder andere in einem 
Kodex oder Ilaudakt liegen bleibt, und nun die Urkunde, welche 
es darstellt, im Archiv zu fehlen scheint. Wo Zeit und Mittel 
reichen, sollten die Regesten in Folianten mit grossen langen Seiten 
eingeschrieben werden, auf denen sich die Kolonnen für Jahre, 
Daten, Serien und besondere Bemerkungen von selbst angeben. 



XVI. Literatlirbericht. 



1. Siegel von Urkunden aus dem grhz. Badischen 
Gcneral-Landesarchiv zu Karlsruhe, herausgegeben 
von Dr. Friedrich von Weech, grhz. bad. Kammer- 
herrn und geheimen Archivrath, aufgenommen und in Licht- 
druck hergestellt von J. Bäckmann in Karlsruhe. Erste 
Serie. Frankfurt a. M. Verlag von H. Keller. 1883. 30 Tafeln 
Abbildungen mit 9 Bl. Text, Vorwort und Register. 

Im 18. Jahrhunderte lehrte man an Universitäten Deutschlands meist in 
Verbindung mit anderen Doktrinen Siegel- und Wappenkunde. Das hörte dann 
auf, so Mancher liielt diese Lehre eigentlich für überflüssig, beschäftigte sicli 
höchstens nebenher damit. Seit 40 Jahren herrscht auch auf diesem Gebiete 
wieder frisches Leben; Historiker, Dii>lomatiker, Künstler und Kunsthandwerker, 
sie Alle schenken ihm nun d i e Aufmerksamkeit, welche ihr von Sickel und 
»Stumpf schon lange zu Theil geworden. Wäre doch ohne sie die Prüfung so 
mancher Urkunde endgiltig kaum zum Abschlüsse zu bringen. AVas vermag 
der Genealoge meist ohne sie? Seit Fürst Dr. J. K. zu Hohenlohe-Kupferzell, 
Dr. O. T. von Hefner, Dr. von Mayer und Andere auf diesem Gebiete ge- 
wirkt, ist sie nicht mehr bloss Dienerin. 

Beschrieb man anfangs die Siegel so gut es eben ging, so ward später 
an die Stelle des Wortes das Bild gesetzt, welches nun die höchste Vollkommen- 
heit erreicht hat, seit der pliotographische Lichtdruck zu Gebote steht. Bezüg- 
lich der Beschreibung möge anerkennend jene in der Zeitschrift für den 
Oberrhein erwähnt sein. Was die Abbildungen anlangt, so dürfen die 
sphragistischen Aphorismen Hohenlohe's nicht verschwiegen werden; denn sie 
reihen sich bezüglich der künstlerischen Herstellung wie möglichster Genauigkeit 
den Erzeugnissen des Lichtdruckes ebenbürtig an. 

Der Photographie bedienten sich schon lange „The numismatic chronicle**, 
Karl Heffner bei seinen deutschen Kaiser- und Königssiegeln, und mancher 
Andere. Trotz alledem werden auf archivalischer Forschung basirte, in ent- 
sprechender Weise illustrirte Arbeiten stets auf Beifall und Unterstützung eines 
stets grösser werdenden Kreises von Interessenten rechnen können. 

Geh. Archivrath Dr. von Weech begann im Jahre 1881 mit Herausgabe 
der Urkunden des Klosters Salem. Der allgemeine gerechte Beifall, den dieses 
Unternehmen zum Theile wohl auch wegen der Beigabe von Siegel- Abbildungen 
in unveränderlichem Lichtdrucke fand, ermuthigte ihn mit einem neuen Werke 
zu beginnen, dessen Titel diesen Zeilen voransteht. 

Dasselbe zerfallt in die fünf Gruppen: I. Deutsche Kaiser und Könige, 
n. Mark-Grafen und Gräfinen von Baden. HI. Geistlichkeit IV. Adel und 



314 Literaturbericht. 

V. Städte, die zur Zeit numerisch sehr ungleich vertheilt sind: 7, 89, 23, 25, 
29 Stücke. 

Die Siegel Friedrichs I und II, Heinrichs VI und VII wie dos UDglück- 
liehen Konradin können in sphragistiBcIier Hinsicht wenig, in heraldischer 
natürlich kein Interesse bieten, doch ist das Friedrichs II wegen seiner Form — 
Spitzoval — ungewölmlich, und sonst äusserst selten an Urkunden zu treffen. Im 
Keichsarchive zu München wird die grössere Hälfte der älteren Kaiserurkunden 
verwahrt, doch an keiner hängt dieses Siegel. Taf. 1, Gruppe I. 

Das Reitersiegel Hermanns V, der V242 starb, beginnt, jenes des 1589 
verschiedenen Eduard Fortunate schliesst die zweite Serie. Im Schriftband des 
ersteren wie von Rudolph I steht „marchio de Verona", im Texte dagegen 
nennen Beide sich Markgrafen von Baden; das erstere enthält kein Wappen, 
das andere die Schrägstrasse bis zu Jakob I das einzige Schildbild. Nr. 2 wird 
auch Hermann V zugetheilt, die Mache lässt es allerdings nur diesem und 
nicht Hermann VII zuschreiben. Gruppe II, Taf. 3—13. 

Jakob I nahm das Schach der Grafen von Sponheim in seinen Schild 
auf, den er deshalb vierte, und setzte auf den Helm statt mit Zweigen besteckter 
Büffelhömer das Gewaff des Steinbocks. Dabei sei bemerkt, dass „quadratischer 
Schild" ohne Bild dem Laien schwer verständlich sein dürfte. (Taf. Nr. 6, nicht 
5 wie im Texte steht.) 

Pfauwedel — Helmzier der Sponheimer — stehen hier auf zwei Helmen, 
da wegen Vorder- und Hintersponheim auch die Felder 1 und 2 geschacht sind, 
was übrigens unangenehm wirkt und vom Mangel heraldischen Verständnisses 
zeugt. Taf. XTII Nr. B— 5. 

Ernst nahm die Wappen der Landgraf en im Breisgau — Sausenbei^g — 
der Herren von Roeteln und Badenweiler an. Nach T. V Nr. 113 der Zürcher 
Wappenrolle ist der unt<;re Theil des Wappens der von Röteln zweifellos Veh, 
aus Emst's Siegeln — 4 mal w. u. b. gewellt — lässt sich dies nicht sofort 
von Jedem erkennen. Das Wappen von Baden weiler zeigt gleich der linken 
Schildseite von Guta's Siegel, gebonien Gräfin von Strassberg, sechsmal gesparrten 
Pfahl. Im Text wird dies Wappen zweimal als „drei gepfählte Sparren" be- 
schrieben. Taf. X Nr, 4. 

Nochmals zu diesen Siegeln zurückkehrend sei bemerkt, dass dieselben 
ebenso bildreich wie unruhig sind; denn zu den alten Bildern kamen die 
Wappen der Ebersteiner, der Herren von Lahr und Malberg. In Nr. 4 und 5 
enthält das Feld 2 der Ebersteiner Rose und hauend Schwein, in Nr. 3 nur 
ersteres Bild. Sieben Helme — davon 4 an den Seiten — entsprechen dem 
Seh ild bilderreichthum . 

Devisen wie O r d e n fehlen gänzlich, Zahlen entlialten nur die Siegel 
der Markgrafen geistlichen Standes, Jakobs Erzbischofs von Trier, Rudolphs 
Domherrn zu Mainz, die später nie fehlenden Greife machen nur auf dem 
Siegel Philipps I als Schildhalter Dienst. Taf. XIII Nr. 3—5. 

Die Siegel der Markgräfinen. 

Das älteste Siegel, jenes der Guta, Taf. 4 Nr. 2 stammt vom Jahre 1306. 
Agnes von Truhendingen erkürte das Lamm mit der Fahne als Schildbild wie 
so manch andere Dame, und namentlich viele Geistliche. Ob wohl, wie Herr von 



Literaturbericht. 315 

Weech meint, hier eine Anspielung auf den Vornamen in Mitte liegt? Die 
Siegel der Grätinen Agnes von Truhendingen, gebomen Grätin von Zollem — 
M. Zoll. Taf. II Nr. 427 — und der Agnes von Hohenlohe- Albrecht die hohen - 
lohischen Siegel Taf. 6 Nr. 9, wie der Agnes von Uttendorf — Urkunde von 1254 

— sprechen dafür, das Irroengards von Bayerbrunn, der Sophia von Wald und 
«las älteste Siegel von Reichenliall dagegen. Interessant ist das Siegel der Agnes 
von Truhendingen durch die Belegung des Lammes mit dem badischen Wappen, 
Weglassung des eignen, Gebrauch deutscher Schriftzttge. Die sphrag. Aphor. 

— Taf. 2 Nr. 22 — kennen bloss ein solches Beispiel. 

Irmgard geb. Pfalzgräfin am Rhein zeiut sich als Reiterin, ein Wappen 
ist auf ihrem Siegel so wenig als auf deui der Kuni zu sehen. Meist sind die 
Wappen auf zwei Schilde vertheilt, hie und da in getheilte Schilde verlegt, 
selten zusammengeschoben. Taf. 12 Nr 3, Taf. 6 Nr. 11. Das Schildhalten 
besorgen die Damen selbst, wenn sie nicht Engel hierin ablösen. Herrn von 
Weech gelang es nicht, zum Adler im linken Schilde von Adelhaids Wappen 
das Geschlecht zu entdecken, der Schreiber dieser Zeilen war nicht findiger. 

Salome des Grafen Lasla vom Hag, Käthe, Georgs von Werdenberg 
Frau, begnügten sich mit der Schrägstrasse, doch pflanzte Erstere auf den Helm 
das Steinbockgewaff. 

Die Siegel der Bischöfe von Constanz, der Aebte in der Reichenau 
reichen nicht so weit herab, dass sie dem Heraldiker einen Aufschluss bieten 
könnten, und enthalten auch für den Sphragistiker nichts Neues. Spätere 
Exemplare werden wohl entschädigen. Gruppe III Taf. 14-47. 

In Gruppe IV begegnet man den Wappen der Familien ♦ Bodmann, 
Castell — Aargauer Freie und Castell mit dem Hut — ♦ Enzenberg, 
Graemiich, Ilermsdorf — in der Z. W. R. und bei Arx meist Helmsdorf 
geschrieben — Heudorf, Hohenfels, Hohenrode — Buben von Hohenrode 
Schildgenossen der Röder — Homburg ♦ Hornstein, Liebenzeil, Loewen- 
stein, Magenheim, Marckdorf, Oberriedern, Remchingen, Riehen, Reeder, 
Rosswaag, Stemenfels, Weiler, Werdenberg- Heiligenberg, und Windeck. 
In der Z. W. R., diesem unschätzbaren alten Wappenbuche, finden sich davon 
die mit durchschossener Schrift, jedoch Windeck mit anderen Wappen. Taf. 18 — 20. 

Der Form nach sind es 18 Dreieck — , 4 Rundsiegel, die Reitersiegel sind 
nur durch das von Werdenberg vertreten; zeitlich erstrecken sieb die Siegel 
von 1250—1300, eigentlich von 1260—1300. 

Das Wappen im Siegel des Ulrich von Markdorf ist gleich jenem im 
Dreiecksiegel des Konrad im Cod. Salm. v. 1236. An einer im Reichsarchive 
zu München befindlichen Urkunde von 1830 hängt das Si^el des Ulrich 
Oswald von Markdorf — Ulricus Oswald miles de Markdorf — steht auf dem 
Siegel. Im rechten Schild das Wappen der Herren von Markdorf, nach der 
Z. W. R. Taf. VIII Nr. 186 stehender rother Löwe in weiss, im linken wie 
Taf. XX Nr. 6*. Auf dem Reitersiegel, mit Recht als eines der schönsten Er- 
zeugnisse der Stempelschneidekunst bezeichnet, haben Arm- und Vorderdecken- 
schild die Heiligen berger „Stiege", der Hinterdeckenschild enthält das Mont- 
forter Panner. 

Das Wappen der Weiler — Z. W. R. Taf. XIV Nr. 376 — blauer Thurm 
auf seitwärts ansteigenden rothen Spitzen in Gold — nach Taf. IX Nr. 204 



316 Literaturbericht. 

und 211 Felsen — scheidet das Geschlecht von dem hoch in Württembei^ 
lebenden wie dem einst im Algitu auf der Scheiben und zu Altenburg gesessenen 
längst erloschenen. Taf. XX Nr. 6*. 

Ueberreichthum herrscht in Gruppe V, denn einzelne Städte sind mit 3 — 5 
Siegeln vertreten. Fast alle diese Kundsiegel lassen dem in Baden Bekannten 
sofort erkennen, wer einst in diesen Städten gebot, ihr einstiger Gründer 
etwa war. 

Villingen exzellirt allein durch volles Siegel — der Helm Lohn der 
Haltung im Bauernkriege — und durch seine Form — Spitzoval. Scharfes 
Auge muss der besitzen, welcher die untere Peripherie des zweiten Kon- 
stanz er wie des Mers burger Siegels gleich als „Wellen" zu erkennen ver- 
mag; Wolf ach setzte sein Panner in den Schild, das Siegel von Offenburg 
verrath ebenso hohes Alter, als dass es Benvenuto Oellini siclier nicht schnitt. 

Das älteste Siegel von Heidelberg, — 1369 — Löwe mit gerautetem 
Schilde auf der Schulter, Bflffelshörner auf dem sein Haupt belastenden 
Helme, die mit Lindenzweigen besteckt, weist auf den früheren Herrn zurück, 
zeugt vom beginnenden Verfall der Heiiildik. 

Im Siegel von Mannheim begegnet man der Schildtheilung, welcher 
t»ich 1378 Rupert Hl zum ersten Male bediente. Der Edlen von Markdorf 
Siegel — die Innentheile eines Kades? — «Hhnelt dem von Markdorf Stadt so 
sehr, dass man zu der Vennuthung kommen könnte, dass es diesem zum Vor- 
bilde diente, wie Herr von Weech auch glaubt, wenn die Herren von Markdorf 
nicht den Löwen geführt wie schon erwähnt. Taf. XX— XXX. 

Die Besprechung schliessend glaube ich mit gutem Gewissen sagen ^u 
dürfen, das Werk lobt seinen Kleister. Der Text ist etwas knapp gehalten, 
für Erläutenuig der Siegel, Verstilndigung über Beschaffenheit, Befestigung, 
Provenienz, Eigner wie Eignerin dürfte er immerhin genügen. 

Mögen die dienstUchen VerhältniSBe wie die Untei-stützung in weiten 
Kreisen die rasche Förderung dieses interessanten Unternehmens ermöglichen, 
möge es aber auch den Anstoss dazu geben, dass noch andere Archive ihre 
heraldisch-sphragistischen Scliätze dem Publikum auf solche Weise zugänglidi 
machen, dass namentlich die seit 1880 von dem königlich preussischen Staats- 
arcluve in Berlin vorbereitete Herausgabe von Kaiserurkunden in Abbildung, 
zu welchen Sekretär Dr. Philippi in Münster seit Langem in allen Archiven die 
Siegel sammelt, endlich ans Tagslicht trete. K, Primbs. 

2. Ueber Archive in Kärnten von Leopold v. Beckh- 

Widmanstetter. Wien 1884. Aus der k. k. Hof- und 

8t<?atsdruckerei. 
Wohl mag der Verfasser KU rnten „jungfräulichen Arehivboden" nennen 
und es ist ein wahres Glück, dass ihn, den mit archivaliechen Dingen durch seine 
Forschungen zur östreichischen Kriegsgeschichte bereits wohl vertrauten k. k. 
Hauptmann i. K. neue Aufträge seines Generalstabes wiederholt nach dem so 
herrlichen Gebirgslande führten. Städte und Klöster bieten dort auffallend 
wenig Dokumente dar, um so mehr die herrschaftlichen Privatarchive, und es 
i st ein vorzügliches Verdienst dieses östreichischen Offiziers, dass er sie, gleich- 
wie ein gewandter Bergmann die Erzgänge, durchforscht hat und mit ihrem 



Literatlirbericht. 317 

Hauptinhalte uns bekannt macht. Auch für die Geschichte des kurfürstlichen 
bayerischen Hauses und des Hochstifts Bamberg, das im Lavanthal Besitzungen 
hatte, finden sich Dokumente. Die Beigabe einiger interessanten Stücke dient 
der Schrift zur schönsten Zierde. L. 

3. Zur Lehre von der kirchlichen Baiipflicht. Einige 
Streitfragen auf diesem Gebiete mit einer Anleitung zur 
Berechnung des Naturalwerths einer Baupflicht und einem 
Repertorium der Entscheidungen des Obersten Gerichts- 
hofes und der höchsten Verwaltungsstellen in Bayern über 
die wichtigsten und oft wiederkehrenden Streitpunkte, von 
Wilh. Burkhard, k. Regieruugsrath in Würzburg. 
Erlangen 1884, Verlag von Palm und Enke. 

Alles, was dieser Titel verspricht, findet sich in dieser vortrefflichen 
Schrift, die als ein höchst willkommener Rathgeber für Archiv- wie für Ver- 
waltungs- und Justizbeamte zu begrüssen. Sie ist für die hier einschlagenden 
Fragen, welche die Archive so vielfach beschäftigen, nicht nur ein kundiger 
Führer für deutsches Recht und seine Geschichte, sondern auch durch das 
vieldomige Gebiet der verschiedenen Laudesgesetzgebungen, und damit verbindet 
sich ein im praktischen Dienste geübter Scharfblick. Mit vollem Recht hebt Ver- 
fasser unter Anderem hervor, dass selbst der beste Wille eines Archivbeamten 
oft nach mehrwöchentlichem Forschen nicht im Stande ist, ein Gesuch um 
Archivalieneinsicht, wenn es ungenau gehalten ist, befriedigend zu beantworten, 
und dass in den meisten Fällen nur die Unkenntniss mit Entstehung und Zweck, 
Einrichtung und Beständen der Archive die Klagen über deren Unzugänglichkeit 
veranlasst. L. 

4. Die Urkunde. Ihre Behandlung und Bearbeitung für 
Edition und Interpretation. Zur Anleitung bei Ärchiv- 
benützung. Herausgegeben von Dr. Friedrich Lei st. 
Stuttgart 1884, Cotta'sche Buchhandlung. 

Der immer grösser anschwellenden Zahl von Nichtfachleuten, die zu den 
Archiven kommen, um einerseits für Geschichte und Genealogie und andererseits 
für vermögensrechtliche und verwandte Zwecke alte Schriften zu ergründen und 
sie entweder in Schriften zu veröffentlichen oder in Prozessen zu verwerthen, 
bietet dieses kleine Buch einen Unterricht, wie Urkunden abzuschreiben und 
in Abkürzungen, Interpunktionen, Zahlenzeichen u. s. w. zu behandeln sind, 
wie die Fälschungen zu erkennen, wie die Orts- und Peraonennamen zu er-" 
klären. Sein glückliches Talent, das nächst Erforderliche auszuwählen und für 
Jedermann klar verständlich und anziehend darzustellen, hat der Verfasser bereit« 
in ähnlichen Werken bewährt. Auch der junge gelehrte Geschichtsforscher 
sowie der angehende Fachmann, der sich der Archivlaufbahn widmen will, 
finden in dieser neuen Leistung eine trefüiche Lehrschrift, die mit der ein- 
schlagenden Literatur und den massgebenden Gesichtspunkten sie bekannt 
macht, welche selbst mit kritischeui Auge zu prüfen sie berufen sind. L. 



Kleinere Mittheilungen. 



1« BrogrÜe fiber Archirstiidieii« In seinem neuen Werke fiber 
Friedrich d. Gr. und Maria Theresia drückt der fjerzog von Broglie seine 
Freude aus, dass selbst das französische Ministerium der auswärtigen Angelten* 
heiten dem Beispiel, das ihm Wien Berlin und Petersbui^ gegeben, gefolgt 
sei und sich sehr humanisirt habe. Seit dessen Archiv den Studien geöfifnet 
worden, könne man dort kaum Platz linden, so drängten sich die Benutzer. 
Kien de plus naturel que cet empressement, car, une fois qu'on y a pris goüt, 
je ne connais pas d'occupation plus attachante, je dirais volontiers plus en- 
tralnante que celle-la. Communiquer directement avec les hommes du pass^ 
Sans l'interm^diaire obligö d'un historien officiel, les surprendre chez eux, au 
naturel et au d^pourvu, — non pas tels qu'ils se sont pos^s euxmfimes pour 
la postcrit^ dans des mömoires faits apr^ coup, — mais tels qu'ils se r^vfelent 
dans des Berits qu'ils ne croyaient pas destinös aux regards du public, quel 

enseigncment et aussi quel amusement inattendus ! 

8i vous avez le bonheur de tomber sur les autographes 

d'un hombre cöl^bre, c'e^t alors que le papier luimSme semble s'animcr sous 
vos yeux. Le caract^re de l't^criture vous revMe celui de l'^crivain et vous 
peimet m6me de suivre les accidents de son humonr: si les traits de sa plumc 
s'alt^rent ou sc pröcipitent, vous croyez voir sa main qui tremblc d'emotion 
ou fr^mit de colere: une raturo, sous laquellc 8'aper9oit encore une phrase 
mal effac^e, donne le secret d'une pens^e cachöe ou d'un sentiment contenu. 
Une indication reste-t-elle imparfaite ou obscure, avec quel empressement on 
s'efforce de la comi>leter et de l'eclairer, et quel triomphe d'y parvenir! Avec 
quelle rapidit^ les heures s'^coulent dans cetto poursuite! Le plaisir de la 
chasse, pour un amateur passionn^, n'est rien, j'en suis sür, aupr^s de celui-la : 
ceux qui ne le connaissent pas ignorent une des plus vives jouissances de 
l'ordre intellectuel. 

2. Gatentag ist Montag« Grotefend bezeichnet in seinem Handbuch 
der Historischen Chronologie, 1872 S. 35 und 88, den Gutentag als Mittwoch, 
eine Angabe, in der er einfach einer seit lange für richtig gehaltenen An- 
nahme folgt. Auch ich habe in meinen Quellen zur Geschichte des Bauern- 
kriegs in Oberschwaben, Bibliothek des Stuttgarter literar. Vereins Bd. 129, 282 
ohne Prüfung diese allgemeine Annahme getheilt, obwohl mich der Zusammen- 
hang der betreffenden Stelle eines Bessern hätte belehren sollen. Es heisst 
nämlich dort: „uff Guetentag nach Letare und uff zinstag kament unsere puren 
etlicli her", und die Heggbacher Chronik, der diese Stelle entlohnt ist, erzählt 



Kleinere >littheilungen. 319 

die Ereignisse ausnahmslos so, wie sie auf einander gefolgt sind. Der Gutentag 
muas deshalb wenigstens in Schwaben vor dem Zinstag liegen, kann nicht der 
Mittwoch sein. In derThat ist derselbe in dieser Landschaft sicher der Montag. 
Im Direktorium der Pfan-ei Nasgenstadt (wirt. OA. Ehingen) nämlich, das 1509 
geschrieben ist, lautet ein Eintrag nach gefälliger Mittheilung meines Freundes 
Dr. Bück in Ehingen also: Aniversarium hr. Jeronimus Winckelhofers von 
Ehingen .... al wegen auff den Gutemtag nach Judica in der Yasten, und 
dieser Eintrag wird lateinisch mit den Worten: „Anniversarium Jeronimi Winckel- 
hoferi de Ehingen .... peragitur feria secunda post dorainicam Judica in 
Quadrag." w^iederholt. Diese Mittheilung meines Freundes veranlasste mich zu 
weitem Nachforschungen, und da fand ich, dass aucli der 1787 verstorbene 
fürstenbergische Archivar Döpser laut seiner handschriftlichen Aufzeichnungen 
schon gewusst hat, dass der Gutentag in Schwaben der Montag, nicht der 
Mittwoch war. Auch die 1797 zu Erlangen erschienene freie Uebersetzung von 
Chr. Gottlob Ilaltaus, Jahrzeitbucli der Deut<*chen des Mittelalters 8. 42, kennt 
das richtige Verhältniss und beweist dasselbe durcli zwei schlagende Beispiele 
aus Urkunden des Klosters Deiikendorf von 1428 und 1443. Auch Herrgott 
Mon. domus Austriacae III 730 — 31 weiss unter Berufung auf Haltaus, Cal. 
medii aevi S. 8, dass der Gutentag bei Schwaben und Schweizern der Montag, 
bei den Angelsachsen, Norddeutschen und Belgiern aber der Mittwoch sei. Es 
ist deshalb wunderbar, wie Brinckmeyer in seinem Glossarium diplom. I 944 
sich gerade auf diese Stelle Herrgott' s berufen mag, wenn er den Gutentag 
ganz ausnahmslos für den Mittwoch erklärt. Bau mann. 

3. Eerenhnsen nud nicht Kenhnseu. Nach dem von Neugart im Cod. 
diplom. Alemanniae II 229 — 230 veröfiFentlichten Stiftungsbriefe des altwirtem- 
bergischen Frauenklosters Offenhauseu kamen dessen erste Nonnen 1258 aus 
Kenhusen, einem Orte, der bisher nirgends sich feststellen Hess, und zwar mit 
gutem Grunde, denn Kenhusen ist lediglich ein Lesefehler Neugarts. Das 
Original dieses Stiftungsbriefes, das im fürstl. Archive zu Donaueschingen liegt, 
bildet nämlich k, wie die Namen Vinke und Keger deutlich zeigen, in der 
Weise, dass der Querstrich einseitig vom Stamme nach rechts geht. Im angeb- 
lichen Kenhusen aber ist der Querstrich doppelseitig, d, h. wir haben hier 
kein einfaches K vor uns, sondern eine nach der Analogie des bekannten 
p = per gebildete Kürzung ker. Der Name ist also zu lesen Kerenhusen, und 
dieser Name entspricht wirklich einem Orte. Bei Eathshausen, wirt. OA. 
Spaichingen, lag nämlich ehedem der abgegangene Ort „Kemhausen^*, von dem 
die Sage noch weiss, dass in ihm eine Kirche stand. Vermuthlich ging Kem- 
hausen unter, als die dort hausenden Frauen nach Offenhausen übersiedelten. 
Häufig wird diese Kürzung ker nicht vorkommen, weil eben in den lateinisch 
abgefassten Urkunden der Buchstabe k überhaupt nicht häufig steht. Baumann. 

4« Zerstrenete Archivalien in Baden. Wie kräftig und gescheidt 
sich die badische historische Kommission der Durchforschung Ordnung und 
Verzeichnung der im Besitze von Gemeinden Genossenschaften und Privat- 
leuten des Grossherzogthums befindlichen alten Schriftstücke annimmt, wird 
Jeder, der für archivalische Interessen Sinn hat, mit Freude tmd Belehrung 
aus No. 3 der „Mittheilungen der bad. bist. Kommission (Karlsruhe 1884)'^ 
ersehen. Die Nummer bringt auch bereits scheine Früchte dieser Thätigkeit, 



320 Kleinere Mittheilungen. 

welche vom Ministerium des Innern, evangelischem Oberkirchenrath, und erz 
bischöflichem Ordinariat in Baden bestens gefördert wird, in Veröffentlichung 
der Repertorien und Verzeichnisse von Archivalien, die im Stadtarchiv zu 
Wertheim, bei der Gemeinde und evangelischen Pfarrei zu Adelsheim, und ver- 
schiedentlich in den Amtsbezirken Konstanz und Lörrach beruhen. Das 
badische Gebiet ist in drei Bezirke getheilt; in jedem bestellt ein Mitglied der 
Kommission für je ein Bezirksamt einen Vertrauensmann oder Pfl^er und 
leitet und tiberwacht dessen Arbeiten. Jeder Pfleger hat die Aufgabe, die 
Archivalien seines Bezirkes zu konstatiren, über deren Aufbewahrungsart sich 
zu unterrichten, und darüber, sowie über die Ordnung Verzeiclmung und 
eventuelle Veröffentlichung zu berichten. 

5. Päpstliche Archiv- and Oeschichtssschnle. Dem hochherzigen 
Beginnen, mit welchem Leo XIIL das vatikanische Archiv den Geschichts- 
forschern eröffnete und sie zu freier Benützung aufforderte, sind weitere 
Schritte auf dieser Bahn gefolgt. Der Papst richtete an den Archivar folgen- 
den Erlass: 

„Herr Kardinal! Die besondere Wichtigkeit der historisch - kritischen 
Studien für die Vertheidigung der Kirche und des Apostolischen Stuhles. beweg 
uns schon sofort bei Beginn Unsers Poutifikats, den Forschungen der Lern- 
begierigen das päpstliche Archiv des Vatikans zu riffnen. Zuerst ordneten Wir 
an, dass ein Kardinal der heiligen Kirche die Leitung desselben übernehme, mit 
der Aufgabe, der Erforschung der geschichtlichen Denkmäler und den 
apologetischen Wissenschaften einen kräftigen Antrieb zu geben. Wir ge- 
statteten dem Kardinal- Archivar , dass er zu Gunsten der Gelehrten die alte 
Ordnung der päpstlichen Archive einsichtsvoll mildem dürfe. Darauf befahlen 
Wir die Eröffnung eines anstossenden Studirsaals für den Gebrauch Derjenigen, 
welche sich gern kritischer Durchforschung der alten Schriftstücke hingeben. 
Damit noch nicht zufrieden und im Hinblick auf den Missbrauch, welcher mit 
der Geschichte zum Nachtheil der Wahrheit und der Religion getrieben wird, 
nahmen AVir uns vor, die im])arteii.sche Forschung zu f<irdern, und forderten 
mittelst Erlasses vom 18. August des vorigen Jahres 1883 drei erlauchte Mit- 
glieder des heiligen Kollegiums auf, unter Mitwirkung von hervorragend be- 
gabten Männern Hand anzulegen an historisch-apologetische Arbeiten unter 
Zugrundelegung der an ihrer Quelle erforschten authentischen Akten des Papst- 
thums und der Kirche. Vm aber diese Forschungen erfolgreicher zu machen» 
haben Wir beschlossen, am Arcliiv selbst eine besondere Schule für Paläographie 
und vergleichende Geschiditsknnde zu errichten, damit der junge Klerus sich 
dadurch gediegene wissenschaftliche Bildung aneignen und in rechter Kritik 
sich üben könne. Zugleich aber, da Uns dies der geeignete Zeitpunkt scheint, 
um Unserin Archiv eine zweckmässigere Einrichtung zu geben mittels ent- 
sprechender Vorschriften für die innere und äussere Ordnung, haben Wir die 
Aufstellung neuer Hegeln befolilen. Diese, durch I^nser Motuproprio vom 1. Mai 
genehmigt, enthalten die Bestimmungen, welche fortan für das Ardiiv selbst, 
für den Studirsaal, und für die Geschichts- und Paläographie-Schule massgebend 
sein sollen, und Wir stellen sie Ihnen, Herr Kardinal , hiermit zu, damit Sie 
für deren Durchfülirung Sorge tragen. Gegeben in L^nserem Palaste des 
Vatikans heute den 15. Mai 1884. Gez. Leu P. P. XIU. — Ein hochverdienter 



Kleinere Mittheilungen. 321 

Kirchenhiötoriker, der frühere Würabiirger Professor Joseph v. Hergeuröther, 
ißt als „Archivar des h. apostolischen Stuhles" ein Kardinal und damit das 
vatikanische Arcliiv in Würde gleichgestellt der vatikanischen Bibliothek , an 
deren Spitze schon seit Jahrhunderten ein Kardinal als Bibliothekar der h. 
römischen Kirche stand; Tosti, der berühmte Beuediktinerabt von Montecasino, 
ist Vizearchivar; zwei ausgezeichnete Gelehrte, der deutsche Dominikaner Denifie 
und Monsignore Delicati, sind Unterarchivare; Dr. Wenzel und der Benediktiner 
Palmieri Kustoden; Scriptor ist der Canonicus PoggioU: endlich folgen noch 
vier Adjunkten: Armellini, Asproni, Joseph Herzen, Carini und Dr. Fraiiz 
HergennHher, des Kaixliuals Bruder. 

0. Zur Wappen- und Sie^elknndc. Als auf ein Beispiel, wie auch 
ein kenntnissreicher, fleissiger Mann, der seine Bildung in historischen Ilülfs- 
wissenschaften nur sich selbst verdankt, denselben vorzügliche Dienste leisten 
kann, sei hier hingewiesen auf die Wappenzeichnungen nach Siegeln aus dem 
Stadtarchiv der altberühmten malerischen Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber. 
(Beilage 2 des deutschen Herolds 1884.) Es sind ihrer nicht weniger als 433 
und verdienen, was Entstelmng der Patrizierwappen, ihre Mittheilung und 
Veränderung unter den Geschlechtern im 14. und 15. Jahrhundert betrifft, die 
Aufmerksamkeit auch der Kulturgeschichtsforscher. 

7. Ungarische Archivordnnngr. Unter dem Titel „Lois et ivglements 
en vigeur ju.squa ce jour concernant les archives du royaume de Hongrie" brmgt 
der Staatsarchivar Dr. Julius v. Pauler die betreffendt^n Gesetze von 1723 und 
von 18S3 und die sämmtlichen neueren Verordnungen. Das Staatsarchiv in 
Pesth zahlt 17 Beamte und B Diener. Wer sich dem höheren Archivdienst 
widmen will, muss an der Universität den philosophischen oder juristischen 
Kurs absolvirt haben, noch nicht dreissig Jahre alt und im Stande sein, ehi 
Stück lateinische Prosa ohne Wörterbuch zu übersetzen, — nicht viel bei dem 
jetzigen Stande der (lelehrtenbildung in Ungarn. 

Hm Ünsern Mitarbeitern wiiren wir dankbar, wollten sie spätestens 
bis zum 1. April Lihalt und Umfang ihrer Beiträge zur Archivalischen Zeit- 
schrift anzeigen und die Aufsätze selbst bis zum 1. Juli einsenden. 



Archivalische Zeitfiohrift IX. -1 





ARCHIVALISCHE 



ZEITSCHRIFT. 



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HERAUS(}EaEBEN 



VON 



D^- FRANZ VON LÖHER 



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K. RAYCR. aEnEIMClf RXTH, RRICHSARCHIV-DIRRKTOR. UHIVBRSITÄTS.PROPBSSOR. MITGLIED l'ER 

DRR WIRSKR8CHAFTKN IX MONCHRK, BROSSKL. PETRRSBURQ etc. 



ZEHNTER BAND. 



MÜNCHEN. 
THEODOK ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOPBUCHllJlNDLER. 

1885. 



ARCHIVALI8CHE 



ZEITSCHRIFT 



HERAUSGEGEBEN 



TOI» 



m FRANZ VON LÖHER 



I. RATBR. GBBKIMBN RATH, RBICH8ABCHIT- DI REKTOR, UKITBRSITÄTS- PROFESSOR, MITaUlO DIR AIAOmiH 

DER WISSEKSCHAFTEN IN MONCRKK, BROSSKL, PETERSBURG tU. 



ZEHNTER BAND. 






/^ 



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i / . 



MÜNCHEN. 



THEODOR ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOPBOCHBilfDLBR. 

1886. 



/ 



Kgl. Ilof-Buchd ruckerei von E. Mühlthalcr in Münchfn. 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

I. Die Ergebnisse am steiermärlcisclien Landesarchive in dem Jahrzehent 

1873—1882. Von Dr. v. Zahn 1 

II. Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern ven Mitte des 

15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Von Dr. F. Wagner. 

1. Standort der Archive . \ . . . 18 

2. Die Beamten in Ansbach 21 

3. Die Beamten auf der Plassenburg 32 

4. Der Geschäftsgang 39 

5. Eine Archivrecherche 43 

6. Kopialbticher und Signaturen 46 

III. Aus der Manuskriptensammlung des k. Kreisarchivs zu Amberg. Von 

Dr. Schneiderwirth 54 

IV. Ueber Archive und Bibliotheken. Von Dr. Julius von Pflugk- 

Harttung 60 

V. Das berzegliebe Archiv in Mitau. Von Dr. Th. Schi e mann . . 84 

VI. Ordnung des Orenburger Gouvernements-Archivs. Von A.W. Gaw- 

rilow und A. N. Lwow 107 

VII. Das siebzehnte Preussische Staatsarchiv. Von Dr. B. Goecke . 117 

Vlil. RQckblicke auf die Vergangenheit des Stadtarchivs zu Freiburg im 

Breisgan. Von A. Poinsignon 122 

IX. Die Urkunden und Archivalbände des hochstiftisch wirzburgischen 

Archives im 18. Jahrhundert. Von Dr. August Schäffler 141 

X. Der Reichsstadt NOrnberg Archivwesen. Von Dr. Johann Petz 158 

1. Die Registratur des Losuugsamtes 180 

2. Die Registratur des Landpflegamtes 181 

3. Die Registratur des Kriegs- und Zeugamtes 183 

4. Die Registratur des Bauamtes 184 

5. Die beiden Waldregistraturen 185 

6. R^istraturen der verschiedenen reichsstädtischen Gerichte 185 

7. Vereinigte Registratur des Scholarchats, des Vormund- und 

Kirchenamtes, des Grabstätten- und Convertitenamtes 186 

8. Die Registraturen des Stadt- und Landalmosenamtes . . . 186 

9. Die Registratur des Spitalamtes und Katharina-Amtes . . 187 

10. Registratur des Klosteramtes St. Clara und Pillenreuth 188 

11. Registratur der Rieter'schen Stiftungsadministration . . . 188 



u^ 



Seite 

XI. Zur Geschichte des Archivs zu Worms. Von Dr. H. Boos (Schluss) 193 ^ 

XII. Eine Wanderung durch die Sammlung von SiegelabgOssen im k. allg. 

Reichsarchiv zu IMOnchen. Von K. Primbs 19T ^ 

XIII. Aus städtischen, geistlichen und Adels-Archiven SOddeutschlands. Von 

Dr. P. Wittmann 229 *^ 

I. Das Archiv der ehemaligen Reichsstadt Heilbronn . . . 232 

II. Das Archiv der ehemaligen Reichsstadt Windsheim . . . 236 

XIY. WDstungen im altwOrzburgischen Amte Hassfurt. Von J. £. Brandl 241 y 

XV. Ablieferung von Gesandtschaftsakten in Schweden im 17. und 18. Jahr- 

hundert. Von K. G. Malmström 241 ^ 

XVI. Ausbildung fOr den k. bayerischen Archivdienst 253 

XVII. Einrichtung von Archiven. Vom Herausgeber (Fortsetzung). 

XII. Verzeichnung der Urkunden 255 ^' 

XUI. Inhalts-Verzeichnung der Kodizes und Amtsbücher . . 256 

XIV. Verzeichnung der Akten 262 

XV. Eintheilung der Akten 270 

XVI. Verwandte Archive 276 

XVII. Handweiser durch das Archiv 278 

XVin. Repertoriensammlung 291 

XIX. Historisches Ortslexikon 296 

XX. Buchführung 299 

XVIII. Bedeutung, Recht u. Geschichte der Helmkleinode. Vom Herausgeber. 302 <^ 

I. Familien zeichen 304 

n. Erblicher Ehrenschmuck 306 

HI. Verträge über Helmzierden -309 

XIX. Literaturbericht. 

1. Das goldene Buch von Strassburg von J. Kindler von 

Knobloch 3U 

2. Die bischöflichen Domkapitel, ihre Entwicklung und recht- 

liche Stellung im Organismus der Kirche, von Dr. 

Philipp Schneider 316 

3. Stammtafeln der Ernestinisclien Linien des Hauses Sachsen 

von C. A. H. Burkhardt 317 

4. Iter italicum von Dr. Julius von Pflngk-Ha'rttung 317 

5. Udsigt over de danske Rigsarkivers Historie af A. D. 

Jörgensen 318 

XX. Kleinere Mittheilungen. 

1. Protestantisches Pfarrarchiv zu Kaufbeuren 319 

2. Repertorien -Veröffentlichung der französischen Archive . 319 

3. Ungarisch -kroatischer Archivskandal 319 



I. Die Ergebnisse am steiermärkischen Landesarchive 

in dem Jahr/ehent 1873—1882. 

Von 

Landesarchivdirector Dr. v. Zahn. 



Gelegentlich der Wiener Weltausstellung von 1873, an welcher 
gleich anderen einheimischen und fremden Archiven auch das steier- 
märkische Landesarchiv sich betheiligte, veröffentlichte dasselbe auch 
einen Ausweis, der den Organismus und die Gliederung, die Bestände 
und die Zuwächse der Anstalt für die Jahre 1861—72 darlegte, i) 

Darin war zum ersten Male in gewisser übersichtlicher Zusammen- 
stellung Ziffer- und actenmässig das Wesen und Gebahren des Insti- 
tutes entwickelt, und über seine stete Vermehrung und die Arten 
derselben in einer grossen Anzahl von Tabellen Bericht, und, wenn 
man will, Rechenschaft gegeben. Bedauerlich, doch eben nicht zu 
ändern war, dass der Ausgangspunkt der statistischen Darlegung 
nicht vom Gründungsjahre des Joanneums-Archives , sondern erst' 
50 Jahre nach demselben genommen werden konnte. Das Hinderniss 
lag darin, dass vor 1861 die jährlichen Vormerke, resp. die Buch- 
führung oberflächlicher gehalten, zu statistischer Gruppirung wenig 
oder gar keine Anhalte boten. So miisste eben die Sache erst von 
einem so späten Jahre aufgenommen werden, und resultirte für die 
Vorzeit aus den Zählungen nach 1861 eine einzige, immerhin aber 
bedeutsame Ziffer des Besitzes an Urkunden, welchen jene, so- 
zusagen, in's Haus geschafft hatte. 

Es lässt sich voraussetzen, dass die Benennungen Joanneums- 
Archiv, landschaftliches Archiv und Landesarchiv für Viele, welche in 
den örtlichen Verhältnissen nicht bewandert sind, einige Unklarheit 
betreffs des Gemeinten enthalten. Daher scheint es geboten, durch 
folgende Einschaltung diess in's Reine zu bringen. 



') Bericht Über Zusammensetzung, Entwicklung, Bestand und Verwaltung 
des steierm. Landesarchives zu Graz. Graz, 1873, 60 S. 8", mit 2 Karten. 
Archivaliüche Zeitschrift X. 1 



i 



2 V. Zahn: 

Das steierm. Landesarehiv enthält, unter dieser seit 1868 
geltenden amtlichen Bezeichnung, zwei grosse archivalische Körper: 
das Joanneuras-Archiv und das landschaftliche Archiv (im inneren 
Sprachgebrauche Abtheilung I und II genannt). 

Das Joanneums-Arehiv ist ein Sammelarchiv, gegründet 18H 
an der musealisch-didaktischen Anstalt des Joanneums vom Erz- 
herzoge Johann; sein Zweck war und ist, Urkunden, Acten, Hand- 
schriften und andere Archivalien aus privatem Besitze in Originalien 
oder Copien zu erwerben, so viel als möglich, um hier die archiva- 
lischen Geschichtsquellen für das Land in thunlichst umfassender 
Weise zu vereinigen. Hauptcontribuenten dazu waren die Städte, 
Märkte, Klöster, Güter und Familien des Landes i). Da das Land 
die Kosten der Sammlung und Verwaltung trägt, ist dasselbe, und 
nicht die Regierung, Eignerin des Archives. 

Das landschaftliche Archiv dagegen ist gleich irgend einem 
alten behördlichen Archive; es enthält die Summe der Urkunden und 
Acten, welche die Nebencentralbehörde der landesfürstlichen Regierung, 
die alten Stände des Landes oder die Landschaft, in ihrem autonomen 
wie übertragenen Wirkungskreise vom 12. Jahrhundert ab vervval- 
tungsweise aufspeicherten. Die frühere, bis zu uns herab mannigfach 
modificirte Ständeverfassung ging 1860 ein; an ihre Stelle trat der 
gewählte Landtag, dem noch ein gutes Stück der Landesverwaltung 
anheim gegeben ist, und dessen administrative Körperschaft man 
heute noch so, wie es vor Jahrhunderten geschah, die Landschaft 
nennt. Ihr Archiv ergänzt sich nicht durch Sammlung — wenigstens 
blos ganz ausnahmsweise — , sondern aus der landschaftlichen 
Registratur. 

Diese beiden Archive, des Joanneums und der Landschaft, 



*) An den Staat als Beitragenden war nur insofeme gedacht, als aus 
seinen Archiven Urkunden in Abschriften genommen wurden. Kinestheils sollte 
der Staat seine Archive selbst bewahren, andemtheils gab er, namentlich vor 1848, 
überhaupt nichts für die Sammlung her, sondern weit eher in die Stampfe. 
Später wuchs aber doch dem Joanneums -Archive durch geänderte Verhält- 
nisse und Gunst der Umstände manche reiche Serie zu; so 1865 die Acten 
der aufgehobenen Klöster aus der Finanzlandesdirection, 1871 die Urkunden 
derselben aus dem Staatsarchive in Wien, 1878 die Acten des „Landrechtes" 
aus dem T^ndesgericht<? zu Graz, welche übrigens ihrer Natur entsprecliend 
der II. Abtheilung des I^andesarchives zugetheilt wurden, und 1880 die Lehen- 
acten der Steiermark aus der Finanzprocuratur zu Graz. Von diesen Erwerb- 
ungen wird übrigens weiter unten noch ausführlicher die Rede sein. 



Die Ergebnisse am Steiermark. Landesarchive i. d. Jahrz. 187^1882. 3 

standen vordem weder inhaltlich noch geschäftlich in Verbindung; 
das eine wirkte wissenschaftlich, das andere war blos ein (recht 
vernachlässigter) Annex der Begistratur, von dessen Inhalte man fast 
gar nichts wusste. Hier trat der merkwürdige Fall ein, dass der Vor- 
stand des J&anneums-Archives, der (jedoch blos in strenger „Personal- 
union") auch die Landschaftsregistratur mit dem Archive derselben 
verwaltete, für das Eine die OeflFnung fremder Archive (zunächst 
privater) anzustreben hatte, und für dieselben Zwecke das andere 
ihm unterstehende Archiv so streng verschliessen musste, wie nur 
überhaupt Staatsarchive vor 30 und mehr Jahren ihren Inhalt zu 
verschliessen pflegten. 

Das änderte sich aber mit dem Falle der Ständeverfassung, 
und wurden 1868 beide Archive vereinigt, und ihre Gesammtheit 
erhielt die Bezeichnung „Steierm. Landesarchiv". Dass dieses Band 
nicht Vermischung der Materialien Beider mit sich brachte, versteht 
sich: sie sind im einheitlichen Räume getrennt, und nur ihre Ver- 
waltung ist gemeinsam. 

Von diesem derartig neugestalteten Archive und seinem Inhalte 
spricht dann obiger Ausstellungs-Bericht. 

Er erörtert den Letzteren in übersichtlicher Form zuerst, geht 
da und dort auch auf das Ordnungsmoment ein, und behandelt 
zuletzt die Verwaltung betreflFende Normen, Personale, Dotation, 
Arbeitsvertheilung u. s. w. Sein Schwergewicht liegt in den 
33 Tabellen, welche den Inhalt beider Abtheilungen soviel als 
möglich specialisirt, zeitlich und quantitativ bezeichnet vor Augen 
führen. Um von diesem wenigstens die Hauptgruppen namhaft zu 
machen, seien aus den Tabellen genannt jene des Gesammtbesitz- 
standes des Joanneums-Archives an Urkunden im Jahre 1873, die Zahl 
der Diplome, der Erwerbungen an Urkunden von 1861 — 72, der 
Einzelarchive und Actenbestände, der Handschriftensammlung (nach 
89 Gruppen), der historischen Ortsbilder-, Porträts- und kunst- 
archäologischen Sammlung, der Sammlung der Karten und Pläne, 
der Siegel- resp. Stempelsammlung und der Hilfsbibliothek; vom 
landschaftlichen Archive sprechen die Tabellen der Hausurkunden 
(in sieben Gruppen), dann der Acten (in 73 Gruppen). Drei Tabellen 
behandeln die Benützung des Landesarchives : die quantitative nach 
Benutzern und nach deren Domicilen, dann nach ihren Zwecken; 
eine Tabelle behandelt die Taxbeträge für Ausfertigungen, und die 

letzte die wissenschaftlichen Arbeiten der Beamten des Archives 

1* 



4 ▼. Zahn: 

von 1812 — 72. Was die Kartenbeilagen des Berichtes angeht, so 
stellt die eine Karte die contribuirenden Oertlichkeiten überhaupt 
sowohl für Steiermark als auch für ausserhalb desselben, und die 
zweite in Farbendruck dar, wie stark die einzelnen Bezirke der 
Steiermark am (Joanneums-) Archive vertreten seien. 

Aus den Zählungen, worauf der Bericht sich stützt, geht denn 
hervor, dass bis zum Jahre 1860 das Joanneums- Archiv an 38,000 
Stück Urkunden blos auf Sammelwege erworben, und zwar über 
24,000 Originale und über 13,000 Abschriften. Dieser an sich 
schon namhafte Besitz mehrte sich in den 12 Jahren von 1861 — 72 
um 12,600 Stücke, darunter über 6800 Originale und über 5700 
Copien. Dazu treten etwa 400 Diplome (oder sehr umfangreiche 
Urkunden, welche in die gewöhnlichen Behälter einzureihen nicht 
anging), und seit 1868 ungefähr 800 Stücke Hausurkunden der 
Landschaft, so dass schon 1873 der ürkundenbesitz des Steiermark. 
Landesarchives in runder Summe 51,700 Stücke betrug. i) 

Ungefähr in ähnlicher Weise soll dann auch über die Jahre 
1873 — 82 und ihre Ergebnisse hier berichtet werden, — allerdings 
mit Ausschluss von Tabellen. Solche haben zwar, wenn sie ent- 
sprechend reich beigebracht werden, ausser der puren Ziffer noch 
m^nch anderen Werth: sie belegen nämlich auch Schritte und Quellen, 
durch welche und woher die Yermehrungsergebnisse herbeigeführt wur- 
den, und damit die archivalische Durchstreif ung des Landes in ihrem 
Fortschreiten, und wie die Bequisitionsorte auswärts abnehmen und 
die archivalische Concentration in der Hauptstadt wächst, bis end- 
lich auch nichts Nennenswerthes mehr in Menge einzuholen und 
die Consolidation erfolgt ist, und die Arbeit blos einzig mehr, oder 
doch nahezu, auf das Innere beschränkt sein wird. 

Das ist aber allerdings die Hauptsache für eine regelrechte 
wiBsenschaftliche Verwerthung der Stoffe, aber auch an sieh der 
schwierigste Punkt. Denn nie, gar nie ist irgend ein Ort«- oder 
Familienarchiv auch nur annähernd in einem solchen Stande von 
Ordnung eingebracht worden, dass es entweder einfach aufgestellt 
zu werden oder nur geringer Nachhilfe zur Wiederherstellung 
brauchte. Sänimtlich waren sie im besten Falle durchgerüttelt, 

*) Darnach wäre die Angal>e in 8, 280 der „Archivalischen Zeitschrift*' 
zu corngiren, welche das steierm. Landesarchiv (mit jenen von Admont, des 
Deutschordens in Wien, dann Weimar zusammen) unter jene rechnet, welche 
blos etwa */• von 70,000 Urkunden besässen. 



Die Eiigebnisse am Steiermark. Landesarcliive i. d. Jahns. 1873—1882. 5 

dass kaum mehr die Spur ehemaliger, Oliederung zu erkennen 
blieb, durchgemischt wie ein Spiel Karten, meistens aber zu grösserem 
oder geringerem Theile zerrissen, devastirt. Und das ist eine Gefahr, 
welche den noch ausstehenden kleinen Archiven noch immer droht. 

Wollen wir nun zur Darstellung der Ergebnisse der Jahre 
1873 — 82 übergehen, und zwar auch darin die Joanneums -Abtheilung 
vorangehen lassen. 

Wir constatiren, dass für die unentgeldlichen Erwerb- 
ungen an Originalen von Urkunden in dem besagten 
Decennium blos vier Jahre sich finden, in welchen die Geschenke dieser 
Art auf unter iOO Stücke, vier, wo sie auf unter 1000 (zwischen 153 
und 645) bezifferten; ein Jahr ergab über anderthalbtausend und eines 
fast 3000 Stücke. Das niederste Jahr war 1874 mit 28, das reichste 
1873 mit 2825 Stücken, und im Ganzen brachten die Geschenke 
an Originalen 6202 Stücke, davon gehören 1 dem 12., 8 dem 18., 
168 dem 14., 681 dem 15., 1234 dem 16., 2311 dem 17., 1774 dem 
18., und 30 dem 19. Jahrhundert an.i) Zu dem reichen Ergebnisse 
des Jahres 1873 trugen namentlich bei das Archiv der Pfarre Fels 
(1579 St.), das Famüienarchiv der Grafen von Gleispach (785 St.) 
und das Guts- und Familienarchiv der Grafen und Herren von 
Stubenberg (369 Stück). Ein anderes ergiebiges Jahr war 1877, 
das 1520 Originale einbrachte, die Mehrzahl aus dem ehemals 
bischöflich seckauischen Schlosse Wasserberg (1165 Stück), und aus 
dem Gemeindearchive des Marktes Aussee (320 Stück). 

Diesen unentgeldlichen Zuwächsen gegenüber waren die ent- 
geldlichen minder ausgiebig. Zwei Jahre (1875 und 1876) ergaben 
keine Originale zu Kauf, 5 hielten sich unter 100, 2 zwischen 
100 und 300; dafür brachte 1877 in 3 Posten 1168 Stück, davon 
ein einziger (aus dem Archive von Wolken stein im Ensthale, ver- 
mittelt durch einen Landkaufmann zu Irdning, der das ganze Archiv 
erworben zu haben scheint) weit über 1000 Stücke vom 16.— 18. Jahr- 
hundert. Die Gesammtzuwächse auf entgeldlichem Wege beziffern 
sich für die benannten 10 Jahre auf 1746 Stücke vom 13. Jahr- 
hundert ab, und ist darunter das 17. Jahrhundert mit 1068 Stück 
am zahlreichsten vertreten gewesen. 



*) Die Daten für diese und alle folgenden Angaben liegen in den Jahres- 
berichten, welche das Landesarchiv jährlich über seine Joanneoms-Abtheilang 
der Custodie des Joanneums erstattet, und die gedruckt an Anstalten und 
Geschenkgeber vertheilt werden. 



Q V. Zahn: 

An Geschenken und Käufen zusammen wuchsen denn 7948 
Originale zu, davon 1 des 12., 10 des 13. Jahrhunderts u. ff., was 
eine Durchschnittsziffer von 795 Stück im Jahre ergiebt. 

Die Art der Zuwächse an Abschriften war eine ver- 
schiedene: entweder wurden sie gekauft — was aber sehr selten 
der Fall — , oder geschenkt, oder es wurden Originale zur Ab- 
schriftnahme eingegeben — was einem Geschenke an Abschriften 
gleich gerechnet wird — , oder man ergänzte die grosse chrono- 
logische Reihe der Urkunden aus Archivhandschriften oder Druck- 

« 

werken, oder auch aus Yidimationen oder Bestätigungen. Weitaus 
in den meisten Fällen sind die Provenienzen der beiden letzt- 
genannten Arten die ergiebigsten gewesen. Endlich treten noch 
dazu die Gopien auf Archivsreisen angefertiget, an Oertlichkeiten, 
von wo die betreffenden Originale oder Handschiiften nicht ent- 
liehen werden konnten. 

Als Gopien aus zur Abschriftnahme dargeliehenen Originalen 
oder Manuscripten ergaben sich 1873 — 82 1475 Stücke und im Archive 
aus Handschriften desselben oder Drucken copirt 2338 Stücke; 
blos zwei Posten weisen grössere Ziffern von Archivsreisen stammend 
auf, nämlich 1878 aus Udine 96, und 1880 aus Tachau 130 Stücke, 
sämmtlich des 15. Jahrhunderts. i) Die geschenkreichsten Jahre waren 
1877 mit 320, 1874 mit 230, 1876 mit 222 und 1881 mit 201 Stücken; 
die reichsten aber aus den systematischen Durchsuchungen der 
eigenen Handschriften und Bestätigungen oder Yidimationen, dann 
aus Werken 1879 mit 605, 1880 mit 442, 1874 mit 280, 1875 mit 
264 und 1881 mit 214 Stücken. 

Die Gesammtsumme an Erwerbungen an Abschriften betrug 
3812 Stücke, folglich in Durchschnittsziffer 381 jährUch. Die 
meisten derselben gehörten, da für die Zeit vor 1300 nur mehr 
auf ausnahmsweise Einzelzuwächse zu rechnen ist, dem 14. und 
15. Jahrhundert an, nämlich 689, resp. 2698, für beide Jahrhunderte 
allein also 3387 Stücke. 

Beiht man nun die Ergebnisse an Abschriften zu denen an Ori- 
ginalen, so resultirt eine Gesammtziffer an Urkunden von 11,761 Stück, 
eine Zahl, die gegenüber jener von 12,596 der 12 Jahre 1861 — 72 



*) Weil nur Vorarbeity also strenge genommen nicht hier einrechenbar, 
fallen 785 Stück Regesten des 14. Jahrhunderts aus, w^che im Staatsarchive 
zu Wien von dort befindlichen Originalen 1873 angefertiget wurden. Erst wenn 
ihre Copien vorliegen werden, treten dann diese in Rechnung. 



Die Ergebnisse am Steiermark. Landesarchive i. d. Jalirz. 1873-1882. 7 

eiüe erfreuliche Steigerung nachweist; denn hier ist die Mittelzahl 
blos 1041, im Decennium 1873—82 aber 1176. In den 21 Jahren 
seit 1861 beträgt sonach der totale urkundliche Zuwachs ungefähr 
24,360 Stück, und der Gesammtstand des Urkundenbesitzes des 
Landesarchives betrug zu Anfang 1883 über 62,000 Stück, davon 
über 39,000 Originale und über 23,000 Abschriften. 

Begreiflich ist, dass selbst die angestrengteste Thätigkeit einen 
solchen Fortschritt nicht aufrecht halten kann. Man hat bereits 
1861 den früheren Sammelkreis, der sich auch über Kärnten und 
Krain erstreckte, auf das sachlich allein begründete Gebiet der 
Steiermark eingeschränkt. Dieses Gebiet muss sich aber früher 
oder später inhaltlich erschöpfen, ebenso wie einmal die Zeit kom- 
men soll, wo kein namhaftes Priratarchiv steirischen Ursprunges, 
resp. innerhalb Steiermarks mehr ausserhalb den Räumen des 
Landesarchives zu suchen sein soll. Dieses Greifen in's Volle und 
dieses Einheimsen in grösserem Massstabe muss natürlich allmälig 
sich reduciren, und mit ihnen auch die Ausweisziffer. Indess ist 
bis dahin immerhin die Aussicht nicht allzu eingeengt. 

Was Acten anbelangt, so ist natürlich, dass auch solche in 
sehr wechselnder Quantität und Qualität sich einfanden, bald in 
wenigen Stücken, bald in Mehrzahl, bald in Massen. Vom Stand- 
punkte des inneren Werthes betrachtet, erscheinen ihrer viele an 
sich belanglos, aber sie gewinnen im Zusammenhange mit einer 
grösseren Zahl gleichartiger, sei es auch nur, dass sie die Zahl der 
Daten in einer bestimmten Richtung vermehren, sei es durch einen 
Namen, oder in der Eigenschaft als sprachliche Belege. Man kann 
die Papiere, welche aus Gemeinde-, Klöster- oder Güterverwaltungen 
stammen, nicht nach dem Massstabe diplomatischer oder Staats- 
actionen bemessen, ebensowenig als die Privaturkunden gegenüber 
Kaiserdiplomen, Päpstebullen oder Staatsverträgen als werthlos be- 
zeichnen. Die Landes- und Ortsgeschichte, von dem allgemeinen 
culturellen Momente zu geschweigen, haben ihre Berechtigung und 
in jenen ihre Quellen. Uebrigens steht fest, dass aus den genannten 
Fundstellen mehr Ausscheidbares herantritt, als sonst aus Archiven 
oder Registraturen von Landes- und Staatsbehörden. Namentlich 
gilt diess für die Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts und für 
das 19. Frühere Perioden beanspruchen Schonung, auch dann, 
wenn man ihre Actenerzeugnisse nicht sofort unter ihre gehörigen 
Rubriken einzureihen vermag. Das ist nämlich am Landesarchive, 



8 V. Zahn: 

wo die Guts- und andere Archive stets in formlicher Auflösung 
einzulangen pflegen, sehr häufig der Fall. Da man die betreffenden 
alten Archivsgliederungen in der Regel nicht kennt, sind neue zu 
schaffen ; diese können nie so eingehend sein, wie die alten historisch 
entwickelten ; daher erübriget manches üneintheilbare. Dies begreift 
fast nur scheinbar werthloses Materiale, dessen Verwendbarkeit meist 
ebenso zweifelhaft wie seine Erhaltung ist; dennoch heischt das 
Alter Bücksicht, und so werden derlei Acten am Schlüsse der neu- 
geordneten Specialarchive als „Scartpapiere" in besonderen Bänden 
angereiht. Spätere Augen finden vielleicht auch für sie noch Stelle 
und Verwerthung. Denn es ist unzweifelhaft, dass die Entwicklung 
der geschichtlichen Studien Acten noch Interesse abgewinnen wird, 
das früher ganz unfindbar gewesen wäre. 

Es ist nicht thunlich, die Actenstatistik der Erwerbungen in 
dem Jahrzehent 1873 — 82 nach Zeit, Zahl und Zugehör der Papiere 
hier zu entwickeln. Der Bericht beabsichtiget nicht, von dem 
Grundsatze der Haltung in grossen Zügen abzugehen. Deshalb 
soll von den Einzelerwerbungen nur das Wichtigste und umfang- 
reichste — hie und da mit entsprechender Markirung des Inhaltes — 
erwähnt werden, ohne weiter zwischen Geschenk, Tausch oder Kauf 
zu unterscheiden — Letzteres umsoweniger, als die Käufe sowie 
die Tausche selten, und nahezu sämmtliche Erworbungen blos 
Geschenkgegenstände waren. 

Zu den werthvoUsten der wenig umfangreichen Erwerbungen 
der Actengruppe gehört ein ßationarium Styriae (1880), nicht 
eigentlich eine neue Bedaction des bekanntlich unter König Otakar 
von Böhmen 1265 angelegten „Domesday Book" von Steiermark, 
als vielmehr ein Seitenstück dazu, nicht viel jünger als dieses 
(ca. 1300 oder wenig darnach datirend), auch nicht so systematisch 
und umfassend behandelt, aber immerhin ein stattlicher Band, und 
für die mittelalterliche Topographie des Landes ausnehmend schätzbar. 
Dasselbe Jahr brachte auch ein Urbar der salzburgischen 
Güter in Steiermark von 1322 ein, das reiche Urkunden- 
beilagen enthält, nicht weniger für die Topographie des Landes 
von Bedeutung, als auch für die Beziehungen der Lehensleute von 
Salzburg zu ihren Herren. Ganz anderer Natur sind die Samm- 
lungen Sötzinger's für die Geschichte der Eeformation in Steier- 
mark, die aber, als bei „Handschriften" gebucht, dort erwähnt 
werden sollen. Von etwa 40 — 50 kleinen Posten, die zu gutem 



Die Ergebnisse am Steiermark. Landessn^hive i. d. Jahrz. 1873—1882. 9 

Theile das Zunftwesen im Lande betreffen, für welche Gruppe 
vom 15. — 18. Jahrhundert eine grosse Zahl werthvoUer Satzungen, 
Schutzbriefe, Bruderbücher u. dgl. namentlich für den Norden und 
Nordosten der Steiermark einlangten, seien blos mehr das Original 
der Verbrüderung zum hl. Christoph (eines Mässigkeits- 
vereines in der vornehmen Gesellschaft des Landes) von 1558 
(das 1874 bei einem Trödler in Wien gekauft worden), und das 
Polyptichon der Tischler (?) - Gesellenlade in ,Graz vom 
Ende des 18. Jahrhunderts erwähnt, das, obgleich blos von ge- 
rahmten Schieferplatten hergestellt, doch vollständig die alten Wachs- 
tafelbücher, und sich gewissormassen als Nachfolger dieser eigen- 
thümlichen Notizbücher repräsentirt 

Wir stehen jetzt vor der Namhaftmachung der umfangreicheren 
Archive und Archivsreste, welche der Joanneums -Abtheilung zu- 
wuchsen. 

Diese sind im allgemeinen ihrer Provenienz oder Natur nach 
Gemeinde-, Guts-, Pfarr- und Familienarchive. 

Hier tritt leider das Lückenhafte am Greifbarsten hervor, 
eben weil die Gesammtheit des gegenwärtigen Bestandes vorliegt, 
und daraus auf das Abgängige am sichersten geschlossen werden 
kann. Zumeist waren es in Städten Brände (so namentlich in dem 
oft eingeäscherten Brück a/Mur), welche die Lücken verschuldeten, 
dann aber auch die Unwissenheit und der Raummangel, bei Städten 
aber und bei Gütern fuhr die neue Verwaltungseintheilung nach 
1848 wie eine zerstörende Hand in die früher ziemlich unbewegten 
Massen, riss, was sie meinte brauchen zu können, heraus, und 
überliess das Uebrige dem Geschicke aus der Theilnahmslosigkeit 
und Unkenntniss von Gutsherren, städtischen Beamten und niederen 
Schlossbediensteten. Am besten erhielten sich noch die Archive 
auf dem Lande dann, wenn einfach ihre Thüren abgesperrt und 
ihre Materialien ausser Gebrauch gesetzt wurden. Oft aber trat da 
für die neue Verwaltung Raummangel ein, und nun wurde, wo 
das alte Archivslocale auch nur halbwegs brauchbar sich erwies, 
sein Inhalt, die Privilegien ausgenommen, verkauft. Es Hesse sich 
eine Stadt im Lande nennen, welche, um Raum zu schaffen und 
zugleich ihr Gewissen zu entlasten, einen Biurnisten aufnahm, dcr^ 
ohne die mindeste Kenntniss natürlich des Wesentlichen, scartiren 
sollte; er scartirte also, und zwar nach Kräften und brauchte ein 
Jahr; was er ausschied, wurde verkauft an die Krämer der Stadt, 



lO V. ZahD: 

und der £rtrag brachte ebeosoviel als der Diurnist an Besoldung 
bezogen hatte. Man hatte sonach mit dem Archive blos einen 
Menschen ein Jahr lang besser leben gemacht. Es blieb nur ein ein- 
ziges grosses Buch, das Stadtrecht; alles Andere hatte der Diurnist 
verzehrt. Auf einem grossen Klosterguto wieder, das eine hoch- 
vornehme, sehr klerikal gesinnte Familie erworben, blieb die Eanzlei 
offen; wer von dem Forstpersonale des alten Klostors, oder von 
den Unterthanen Papier brauchte , holte sich's aus der Kanzlei, 
und so ging das Archiv des ersten Karthäuserklosters auf deutschem 
Boden unter. Das sind aber nur Ausnahmsfälle, die nämlich der 
nahezu totalen Vernichtung; die häufigsten sind jene der Verwahr- 
losung, wo indess die Intervention des histor. Vereines für Steier- 
mark oder des Landesarchives oder deren Freunde immer noch 
zurecht kam. 

Um ungefähr den Stand der von 1873—82 erworbenen Privat- 
archive zu bezeichnen, mögen die sozusagen vollständigen — denn 
Verluste erlitten sie alle — hier mit * bezeichnet werden; wo 
mindestens ein bedeutender Rest derselben einlangte, soll es f , wo 
ein weniger ansehnlicher ff es bezeichnen. 

Gemeindearchive trafen ein 1876 * Aussee, 1882 ff 
Brück a/M., 1876 * Judenburgi), 1875 * Knittelfeld^), 1876 ff 
Deutsch-Landsberg, 1879 f Murau, 1882 ff Mürzzuschlag, 1875 ff 
Neumarkt und 1873 f Voitsberg3), _ Gutsarchive 1881 ff 
Ernau, 1881 ff Froiborg, 1877 ff Gleinstotton^), 1874 f Horneck, 
1875 f Liechtenstein, 1874 f Ligist (mit Premstetten), 1878 ff 
Burg-Marburg4), 1874 * Rot«nfels5), 1882 f Spiegelfeld, 1873 f 
Stubenberg (mit Gutenberg und Kapfenberg), und 1877 f Wasser- 
^'örg, — das Pfarrarchiv von * Pels (1873), und die Fami- 
lienarchive 1879 ff GaUerß), 1874 ff Kühnburg?) und 1874 



') Bios ein Nachtrag, der grösste Theil war bereits in den 60er Jahren 
abgetreten worden. 

•) Nur ein noch zurückbehaltener Theil, da die Hauptsache gleichfalls 
schon in den 60 er Jahren übergeben war. 

') Der bessere Theil, aus einem* seit mehr als 20 J. nicht geöffneten 
Kasten auf dem Boden des Bathhauses, wurde 1882 entdeckt und 1883 abgetreten. 

*) War an Makulaturhändler verkauft und erst von diesen zum grüssten 
Theile rückerworben. 

*) Nachtrag zu bereits 1865 geschehener Erwerbung. 

') Langte aus Olmütz m Mähren ein. 

') Wesentlich reich an Urkunden. 



Die Ergebnisse am Steiermark. Landesarchive i. d. Jahrz. 1873-1882. 1 1 

f SaurauJ) Ausser diesen kamen noch ein das ff Bergwerks- 
archiv von öblern (1882)^), das ff Archiv des steier- 
märkischen Untermarschallamtes (in der Familie Saurau 
und mit der Herrschaft Gross-Sölk verbunden) ff (1882)3), und 
1881 das * Lehensarchiv der Steiermark. 

Die weitaus reichsten der aufgezählten Archive sind jene von 
Aussee und Murau (denn jene von Judenburg und Enittelfetd, als 
grösstentheils schon vorher erworben, kommen hier nicht gänzlich 
in Rechnung), von Liechtenstein, Ligist und Wasserberg, von Pels 
und von Saurau, endlich das Lehensarchiv. Die meisten heben mit 
ihren Materialieo erst mit dem 16. — 17. Jahrh. an. Im Ganzen 
mögen sie in der Neuaufstellung, welche am Landesarchive nicht 
fascikelweise, sondern in Hohlbänden geschieht, ungefähr 2000 
solche Bände, weit eher mehr als weniger, begreifen. 

Eine sehr namhafte Erwerbung war jene einer Anzahl so- 
genannter Documentenbücher von 17 Gütern und 3 Märkten 
des oberen Rabviertels. Sie enthalten die Verträge, Testamente, 
Nachlassverbandlungen, Erbtheilungen u. s. w, der Unterthanen, 
welche irgendwie die bäuerlichen oder sonstwie hörigen Gründe 
belasteten und Veränderungen daran hervorriefen. Wenn man die 
Stockurbaro, welche an einigen Orten des Landes, namentlich bei den 
gut verwalteten Klöstern schon zu Ende des 15. Jahrhunderts angelegt 
wurden, sonst aber erst um die Mitte des 16., als die ersten An- 
fange und Grundlagen der Grundbücher auffasst, so sind diese 
Documentensammlungen die Fortsetzung davon. Sie hatten die 
Abfalle und Zuwächse, dann die Belastungen der beutellehenmässigen 
Bauerngründe in Evidenz zu halten, und sind nicht allein für das 
geltende Recht, sondern auch für Topographie, Sitte und Sprache 
eine hervorragende Quelle. Nach Auflösung der Dominien gelaugten 
sie an die Bezirksgerichte und Steuerämter, und, da sie dort nach 



') Nachtrag zu schon vor 1861 geschehener Abtretung. 

*J War mit den Archiven von Landskron (in Brück a/M.), Freienstein etc. 
vom Eigenthümer zum Feuertode bestimmt ; gegen 80 Centuer wurden wirklich 
verbrannt, nur diesen Theil rettete insgeheim ein Beamter, dessen Vorfahren 
einstmals Antheile am Bergwerke besessen hatten und dort ansüssig gewesen 
waren. 

') Das Gutsarcliiv von Sölk selber war bisher durchaus nicht zu erlangen; 
die Urkunden und Akten des Untermarschallamtes lagen aber ~ aus welchem 
Anlasse unbekannt — lange Jahre beim Steueramte zu Grübming. 



12 V. Zahn: 

Herstellung der neuen Grundbücher überflüssig, sind sie historisches 
Materiale geworden. Allein ihre Ablieferung ist bisher blos ver- 
einzelt geblieben, und erst jetzt mit Hilfe der Landesgerichte ihre 
Einholung aus dem ganzen Lande im Zuge. Die in erwähnter 
Weise abgetretenen stammen aus dem Bezirksgerichte zu Weitz, ge- 
hören dem 17. — 18. Jahrhundert an, zählen etwas über 350 Bände, 
und betreffen die Güter Birkenstein, Bischofhofen, Fiadniz, Fronds- 
berg, Gutenberg, Hartmannsdorf, Kilbi, Lehenhofen, s. Mareiu 
a. Pickel bach, Münchhofen, Neuhaus, Radmannsdorf, Stadl, Stubegg, 
Sturmberg, Tannhausen und Wachseneck, dann die Märkte Anger, 
Birkfeld, Passail, s. Ruprecht a/d. Rab und Weitz. Selbstverständlich 
bilden sie für sich keine eigene Reihe, sondern haben den Archi- 
valien derselben betreffenden Güter angereiht zu werden, welche 
etwa schon früher an das Archiv gelangt sind. 

Für das Land im Allgemeinen von Wichtigkeit ist aber 
das Lehensarchiv, 1881 von der Finanzprocuratur nach Abschluss 
der Allodisirungsgeschäfte abgetreten, i) Seine Acten sind vom 
15. Jahrhundert an bis gegen 1660 entweder nur in (5) Bände ein- 
getragen, 2) oder abschriftlich auch darein redigirt; die Original- 
acten, resp. Concepte gehen von 1565 an, haben jedoch oft Beilagen 
früheren Datums, und reichen blos bis gegen Ende des 17. Jahr- 
hunderts. Sie sind jetzt nach Familien in 109 geheftete Bände ge- 
ordnet, und berühren mehr als 1100 lehensberechtigte Familien. 
Ausserdem sind noch 8 Bände Gutachten der Lehenskammer vor- 
handen. Es begreift sich, dass der geschichtliche, namentlich aber 
topographische Werth dieser Sammlung ein bedeutender ist; er ist 
aber geradezu einzig im Zusammenhalte dieser Suite mit den Serien 
der Gültenschätzungen (von 1542 — 44), dann der Gültenaufsandungen 
(von ca. 1560—1848), welche das Steuer- und Besitzwochselwesen 
der in der Landtafel eingetragenen Liegenschaften behandeln, und 
die der landschaftlichen Abtheilung des Landesarchives angehören. 

') In diesem Ausnahmsfalle ist das Landesarchiv eingetreten, Archivalien 
aus Staatsbesitz und staatlicher Provenienz zu übernehmen. Da nämlich in 
Oesterreich nur Scartirungs-, nicht aber systcmaUsche Conservirungsnormen für 
Staatsarchivalien bestehen, wären diese Acten eben in die Stampfe gewandert. 

') Die ältesten Städte datiren von ungefähr 1440; sämmtliche Bücher 
enthalten aber nur Auszüge des Meritorischen der Belehnungsurkunden, sowie 
auch tlie älteren Lclienbücher des 14. Jahrhunderts, welche sich im Archive 
des Reichs-Finanzministeriums befinden — nämlich die öBterreichischen ; ob 
steiermärkische dieser Zeit noch existiren, und wo, ist unbekannt. 



Die Ergebnisse am steierraftrk. Landesarchive i. d. Jahns. 1873 — 1882. 13 

Diese Letztere, welche eigentlich ihrer Natur nach auf Ver- 
mehrung nicht, sondern höchstens auf Nachschübe aus der Registratur 
der Landschaft zu rechnen hat, gewann übrigens 1876 eine ungemein 
reichhaltige Suite von Acten — wieder, die schon früher in seinem 
Besitze gewesen und auch bei ihm entstanden war, nämlich das 
sogen. Land recht. 

Dieses begreift die Papiere jener Oerichtsbarkeit, welche ent- 
weder bei der Landschranne, oder beim Landeshauptmanne in seiner 
ehemaligen Jurisdictionssphäro erwachsen waren. 

Einen Theil derselben, und zwar den ältesten, die sog. „Schrannen- 
aeten", hatte das Landesgericht von Graz schon vor 1861 dem histor. 
Vereine zugewendet. *) Sie, mit allen nachfolgenden aus dem gericht- 
lichen Wirkungskreise der alten Stände, waren nämlich unter Kaiserin 
Maria Theresia den Staatsbehörden übertragen worden, die künftig- 
hin dieselben Geschäfte zu führen hatten, und enthalten Civilprocesse, 
sodann die Gegenstände des sogen. „Adeligen Bichteramtes", somit die 
Nachlassverhandlungen und Erbstheilungen, auch sonstige Civilacte 
des gesammten der Landschaft angehörigen Adels und aller der- 
selben durch Würde, Stellung und Amt zugeschriebenen Persön- 
lichkeiten. Unter den Civilacten sind namentlich solche zu ver- 
stehen , welche die guten Sitten betreffen. Bios eine Abthoilung 
war dem Landeshauptmann geblieben, nämlich die Intimationen und 
Aufträge seitens der Regierung in gewissen nichtrichtorlichen, son- 
dern politischen Dingen, und diese wurde jetzt auch dem „Land- 
rechte" einverleibt. Aus diesen Letzteren heraus ist diese Suite eine 
Quelle für Geschichte der Gegenreformation, wie solche vordem 
nicht geahnt worden. Ihre Zeit geht vom Beginne dos 17. Jahr- 
hunderts bis gegen 1780, und ihre Zahl überschreitet weitaus 
2000 Acteubände zu durchschnittlich 3 Zoll Rückonbreito. So wie 
die Serie der sogen. Gültaufsandungen^) für den Besitznachweis der 



») Es waren Appellationen 1589-1778 — Decrete 1766—79 — Haupt- 
wcisungen 1685 — 1759 -^ Landscherm (Schirm briefe) verech. Jahre — Notein 
1567—1753 — Schrannen-Appellationen 1518—1750, SchranneiiGutachten 1659 
bis 1724, Schrannen-Relationen 1577 — 1765, Schrannen-Rcsolutionen 1594—1749 
und Schrannen- Weisungen 1518 — 1759. 

') Unter Gülten verstand man das landtäfliohe steuerbare Einkommen, 
und metaphorisch den landtäflichen steuerbaren Besitz selber. Man sandete 
auf, indem man die Uebertragnng eines steuerbaren Besitzes an eine zweite 
Person der Landschaft zar Abschreibung desselben, resp. der entfallenden Steuer- 



14 V. Zahn: 

vornehmen Familien, so ist hier durch die Verlassenschaftsabhand- 
lungen und Inventare eine genealogische Fundgrube für dieselben 
gegeben. Dass sie aber nebenbei durch ihre Testamentseinlagen für 
die Kenntniss des Besitzes in meritorischen Fragen auch heute noch 
von Werth sein kann, ist leicht verständlich. 

Dieser Abtheiluug endlich gehört noch eine Serie an, von 
allgemeinem Werthe, welche aus Zuflüssen, die mit jedem Einzel- 
archive oder Archivreste einlangten, sich bildete. Das ist jene der 
Patente. Sie enthält die Mandate, Verlautbarungen, Rundschreiben 
u. s. w. der Regierung und der Landschaft in allen öffentlichen Ange- 
legenheiten, und zwar fast sämmtlich im Drucke. Ihr Inhalt beginnt 
mit 1488 und läuft bis 1859. Sie ist vorläufig bis 1799 in (159) 
Hohlbänden (oder Schubern), von da ab bis 1859 in (129) Fascikeln 
aufgestellt. Abgeschlossen dürfte sie über 400 Hohlbände mit etwa 
15,000 — 20,000 Einzelmandaten fassen. Darin ist eine sehr bedeutende 
Anzahl von Doubletten, Tripletten u. s. w., die heute schon bei 
15,000 Stück betragen, nicht einbezogen, und sind diese zu Verkauf 
gestellt 

Wir gehen nun zu anderen Abtheilungen des Landesarchives 
über. Da ist in der grossen Gruppe des Joanneums-Archives die 
Handschriften Sammlung. Ihre Wahrnehmung kann, da das 
Land an Auf Schreibungen nicht geschäftlicher Natur, wie Chroniken 
von Städten, Familien u. s. w., immer arm gewesen, voraussichtlich 
nie bedeutend sein. Es sind daher blos eine Chronik des Stiftes 
Pöllau (18. Jahrb., 1876), eine andere von Steiermark (17. Jahrb., 1880) 
und eine von Cilli (18. Jahrb., 1881), ein Gedenkbuch der Familie 
V. Teufenbach (17. Jahrb., 1880), eine Sammlung von Actenstücken 
für Geschichte des Polenaufstandes in Galizien von 1846 (1877), und 
solcher zur Geschichte der Jahre 1809 und 1848 (1878) u. s. w. nam- 
haft zu machen. Am werth vollsten ist die Sammlung eines gewissen 
Sötzinger, der — wie es scheint, im Gefolge der Familie v. Racknitz — 
als Protestant. Exulant 1629 das Land verliess, und im Exil die 
Acten zusammentrug, welche in Reformations- und Gegenreformations- 
sachen im 16. und 17. Jahrhundert in dem Verkehre der Steiermark. 
Stände mit der Regierung erflossen waren. 



quote anmeldete und um Zuschreibung auf den Besitz- und Steuerbogen des 
Erwerbers ansuchte. Der Ausdruck „aufsanden^* ist der Nomenclatur des 
Lehenwesens entnommen, da auch Lehen, wenn sie übertragen werden sollten, 
mit dieser Bezeichnung beim Lehensherm be^nsagt zu werden hatten. 



Die Ergebnisse am Steiermark. Landesarchive i. d. Jahrz. 187S-1882. 15 

Die Sammlung der Siegolstempel vermehrte sich um 41 Stücke 
vom 14. — 19. Jahrhundert. ^) 

Die Sammlung der historischen Ortsbilder, der Porträts, 
Ereignissbilder, Karten und Pläne ist eine solche, welche 
zwar dem Archivsrahmen nicht vollständig passend, doch am Archive 
sich bildete, da nirgends an Landesanstalten diesem wichtigen 
Behelfe zur Illustration von Oertlichkeiten, Personen und Ereignissen 
früher das wünschenswerthe Augenmerk sich zuwenden wollte. Da 
wir uns hier aber wesentlich mit Schriftdenkmalen beschäftigen, 
mag in Beziehung auf diese Gruppe von der Darlegung der Er- 
werbungen Umgang genommen werden. Nur das sei erwähnt, dass die 
Ortsbildersammlung, vom 16. Jahrhundert beginnend, an 5000 Stücke 
zählt; ebenmässig sind auch die Portefeuilles der Porträts 2) und 
der Karten, schwach dagegen jene der Ereignissbilder und Pläne. 

Imgleichen mag auch von der Hilfsbibliothek nur gedacht 
werden, dass sie sich stets mit den neuesten und besten Karten, 
topographischen Hilfswerken und sonstigen Nachschlagebüchern für 
ürkundenbearbeitung , ebenso mit allen erreichbaren archivalischen 
und paläographischen Publikationen ergänzte, und dass ihre Gruppe 
der Historica für Steiermark an Vollständigkeit irgend einer der 
grossen Bibliotheken des Landes nicht nachsteht. 3) 

Bis hieher galt in der Berichtlegung blos das Thema der Er- 
werbungen. Es handelt sich aber auch darum, in welcher Aus- 
dehnung der Besitz des Archives für Aussen nutzbar wurde. 

Die Benützung geschieht regelmässig durch selbstständige 
Arbeit der Parteien im Archivslokale, dann durch Erwirkung von 
Auskünften, Ausfertigungen und Entlehnungen. 

Die Ziffer der direkten Benützung schwankte im Jahre 
zwischen 29 und 67 Parteien ; die Gesammtzahl betrug im besagten 
Decennium 418 und ihre Durchschnittsziffer etwa 42. Von diesen 
Besuchern fand eine Zahl (187) jahrjährlich, oder überhaupt wiederholt 
sich ein, dagegen 231 nur einmal. Ebenso konnten begreiflich 
einzelne Besuche in kürzester Frist abgethan sein, während andere 
durch Monate sich hinzogen; bei den Einen handelte es sich um 
Ein Dokument, während es wieder deren gab, die bis über 600 Aus- 



») Die gesammtc »Sammhing beträgt dermalen bei 300 Stück in Originalen 
und (ca. 20) Nachbildungen. 

») Diese zählen ungefähr 2600 Stücke. 

') Sie beträgt etwa SOO Nummern, davon ca. 400 Styriaoa. 



16 V. Zahn: 

hebiingen veranlassten. — Weitaus die meisten Besucher domieilirten 
in Graz; vom Lande waren 40, von ausserhalb Steiermarks 38, 
von ausserhalb Oesterreichs 20. ^) Ziemlich häufig wurde das Archiv 
durch Besuche erfreut, welche sich blos zur Kenntnissnahme der 
Organisation und Arbeitsweise desselben einfanden, darunter Archiv- 
beamto aus Bremen und Stockholm. Für die portugiesische Regierung, 
sowie für den Landesausschuss von Niederösterreich wurden 1876 Ab- 
schriften des Organisationsentwurfes abgegeben, und nach mehreren 
Seiten an kleinere Archive Modelle der Urkundenkästen und Kistchen, 
wie sie hierorts in Verwendung stehen, vermittelt. 

Die Zahl der Auskünfte, meist schriftlich gegeben, betrug 
im Ganzen 85, und wechselte zwischen 2 und 15 im Jahre; davon 
entfielen auf Steiermark 40, auf das übrige Oesterreich-Üngarn 25 
und auf das Ausland 20. 

Die Ausfertigungen betrafen einfache oder legalisirte Ab- 
schriften, Certificate der Landstandschaft, des Adels u. s. w., Mit- 
theilung von genealogischen und anderen Notizen, Stammbäumen 
u. s. f., und waren in der Zahl von 88, davon 46 auf das Land, 
23 auf das Reich und 19 auf das Ausland entfielen. Für der- 
gleichen Leistungen mit Collationirungs- und Siegeltaxen ist das 
Archiv zu gewissen statutenmässigen Bezügen berechtigt, welche 
im gegebenen Jahrzehnte 412 fl. 64 kr. ausmachten, davon auf 
die Handkasse der Anstalt 72 fl. 03 kr. entfielen. 

Entlehnungen sind grundsätzlich nur für Acten und Hand- 
schriften gestattet. Bekanntlich halten es damit auch andere Archive 
so, ja in Norddeutschland macht sich sogar die Neigung der Ein- 
stellung aller Entlehnungen für oder an Private geltend, welcher 
Praxis übrigens auch hierlands einzelne Archive anhängen. Im 
Ganzen fanden 73 Entlehnungen statt, davon 51 auf das Land, 
19 auf das Reich und 3 auf das Ausland kamen. 

Selbstverständlich kam auch das Archiv zuweilen in die Lage, 
dieselbe Gefälligkeit von anderen privaten und öfTentlichen Archiven 
in Anspruch zu nehmen, wo seine Mittel zur Ausnützung derselben 
an Ort und Stelle nicht hinreichten. Hier ist der wahrhaft grossen 
Liberalität zu gedenken, mit welcher der Herr Erzbischof zu üdine 
auch in diesem, wie im früheren Jahrzehente, die sogen. „Protocolli" 



*) In den Jahren 1861—72 betrug der Gesammtbesuch 366, dafür die 
Vertheilung nach Domicilcn 235-[-61-f59-fll ausweist. 



Die Ergebnisse am Steiermark. Landesarchive i. d. Jahrz. 1873-1882. 1 ^ 

der Patriarchen des 15. und 16. Jahrhunderts in zwei Sendungen 
zu beziehen gestattete, aus welchen ein Ergebniss von 242 Urkunden 
resultirte. Ebenso lieh (1874 und 1878) das Staatsarchiv zu Wien 
die sogen. Salzburger Kammerbücher, aus denen für das 12.— 15. 
Jahrhundert 253 Stücke copirt wurden, und endlich das Archiv 
des Stiftes Admont die Urkunden von 1400 an bis 1440, welche 
eine Vermehrung der hiesigen Reihe um 163 Stücke ergaben. 

Von einem letzten Thema des Berichtes, den Arbeiten am 
Archive und ihren Fortschritten, hat der Berichtleger Grund, für 
diese Darstellung abzusehen. Es ist aber annehmbar, dass dieselben 
im Verhältnisse zu den Erwerbungen und den Arbeitskräften statt- 
fanden. 

Im Wesentlichen handelte es sich doch nur darum, zu zeigen, 
wie die Bevölkerung des Landes Steiermark die Bestrebungen des 
Archives auffasst und unterstützt; denn wenn man von Gaben und 
Widmungen spricht, geschieht es im Innersten zu Ehren Derjenigen, 
die mit solchen sich einfanden und darin sich hervorthaten. Hier 
ging das Land und seine autonome Verwaltung, die Landschaft, Einen 
gemeinsamen Weg: diese, indem sie zur Entwickelung die Geld- 
mittel nach ihren besten Kräften bot, und jenes, indem es diesen 
Intentionen in einer Weise gerecht wurde, welche, unter den öster- 
reichischen Provinzen wenigstens, ohne gleichwiegendes Beispiel 
dasteht. 



Archlvallsche Zeitschrift. X. 



kl 



IL Kanzlei- u. Archivwesen der fränkischen Hohenzollern 
von Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. 

Von 

Dr. F. Wagner, Gymnasiallehrer in Berlin. 



1. Standort der Archive. 

Bei den fränkischen Hohenzollern begann ein geordnetes 
Kanzlei- und Archiv wesen i) sicherlich schon zu den Zeiten Fried- 
richs I., des eigentlichen Begründers der Macht seines Hauses. 
Es sind zwar nur einige zerstreute Notizen erhalten, welche darauf 
hindeuten, aber sie reichen doch aus, um zu erkennen, welcher 
Werth auf die Erhaltung und Verwahrung der Urkunden gelegt 
wurde. In seinem 1437 verfassten Theilungsvertrage verordnete 
dieser umsichtige Fürst 2): ,,es sollen ausser den Heiligthümern , 
goldnen und silbernen Gefassen u. a. die Bücher auf dem Schlosse 
Plassenburg und dem Behältniss daselbst ewig und unverückt bleiben". 
Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass unter diesem Behältniss 
das später so häufig erwähnte „Gewölbe" oder „Briefgewölbe" zu 
verstehen ist. — Jedoch bezog sich diese Verordnung nur auf die 
fränkischen Archivalien, üeber die brandenburgischen findet sieh 
in demselben Aktenstücke die ausdrückliche Bestimmung, dass alle 
„gemein briefe, zu unsern landen der marck gehörende", in Tanger- 
münde aufbewahrt werden sollen, weil sie dort sicherer lägen als 
in irgend einem anderen Schlosse. Wenn ein anderer hohenzollern- 
scher Fürst ihrer bedürfe, so sollen sie ihm ausgeantwortet werden, 
jedoch unter der Bedingung, dass er sie nach gcnommerer Einsicht 
unverzüglich und ungefährdet wieder nach Tangermünde in die 



*) ^gl- den Aufsatz: Sc^hicksale des Plassenburger Archivs im 9. Bande 
dieser Zeitschrift. 8. 77 ff. 

»j Riedel Cod. dipl. Brandenburgensis III. 1. 8. 230. 



Wagner: Kanzlei- u. Archivwesen der frilnkisohen Ilohenzollem etc. 19 

„Behältnisse" abliefere. Von Wichtigkeit ist auch noch die generelle 
Bestimmung, dass alle Lehenbücher, Register und Schuldbücher 
abgeschrieben und jedem der vier Söhne, unter die der Kurfürst 
seine Länder theilte, eine Abschrift gegeben werde. Diese Sorgfalt 
wird nicht in Erstaunen setzen bei einem Fürsten, der in sein 
Hausgesetz die Bestimmung aufnahm: „unsere deutsche lespuchere, 
die wollen wir bei unserem leben, ob got will, an ein stat oder 
closter orden und schicken, da sie alweg bleiben und da nicht 
vorrucket werden sollen; doch welicher der obgnanten unser sune 
einer oder mer die abeschreiben weiten lassen, den sol man dy 
leihen, doch das er vor ein gewissheit tue, suUich pucher in einer 
benannten zeit wider an suUich stat oder closter zu schicken und 
zu antworten, dahin tvir die orden und schicken werden." 

Eine gewisse archivalische Nomenclatur ist in dieser Zeit auch 
schon erkennbar; die erwähnten Lehenbücher, Schuldbücher, Register, 
sowie ein in späterer Zeit zuweilen erwähntes „Landbuch" i) und 
ein „alt buech" deuten darauf hin, dass bereits Zusammenstellungen 
der sachlich zusammengehörigen Stücke gemacht worden sind, 
während der Ausdruck „briefe" jedenfalls die einzeln aufbewahrten 
Originalien bezeichnet 

Wenn nun aber auch in der erwähnten Disposition ein Oe 
sammtarchiv in Plassenburg für die fränkischen Länder eingerichtet 
wurde, so besagt jenes Instrument doch auch ausdrücklich, dass 
die besonderen Briefe, welche sich blos auf das Unterland oder 
blos auf das Oberland beziehen, in Verwahrung desjenigen Fürsten, 
der über einen dieser Theile herrsche, bleiben mögen nach seiner 
Nothdurft und nach seinem Gutdünken. 

Unmittelbar an diese Verordnung Friedrichs L schliesst sieh 
die berühmte dispositio Achillea seines Sohnes Albrecht vom Jahre 
1473 an. In dieser heisst es ausdrücklich: „so sullen alle privilegia, 
bullen, hantvesten und ander brive, die zu dem land zu Francken 
gehören, zu C^doltzpurg und die so zu dem gebirg geliörn, zu 
Piassemberg ligen und verwaret sein".^) — Allerdings findet sich 
keine Notiz, die darauf hindeutete, dass in den Zeiten des Kurfürsten 



*) Lang: Neuere Geschichte dos Füretenthiims Baireuth S. 48 giebt an, 
da«8 ein I^ndbuch über die Herrschaft Plaflsenburg vom J. 1398 und über 
Baireuth ein solches von 1398 und 1444 vorhanden sei. 

•) Riedel Cod. dipl. Brandenburgensis III. 2. S. 82. 

2* 



20 Wagner: 

selbst oder seiner Nachfolger diese Anordnung genau befolgt 
worden wäre; vielmehr kam es ganz von selbst dabin, dass die 
Archivalien am Sitz der Regierung d. h. in Onolzbach oder Ans- 
bach für das Unterland aufbewahiH: wurden. Dass es bei Lebzeiten 
Albrechts selbst nicht so gehalten worden ist, zeigt eine Notiz aus 
einem Briefe desselben an die Räthe in Ansbach vom 12. Dezember 

1471*), wo es heisst „darumb so begern wir an euch mit 

ernst, das ir den Yölcker darnach suchen und uns alle pullen und 
privelegia, die wir von allen bebsten, davon so vil der sein, und 
auch der pullen allen, darin wir erlaubnus haben, wo interdicta 
sind und gehalten werden, das man vor uns celebriren mog etc. 
abschrift und copeyen sunderlich herein gein Berlin schicken wollet 

ob aber dieselben pullen oder der aller abschrift nicht zu 

Onoltzpach weren, sundern bey andern privelegien zu Blassem- 
berg, das es dann zum aller furderlichsten zu gescheen hinauf 
geschriben und bestellt werde" etc. 

Man könnte einwenden, dass es sich bei dieser Recherche mehr 
um die Registratur in Ansbach, um kurrente Aktenstücke gehandelt 
habe. Aber es herrscht einige Jahrzehnte später noch derselbe Zu- 
stand und gerade die erwähnte dispositio Achillea vom Jahre 1473 
kann um das J. 1530 doch kaum noch zu den täglich im Gebrauch 
verwendeten Geschäftsakten gerechnet werden. Und doch findet 
sich im Nürnberger Kreisarchiv hinter einer Abschrift dieses wichtigen 
Dokumentes die Notiz von der Hand des damaligen Kanzlers Georg 
Yogier: das original ligt in der Schachtel, daran geschriben steet: 
testamentbrieff marggrave Friedrichs des eitern im 1440. Item 
marggrave Albrechts taylung zwischen s. g. sonen mit I signirt im 
gewelb zu Onolzbach. Und wieder 10 Jahre später heisst es in 
einem (auch im Nürnb. A. befindlichen) Briefe des Hauptmanns auf 
dem Gebirge Wolf von Schaumberg und des Landschreibers Johann 
Kindlein (Montag nach Lätare 1540) an den Markgrafen Georg den 
Frommen: der gewünchte Theilungsbrief befände sich nicht in der 
„Registratur" zu Plassenburg, aber er könne ja im Gewölbe zu 
Onolzbach liegen, möglicherweise sei er auch in die Mark Branden- 
burg gekommen. Es scheint auch insofern ein Unterschied zwischen 
der Registratur und dem Archiv räumlich bestanden zu haben, als 
es einmal heisst (im J. 1539), „das original ligt etc. in dem beheiter 



') Burkhardt: das funfft merckisch Buch S. 6. 7. 



Kanzlei- und ArchivweBen der fränkischen Hohenzollem etc. 21 

des klainen canzleistubleinso der gemechleins'V) während sonst immer 
vom gewelb oder briefgewelb in Onolzbach die Bede ist. Beiego 
dafür, dass nicht bios auf der Plassenburg, sondern — und noch • 
reichhaltiger als das dortige — auch in Ansbach ein Archiv vor- 
handen gewesen ist, werden sich im weiteren Verlaufe der Abhand- 
lung noch mehrfach ergeben. 

2. Die Beamten in Ansbacli. 

a) Der Kanzler. 

Im Unterlande stand an der Spitze der Eanzloi und des Archivs 
der Kanzler. Lange Zeit waren Geistliche ausschliesslich zu diesem 
Amte berufen worden. Erst unter dem Kurfürsten Albrecht findet 
sich der gelehrte Ritter Georg von Absberg seit 1460 im Besitz 
dieser Würde. Aber schon damals war seine rechte Hand der 
Sekretarius Johann Volker, der unmittelbar nach dem Tode des 
Kurfürsten unter dessen Söhnen Friedrich und Sigismund selbst 
zum Kanzler aufstieg, während Georg von Absberg Landhofmeister 
wurde. Erst mit Volker wurde, so zu sagen, ein technisch aus- 
gebildeter Beamter, der auch von unten auf gedient und welchem 
Kurfürst Albrecht bereits volles Vertrauen geschenkt hatte, zur 
Leitung der Kanzlei und des Archivs, das er allerdings schon als 
Sekretarius verwaltet haben mag, 2) berufen. Am anschaulichsten 
wird seine Stellung und Verantwortlichkeit gekennzeichnet durch 
den Eid, den er im Jahre 1486 ableisten musste und dessen Wort- 
laut uns erhalten ist. Er lautet: 

„Hernach volgt des canzlers eyd, den HannsVölcker gesch worn hat. 



') Als bei der Abreise des Kurfürsten Albrecht in die Mark 1471 ein 
Inventarium im Residenzschlosse zu Ansbach aufgenommen wurde, fand sich 
in der Kanzlei : 1 peth, 3 polsterlein, 1 deck, 2 par leilach, 1 leilach ist zurissen, 
2 peth, 1 gestraimpte deck. — Riedel cod. dipl. Br. III. 2. S. 47. Diese Aus- 
stattung scheint auf 3 ständige Beamte hinzudeuten. Dazu würde auch die 
Notiz stimmen (bei Lang Neuere Qesch. d. Fürstenth. Bayreuth I. 18), dass die 
Hofordnung des Kurfürsten Albrecht Achilles 3 Schreiber vorgesehen habe, 
wahrend die Hofordnung seines Sohnes Friedrich vom J. 1509 den Bestand der 
Kanzlei festsetzte auf 3 Sekretarien, 1 Rentmeister, 1 Kammerschreiber, 1 G(^en- 
Schreiber, 1 Substituten, 1 Gerichtschreiber, 4 Kanzleischreiber, 1 Kanzleiknecht, 
den Dr. Pfotel mit seinem Knaben (Kopisten?). 

') Einige Belege dafür in den Forschungen zur deutschen Geschichte. 
XXIV. p. 477. 



22 Wagner: 

Item das er der canzlei und was darinnen zu handeln nottorftig ist 
getreulich mit allem vleis nach seinem besten vermögen und höchster 
verstentnus vor sein und in allen Sachen vleissigs aufsehen haben 
soll, damit meinen gn. herren in den lehenbuechern, schuldbuechern, 
registern und in allen briven, previlegien und missiven nichts ver- 
seumbt noch einichcrlei beschedigung zugefuegt werde, dadurch der 
herschaft entziehung, schaden oder unrat entsteen mocht, sonder das 
alles getreulichen verwareu und besonder mit den sigeln m. gn. h. 
getreulichen umbzugeen, die zu verwaren und in solcher acht zu 
haben und zu halten, zu bestellen, das durch ine noch nyements 
nichts damit versigelt werd oder ausgee, es geschee dann mit wissen 
und gehais m. gn. h. oder in irer gnaden abwesen durcli rate, den 
derselben ihrer gnaden sach zu handeln bevolhen wurdet; mit den 
er auch, so er dabei ist und sunst für sich selbst alzeit in allen 
Sachen unser gn. h. und der herschaft nutzes und bestes getreulichen 
brufen, suchen, handeln, furnemen und raten helfen; auch den rate 
und alle geheim, so durch ine und vor im in der canzlei und sunst 
durch Schrift und wort gehandelt wurt und sonderlich auch aller 
brive und previlegia inhalt und ausweisung, die die herschaft hat, 
denselben iren gn. und der herschaft zu schaden nicht oflTenbaren, 
sagen oder melden woU in kain weis oder wege, sonder das alles 
und iedes bis in sein tod verschweigen und alles das thon, das 
einem getreuen rat und canzler in seinem stat, handel und furnemen 
geburt, sonder alle arglist und genzlich ongevcrde. Also helf mir 
got und die hailigen". — Hinter dieser Eidesformel steht die Be- 
merkung: „hat nachvolgend ain andern aid than meinem gn. h. 
marggrave Fridrichen allain (d. h. also nach Markgraf Sigismunds 
Tode, der im J. 1495 erfolgte), als der hernach rcgistrirt ist". — 
Wesentliche Aendorungen hat dieser später wirklich noch einmal 
verzeichnete Eid nicht erfahren ; es ist nur die Versicherung am 
Ende hinzugekommen, ohne Wissen dos Markgrafen keinem andern 
Fürsten dienen zu wollen , etwaige Ijchenspflichten ausgenommen. 
Volker bekleidete das Kanzleramt bis zu seinem Tode, der 
1504 erfolgt sein mag. Einige Jahre hindurch tritt dann kein 
Kanzler auf; erst 1509 scheint Dr. Lorcher dazu ernannt worden 
zu sein. Noch später wird Vogler oberster Sekretarius imd Vice- 
kanzler, endlich Kanzler. Und 1536 erhält Sebastian Heller diese 
Würde. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen HohenzoUem etc. 23 

b) Uer Landschroiber unter dem Gebirge. 

Unter dem Kanzler stand zunächst der Landschreiber, der 
zugleich Gerichtsschreiber am Kaiserlichen Landgericht zu Nürnberg 
war. Diese Stellung bekleidete lange Zeit Georg Gruber; häufig 
tritt er von 1486 — 1500 in den Akten auf. Für ihn hat sich das 
Eidformular nicht erhalten; doch ist dieser Verlust nicht bedeutend, 
da es im wesentlichen übereingestimmt haben wird mit dem des 
Land seh reibers auf dem Gebirge, das weiter unten mitgetheilt werden 
soll. In Beziehung auf seine Stellung als Gerichtsschreiber heisst es: 

„Hernachvoigt des gerichtschreibers eide, den Jörg Gruber 
geschworen iiat. 

Ich glob und schwer baiden meinen gn. horrn und der her- 
schafft getreu und gewer zu sein, iren frommen zu furdern, schaden 
zu waren und ire Sachen, so mir bevolhen wurdt, zu ieder zeit 
getreulich und nach meinem besten verstentnus zu handeln, auch 
der gericht getreulich und vleissig zu warten, die handlung doran 
mit'vleis aufzuzaichen und was von briven, kuntschaften oder 
Urkunden darein bracht wurdt, getreulichen zu ver waren und was 
von den urtailern in gesprech gehandelt wurt, den partheien oder 
iemants von iren wegen nit zu eroffnen, ee dann die urtail aus- 
gesagt werden, und zum rechten einer ieden parthei, die doran zu 
handeln hat, gleich und unpartheisch zu sein, auch alle und igliche 
unser gn. h. und der herschaft gehaim bis in mein todt zu ver- 
schweigen, alles getreulichen und ongeverde". 

Unter diesem Eidschwur steht die Bemerkung: Hermannus 
Schnat hat disen gerichtsschreiber eydt mitsambt den artickeln, so 
vil dits lantgericht berurt^ auf heut donnerstag nach dem pfingstag 
[3. Juni] globt und gesworn. Actum ut s. im XV® und ersten. 
— Nach der Wiederaufrichtung des Landgerichts 1490 wurde der 
Eid noch anders formulirt. Da lautete er: lantschreibers aide 
Georg Gruber geschworn das ich soll und will des lantgerichts recht 
und gewonheit nach Ordnung der reformacion oder ferrerm be- 
schaid m. gn. h. getreulich helfen hanthaben, des lantgerichts 
bucher in vleissiger hut oder verwarung halten, auch dorein oder 
doraus nichts geverlichs schreiben oder tillgen, all spruch, auch die 
urtailn von den urtailern am lantgericht furpracht und gesprochen, 
getreulich uffzaichen und einschreiben und mit namen in des lant- 
gericht bücher nichts schreiben oder schreiben heissen, das sich 



24 Wagner: 

nicht geburt von lantgerichtswegen, auch das einschreiben also ge- 
treuUch tun und das niemants zu schaden oder zu frumen mindern 
oder meren, mich auch in keinen urteilbrive, der geverlich radiert 
oder dorin der gerichtstag oder datum nit geschrieben were, noch 
an kainem ende doran unterschreiben, auch mit niemants an seiner 
klag oder handlung am lantgericht ansteen, tail oder gmein doran 
haben, die urtailn am lantgericht, ehe die ausgesprochen werden 
von den urtailern, heimlich halten und verschweigen und dem 
armen als dem reichen, einem als dem andern ongeverlich zum 
rechten gleich und gmein sein und in dem allen nit anders ge- 
verlich thun oder lassen weder durch schenk, myet, gab, freunt- 
schaft, veindschaft, lieb oder laide, noch durch einiche ander Sachen 
in kein weis; das ich auch des lantgericht» sigl alle und igliche 
fleissig verwarn und getreulich damit umbgeen will und nichts 
versigeln, das sich von lantgerichts wegen nit gepuret und das gelt, 
so von den briefen gefeilt und mir in meiner bestellung nit zu- 
gestellt ist, einnemen, getreulich ufschreiben, m. gn. h. verrechnen 
und im gnaden oder wem sie das zu beschaiden geben nach irer 
gn. bevelh und dorin on irer gn. willen nimants nichts nachlassen 
an dem, das in der reformacion für die brief zu geben ufgesetzt 
ist m. gn. h. zugehörig oder durch den lantrichter aus bevelh m. 
gn. h. ferner taxiert oder geordent wurd alles getreulich und on- 
geverlich. Also helff mir got und die heiligen". 

Jedenfalls hatte der Landschreiber unter der Oberaufsicht des 
Kanzlers die Verwaltung des Archivs zu leiten. Doch scheint es 
fast, als ob ihm der Zutritt ohne Zuziehung eines andern Beamten 
nicht freigestanden habe. Wenigstens schreibt der spätere Land- 
schreiber (auf dem Gebirge allerdings) Friedrich Prucker an den 
Markgrafen Kasimir — undatirtes Konzept im Archive des ger- 
manischen Museums; wohl in's Jahr 1520 zu setzen — : „so waiss 
e. g., dass mir e. g. vater die slussel zu gewelb, auch ein slussel 
zu des Yolkers (des oben erwähnten Kanzlers) ledlin befohlen hat; 
hab ich die sach bisher seinem befelh nach gehalten, dass ich 
allein nit in das gewelb gangen bin " 

üeber die amtliche Thätigkeit Grubers in Kanzlei- und Archiv- 
sachen lässt sich nicht viel ermitteln, theils weil die unermüdliche 
Arbeitskraft des Kanzlers Volker alle ihm untergebenen Beamten 
weit in den Schatten stellte, theils weil er öfters als Gesandter 
und Orator gebraucht worden ist. So z. B. noch auf dem Reichs- 



Kanzlei- und ArchivweBen der fränkischen Hohenzollem etc. 25 

tage zu Augsburg im Jahre 1500. Bald nachher muss er in Un- 
gnade gefallen sein; denn am 23. November 1501 erwiedert der 
Markgraf auf ein Anschreiben der Räthe in Ansbach, das Benehmen 
und die Worte des alten Landschreibers Georg Gruber hätten ihn 
sehr verdriesslich und unwillig gemacht, da diesem von seinem 
Vater und ihm so viel Gnade bewiesen worden sei;i) doch infolge 
seines unterthänigen Ansuchens und der Fürbitte der Räthe wolle 
er der gtitUichen Verhandlung beistimmen. Ueber die Ursache 
des Streits hat sich nichts auffinden lassen. Dagegen wirft folgende 
Notiz einiges Licht auf dessen Beendigung: 

„Hannsen von Eybs hofmeisters handtschrift der letzten abred 
zwischen m. gn. hern und Jörg Grubern 

Jörg Gruber hat meinem gn. h. marggrave Fridrichcn zu- 
gesagt, s. g. von haus aus zu dienen in s. g. selbs sachen vor 
meniglich und wider meniglich getreulich und ungeverlich, also 
das Jörg Gruber s. g. in vertrauen und m. gn. h. wider in sein 
vertrauen gestelt haben. DarufF hat im m. gn. herr 50 gülden 
soldt, hofclaider, futer und cost, so er ine s. g. dinst erfordert, zu- 
gesagt. DarufF hat Jörg s. g. auf die alten pflicht glubd getan".^) 

Diese Notiz ist zwar undatirt; sie steht aber unmittelbar 
vor einer solchen aus dem Jahre 1503. Die Stelle als Landschreiber 
war aber schon am 14. Dezember 1500 neu besetzt worden mit 
Endres Gattenhover, der seit dem 6. März 1491 Hofgerichtsschreiber 
gewesen war. Als solcher hatte er den vorgeschriebenen Eid an 



*] In dieser Beziehung ist folgender Eintrag lehrreich: „Am donerstag vor 
S. JohanniB sun wenden [22. Juni] im 97. hat m. gn. h. marggraf Friderich 
Jörgen Gruber landschreiber bevolhen sein lehenbrief zu übergeben der leben, 
die Sebastian Beutelbach wiltmaister zu Kreulsheim sei. verlassen hat nach 
laut der notell, die s. g. gebort und bewilligt hat und hat s. g. dazumol in 
beiwesen Ulrich von Zedwitz hofmeister und Jobann Volkers Kauzlers gesagt: 
auf dein zusagen, das du dein lebenlang bei mir und meinen sonen pleiben 
wollest, lass ich solches gescheen. Hat der landtschreiber geantwurt: das will 
ich thon, so mir kain ungnad erzaigt wurd". 

') An diese Notiz über die materielle Stellung möchte ich eine ^ leider 
undatirte — Petition anschliessen folgenden Inhalts: 

„Gunstiger lieber herr baubtmann, wir bitten euch, ir wollet furdem, dass 
zu den 25 gülden deputats noch jedes jars jegklichem ain halbfuder weins 
gegeben werd. Das ist dannocht dem nit gleich, wie es vormals gehalten 
worden ist. Dann vor 20, 25 jaren hat man geben 20 gülden an gelt, jegkliclier 
person ain fuder weins und darzu ain anzal koms. 

Cantzley, Landschreiber und Gerich tschreiber*^ 



26 Wagner: 

dem genannten Tage dem Kanzler Volker und das Gelübde dem 
Landschreiber Georg Gruber als Substituten des Landgerichts gethan. 
— Ihm folgte 1504 Johann Tettelbach^), der im J. 1486 Kanzlei- 
schreiber, bez. Kegistrator, 1493 JSekretarius in <ler niederländischen, 
1501 in der oberliindischen Kanzlei und 1503 Privatsekretarius des 
Markgrafen Kasimir geworden war. Wir werden ihn später in 
seiner Thätigkeit als Landschreiber noch näher kennen lernen. 

c) Die Sekretarien. 

Unter dem Kanzler und Landschreiber stand ein ziemlich 
zahlreiches Personal. Zunächst kamen die Sekretarien, deren Eid- 
formulare aus dem Jahre 1486 auch noch vorhanden sind: 

„Hiernach volgt Linhart Nordlingers eyd zu der eanzlei und 
sunst, den auch, so ferr es die eanzlei beruert, Hans Vogell und 
Veit Henlin als secretarien geschworn haben. 

Ich glob und schwer baiden meinen gn. hern, marggrave 
Friderlch und marggrave Sigmund, das ich in der eanzlei und 
was darinnen zu handeln ist, getreulich mit allem vleis nach 
meinem besten vermögen und höchsten verstentnus handeln und 
vleissigs aufsehen haben soll und will, damit meinen gn. hern in 
den lehenbuchern, schuldbuchern, registern und in allen briven, 
previlegien und missiven nichts verseumet noch einicherlei besche- 
digung zugefugt werd, dadurch der herschaft entziehung, schad 
oder unrate entsteen mocht, sondern das alles dem cauzlcr 
getreulich helfen verw^arn und handeln und besonder mit 
den sigeln meiner gn. hern, so mir der je zu zciten eins oder mer 
von iren gnaden oder irem canzler befolhen wurden, getreulich 
umbzugehen, die zu verwaren und in solcher acht zu haben und 
zu halten, das ni(*hts damit versigelt Averd oder ausgee, es geschee 
dann mit wissen und gehais meiner gn. hern oder ires canzlers 
oder in abwesen irer gnaden und des canzlers durch rate irer 
gnaden rete, den derselben irer gnaden sach bevolhen wurt, mit 
den ich auch, so ich dabei bin, und sunst für mich selbs alzeit in 
allen sachen meiner gn. hern und der herschaft nutz und bests 
getreulich bruefen, suchen, handeln, furnemen und raten helfen, 
auch den rat und alle gehaim, so durcli mich und vor mir in der 
eanzlei und sunst durch schritt und wort gehandelt wurt und son- 

*) Den Eid leistete er erat am 19. Februar 1505. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern etc. 27 

derlich auch aller brive und brevilogia Inhalt und Ausweisung, die 
die lierschaft hat, denselben iren gnaden und der hersehaft zu 
schaden, nicht offenbar sagen oder melden will in kain weis oder 
weg, sonder das alles und jedes bis in mein todt verschweigen soll 
und will ich getreulich darob und daran sein, damit meiner gn. 
hern rennt, zins, gult und nutzung zu den rechnungen getreulich 
verrechet und des nichts verhalten oder entzogen werd, auch nichts 
von irer gnaden gelt oder anderm, das mir befolhen wurt, ausgeben 
oder verendern on irer gnaden sonderlich bevelh und wohin durch 
ir gnad geschafft wurt einich bezalung zu thun, dagegen von einem 
jeden geburlich quittantz zu nemcn und in alweg mit irer gnaden 
gut getreulichen iren gnaden zum besten nach meiner höchsten 
verstentnus umbzugeen und zu handeln, auch die rechenbuecher 
und register getreulichen verwaren und wo ich ichts erfuer irer 
gnaden Schadens, das irn gnaden nit verhalten alles getreulich und 
ongeverlich. Also helf mir got und die hailigen". 

Aus diesem Eidschwur ergiebt sich schon, dass die Sekretarien 
nicht ausschliesslich in der Kanzlei beschäftigt wurden, sondern 
auch bei dem Kassen- und Rechnungswesen thätig waren. In der 
That wissen wir sowohl von Hans Vogel *) wie auch besonders von 
dem zuerst genannten Linhard Nordlinger, dass er zugleich Kammer- 
schreiber Avar, ja, dass er zu militärischen Aufträgen verwendet 
wurde, insofern diese mit Listen, Registern oder Zetteln zusammen 
hingen.2) Dass er so auffallend und besonders zuerst genannt wird, 
könnte auf die Vermuthung führen, dass er der eigentliche Kanzlei- 
vorstand gewesen sei. — Auch die Sekretarien wurden oft in Ge- 
schäften ausgesandt und hatten deshalb, da sie auch die Fürsten 



') Riedel Cod. dipl. Br. III. 2. p. 244. — Albrecht Achill sandte ihn 
1470 als Kanzleisclirciber nach der Mark. 

*) Vgl. 35. Jahresbericht des bist. Vereins f. Mittelfranken 8. IG. Damit 
hängt auch eine Stelle in einem Bericht des Kanzlers Volker an den Rhirkgrafen 
Friedrich vom 28. Dezember 1501 zusammen; der Markgraf hatte seine früheren 
Ordnungen zur Vertheidigung seines Landes gefordert; der Kauzler tiberschickt 
ihm einige und fährt dann fort: aber wie e. g. die Ordnung gemacht hat, do 
ir auf das lechfelt gezogen seyt, des ist kein verzaichnus bey mir noch in der 
canzley, sonder Nordlinger sei. mag das bey sein banden geliabt haben und 
wurd auch bericht, das e. f. g. nach seinem abgang e g. cammerschreiber 
Johannes Uofmann in Nordlingers haus geschickt und nach den verzaichnusen 
und registern suchen lassen und was des fanden sey e. g. zu eur selbs gewalt 
und beheltnus geantwurt. 



28 Wagner: 

» 

im Krieg und Frieden begleiteten, ihre Dienstpferde. Im ünterlande 
scheinen anfänglich 2 Sekretarien ständig in der Kanzlei verwendet 
worden zu sein; ausserdem hatte aber jeder der beiden Markgrafen 
noch seinen Privatsekretarius; aber selbst die Markgräiin hatte noch 
einen solchen zu ihrer Verfügung. Sie rekrutirten sich unzweifel- 
haft aus den Eanzleischreibern und rückten bei Vakanzen in die 
Stellung des Landschreibers oder Kanzlers ein. Zu den angesehe- 
neren Beamten gehörten sie unzweifelhaft, da bei Testamenten, 
Staatsverträgon, Berathungen ihre Anwesenheit ausdrücklich erwähnt 
wird, lieber ihr Einkommen vermag ich keine sichere Angabe zu 
machen; doch waren sie nicht blos auf ein fixirtes Oehalt ange- 
wiesen, sondern hatten aus Sportein und Accidenzien eine Ver- 
mehrung desselben zu erwarten, wie sich dies aus nachstehendem 
Briefe des Sekretarius Christoph Klaus in Ansbach an den Sekre- 
tarius auf dem Gebirge Johann Tettelbach vom Sonntag Dorothea 
1502 (6. Februar) klärlich ergiebt: 

„Mein her cantzler hat uns allen hieniden in der cantzlei ge- 
sagt, das es vormals mit den birgischen cantzleigefel gehalten 
worden, also das dasselb alles herabgefolgt sei ausserhalben lehen 
und bekantnus und was ander brieve in des haubtmans Verwaltung 
und namen ungeverlich ausgangen sein. Das hat der lantschreiber 
eingenoraen, als wir auch vermerken, das es her Hainrich Joss 
mit demselbigen .... ordenlich gehalten, er hab auch ein slussel 
zu der buchsen oder dem tisch gehabt. Aber als wir in der cantzlei 
itzo hienyden bericht werden, so soll es ytzo ein ander weis haben, 
euch und uns allen zu nachteil und schaden. Versehe ich mich, 
das es eur mainung je nit sein solt; dann solt des birgisch gefell 
nichts und das gefell hieniden wenig sein (als es auch ist), habt ir 
zu bedenken, das unser aller tail wird schmal sein. Deshalben bit 
ich euch von gemeiner cantzlei wegen, ir wollet selbs darein sehen, 
damit uns nichts entzogen, auch kein neuerung gemacht werd. 
Last mich auch wissen, wievil des gefels ytzo daoben gefallen sey; 
dann es will mein notturft erfordern, damit ich die taylung darauff 
wiss zu machen. Und ob euch nit gelegen wer mit dem gefel 
daoben umbzugeen, so bevelhet es Jörgen Weinperger; er wirt auch 
on zweifei nichts versäumen. Damit zu guter nacht". ^) 

*) Ein hierher gehöriges Schreiben liegt auch vom 27. November 1503 
vor. Da schreibt der Kanzleischreiber auf dem Gebiige Hans Rorer an den 
Sekretarius Crisioff Claus in Ansbach: „Liber her Claus. Uff eur schreiben 



Kanzlei- nnd Archivwesen der fränkischen Hohenasollem etc. 29 

Von Personalien wäre etwa noch zu erwähnen, dass der oben 
an dritter Stelle erwähnte Veit Henlin ein besonderer Günstling 
Markgraf Friedrichs war, 1) wie auch der Markgraf Sigismund seinen 
Sekretarius Georg Reimlinger noch in seinem Testament erwähnt. 
Nach dem Tode seines Herrn trat letzterer in die Kanzlei über, 
die am 11. November 1496 noch Thomas Mendlin und 1498 
Christoffel Claus überwiesen erhielt. Am 3. August 1506 leistete 
Karl Nordiinger den Eid und im Jahre 1509 tritt der spätere Kanzler 
Georg Vogler als Privatsekretarius des Markgrafen Kasimir auf. 

d) Die Kegistratoren und Kanzleischreiber. 

Zu dem untergeordneten Personal gehörten die Kegistratoren 
und Kanzleischreiber, für welche das Eidformular 1486 folgender- 
massen lautete: 

„Hernach volgt der gemein Schreiber in der canzlei eyd, den 
Johannes Dettelbach^) als registrator und Benedic Thalraann^) und 
Johannes Scheyr als Substitute geschworn haben: 

Ich glob und schwer meinen gn. hern getreu und gewer zu 
sein, iren schaden zu waren, frommen zu werben, in der canzlei 
und warzu mich ir gnad gebrauchen, getreulich zu dienen und irer 
gnaden gehaim, wo ich die erfar aus Schriften, werten oder sunst, 
in oder ausserhalb der canzlei, zu verschweigen bis in mein todt, 
auch nichts aus buechern, briven, registern oder schriften abzu- 

das ir mir getan habt, der canzlei zu Onolzbach 2 gülden von Hansen Praun 
zu Calmach und 5 gülden vom pfarrer zur Weissenstat einzufordern und euch 
zu überantworten . . . hab ich darin vleissig gehandelt und hat mir der pfarrer 
uft ein ernstlich schrifft, die ich im in der niderlendischen canzlei namen getan 
hab" etc. 

') Im Testamente von 1498 heisst es: „auch sollen meine sön Veiten, 
meinen secretarien, sein leptag bei in behalten in dem stand, das er sich zu 
emeren hab und bei in pleiben kan, doch das er ino getreulich und fromklich, 
als er mir gethon hat, dien . . . ." Er hat auch neben dem Kanzler Volker an 
letzter Stelle dieses Testament mitunterschrieben. 

*) Er stieg, wie oben schon kemerkt, später zum Sekretär und endlich 
zum Landschreiber auf. 

') Er war ein Geistlicher und Sohn des ehemaligen Landschreibers 
Mathias Thalmann. Der Kanzler Volker verwendete sich Anfang 1487 in einem 
eigenhändigen Briefe für ihn wegen einer fetten Pfründe, da er noch 3 un* 
erzogene Schwestern und einen Bruder habe; „so hat ir vater ye getreulich von 
jugent auf bis in sein tod gedient; dester getroster macht e. g. ander auch 
getreulich und vleissig zu dienen." 



30 Wagner: 

schreiben oder jeraants zu leihen oder zu geben on bevelh irer 
gnaden, ires canzlers oder der seeretarien, die des bevelh oder 
macht haben und was ich erfuer irer gnaden Schadens das zu 
igllcher zeit iren gnaden zu offenbaren und alles das zu thun, das 
ein getreuer canzelschreiber (sie) und knecht seiner herschaft zu 
nutz und frommen thon soll, alles getreulich und ongeverlich ; also 
helf mir got und die hailigen". 

Als nach dem Tode des Markgrafen Sigismund 1495 alle Be- 
amten dem tiberlebenden Bruder, dem Markgrafen Friedrich, ihren 
Eid erneuern mussten, traten mehrfache Aenderungen ein ; so aucli 
bei diesem Formular, das eine noch bestimmtere Fassung erhielt. 
„Ich glob und schwer, das ich m. gn. h. marggraf Fridrich zu 
Brandenburg getreu und gewertig sein, s. g. schaden warnen, 
fromen fordern und s. g. briefe, register und bucher, was mir der 
abzuschreiben befolhen werden, mit getreuem und ganzem vleis ab- 
schreiben und dieselben briefe, register und bucher, auch was ich 
doraus wurd schreiben, getreulich verwaren, doraus oder davon 
niemants nichts lesen oder schreiben lassen soll und will on seiner 
gnad oder die des von s. g. sunderlichen bcfelh zu jeder zeit haben, 
sunderlichen wissen und willen, und was ich in solchem oder sunst 
s. g. oder der herschaft gehaim erfar niemandts on s. g. befelh will 
eröffnen, sunder versweigen bis in mein tod, alles getreulich und 
ongeverlich. Also helf mir got und die heiligen evangelia. — 
Disen aid haben geschworn her Casper Wagner, her Jacob Heflfner 
und Peter Götz. Actum Onnoltzbach am donnerstag nach dem 
suntag jubilate (20. April) anno 97. — Johannes Knawr von Rot 
hat diesen aid auch geschworn am donrstag vor Bonifacii (1. Juni) 
anno 97. — Sebastian Onolt von Crailshaim hat den obgeschriben 
aid auch geschworn am dinstag nach Johannis sunwend (27. Juni) 
anno 97. — Johannes Zwinger von Unttern Birnt hat den aid ge- 
schworn montag nach misericordias domini (15. April) im 99". 

Es scheint übrigens, als wenn 1495 eine strengere Scheidung 
zwischen Registratoren und blossen Kanzleischreibern eingetreten 
sei und als wenn der zuletzt erwähnte Eid in der späteren Zeit 
nur für die Registratoren, der obenstehende dagegen nach wie vor 
für die Kanzleischreiber verwendet worden wäre. Denn hinter dem 
Eide von 1486 finden sich zahlreiche Einträge auch nach dem 
Jahre 1495 und bei diesen ist immer ausdrücklich hinzugesetzt, 
dass der SeWvörende den Eid als Kanzleischreiber leiste. So heisst 



Kanzlei und Archivwesen der fränkischen Hohenzollem etc. 31 

es z. B. Jörg Hutter hat disen aid als canzleyschreiber auch ge- 
schworn am dinstag nach undecim mil. virg. (23. Okt.) anno 98. 
— Conntz Gutman hat disen aid als canzleischreiber auch gethan 
am dinstag nach lichtmes (5, Febr.) anno 99. — Disen aid der 
canzlei haben auch gethan Bastian Kengel, des thurners sone und 
Linhart Zechle, des Zechlins thorwarten sone, am montag nach sant 
Matheustag apostoli et evangeliste (23. Sept.) anno 99. — Den vor- 
geschriben der canzley ayd hon ich Cristoff Nesselhauff auch gethan. 
Actum am montag Calixti (14. Okt.) anno 99. Es folgen noch 
Johannes Voss, Sebastian Dirolt, Herman Hans Ochsenbacll, Hars 
Pfeil, Karl Ortlen, Johannes Swertfurer, Fritz Fühler, Johannes 
Hofman, Sebolt Rauft von Rotemburg, Hans Kellner, des Küchen- 
meisters Sohn, Sigmund Nurmberger, Christof Gattenhofer, Johannes 
Merklein" u. a. — Man sieht, dass sich zu diesen Stellen besonders 
die Söhne der niederen Hofbeamten (Thürmer, Thorwart, Küchen- 
meister) drängten, wenn sie sich eine etwas bessere Bildung an- 
geeignet hatten. Jedenfalls waren Viele darunter, die sich dem 
geistlichen Stande gewidmet hatten und in diesen Stellungen die 
Erlangung einer fetten Pfründe abwarten wollten. — Besonders 
bemerkenswerth unter diesen kleinen Einträgen wäre etwa noch 
folgender: „diesen aid hat auch gesworn Karll Entleio, des cantzlers 
Schreiber, dweil er in der canzlei aus und eingeet, das es seinon- 
halb auch also gehalten werd. Actum Onolzbach am mitwochen 
nach Johannis baptiste (27. Juni) anno etc. 98." 

Gewiss unterschied sich der Registrator in seiner Thätigkcit 
von den Kanzleischreibern; 'er wird die eingehenden und abgesendeten 
Schriftstücke in das Journal eingetragen haben und er wird des- 
wegen auch von vornherein der eigentliche Archivar gewesen sein. 
Auch lag es ihm sicherlich ob, Kopialbücher, in denen wichtige 
Aktenstücke aller Art eingeschrieben wurden, herzustellen oder 
herstellen zu lassen. Die Kanzleischreiber werden zunächst zum 
Mundiren, seltener zum Expediren der ausgehenden Missiven ver- 
wendet, aber auch zum Eintragen in die Kopialbücher herangezogen 
worden sein. Sicherlich standen sie noch nicht auf der untersten 
Stufe der Rangordnung, sondern es gab ausser ihnen noch ,viunge 
Gesellen" in der Kanzlei, die erst angelernt wurden. — Es scheint 
sogar, dass aushilfsweise oder zur Anfertigung bestimmter Arbeiten 
Hilfskräfte eingestellt worden seien. In dieser Beziehung ist ein 
Brief des Kurfürsten Albrecht aus dem J. 1476 von Belang. Er 



32 Wagner: 

ist an den Hauptmann auf dem Gebirge Hans von Redwitz gerichtet 
und lautet: „Lieber getreuer. Wir haben die zwen knecht, so du 
uns herabgeschickt, angenomen, sie globen und schweren lassen, 
und ir einem des jahrs 20 gülden zu geben versprochen und so 
sie in unserm dienst sind, fuetter und cost. Das wolten wir dir 
also gehandelt nit verhalten, dich darnach von unsern wegen haben 
zu richten. Und begern an dich mit gantzem ernst, das du dem 
knecht, der das salbuch geschreiben soll, in einem jeden ampt 
dem amptman und castner zugiebst, die ime von unsern wegen zu 
solchem beraten und beholfen sein, wie negst hie verlassen ist. 
Und umb den andern knecht, mit dem wollest es auch halten 
nach laut der hierin verschlossen zetteln und ine, so sich des ge- 
buren wirt, umbschicken, ine die erfarung, und was nott sein wird, 
thun lassen, damit uns die feile zu nutz bracht werden" etc. 

3. Die Beamten auf der Plassenbnrg.^) 

a) Der Hauptmann auf dem Gebirge. 

Wie im Unterlande dem Kanzler die Leitung und Verant- 
wortlichkeit für die Kanzlei- und Archivgeschäfte oblag, so war im 
Oberlande der Hauptmann auf dem Gebirge formell der Chef des 
Kanzlei- und Archivpersonals. Wir besitzen leider das Eidformular, 
auf das er sich verpflichten musste, nicht mehr ; aber wahrscheinlich 
würde dies auch in so allgemeinen Ausdrücken abgefasst sein, dass 
wir daraus keinen Beweis für die oben aufgestellte Behauptung 
würden ableiten können. Entscheidend dafür ist aber der Umstand, 
dass aus dem Briefwechsel, der weiter unten mitgetheilt werden soll, 
ersichtlich wird, wie alle Archivrecherchen und ihre Beantwortung 
durch die Hand des Hauptmanns gehen, wie er für die Verbesserung 
der materiellen Lage des Kanzlei- und Archivpersonals in Anspruch 
genommen wird und sich auch*wirklich darum bemüht. Bei dem 
ausgedehnten Wirkungskreise dieses hohen Beamten ist es ja aller- 
dings selbstverständlich, dass er nur der ideelle Chef ist, während er 



') Eine kleine Notiz sei hier über die räumliche Lage der Kanzlei auf 
der Plassenbuig eingeschoben. Markgraf Friedrich hatte 1503 dem Hauptmann 
auf dem Gebirge befohlen eine Zielstätte (Schiessstand) einzurichten. Darauf 
antwortete dieser am 25. April. „E. g. haben mir bevolhen e. g. hieoben ein 
zilstat ausserhalb der schlosmauer im graben unter der canzlei 
oben am wimperg zu Piassemberg machen zu lassen*'. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern etc. 33 

die wirkliche Leitung dem Landschreiber auf dem Gebirge überliess.*) 
Das ergiebt sich z. B. aus einem Schreiben, "welches der Hauptmann 
auf dem Gebirge Conz von Wirsberg dem Markgrafen Friedrich 
unter dem 20. Oktober 1504 (Archiv des germ. Museums) über- 
schickte: „Gnädiger herr. Alles das, so eur gnad mir jungst der 
privilegia halb zu Blassemberg geschrieben hat, eur gnad die hin- 
abzuschicken, das soll gescheen, so pald eur gnad lantschreiber, 
der itzt nit anheims ist und sunst nymant dartzu komen kan, 

widerkombt " 

Die Reihenfolge der hier in Betracht kommenden Hauptleute 
auf dem Gebirge ist etwa folgende : 1466— 75 Heinrich von Aufsess; 
1475Dietz von derThann; 1476— 83 Hans von Redwitz; von 1483 
bis 2. Oktober 1486 Sebastian von Seckendorf (Nolt genannt); von 
1486 — 90 Sigismund von Schwarzenberg; für lange Zeit, etwa bis 
1509 Conz von Wirsberg; dann folgt Ludwig von Eyb der jüngere; 
von 1515 — 20 Conrad Boss von Flachslanden; dann Hans von 
Laineck; 1527—28 ist Dr. Christof von Beulwitz Hauptmanns Ver- 
weser; Fridrich von Lidwach,* Wilhelm von Wisenthau und Wolf 
von Schaumberg. — Die Besoldung des Hauptmanns in der Höhe 
von 600 Gulden nebst Deputat verpflichtete ihn, dem Landschreiber 
und den Känzleibeamten freie Tafel zu gewähren. 

b) Der Landschreiber auf*dem Gebirge. 

Wenn der Hauptmann auf dem Gebirge eine eigentümlich 
selbständige Stellung einnahm, so war ihm doch gewissermassen 
zur Kontrolle der Landschreiber zur Seite gestellt, ohne dessen 
Mitunterschrift er selten ein Schriftstück abliess. Es entsprac^h un- 
gefähr dieses Yerhältniss dem des Hofmeisters (oder Landhofmeisters) 
und des Kanzlers im Unterlande. Der eine war eben der ritterliche 
Repräsentant der Regierungsgewalt, während auf den Schultern des 
andern die eigentliche Geschäftslast ruhte. Dass er zuweilen sogar 
Sekretärdienste leistete, beweist das oben schon erwähnte Schreiben 
Pruckers: „so vrill ich e. g. nit verhalten, do ich lantschreiber 
worden, hat man mir ein gemessen teil an geld aus der canzlei 
jerlich gegeben als einem secretarien. Nu hab ich bisher weiters nit 



^) Wenn Lang Neuere Gesch. I. 33 den gelehrten Rath Dr. Strauss als 
Chef der oberländischen Kanzlei bezeichnet, so vermag ich nicht anzugeben, 
worauf er diese Meinung stützt. 

Aichlvaliache Zeltocbrlft. X. 3 



34 Wagner: 

begert, wiewol ich zu zelten gresst last der canzlei allein getragen 
hab. So will ich auch on e. g. willen und rate itzo weiter auch 
nit begern .... aber das bit ich itzo undertenigklich, bin ich bei 
e. g. darfur etwan angesehen zu e. g. und der herschaft .... da 
dan e. g. ob mir halt, damit ich neben dem lantschreiberambt in 
der canzlei als ein secretarius pleib und darin mir mein teil nit 
geschmelert werd" etc. — Die Gehaltsbezüge des Landschreibers 
bestanden in der freien Tafel am Tische des Hauptmanns, freier 
Wohnung, der Hofkleidung, der Fourage für 1 Pferd, dem Schreib- 
gelde von den Belehnungen des Adels, ^4 'v^on dem Handlohn der 
Kanzleilehen und aller Kanzleisporteln. — Der Landschreiber war 
ebenso wie der Kanzler Vorsteher der Kanzlei, des Archivs, der 
Siegelbewahrer, aber freilich auch Finanzbeamter und sogar zur 
militärischen Bewachung der Plassenburg mitverpflichtet, wie sich 
dies aus seinem Eide ergiebt: 

„Landtschreibers uff dem gebirge eide. Ich glob und schwer 
den etc. hern, hern Fridrichen und hern Sigmundten, zuvorderst 
und nach irem abgang (den got gnädiglich langzeit enthalten woll) 
irer gnaden menlichen erben, die heraus in die landt getailt sind, 
getreu und gewertig zu sein, iren frommen zu werben, iren schaden 
zu warnen, auch irer gnaden nutz getreulich forschung zu haben 
und die hanthaben helfen nach meinem besten vermögen und ir 
rent, zins, gult, steur, ungelt, feil und alles ander nach irer gnaden 
bevelh zu jeder zeit mit einemen und ausgeben getreulich handeln 
und handeln helfen und so ich ie 200 oder 300 gülden von irer 
gnaden wegen innen hab, dieselben in das gewelb zu Piassemburg 
thun und dorin verwarn, auch mit meines gn. hern insigel getreu- 
lich umbzugeen, das zu verwaren und in solcher acht zu haben 
und zu halten, das nichts damit versigelt werde oder ausgee, doran 
gelegen sei und zu künftigen zeiten dient, es besehe dann mit 
wissen und gehais meiner gn. hern und sunst in andern Sachen 
mit wissen und bevelh irer gnaden hauptman auf dem gebirg; 
das ich auch vleissigs aufsehen haben will, damit irer 
gnaden lehenbuchern, schuldbuchern, roigistern, briven, 
Privilegien und missiven kainerlai beschedigung zu- 
gefugt, noch doraus oder daran einicherlai abschrift 
niments gegeben werde on irer gnaden wissen und 
willen, sonder nach meinem besten höchsten verstentnus und 
vermögen, was sich der canzlei halb geburt meinen gn. hern zum 



Kanzlei- und Archivweßen der fränkischen HohenzoUem etc. 35 

besten, erlichsten und nützlichsten handeln und handeln helfen, 
auch sunst in allen sachen, dabei ich bin, irer gn. nutz und bestes 
getreulich brufen, suchen, handeln, fiirnemen und raten helfen, 
auch den rat und aller irer gn. geheim, die mir zu wissen wurt, 
verschweigen bis in mein tod; das ich auch des schloss halben das 
zu verwaren und sunst getreulich will mit helfen zusehen. Ich 
soll und will auch, dieweil ich irer gn. knecht an dem arapt bin, 
von kainem, der meinen gn. hern zusteet, noch ainichem andern, 
der oder die mit iren gnaden oder den iren zu schicken hetten, 
weder myet, gab oder schanckung nemen, sonder in allen sachen 
einer parthei sein als der andern und meiner gn. herschafft nutz 
darin brufen getreulich und ongeverlich." 

Dieses wichtige Amt wurde unter der Regierung des Kur- 
fürsten Albrecht Achilles von Hans Imhof, Härtung Rabensteiner 
und Mathias Thalmann bekleidet. Nach Anton Sattler bekam es 
Friedrich Prucker, der es von 1483 — 1518 inne hatte. 

Wenn im 9. Bande der Archival. Zeitschr. S. 78 angegeben 
wird, Friedrich Prucker sei schon 1517 verstorben, so erweist die 
Unrichtigkeit dieser Notiz ein Brief des Markgrafen Kasimir d. d. 
Wien 20. März 1518 bei Falckenstein Antiqu. Nordg. vet. IV. 469, 
worin der alte landschreiber Friederich Pürckler (sie) als noch 
lebend erwähnt wird. Aus noch späterer Zeit scheint das oben 
bereits mehrfach erwähnte undatirte Schreiben zu stammen. Ich 
schliesse das daraus, dass Prucker im J. 1511 von sich sagt, er 
stehe ob 30 jarn im Dienste der Herrschaft, während er in jenem 
angiebt, er habe nunmehr der Herrschaft an 41 jar gedient. — 
Von seinem rastlosen Fleisse legt ein Schriftstück Zeugniss ab, das 
überschrieben ist: „Item nach abgang etc. Albrechts etc. ist durch 
s. g. son etc. Fridrichen etc. vom anfang s. g. loblichen regirung, 
die angangen ist zu ostern anno etc. 86 bis uf heut datum diser 
schrifft 8. g. oberlannd uff dem gepirg gebessert durch getreuen rate 
und vleissige hilff s. g. lantschreibers uff dem gepirg Friderichen 
Prucker, der sich bisher ob 30 jaren bei der herschafft in diensten 
getreulich und vleissigklich enthalten hat. Actum uff mitwoch nach 
reminiscere (19. März) 1500 und oylfften jar." Es schliesst mit den 
Worten: „Item die obgemelte pesserung m. gn. h. in s. f. g. regirung 
ufgericht ist angeslagen ob 150 000 gülden on die pesserung, die 
an weiern, zinsten, manschaften noch geschehen mag, also das sich 
dieselb besserung uff 200 000 g. wol erstrecken wirdt. Darumb 

3* 



36 Wagner: 

bit der lantschreiber gn. belonung umb sein getreu dienst, die er 
nu ob 80 jarn bei der herschaft getreulich erzeigt und bewisen hat." 
Auf Prucker folgte Christoph Glauss und diesem Johannes Eindlein . 

c) Die iibrigen Beamten. 

Auch fiir das Land auf dem Gebirge gab es natürlich eine 
vollständige Kanzlei mit Sekretarien, Registratoren und Kanzlei- 
schreibern, ganz ebenso wie ii) Ansbach. Es scheint auch ab und 
zu eine Versetzung von untergebirgischen Beamten nach dem Ober- 
lande stattgefunden zu haben. So finden wir den oben erwähnten 
Tettelbach, der doch sonst in Ansbach arbeitete, im Jahre 1502 als 
Sekretair auf dem Gebirge. Auch die Unterbeamten wurden je 
nach Bedürfniss bald hier, bald dort verwendet. So ordnet Mark- 
graf Friedrich unter dem 26. August 1501 an, nachdem er das 
Verzeichniss derjenigen Personen, welche in Ansbach das Deputat 
erhalten, durchgesehen hat: dass die Säthe „der jungen gesellen ainen 
in der cantzelei nach der Plassenburg schicken sollen; nachdem 
uns nit gemaint sein will denselbigen jungen gesellen beden das 
deputat zu geben^^ Dagegen remonstrirt der Kanzler allerdings mit 
Erfolg; denn er erhält am 8. September den neuen Bescheid: da 
er die beiden jungen Gesellen zur Registratur brauche, solle er sie 
beide unten behalten ; „doch das du solchem deinem anzaigen nach 
darob seist, damit die hendel, daran gelegen ist, ordenlich werden 
registrirt." 

Als Sekretarien treten hier auf: Heinz von Joss von 1498 — 
1501 und ausser Tettelbach noch Hans Zwickstain in den Jahren 
1508 und 1509. — Unter den Kanzleischreibern finde ich die 
Namen: Hieronymus Qoller 1500, Hans Renner 1500, Hans Rorer 
1503 — 15, Georg Weinsberger 1502, Georg Arnold, Heinz Plech- 
schmidt und Georg Hofmann 1515. 

Eine ganz besonders interessante Persönlichkeit ist die des 
Registrators Eberhard Prankenberger (oder wie er sich selbst schreibt 
Erhard Frankenberg), der anfanglich Probst^) auf der Plassenburg 
während der Reformationszeit in den Kanzlei- und Archivdienst 
übernommen wurde. Die schon früher aufgeworfene Frage, ob in 

*) Wenn Lang I. 26. behauptet, der Probst sei schon früher 2. Archivar 
(sie) gewesen, so weiss ich nicht, worauf diese Behauptung sich stützt. — Wohl 
aber hat der Landschreiber auf dem Gebirge Prucker eine Zeit lang neben 
seinem andern Titel den des Probstes auf der Plassenburg geführt. 



Kanzlei- and Archiv weeen der fränkischen HohenzoUem etc. 37 

der Person Frankenbergs ein eigentlicher Archivar eingesetzt worden 
sei, möchte doch nicht so unbedingt zu bejahen sein. Das oben 
erwähnte Schreiben des Hauptmanns auf dem Gebirge Wolf von 
Schaumburg und des Landschreibers Johann Eindlein unterstützt 
diese Annahme doch keineswegs. Damach scheint es vielmehr so, 
als wenn Bequisitionen des Markgrafen nach Archivalien auch im 
Jahre 1540 noch an diese beiden Beamten gerichtet worden seien. 
Und da auch bei anderen Oelegenheiten der Hauptmann auf dem 
Gebirge Anfragen etwa vorhandene Archivalien betreffend beant- 
wortet, so ergiebt sich zum mindesten daraus, dass Frankenberg 
weder direkt mit dem Markgrafen, noch auch mit Statthalter und 
Käthen verkehrte, sondern, wie es doch früher auch schon gewesen 
war, unter Verantwortlichkeit des Hauptmanns und Landschreibers 
das Archiv verwaltete. So lange aber nicht nachgewiesen wird, 
dass Frankenbergs Stellung überhaupt eine neue und eigenartige 
war, möchte ich nach dem mir vorliegenden Material glauben, dass 
er nicht mehr war, als viele vor ihm, nämlich Registrator. In 
dieser Annahme bestärkt mich ein Schreiben des Hauptmanns auf 
dem Gebirge Wolf Christoph von Wisenthau an den Markgrafen 
Georg vom Mittwoch nach Kantate im Jahre 1534, mit welchem 
dieser die vom Registrator angefertigten Abschriften der auf 
Mainbernheim und Heidingsfeld bezüglichen Archivalien (die re- 
gistratur nennt es eine in dorso befindliche Kanzleinotiz) über- 
sendet; zugleich empfiehlt er dem Markgrafen zu gnädiger Berück- 
sichtigung des Registrators Supplikation, da er „eine frume person 
sei und da im keine vergleichung von der brobstei, so er hievor 
inngehabt, geschehen sei, sonder er uff eur fürstl. gn. casten allein, 
wes ime von der registratur wegen gevolg", angewiesen sei. Die 
Beziehung auf die früher innegehabte Propstei schliesst wohl 
jeden Zweifel aus, dass dieser hier erwähnte Registrator ein anderer 
als Erhard Frankenberg sein könnte, zumal da ja auch die Er- 
wähnung der Dürftigkeit, in der er lebt, zu des ehemaligen Propstes 
Lebensumständen durchaus passt. Nun ergiebt sich aus anderen 
Archivalien des Nürnberger Archivs allerdings, dass Franckenberg 
fortwährend darauf hindrängte, die archivalischen Bestände an 
einem einzigen Orte zu verwahren und die lästige wie zeitraubende 
Trennung in ein oberländisches Archiv auf der Plassenburg und 
ein niederländisches im Gewölbe zu Ansbach aufzuheben. Er sagt 
z. B. item über diese hieoben gethanen abschrifften, deren originalien 



38 Wagner: 

ZU Blassemberg in verwarung sind, werden sonst biemit aucb uber- 
scbicket: erstlich ein missive von m. gn. h. marggrave Gasimirn 
ausgangen und dabei 4 sonderliche copeyen von konig Ludwigs zu 
Hungern etc. derselben originalien aber sind hieoben nit; dieweil 
aber zuvor in diesen Sachen vil und oft gehandelt worden ist nach 
anzaigung der schritten und widerschriften, deren ains tails hieoben 
des gebirgs und ains tails daniden sind, so muss man sich daselben 
auch notturftiglich ersehen, was hierzu dienlichs gefunden werden 
möchte. Und das doch etwa nach geendter dieser handlung aUe 
originalien mit derselben jetwedern und jegliche zugehorenden 
briven sei an missiven copeien, Instructionen, relationen oder 
anderm Verzeichnisse etc. an ain ort zusammengebracht 
wurd und hinfuro nicht mehr also in die lenge von 
einander getailt gelassen blieben, daraus man ein grundtlich wissen 
haben möchte in der notturft erforderung, was furhanden und was 
man sich jetweder mals zu gebrauchen durfftig were, dasselbig zu 
uberschicken ze haben, das ander ligen zu lassen^^ .... Dass 
Frankenberg das besondere Vertrauen des Markgrafen Georg be- 
sessen haben muss, geht daraus hervor, dass er den Auftrag er- 
hielt, sowohl in Ansbach wie auch auf der Plassenburg Repertorien 
der vorhandenen Archivalion herzustellen. 

Uebrigens muss vor dem von Frankenberg 1534 angefertigten 
Repertorium doch schon ein Nachweis über die Plassenburger Archi- 
valien vorhanden gewesen sein. Denn in einem Schreiben des 
Markgrafen Georg an den Hauptmann auf dem Gebirge vom 
29. Juni 1534 (Nürnb. Arch.) heisst es: „Der Registrator solle, nach- 
dem wir vor etlichen tagen oder wuchen ein verzaichnus aufs ge- 
birg geschickt haben, was in zwaien unsern und der herschaft 
buchern, mit h. h. unjd j. j. signirt, rcgistrirt befunden werde, samt 
seinem Unterricht schleunigst nach Ansbach schicken. Zum andern 
ist unser mainung, du wollest unserm registrator ernstlich be- 
velhen, das er mit allem getreuen vleis und zum allerfurderlichsten 
in unserm gewelb und den schachteln darin nachsuchung thue, 
was allenthalben von brieflichen urkunten in Sachen die von Rothen- 
burg an der Tauber berurend gefunden werde und uns davon 
copien oder registratur . . . uberschickti) .... Und nachdem wir 

') Jedenfalls entstand daraus das noch heut im Bamberger Archiv vor- 
handene kleine Repertorium über die in den Archiven zu Plassenburg und 
Ansbach vorhandenen Archivalien die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber 
betreffend vom Jalu-e 1329—1550. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen HohenzoUem etc. 39 

in dem Register über das gewelb zu Blassenburg mit 
oberlendischen Sachen unter dem buchstaben R und 
dem titel Raynung auch noch ein schachte! mit B signirt be- 
finden, darinnen geschrieben steen soll raynung vom Fischsee in 
den bauchbrunnen" etc. 

Aus dem Umstände, dass von dem grossen Inventarium, 
welches Frankenberg anfertigte, nur ein Band die oberländischen 
Urkunden, dagegen 4 Tome die niederländischen Stücke umfassen, 
möchte zu schliessen sein, dass das Ansbacher Archiv damals einen 
bedeutend grösseren Schatz von Archivalien verwahrt hat als das 
Plassenburger. 

4. Der tie8cJiäftsgang. 

Ueber den Geschäftsgang lässt sich aus den zerstreuten An- 
deutungen noch einiges erschliessen. — Die Konzepte der abzu- 
sendenden Schriftstücke wurden entweder vom Kanzler selbst oder 
von einem der gelehrten Räthe, die zur Bearbeitung der rechtlichen 
Fragen, zur Berathung in den auswärtigen Angelegenheiten, zur 
Ausrichtung wichtiger Gesandtschaften am Hofe gehalten wurden, 
ausnahmsweise auch von den Landschreibern und Sekretarien ent- 
w^orfen. Dabei wurde auf etwa schon vorhandene Schriftstücke 
stets sorgsam zurückgegriffen. Bei Antworten auf Briefe wurde 
entweder das Datum des zu beantwortenden Schreibens oder der 
genaue Inhalt desselben oder wohl auch beides zugleich angegeben. 
Die Titulaturen beim Eingange und bei der Adresse wurden hierbei 
nur angedeutet. Die Datirung unterblieb so lange, bis das Konzept 
genehmigt war. Die Vorlage geschah entweder bei dem Fürsten 
selbst und darauf mag sich die der kaiserlichen Kanzlei entlehnte 
Unterschrift, die sich unter dem Kurfürsten Albrecht Achilles zu- 
weilen findet, d. p. se (d. h. dominus per se) beziehen oder die 
Gutheissung des Konzepts erfolgte in einer Rathsversammlung 
(dominus in consilio). War dies vollzogen, so erfolgte die Datirung 
und, falls der Fürst persönlich am Ausstellungsorte sich befand, 
die Hinzufügung der Stadt oder des Platzes, von dem das Schrift- 
stück ausging. Bei Briefen der Statthalter und Räthe wurde dieser 
Vermerk meist weggelassen. Eigenhändige Unterschrift des Fürsten 
ist in dieser Zeit noch ziemlich selten. Das Mundiren, wobei die 
richtigen Titulaturen einzusetzen oft Schwierigkeiten verursachte, 
das Siegeln, Adressiren und Abschicken war dann Sache der 



40 Wagner: 

Sekretarien bez. Kanzleischreiber. — Unter die Konzepte wurden 
oft noch kurze Bemerkungen über Absendung und ähnliche Ver- 
merke gemacht, z. B. wie unserm gn. h. auf annemen des pundts 
zu Swaben bei Lenhartlin boten geschriben, der ausgeriten ist am 
donrstag nach Jacobi anno etc. LXXXTTT. ' 

Was nun die einlaufenden Schriftstücke anbetrifft, so wurde 
auf deren Umschlag neben der Adresse zunächst gewöhnlich ein 
Präsentationsvermerk gemacht; z. B. durch Lenhartlin boten ein- 
bracht am mitwoch nach Kiliani anno etc. LXXXVIII Oder auf 
einem Mandat Maximilians vom 11. September 1489 steht: ist 
Hansen von Wolfstein zu Cadeltzburg geantwort auf heut mitwoch 
nach exaltationis crucis (16. Sept.) im 89. jare zwischen 11 und 
12 hören vormittag. Daraus ergab sich auch, wie viel Zeit der 
Bote zur Besorgung des Schriftstücks gebraucht hatte. — Sodann 
wurde auf der Aussenseite eine kurze Inhaltsangabe unter Nennung 
des Absenders gemacht z. B. von marggraf Johann credentz auf 
Cristoffel von Aufses gelt berurend. — Darauf folgte eine kurze 
Verfügung, ob das Schriftstück registrirt werden sollte oder nicht 
und wohin es zur Aufbewahrung gelegt werden sollte; z. B. pundt- 
sach, in dieselbe laden zu legen. — Sobald die Aktenstücke nicht 
mehr zum unmittelbaren Gebrauche dienten, wurden sie in Büscheln 
vereinigt und schon über diese wurde sorgsam Buch geführt Sehr 
deutlich ergiebt sich die Genauigkeit des Geschäftsganges bereits 
in der Zeit des Kurfürsten Albrecht Achilles aus einer von dem 
oben erwähnten Kanzler Johann Volker eigenhändig angefertigten 
Registratur, welche sich in einem Sammelbande des Bamberger 
Kreisarchivs befindet und die folgendermassen lautet: 

„Item der erst buchsei (sie statt buschel) . . . a 

*n credenz auf hem Jobsten vom König a 1 

*n credenz auf hern Jobsten von hertzog Heinrichen ... . a2 
*n abschid hern Jobsten zu Schwabach aS 

* wie mein her herzog Heinrichen bei hern Jobsten geshrieben hat a 4 
*n wie mein her dem kaiser hern Jobsten handelung ge- 
schrieben hat a5 

*wie mein her den dechant und Ludwig von Eyb zum kaiser 
gefertigt und ine gein Dinckelsspuhel nachgeschrieben hat a 6 

* wie die rete meinem hem auf dasselb schreiben geantwurt haben a 7 
cum una cedula 

Die mit "* bezeichneten Aktenstücke sind noch jetzt in dem oben be- 
zeichneten Bande vorhanden. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollem etc. 41 

Item der ander buschel b 

das die rete gein Baden einkommen sein b 1 

habet zedulas lY 
vom pfalzgraphisch handel mit dem Kaiser 
hertzog Albrecht entdeckt herzog Ludwigs handel mit 

meim hem 
wer von farsten zu Baden sei 
handel der von Augspurg im stift zu Coln 
burgundisch handel 

mein her von Mentz contra Beheimen b 2 

der dechant von Bamberg, was er Heintz Buden halb mit 

Mentz gehandelt hat b 3 

die rete, wie sie durch den kaiser auf ir einbringen gehört sein b 4 

cum quatuor zedulis 
des kaisers antwort in der Beheimischen sach 
den kaiser und pfalzgrafon berurend 
herzog von Burgundi 
bischof von Goln sein capitel 

die rete des zusamenkommens halb mit Burgundi b 5 

zedula una 
kaiser und pfalzgraf 

lantgraf von Hessen und capitel zu Coln 
das des königs von Polan botschaft zum kaiser sei 

einkommen 
die Beheimischen sachen für den kaiser zu weisen 

der kaiser des Beheimischen handeis halb b 6 

wie mein her den reten geantwurt hat b 7 

Burgundi 
Jörg von Stain 

her Jobst meinem hern geschriben 
Polnisch botschaft, die bei dem kaiser ist 
wie mein her hern Jobsten geschrieben hat maggraf Friderichs 

heirat halb b 8 

wie her Jobst meinem hern geantwurt, auch der Beheimischen 

sach halb geschriben hat b 9 

wie mein her hem Jobsten auf des kaisers briefe geschriben hat b 10 
wie die rete geschriben haben der Polnischen botschaft halb, 

die im kaiserlichen hofe gewest ist b 11 

u. s. w. u. s. w". 



42 Wagner: 

Diese Büschel von Papieren, welche also nicht blos registrirt 
wurden, sondern auch ihre Signatur erhielten und meistens die 
Aktenstücke einer bestimmten Gattung während der Frist eines 
Jahres umfassten, wurden dann in Schachteln gelegt und sachlich 
zusammengeordnet. So gab es z. B. Schachteln für die Testamente; 
die eine wird bezeichnet als diejenige, „daran geschriben stet testa- 
mentsbrief marggraf Friderichs des eiteren im 1440., item marggraf 
Albrechts thaylung zwischen s. g. sönen mit 1 signirt im gewelb 
zu Onolzbach". Vom Testamente des Markgrafen Friedrichs d. Ä. aus 
dem Jahre 1507 heisst es:"„ligt das original in der schachtel mit 2 
signirt, darauf geschriben steet marggraf Friderichs testameut und 
kayserliche confirmation darauf gevolgt im gewelb zu Onolzbach". 
Die verschiedenen Stücke innerhalb jeder Schachtel hatten wieder 
ihre besondere Signatur. Im allgemeinen mögen die grossen latei- 
nischen Buchstaben als Hauptrubriken verwendet worden sein, 
während die Unterabtheilungen mit Ziffern bezeichnet wurden. So 
heisst es z. B. ums Jahr 1530 in einer archivalischen Recherche: 
,,item hiebei sonderlich ze wissen, das nacii anweisung des gestellten 
zaigers über das Onolzbacher gewelbe, nemlich an der schachtl oder 
ledlin mit A. 3 verzaichent ein vidimus über, konig Sigmundt zu 
Behaim etc. freiheiten, den von Haidingsfelt und Bernhaiui gegeben 
zu finden ist. Mer daselben im B. 3 brivo und handlungon über 
Meinbernheim und Haidingsfelt von der behaimischen cron zu lehen 
rürend die lierrn von Guttenstain etc. betrefiPent ze finden. Auch 
im B. 4. jüngste handlung zu besehen". Andere Notizen lauten: 
„ist dasselb orignal zu Plassenberg im gewelb gelegen in der ob- 
geniclten erbainigungs- und andere ainigungsschachte l 
zwischen Sachsen, Brandenburg und Hessen mit h. h. h. signirt". 
Oder: „ligt das original auch in der vortragssch achtel mit 3 
signirt". 

Manche wichtigen Aktenstücke wurden allerdings nicht ohne 
weiteres in eine beliebige Schachtel gesteckt; sondern dafür gab es 
besondere „Ledlin" d. h. Behältnisse, die manchmal auch versiegelt 
wurden, zuweilen unter Spezialverschluss des Fürsten sich befanden. 
So hatte, wie oben erwähnt, der Kanzler Volker eine besondere 
Lade; so heisst es 1491: „des ist die recht original copei in meines 
gn. h. marggraf Fridrichs sunderlich beheltnus; so giebt es ein sehr 
ausführliches verzaichniss der brief in marggrave Johansen sel".^) 

*) Er starb als Vizekönig von Valencia. 



Kanzlei* und Archivwesen der fränkischen Hohenzollem etc. 43 

ledlein; so verwahrte Markgraf Georg einen vom Herzog Albrecht 
von Preussen eigenhändig geschriebenen Vertrag besigelt zu Onnolz- 
bach in m. gn. h. marggraf Georgen tisch in s. f. g. caniern des 
neuen thurns. — Schon Ludwig von Eyb sagte in seinen finanziellen 
Rathschlägen : „der rechnung nimpt im der herr der sum ir jedes 
ein auszug in sein beheltnus und nimpt der herr ein recess in 
sein laden ... . mit dem hat der herr seins guts und regiments 
alwegen ein mitwissen". Dass manches Aktenstück auch den Land- 
schreibern und Registratoren unzugänglich gemacht wurde, beweist 
die Notiz in einem herrschaftlichen Buche des Nürnberger Archivs . . . 
„und ist das original durch den hern canzler Sebastian Hellern und 
hern Johann Kindlein landtschreibern nach der auscultirung ver- 
petschirt und ins gewelb gein Blassenberg gesetzt . . . Michaelis 
abent 1536". 

5. Eine ArchiTrerlierclie. 

Eine solche Sorgfalt in der Behandlung der Archivalien wurde 
nicht erst durch die Instruktion des Markgrafen Georg vom J. 1534, 
als Frankenberg das Inventarium über die Plassenburgische Regi- 
stratur anfertigen sollte, eingeführt, sondern war schon in den Zeiten 
des Kurfürsten Albrecht beobachtet worden und wurde durch seinen 
Enkel nur von neuem eingeschärft. Dafür liefert das Beispiel einer 
Archivrecherche aus dem Jahre 1532 den besten Beweis. — Mark- 
graf Georg hatte seinen Statthaltern und Käthen befohlen, einen 
Verzicht auf die Nachfolge in den fränkischen Fürstenthümern, den 
sein Bruder Albrecht bei der Uebornahme der Hochmeisterwürde 
des deutschen Ritterordens ausgestellt haben sollte, herbeizuschaffen. 
Infolgedessen erging an die Landschreiber auf und unter dem Gebirge 
— dies waren also damals die Archivdirektoren — der entsprechende 
Befehl. Aber das Dokument fand sich niclit. Im Plassenburger 
Archiv veranstaltete Frankenberger (seine eigenhändige Unterschrift : 
Franckenberg) die Untersuchung und erstattete darüber an den 
Hauptmann auf dem Gebirge, Friedrich von Lidwach, folgenden 
Bericht: 

„Des hertzogen in Preussen verzigk betreffend. 

Mir ist woll in gedenken, das solcher verzig auch vor dreien 
jaren, als ich dieser zeit in meiner bevolhener arbeithen zu Onnoltz- 
bach ward, begeret, demselben nachgefraget und darumb uffs gebirge 
geschriben wurd; nicht wayss ich, was dazumal für antwort geftilleu. 



44 Wagner: 

In summa: er ist im gewelbe zu Blassemberg nit, mir auch 
nie zu banden komen, so doch sonst die allergeringsten (gein dem 
zu achten) zu merem malen durch mich bescheben und verlesen 
worden sind, bette ja sich auch dieser nit können bergen. 

Item so sagt der rentmeister, er bab lang woU gehöret, das 
ainor vorhanden sein solte, dem zu merem malen nachgefraget 
worden, er bab sein aber nie gesehen, noch ichts gewises darvon 
gehöret, das er hie oder anderswo sei, wie dann woU darvon geredet 
worden; sovil und nit mer wiss er davon. 

Item so bab ich vor dreien jaren davon oben nicht mer gewisst 
anzuzeigen dan dis, so ich auch und jetzo hiemit verzaichent dar 
gebe: nemblich das in dem Onnoltzbacher brieffgewelbe under den 
schachteln, meiner gn. berrschaft aigne Sachen berumd, aine mit 
5 bezaichnet gefunden wurdet, dis thitels oder Überschrift „Brueder- 
licber vertrag, die statthalterei und jetweders bruders deputat be- 
treffend, item hochmeisters vertrag marggrave Wilhelms halben und 
des bewilligung darein, auch sein verzigbrief darüber. 

Darinnen mag man sich nach notturft besehen 

Erhard Franckenberg 
probst genant." 

Einen noch ausführlicheren Bericht erstattete der Landschreiber 
unter dem Gebirge, Johann Tettelbach, an die Bäthe in Ansbach. 
Darin heisst es : „er habe wiederum das gewelb mit allen schachteln 
und briefen mit dem besten und höchsten vleis ersucht und ersehen, 
zusampt dem, das ich herrn Erharden Franckenberger, probst zu 
Blassemburg, vor etlichen jarn, als er hienyden zu ersuchung der 
brief im gewelb gewest ist, dazumal auch getreulich bab helfen 
darnach suchen, aber dazumal, auch jetzo über allen ganzen mög- 
lichen furgowenden vleis ainichen verzig noch ein einichs zettelin 
dorvon nit ßnden können noch mögen*'. Zum Beweise dafür, dass 
er sich in der von Pranckenberg erwähnten Schachtel No. 5 nicht 
befinde, legt er seinem Bericht einen detaillirten Auszug aus dem 
erwähnten Behältniss bei. 

Auf Grund dieser beiden Berichte erfolgte nun die Antwort 
der Statthalter und Räthe zu Ansbach an den in Jägerndorf weilen- 
den Markgrafen. Dieser erliess ein höchst bemerkenswerthes Reskript 
d. d. Jegemdorf montag nach Mathei apostoli 1532. 

„Lieben getreuen. Wir haben eur schreiben, das unter und 
uffm gebirg uff vleissig nachsuchen kein vertzig, den der etc. hertzog 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern etc. 45 

in Preussen damals, als s. 1. hohemeister in Preussen worden, gegen 
der herrschaft gethon habe, fanden werden kann sambt daneben 
zugeschickten underrichten alles inhalts vernomen. Wiewol wir 
nun gentzlich achten, das ein vertzig vorhanden gewest, wo aber 
derselbig hinkomen sei, wissen wir nit, nachdem wir derselben zeit 
nit innerlands gewesen sind, so lassen wir es uf dismal bei eurm 
nachsuchen pleiben. Aber da mögt ir sehen, wie man vor 
Zeiten mit den Privilegien und andern briefen und 
handlungen umbgangen, der jetzt ser vil, daran auch 
gross gelegen, in mangel steet, also das nichts regi- 
strirt, sonder alle ding unordenlich hin und wider 
geleget und also derselben weil nit vil gedacht worden, 
ob ire nachkomen dero notturftig wurden oder nit. Und 
so man unser jetzige Ordnung dagegen hellt, das alle 
der herrschaft Sachen, daran etwas gelegen, mit vleis 
und ordenlich registrirt und eingeschriben werden 
sollen, kan ein jetlicher gerings Verstands leichtlich 
mercken was nutz und frumen oder was schaden sich 
daraus zu vermuten und zu versteen ist.*) Darurab so 
wollen wir, sovil uns imer muglich ist, in solchem gute 
Ordnung gehalten haben. 

Und nachdem wir wissen, das unser bruder marggraf Casimir 
sei. mit solchen Sachen gar enng (sie) gewesen ist und vil ding zu 
s. 1. banden zu verwarn genomen hat, so bedencken wir daneben, 
ob s. 1. solchen vertzig Btwo bei sich gehabt und s. 1. gemahel, 
unser geschweien, jetzt der hertzogin in Neuburg mit andern dingen 
mer zu iren banden gestelt hat, den uflfzeheben und des ir lieb 
denselben etwo ungeverlich neben anderm mit irer lieb hinwegk 
haben mocht. 

Ist unser gutbedunken, sover irs anders auch für gut an- 
secht, das ir gedachter unser geschweien, unsernhalb unvermerkt 
oder ungemelt, schreibt und ihrer lieb solchs mit guten glimpf- 

*) In dem mir vorliegenden Konzept ist an dieser Stelle der folgende sehr 
bezeichnende Satz weggestrichen: wiewol die (seil. Ordnung) ganz beschwerlich 
und für tadelich gehalten werden will; also ist es vor Zeiten zugangen, wir 
aber wollen, ob gott will, desselben uberig sein. — lieber die Unordnung 
welche in der ehemals so vorzüglich eingerichteten Verwaltung der Fürsten- 
thümer Ansbach und Bayreuth nach dem Tode Kasimirs (1527) eingerissen 
war, und welche derartige Reskripte sehr erklärlich macht, vgl. Voigt Albrecht 
Aldbiades I. 34. 



46 Wagner: 

liehen werten anzeigt und daneben vermeldet, als ob ir bei uns in 
grosse ungnad komen, wo ir solchen vertzig nit finden wurdet: 
ob ir lieb kein wissen davon oder den neben ander irer lieb bricfe 
nit ungeverlicher weis, irer lieb halb unbeweist, mit sich genomen 
hett " 

6. Kopialbficher und Signaturen. 

Während die Originale meist in diesen Schachteln oder Laden 
aufbewahrt wurden, war man schon von altersher darauf bedacht, 
von allen wichtigeren Dokumenten sorgfaltige und beglaubigte Ab- 
schriften zu nehmen und diese wurden dann in Büchern vereinigt 
und dauerhaft eingebunden. Dadurch schonte man nicht nur die 
Originalien und sicherte sie vor Verschleppung und Vernichtung, 
sondern gewann auch die Möglichkeit, ein umfangreiches und un- 
entbehrliches Aktenmaterial auf Reichs- und Fürstentage mitnehmen 
zu können, i) Auch war es nach der Erwerbung der Mark Branden- 
burg seitens der Hohenzollern wünschenswerth geworden, manche 
Archivalien in dem Archive von Tangermünde, wie in denen auf 
der Plassenburg und in Ansbach abschriftlich zu besitzen. 

Hatte daher schon Kurfürst Friedrich I. im Jahre 1437 ver- 
ordnet, dass von den Registern und Lehensbüchern Abschriften ge- 
nommen werden sollten, so scheint unter Albrecht Achilles diese 
Thätigkeit bereits förmlich systematisch betrieben worden zu sein. 
Diifür zeugen besonders die kaiserlichen Bücher, welche in sehr 
dauerhaften Kopialbänden vorliegen. Freilich stammt wohl nur 
der erste noch aus der Zeit vor dem Tode des Kurfürsten Albrecht; 
aber der Anstoss, den dieser gewaltige Fürst nach allen Richtungen 
hin gegeben hatte, wirkte eben noch über sein Leben hinaus fort. 
Von dem zweiten wissen wir ausdrücklich, wer die Abschrift be- 
aufsichtigt und verglichen hat; denn am Ende desselben findet sich 
die Notiz : anno etc. nonagesimo octavo finivi ego Sebastianus Onolt 
de Crewlshem hunc librum.2) Es ist dies unzweifelhaft dieselbe 



*) So wurde z. B. ein bedeutendes Material auf den Reiclistag nach 
Worms 1495 mitgenommen. Vom Reichstag zu Augsburg 1500 lässt Markgraf 
Friedrich nach Ansbach schreiben: item dercanzler soll schicken alle handlung 
in ainer t ruhen verwart, was er maint m. gn. h. hie notturftig werden möclit, 
als er wol zu bedenken wais. Bei den Archivalien, welche 1536 auf den Tag 
zu Zerbst mitgenommen wurden, steht die Verfügung, in welliche schachte! sie 
auch widemmb von dem tag zu Zerbist gcthan werden sollen. 

•) D. Nähere darüber in d. Zeitschr. f. preuss Gesch. XVIII S. 310. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollem etc. 47 

Persönlichkeit, welche oben unter den Beamten in Ansbach er- 
wähnt worden ist und aus der Eidesformel der Registratoren vom 
J. 1495 (s. 0.) ergiebt sich ja auch, dass das Abschreiben der Briefe, 
Register und Bücher zu den Amtsobliegenheiten dieser Beamten- 
kategorie gehörte. Allerdings beweisen die Schriftzüge, dass der 
Registrator Onolt von Krailsheim den Text dieses umfangreichen 
Kopialbuches nicht mit eigener Hand abgeschrieben hat; dazu 
scheinen vielmehr die „gemeinen" Schreiber in der Kanzlei ver- 
wendet worden zu sein, sondern seine Thätigkeit beschränkte sich 
darauf, die Abschrift mit den Originalien zu vergleichen, die Fehler 
zu verbessern, Lücken auszufüllen und am Ende seine Unter- 
schrift in fidem hinzuzufügen. — Während Sebastian Onolt diesen 
Band im J. 1498 beendigte, hat er im folgenden Jahre ein Eynungs 
Buch zusammengestellt und unterzeichnet. — In ähnlicher Weise 
hat der oben erwähnte Johannes Tettelbach als Registrator einen 
Band videmiert, der die Aufschrift trägt: Anno domini 1400 im 
92. jar am suntag nach sant Matheistag ist die Ordnung und 
handelung geschriben aus herrn Ludwig von Eyb rytter buch der 
herschaflFt zu Brandenburg zu gut. Auch hier ist der grösste 
Theil des Inhalts von einer gleichmässigen gut leserlichen Kanzlei- 
hand geschrieben; das Inhaltsverzeichniss , die üeberschriften und 
die Schlussworte rühren aber von Tettelbach her. Er unterzeichnet 
mit den Worten: Got sey gelobet. I-T d. h. J. T. (Johannes Tettel- 
bach). — Noch früher wurde das Eidbuch zusammengestellt, das 
mit den Worten beginnt: Anfang dises registers ist gemacht nach 
abgang m. gn. h. marggrave Albrechts zu Brandburg, curfursten 
etc., der mit tod verschiden ist zu Kranckfort am Mayn am sambstag 
vor dem suntag judica in der vasten nach Christi geburt vierzehen- 
hundert und im sechsundachtzisten jare, doselbst er auf einem 
tag was bei kayser Friederichen dem dritten und hern Maximilian 
etc. etc. Ein anderes Buch umfasst die Kriegsordnungen aus der 
Zeit Albrecht Achills und seines Sohnes, des Markgrafen Friedrich. 
Darin findet sich die Notiz: die Ordnung des puchs zu schreiben 
ist angefangen von mir, Contz Cornburger^) vor Gennt im veld an 
der mitwoch nach Kiliani [9. Juli] anno 1488 nachmittag; denselben 
tag war es windig und nass. — Diese Beispiele mögen genügen, 
um die Thätigkeit der Kanzleibeamten nach der einen Richtung hin 
zu kennzeichnen. 



*) Er leistet am IG. November 1495 den Eid als Kastner von Kadolzburg. 



48 Wagner : 

Uebrigens wurden nicht nur Abschriften in derartige Bücher 
gebunden, sondern auch die eingegangenen Originalien und die dazu 
gehörigen Konzepte der abgesendeten Antworten, sobald sich in 
irgend einer Sache ein umfangreicheres Material angesammelt hatte; 
nur lässt sich die Zeit, wann dies geschehen sein mag, kaum fest- 
stellen. Eine Notiz, die aus der Zeit des Registrators Frankenberg 
zu stammen scheint, weist schon darauf hin: „nota: ist im ledlein 
nit funden, sunder ins buch gebruderlicher vertreg mit T signirt 
gebunden^^ Die Anzahl dieser Bände ist noch jetzt eine recht be- 
deutende und wird früher eine sehr ansehnliche gewesen sein. Des- 
halb wurden diese Tome nicht blos mit einer den Inhalt ungefähr 
bezeichnenden Aufschrift wie z. B. „Registratur der lehenempfahung, 
altt und new ainigangs buech, registratur der erb und anderer 
ainigung, registratur der handlung, so sich durch die schencken von 
Limpurg gegen marggrafe Albrechten in und mit irer f. gn. glaytt 
zugetragen, copei der hairat, die ye zu zeiten am hove und durch 
m. gn. h. betaidingt worden sind, abschriften der altveterlichen, 
veterlichen und brüderlichen vertreg, register etlicher grossen bericht 
(in vilerlei Sachen)", — sondern auch mit einer bestimmten archiva- 
lischen Signatur versehen. Ich bin noch im Stande, folgende alte 
Signaturen nachzuweisen C.C., E.E., F.F., G.G., J., P.P., T., V., 
T.T., E.E.E., F.F.F. Daraus dürfte sich der Schluss wohl recht- 
fertigen lassen, dass es allein von solchen, theilweise sehr voluminösen. 
Bänden mindestens 60 gegeben haben wird. Wahrscheinlich war 
aber die Zahl noch weit grösser. 

Auch die Schachteln oder Lädlein, in denen die Originale ver- 
wahrt wurden, hatten, wie oben bereits berührt wurde, ihre Signa- 
turen. So z. B. ledlin A. 3., B., B. 3., B. 4., S. 2. u. s. w. 

Ueber den Umfang des Archivs in den verschiedenen Zeit- 
abschnitten Angaben zu machen, ist ungemein schwierig, da bei dem 
traurigen Schicksal, welches das Plassenburger Archiv betroffen hat, 
ein nicht unbeträchtlicher Schatz von Urkunden wie von Original- 
und Kopialbüchern verloren gegangen sein mag. Doch werden die 
oben angeführten Inhaltsverzeichnisse und Signaturen, welche später 
einmal systematisch geordnet werden sollen, schon zur Genüge be- 
wiesen haben, dass selbst der jetzt noch vorhandene Rest sich an 
Umfang mit den aus dem 15. Jahrhundert stammenden Archivalien 
anderer Gebiete durchaus messen kann. 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern etc. 49 

Nachdem diese Arbeit bereits abgeschlossen war, fand ich noch 
ein Aktenstück, das der Mittheilung werth zu sein scheint. Als 
Georg der Fromme die Regierung der fränkischen Besitzungen 1527 
antrat, mochte er schon einen Beamten in seinen Diensten haben, 
der ein hervorragendes organisatorisches Talent besessen zu haben 
scheint, nämlich den vielfach erwähnten Eammermeister Leon- 
hard von Gendorf, i) Dieser verfasste mehrfach Entwürfe zu einer 
Reorganisation der Verwaltung; besonders hat sich eine ausführliche 
Instruktion erhalten, welche der Markgraf Mittwoch nach Ostern 
1531 seinen fränkischen Beamten zur Richt4schnur überschickte. 
Leider wird in derselben nicht die neue Kanzleiordnung selbst mit- 
getheilt, sondern es heisst darin nur: „was dann sonst der cantzlei 
halben zu ordnen, das ist in sonderlich verzaichnus bracht und ein 
abschrifft davon in die cantzlei uberantwort mit des camermaisters 
banden unterschrieben.^^ Um so schätzbarer ist es, dass sich aus 
dem J. 1533 ein Protokoll darüber erhalten hat, wie die neue Eammer- 
Eanzlei- und Hausordnung durchgeführt worden ist. Aus diesem 
Schriftstück, das vom 3. September 1533 stammt, möchte ich noch 
folgende Stellen mittheilen. 

„Von gottes gnaden Wir Georg etc. bekennen hiemit für uns 
selbst etc. als wir aus unsern schlesischen furstenthumben verschiener 
tagen als nemblich am mitwoch nach Egidii im 33. jar etc. in unsere 
frenckische landt und erstlich in unser schloss Blassemberg ankörnen, 
haben wir für uns und dozumal bei uns habende räthe, nemlich 
Mertein Kanachem, obristen burggraven zu Eonsperg, her Hansen 
von Seckendorf Aberdar ritter, her Sebastian Hellern doctorn cantzler, 
Wolff CristofiF von Wiesenthau, haubtman ufm gebirg, Jörgen von 
BenndorfT hoffhiaister, herr Johann Weynmann doctorn und Leon- 
harten von Jhendorff2) camermaister etc. unsere neue vor aufgerichte 
camer-, cantzlei- und hausordnung genomen und darauf aus der nider- 
und oberlendischen camermaisterei und rentmaisterei erfordert wie 

hernachvolgt (Ich übergehe diesen nicht hierher gehörigen 

Abschnitt und lasse gleich den zweiten folgen.) 



') Er wird auch im 2. Band der neueren Geschichte des Fürstenthoms 
Ba3rreuih von Lang mehrfach erwähnt. 

') Das ist der obenerwähnte Kammermeister, der sich selbst Gendorff 
schreibt 



AichlTallscbe Zeitschrift X. 



50 Wagner: 

Den inventarium über die cantzleien und gewelb be- 

treffendt. 

Auf den andern artickel, was der Onnoltzbachischen cantzlei 
und gewelb inventarium belangt, geben uns unser stathalter diesen 
bericht, das sovil, in der alten und neuen cantzlei zu Onnoltzbach 
befunden (ausserhalb etlicher vil schachteln, die im stublein an der 
alten cantzlei steen), das alles sei in ainen inventarium gebracht, 
der auch vor der handt und durch Georgen Vogler nach absteen 
des cantzlerambts in beisein herrn Hannsen von Seckendorff und 
Sebastian Hellem doctorn und cantzlers, auch Johann Tettelbachs 
landschreibers aufgericht und mit allen stücken, wie sich gebürt, 
belegt worden, wie derselbig bei der cantzlei gesuecht und zur not- 
turft gebraucht werden möge; doch also, das solche bücher, in dem 
inventario begrieffen, den merer thail allein stückweis benannt und 
darin nit unterschiedlich angezaigt sei, was in ainem jeden buch 
ordenlich nacheinander stee oder unterschiedlich befunden wurde, 
das dann ainer sondern, vleissigen arbait und mues (oder mue?) 
bedarff. Was aber für schachteln, bücher und handlung im neuen 
gewelb der süberkamern und dann an schachteln im stublein an der 
cantzlei, die sein in inventarium nit komen aus ursacb, das Georg 
Vogler die schachteln und handlung im gewelb nit in seinem gewalt 
gehabt hat Was dann für schachteln und handlung in clainem 
stublein an der alten cantzlei gewesen, die sind noch vor der handt 
und möchten mit der zeit erlesen und, was darin ligt, auch in 
inventarium bracht werden. 

Der birgischen cantzlei inventarium ist aufgericht und vor- 
handen, doch nur stück- oder skatel (sie für Schachtel?) weys; 
aber über der herrscliaft gülden bull, privilegia, freihalten, brief und 
anders, so im gewelb zu Blassemburg vorhanden, ist kain inventarium 
noch verstendig registratur aufgericht. 

Darumb haben wir aus erhaischender notturft beschlossen, 
das ein lauter inventarium über unser und der herschaft gülden 
bull, privilegia, freihalten und anders, so in beden gewelben zu 
Onnoltzbach und Blassenburg befunden, aufgerichtet werde, nemblich 
also, das erstlich aller und jegliche brief substantz und datum mit 
kurtz in ein registratur gezogen, darnach die fürnembsten und ge- 
nottigsten privilegia und Schriften nach Ordnung und lengs oder 
alter der brief in eingebunden bücher abgeschriben, dieselben ab- 



Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern etc. 51 

geschribenen biicher sambt den registem, so darüber gemacht, im 
gewelb bewart werden. 

Desgleichen soll es mit den brieven und Schriften, so in beden 
cantzleien unter und aufm gebirg vorbanden gehalten werden, 
nemblich das erstlich aller und jegklicher brief substantz und datum 
in ein registratur gezogen, darnach die genottigsten und fürnembsten 
brief und sehriften nach Ordnung und lengs in eingebunden bücher 
eingeschriben und wol bewart werden. 

Doch solcher gestalt und mit der beschaidenhait , wann in 
beden gewelben und cantzleien die notturftigen haubt und andere 
brief, auch handlung ersehen und aufgeschrieben, das alspaldt 
darauf die oberlendisch und niderlendisch bücher und registraturn 
mit vleyss ordenlich nach einander erlesen und ersehen werden, 
was zuvor darin registrirt befunden, damit zu Verhütung zwifacher 
arbeit und unnotturftiger uncost allain das, so zuvor nit registrirt 
befunden würd, vollent registrirt und entweder in dieselben oder 
andere bücher nach gestalt und gelegenhait der hendel gebracht 
werden, darin die registratores künftig der haubtleut, cantzlers, 
landschreibers und secretarien rath und hilf gebrauchen und jedes- 
mal Unterricht empfahen sollen. 

Zu solcher aufrichtigung der cantzlei und gewelbinventari, 
registraturn und abschreibung der fürnembsten und genottigsten 
brief und handlungen haben wir unterm gebirg Hans Knörn, 
uffm gebirg Erhartenn Brobst geordnet. 

Cantzlei Ordnung. 

Auch haben wir der cantzlei halben für notturftig angesehen 
und beschlossen, das hinfuran alle nöttig und wichtig furfallend 
Sachen, sy betreffen das haus Brandenburg etc. oder die partheyen 
an, wie die beratschlagt und sovil von nötten für uns gebracht, 
nach unser oder unser bevelchhaber bewilligung copirt, dieselben 
copeyen, darnach auch die gestellten schriefften von ainem oder 
zwaien unser räthe, so bey beratschlagung derselben Sachen gewest, 
abgehört, unterschrieben, durch die registratores einregistrirt und 
ververtigt werden sollen. 

Was dann unser cantzlei Ordnung sunsten ober und unterhalb 

des gebirgs belangt, dorin sollen sich die cantzleien der vorigen 

inen übergebenen und bevolhnen Ordnung gemes halten und erzaigen, 

bis wir mit vemerm rath in etlichen notwendigen stücken verner 

einsehen und Verordnung thuen." — 

4* 



52 Wagner: 

Wie eingehend und verständig diese Eanzleiordnung gewesen 
sein mag, dafür bieten einige Notizen einen A^nhalt, die sich in der 
allgemeinen Kammer-, Kanzlei- und Hausordnung finden. So z. B. 
wird über den Einkauf der Kanzleibedürfnisse verordnet: 

„Erstlich wollen wir den extraordinari abstricken, also das 
furan der rentmaister das papir, birgamen, dintenzeug, wachs, 
liarlaffi) und was auf die cantzlei gehört, selbst bezalen und ist 
der cantzleiknecht verordnet nymandt nichts davon zu geben, dann 
weme es zusteet. 

Es soll auch der landschreiber hieniden sein birgamen und 
papir nit mer von landgerichtsgefellen kaufen, sonder alles aus der 
cantzlei nemen/^ 

In einem späteren Reskript des Markgrafen (Prag, Samstag 
nach Pfingsten, 25. Mai 1532) heisst es über die Pflichten des 
Kanzleiknechtes : 

„Und sovil erstlich unser rentmaistereiverwalters und gegen- 
schreibers beschwerungen und anfangs des potenlons halben in der 
rentmaisterei auszugeben belangt, wollen wir, damit gedachte der 
rentmaisterei persone irs ambts und bevelhs sonst dester getreu- 
licher und vleissig auswarten mögen, gnediglich bewilligen, das die 
teglichen und gemainen pottenlon in der cantzlei, wie etlich zeit 
vor, durch den cantzleiknecht, wo dieses jetzigen person änderst 
darzu tuglich und getreu ist^ ausgeben, also das demselben wochen- 
lich ain summa gelts vom rentmaister behendigt und herwiderumb 
alle sein des cantzleiknechts ausgeben in der wuchenrechnung von 
ime abgehört und aufgenomen werde. Wo sich aber zutragen solt 
oder wurde, das die haushält ung verendert und dardurch die 
wuchenrechnung abgeschnitten, das alsdann nichtsdesterweniger der 
camerschreiber sambt einem rechnungsrathe und dem rentmaister 
sölliche sein des cantzleiknechts ausgeben potenlons halben wochen- 
liche rechnung empfahe und in bede wege zur zeit der hofhaltung 
oder verenderung derselben solliche aufgenomene und empfangne 
des potenmaisters rechnung furter durch unsern rentmaister und 
gegenschreiber in ir rechnung unter die gebürliche tittel gebracht 
und verrechnet werde nach ausweisung des potenmaisters übergeben 
und gethonen rechnungsregister. Und sovil des cantzleiknechts 



*) Dieses Wort bedeutet jedenfalls die Flachsfäden, welche zum Be- 
festigen der Siegel verwendet wurden. Vgl. Schmeller-Frommann I, 1145. 



Kanslei- and Archivwesen der frllnkischen Hohenzollem etc. 53 

person geschicklichkait oder tüglichait belangt, das stellen wir euch, 
unsern Statthaltern und räthen haimb, dermassen in dem und an- 
derm ain aufsehen zu haben, damit durch bemelten cantzleiknecht 
alles zum getreulichsten verwaltet und ausgericht werde. Insonder- 
hait ist unser mainung, das ein jeder cantzleiknecht unter anderm 
pflicht thue, wann er die rethe oder poten nit zu holen oder abzu- 
fertigen oder sonst in der herschafk Sachen aus der rethe, cantzlers 
oder secretarien bevelch etwas auszurichten hab, das er alsdann 
Aach anweisen und bevelch des cantzlers und secretarien neben 
andern oantzleischreibera brief oder copeien schreiben oder wess 
ime bevolhen wurdet, mit getreuem vleys registrirn und nit müssig 
geen oder in der cantzlei feirend sitzen woU. und was euch sonst 
seiner pflicht halben für gut und noth wendig ansihet, darin wollet 
uns und der herschaft auch zum besten handeln/^ — 



III. Aus der ManuscriptensainmluDg des k. Ereisarchivs 

zu Amberg. 

Von 

Dr. Schneiderwirth, Beichsarchivprakükant in München. 



Das k. EreUarchiv Amberg bewahrt unter seinen Beständen 
eine Anzahl Manuscripte auf, die, wenn auch nicht gerade von 
hervorragender Bedeutung, so doch für die Spezialforschung immerhin 
manches WerthyoUe aufweisen. Eine ausführliche, kritische Be- 
sprechung derselben würde an dieser Stelle nicht am Platze sein, 
somit begnügen wir uns, im Folgenden einzelne Stücke, und zwar 
die ältesten, nach den wesentlichsten Gesichtspunkten hin zu be- 
leuchten, vielleicht dass dadurch hier und da ein Fachmann oder 
Geschichtsfreund zu weiteren Studien in dieser Richtung veranlasst 
wird. 

Zunächst sei eine „Erzehlung von dem Bayrischen 
Krieg und sonderlich von der Sulzbachschen Belagerung 
der Böhmen in Anno 1503'^ erwähnt; das Manuscript, ein 
Papierband, umfasst 21 Blätter Folio, von denen Bl. 17 — 21 durch 
Brand stark beschädigt sind, sonst ist die Schrift, der ersten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts angehörend, gut leserlich. Nach einer kurzen, 
die Ursachen des Landshuter Erbfolgekrieges besprechenden Ein- 
leitung in Prosa, beginnt Fol. 2 die in Reimen gefasste Darstellung 
der Ereignisse des Jahres 1504: Mir hören von dem kaiserlichen 
Uoftag zu Augsburg, den Rüstungen und Bundesgenossen des 
Pfalzgrafen Ruprecht und Herzog Albrechts, dem allgemeinen Gang 
des Krieges in der Oberpfalz bis Fol. 12 der Verfasser mit den 
Worten: „Dabey will ichs lassen sthan, vnd von der Belagerung 
heben ahn^^ die Belagerung Sulzbachs durch die von Ruprecht ge- 
worbenen böhmischen Haufen zu erzählen beginnt. Wenn auch 
im allgemeinen schon bekannte Thatsachen hier überliefert werden, 
so verdient das Gedicht doch als von einem gleichzeitigen und 



Schneiderwirth: Aus d. Mannscriptensammlang d. k. Ereisarch. z. Ambeig. 55 

allem Anscheine nach wahrheitsgetreuen Berichterstatter verfasst, 
besondere Beachtung. Dass der Erzähler Zeitgenosse und Augen- 
zeuge, ersehen wir aus Aeusserungen, wie z. B. wo er von den 
Edelleuten redete, die Buprecht beigestanden, es heisst da : 55 habe 
ich gezählt und 4 Bitter habe ich erkannt. Dass es ihm aber auch 
darum zu thun, genau und wahrhaft zu berichten, beweisen die 
präzisen Datenangaben für jedes bedeutende Ereigniss, sowie die 
wiederholten Betheuerungen, wie ,,das ist wahr, wie ich euch sag", 
„und will euch sagen, ist nicht erlogen". Wer ist aber nun der 
Verfasser? Sein Name hat vermuthlich am Schlüsse des Ge- 
dichtes gestanden, ist uns aber, weil gerade die letzten Blätter zer- 
stört worden, nicht überliefert; ziehen wir aber umstände in Er- 
wägung, wie der, dass gerade die Sulzbacher Belagerung, ein sonst 
nicht sehr bedeutsames Ereigniss des ganzen Krieges, eine aus- 
führliche Behandlung erfahrt, dass der Verfasser ferner eine be- 
sonders genaue Ortskenntniss der Umgebung genannter Stadt ent- 
wickelt, so denke ich nicht fehl zu gehen, wenn ich als den Er- 
zähler einen Sulzbacher Bürger annehme. 

Ein zweites Manuscript, 20 BL Folio, von denen 18 beschrieben, 
ebenfalls ein Papierheft, ist eine Abschrift und trägt auf der ersten 
Seite die üeberschrift: „In diser Eronicken findet man zu 
Lesen wer Castell Stifter seien gewesen", auf der zweiten 
Seite: „Die Stifftung des Klosters Castel Alss Ich dass in den alten 
Salbücher gefunden hab Anno 152^^ Es ist gleichfalls ein Gedicht, 
umfasst eine kurze Vorrede, in welcher die Vergänglichkeit alles 
irdischen Lebens besprochen wird, und 8 Capitel, deren Inhalt 
folgender: Von Seelandt kam ein Herzog Ernst zum Kaiser Otto IL, 
dieser schenkte ihm den Nortwaldt in Niederbayern ; Erbauung der 
Burg Kastei, Nachkommen^ Herzog Ernst's, endlich Stiftung der 
Abtei Kastl durch Graf Friedrich und seine Gemahlin Bertha. 
Dass die Darstellung, wie auch die Üeberschrift angibt, sich werüg- 
stens in ihrer zweiten Hälfte eng an den Bericht der Salbücher 
anschliesst, ersehen wir u. a. aus den Worten des Verfassers, 
Folio 10b, „nach dem Salbuch ich das sag, dass zu PfafiTenhofen 
lag'^ - lieber den Schreiber der Chronik fehlt uns jeder Anhalts- 
punkt, wir ersehen nur aus dem Schluss, dass dieser am 25. Februar 
1521 fertig gestellt wurde. 

Akten eines vor dem Statthalter zu Zweibrücken anhängig 
gewesenen Ehescheidungsprozesses können wir füglich über- 



56 Schneiderwirth : 

gehen, ich erwähne sie nur, weil sie uns die Erklärung zu einigen 
anderen Schriftstücken geben, nämlich zu zwei Briefen Philipp 
Melanchthons, die mit noch einem dritten demselben Faszikel 
beigefügt sind. Da Schriften aus der Feder eines solchen Mannes 
stets in weiten Kreisen Aufmerksamkeit und Theilnahme erregen, 
mögen einige Bemerkungen über sie hier folgen. Sämmtliche drei 
Briefe liegen im Original vor; die zwei ersten sind in deutscher 
Sprache geschrieben und enthalten auf 6 resp. 5 Folioseiten Ant- 
worten auf die in erwähntem Prozesse von Belang erscheinenden 
Fragen. Datirt ist der letztere vom 12. November 1554. Das dritte 
Schreiben steht unabhängig von den vorigen da, trägt einen rein 
privaten Charakter und ist an den herzogl. bayer. Bath Ulrich 
Sikinger zu Amberg gerichtet; die Sprache ist die lateinische, das 
Datum: „die Novembri Lutheri 1554", d. i. der 10. November. 

Als ein nicht unwichtiger Beitrag zur Geschichte des 
Protestantismus, besonders in kirchenrechtlicher Hinsicht 
dürften die „Unterschiedlichen Matrimonialsachen" anzu- 
sehen sein; wir finden unter dieser Bezeichnung auf 120 Bl. Folio 
zunächst: „Allerhand schöne Oedanken des Wittenbergischen Con- 
sistorii in Matrimonialsachen", sodann f. 122 — 141 die „Constitution 
und Artikel des churfl. geistl. Consistorii zu Wittenberg in Sachsen 
anno 1542 aufgerichtet^^, endlich f. 142 — 160 die: „Lipsici Consistorii 
Decreta, Die Cellische Ordnung*'. Von beschränkter Bedeutung sind 
vier der Mitte des 16. Jahrhunderts angehörende lateinische Gedichte, 
von denen drei dem Magistrate der Stadt Nabburg, das vierte in 
lateinischer und griechischer Sprache dem Martin Oberdörfer, Pfarrer 
der Kirche zum hl. Maximilian bei Amberg gewidmet sind. 

Ein weiteres hier in Betracht kommendes Manuscript führt 
den Titel: Dies secularis Ducatus Neuburgici. Christliche 
Predigt von dem ersten Seculo oder hundertjärigen zeit dess hoch- 
löblichen Fürsten thumbs Neuburg, so vor eine Chronik desselben 
kann gehalten werden. Gehalten zu Neuburg a/D. in der fürstl. 
Hofkirche den 30. Juli a. D. 1605. Vier Hauptpunkte werden in 
dieser 39 Fol. BI. umfassenden „Predigt" besprochen: 1. Die Er- 
hebung Neuburgs zum Fürstenthum, 2. seine erste Geschichte als 
solches, 3. Einführung der Reformation, 4. Anfall an das Haus 
Pfalz-Zweibrücken. Was den Werth des Inhaltes anbelangt, so ver- 
hält es sich damit, wie mit den meisten derartigen Quellen: vieles 
Bekannte wird überliefert, aber unter ihm wird der einsichtige 



Aus der Manascriptensammlung des k. Kreisarchivs zu Amberg. 57 

Forscher immer noch hier und da ein bisher Hnaufgefundenes 
Körnchen Wahrheit entdecken. 

Von hervorragender Bedeutung insbesondere für die Ge- 
schichte der Oberpfalz ist der hintorlassene, unter den Bestän- 
den des Archivs aufbewahrte litterarische Nachlass des verstorbenen 
Professors Peter Josef Moritz zu Amberg; es sind neben kleineren 
Arbeiten speziell diplomatischen Charakters, wie sie durch die um- 
fangreiche Thätigkeit des Yerfassers zum Besten der Monumenta 
Boica hier und da hervorgerufen wurden, mitunter sehr ausgedehnte 
Vorarbeiten über die verschiedensten Themata aus der oberpfalzischen 
Geschichte, wobei namentlich die Rechtsgeschichte Berücksichtigung 
findet. Wir geben hier einen kurzen Ueberblick: 

Kritische Bemerkungen über die Stiftungsurkunde des Klosters 
Rott am Inn 1073. — Berichtigungen einiger histor.-genealog. Nach- 
richten aus der Reimchronik des Abt Hermann zu Gasteil ca. 1360. 
— Kurze Zusammenstellung der Gründe, welche beweisen können, 
dass die Burg, wovon sich die von 1100 — 1183 berühmten Grafen 
von Sulzbach schreiben, nur die oberpfälzische Stadt Sulzbach sein 
könne. — Beleuchtung eines Dokuments von 1138 des Klosters 
Waldsassen. — Vergleichung zweier Urkunden, welche über das 
oberp&lzische Foss lauten a. 1120 und a. 1212. — Bemerkungen 
über einen die Grafen von Sulzbach betreffenden Lehnsrevers 
Kaiser Friedrichs I von 1174. — Drei Sätze über eine Gräfin 
Sophie von Hirschberg und Sulzbach. — Soweit die zusammen- 
hängend verfassten Aufsätze, es folgen dann die noch unbearbeiteten 
Materialien über verschiedene Themata : M. (aterialien) über die Hof- 
marken und die Pfarrei Ober- und Unter-Ammerthal; 1 Convol. 
M. über das Pfarrdorf und die Hoftnark Troschenreuth ; 1 Fasz. 
Collektaneen zur Frage über die Mühlgilt der beiden Eckmühlen 
zu Türschenreuth ; 1 Fasz. Vollmachtsbriefe oberpfälzischer Land- 
sassen zu dem 1707 nach Amberg ausgeschriebenen Landtag 
(Copien); 1 Heft. Protokoll über den Landtag zu Amberg 1800; 
1 Heft. Collektaneen über Ambergische Messstiftungen, nebst Grund- 
riss der Martins-Pfarrkirche in Amberg; 1 Fasz. Excerpte aus Am- 
berger und Sulzbacher Spitalurkundeu ; 1 Fasz. Materialien zu 
einer Geschichte der oberpfalzischen Hofmarken ; 1 Fasz. Materialien 
zu einer historisch -geographischen Beschreibung des Landgerichts 
Eschenbach; 1 Fasz M. über Nabburg, Leuclitenberg und Wald- 
sassen; 1 Fasz. M. zu einer Geschichte der Stadt und des Amts 



58 Schneiderwirth : 

Eschenbach; l-Fasz. 2 Aktenprodukte, betreffend eine Recherche 
über das Schul- und Messnerhaus zu Wolfsbach de 1831 ; Plan 
über die Gegend zwischen Amberg und Nabburg; Gorrespondenz 
mit Pfarrer Weigl über die Geschichte von Hahnbach ; 1 Fasz. Aus- 
züge aus Herzogs Ludwig Salbuch für den Nordgau mit Bemerk- 
ungen; 1 Fasz. Ambergensia, Hohenburgensia, Hanbacensia; Ur- 
kundenauszüe von 1210, 1264 — 1772; 1 Conv. Ensdorfensia, ubi 
geographica et historica Friderici soceri Ottonis de Wittelspach, 
mit geographisch-antiquarischen Notizen über die Stiftungsgüter des 
ehemaligen Klosters Ensdorf ; 1 Fasz. Excerpte aus dem Nekrolog des 
Schottenklosters in Regensburg und aus den Verhandlungen des 
Klosters Ensdorf wegen Tausches der Pfarreien Vilshofen und 
Püttersberg; 1 Heft. Terzeichniss oberpfälzischer Prälaten, Land- 
sassen, Städte und Märkte ; 1 Heft. Copie oberpfalzischer Regierungs- 
erlasse wegen Landesverweisung der Juden de 1554. 

Von Balth. Hiltl, churfürstl. Landes -Direktions -Sekretär zu 
Amberg, ist uns ein 1802 verfasster Aufsatz, 50 Bl. Fol., überliefert, 
der den Titel führt: Abhandlung über Oberpfälzisches Berg- 
und Hüttenwesen in Hinsicht auf den daraus entspringenden 
Hauptreichthum des Landes. In eingehender Weise werden von 
dem Autor vornehmlich folgende Punkte erörtert: Vor Zeiten be- 
stand der Hauptreichthum der oberen Pfalz im Berg- und Hütten- 
wesen, verschiedene Ursachen führten darauf einen fast allseitigen 
Verfall herbei, so dass zur Zeit des Verfassers dieser Industrie- 
zweig traurig darniederlag. Welche Mittel sind nun zu ergreifen, 
um in dieser Hinsicht einen fordernden Aufschwung zu bewirken? 

Das letzte bedeutsamere Produkt, welches hier zu erwähnen, 
ist ein 328 halbbrüchig geschriebene Folioblätter umfassender Papier- 
band, dessen Aufschrift: Chronicon Nordgaviense darinnen 
insonderheit der fürstlich pfalzgraflichen Residenzstadt Sulzbach 
und des vornehmen Klosters Castell Beschreibung etc. zu finden. 
Von einer anderen Hand ist die Bemerkung dazu geschrieben : Der 
Vermuthung nach vom ehemal. geheimen Referendar Grafen von 
Bettschart Das Werk ist weniger Chronik als eine umfangreiche 
Sammlung von Auszügen, unzusammenhängend und aus mannigfachen 
Quellen herübergenommen, so ist namentlich die Chronik eines 
ehemals protestantischen Geistlichen zu Sulzbach, Namens Johann 
Braun mehrfach benutzt. Ein näheres Eingehen auf den reich- 
haltigen Inhalt würde .uns hier zu weit führen, wir beschränken 



Aus der Manuscriptensammlung des k. Kreisarchivs zu Amberg. 59 

uns daher auf die Erwähnung der Hauptabschnitte. Da finden wir 
eine Beschreibung des Landgerichts Sulzbach, einen Bericht über 
die Erbauung des fürstlichen Schlosses, ein ausführliches „Verzeichniss 
säromtlicher Malefiz -Kosten, wie solche bis auf weitere gnädigste 
Verordnung von sämmtlichen Sulzbachischen Oberämtern zu be- 
stimmen sind^S einen Aufsatz über die Grabschriften und alten 
Monumente im Kloster Castell etc. Umfangreich, aber von geringerem 
historischen Werth sind die unter der Bezeichnung „Regensburger 
Alterthümer'* aufbewahrten handschriftlichen Materialien: Kegesten, 
Notizen über die Begensburger Bischöfe von den ältesten Zeiten 
bis Albert IV. 1613—1649, Berichte über die Synoden zu Regens- 
burg 1330 und 1465. Der Autor der Sammlung, die jedenfalls 
eine Vorarbeit einer Geschichte des Bisthums, ist der Pater Markus 
Hansizius. 

Soweit unser Bericht, der nur, wie schon angedeutet, einen 
Theil des an angegebenem Orte aufbewahrten Materials bespricht. 
Sollte durch ihn hier und da ein Freund vaterländischer Geschichte 
zu weiteren Studien veranlasst werden, so haben wir unseren Zweck 
voll erreicht. 



IV. Ueber Archive und Bibliotheken, 

VOD 

Dr. Julius von Pflugk-Harttung, Professor an der Universität 

Tübingen. 



Bei meinem diesjährigen Aufenthalte in JUünchen legte der 
Herausgeber der Archivalischen Zeitschrift Werth darauf, dass ich 
die auf meinen wissenschaftlichen Reisen in Archiven und Biblio- 
theken gemachten Beobachtungen zusammen stelle. Obwohl mit 
Arbeiten überhäuft, willfahre ich dennoch gerne dem Wunsche, 
dabei auf die Nachsicht des kundigen Lesers hofiend. Meine Er- 
fahrungen sind eben nur im Sammeln älterer Papsturkunden be- 
gründet, nur mit Rücksicht auf sie kann ich reden und wage es 
zu thun, ohne mir zu schmeicheln, dass ich überall richtig gesehen. 
Wer weiss, dass ich irre, möge mich berichtigen. Wer sich für 
Weiteres interessirt, muss Specialliteratur zu Rathe ziehen. 

OfiPicielle Erlasse, solche, die sich aus dem Gange des Staats-, 
Qesellschafts- und Privatlebens ergaben oder dafür bestimmt waren, 
pflegen Archiven überwiesen zu sein, während gedruckte Bücher 
und literarische Privatarbeiten in Bibliotheken aufbewahrt werden J) 
Doch ist dies nicht immer streng durchgeführt, zumal in kleineren 



>} G. Richou spricht sich in seinem trefiOichen Trait^ des archives 
publiques (Paris 1883) p. 3 dahin aus: On d^signe sous le nom d'archives les 
d^pöts de titres et de pi^ces de toute nature pouvant, ä un degr^ quelconque, 
int^resser les droits des Etablissements publics et des particuliers. On donne 
ögalement le nom d'archives ä l'ensemble des documents conservEs et au local 
qui les renferme. Les familles, les Etablissements privEs peuvent, comme les 
administrations publiques, en rEunissant leurs titres et papiers particuliers, se 
constituer de väritables archives. Mais d'une fa^on gEnErale, le terme d'archives 
sert k dEsigner un dEp6t etabli par l'autoritE publique en vue de conserver 
des actes authentiques : dipl6mes ou chartes, sentences judiciaires, documents 
administrativ, correspondances offidelles, minutes de oontrats, donations, testa- 
ments, etc. 



V. Pflugk- Harttang: lieber Archive und Bibliotheken. 61 

Orten finden sich Archiv und Bibliothek bisweilen verbanden, oder 
es wurden auch Urkunden in Bibliotheken und Museen niedergelegt 
und gesammelt, während man andererseits reichere Archive zur 
leichteren Benutzung mit einer Bibliothek ausstattete. Dass Codices 
literarischen Inhaltes in Archiven aufgestellt wurden, erweist sich 
als verhältnissmässig selten ; dieser Yortheil pflegt den Bibliotheken 
zuzufallen, den als besser dotirten und mehr innerhalb des praktischen 
Lebens stehenden Anstalten, i) Mitunter gaben Archive nur Pracht- 
und Prunkstücke an Bibliotheken ab. Viele der bedeutenderen 
haben solche aufzuweisen: die grösste Papyrusurkunde, welche 
existirt, die Benedicts III für Gorbie, wird nicht im Archive, sondern 
in der Bibliothek zu Amiens gezeigt, die Johanns XYIII für Isernia 
in der Bibliothek zu Bergamo, die Johanns XV in der zu Dijon. 

Bisweilen stellte sich eine Bibliothek zur Aufgabe: neben 
Büchern und literarischen Manuscripten auch Originalurkunden zu 
erwerben, gleichviel, ob sie sich auf die nähere Umgebung oder 
auf weitere Ferne beziehen, Das hervorragendste Beispiel dieser 
Art bietet die Nationalbibliothek zu Paris, ferner das British Museum 
zu London, die Nationalbibliothek zu Madrid, die Ambrosiana zu 
Mailand, die Marciana zu Venedig, die Universitätsbibliothek in 
Heidelberg u. a. Etwas Gewöhnliches ist es, dass sich Ghartulare 
auf einer Bibliothek befinden, wo in erster Linie wieder die National- 
bibliothek zu Paris genannt werden muss, deren kolossale Fonds 
stetig dadurch anschwellen, dass die Bibliothekare Ghartulare der 
Provinz abzuschreiben und einzureihen haben. Eine gedruckte 
Uebersicht, nach Ortschaften gesichtet, hat Ulipse Robert heraus- 
gegeben. Der französischen Anstalt zur Seite steht die Vaticana 
zu Rom, ferner die meisten grösseren Bibliotheken Frankreichs, fast 
alle grösseren Italiens, einige Englands und wenige Deutschlands, 
z. B. die von Metz, Hannover, München. Ist ein wirkliches Archiv 
mit einer Bibliothek verbunden, so pflegt es gewöhnlich ein Stadt- 
Archiv zu sein, wie in Tiier, Reims, S. Simignans etc., selten ein 
Stadt- und Landesarchiv, wie in Verona. Wir sehen, lokale Be- 
dürfnisse und historische Thatsachen äusserten ihre Wirkung; am 
besten ist die Scheidung in Deutschland durchgeführt. 

Wenden wir uns zunächst den eigentlichen Bibliotheken zu. 
Ihre Bestandtheile können sein: Bücher und Manuscripte, nur 



«) Vgl. Archiv. Zeitschr. VI 316. I 53—55. 



62 ^' Pflugk'Harttung: 

Bücher oder nur Manuscripte, bezw. letztere so überwiegend, dass 
die Druckwerke dagegen nicht in Betracht kommen. 

Der deutschen Bibliotheken Werth beruht wesentlich im ge- 
druckten Materiale; Manuscripte kommen erst in zweiter Linie in 
Betracht, fehlen ganz oder doch nahezu ganz. Als grösste Biblio- 
theken dürften die Berliner, Münchener, und die Göttinger zu gelten 
haben. Reich an Manuscripten sind München, Berlin, Heidelberg, 
Wolfenbüttel u. a. Jeder bedeutendere Staat pflegt in seiner 
Hauptstadt eine gute Staatsbibliothek zu besitzen, jede Universität 
mit einer guten Universitätsbibliothek ausgestattet zu sein; die 
Zahl derartiger Sammlungen mehr oder weniger ersten Ranges ist 
weit beträchtlicher als in irgend einem Nachbarlande. Dazu kommen 
Fachbibliotheken, wie z. B. die Commerzbibliothek in Hamburg für 
geographische Werke, juristische, theologische (für geistliche An- 
stalten), philologische (für Gymnasien), medicinische (für grössere 
Krankeninstitute) etc. und ferner kleinere Stadt- und Volks- und 
schliesslich gar Leihbibliotheken. Zu solchen in grösserem oder 
geringerem Umfange öffentlichen Bibliotheken gesellen sich die von 
Privaten, unter denen diejenigen von regierenden Häuptern und 
bedeutenden Gelehrten am hervorragendsten sind. Wir sehen, das 
Bücherwesen ist im deutschen Reich stark ausgebildet und wesent- 
lich in grossen Sammlungen concentrirt. 

In Oesterreich verhält es sich ziemlich ähnlich; die Wiener 
Bibliothek übertrifFk alle übrigen an Bücher- und Handschriftenzahl. 
Anders schon in England und Frankreich, wo weniger scharf zwischen 
Druckwerken und Manuscripten geschieden wird und letztere sich 
stärker vordrängen. Sowohl in der Pariser Nationalbibliothek, als 
auch im British Museum kann man zweifelhaft sein, wem man 
die Palme ertheilen soll, dem Druck oder der Handschrift. Und 
nicht viel anders verhält es sich ausserhalb der grossen Städte. 
In England sind meines Wissens mit fast allen grösseren öffentlichen 
Bibliotheken Manuscriptsammlungen verbunden, in einigen Privat- 
händen befinden sich solche von höchstem Werthe. In Frankreich 
besitzen namentlich die bedeutenden Provinzialstädte auch grössere 
Bibliotheken, bisweilen deren mehrere, doch lässt sich bezweifeln, 
ob auch nur eine von ihnen den Vergleich mit unseren besseren 
Universitäts - und Staatsbibliotheken besteht. In Nordfrankreich, 
zumal in Ronen, sind neben französischen fast nur englische, in 
Südfrankreich neben jenen etwa italienische und spanische Werke 



lieber Archive and Bibliotheken. 63 

vertreten und stets in beschränkter Zahl. Eigentlich universal kann 
wohl nur die Nationalbibliothek zu Paris genannt werden. Frank- 
reich steht hier weit hinter Deutschland zurück; ebenso in der 
Anzahl seiner Bibliotheken, denn manche, selbst solche von Departe- 
mentalstädten sind so unbedeutend und enthalten so verlegene 
Waare, dass man fast lächeln muss. 

In Italien endlich befinden sich reine Manuscriptenbibliotheken, 
oder doch solche, deren eigentlicher Werth in den Handschriften 
beruht: die Yaticana, die Ambrosiana, die Laurentiana, die Capitel- 
bibliothek zu Lucca etc. Daneben giebt es bedeutende Buchbiblio- 
theken, mit denen allerdings immer Handschriften verbunden zu 
sein pflegen, z. B. die Nationalbibliotheken zu Rom, Neapel, Florenz 
und Turin, die Brera in Mailand etc. In Genua ist eine gute 
Stadtbibliothek, in den Universitätsorten Universitätsbibliotheken. 
Gesammelt ist im Ganzen universeller als in Frankreich, die grösseren 
Anstalten dürften den entsprechenden französischen wenigstens 
gleichwerthig sein, die Universitätsbibliotheken aber ausnahmclos 
die deutschen nicht erreichen. Wie den Italienern die scharfe 
Scheidung zwischen Manuscript und Druckwerk nicht eigen zu sein 
pflegt, so fehlt auch die zwischen veraltetem und modern brauch- 
barem Buche etwas. Mir wurden namentlich in kleineren Städten 
mit Stolz Bibliotheken von nicht unbedeutender Bändezahl gezeigt, 
wovon mir auch nicht ein einziges Stück dem 19. Jahrhunderte 
anzugehören schien und doch hatten erst ganz neuerdings Ankäufe 
stattgefunden. Der eigentliche wissenschaftliche Sinn, das strenge 
Sondern von wissenschaftlicher und Unterhaltungslectüre, das wir 
in Deutschland ziemlich überall finden, schien mir in Frankreich 
und Italien nur geschulteren Beamten eigen zu sein. 

Grundverschieden ist das Benutzungssystem in Deutschland 
und den romanischen Ländern, da werden Bücher von der Bibliothek 
an Private verliehen, in romanischen Ländern müssen sie an Ort 
und Stelle eingesehen werden. Indem ein Gelehrter in Deutschland 
das Lesezimmer der Bibliothek nur subsidiär aufzusuchen braucht, 
kann er sich die für ihn nöthigen Bücher ohne besondere Schwierig- 
keit an der Hand der Bibliothekskataloge sammeln, in seine Wohnung 
schaffen lassen und sie hier wie Privateigenthum ohne Zeitverlust 
verarbeiten. Anders der Gelehrte der romanischen Länder; für 
jedes Citat muss er die Bibliothek aufsuchen. Daraus ergeben sich 
ihm zwei Dinge: 1) dass die Bibliothekslesezimmer wichtiger wer- 



64 V. Pflugk-Harttung: 

den, und 2) dass er sich möglichst durch eine Privatbüchersamm- 
lung helfen muss. Zumal in den Nachmittagsstunden pflegen die 
Lesezimmer in den Bibliotheken grösserer, oder geistig wichtigerer 
Städte überfüllt zu sein, das Kommen und Gehen der Benutzer, 
das Bringen und Holen der Beamten verursacht yiel Bewegung. 
Diejenigen, welche auf Bücher warten, ziehen die Zeitung hervor 
und lesen oder beginnen lebhafte Oespräche mit ihren Nachbarn; 
Männer und Frauen sitzen in Frankreich bunt durcheinander; 
wenn es kalt wird retirirt sich mancher in die warmen Räume 
und schlägt dort seine Zeit todt, wie in einem Kaffeehause. Das 
Bedürfniss veranlasst verlängerte Benutzuugszeit, zumal öffentliche 
Abendstunden ; die Stadtbibliothek in Qenua ist von morgens 9 bis 
abends 10 Uhr und des Sonntags bis 3 Uhr nachmittags zugänglich. 
An den Winterabenden ist es dort so voll, dass man kaum einen 
Platz bekommt und dennoch arbeitet fast kein einziger Besucher. 
Die Leutchen lesen einen Roman oder schlafen sanft und «elig bei 
einem gelehrten Werke ein. Darf in Deutschland jeder die öffent- 
lichen Bibliotheken halbwegs als sein eigen ansehen, so kann er 
seinen Bedarf in romanischen Ländern nur durch Privatmittel, 
durch ihm gehörige Büchersammlungen decken, woraus sich von 
selber erklärt, weshalb in Deutschland zwar mehr Bücher geschrieben, 
aber weniger gekauft werden als in Frankreich. Die Bibliotheks- 
verhältnisse erschweren hier grosse, auf zahlreichem Materiale 
beruhende Arbeiten äusserst, ja legen sie bisweilen nahezu lahm, 
nöthigen, an die Stelle des ruhigen, concentrirten Arbeitens Zeit- 
verlust auf Zeitverlust zu häufen. So kommt es, dass man in 
Frankreich umfassende Werke eigentlich nur in Paris zusammen- 
stellen kann, weil nur die Nationalbibliothek völlig genügt, und in 
Paris doch wieder nicht, weil man bei der starken Benutzung der 
Bibliothek oft genöthigt wird, eine halbe Stunde und noch länger 
zu warten, bis das verlangte Buch verabfolgt werden kann, und 
wehe, wenn sich daraus neue Nachschlagecitate ergeben, da muss 
wieder und wieder gewartet werden. Die gleichen Dinge erfordern 
in romanischen Ländern bisweilen die zehnfache Zeit als in deut- 
schen, ein Hauptgrund, weshalb dort Materialfülle häufig geringer 
zu beschaffen ist. Befindet sich das Lesezimmer in dem Bücher- 
raume selbst, was nicht selten der Fall, und kennt man die Beamten 
und weiss das Material zu finden, so ist natürlich manches verein- 
facht. Wie in romanischen Ländern keine Bücher ausgeliehen werden. 



lieber Archive und Bibliotheken. 65 

SO principiell auch keine Manuscripte, doch ist hier wichtig, dass 
man zwischen beiden Arten nicht unbedingt sondert, woraus sich 
erklärt, dass man mit Manuscripten bisweilen liberaler umgeht als 
in Deutschland. Bürgt in Paris eine auswärtige Gesandtschaft, so 
darf der Gelehrte Manuscripte mit nach Hause nehmen und unter 
ähnlichen Umständen wird auch in's Ausland verschickt. In Italien 
sind solche Sendungen durchaus verpönt, und doch kann man durch 
das italienische Ministerium und die italienische Botschaft selbst 
werthvoUe Stücke unter Umständen bekommen, wie ich z. B. auf 
diese Weise den wichtigen Turiner Kanonkodex monatelang auf 
meinem Zimmer in Tübingen hatte. 

Als Gesanmitergebniss dürfte feststehen : Deutschland hat mehr 
und reichere öffentliche Bibliotheken, wie die romanischen Länder, 
es hat ein besseres Benutzungssystem und, beides vereinigt, bildet 
gutentheils den Untergrund der augenblicklich überlegenen deutschen 
Wissenschaft. 

Gehen wir zu den Archiven über. Ihr Werth pflegt in Ur- 
kunden zu bestehen. Ziemlich in allen bedeutenderen Archiven 
werden diese gefaltet aufbewahrt, in Kästen gepackt oder in Bündel 
zusammengeschnürt, nur in ganz ungeordneten Archiven, wie im 
erzbischöfljchen Archive zu Siena fand ich sie in Säcken, in dem 
Municipalarchive zu Trevi in Kisten durcheinander. Selten findet 
man die Urkunden gerollt oder ganz ausgebreitet, dann gewöhnlich 
in Schubladen liegend. Die Faltung dürfte die meisten Vortheile 
bieten, weil dadurch die ursprüngliche Versendungsart beibehalten, 
weil an Raum gespart und viele gerade Flächen gebildet sind. Der 
Nachtheil liegt in den Brüchen. Das Rollen zeigt den Uebelstand, 
dass das Pergament überall gerundet wird und dadurch der feine 
innere Kreideüberzug, auf dem ein guter Theil der Schrift haftet, 
zahllose kleine Brüche erhält und in Folge dessen leichter abbröckelt, 
oder sich leichter bei Feuchtigkeit zersetzt. Durch Ausbreiten wird 
die Uebersicht erschwert und wegen der durchweg vorstehenden 
ursprünglichen Brüche viel Raum erfordert, ähnlich wie beim Rollen. 
Handlich erweist sich ein geschicktes Vereinigen in Folianten, was 
jedoch bedeutende Kosten verursacht. 

Die Archive zerfallen in öffentliche und Privatarchive. Die 
öffentlichen führen bisweilen den Namen „geheime^' und sind Be- 
hörden unterstellt, also Staats- und Stadtarchive. Die Privatarchive 
befinden sich in Händen Einzelner oder einer Gonossonschaft. Ver- 

Archivalische ZeiiBchria X. 5 



65 V. Pfiugk-Harttung: 

möge der Säkularisationen sind in Deutschland und Frankreich die 
Hauptmassen alter Dokumente in den Staatsarchiven zusammen- 
gezogen, in Italien, Oesterreich und der Schweiz treten Privatarchive, 
zumal geistliche, stärker konkurrirend hervor. In Italien wurden 
die Klöster aufgehoben und deren ürkundenbestände den Staats- 
archiven überwiesen, nur einige hervorragende Benedictinerstiftungen 
blieben als Nationaldenkmäler bestehen: Monte Gassino, La Cava, 
S. Pietro di Perugia, Certosa di Calci (bei Pisa), Gasamari bei Veroli 
und sonstige. Andere, wie Nonantola, sind jetzt Priesterseminare. 
All' diese auserwählten Institute behielten ihre Archive unter 
staatlicher Controle, die allerdings lose gehandhabt wird. Von 
der Regierung unberührt blieben die Weltgeistlichen; nur durch 
gewisse, bisweilen zufallige, Umstände gelangten ihre Archivalien 
ganz oder theilweise in den Besitz des Staates; so befinden sich 
z. B. die Urkunden des Domkapitels von Pistoja und der grössere 
Theil derer von CoUe im Staatsarchive zu Florenz , solche .Piemon- 
tesischer Bisthümer in Turin etc. In Oesterreich sind meines Wissens 
die bischöflichen und ein Theil der Kloster- und Kirchenarchive 
eingezogen, ein nicht unbedeutender Theil der letzteren blieb aber 
bestehen und bietet reiches Material. Aehnlich liegen die Dinge 
in der Schweiz, wenigstens auf katholischer Seite, während die 
Evangelischen weniger rücksichtsvoll mit den Stiftern umgingen 
und in ihren Kantonsarchiven centralisirten. Als wichtigere geist- 
liche Archive der Schweiz sind die von St. Gallen, Einsiedeln, 
Engelberg und Ghur zu nennen. 

In Deutschland überwiegen durchaus die Staatsarchive. 
Innerhalb der grösstmöglichen oder einer grösseren Bevölkerungs- 
gruppe, im Staate oder in der Provinz, wurde centralisirt. Die Mittel- 
und Kleinstaaten haben ihr Archiv in der Hauptstadt, ausser Braun- 
schweig, wo es sich in Wolfenbüttel befindet. Bayern, als Staat 
das grösste Gebiet, besitzt im Beichsarchive zu München auch für 
ältere Urkunden das reichste Archiv, ja vielleicht das reichste 
Archiv der Welt. Um jedoch nicht zu stark auf einem Punkte zu 
vereinigen und durch Uebermass unbeweglich zu machen, wurden 
in Bayern nur die Urkunden vor 1400 an die Gentralstelle abge- 
liefert, während die jüngeren in den Archiven blieben, die sich in 
den Hauptstädten der Kreise befinden. Preussen ist zu gross für ein 
ähnliches System; es verlegte sein archivalisches Leben in die ein- 
zelnen Provinzen, meistens in die Provinzialhauptstädte, doch so, 



Ueber Archive und Bibliotheken. 67 

dass die Rheinlande in Coblenz und Düsseldorf zwei Archive 
erhielten, die drei Archive Hannovers (Hannover, Osnabrück und, 
Äurich) in den preussischen Verband herübergenommen und die 
Generalleitung des Ganzen im Directorium der kgl. preussischen 
Staatsarchive zu Berlin vereinigt wurde. Den Inhalt der Archive 
bilden die Urkunden geistlicher und weltlicher Institute: der Bis- 
thümer, Klöster, Kapitel, StÄdte, adliger Familien etc. und mit 
wachsender Wichtigkeit: Acten* und Erlasse der Staatsbehörden und 
depossedirten oder noch regierenden Landeshoheiten. 

Neben den Staatsarchiven treten die zahlreichen Stadtarchive 
in den Vordergrund, wie sie sich in den wichtigeren, selbst aber 
auch in unbedeutenden Communen, zumal Preussens, erhielten. 
In den Mittelstaaten haben diese Archive durch das straffer 
angespannte Centralsystem stark gelitten; in Bayern sind an ihre 
Stelle zum grossen Theil die Kreisarchive getreten, die sich räumlich 
zugleich auf die Provinz erstrecken. In Sachsen, Württemberg und 
Baden wurde das Wesentliche in das Hauptstaatsarchiv abgeführt, 
so dass nur noch einige Stadtarchive, wie die von Freiburg, Kon- 
stanz, Villingen, I^eipzig^ Zwickau, Ulm, Esslingen etc. ein mehr 
oder weniger dürftiges Dasein fristen. Anders in Preussen, wo 
sich ^reiche Communalarchive befinden, so in Köln, Dortmund, 
Frankfurt, Goslar etc. Ihr Hauptreichthum für älteste Zeit besteht 
gewöhnlich in den Kirchen- oder Stiftsurkunden des Ortes. 

Durchweg jüngeren Datums sind die mancher Standesherren: 
das Löwenstein- Wertheimische Archiv, das fürstlich Leiningen 'sehe 
das fürstlich Schwarzenbergische, das freiherrlich Dalbergische etc. 
Als das bedeutendste dieser Art dürfte das fürstlich Fürstenbergische 
zu Donaueschingen hervorragen, und auch das fürstlich HohenzoUer- 
sche Haus- und Domänenarchiv zu Sigmaringen ist hieher zu zählen, 
dessen Bestände bis in das 11. Jahrhundert zurückreichen. 

Noch mehr hintan stehen die geistlichen Archive, von denen 
mir für ältere Zeit nur das Kapitelarchiv von Naumburg als er- 
giebig bekannt geworden, dem das bischöfliche von Freiburg bei- 
zugesellen ist. Sonst sind zu nennen das Archiv zu Lichtenthai, 
AschafFenburg, Würzburg, Merseburg, Bautzen u. a. Auch in 
einigen Spitalarcliiven reichen die Urkunden nocii bis in's 14. Jahr- 
hundert, wie zu Aub und Tübingen. Wichtigere Sammlungen älterer 
Urkunden in Händen von Privaten sind selten, beachtenswerthe 

Stücke aus dem Kloster Springorsbach besitzt Herr H. W. Fier 

5* 



§8 V. Pflugk-Harttung: 

in Zell an der Mosel, solche aus dem Kloster Hadmersleben Herr 
Amtsrath Strauss in Hadmersleben, die grosse Sammlung Morbios 
aus Mailand befindet sich augenblicklich in München. Das ger- 
manische Museum in Nürnberg enthält eine Urkundenabtheilung 
und ebenso der diplomatische Apparat in Göttingen etc. 

Die Aufbewahrung der Diplome geschah und geschieht in 
Deutschland mit grosser Sorgfalt, ich glaube fast mit grösserer 
als irgendwo anders: die Schriftstücke sind durchweg gut und in 
grosser Zahl erhalten, die Siegel verhältnissmässig selten zerbrochen 
oder abgetrennt. Am ungünstigsten scheint es mit den Materialien 
der pfälzischen und rheinhessischen Lande einer- und württembergischer 
andererseits zu stehen, dort räumten die Horden Ludwigs XIV, hier 
die der Bauern und der Soldaten des 30jährigen Krieges auf. Als 
schwersten Nachtheil für die deutsche Geschichte muss der Verlust 
des alten Mainzer Archives gelten. An Beichthum älterer Urkunden 
dürften dem Münchener Beichsarchive am nächsten stehen die von 
Coblenz, Karlsruhe, Marburg und Düsseldorf. HannoTcr und Münster 
(jetzt Berlin) besitzen je eine Papyriisurkunde, Wolfenbüttel das 
prächtige Purpuroriginal Otto's H. für Theophano. 

Erlaubniss zur Benutzung der Staatsarchive ertheilen die 
betreffenden Directoren, die darin äusserst liberal zu verfahren 
pflegen, wenn nicht besondere Gründe zur Beanstandung vorliegen. 
In Preussen erfolgt die Genehmigung in der Begel auf Anfrage 
bei dem Archive, dessen Schätze man benutzen will. Die Eingabe 
ist überall schriftlich vorzulegen. Bei den meisten Staatsarchiven 
geht das Entgegenkommen so weit, dass die Acten versendet werden, 
in der Begel an eine Staatsanstalt in dem Orte des Benutzers, 
gewöhnlich an die Bibliothek. Nur wenige Staatsarchive halten 
noch an unbedingter Bearbeitung in loco fest, wie Dresden und 
Zerbst, ebenso das k. k. Staatsarchiv in Wien, doch ist man auch hier 
mit Abschriften und Pausen durchaus freigebig. Wo und wenn 
es sich einrichten lässt, erhält der Forscher bisweilen auch die 
Erlaubniss ausserhalb der eigentlichen Geschäftsstunden zu arbeiten. 
Die Beamten sind ziemlich ausnahmelos kundige Männer, die, selber 
wissenschaftlich geschult und wissenschaftlich arbeitend, sich voll 
Verständniss für wissenschaftliche Ziele bewähren. Das gleiche 
gilt bezüglich der besseren Stadtarchive; der Umstand, dass 
unsere Universitäten eine grosse Zahl von Historikern pro- 
duciren, ermöglicht, die Stellen der Stadtarchivare mit trefflichen 



lieber Archive und Bibliotheken. 69 

Kräften zu besetzen, die ihren Kollegen in den Nachbarländern 
durchweg überlegen erscheinen. Sofern ich mit Stadtarchiven zu 
thun hatte, haben sie mir das Material geschickt, ebenso das Kapitel- 
archiv in Naumburg. Am meisten Schwierigkeiten findet der Forscher 
nicht selten bei Privaten, die den Werth ihrer Schätze überschätzen. 
Die Repertorisirung erweist sich für ältere Zeit fast überall genügend, 
bisweilen sogar vortreflfhch. Verschiedenen Ortes wird an neuen 
Repertorien, soweit ich absah an Zettelkatalogen, gearbeitet. An 
gedruckten Inhaltsverzeichnissen steht Deutschland weit hinter Frank- 
reich zurück. Während dies mehr beamtenmässig verfahrt, geht 
man in Deutschland mehr gelehrt vor: statt der Kataloge veröffent- 
lichen wir ßegestenwerke und ürkundenbücher. 

Frankreich besitzt eine nach festen Gesichtspunkten durch- 
geführte Archivordnung. Das Pariser Nationalarchiv gehört zum 
Ministerium des öfTentlichon Unterrichtes, wie die der Departements, 
welche noch bis vor Kurzem dem des Innern unterstellt waren, 
erst durch Dekret vom 21. März 1884 ebenfalls dem des öffentlichen 
Unterrichtes zugetheilt worden sind. In diesem besteht eine eigene 
Oberaufsichtsbehörde für die betreffenden Archive, welche die tech- 
nische Gesammtleitung ausübt und als kontrolirendo Organe vier 
Generalinspectoren besitzt, die sich durch jährliche Reisen an Ort 
und Stelle unterrichten, die die Thätigkeit der Beamten und den 
Zustand des Materiales prüfen. Sie sind zugleich mit der Inspection 
der Bibliotheken betraut. 

Das Nationalarchiv ist nicht Centralarchiv wie das Münchener, 
sondern es enthält für die ältere Zeit nur die allerdings ungewöhnlich 
zahlreichen Urkunden von Paris und Umgegend, zumal die des 
wichtigen St. Denis de France. Was sich dort sonst noch findet, 
ist mehr zufällig und unter besonderen Umständen eingereiht, als 
dass es principiell niedergelegt wäre. In neuester Zeit werden alle 
Documente von öffentlichem Interesse dorthin abgeliefert. Dem 
Publikum wird eine gewisse Einsicht in die Schätze des National- 
archivs durch eine permanente Ausstellung von Musterstücken ge- 
währt. Ihm zur Seite stehen noch eine Reihe anderer Archive: die 
der Ministerien des Kriegs^), des auswärtigen Amtes, der Marine 
und Colonien etc. 



^J Das Archiv der Finanzen ist während des Ck)mmaneaa&tandes 1871 
verbrannt. 



70' V. Fflugk-Harttung: 

Die Staats- und Gentralarchive auf dem platten Lande sind 
die der Departements, welche an räumlicher Ausdehnung ihrer 
Bezirke wesentlich hinter den preussischen Provinzialarchiven zurück- 
stehen und schon desshalb ihrer Mehrzahl nach weniger reichhaltig 
sind. Dafür ist ihre Zahl weit überlegen, sie entspricht der der 
Departements. Das Departementalarchiv befindet sich in der De- 
partementalhauptstadt, oft im Gebäude der Präfectur, bisweilen, wie 
in Lille, Besan9on, Evreux, Troyes u. s. w. in eigenen schönen 
Musterbauten. An der Spitze eines jeden befindet sich ein Archiv- 
vorstand, der durchweg den Titel eines „archiviste du döpartement" 
führt. Die Oberbehörden der Departements, die Präfecten, erstrecken 
ihre Befugnisse auch auf ihn: sie stellen ihn an, besolden ihn und 
haben für die Ausführung der von Paris erlassenen Archivordnungen 
zu sorgen. Dem Minister steht es zu, seine Ernennung zu sanctio- 
niren. Der Departementsarchivar ist also nicht Staatsarchivar in 
deutschem Sinne sondern Departementsbeamter. 

Alle jene Archive sind nach gleichem Schema eingerichtet 
und werden von gleich geschulten Beamten verwaltet, was den 
grossen Vortheil bietet, dass die verschiedensten Beamten sich 
mit leichter Mühe in jedem Archive zurechtfinden. Die grosse 
Masse des Materials wurde in eine Civil- und eine geistliche Ab- 
theilung zerlegt, jede wieder mit Unterabtheilungen, als Grenze das 
Jahr 1790 gesetzt, bis wohin auch absolut freie Benutzung zu- 
gelassen ist. 

Das Dekret vom 2. November 1789 hatte die geistlichen 
Güter Frankreichs zur Disposition der Nation gestellt, am 17. Juli 
1792 wurde das Gesetz über die Einziehung der Emigrantengüter, 
am 17. September 1793 das über die Deportirten erlassen. Damit 
waren die Quellen eröffnet, aus deren Zusammenfluss der Bestand 
der Departementalarchive erwuchs. Sie selber wurden am 26. October 
1796 durch das Gesetz geschaffen: Die Centralbehörden der Departe- 
ments sollen im Hauptorte desselben alle Schriftstücke vereinigen, 
welche von den Depots abhängen, die der Republik gehören. Dem- 
nach deckt sich der Inhalt dieser Institute mit dem der deutschen. 
Für die ältere Zeit umfasst er wesentlich die Urkunden der geist- 
lichen Stifter, wie sie aus den Wogen der französischen Revolution 
gerettet wurden. Leider tobten dieselben gerade gegen die hervor- 
ragendsten Orte am stärksten, so dass die Materialien der wichtigsten 
Klöster, wie Cluny, Giteaux, Pr6montr6 etc., und die besonders 



Ueber Archive und Bibliotheken. 71 

angesehener Bisthümer, wie Paris, Bouen, Laon, Sens etc. schwer 
gelitten haben, bisweilen nahezu untergegangen sind. Hass gegen 
die Zeugen einer reichen Vergangenheit, Unterschlagungen, Nach- 
lässigkeit und das Bedürfniss nach Patronen wirkten zusammen. 
Dann kam die Restauration und mit ihr zog ein fast krankhaftes 
antiquarisches Interesse ein, welches bisweilen nicht minder ver- 
derblich als das Gegentheil wirkte. Hatte man früher die Urkunden 
kaum vor der Zerstörungswuth zu retten vermocht, so musste man 
sie jetzt vor der Sammelwuth wahren; zumal auf die Siegel war 
es abgesehen, sie wurden, so weit sie leichter abtrennbar waren, 
gnadelos den Documenten genommen. Die Erhaltung der Siegel 
in Frankreich und Italien einer- und in Deutschland andererseits 
ist eine durchaus verschiedene. Bei weitem am schlimmsten steht 
es in dieser Hinsicht mit Frankreich. Den geistlichen Fonds zur 
Seite sind als historisch wichtigste alte Bestände diejenigen grosser 
Territorialherren zu nennen, wie der Grafen von Flandern in Lille, 
der Herzöge von Burgund in Dijon etc. 

Die Aufbewahrung der Schriftstücke ist durchweg gut, am 
wenigsten genügend fand ich sie in Chaumont. Die Bepertorisirung 
der Bestände zeigt sich weit gediehen, doch nicht immer so weit, 
als man oft glaubt, auch keineswegs immer mit gleicher Gewissen- 
haftigkeit und Kenntniss gemacht. Dasselbe gilt Yon dem in seiner 
Art grossartigen Unternehmen der Inventaires sommaires, deren 
Katalog vom Ende 1884 sich im Bulletin des Bibliothöques 1884 
Nr. 3 findet. Für den Handgebrauch sind äusserst praktisch die 
gedruckte allgemeine Uebersicht der einzelnen Archivbestände und 
ein Generalkatalog sämmtlicher Ghartulare. Durch sie ist der For- 
scher in den Stand gesetzt, schon im Voraus ungefähr zu sehen, 
ob und wo sich etwas für seine Zwecke finden lässt. Für Benützung 
bedarf es keiner speciellen Erlaubniss, weil die Archive bis in die 
neueste Zeit jedem, wie eine Bibliothek, zugänglich sind, doch thut 
der Gelehrte gut, eventuelle Wünsche vorher schriftlich mitzutheilen, 
damit der Archivar unterrichtet ist und durch Suchen keine Zeit 
verloren geht. 

Der Archivar ist als Präfectur- zugleich Verwaltungsbeamter, 
wodurch er von der eigentlich gelehrten Archivarthätigkeit oft ab- 
gelenkt wird. Ein Uebelstand für ihn bleibt, dass er nicht selten in 
abgelegenen Städten, fern von lebhafterem Geistesleben, ohne eine 
grössere Bibliothek und ohne Anregung zu existiren, dass er zu 



72 V. Pflugk-Harttung: 

dem ihm unterstellten Materiale keine innerlich nähere Beziehung 
hat Selbst der rührigste und frischeste Oeist erlahmt da bisweilen 
und die wissenschaftlichen Leistungen der Archivare können nicht 
die Höhe erreichen, die die vorhandene Oeisteskraft ermöglichte. 
Auch hier sind unsere deutschen Archivare ungleich günstiger 
gestellt, ebenso in den Gehalts Verhältnissen, wie man mich oft 
versichert hat. 

Die Aufnahme eines Gelehrten von Seiten der französischen 
Archivare ist eine sehr liebenswürdige. Nicht selten wird Einem 
erlaubt, über die Bureaustunden hinaus zu arbeiten, bald unter 
Aufsicht eines Unterbeamten, bald unter der des Vorstandes, 
trtt, in Chälons-sur- Marne war der Archivar, Herr Pölicier, sogar 
so gütig, für midi beide Pfingsttage bei herrlichstem Wetter im 
Archive abzusitzen, damit ich bei knapp gemessener Zeit möglichst 
viel fertig bringen könne. Der Vortheil des Versendens, der in 
Deutschland das Arbeiten oft so sehr erleichtert, fällt dagegen fort. 
Versendungen sind Ausnahmefalle und erfolgen, meines Wissens, 
in der Regel nur vom Departement nach Paris. 

Die Departements -Archivare sind Schüler der 6cole des 
chartes zu Paris, nur bei Mangel an solchen überweist man 
kleinere Departementalarchive an Leute, die ein darauf bezüg- 
liches Examen bestanden haben. Bei Bewerbungen werden jene 
unbedingt bevorzugt. Die im Ganzen gleiche Schulung der Archiv- 
beamten erweist sich als vortheilhaft. Sie lernen in der 6cole 
in weitestem Umfange, was sie für ihren Beruf nöthig haben und 
gewinnen dadurch eine festere und mehr systematische Grundlage 
der Beamtenthätigkeit, als gemeinhin der deutsche Archivar, welcher 
mit freiwilligen und zufälligen Kenntnissen von der Universität 
zum Archive übertritt und hier nun erst praktisch anfangt, das 
Noth wendige zu lernen. Daher kommt es denn auch, dass man 
manchen deutschen Archivar finden dürfte, der weder merovingische 
noch altkuriale Schrift zu lesen vermag, während dies bei einem 
besseren Schüler der ^cole des chartes ausgeschlossen ist. Voraus 
hat der französische Archivar den eigentlich technischen Unterricht 
seiner 6cole, der deutsche die universelle Bildung der Universität, 
und durch strenge Handhabung des Fachexamens lässt sich vieles 
ausgleichen. Ausserdem ist beachtenswerth , dass eine Schulung 
auf deutsche Weise am Archive selbst in Frankreich kaum möglich 
wäre, weil hier je nur ein einziger wissenschaftlicher Beamter, thätig 



üeber Arcbive und Bibliotheken« 73 

zu sein pflegt, hlDgegen deren drei oder mehrere an deutschen 
Provinzialarchiven. Dadurch ist die Vertheilung der Arbeit, man 
möchte sagen, der ganze Instanzenzug, ein anderer geworden. Was 
bei der französischen Einrichtung mithin ein Bedürfniss bildet, 
ist es in Deutschland nicht. 

In dem archivalisch am meisten centralisirten deutschen Staate, 
in Bayern, besteht seit zwanzig Jahren eine Schule, die mit der 
6cole des chartes manches Verwandte bietet und sich die Ausbild- 
ung von Archivaren zur Aufgabe machte. In dem archivalisch 
am meisten decentralisirten Staate deutscher Zunge, in Oesterreich, 
hat man neuerdings das Institut für österreichische Geschichts- 
forschung mit Anlehnung an das französische Muster gegründet. 

Neben den Departementalarchiven Frankreichs kommen für 
die Erforschung älterer Zeit namentlich die Archive der Communen 
und Hospitale in Betracht Die Gommunalarchive, zur Mairie ge- 
hörig, erweisen sich durchweg älter als die Revolution, weil die 
Städte ein augenscheinliches Interesse besassen, ihre Acten aufzu- 
bewahren, um sich dadurch gegen Ansprüche der Regierung, 
der geistlichen und Feudalherren zu schützen. So hat denn auch 
die Mehrzahl der wichtigeren Städte ihre Municipalregister, die oft 
bis in das 13. Jahrhundert hinabreichen. Diesen rein städtischen 
Acten wurden oder blieben bisweilen auch noch andere beigeordnet, 
die streng genommen in das Departementalarchiv gehört hätten, 
zumal die der Kirchen und Stifter des betreffenden Ortes, z. B. in 
St. Omer die des Doms, in Reims die der meisten Stadtkirchen und 
der nächsten Umgebung, so dass dadurch das Reimser Stadtarchiv 
dem Departementalarchive zu Chälons an Reichthum alter Urkunden 
ziemlich gleichstehen dürfte. Doch sind dies Ausnahmen, in unserem 
Falle mit dem Gewichte des grossen und konservativen Reims 
gegen die unbedeutendere Departementalhauptstadt zusammenhängend. 

Aehnlich wie mit den städtischen verhält es sich mit den 
Spitalarchiven, auch sie sind durchweg alt und beruhen auf dem 
directen Bedürfnisse, die Besitztitel in Händen zu behalten. Die 
Revolution verschonte die meisten dieser wohlthätigen Anstalten 
und so konnten dieselben auch im Besitze ihrer Archivalien bleiben, 
die bisweilen, wie im Spitale von Chälons-sur- Marne, bis in das 
12. Jahrhundert hinauf reichen. 

Ausser diesen verschiedenen Instituten sind noch die Notariats- 
archive zu nennen. Die Notare des alten Regime besassen eine 



74 ▼• Pflngk-Harttuiig: 

ausgedehnte Thätigkeit, sie registrirten die Municipalprozesse, die 
Abrechnungen der öffentlichen Steuersammler, die Statuten der 
Korporationen, sie waren verwickelt in die Geschäfte der Communen 
und Feudalherrn, setzten Gesuche auf, gaben Nachricht vom Ge- 
wohnheitsrechte etc. Ein grosser Theil dieser vielfach wichtigen 
Notariatsacten ging in die Departementalarchive über, viele blieben 
aber auch in den Notariatsarchiven, die mitunter bis in's 13. Jahr- 
hundert hinauf gehen: Ihrer Mehrzahl nach sollen sie in Unord- 
nung sein. 

Die Materialien der Kirchenarchive wurden den Stadt- oder 
Departementsarchiven einverleibt, doch sind einige Kirchen im 
Besitze ihrer Archive geblieben. Dieselben scheinen durchweg in 
Unordnung und ohne Bedeutung zu sein. Einiges soll sich auch 
noch in bischöflichen Secretariaten verwahrt werden, so in dem von 
Ronen und dem von Autun. 

Bei der Menge geschichtlicher „Amateurs", die sich in Frank- 
reich findet, wird man mit der Annahme nicht irre gehen, dass 
solche Private bisweilen auch nicht unbedeutende Urkundensamm- 
lungen in Händen haben, doch ist mir persönlich nur eine mit 
wichtigeren alten Documenten bekannt geworden, die des Herrn 
Desnoyer zu Paris. 

Die bunteste archivalische Mannigfaltigkeit eröffnet sich dem 
Forscher in Italien, das noch bis vor Kurzem aus verschiedenen, 
sich ungleich entwickelnden Staaten bestand, wo bei der Einigung, 
wie schon gesagt, die Säkularisirung durchweg auf die Klöster 
beschränkt blieb, sich überhaupt neben dem allgemeinen ein aus- 
geprägtes Sonderleben bewahrt hat. Als unterscheidend zu Deutsch- 
land und Frankreich tritt der Umstand hervor, dass die Privat- 
archive von Wichtigkeit sind, ja sich in ihrer Gesammtheit für 
ältere Zeit mit denen des Staates zu messen vermögen. 

Die Einrichtung der Staatsarchive fallt mit Ausnahme dessen 
von Rom noch in die Zeit der italienischen Kleinstaaterei, wodurch 
sie äusserlich der deutschen entspricht, während ihr Inneres mehr 
französischen Zuschnitt aufweist. Jedes Land hat in der Haupt- 
stadt sein Staatsarchiv, Parma in Parma, Piemont in Turin, Toscana 
in Florenz. Grössere Länder, oder solche, die besonders reich 
an Urkunden waren, gaben auch den Provinzen ein solches, so 
befindet sich das für Ligurien in Genua, das der Emilia in Bologna, 
das von Sicilien in Palermo, das Sardiniens in Gagliari. Ausser 



Ueber Archive and Bibliotheken. 75 

dem Florentiner weist Toscana drei andere Staatsarchive auf, zu 
Pisa, Lucca und Siena. Hier und da ging man noch weiter und 
errichtete kleine Supplement -Staatsarchive, den bayrischen Kreis- 
archiven vergleichbar, so im Neapolitanischen und auf Sicilien, die 
jedoch durchweg unwichtig blieben und bisweilen mehr auf dem 
Papiere als in Wirklichkeit existiren. Am ungenügendsten verhält 
es sich mit dem alten Kirchenstaate, wo z. B. das reiche Umbrien 
kein Centralarchiv aufweist, wo selbst das vaticanische curial und 
nicht eigentlich staatlich war. Am reichsten an älteren Urkunden 
dagegen ist das toscanische Nachbarland und mit seinen Archiven 
rivalisirt Mailand für ältere, Venedig für spätere Zeit. Ueber dem neu 
errichteten römischen hat ein böser Unstern gewaltet : es sollte die 
Schätze sämmtlicher säkularisirten Kirchen und Klöster der Stadt und 
des Landgebietes der Siebenhügel aufnehmen, erhielt in Wirklichkeit 
aber peinlich wenig, weil die Archivalien grossentheils nicht abgeliefert, 
sondern unterschlagen wurden, — zur schwersten Schädigung der 
Kirchen, in deren Interesse man zu handeln glaubte. Ebenfalls ist man 
vom Archive Neapels enttäuscht, in welchem alle Urkundenbestände 
der Säkularisirten vom ganzen süditalienischen Festiande concentrirt 
sein sollten und wo thatsächlich wenig Altes vorhanden, trotz der 
ungewöhnlichen Ausdehnung des Baues. Die Gründe beruhen im 
Schlendrian, der Nachlässigkeit und Gewissenlosigkeit, die bei der 
Einziehung obgewaltet haben, und in einem besonderen Unglücksfalle, 
weil ein Schiff im vorigen Jahrhunderte unterging, welches reiche 
Bestände aus dem äussersten Süden nach Neapel abliefern sollte. 

Die Staatsarchive Italiens unterstehen dem Ministerium des 
Innern, eine Generaldirection für alle existirt nicht, sondern sie 
sind in zehn Superintendanzen getheilt, in die der Archive von 
Piemont, Ligurien, Lombardien, Venezien, der Emilia, Toscana, Rom, 
Neapel, Sicilien und Sardinien.i) 

Fast überall in Italien findet sich eine Zerlegung der Urkunden- 
massen in die der Staats- bezw. Stadtarchive und in die der Notariats- 
archive (archivio notarile), erstere die eigentlichen Urkunden, letztere 
die Notariatsacten enthaltend, so dass jene mehr wissenschaftliche, 
letztere mehr Verwaltungsinstitute bilden und zugleich die französ- 
ischen Notariatsarchive an Wichtigkeit überragen. Die Ordnung 

*) Ueber die Anordnung der italienischen Archive finden sich neue 
und ausführliche Angaben von kundigster Seite, von C. Paoli, in der Bevue 
historique 1884. 



76 V. Pflugk-Haittung: 

in den Staatsarchiven ist durchweg gut, am besten in den grossen, 
Kaiser- und Papsturkunden sind vereinzelt; wie zu Mailand in 
besonderen Kästen vereinigt. Auch die Repertorisirung erweist 
sich als genügend, doch ist zu bedauern, dass sie in verschiedenen 
Archiven verschieden, oder doch noch nicht immer so weit geführt 
werden konnte, wie die Verwaltung selber es wünscht. So gut 
wie gar nicht ropertorisirt schienen mir die Bestände in Neapel 
zu sein, wenigstens habe ich keine Eepertorien in die Hand be- 
kommen. Zu Florenz und Mailand katalogisirte man in Folianten 
nach Dependenzen (Ortschaften, Klöstern etc.), in Lucca und Pisa 
legte man Zettelkataloge an, die chronologisch geordnet wurden. 
Als besonders praktisch und nachahmenswerth ist das Pisaner System 
zu empfehlen, dort wählte man nämlich verschiedene Farben für 
die Zettel, je nach dem Aussteller: Kaiser, Päpste, Bischöfe und 
Aebte, Fürsten und Laien erhielten je eine Farbe für sich. Auf 
diese Weise konnte mit der chronologischen zugleich eine sachliche 
Ordnung durchgeführt werden. Wie die Repertorisirung, so möchte 
die Aufbewahrung der Urkunden im Neapolitaner Archiv zu wünschen 
übrig lassen, während das von Palermo unter der sicheren und 
umsichtigen Leitung des Comm. Silvestri vortrefflich eingerichtet ward. 

Die Zulassung zur Benutzung der Archive entspricht der 
französischen Art. Man pflegt sich beim Archivdirector zu melden, 
der ohne Schwierigkeit die Erlaubniss ertheilt. Die Arbeitszeit 
wird durchweg straffer innegehalten als in Frankreich; die Archive 
sind eben grösser und stärker benutzt, wesshalb weniger Bücksicht 
auf den Einzelnen genommen werden kann. Verschickung von 
Urkunden findet nicht statt. 

Den Staats- und Notariatsarchiven zur Seite stehen die 
Stadtarchive (archivio comunale), welche an alten Materiale nicht 
reich zu sein, zunehmend wichtiger erst mit dem Aufblühen der 
Städte zu werden pflegen, was bei einigen allerdings schon in der 
zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts beginnt. Von denen, 
die ich besuchte, erwiesen sich die von Verona, Cremona, Piacenza 
und Spoleto besonders beachtenswerth. Die Verwaltung dieser 
Archive ist neben der der laufenden Communalgeschäfte vielfach 
ungenügend und ein eigentlicher Archivar nur für die grösseren 
angestellt. Genehmigung zur Benutzung pflegt der Sindaco zu 
ertheilen. 

Von hohem Werthe erweisen sich die Privatarchive, die man 



Ueber Archive und Bibliotheken. 77 

in weltliche und geistliche: in solche adliger Familien und privater 
Sammler, und in die der Bisthümer, Kapitel und Klöster zerlegen 
kann, während die Spitalarchive auf der Grenze zwischen beiden 
stehen. 

Die weltlichen Privatarchire können sich nicht annähernd mit 
den geistlichen messen. Von ihnen sind hervorzuheben die einiger 
römischer Fürsten: der Golonna, Caetani, Barberini, der Doria zu 
Genua (jetzt Doria -Pamfili zu Rom), der Grafen Trivulzi zu Mai- 
land, der Venosta- Visconti zu Sondrio, der Herzöge Scotti-Gallarati 
im Mailändischen, der Grafen Biandrate zu Turin etc. An Wich- 
tigkeit die Nachbarländer hinter sich lassend, erweisen sich die 
Privatsammlungen, so die Mailändische von Morbio, die nach 
München verkauft wurde, aus mehr als 5000 Urkunden bestehend, 
worunter sich zahlreiche Kaiser- und Papsturkunden der älteren 
Zeit befinden, zumal aus Como, Cremona und Piacenza stammend, 
ferner die des Cav. Brambilla zu Pavia, des Dott. Robolotti zu 
Cremona, des Cav. Camera zu Amalfi, eines ungenannt bleiben 
wollenden Herrn zu Arezzo etc. Der Mangel an Interesse für die 
Vergangenheit, dem man bisweilen in Italien begegnet, Geldbedürf- 
nisse und Anderes ermöglichen noch jetzt nicht selten Ankäufe 
grosser Urkundenvorräthe um niedrigen Preis. 

Die weltgeistlichen Archive zerfallen in zwei scharf zu son- 
dernde Gruppen : in die der Bisthümer (archivio vescovile) und die 
der Kapitel (archivio capitolare), wozu noch die einiger anderer 
Kirchen kommen. Bisthum und Kapitel sind in Italien nicht wie 
in Deutschland durch Verwaltungs- und Regierungsgeschäfte des 
Sprengeis verbunden, sondern bestehen durchaus nebeneinander. 
Jene Geschäfte besorgt der Bischof mit seinen Beamten, deren 
Bureau die curia vescovile ist, mit der sich das Archiv verbunden 
findet. Den Domkapitularen dagegen liegt nur Kirchen dienst in 
der Kathedrale und Seelsorge in der dazu gehörigen Pfarrei ob. 
Diese Nebenordnung bewirkte eine Sondergeschichte für beide, selbst 
eine feindliche Haltung. An historischer Bedeutung sind die Bis- 
thümer überlegen, sie pflegen aber weniger reich an Dokumenten 
wie die Kapitel zu sein. 

Als das wichtigste Bischofsarchiv ist das päpstliche im Vatican 
zu nennen. Sein Bestand an alten Urkunden ist nicht so gross, wie 
man früher oft geglaubt hat, es enthält durchweg nur Stücke, die 
zufallig erworben oder aufbewahrt wurden. Dafür aber nimmt die 



78 V. Pflugk-Harttung: 

Zahl der Urkunden mit jedem jüngeren Jahrhunderte zu. Den 
Hauptwerth repräsentiren die langen Reihen von Registerbänden, 
beginnend mit Innocenz III, durch Jahrhunderte ein Spiegelbild der 
Weltgeschichte bietend, weshalb das vaticanische Archiv von 1200 
bis 1500 nicht sowohl ein, als das Archiv ist. Neben den Registern 
wurden zahlreiche Sammelbände anderen Inhaltes überliefert, worauf 
wir hier jedoch nicht einzugehen brauchen. Nach dem vaticanischen 
sind die reichsten bischöflichen Archive die von Ravenna und Lucca, 
an welche sich reihen die Pisas, Salernos, Turins, Volterras, Pavias 
u. a. Meistens lässt Ordnung und Katalogisirung zu wünschen, was 
nicht Wunder nehmen kann, weil die bischöflichen Beamten Ver- 
waltungsbeamte zu sein pflegen, die mit den laufenden Diöcesan- 
geschäften zu thun haben. Nur hie und da, wie in Ravenna, Pisa, 
Lucca und Volterra findet sich überhaupt ein eigentlicher Archivar, 
der sein Amt aber als Nebenamt anzusehen pflegt, so z. B. ist der 
Archivar des erzbischöflichen Archivs zu Pisa ein an der Univer- 
sität docirender Professor der Philosophie. Aus diesen Umständen 
erklärt sich leicht, weshalb verschieden sorgfaltig aufbewahrt wurde, 
weshalb manche Orte, die reiche und wichtige Bischofsarchive haben 
sollten, wenig oder fast nichts besitzen, so Florenz, Mantua, Novara, 
Vercelli. Erlaubniss zur Benutzung ertheilt der, Bischof. 

Bei den Kapiteln lagen die Verhältnisse durchweg günstiger, 
weil die Kanoniker in ihrer Vielheit und erbaulichen Kirchenthätig- 
keit besser auf ihre Urkunden Acht geben konnten, als ein stark 
beschäftigter Bischof, und weil sich fast immer einer unter ihnen 
befand, der, Geschichtsinteresse besitzend, zum Archivare tauglich 
erschien. Der Forscher ist diesen Leuten für ihre Jahrhunderte lang 
fortgesetzte Thätigkeit zu grossem Danke verpflichtet, durch sie 
wurde so gut hausgehalten, dass die Kapitel durch ihr historisches 
Material die Bischofssitze überflügelten. Nur an wenigen Orten, 
wie in Lucca und Salerno waltet das umgekehrte Verhältniss ob, 
in einigen anderen, wie in Turin und Siena, mögen sie sich das 
Gleichgewicht halten, und in ganz kleinen, wie in Alatri, vereinigte 
man beide Bestände. 

Mit der besseren Aufbewahrung hängt eng die bessere Ord- 
nung zusammen, wenngleich sie willkürlich und nach Einzelbelieben 
vorgenommen wurde und dem entsprechend auch die Repertorisirung 
ausfiel. Hier ordnete man chronologisch, dort nach Materien, dort 
gar nicht, sondern registrirte hinter einander weg, wie die Stücke 



Ueber Archive und Bibliotheken. 79 

gerade vorlagen etc. Besonders reiche und trefflich gehaltene 
Eapitelarchive finden sich in Arezzo, Florenz, Pisa, Modena, Yerona, 
Vercelli etc., selbst in kleinen und abgelegenen Orten, wie in Volterra, 
Narni, Veroli, und Anagni entdeckt man unerwartete Schätze. Bei 
dem privaten Charakter dieser Institute können sie noch vor kurzem 
in Ordnung gewesen und durch irgend einen Sucher völlig durch- 
einander geworfen sein, wie es z. B. in Salerno der Fall war. Veroli 

• 

hat ausgezeichnet erhaltene Urkundenbestände, sie wurden aber auf 
die oben geschilderte Kraut- und Rüben weise repertorisirt, sauber 
aufgerollt und in Bündel zusammengeschnürt. Das einzige Auf- 
klärungsmittel, das Bepertorium, wurde alsdann von einem Privat- 
manne ausgeführt, so dass der Benutzer jetzt rath- und hülf los vor 
all den schönen Bündeln steht, ohne Ahnung, was etwa sie enthalten. 
Wegen der Erlaubniss zum Arbeiten braucht man sich bisweilen 
nur an den Archivar zu wenden, um alsbald seine Wünsche in 
liebenswürdigster Weise erfüllt zu sehen, bisweilen werden Um. 
stände gemacht, ein Plenarbeschluss des Kapitels, Mangel an Zeit 
(„sono occupatissimo^^, obwohl gar nichts zu thun) und dergl. vorge- 
schützt. Fälle, wo sich solche Schwierigkeiten nicht überwinden 
lassen, sind selten, kommen aber vor; so konnte ich trotz aller 
Mühen nicht Tn die Domnrchive von Genua, Piacenza, Assisi und 
in das bischöfliche von Paria gelangen. In Genua hielt mich der 
Archivar hin in der Yoraussetzung, dass mir die Geduld ausgehe; 
als er merkte, dass er falsch gerechnet habe, sagte er offen: das 
Archiv sei reich, ich würde lange darin arbeiten müssen, was ihn 
seinerseits wieder nöthigte, lange im Archive zu bleiben, er aber 
sei alt und es sei augenblicklich Ende November. Ich gestehe, dass 
ich diese Gründe durchaus anerkenne. Der Archivar von Piacenza, 
der weder den Winter noch sein Alter vorschützen konnte, jammerte 
über endlose Arbeit, obwohl ich ihn wiederholt friedlich im Lehn- 
stuhle sitzend überraschte. Später hörte ich, dass er mir das Leben 
so sauer gemacht habe, weil er nicht begreife, was die Protestanten 
immer mit den Päpsten zu thun haben wollten. Auch diesen 
Grund kann ich nicht umhin anzuerkennen. In Assisi stand der 
Besuch eines Kardinals bevor, der die Gemüther und die Kirche 
auf den Kopf stellte, wodurch für einen anderen Sterblichen nichts 
zu erlangen übrig blieb. In Pavi» schien der bischöfliche Kanzlei- 
beamte vnrklich zu thun zu haben. Man sieht, viel hängt hier 
von Zufälligkeiten und persönlichem Auftreten ab. Ein äusseres 



80 V. Pflugk- Harttang: 

Moment kommt noch hinzu, die Benutzung geistlicher Archive zu 
erschweren, das ist die politische Gegnerschaft zwischen Laien und 
Klerus, die in einzelnen Theilen des Landes so weit gediehen ist, 
dass man mich z. B. in Perugia auspfiff, weil ich mit einem Geist- 
lichen auf der Strasse ging. Gerade gute Archivare fürchten hie 
und da für ihre Urkunden und lässt sie selbst in einem radebrech- 
enden Fremden einen Spion der Regierung beargwöhnen; es sollen 
Fälle vorgekommen sein, die das Misstrauen erklären. 

In manchen Städten giebt es verschiedene KoUegiatkirchen 
mit Archiven: in Mailand den Dom und S. Ambrogio, in Piacenza 
den Dom und S. Antonino, in Bari den Dom und S. Nicola, in 
Genua gar den Dom, S. Maria dl Garignano, S. Maria di Castello 
und S. Maria delle Vigne, in Rom S. Pietro in Vaticano, S. Gio- 
vanni in Laterano, S. Maria in Trastevere, S. Maria Maggiore, 
S. Maria in Via Lata und wohl noch andere. 

Fast in jeder wichtigeren Commune befindet sich auch ein 
Hospitalarchiv, welches in Reggio neir Emilia ziemlich das wichtigste 
der Stadt ist; sonstige reiche Hospitalarchive sind das von Mailand 
und Siena. 

Besonders hervorheben muss man noch die Archive der nicht 
eingezogenen Benedictinerklöster, von denen schon in der Einleitung 
gesprochen wurde. Als bedeutendstes unter ihnen erweist sich das 
des ehrwürdigen Monte Cassino, welches an alten Documenten bei 
weitem mehr als das Staatsarchiv von Neapel bietet. Ihm zunächst 
gesellt sich La Cava, wie das erzbischöfliche Archiv von Lucca 
besonders reich an Urkunden des zehnten Jahrhunderts. S. Pietro 
di Perugia besitzt ungewöhnlich gute Papsturkunden des elften 
Jahrhunderts, während Nonantola reicher an Privat- und Kaiser- 
urkunden ist. In Monte Cassino macht man dem Forscher neuer- 
dings Schwierigkeiten, weil man beschäftigt ist, die Schätze des 
Archivs selber zu ediren, in La Cava, wo letzteres ebenfalls ob- 
waltet, wird liberaler verfahren. 

Häufig finden sich Diplome in allen diesen Archiven, die 
streng genommen, nicht dahin gehören, die durch Beziehungen oder 
Zufälligkeiten erworben wurden. Bei dem Vaticanischen Archive 
machten wir schon darauf aufmerksam. Monte Cassino birgt Stücke 
aus Glanfeuil in Frankreich und aus Gaeta, Cefalu solche aus Casa 
Mari bei Veroli, die Certosa di Calci von dem Kloster der Insel 
Gorgona, das erzbischöfliche Archiv in Siena von S. Trinitä di 



lieber Archive und Bibliotheken. gl 

Torri, Cava von S. Trinitä dl Bari etc. Doch auch von weltlichen 
Archiven gilt das gleiche, so enthält das Staatsarchiv zu Palermo 
die interessanten Stücke von S. Maria in Josaphat bei Jerusalem, 
die über Messina dorthin gelangten; das Archiv der Barberini in 
Rom entzog mir leider die Urkunden von Grotta Ferrata u. s. w. 

Was die Archivbeamten betrifft, so ist zwischen denen des 
Staates und denen der geistlichen Institute zu scheiden. Unter 
ersteren befinden sich Gelehrte, deren Namen von bestem Klange; 
an allgemeiner Bildung können sie sich den deutschen vergleichen, 
in Sprachkenntnissen dürften sie ihnen bisweilen überlegen sein, 
weil namentlich die jüngeren neben ihrer Muttersprache und dem 
verwandten Latein noch französisch und deutsch, ja, bisweilen selbst 
englisch lernten. Eine Centralarchivschule giebt es nicht, dafür 
aber wird an einigen Orten Paläographie gelehrt, in Florenz suchte 
Prof Cesare Paoli eine Schule zu begründen, aus der paläographisch 
trefflich geübte junge Leute hervorgehen, in Neapel geschah es 
durch A. Miola mit Anlehnung an die Nationalbibliothek. Zucht und 
Fleiss sind verschieden, durchweg gut in Nord- und Mittelitalien, 
wogegen ich beides in Neapel etwas vermisste; das Haus wurde 
spät eröffnet, früh geschlossen und im Uebrigen die Zeitung gelesen 
und politisirt (es war die Zeit der Tunisaffaire) , während die Ur- 
kunden von einem ausgetrockneten Meergreise geholt wurden, der 
mit Vorliebe den Daumen zwischen seine dünnen Lippen schob, 
um plastisch Durst zu vergegenwärtigen. Unter dem jetzigen neuen 
Directorium wird das gewiss gebessert sein. Sehr angenehm er- 
weist es sich für den Fremden, dass die Archivare nicht blos Beamte, 
sondern auch liebenswürdige Menschen zu sein pflegen, in und 
ausser Dienst freundlich und gefällig. 

Bei den geistlichen Archivaren hängt fast alles vom Zufalle 
ab, zumal auch, ob man den Archivar am Orte trifft oder ob er 
verreist ist und die Schlüssel mitgenommen hat, ein Fall, der 
Einem in den Monaten des Hochsommers besonders leicht begegnet. 
In Cefalu auf Sicilien waren von einem Privaten Urkunden des 
Domarchivs entwendet, infolge dessen die Regierung die Schlüssel 
nach Palermo einforderte und nun länger als ein Jahr niemand 
das Archiv betreten konnte. Es kommt auch vor, dass der Archivar 
den Schlüssel nicht finden kann oder zunächst nicht finden will, 
oder dass doch der zu einem oder dem anderen Schranke fehlt. 
Doch alles dies ist selten, schlechthin eine Ausnahme. Neben den 

Archivalische Zeitschrift. X. 6 



82 ▼• Pflugk-Harttung: 

bestunterrichteten Archivaren von Arezzo, Vol terra, La Cava und 
Monte Cassino findet sich ein würdiger Greis, der resignirt gesteht, 
er könne keine Urkunde lesen, denn als er jung gewesen, habe 
man solche Dinge noch nicht gelernt und jetzt sei er zu alt dazu. 
Unbequem ist jener Schlag, der gern gelehrt erscheinen möchte 
und thatsächlich nichts weiss, aber solchen Leuten begegnet man 
ja auch sonst, unter deutschen „Diploraatikern" nicht am seltensten. 
Beträgt man sich halbwegs anständig, so kann man sich keiner 
grösseren Liebenswürdigkeit, als der der italienischen Kanoniker 
erfreuen. Sie sind meinetwegen schon im Morgengrauen aufs 
Archiv gekommen, haben mich bis spät des Abends bei Licht 
arbeiten lassen, die Sachen in ihre Wohnung geschleppt, um mir 
alles bequem zu machen, mich hier mit Thee und Punsch rega- 
lirt, ja, mir sogar die Schlüssel zum Archive ausgehändigt mit der 
Bemerkung, ich könne thun was ich wolle, wenn meine Arbeit 
fertig sei, solle ich nur die Schlüssel nicht vergessen; kurz, wer 
das Vertrauen der guten Leute zu gewinnen versteht, wird alsbald 
ihr Freund, und nicht selten sind sie mit Umarmung, Kuss und 
einigen Thränchen von Signore Giulio geschieden. Das Wohlwollen 
und persönliche Interesse kann bisweilen fast gefährlich werden, 
weil es bei einigen das Bedürfniss erweckt, den Fremdling bei 
seiner Arbeit noch zu unterhalten, damit er sich nicht langweile; 
oder dazu führt, einen Freundeskreis herbeizurufen, der sich 
malerisch umhergruppirt, die Köpfe dicht zusammendrängt, und bei 
jeder schnell gezeichneten Pause oder einem geschickt gemachten 
Siegelabdrucke in laute Bewunderung losbricht; oder es veranlasst, 
gerne mithelfen zu wollen und vor lauter Emsigkeit und Beschäf- 
tigung fleissigst zu hemmen. 

Solch' unverdrossene Liebenswürdigkeit ist um so rührender, 
als sie von den Fremden wenig Dank, oft das Gegentheil erntet, 
und man nicht ansteht, von der „Bornirtheit" gewisser Kanoniker 
nicht blos zu reden, sondern es auch drucken zu lassen. Man 
denke sich doch, welch' einen Eindruck es auf diese Leute machen 
muss, die vom Werthe der Zeit den weitesten Begriff haben, wenn 
ein bartloser, eben 20jähriger „Professore" schweisstriefend ange- 
rannt kommt, mit einem grossen Desiderienzettel und einer allge- 
meinen Empfehlung von einem „Listitut" bewaffnet, welches der 
Geistliche kaum dem Namen nach kennt. In unverständlichen 
Grunzlauten wird vorgetragen, man wünsche die und die Urkunde, 



Ueber Archive und Bibliotheken. 83 

aber sofort, weil schon nach wenigen Stunden abgereist werden 
müsse. Gewiss mit Recht hat der Italiener hier das Gefühl der 
Ungehörigkeit, das, er werde ausgenutzt, nun gar wenn der „Pro- 
fessore" ungeduldig nach der Uhr sieht, und über schlechte Ordnung 
und italienische Unwissenheit zu räsonniren anfängt. Man glaubt 
in Deutschland oft, die Italiener bemerkten nichts, weil sie stets 
höflich zu sein pflegen, man täuscht sich da gar sehr, sie beobachten 
nur zu gut, und ein unscheinbares Männchen äusserte mir im Ver- 
trauen: vor der deutschen Wissenschaft habe er alle Achtung, vor 
den deutschen Professoren aber gar keine, denn die, die ihm neuer- 
dings vor Augen gekommen, seien dumme Jungen. In wie fern 
dieses Urtheil gerechtfertigt ist, liegt mir ferne, ergründen zu wollen. 
Stets muss man bedenken, dass die geistlichen Archive eigentlich 
Privatarchive sind, dass es auf der Sitte und persönlichen Gefällig- 
keit beruht, wenn einend Fremden der Zutritt gewährt wird. Für 
sein Archivariat bezieht der Geistliche durchweg kein öder ein 
äusserst geringes Gehalt, so dass es doppelte Aufopferung für ihn 
erfordert, Zeit und Material für jemand herzugeben, den er nie 
gesehen, nie wiedersehen wird und der sich bisweilen gebährdet, 
als sei der Urkundenverwalter sein pflichtschuldiger Diener. Eine 
Beherzigung dieser auf Thatsachen beruhenden Erörterungen würde 
der Wissenschaft vielleicht zu Nutzen gereichen und manchen Irr- 
thum vermeiden lassen. 

Ankündigungsbriefe zu schreiben, nützt in Italien fast nichts, 
weit wichtiger sind persönliche Empfehlungen, die man sich wo- 
möglich von Ort zu Ort geben lässt. 

Stellen wir zum Schlüsse die Frage, in welchem der drei 
Länder ist es dem Forscher möglich, in gleicher Zeit am meisten 
zu leisten, so wird sie auch hier, wie bei den Bibliotheken, zu 
Gunsten Deutschlands ausfallen. Durch das System des Urkunden- 
verschickens und des Centralisirens in grösseren Archiven, oft in 
Verbindung mit einer guten Bibliothek, zeigt sich Deutschland seinen 
Nachbarländern überlegen. Am interessantesten, doch am schwersten 
ist die Thätigkeit in Italien : ein sicherer Um blick, bedeutende Arbeits- 
zuverlässigkeit und genaues Haushalten mit der Zeit, ohne eigent- 
lichen Zeitgeiz, sind dort noth wendige Erfordernisse. Dafür kommt 
man aber auch mit den schönsten und reichsten Eindrücken aus 
Italien zurück, die unendlich viel schwerer wiegen dürften, als die 

kleinen Unannehmlichkeiten, mit denen man sie erkauft. 

6* 



V. Das herzogliche Archiv in Mitau. 

Von 

Dr. Th. Schiemann, Stadtarchivar in Beval. 



Nachdem ich bereits vor einigen Jahren auf Anregung der 
kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst das kurländische 
herzogliche Archiv in seinem älteren Bestände bis zum Tode Herzog 
Jacobs geordnet hatte, wurde mir der Auftrag, die Endordnung des 
Archivs, zu übernehmen, zu welcher die kurländische Ritterschaft 
in liberalster Weise die Mittel gewilligt hatte. Es war zweierlei 
von vorn herein klar. Einmal, dass zahlreiche Nachträge zu den 
frülier geordneten Partieen sich finden würden, zweitens, dass es 
undenkbar sei, eine durchgehende Ordnung in das Detail hinein 
vorzunehmen. Dazu gehört mehr als die Arbeitskraft eines Ein- 
zelnen ; die jahrelange Arbeit eines wohlorganisirten Archivpersonals 
allein vermag eine so grosse Aufgabe zu lösen. Ich musste mir 
daher mein Ziel näher rücken, um es erreichen zu können und 
fixirte es mir dahin, so weit es möglich sei, die alte Ordnung des 
Archivs wieder herzustellen und nach möglichst allgemein gefassten 
Gesichtspunkten den Inhalt der übrigbleibenden Convolute zusammen- 
zufassen. Es musste einer späteren Durcharbeitung überlassen 
bleiben, hier weitere Theilungen und Nachordnungen vorzunehmen. 

Meine Aufgabe war, endlich einmal klar zu legen, was im 
Grossen und Ganzen das herzogliche Archiv enthalte und die Arbeit 
in demselben zu ermöglichen. In sieben wöchentlich er angestrengter 
Arbeit glaube ich dieses Ziel erreicht zu haben und konnte der 
kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst diesen Bericht 
über den Bestand des Archivs vorlegen. Ich greife dabei auch 
auf den früher geordneten, nunmehr vielfach vervollständigten 
älteren Theil des Archivs zurück. 

Der Eintheilungsgrund ergab sich leicht: Ordens -Zeiten, 
Herzog Gotthard, Herzog Friedrich und Wilhelm, Herzog Jacob, 



Schiemann: Das herzogliche Archiv in Mitau. g5 

Friedrich Casimir, Friedrich Wilhelm, Ferdinand, der Nordische 
Krieg, Herzog Ernst Johann, das Interregnum und Herzog Peter 
waren die von selbst gebotenen Abthoilungeu. Dazu kamen noch 
besondere Rubriken für Landtagsschlüsse, Landschaftssachen, Pilten, 
Rechtssachen, Städtewesen, Canzlei-Expeditionen und endlich Inven- 
tarien. Es sind im Ganzen 2154 Convolute, grösseren und kleineren 
Umfanges, die unter diesen Rubriken zusammengefasst worden. 
Die Zahl der einzelnen Actenstücke auch nur annähernd zu schätzen 
ist schwierig; 100,000 besondere Schriften ist gewiss eine viel zu 
niedrige Angabe. 

Was zunächst die Ordenszeit betrifft, so ist der Bestand des 
Archivs hier ein äusserst geringer, im Ganzen 14 Nummern fast 
ausschliesslich Kurland betreffender Urkunden. Wir heben darunter 
die in vier Ausfertigungen erhaltene Bulle Papst Innocenz VI. vom 
Jahr 1355 hervor, über die Preussische Grenzscheidung zwischen 
Orden und Geistlichkeit. Aus späterer Zeit interessirt namentlich 
das Originalinstrument der Coadjutorwahl Gotthard Kettlers und 
das Universal, durch welches er sich am 5. April 1560 verpflichtet, 
für den Fall seiner Vermählung alle Ordensgebietiger und Glieder 
des Ordens zu versorgen. Leider sind von der letztgenannten 
Urkunde Unterschriften und Siegel abgeschnitten. In dieser Be- 
ziehung ist überhaupt mit unserem Archiv barbarisch verfahren 
worden, so dass die Zahl der in ähnlicher Weise verstümmelten 
Urkunden eine recht beträchtliche ist. 

Die provisio ducalis hat sich im Original erhalten, ebenso die 
Urkunde, durch welche Nicolaus Radziwil dem Herzoge Gotthard 
für die Abtretung des Hauses Dünamünde in Sigismund Augusts 
Namen 15,000 Thaler zusichert (1562 März 16). Ueberhaupt sind 
die für das Verhältniss Kurlands zu Polen grundlegenden Rechts- 
titel recht vollständig beisammen. So die Vollmacht der Ritter- 
und Landschaft zur Vereinigung Kurlands mit littauen (d. d. Hof 
zum Berge 1567 September 12) und später zur Union (d. d. Gol- 
dingen 1568 December 10), die Incorporatio ducatus Curlandiae 
cum regno Poloniae (Lublin 1569 August 3), König Stephans Be- 
stätigung der von Sigismund August dem Herzoge verliehenen 
Rechte (d. d. Disna 1579 August 4) und unter demselben Datum 
die Bestätigung des herzoglichen Wappens. Die Zeichnung des 
Wappens fehlt, der Raum für dieselbe wurde freigelassen und 
später nicht mehr ausgefüllt Zu den practisch bedeutungsvollsten 



86 Schiemann: 

Urkunden gehört endlich die durch Georg Radziwil vollzogene 
Grenzrichtung zwischen Kurland und Littauen; leider ist aber auch 
dieses Original durch Ausschnitte arg verstümmelt. 

Das Privilegium der Ritter- und Landschaft vom 25. Juni 1570 
ist nur in copia, die Confirmation desselben durch König Stephan 
dagegen im Pergament-Original erhalten (d. d. 1581 November 28). 

Sonst umfassen die Gotthardiana des herzoglichen Archivs 
mehr auf die livländische als auf die kurländische Geschichte 
bezügliche Briefschaften. Letztere, namentlich so weit sie die 
innere Verwaltung betreffen, scheinen durch einen unglücklichen 
Zufall meist verloren. Die Correspondenz Herzog Gotthards und 
seiner Räthe betrifft vorzugsweise den polnisch-schwedisch-russischen 
Krieg und ist von mir bereits vor Jahren in extenso copirt worden. 
Als besonders interessante Stücke wären ein Bericht über Johann 
Bürin^s Einnehmung des Hauses Treiden und die Listruction der 
an Gotthard abgefertigten wendischen Gesandten, vom Jahr 1565, 
hervorzuheben. 

Ueber die internen kurländischen Angelegenheiten, unter der 
Regierung dieses ersten Herzogs orientiren, nächst den bekanntlich 
gedruckten Landtagsacten , die sich jedoch nur in alter Abschrift, 
nicht im Original für die Jahre 1567 — 1616 erhalten haben, am 
Besten die unter der Rubrik Herzogin Anna zusammengestellten 
Acten. Herzog Gotthard schloss nach längeren Vorverhandlungen 
1566 seine Ehe mit der Prinzessin Anna von Meklenburg. Das 
Original des Leibgedinges und dessen Bestätigung durch Sigismund 
August haben sich erhalten; wichtiger jedoch, als diese officiellen 
Actenstücke, sind für uns die 14 Convolute, welche die reichhaltige 
Correspondenz der Herzogin umfassen. Wenn auch ein Theil der- 
selben Meklenburg betrifft, so wirft doch die tiberwiegende Mehr- 
zahl erwünschtes Licht über Fragen, die uns sonst verschlossen 
geblieben wären. Das Ausgabebuch der Herzogin z. B. reicht von 
1603—1614 und illustrirt Geld- und Wirthschaftsverhältnisse der 
Zeit, während ihre Correspondenz mit Johannes Simonius, dem 
Erzieher der Herzoge Friedrich und Wilhelm, ein helles Schlaglicht 
auf die auch in kurländische Dinge eingreifenden theologischen 
iStreitigkeiten zwischen strengen Lutheranern und Cryptocalvinisten 
wirft. Ueber den Nachlass der Herzogin wurde von dem Notar publ. 
L. Scheppert ein Divisionsinstrument ausgefertigt, das noch bei den 
Acten liegt. 



Das herzogliche Archiv in Mitau. 87 

Von der Jugendzeit der Herzoge Friedrich und Wilhelm hat 
sich bis auf zerstreute Notizen fast gar nichts erhalten. Unter 
diesen Umständen ist uns ein Schreiben von Interesse, in v^elchem 
Friedrich 1580 den Vater um sein und der Mutter Bildniss bittet. 
Herzog Wilhelm war bei des Vaters Tode zu jung, um die Regierung 
des Herzogthu